Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 31 (23.4.1926)
- Date
- 1926-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 31 daß eine ,,arabische Legion‘•' in Bildung begriffen sei. Schon durch diese Terminologie wird bewirkt, daß die jüdische Gcffcnflichk( it a!ln!:ihiid1 die Ansicht bekommt, es handle sich um ein arabisches GegeivTück der jüdisehen Legion, die seit Jahren in der Propaganda einer zionistischen ()nippe henunspukt. 111 Wahrheit ist davon nicht die Rede, \ ielmehr wird die arabische Legion Transjordaniens, die bisher existierte, ohne die geringsten Bedenken bei den Juden Cisjordaniens zu wecken, aufgelöst, und statt dessen ein englischem Kommando un- (:erstellendes Orenzschut/korps gebildet. Trotzdem die fast täglichen, schreienden Leben:,chrilten der hebräischen Presse: ,,Die arabische Legion wird gebildet!“, als ob damit gesagt werden sollte, ,,Die Philister über dir, Simson!“ Wir bedauern, feststellen zu müssen, daß in dieser Hinsicht die Arbeiterzeitung ״Dawar״ sich noch wilder gebärdet als andere Zeitungen; uni die Arbeiterpartei Acliduth Hnawodah (Poale Zion), deren führende Mitglieder einst selbst Legionäre waren und sich offenbar von dieser Romantik nicht losreißen können, ist die Anführerin der ganzen Kampagne. Wir wissen, daß man unsere Stellungnahme gegen diese Art Politik als Ketzerei brandmarken wird, aber wir wollen nicht sclnveigen, wo wir Abwege sehen. Es ist kein Beweis für die Richtigkeit einer Politik, wenn ihrer Suggestion im Augenblick die große Mehrheit einer Bevölkerung erliegt. Eine kleine Gruppe von Persönlichkeiten, au deren Spitze immerhin der Leiter der Universität, Dr. Magnes, steht, hat öffentlich gegen die Politik der Mehrheit Stellung genommen. Dies beweist natürlich nicht, daß nicht andere, die es vielleicht nicht für opportun halten, öffentliche Erklärungen abzugeben, die Anschauung dieser Gruppe teilen. Im Waad Leusni ist eine Minderheit mit Entschiedenheit gegen die Legionsparole aufgetreten, und es muß auch erwähnt werden, daß die Arbeiterpartei Hapoel Hazair in ihrer Presse und durch ihre Vertreter im Waad Leumi sich energisch dagegen gewandt hat. Den Standpunkt der Deklaranten finden unsere Leser an anderer Stelle als die Stimme einer kleinen Minderheit dargelegt, ln ״Dawar“ hat bereits Beilinson in einem ausführlichen Leitartikel heftig gegen die Erklärung Stellung genommen. Wenn vielleicht auch einzelne stilistische Formulierungen der Erklärung nicht ganz glücklich sind, so berücksichtigt Beilinson bei seiner Apologie der Legionspolitik, die er naiverweise gar nicht als solche anerkennen will, zu wenig die Imponderarabilien: die Tatsache, daß im Bewußtsein der aufgewiegelten Massen, und von hier hinüber wirkend ins arabische Lager, das Schlagwort ״Jüdische Legion“ und ״Arabische Legion“ zurückbleibt, und daß dieses Phantasiespiel mit der Vorstellung einander gegenüberstehender Legionen eine Wirkung hat, die die Befürchtungen, die heute noch unbegründet sind, in PK nehmendem Maße rechtfertigen könnte. '::י־ Wir haben noch die Hoffnung, daß besonnene Staatskunst eingreifen und die verfahrene Situation entwirren wird. Die Regierung, die für die ungestörte Ent- Wicklung in Palästina verantwortlich ist, muß das ihre dazu beitragen, indem sie durch korrekte und loyale Durchführung ihrer letzten Verordnung, die bei der Aufnähme in das palästinensische Grenzkorps keine Unterschiede zwischen den Nationen des Landes macht, der Agitation die Grundlagen entzieht. Die Unzufriedenheit im Lande ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß die Spannkraft des Jischuw in den letzten Monaten auf eine harte Probe gestellt war. Die große Einwanderung des letzten Jahres hat notwendigerweise einen Rückschlag nach sich gezogen. Das wahre Wachstum des jischuw kann sich ja nicht durch die bloßen Ziffern der Einwanderer ausdrücken, die von den Schiffen ans Land steigen, sondern nur in der Zahl der ökonomisch wirklich im Lande Verwurzelten. Selbstverständlich ist eine große Einwanderung notwendig, um die Möglichkeit einer Auslese zu bieten, die in letzter Instanz nur an Ort und Stelle, nur durch ernste Erprobung im Lande vor sich gehen kann. Aber wenn dann dieser Prozeß der Auslese einsetzt, der notwendig unangenehme Begleiterscheinungen hat, dann ist es falsch, in übertriebener Weise von ״Krise“ zu reden. Nicht alle individuellen Mißerfolge sind auf Fehler oder Versagen der Einwanderer zurüekzuführen. Viele sind in objektiven Bedingungen des Landes, seiner Gesetze und seiner unentwickelten Wirtschaft, die sich erst allmählich den neuartigen Anforderungen anpassen muß, begründet. Daher bieten die Erfahrungen des letzten Jahres ein reiches Material, das sorgfältig gesammelt und studiert werden müßte, um der palästinensischen Wirtschaftspolitik als Richtschnur zu dienen. Es ist zu begrüßen, daß die Regierung auf Anregung Dr. Weizmanns eine Studlenkommission für die Wirtschaft Palästinas eingesetzt hat, die, soweit jüdische Einwanderung und jüdische Initiative in Frage kommt, in engster Zusammenarbeit mit einer Kommission der Jewish Agency tätig sein soll. Eine aktivere Wirtschaftspolitik der zionistischen Exekutive muß aus den gelungenen oder mißglückten Experimenten ihre wohlfundierten Forderungen an die Regierung ableiten. Die Tatsache, daß im Falle Delfiner die Regierung entgegengekommen ist, ist ein Beweis dafür, daß sachliche Forderungen, wenn auch mit Schwierigkeiten, durchzusetzen sein müssen. Von besonderer Bedeutung ist die Frage der Arbeit. Der Arbeitslosigkeit, die periodisch einsetzen muß, und die nach dem Ende der Orangensaison noch größer werden dürfte, kann nur durch öffentliche Arbeiten entgegengewirkt werden, für die der Keren Hajessod Mittel zur Verfügung haben müßte. Er hat sie nicht. Zwar ist im letzten Monat das Gesamtresultat der Eingänge höher als bisher, dennoch müssen wir der Tatsache ins Gesicht sehen, daß voraussichtlich das Budgetjahr mit einem Defizit gegenüber dein von dem Kongreß festgesetzten Etat abschließen wird. Das bedeutet, daß manche im Budget vorgesehene Posten nicht zur Auszahlung gelangen werden, und daß die Exekutive mit einer Belastung in das nächste Jahr eintritt, die notwendigerweise das nächste Budget herabdrücken wird. Das A.-C. wird, so schmerzlich dies ist, bei der Festsetzung des nächsten Budgets diesen Tatsachen Rechnung tragen müssen, und es ist wichtig, sich jetzt schon mit diesem Sachverhalt vertraut zu machen, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Allmählich wird man doch dazu übergehen müssen, unsere ganze Budgetpolitik zu ändern, und wenn in den letzten Jahren bereits große Fortschritte hinsichtlich der Basicrung des Budgets auf den zu erwartenden Einnahmen gemacht worden sind, so muß doch in allen Kreisen des Jischuw die Ueberzeugung noch verwurzeln, daß bei uns ein bewilligter Budgetposten noch nicht mit einem realen identisch ist. Es muß auch anerkannt werden, daß es sinnlos ist, eine Einwanderung zu forcieren, die im Augenblick nach Lage der Verhältnisse nicht im Lande seßhaft gemacht werden kann. Unsere palästinensische Tätigkeit muß im strengsten Einklang mit der Wirklichkeit vor sich gehen und von uns selbst elastisch reguliert werden, nur dann kann sie zum Erfolge führen. Es ist ein notwendiger, wenn auch vielleicht langsamer Prozeß, daß die Macht des demagogischen Schlagwortes in dieser Arbeit immer weniger maßgebend wird. Wir begrüßen die neue Studienkommission als eines der Mittel auch zu diesem Ziele. Die Mandatskommission des Völkerbundes wird in diesem Jahre nicht wie in den Vorjahren erst im Herbst, sondern bereits im Juni tagen, und bei dieser Gelegenheit den Jahresbericht über die Verwaltung Palästinas entgegennehmen. Der Waad Leumi hat beschlossen, der Kommission ein Memorandum zu unterbreiten und auch eine Delegation nach Genf zu entsenden. Der Waad Leumi repräsentiert einen Teil der palästinensischen Bevölkerung; er könnte auch dann in Genf vorstellig werden, wenn das Palästina-Mandat keine besonderen Bestimmungen über die jüdische Heimstätte enthielte. Die Hauptverantwortung aber liegt auf der Jewish Agency, der Zionistischen Organisation, die die Instanz Ist, welche in Angelegenheiten der jüdischen nationalen Heimstätte kompetent ist. Die Bedeutung und der Einfluß des Institutes der Mandats-Kommission sind noch keineswegs geklärt. Dennoch ist es von größter Bedeutung, daß die Zionistische Organisation in Genf rückhaltlos ihren Standpunkt darlegt. Bei aller Würdigung der Schwierigkeiten «ni-WerantwoitfÄkeiffd®: Mandatarmaeht soll doeü ausgeiprööheh werden; daß die zionistische Auffassung sich nicht in allen Fragen mit der englischen deckt und daß der Jewish Agency verschiedene Maßnahmen der Verwaltung nicht zweckmäßig scheinen. Gleichzeitig aber sollte — bei dieser Gelegenheit oder bei einer anderen — mit allem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die Zionistische Organisation, die mm schon zum dritten Male einen ausführliehen Bericht über die jüdischen Leistungen in Palästina unterbreitet, der Ansicht ist, daß durch ihre Arbeit der Wohlstand und die Entwicklung des Landes außerordentlieh gefördert werden, und daß sie gerechterweise ein Aequivalent in der Form aktiverer Unter- Stützung ihrer friedlichen Siedlungsarbeit von Völkerbund und Mandatarmacht verlangen darf. Macht schon das Mandat die Mandatarmaeht für eine Sicherung der Voraussetzungen für den Aufbau der jüdischen Heim- Stätte verantwortlich, so begründen die Leistungen, die die Zionistische Organisation unter unsäglichen Mühen ohne Hilfe vollbracht hat, einen Anspruch. Diese Unter- Stützung soll keineswegs in irgendwelchen politischen Zwangsmaßnahmen bestehen, die wir selber ablehnen, sondern in einer Förderung der notwendigen Kreditaktion, nach Analogie anderer großer internationaler Aufgaben. In ihrem Berichte über Syrien hat die Mandatskommission anerkannt, daß im Gegensatz zu den Wirren in Syrien die Lage in den englischen Mandatsgebieten viel günstiger ist. Es ist keine Frage, daß diese bessere Situation in hohem Maße der britischen Staatskunst zuzuschreiben ist, die in Palästina durch die Person Sir Herbert Samuels wirksam war. Erst dieser Tage hat die ״Times“ in einem Leitartikel über Irak unter Hinweis auf die Bestimmungen des Völkerbundes bezüglich der Autonomie der JCurden die britischen Verwaltungsmaftnahmen beschrieben und hinzugefügt: ״Britische Politik hat also in weitem Ausmaß die Anregungen des Völkerbundes vorweggenommen, und damit ein neues Beispiel für die Tatsache geliefert, daß zwischen der Tradition britischer Kolonialpolitik und dem Mandats- System des Völkerbundes in der Praxis kein großer Unterschied besteht“. Wenn es also de;n Engländern gelungen ist, in höherem Maße als die Franzosen dem Sinne des Mandatssystems gerecht zu werden, so muß dennoch betont werden, daß Palästina einen Sonderfall darstellt, für den nach dem von England selbst feierlich verkündeten Prinzip der jüdischen Heimstätte noch andere Gesichtspunkte als die der traditionellen Kolonialjwlitik angewandt werden müssen. Und in Palästina fällt das Verdienst nicht britischer Staatskunst allein zu, sondern hier haben die Juden einen großen Anteil an dem Aufschwung des Landes genommen. Es liegt jedoch im Wesen der Sache, daß der Fortgang ihrer Arbeit von der wohlwollenden Unterstützung der internationalen Welt abhängt. Wird auf diese Weise die jüdische Arbeit in ein beständigeres Fahrwasser gebracht, dann wird auch die innere Unsicherheit schwinden, die den heute so hart mitgenomtnenen Jischuw oft aus dem Gleichgewicht bringt Dann wird sich zeigen, daß die Juden ein Friedenswerk vollbringen, das die Harmonie der Völker ebenso fördert wie das Wohlergehen des Landes. Die Lage der Jode■ In Rußland Die Frage der Landansiedlung. Ein prominenter russischer Zionist, der dieser Tage sich in Berlin aufhielt, gab unserer Redaktion eine Reihe von interessanten Informationen über das jüdische Leben und die zionistische Arbeit in Rußland. Unser Gewährsmann ist ein Mitglied des Zentralkomitees der russischen Zeire Zion- Hitachduth und schickte voraus, daß in der Auftassung der Lage nicht volle Uebereinstimmung zwischen den zionistischen Gruppen herrscht und er nur die Meinung seiner Partei zum Ausdruck bringen könne. Die Hitachduth ist bekanntlich eine der stärksten und aktivsten Gruppen im russisehen Zionismus; da sie von den Sowjetbehorden verfolgt und ihre führenden Mitglieder verhaftet wurden, kann sie ihre Arbeit nur auf illegalem Wege durchführen. Unser Gewährsmann erklärte, daß im vergangenen Jahre die innerpolitische jüdische Arbeit in Rußland wieder starker in den Vordergrund rückte, was mit der Aenderung der allgemeinen Lage zusammenhängt. Denn da sich die allgemeine Politik der Sowjet-Union in der letzten Zeit in stärkerem Maße auf den mittleren Bauer orientiert, der im Dorte den kleinbürgerlichen Typus repräsentiert, so konnte sie ihren Kampf auch gegen den städtischen Mittelstand nicht in demselben Maße führen wie früher. Entsprechend der allgemeinen Parole ״zum Dorf“, hat man nun im jüdischen Leben die Parole ״zum Städtcl“ ausgegeben. Die Handwerker und sogar die Kleinhändler erhielten politische Rechte, beteiligten sich an den Wahlen zu den lokalen Sowjets, infolgedessen wurde das jüdische politische Leben lebhafter und auch die Zionisten naben sich daran beteiligt und bei de« Rätewahlen Listen aufgestellt. Die ökonomische Lage der Juden hat sich fraglos gebessert Die Hauptnach Waren unter den “Bauern entstehen ließ, wodurch die Lage für die Händler günstig wurde. Eine der wichtigsten Erscheinungen ist die auch im jüdisehen Leben beginnende ökonomische Umschichtung mit der Tendenz zur Landwirtschaft. Leider hat man aus dieser rein ökonomischen Angelegenheit eine politische gemacht, die von der jüdischen kommunistischen Partei, der Jewsekzia, für ihre politischen Zwecke ausgebeutet wird, haupt- . sächlich im Kampf gegen den Zionismus. Es soll nicht verschwiegen werden, daß die Jewsekzia auf dem Gebiete der ökonomischen Arbeit gewisse Verdienste hat. Die Organisierung der kleinen Handwerker, die Schaffung von Leih- und Sparkassen usw. haben das Leben der Juden in der Stadt verbessert. In bezug auf die Umschichtung zur Landwirtschaft jedoch hat die Jewsekzia eine demagogische und verantwortungslose Politik geführt, weil sie dabei vor allem das Hauptziel hatte, einerseits den Zionismus zu bekämpfen, andererseits das amerikanische Judentum auf ihre Seite zu bringen. Dies führte zu gewaltigen Uebertreibungen. Man nannte Ziffern, die phantastisch waren, und suchte durch allerlei .VfiBprechungep, -dte!pari nicht' halten, ,konnte.,die Jude# z»|, f »8־|h gistrieftetf*aüfwefsen *2t1 iönnen.־־'׳Öre״ Fetten haben itfeiF gezeigt. Es ist eine große Enttäuschung bei den jüdischen Massen eingetreten und in diesem Jahre haben sich nur sehr wenige für die Landansiedlung registriert, obwohl die Jewsekzia erklärt hat, daß dies die letzte Möglichkeit einer Registrierung sei, und daß schon zehn Rubel als Kapital für den Siedler genügen. Diese Haltung der Massen hat ihre Gründe einesteils in der erwähnten Verbesserung der Lage in den Städten, vor allem aber in den schlechten Nachrichten, die aus den neuen Kolonien gekommen sind und bewiesen, daß ein viel höheres Kapital für die Ansiedlung notwendig ist als das von der Jewsekzia geforderte. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die zentrale Sowjetregierung die Bewegung tatsächlich außerordentlich fördert; bei den lokalen Behörden ist nicht mehr durchaus soviel Entgegenkommen zu finden, und an einzelnen Stellen gibt es Schwierigkeiten wie z. B. in der Krim infolge der tartarischen Frage. Auch in der Ukraine waren die Bauern ungehalten, daß der Boden, den sie, obwohl sie genügend Boden haben, noch für sich beanspruchen, ihnen entzogen und den Juden gegeben wird; aber es muß festgestellt werden, daß es zu einer aktiven feindseligen Bewegung nicht gekommen ist, und daß die hierüber in einem Teile der Presse verbreiteten Nachrichten unwahr sind. Die Schwierigkeiten sind jedoch zum großen Teil ökonomischer Natur. Heute fordert man bereits 1000 Dollar für die Ansiedlung einer Familie. Dabei ist zu bemerken, daß ״Familie“ keineswegs eine Uebersiedlun״ der gesamten Familie bedeutet, vielmehr schickt die betreffende Familie, während sie selbst in der Stadt bleibt, gewöhnlich einen Vertreter hin, in manchen Fällen sogar einen Stellvertreter, der der Familie, die den Anteil gekauft hat, gar nicht an gehört. Wenn es also heißt, daß bereits 5000 Familien angesiedelt sind, so bedeutet das vorderhand nur 5000 einzelne Menschen. Daß es möglich sein sollte, 500 000 jüdische Seelen anzusiedeln, wie man anfangs behauptete, ist eine maßlose Uebertreibung. Unsere Partei, die Hitachduth — erklärte unser Gewähremann —, steht auf dem Standpunkt, daß sie die Landansiedlung der Juden als einen wichtigen Teil unserer Gegenwartsarbeit begrüßt, da das ״Städtcl“ keine große Zukunft hat. Wenn es gelingt, auch nur 10000 Juden anzusiedeln, so ist dies eine nicht zu unterschätzende Sache. Gleichzeitig aber kämpfen wir gegen die Methoden der Ozet, gegen die Politik der Jewsekzia, unerfüllbare Versprechungen zu geben und das Projekt im Inland und im Ausland demagogisch für politische Zwecke auszubeuten. Im Anschluß daran berichtete unser Gewährsmann noch über den gewaltigen Kampf, der gegen die grausame Verfolgung der hebräischen Sprache in Rußland geführt werden muß, sowie über die große Arbeit unter der zionistischen Jugend und im ״Hechaluz“. Der ״Hechaluz“ leistet eine große Hachscharah-Arbeit. Man kann sagen, daß heut* ln Rußland im ״linken“ Hechaluz 8000 und im ,/echten“ Hechaluzverband 9000 junge Menschen in der Ausbildung stehen, die der Ueberführung nach Erez-Israel harren. Franeslragen in Palästina Am 12. April wurde in Jerusalem die Jahresversammlung der Organisation jüdischer Frauen in Palästina eröffnet. Den Vorsitz führte LadySamueI,die Gattin des früheren Öfterkommissars für Palästina Sir Herbert Samuel. Die Versäumlung erörterte die- Frage der Schaffung eines Zentralrates der jüdischen Frauen Palästinas durch Koordinierung der Tttigkeit der bestehenden jüdischen Frauenorganisationcn.