Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20/30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 221 ־ Rcpräsenlantcuwatilcn io Berlin am 16. Mai Der Wahlkampf unvermeidlich. ‘Iwx Vermeidung eines Wahlkampfes für die Reprii- •־,ciitantcnvcrsaiumlmiß der Berliner jüdischen Oemcindc jn der jefeigen wirtschaftlich schweren Zeit fanden in den letzten Wochen zwischen den Liberalen, der Jiidisehen Volkspartci, den Konservativen und der Mittel* partei Verhandlungen statt, die auf die Aufstellung einer Einheitsliste abzielten. Die Verhandlungen sind jedoch gescheitert, da die Mittclpartci, die Konservativen und die Jüdische Volkspartci übereinkamen, den Libc* ralcn nicht die Mehrheit in der Reprasentantenversammlung za gewähren, auf welche diese Anspruch erhoben. Von volksparteiiicher Seite wird uns dazu mitgctcilt: Der Anspruch der Liberalen Partei auf Majorität in der Rcpräscntanlcnvcrsainmluii״ entspricht nicht der augenblicklichen Besetzung. Gegenwärtig hat die Re* piäsentantcnvcrsammlung eine Zusammensetzung von 10 Liberalen, 5 Vollcspartcilern, 5 Mitgliedern der Kon*!,civnüvcii Arbeitsgemeinschaft und einem Handwerker. Auch die Landcsvcrbandswahlcn haben in Grob* Berlin keine entscheidende Majorität für die Liberalen erbracht. Der Anspruch der Liberalen Partei auf die Majorität in Rcpräsentantcnvcrsammlung und Vorstand für die gesamte nächste Wahlperiode ist nicht berechtigt, zumal die Liberale Partei cs auch abgefeimt hat, gewisse Kautclen zu geben durch Wahl von solchen Persönlichkeiten, von denen man eine gewisse objektive Berücksichtigung der Interessen der anderen Parfeien erwarten könnte. Unter diesen Umständen ist ein Wahlkampf, dcii auch die Jüdische Volkspartci mit Rücksicht auf die augenblickliche schwere Lage gern vermieden hätte, nicht zu umgehen. Zentralkomitee der Z.V.I.D. (Ergänzender bericht über die Sitzung am 11. d. M.) In der Nachniittagssitzuiig erstattete Herr Lubinski ein Rclerat über l(H a c 11 s c h a r a h“. Die Haehscharalt sei innerhalb der zionistischen Bewegung immer mehr als ein technisches Ressort, denn als ein zentrales zionistisches Pro* bleu! betrachtet worden. Insbesondere fehle zum Nachteil l'iir die zionistische Bewegung, aber auch zum Nachteil iür die Arbeit im 1 Icchnluz eine lebendige Beziehung z w i - sehen den alteren Zionisten und den Gruppen des Hcchaluz. Die Tarbutharbeit des Hcchaluz sei in gleichem Maße eine allgemeine Erziehungsarbeit wie die bcsondere Cinführung in die hebräische Kultur. Gerade bei der Leistung der allgemeinen Erziehungsarbeit könnten viele der wirklich in der Bewegung stellenden Zionisten mitarbeiten, wenn sie, ohne Klassen- oder MilicuunierscI1i«le zu betonen, durch die Gemeinsamkeit des Zieles verbunden, au der Erziehungsarbeit teilnnhmcn. Der Hcchaluz in Deutschland leidet darunter, daß der Kreis beispielgebender Chawerim durch die starke Alijali immer kleiner wird, so daß er aus steh heraus nicht mehr genügende erzieherische Kräfte entwickeln kann. Dieser Mangel macht sich in doppeltem Sinne bemerkbar: In einer mangelnden allgemeinen Erziehung eines Teiler der Chalnzim, die nicht aus den Jugendbünden kommen und in einer nicht genügenden Vorbereitung für die cigcntümliehen Formen des palästinensischen Lebens. Gerade in Deutschland ist cs schwer, die Atmosphäre dieses Lebens ־zu erhalten und man wird besondere Anstrengungen machen müssen, diese unbedingte Voraussetzung des Emlebens und der Bewahrung der aus Deutschland Kommenden Chalnzim zu schaffen. Man wird dein Beispiel clcr Cltaluzvcrbandc der anderen Linder folgen müssen und diesen Teil der Tarbuthnrbeit durch im palästinensischen Leben bewährte Kräfte verrichten lassen. Herr Lubinski forderte in diesem Zusammenhang die Einstellung eines Palästinensers für die Leitung der Tarbutharbeit des deutschen Hcchaluz. Besonderer Wert sei darauf zu legen, daß die berufliche Vorbereitung möglichst in Gruppen geschehe. Die guten Bcmfsausbiklmigsmöglidikeitcn in Deutschland führen zwar zu rincr starken Betonung der Einzelausbildung, die sich jedoch teilweise als ein Hindernis der Gruppcuausbildung entgegenstellt. Es tnuß aber für die Zukunft stärker als bisher betont werden, daß Insbesondere die Ausbildung in der Land- Wirtschaft in Gruppen sieb vollzieht, die dann auch als Alijaligruppen gemeinsam nach Palästina iibcrsiedchi und nach Möguchkeit zumindesten die erste Zeit im Lande gemeinsam arbeiten. Ueber den Stand der Chaluzbewegung führte rierf Lubinski aus, daß der Hcchaluz in Deutschland gegenw'artic: etwas über 850 Chaluzün und Chaluzoth umfasse, me alle in der Ausbildung ständen. Der Rückgang der Zahl der Chalnzim erkläre sich au3 der sehr starken Alijali des '׳origen Jahres, die insgesamt etwa 350 Chaluzim und Chamzoth nach Palästina geführt habe und aus den überaus verschärften Anforderungen, die man seit einiger Zeit bei der Aufnahme für den Hcchaluz stelle. Herr Lubinski schloß ™t einem Appell zur Mitarbeit am deutschen Hcchaluz, der me legitime Vertretung des deutschen Zionismus im arbeiten- <kn Palästina darstelle. In der kurzen Debatte, die sich an das Referat Blumen .״ ־ J^cr d‘c I־a2c *n dcr Gesamtbewegung schloß^ er der Präsident des A.-C. Leo Motzkin noch einmal s Wort, nachdem er schon vorher vertrauliche Auskünfte ז־ז׳ den Fortgang des zionistischen Drives in Amerika geoen hatte. Der Drive 11 at alte in ihn gesetzten 1׳Wartungen bisher erfüllt. Charakteristisch ist, dal) z J'imt-Drive bisher kein größeres Ergebnis ge- 1*1Kt hat als der zionistische Drive, wol 1 bemerken ist, daß etwa zwei Drittel der Einnahm J°jnt-Drivcs aus großen Spenden der jüdischen Multimonarc zusamniengeflosscn sind, während die Palästinaampagne siel! wirklich auf die breite Basis der jüdischen jf'sc״8 ״’itzt. ZUr Erlangung eines derartigen Ergebnisses 0 aber kein besonderer Drive nötig gewesen. Leo Motzkin ״ semer Ueberzeugung Ausdruck, daß das amerikanische ’rrl!Un• ,a״c1' im kommenden Jahre seine rerü 1!l*un£ gegenüber Palästina erfüllen ic A, f ׳rcrdi!'ks laste auch auf den europäischen Ländern urei. ׳ "*ך d'e größten Anstrengungen zu machen, um U<K״ anztic f 1־cistun£cn <!cr1 °plcrsin״ ^cr amerikanischen der v1®^ ״״*verband der Jüdischen Studentenschaft hat zu des Immission für intellektuelle Zusammenarbeit internal A-r^undps Unberufenen Konferenz der Vertreter der i® (knf°D/1 Studentenorganisation, die vom 8.—10. April *wttfahd, eine dreigliedrige Kommission entsandt Welzraaia In Palästina Am <j. April fattd eine Besprechung zwischen Dr. Welz* mann und Lord Plumcr statt. Dr. V/cizmaiin gab der Meinung Ausdruck, daß die Besprechung zu günstigen Ergebnissen geführt habe. Lord Plumcr hat Dr. Weizmaim für Freitag, den IC. April, ziun Diner cingeladcn. Am Sonntag, den IS. April, begibt sieh Dr. Wdzmann in Begleitung von Colonel Kisch nach Beirut, wohin cr von dem tranz.söisclien Oberkommissar für Syrien, de Jouvcncl, ciiigeladcu worden war. * Die Londoner ״Jcwi&h Times“ läßt sich aus Jerusalem bcrichten: Dr. Weizmann bezeichnet die Ergebnisse seiner Unterrcduiig mit Lord Plumcr als großen Erfolg. Plumcr soll!,eine Stellung zur Frage der Anteilnahme von Juden an dem Gendarmerie-Korps geändert haben. In kurzem soll in dieser frage eine neue Verordnung erscheinen. Plumcr erklärte sieh auch mit dem Vorschläge Weizmann* clnvcrstamlrn, eine gemeinsame Kommission von Vertretern der palästinensischen Regierung und der zionistischen Exekutive zum Studium der ökonomischen Notwcndigkciteil des Landes cinzusctzcii. Die Palästina-Regierung untersucht gegenwärtig das Problem von Zueignung von Staats- 1 ä 11 d c r c i c 11 an jüdische Einwanderer. Plumcr ersuchte Weizmann nach dessen Rundreise im Lande, ihn noch einmal zu besuchen. Dr. Weizmann erklärte, die politische Lage in Palästina sei noch niemals besser gewesen. Mittwoch, den M. d. Mts., war Dr. Weizmann zu Besuch bei Emir Abdullah in Amma!1. Dr. Weizmann plant, am LA. April Palästina zu verlassen. Er will dann bald nach Amerika reisen. Das Datum der nächsten Sitzung des Aktlons-Cornitfcs ist — dem Blatte zufolge — wieder abgeändert worden. Die Sitzung soll am 7. August in einer europäischen Hauptstadt st.iltfindcu. Wir glauben, daß alle diese Nachrichten der ״Jewish Times“ bis zum Einiangen einer offiziellen Bestätigung mit Vorsicht aufzunchmcn sind. Ausweisung des rassischen Handelsvertreters aus Palästina Die Reuter-Agentur teilt mit, daß dem Leiter der so w j e t r 11 s s i s c h c 11 11.indelsagcntnr ״Arcos“, der vor kurzem auf Urlaub ging, nicht erlaubt worden ist, nach Palästina ziirückziikehrcn. Als Grund wird angegeben, daß der Direktor der Arcos, Gleser, politische Propaganda betrieben hat. Die Entscheidung über Glcscrs Ausweisung aus Palästina hat der Oberkommissar Lord Plumcr persönlich getroffen. Die Sowjetvertretung in London interveniert bei der britischen Regierung in dieser Angelegenheit. Unter der Ucbcrschrift ״Die Gefahr für die Wirtschaft Palästinas״ veröffentlichen die Moskauer ״Iswcstia“ einen Bericht aus Jaffa, wonach die Polizei im Jaffacr Büro der ״Arcos“ eine Haussuchung vorgenommen hat, die nichts ergab was darauf lundcuten könnte, daß seitens der Arcos irgendeine Propaganda betrieben wird, trotzdem, schreibt das olfizielte russische Regicrungsorgan, hat der Oberkommissar für Palästina einen Deportationsbefehl gegen den Chef der Arcos in Jaffa, Genossen Gleser. erlassen. OIc.scr wurde auch die Einreise nach Syrien und Aegypten verboten. ״Iswestia״ berichten weiter,'daß Gleser erklärt hätte, die Arcos-Zwcigstellen an Palästina, Aegypten und Syrien werden zum Protest gegen die ungerechtfertigten Verfügungen geschlossen werden. Ke Zeitung berichtet ferner, daß die Nachricht über die bcvorstehende Schließung der Arcos in den Finanz- und Kautmannskrciscn Palästinas große Erregung verursacht hat. Man wandte sich an die Regierung mit der Bitte, den Atiswcisungs- Befehl gegen Gleser zu annullieren, da eine Schließung der Arcos schwere wirtschaftliche Konsequenzen für Palästina tragen wird. Als Resultat dieser Intervention wurde der Aaswcisungstermiii für einen Monat verschollen. Das Londoner Kolonialamt hat in Jerusalem über die Angelegenheit :mgeiragt, woraufhin der Oberkommissär erklärte, die Ausweisung sei ausgesprochen worden, weil Arcos ״Propapanda“ in Palästina betrieben hätte. Gleser protestierte gegen die ungesetzliche Aktion des Oberkommissars und forderte Wiedergutmachung des der Arcos durch das Eingreifen der Regierung zugefügten finanziellen Schadens. (iegea die Jüdische Legions-Propaganda Jerusalem, 13. April. (J.T. A.) Sieben jüdische Schriftsteller mit dem Dekan der hebräischen Universität, Dr. J. L M a g n c s, an der Spitze veröffentlichen eine Erklärung, in welcher gegen die Propaganda für die Errichtung einer speziellen Jüdischen Legion in Palästina protestiert wird. Eine solche Propaganda, heißt cs in der Erklärung, sei geeignet, unicr den Juden Furcht und Besorgnis zu wecken. Das nationale Prestige erfordere cs, daß der Idee einer jüdischen Legion cntgcgcngeirctcn wird. Letzte Nachrichten Die neue Geadarnicrie־Verordnung Jerusalem, 13. April (J.T.A.) Dio Regierung hat heute eino neue offizielle Mitteilung, betreffend die neu zu bildende Grcnzmacht, veröffentlicht. In der Mitteilurig wird gesagt, daß palästinensische und (ransjordanischc Bürger ohne jedweden Unterschied In dio Grenzkorps aufgenommen werden würden. Jerusalem, 13. April. (J. T. A.) Nach Verlautbarung der neuen Mitteilung der Regierung über die Grenzkorps hielt der Waad Lcumi (Nationalrat der palästinensischen Juden) eine Sitzung ab, der Dr. Wclzmatui beiwohnte. Die Diskussion verlief sehr stürmisch, die Erklärung der Regierung wurde einer scharfen Kritik unterzogen. Viele Redner brachten vor, daß die Mitteilung der Regierung kclncrlei Genugtuung für die Juden bedeute, da die Organisicrung der Grcnzmacht praktisch vollendet ist und nur noch für ganz wenige Juden Raum geblieben ist. Sic forderten, daß Schritte unternommen werden, daß das Zahlcnverhältnis der jüdischen Mitglieder in der neuen Schutz* und Grcnzmacht durch ein spezielles Abkommen, ähnlich dein vor fünf Jahren mit Bezug auf die palästinensische Gendarmerie abgeichlossenen, sichergestcllt werde. t ׳ ' Die ״Times“ Uber Palästina ".1*י* ' v ** . J L '״״ *•דu AP1״ vcroiicnuicut eine sehr interessante 6 Spalten umfassende Artikelserie eines .SpwmlkonTspondcnle״, der nach mehrjähriger Abwesenheit Ial,n,t1na wieder bereist hat. Der Berichterstatter lobt den großen Fortschritt den das Land gemacht hat. l'iir die, welche jS *'!, Gfkische/i Zeiten kannten, ist die geänderte Beziehung der Bevölkerung zu Regierung und Behörden auffallend. Die Bevölkerung hat das größte Zutrauen zur Polizei und die Ruhe und Sic her 11c it im Lande kontrastiert auffallend mit der Lage in Syrien. Die friedliche Lage in Palastina ist mehl zumrkrulul1re.il auf eine besondere Gewaltanwcndmig oder den Respekt der Bevölkerung vor den Gewaltnutteln der Mandatarmneht, comlcru vor allen» auf die guten Beziehungen zwischen den Organen der Verwaltung j. der. Bevölkerung. Dies ist um so bemerkenswerter, als die Regierung Palästinas ״belastet“ ist durch die Schaffung des jüdischen nationalen Heimes neben einer relativ großen nichtjüdischru Bevölkerung in dem kleinen und ökonomisch armen Lande. Der Araber, der länger auf der Scholle sitzt als der Zionist, zeigt eine viel geringere Eile in der Vcrbcsse* rung des Landes als sein zionistischer Nachbar. Er hat auch wenig Verständnis für die von den Zionisten geforderte Arbciterger.elzgchung. Der Araber lebt einfacher als der udc. Die Folge ist, daß Tel-Awiw die teuerste Stadt ‘alästinas ist. Aus diesem Grunde brauchen die Zio* siel! nicht zu fürchten, daß Araber oder Christen sich in die Stadt cindrängcn werden. Der Verfasser rühmt das Wachstum Tcl-Awiws, das noch kürzlich eine Vorstadt von Jaffa war, während heute Jaffa eine Vorstadt von Tel-Awiw zu sein scheint. Erfreulich ist, daß beide Städte, die arabische und die jüdische, in ökonomischen!•'ragen Zusammengehen, bcsonders heim K a in p f u in den H a f c ״ und bei den Bestrebungen nach Umbau der Eisenbahn. Diese ökonomische Betrachtungsweise, die hoffentlich i!1 immer höheren» Maße die rein nationalistische ablösen wird, ist ein gesunder Vorgang, der die Spannung zwischen Juden und Arabern vermindern wird. Bei seiner Schilderung des landwirtschaftlichem F'ort- Schrittes im Laude erwähnt der Verfasser die Einführung neuer Methoden dureli die Zionisten, betont jedoch, daß an dem veränderten Aussehen des Landes der Araber, der allmählich aus seiner Apathie erwacht, grollen Anteil hat. Der Araber verläßt sich allerdings zu sehr auf Hilfe der Regierung und obsvohl er Agrarkredit der Regierung wünscht, fürchtet cr andererseits, daß eine.solche Verschuldung dazu dienen könnte, in einer schlechten Saison den Boden den Zionisten in die Hand zu ::piclen. Diese Furcht scheint unbegründet, zumal ״ ־־־־■hü der Verfasser fort -- da unparteiische Beobachter der Ansicht sind, daß die Juden heute mehr Land haben als sie im Augenblick verwerten können (? — Red. ״J. R.“). Die jüdischen. Siedlungen haben außerordentliche Fortschritte gemacht, cs ist ein interessanter Unterschied zwischen den modernen Kolonien und den alten Vorkricgskolonieu fcstzustellen. Das Benehmen der modernen Kolonisten ist, als Reaktion auf die jahrelange Ghetto-Unterdrückung, schroffer als das der höflichen Generation, die bereits im Lande aufgewachsen ist. Die Einrichtung einer Kontrolle über die Imraigralion wird jetzt allgemein als vernünftig anerkannt. Im ganzen müsse gesagt werden, daß das Land unter der Pax Britannien aufblüht. Viel davon ist der zionistischen Arbeit zu danken, auch das Wiedererwachen des Pilgertums ist wichtig, aber ein großer Teil des Verdienstes gebührt der geduldigen und ott. unpopulären Verwaltungsarbeit und der systemuAVehen Gewinnung des Vertrauens der Bevölkerung durch die Beamten, die mit Takt die Schwierigkeiten des Regicningswcchsels zu überwinden verstanden. Die Regierung ist heute fest gegründet und sie kann es sich sogar leisten, ihren imponierenden Standort auf dem Oelberg zu verlassen, da sie den Prestige-Verlust nicht zu fürchten braucht. Das Gebäude auf dem Oelberg ist unbequem, teuer und schwer zugängärch. Die Regierung wird den Mietsvertrag nicht erneuern, sondern auf einem weniger überragenden Punkte ein bequemeres Gebäude bauen, das der Stadt näher liegt als der Oelberg. Dafür wird das English College —, berichtet der Verfasser weiter — in kurzer Zeit seinen Sitz, auf den Scopus verlegen, etwa eine halbe englische Meile westlich des Gebäudes der Heb r ä i s c h c n Universität. Die Kosten der Uebertragung und des Baues werden beträchtlich sein, es besteht aber die Hoffnung, die nötigen 50093 £ aufzubringcit. Vielleicht, heißt cs in dem Artikel weiter, kann daraus bald eine Universität von Palästina werden, welche Unterricht in englischer Sprache und nach englischen Methoden gewährt und höhere Bildung solchen Studenten vermittelt, die nicht in der Lage oder nicht gewillt sind, die hebräischen Kurse der jüdischen Universität zu besuchen. Die ztoaistlsche Lage io Amerika Eine Rede L i p s k y s. New York, 11. April. (J. T. A.) Der Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas und Mitglied der zionistischen WeStexekutive, Mr. Louis Lipsky, erklärte heute während eines in Verbindung mit der zionistischen Aktionen den Vertreten! der jüdischen Presse in Amerika gegebenen Frühstücks, daß der Plan der Erweiterung der Jewish Agency nicht aufgegeben worden ist. Darin stimme Dr. Weizmann mit der zionistischen Exekutive in Amerika vollkommen überein. Wir werden aber, setzte Lipsky fort, die Erweitcrung der Jewish Agency auf anderer Basis durchführen. Was in dieser Angelegenheit gesagt oder getan wurde, geschah mit voller Zustimmung Dr. Weiznianns, den wir als die stärkste Persönlichkeit irr der zionistischen Bewegung und als den einzigen Mann betrachten, der Bcfchisautorität besitzt. Wir haben cs unternommen, das zionistische Zentrum zu reorganisieren, um den Allgemeinen Zionisten die gebührende Position zu schaffen, so daß Dr. Weizmann von genug ausgezeichneten Ratgebern umgeben sein wird. Herr Lipsky setzte sich dann mit Jabotlnsky und dem revisionistischen Programm auseinander und ragte, man dürfe den Revisionisten In manchen Punkten Recht geben. Bedauerlieh ist aber, daß die Herrn Jabotinsky während seines Aufcnthaltcs ln den Vereinigten Staaten cnvleseien Höflichkeilen als eine Zustimmung zu seinem Programm konstruiert wurden. Herr Lipsky setzte sodann den Plan der?üomstischen Organisation Amerikas auseinander, eine groß׳; Bewegung für jüdische Erziehung in den Vereinigten Staaten cinzulciten. Es soll eine unabhängige Agentur für Zusammenarbeit mit allen bestehenden Erzichungsgerellschaftcn und Koordinierung ihrer Tätigkeit errichtet werden. Ein Komitee wurde bereits gebildet. (Die telegraphische Wiedergabe der Rede Lipskys dürfte nicht ganz exakt sein. Man wird den vollen Text abwarten müssen. R«d. ,J. R.“.)