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Jüdische Rundschau · 1926-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1926) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29/30 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 210 Geistiges lislzeng Von Moses Wald man n. jm Vcihaltnis des jüdischen V011.es zur Umwelt 11,1t ich im Laufe der letzten Jahrzehnte in der ganzen Welt eine gewisse Wandlung vollzogen. Absolut genommen hat t|ch die Rechtslage der Juden sicherlich gebessert, das Spaninnigsvcrhältnis zwischen jüdischer und nichtjüdischcr ^■clt hat sich aber in keiner Weise gebessert, vielmehr in ,enr vielen Ländern verschlechtert. Ein ähnlicher Vorgang ist auch während der letzten drei Jahrzehnte in den Be- Ziehungen der Zionisten zu den Nichtzlonlstcn innerhalb des jüdischen Volkes tcstzustcllen. Unter dem Drucke der von eien Zionisten gepredigten Grundsätze und unter dem Einfluß der allgemeinen Entwicklung haben weite Schichten irichtrioriistischcr jüdischer Parteien sich verschiedene Pest- Stellungen «Tr zionistischen Ideologie zu eigen gemacht. Kurt Bluincnfcld hat in seinen Vorträgen mit vollem Recht auf die Erscheinung hingewiesen, daß die Diskussion der Juden- (rage, und zwar auf einem aufrichtigen und höherem Niveau, heute bis weit in die Kreise der am weitesten vom Judentum entfernten Assimilatioiisrichtungcn selbstverständlich ist. Es ״jbt z. 13. heute keine einzige jüdische Richtung, die die spezifische jüdische Stammcscigcnart leugnen würde. Allcnthalben wird zugegeben, daß die Juden in den einzelnen ländern und über die Grenzen der Länder hinaus, eine Gemeinschaft bilden, deren Verbundenheit von der einen Richtung stärker, von der anderen weniger betont, von keiner ernsteren aber absolut geleugnet wird. Trotz dieser Erscheinung hat!.ich aber der Gegensatz zwischen Zionisten uad Nicl'.tziouisten im jüdischen Volke nur unerheblich gemildert, weil cs trotz dieser Erkenntnisse aus Beharrung*• vermögen und anderen Gründen diesen Leuten schwer fällt, eine aktive Entscheidung zu treffen. Diese Wandlung in der Stellung zur Judenfragc innerhalb weiter Schichten des jüdischen Volkes ist zum großen Teile auf das geistige Rüstzeug zurückzuführen, das die jüdische Rcnaissancebcwcgung in Form unzähliger Publi- Mionen der jüdischen Welt geschenkt hat. Die zahlreichen Schriften auf dem Gebiete der jüdischen Rassenkunde, der Soziologie der Juden, der jüdischen Statistik und Demograplüe, der wirtschaftlichen Struktur des jüdischen Volkes und insbesondere der jüdischen Geschichte haben allinählieh dazu beigetragen, daß in jüdischen und uichtjüdischcn Kreisen die Judenfrage von ganz anderen Gesichtspunkten betrachtet wird. Die selben widerstrebenden jüdischen Kreise, die mit aller Gewalt der Empfindung und des 1:1tcllckts die Einwirkung der zionistischen Agitation weit vor! sich wiesen, unterlagen dem weit nachhaltigeren Einfluß der wissenschaftlichen Publikationen, die sich gestützt auf die modernsten wissenschaftlichen Methoden, mit jüdischen Problemen befassen. Insbesondere sind in diesem Zusammenhänge die Forsclmngscrgcbnissc jener Historiker zu nennen, die sich die Aufhellung der antiken Gesell!eilte des Judentums, der Jahrhunderte der Entstehung der christlichen Kirche, des jüdischen Mittelalters und der Entwicklung des Judentums mi letzten Jahrhundert zum Gegenstände ihrer Untersuchungen wählten. Namentlich die Ergebnisse der jüdischen Gcschichts- Schreibung haben in ungeheuerlichem Maße bewirkt, daß in ernsten jüdischen Kreisen, ohne Unterschied der parteimäßigen Einstellung, die Auffassung der Judenfragc eine gnincisätzliclac Wandlung erfahren hat. Jüdische Gcschichts- Schreibung im modernen Sinne ist ja kaum ein Jahrhundert alt Die ersten Versuche eines Kroch mal, eines Jost «sw. waren noch in allzu starkem Maße von althergebrachter wissenschaftlicher T radition bedingt. Grätz stellte einen ungeheuren Foitschritt dar und die Bedeutung seiner ״Geschichte des jüdischen Volkes“ für die Vertiefung und Verbreitung der Kenntnisse vom Judentum und jüdischem Volk können nicht hoch genug veranschlagt werden. Trotzdem ist vom Standpunkte des modernen Judentums aus bctrachtet, wiederum unbekümmert um die Parteirichtung, der apologetische Ton, auf den seine ganze Geschichte gestimmt ht, nicht mehr zeitgemäß. Mittlerweile sind durch Torschungsergebnisse von Gelehrten verschiedener Nationen, darunter besonders Deutschlands, durch zahllose Ausgrabungen und Entdeckungen, soviel neue Quellen erschlossen worden, daß Grätz ״Geschichte des jüdischen Volkes“ in vieler Bcakhung eine Korrektur verträgt. Cs ist kein Zufall, daß cs der jüdischen Renaissance- Bewegung Vorbehalten blieb, mit der Tradition der Apologetik, deren Vater Philo von Alexandrien war, zu brechen. Ces eigenen Volkstums ohne Uebcrheblichkcit, selbstverständlieh bewußt, konnten sich Vertreter des erwachten jüdischen h’aiionalbevvußtscins an die Aufgabe 11cr3umacl1e11, jüdische Geschichte zu schreiben, ohne andere Absicht als das fest- ^stellen, was tatsächlich war. Neben vielen kleinen Publi- Nationen und Monographien ist da besonders die ״Weltgeschickte des jüdischen Volkes“ von Dubnow Ju nennen. Die russische Ausgabe seiner Geschichte hat a|af die geistige Gestaltung des russischen Judentums einen ungeheuren Einfluß geübt. Von solcher Nachhaltigkeit, daß w»n sich in anderen Ländern davon kaum eine Vorstellung *naclicn kann. Die jetzt in deutscher Sprache erscheinende, uht Zusätzen versehene Uebersetzung, beeinflußt die deutsch lesenden Juden in ähnlicher Art wie die russische Ausgabe “1C russische Judenheit. Ich habe in den letzten Monaten »1 den verschiedensten Orten und von Vertretern der verschiedensfen Richtungen im Judentum erfahren können, wie stark die Beeinflussung ihrer Auffassung von Judentum tmd jüdischem Volke infolge der Lektüre der Geschichte' von Dubnow gewesen ist. Neben einigen Büchern über jüdische «ässcnkuiide, neben ein paar Werken ostjüdischer Schriftj'dlcr hat die Geschichte von Dubnow am Prozesse der Gestellung der gesamten Judenheit in jüdischen Fragen den ersten Anteil. , Drci Jahrzehnte zionistischer Bewegung sind am jüdi- “jwn Volke im Gaiuth nicht spurlos vorübergegangen, «heu den politischen Erfolgen der zionistischen Bewegung 1( d1c. ßeistißc״ Schöpfungen, die in der befruchtenden (,m°5rhärc des jüdischen Rcnaissancegcdankcns gereift sind, ' Schrittmacher zur Umwälzung der geistigen Struktur der cek״n6ssiscl1cn Judenheit gewesen. Dem Einflüsse des di״. i*Cn Rüstzeugs kann sich kein Menscii entziehen. Jü- -ciie und nichtjüdische Umwelt werden durch dieses Rüstkäl n u?rnd beeinflußt• Die Atmosphäre, in der man ihfJj vdrd dadurch reiner. Die Spannungen bleiben zurück, w das allgemeine Niveau lut sich doch erhöht. Zur 'ruchtbarinachuiig der zionistischen Ideen innerhalb des jüdi- :heit Volkes ist die Voraussetzung notwendig, daß geistiger Schutt und antiquiertes Geröll aus der jüdischen Gesellschaft entfernt werde. Das beste Mittel hierzu ist blankes, ehrliches, von modernem Geiste erfülltes geistiges Rüstzeug. Zersetzung und Umkelir Ein volles Jahihundcrt lang dauerte in Deutschland der Auflösungsprozeß des Judentums, der andere Telle des jüdi-;dien Volkes angesteckt hat. Aufklärung und Bildung, die das 18. Jahrhundert gebracht halten, wurden aus ihrer ׳Bahn!)gelenkt und mit l'uijiiduiig verwechselt. Die wirtschaftliche 'uisdiichtung innerhalb des deutschen Judentums, verbunden mit der Abwanderung aus den kleinen Orlen nach den großen Zentren, vor allem aber aus den polnischen Provinzen des ircußischcit Staates nach den größeren Städten Deutschlands, )cfördcrtcn diese Entwicklung. Soweit kulturelle Bedürfnisse vorhanden waren, wurde durch den destillierten dcistischen Gedanken die jüdische Kultur verdrängt. Diese Entwicklung hat dazu geführt, daß die Gebildeten und die Gelehrten des deutschen Judentums diesem durch die Taufe verloren gingen, während die führerlose Masse, die im Judentum bcharrtc, einem unfruchtbaren Indifferentismus verfiel. Gleich- T-TTf Zur liar-Aktion ji ן / f* r y|1iii lllilil Oerbe-BrosGiiüre herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung fUr Deutschland Alle Ortsgruppen und Vertrauensleute werden ersucht, ihren Broschürenbedarf umgehend mitzuteilea zisiiisiisciis usreinisung ir Bsütsemand Berlin W15, Hctnetcestrsße 10 zeitig entstand zwar innerhalb des deutschen Judentums in Anlehnung an europäische wisscnscliaftlichc Methode, die europäisierte Forschung des Judentums, die in der ״Wissen• schalt des Judentums“ iiircn Ausdruck fand. Aber auch diese Wissenschaft war nicht imstande, das deutsche Judentum, das immer stärkere Auflösungserscheinungen zeigte, der Stagnation zu entreißen. Wenn es vielleicht eine Zcitlang so nusgcschcn hatte, als ob die Reformbewcguug das Judentum in seinen Tiefen packen könnte, So erwies sich dies sehr bald als eilt gründlicher Irrtum. Sie selbst kam zum Süllstaiide, und ihr äußerster Exponent wurde gewissermaßen zur Sekte innerhalb des Juden• tums. So war die Lage des Judentums im deutschen Sprachtmd Kullurgcbictc in den siebziger und acluiger Jahren des 10. Jahrhunderts der Ausdruck eines vollständigen Stillstandes und absoluter Auflösung. Die Zukunft des deutschen Judentums lag auf dem Taufwasser. Wenn keine gründliche Umkehr gekommen wäre, so wäre das Judentum in Deutschland abgestorben, und bestenfalls ein ganz verschwindender Teil als kleine orthodoxe — ebenfalls — Sekte zurückgeblieben. Aber diese Umkehr ist c r t o I g i. Der neu erwachende Nationalist des jüdischen Volkes hat der deutschen judenheit das gegeben, was ihr ein Jahrhundert vorher entrissen worden war: die Hoffnung und den Willen für eine Zukunft. Die jüdische Volks• bcwcgtmg, die im Zionismus ihren Ausdruck fand, bedeutet diese Umkehr. Die zionistische Bewegung hat das Judentum dem Stillstände und der Aullösung entrisset), und das jüdische Volk mit neuen Lcbciisiinpulscn erfüllt. Die nationale Bewegen״ des jüdischen Volkes, die im Zionismus ihren organisatorischcn Ausdruck gefunden hat, ist die Rückkehr zu den von den Vätern ererbten Werten. Sic hat dem Judentume nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen weit jene Schwungkraft verliehen, die ihr auf geschichtsgcwordeiicr Basis neue Gedanken- und Gefühlswelten erschloß und ihr die )Möglichkeit gab, auf eigenem Boden neue reale Grundlagen für ein normales Volkstum zu schaffen. Die Organisation ist dabei die äußere Form und die notwendige Zusammenfassung der Kräfte. Ohne sie müßte die Bewegung sich ins Ungewisse bewegen. Aber selbstverständlich ist die Hauptsache der inncwohnende Geist. Deshalb muß und wird sich die Zionistische Organisation immer wieder klar werden, daß sic das Räderwerk für die B e w c g u n g bedeutet, die das Lebensclemcnt des neuzeitlichen Judentums ist Unsere Aufgabe ist cs, stetig dafür zu sorgen, daß die Bewegung sich nicht verlangsamt und daß sie weiter dem Leben des Volkes die Schwungkraft verleiht, die ilun die kulturelle und nationale Existenz für die Zukunft gewährleistet. Heinrich Locwc. Zionistisches Staatsbürgertara Von Univ.-Prof. Dr. Brodotsky (Leeds, England). Mit jedem Tage wird klarer, daß (Las jüdische Volk die Zukunft Fa käs (in.1s in seinen eigenen Händen hält. Wenn cs gelänge, alle Mittel, über die unser Volk in der Diaspora und. insbesondere in den englisch sprechenden Ländern verfügt, der Entwicklung des nationalen jüdischen Heims nutzbar zu machen, kein Zweifel, daß Palästina in fruchtbares und gesundes Land verwandelt würde, daß in Ercz Israel ein geistiges und politisd!es Zentrum jüdischen Schaffens entstünde. Noch vor Beel» Jahren prophezeite man, das Land werde ln einem ständigen Kampf zwischen Juden und Arabern und in den inneren Gegensätzen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft selbst zer. rieben werden. Aber diese Voraussagungen haben sich als trügerisch erwiesen. Es gibt kein zweites Land im nahen Osten, das so ruhig und friedlich wäro wie Palästina. In keinem anderen Lande lebt eine Gemeinde von Juden, die int ihrer Entsclilossenheit, für das künftige Wohl ihres Landes und ihres Volkes alle Kräfto einzuactzcn, 80 einig dastünde wie die palästinensische, Palästina und der Aufbau der nationalen Heimstätte bedeuten eine Forderung an alle Juden, sich zu einem gemeinsamen Werke zu vereinigen, gleichviel wie sic sonst zu den inneren und äußeren Problemen jüdischen Lebens stehen mögen. Es ist nur natürlich, daß rächt alle Volksgenossen m den vordersten Kt ihr!» mar:.< liieren können. Wir Zionisten sind niemals in unserem Glauben wankend geworden, daß dm überwiegende Mehrheit der Juden die Lösung des jüdischen Problems in Palästina he! heiniführen wünscht. Aber wären wir es nicht gewesen, die al, die Repräsentanten des jüdischen \ olkca üulgetrcicu wären — die Well judenheit ah solche ]Litte die BalfourdJekl.-iranon und das Palästina-Mandat niemals gefordert, Groß-Ikitannien und der Völkerbund hätte eine solche ^Forderung nie genehmigt. 1. s bedurfte einer z io n i st i!1 c h e 11 Bewegung, um diese zerstreuten, ausi inamlerstrrbendcn Strahlen jüdischer Hoffnung zu sammeln, e; bedurfte der Zionistischen Orgnnisa• lion, daß sie, gleich (ine!־ Linse, diese Strahlen in einem Gemeinschaft?.werke vereinte. Und was vor zehn Jahren galt, ist auch heute noch Notwendigkeit. Alle. Juden anerkennen das Vorzugsrecht Palästinas auf ihre Liebe und Ergebenheit. Aber ohne_ zionistische Bewegung und ohne Zionistische Ofganisation bliebe diese Liebe unfruchtbar. Diese Wahrheit ist mehr als einmal deutlich geworden. Die Zioiiistisdie Organls.x• lion hat im Namen der Judenheit der Diaspora und Palästina?) vor den Regierungen Tal.istin.is und Croß-Britanniens und vor dem Völkerbund gesprochen. Die Zionistische Organka• tion hat die Voraussetzung dafür geschaffen, daß die judischa Einwanderung nach Palästina einen Umfang annahm, der alle früheren Erwartungen üb’mraf. Sic hat die Judenheit übend! in der Welt zu war hem Verständnis für die Bedürfnisse Palästina•■) erzogen, ric hat in den Keren Hajessod und in den! Keren Kajemeth jenen unaufhörlichen Strom freiwilliger Gaben geleitet, ohne die Palästinas herrliches Wachstum nicht naöglieh gewesen wäre. Daher brauchen wir ein!' starke zionistische Bewegung, eine feste Zionistische Organisation. Daher gibt cs keine heiligere Pflicht, als die ununterbrochene Werbung neuer An״ bänger, neuer Mitglieder. Es genügt nicht, daß ein Jude sei• neu Glauben an Palästina durch einen finanziellen Beitrag dokumentiert, den er für den Aufbau des Landes leistet. Jeder, Jude und jede Jüdin muß Anteil nehmen auch an der Bildung der öffentlichen Meinung des Judentums über Palästina, und c.« muß geschehen dadurch, daß er sich als ein dienendes Glied in die zionistische Bewegung einfügt, er muß die Kraft dieser öffentlichen Meinung stärken dadurch, daß er der zionistischen! Organisation Beitritt. Je größer die Anzahl der Anhänger der zionistischen Bewegung, je größer der Mitglicdcrstand der Zionistischen Organisation, um so lauter ertönt der Ruf des Zionismus an die Gesamtjudenheit, an die ganze zivilisierte Welt. Beivegong, Leben, Waclisinm Organisation heißt: Bewegung, heißt: Lcb'cn, heißt: 'Wachstum. Man kann die jüdische Galuth-Gcschichtc unter dem Gesichtspunkte betrachten, ob die Juden in einer gegebenen Epoche die Fähigkeit besaßen, neue Organisationsformen zu schaffen, beziehungsweise schon vorhandene zu stärken und aus• zubaucn. Unsere Glanzperioden zeichnen sich durch schöpferische Orgatiisationsicistungcn aus. So entstanden als Organis.1tionsformen die Synagoge, das Lchrhaus, die Gemeinde, der Gcmcindevcrband, die. ganze von einer zentralen Macht aus regierte Diaspora mit dem Resch-Galuth.1 an der Spitze u. a. m. Diese Organisationsformen wurden immer wieder innerlich ge• stärkt und ausgebaut, 'mmtr war es ein großer Gedanke, Glaube, ein Ideal, die als Aggregationskern dienten, um detl herum sich die Diaspora, oder große Teile von ihr, die wich• tigsten und lebendigsten, oiganiiicrten. Der Fluch der Assimila. tion war, daß sie desorganisierte, weil sie bewußt dahin strebte, das jüdische Volk zu zerstreuen, zu zersplittern, zu zerstäuben. Den letzten Rest von Qrg.inisatkmsf.jhigkcit wandte die Assimilation höchstens noch an Wohltätigkeit und erschlichcnen politischen Schutz. Dieser Zustand Ritte, wenn er lange gedauert hätte, das jüdische Volk von innen heraus zerstört, aufgelöst. Da kam der Zionismus mit einem Volksideal, mit dem Volksideal von Freiheit und Erlösung. Da erwuchs wieder eine umfassende jüdische Organisation. Da war im jüdischen Volk« wieder Bewegung,!.eben, Wachstum. In der Zionistischen Organisation und durch sie ist das jüdische Volk in den letzten drei Jahrzehnten gewachsen an innerer schöpferischer Gemeinschaftskraft und darum auch ani äußerer politischer Weltbedeutung. Was die Organisation geschaffen, kann nur sic erhalten, und vermehren. Je stärker, je gefestigter, je geschlossener, je weiter die Zionistische Organisation, desto bedeutungsvoller für die Welt, für die politische Dynamik der Welt und das jüdische Volk, und desto sicherer unser Erfolg. . Setzen wir also unsere ganze Energie daran, die. Zionistische Organisation im Innern zu festigen und ihren Rahmen nach außen hin zur Ganzheit des jüdischen Volkes zu erweitern. Krakau. Dr. Osias Thon. Propaganda für die Organisation Der Appell der Exekutive, einen Werbemonat für die Organisation abzulialiett, bedarf für diejenigen, denen die Bewegung■ von ähnlicher Bedeutung ist wie das Endziel! keinerlei Begründung. Wie aber steht es mit denen, die eine Verbreiterung elcr organisatorischen Basis wünschen, die glauben, daß der Aufbau von Ercz-Jsracl_ cs verlangt, daß alle Juden, auch diejenigen, die nicht reif sind für den Rcitntt zur Zionistischen Organisation, für diese Aufbauarbeit eingespannt werden? . . Ich mritte, auch sie müssen mit dem gleichen Etter sich der Propaganda für die Organisation hutgeben. Der Aufbau der ״jüdischen Heimstätte“ ist so wichtig, da« man ilic Versuche fortset/eu muß» alle Schichten des juuischea Volkes der Pflicht dem Lande gegenüber näher zu bringen. Aber gerade wenn das gcscniclit, brauchen wir eine in steh geschlossene Zionistische Organisation, damit der Gedanke nicht verflacht tmd die Bewegung Hcrzls und der Kongresse nicht zu einem Kolonisationsvercin degradiert wird. Innerhalb der für Frez-Israel arbeitenden Judenheit muß der Zionismus einen radikalen Flügel bilden, der die Schlaffwcrdcndcn vorwärts reißt und ihnen die Größe und die Ganzheit der Aufgabe zeigt. Deswegen haben auch die Föderationen die Verpflichtung, sich in den Dienst der Arbeit zu stellen, damit sie stark bleibe inmitten einer starken nationalen ,Bewegung. Lazarus Barth. OrganissUoDsraonaf — Schekclmoaat Das Londoner Büro elcr Exekutive teilt uns mit. Die noch in den meisten Ländern rückständige behekclarbeit für das Jahr 5686 wird, wie die Exekutive crw®l^|» ״nd die Vorbereitungen, die von den Vereinen getroffen ucrdui erhoffen lassen, durch die Monat Ijar• Aktion einen starken Antrieb erhalten. Die Exekutive hat die Parote aus• gegeben, daß in dem laufenden Jahr die Differenz zutschen Kongreßjahr und kongreßloscm Jahr, die bisher stets in Erscheinung trat, überwunden werden muß. Das allgemeine Ziel der Schekelaktion im Jahre 56S6 muß setn, daß zu• mindesten die höchsten Ergebnisse, die bereits früher einmal erreicht worden sind, auch in diesem Jahre wtcilcr erzielt werden. Unter Zugrundelegung dieser. Forderung hat die Exekutive in diesem Jahre den Verbänden zum ersten Mal ein bestimmtes Schekclkontingcnt aufcrlegt

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