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Jüdische Rundschau · 1926-04-16 · Heft 29-30 (16.4.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 29-30 (16.4.1926)
Date
1926-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 216 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 26/30 ״in soziologisch illusionäres Leben. Aus dieser Problematik wollen wir heraus, indem wir in Palästina eine vollständige Gesellschaft auf den Grundfesten eines starken und gesunden Dodenbaus errichten. Unsere konzentrierende Kolonisation muH?״gleich sozial eine totalisicrcndc sein und die Ganzheit, die wir meinen, können wir nur verwirklichen, wenn unsere Menschen überall im Land wo das angclit selbst die Erde bearbeiten. Welche Parole ergibt sieh daraus und welche Ist ansgegeben worden? Die ausgegebene heißt: Rentabilität; und ich kann sie nicht rügen, wo cs sich als so schwer erwiesen hat, große jüdische Kapitalien zur Anlegung in Palästina 7.11 gewinnen. Aber die wahre Parole, die eines wahren Werkverbands, würde lauten: Werkhaftes Bündnis von Kapital und Arbeit, eine große, die Wirtschaft des Landes aulbauende Wcrkgcmcinschaft der ״Unternehmer“ und der ״Arbeiter“, gemeinsame Programmberatung, gemeinsame Betricbslritung, gemeinsame Disposition über die Verwendung des Ertrags. Ethik? Nein, die Wirtschaftspolitik dieser einzigartigen, präzcdenzloscu Situation, die diesem wirtschaftsgeschichtlichen Novum angepaßte! Was bei den Staaten der Zwang der Kriegslage zumindest für eine Zeit zustande zu . bringen vermochte, sollte das nicht dem freien Wollen eines unerhörten Ziels gelingen? Zum dritten hat das Ziel einer konzentrativen Kolonlsation eine kulturelle Bedeutung. Wir wollen aus der Verflcchtung, Verstrickung in das Vielerlei der Vöikcrkulturcn heraus. Nicht etwa, nie man cs zuweilen ausdrückt, von den Einflüssen der Völker Europas, des Abendlands, wollen wir uns befreien, sondern vom Zwangscharakter der gegenwärtigen Beeinflussung; was wir erstreben ist ein freies Wachstum, genährt von allen nnhrkräftigcn Stoffen der Welt, die sich in unser Gewebe cinwandelu. Freies Wachstum der Volksart•, Jas bedeutet aber notwendigerweise freies Wachstum aller Glieder der konzentrativen Volkssiedlung. Denn im Leben der Vöikcrkulturcn mit ihrer ungebrochenen Kontinuität mochte es zu deren leidlicher Fortführung genügen, wenn nur ein bevorzugter Teil des Volkes seine Kräfte, Geistes und der Seele, frei entfalten konnte; daß cs nunmehr auch da nicht mehr genügt, daß vielmehr das Erzichungs- Privileg der ״bürgerlichen“ Schichten die Kultur mit dein Zerfall bedroht, wird jetzt allenthalben empfunden. Wie aber könnte unser verwegenes Unternehmen glücken, wenn wir nicht alle Personen, die wir dafür cinsctzen, mit ihren ganzen, voll entfalteten Kräften cinzusctzcn vermögen! Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß hier nicht von der Erwerbung einer intcllcktualcn Schdnbildung, sondern von der wirklichen Bildüng des gesamten, einigen Menschen die Rede ist, und nicht von einer ״allgemeinen״, sondern von der Heranbildung der bestimmten, spezifisch ausgerüsteten Menschenart, die dieses werdende Gemeinwesen braucht; von der Erziehung des Men sehen, der dieser eigentümlichen Situation und ihrer Aufgabe gewachsen ist. Wenn nirgendswo sonst in der Welt, in unserem Palästina muß, wenn unser Versuch nicht mißlingen soll, aller Jugend die gleiche Möglichkeit gegeben sein, iiirc Fähig keiten zu entdecken und zu entwickeln, jegliche Nahrung der Seele und des Geistes aufzuueluncn, die ihr frommt, ihr Wesen zu läutern und zu vollenden, die Schönheit des wahren Menschenlebens zu erfahren und an der Fülle und Würde der wahren Menschengemeinschaft tcilzunehmcn. Welche Parole ergibt sich daraus und welche ist ausgegeben worden? Die ausgegebene ist: Kulturelle Institutionen. Man geht von der Fiktion aus, das jüdische Haus sei fertig, und baut ihm nuu eine geistige Einrichtung aus prunkvollen Möbelstücken, zum Teil herrlichen europäischen Antiquitäten, worunter Stühle sein mögen, die eher zum Ansehaucn als zum Sitzen erfreulich sind. Es liegt mir fern, den Nutzen der Institutionen überhaupt leugnen zu wollen. Ich bin z. B. in dem Vierteljahrhundert, seit ich an den ersten Vorarbeiten zur Errichtung der Universität tcilnahm, gewiß nicht ihr Gegner geworden ich bin durchaus dafür, daß in Palästina die Institute ge׳ schaffen werden, die die Sanierung, die wirtschaftliche Er- Schließung, die Erforschung des Landes fordert; und wenn diesen ein Institut sich bcigescllt, das zwar nicht einem Be dürfnls des Landes, wohl aber der Selbsterkenntnis des Juden tums dient oder doch einst dienen wird, kann mein Herz und meine Hand sich dieser Erfüllung meines alten Wunsches nicht versagen; Ich habe audi nichts dagegen einzuwenden, daß man die Gesamtheit dieser Institute, als Rahmen für das später einmal Kommende, eine Universitas nenne. Was mich aber zu entschiedenem Widerspruch veranlaßt, ist der übermäßige Akzent, der auf diese durchaus löblichen Gründungen gelegt wird, ist die Ausschließlichkeit, mit der sie und ihresgleichen als das jüdische Kulturwcrk in Palästina auftreten, ist ihre alle Kräfte und Mitte! absorbierende Alleinherrschaft, ist vor allem die Tatsadle, daß sic sidi zu einer Schaufassade, zu c ner permanenten geistigen Weltausstellung auszuwachsen drohen, welche die innere, die bildende, die eigentliche Arbeit am Volk verdrängt oder sogar vereitelt. Die wahre Parole lautet: Volkserziehung. Unsere eigentliche Kulturarbeit in Palästina kann nicht von irgendwelchen allgemeinen ideellen Zweck- Setzungen ausgehen, sondern nur von den geistigen und seelischen Bedürfnissen der Bevölkerung Palästinas selbst, den Bedürfnissen, deren sie sich schon bewußt ist und denen die mau ihr erst bewußt machen muß (den irregeleiteten, den intclicktualistischen Scheinhcdürfnlsscn wird die Wirklichkcifserkcnntnis des Volkserziehers cntgcgcnzutrcteu haben); und darüber hinaus von der Frage: Was für Menschen braucht Palästina und war für Menschen hat es, wie können aus denen, die seinen Aufgaben nicht ■zureichen, zureichende werden, wie kann aus Bevölkerung Volk werden? Wir haben uns von den Problemen, die die vierte Alijah gebracht hat, nicht belehren lassen, worauf cs ankommt. Wenn wir es nicht bald lernen, wird unversehens die Stunde da sein, wo es zum Lernen zu spät ist. Jetzt hängt es noch zu einen! guten Teil (nämlich soweit überhaupt Einwirkung von Mensollen auf Menschen möglich ist) von uns, von unseren Werken der Voikserziehung ab, was für ein Menschentum 111 unserem Land emporwächst; aber wenn wir jetzt die 1ms obliegende Pflicht nicht erkennen und tun, wird die Mitbestimmung Stück um Stück durch den ״Gang der Dinge“ aus unserer Hand gezogen werden, bis wir bestürzt und ohnmächtig vor der mit allem Komfort ausgestatteten Dt:pendancc ״Zion“ des großen Galufh-Hoteis stehen. 5. Es gehört zur Signatur unseres großartigen und erbärmliehen Zeitalters, daß die Traume der Menschheit in ihm in Erfüllung gehen: als Travestien, Der Nordpol wird entdeckt im Zank von Cook und Peary. Der Mensch erobert die Luft um Bomben zu werfen. Der Dichter spricht vom Kapitol d'Aummzio. Die Völker schließen einen Bund. Die gerechte itscllschaft wird begründet. lei« erwarte die Proklamicrung der einheitlichen Mcnschhcitsrcllglon — wenn sic nicht etwa schon erfolgt ist. Die Folge von alledem ist eine Entwcrlung aller Realisierung, eine tiefe Erschütterung des Rcalisicrungägiaubcns. Daß cs mit unserer Sache, mit der Erfüllung des ״Zions• traums“ bislang nicht an dem ist, haben wir dem anonymen, unscheinbaren, undemonstrativen, dem ganz echten Opfer• mut unserer Pioniere zu daukeu. Aber hüten wir uns, dieses Unersetzliche wie einen Spieleinsatz zu behandeln; sonst werden wirs bald verspielt haben. So etwas, sagte ich, hat cs in der Weltgeschichte noch iiielit gegeben. Es hängt — immer noclil — von uns ab, ob die Völker in hundert Jahren vor unserem ragenden Werk eben dies sagen werden oder ob sie vor der Tor• heit unserer Schdnrcalisierung achsclzuckcnd ausrufen wer• den: ״So etwas konnte cs eben nicht geben“. Unser Anspruch Von Dr. M. Solowcitschik. Zahlenmäßig eine Bewegung im Judentum, ist der Zionismus für uns, die ihn bejahen, die Bewegung des Judentums. Alles, was tin Judentum nicht erstarrt ist, was motorische Kräfte in sich birgt, was irgendwohin strebt, was schöpferisch das Judentum erlebt, ist bereits Zionismus geworden oder ist auf dem Wege, Zionismus zu werden. Zionismus ist das Judentum in seinem Volkwcrden, in seiner Wandlung zu neuen Formen einer nationalen Existenz, in seiner Selbstbesinnung und in seiner Betätigung, die ihm diese Selbstbesinnung vorschrcibt. Indem wir das sagen, verwerfen wir jeglichen Konjunktur-Zionismus, jede prinzipielle Verknüpfung des Zlo* nismus mit irgendwelchen, außerhalb des Immanenten Pro• zesscs der jüdischen Geschichte liegenden und die Verwirklichung des Zionismus fördernden Faktoren*, der Zionismus als solcher hat in sich — entgegen einer in den letzten Jahren leider oft vertretenen Meinung — nichts von einem Unternehmen, obgleich viele Unternehmen mit dem Zionismus aufs engste verbunden sind. Der Zionismus als solcher ist für uns die Zusammen• fassun״ alles Zielbcwiißtcn im Judentum, der Inbegriff aller jüdischen Ziele, somit also der Ausdruck der jüdischen Wirklichkc.it, sowohl in ihrer Gesamtheit wie auch in allen ilircn Einzelerscheinungen. In einem jeden Querschnitt, in einem jeden Längsschnitt des jüdischen Lebens ersehen wir ein in die zionistische Auffassung der jüdischen Geschichte sich cinrcilicndes Phänomen, ein durch die Verwirklichung des Zionismus — und nur durch sie — zu lösendes Problem. Ob wir die sozialen Nöte der jüdischen Allgemeinheit, ob wir die geistigen Nöte der jüdischen Persönlichkeit analysicrcn — überall müssen wir Elemente unserer zionisti• sehen Diagnose konstatieren und die zionistische ‘;bfrapic als die letzten Endes einzig heilbringende für geboten er■ achten. Wir m ü s $ c 11 es, falls wir dem zionistischen Gedanken gerecht werden wollen, denn der Zionismus Ist nicht eine ins Judentum von außen hereingetragene Idee oder eine, gewisse Teilcrschcinungen des jüdischen Lebens tangierende Bestrebung — er ist die werdende neue Form des Judeseins in der ganzen Mannigfaltigkeit dieser 80 komplizierten Existenz und daher kann cs für den zionistisch, d. 11. riehtig, über das Judentum Denkenden nichts im Judentum geben, was ohne Bezugnahme auf den Zionismus, mehr als das, nicht aus dein Zionismus heraus gedeutet und gemeistert werden kann. Wir erheben somit den Anspruch, nicht eine Geistes richtung innerhalb des modernen Judentums zu sein — wenn wir es auch parteimäßig sind ־—, sondern die neue, die moderne Juden 11 eit im Werden zu repräsentieren, und zwar einen Mikrokosmos der Gesamtjudenheit, mit allen in ihr vorhandenen Richtungen. In diesem Sinne gibt es innerhalb der Judenheit nur noch eine, auch recht zahlreiche, Schicht, die einen ähnlichen — aber inhaltlich diametral entgegengesetzten — Anspruch erließt, das ist die Orthodoxie, und zwar die Orthodoxie, flicht als Gesamtheit der Gesctzestreucn verstanden — auch in unserer Reihe gibt cs hunderttausende Gesetzestreuer sondern Orthodoxie als historische Weltanschauung, als Ge• schichtsphilosophic, als die das Bestreben des Judentums zum Volkwcrden negierende und negieren müssende Geistes richtung, also die exklusive Orthodokie, die Tren- 11 u n g s Orthodoxie. Die Gesctzestreucn, die die Gesetzestreue nicht als Gegensatz zu den nationalen Zielen des Judentums empfinden, die durch die Wucht des neuen Lebens sich ver• aniaßt sahen, ihre religiöse Empfindungswclt in das System der nationalen Güter einzuordnen, die — wenn auch noch nicht theoretisch, so wenigstens praktisch — die Suprematie des nationalen Prinzips anerkennen — die alle fanden und finden Platz in unserer Mitte. Ganz anders aber die gegen das Nationale kämpfende Orthodoxie: sie erhebt, wie wir es tun, den Anspruch, nicht eine Richtung im Judentum, sondern das Judentum zu sein, und nach unserer — zionistischen •— Auffassung ist dieser Anspruch berechtigt gewesen, sie war das Judentum, sic ist aber jetzt das zu überwindende, das nicht mehr lebens fähige und daher — das abz« lös ende Judentum, und zwar das durch uns abzulösendc; wir sind berufen, die Erben der Orthodoxie zu sein. Wie die Orthodoxie nach dem Zusammenbruch des alten klassischen jüdischen Ge• meinwesens die historische Mission hatte, den Organismus des Judentums durch ein komplizierteres System religiöser Gebundenheiten vor der Auflösung zu bewahren, so ergeht an uns heute der Ruf der Geschichte, an Stelle des zusammcnbrcchenden und nicht mehr aufzurichtenden Gebä u des der alten Judentums ein neues Judentum, ein Judentum der Volksgemeinschaft zu schaffen. Zionismus und Orthodoxie — diese zwei Pole jüdischer Geistesrichtung — sind auch zugleich die einzigen zwei Systeme jüdischer Geschichtsphilosophie, die diesen Namen verdienen. Was dazwischen liegt — mag es Liberalismus, ״Volkismus“ usw. heißen — sind Konjunkturgebilde und vom Standpunkte unserer, mit Jahrtausenden operierenden Geschichte nicht mehr als Eintagsfliegen. Nur der Zionismus und die Orthodoxie wurzeln tief in der Geschichte. Die Orthodoxie haflct am Gewordenen, wir su Kräfte, die für das Werdende reif sind, zu sammeli! zu aktivieren. Aber wie die Orthodoxie, sind auch wjr;j tränkt von Geschichte. Auch wir datieren unseren \vf?' gang niciit nach den Meilensteinen fremder Geschichte. Vw die französische Revolution, nicht die Umwälzung«) ל’ Jahres 1S-18 sind für uns Epochen unseres historischen r'S schickes. Wie für die Orthodoxie, so ist auch fQr 'י , die BiimJessclilleßuiig am Sinai, die 1111» das Gelobte לן] I verheißen hat, der Beginn unseres historischen Weges und!: Vernichtung des unabhängigen jüdischen Gemeinwesens das schicksalsschwerste, größte Ereignis unserer Geschieht Mögen die Orthodoxen diese Ereignisse mit anderem Geis' erfüllen — die Tatsache unserer bewußten inneren knüpfimg mit den Urquellen unseres historischen Seins bleib! sowohl für die Orthodoxie, wie für den Zionismus — j{, auch nur für diese beiden geistigen Einstellungen im Judr. tum — in gleichem Maße bestehen. Während aber die Orthodoxie die Phase des Juc]ta. tums, die sie repräsentiert, als die letzte betrachtet uns jegliche Entwicklung über bie hinaus als Ketzerei verwi;1* und verwerfen in u D, schließen wir die Orthodoxie cg in das System unserer Geschichtsauffassung ein; wir digen sic voll und ganz als Ausdruck einer großen sehen Epoche, erstreben aber sehnsüchtig ihre Ueberwindur,- denn wir haben aus der Geschichte die Botschaft einer m״ rinbrechcudcn Periode, eines neuen jüdischen Seins vt:1 nomine». Die Orthodoxie ist für uns die Inkarnation dt: langen Wüstemvandenmg im Gallith; wir haben Mut aj kühnen Plan, das Tabernakel der Orthodoxie durch dt; Tempel des jüdischen nationalen Gemeinwesens zu ersetz«!! Die Aufgabe einer jeden sozialen Bewegung ist cs, Kräht ausztilöse» in der Richtung des historisch ob• jektiv Notwendigen. Eine Bewegung verdient die«! Namen nicht, wenn sic vergängliches Streben um willkt: liehe Konstruktionen, die zufällig eine Zeitlang fesseln könnet, sammelt; sondern nur dort ist Bewegung im wahren Sin« des Wortes, wo menschlichem Weilen Wege des objd■ tiven, unabwendbaren historischen Werdegangs gewicst; werden. Eine richtige Bewegung ist mir dazu beruh•!!, d« Geschichte Hciferdiciistc zu leisten. Somit lic^t in der Theorit einer jeden Bewegung Prognose und die Geschichte — in• dem sie den von der Bewegung Cingclcitetcn Weg bcschrcitrt oder nicht — fällt ihr Urteil über die Richtigkeit der Prognose, Wer wird es wagen zu behaupten, daß unsere vo: 30 Jahren aufgcstclltc Prognose falsch w3r? Welche Bewegung kann sich, wie die zionistische, rühmen, im Lauit eines einzigen Menschcnaltcrs ihre Geschichtsauffassung durch den Oang der Ereignisse in solchem Maße bestätigt erleb! zu haben? Enthält aber eine Bewegung historische Wahrheit, so liegt cs in ihrem Wesen — wie im Wesen einer jedes Wahrheit —daß sie immer neue Geister gewinnt, daß sie immer weiter iür sich wirbt, daß sie sich verbreitet und wächst. Unser Wachstum wird somit vou uns empiunda als Resultat, aber auch als Wahrzeichen der großen liistori■ sehen Erkenntnisse, die wir ins Judentum getragen habe: und die wir dem noch irrenden Teil des Judentums i verkünden berufen sind. : Der Mlsradü und der Monat I|ar Von Dr. Oskar W 01 f s b c r g, Berlin. Politische Bewegungen bedürfen einer starken Or■ ganisatiou, nicht nur um ihrer politischen Pli« willen, sondern auch zur Verwirklichung ihrer kultu• rcllcn Ziele. Idee und Organisation sind in einet politischen Gemeinschaft in eigenartiger Weise mitein• ander verknüpft: die Idee steht an ihrer Schwelle - gleichsam ante reni —, aber sie fließt auch aus ihr. Und wenn es zu Krisen in der Organisation kommt, wenn aus den Reihen der Anhänger der mangelnde Er• folg der politischen Leistung auf das Fehlen bewegender Ideen zurückgeführt wird, so ist daran gewiß viel Wahres. Ich aber meine, daß in dem Zirkel: geistiges Ermatten — organisatorische Schwäche — Ideenarmut der Hebel bei der Organisation an gesetzt werden muß. Gerade wer cs mit den Kulturabgaben des Zionismus ernst meint und in ihnen den Kuli«'• nationspunkt erblickt, muß wissen, daß der erwähnt* circulus vitiosus bei der organisatorischen Arbeit durchbrochen werden muß, weil sic allein von unserem gute״ Willen und unserer Energie abhängt. Ideen lassen 50 nicht hervorzaubern. Der Misrachi, für den ich hier sprechen darf, *[׳ kennt, als eine wesentlich kulturell-religiöse Gruppt innerhalb unserer großen Weltorganisation, gerade f״ diesen schweren Tagen die Bedeutung eines festem gesunden Körpers unserer Rcnaissanccbcwcgung. ^t1c_ der Misrachi sucht seinen Tiefpunkt in organisatorisch« Hinsicht zu überwinden, und glaubt bereits auf d*111 Wege zum Aufstieg zu sein. Daß er seine geistig*״ Kräfte sammeln und zu größerer Werbekraft getane*״ will, ist selbstverständlich. Der Monat der Organisation gibt uns erwünscht Gelegenheit, unsere Bemühungen zu intensivieren. wollen eine aktionsfähige Föderation sein und denke« mit unserer Kräftigung gleichzeitig das Wohl unscr*r gesamten Organisation zu fördern. Denn wir sind m*‘1 nur überzeugt, daß aus der erhabenen jüdischen!גז• dilion wertvollste Impulse für den Zionismus stam15״11׳' sondern daß auch die jüdische Zukunft in ihre Ban münden wird. Als ein Zeichen unserer engen Verbundenheit 1211 der zionistischen Gesamtheit aber möchte ich die P2r0( ausgeben, daß wir im Monat der Organisation in Vordergrund all die Probleme und Dinge stellen wo׳"*״ die den Misrachi an die Zionistische Weltorganisation ketten, alles Positive, was unsere Schicksalsgemcins*hät ausmacht.

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