Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 29-30 (16.4.1926)
- Date
- 1926-04-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 29 30׳ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 213 (Aus seinen Reden.) Man wird immer als Gast behandelt, wenn man n״ch seinerseits den Gastgeber spieien kann. Nur der• jeniRe wird zu einem Essen cingcladen, der, wenn er [ust liat, seine Mahlzeit auch zu Hause einnehmen kann. Die Schweiz ist ein kleines Land, und mehr Schweizer |fben außerhalb als in der Schweiz. Aber es gibt keine jcliwcizerfcindschaft in dem Sinne, in dem cs eine Judenfeindschaft gibt. _ Der Schweizer hat sein Heim, jB das er sich zurückzichcn kann, in das er andere ein-!,den kann. Es ist gleichgültig, wie klein das Heim solange es nur das eigene ist. Wenn wir wünschen, daß unsere Stellung in allen anderen üindern sicher sei, dann muß es einen Teil des Judentums geben, der bei sich zu Hause ist, in seinem *eigenen Lande. Wenn wir sicher sein wollen, daß wir 3« anderen Universitäten als Gleiche behandelt werden, S3nn müssen wir unsere eigene Universität haben. In dieser Beziehung wird die Universität in Jerusalem einen Einfluß auf die Stellung der Juden aller Länder ausüben, Professoren aus Jerusalem werden nach Harvard kommen können und Professoren von Harvard nach Jerusalem. Dann werden die Juden überall Gleiche sein, ohne Rücksicht darauf, daß die anderen hundert Univerfitsten haben und sie nur eine. * Vieles, und mit Recht, ist über die verfolgten Juden fffsagt worden, die ein Recht auf einen Zufluchtsort jii Palästina haben. Das ist in diesem Sinne richtig. Aber viele unter uns sind Zionisten, ohne verfolgte Juden zu sein, und es ist wichtig, daß auch der Standpunkt dieser Zionisten klar dargelegt werde. Es gibt zwei Seiten der Judenfrage: einerseits den einzelnen Juden und die einzelnen Gruppen, andererscits das jüdische Volk als eine Gesamtheit. Die amerikanischen Juden haben als einzelne jüdische Gruppe die Frage gelöst. Sic haben in ihrem Lande eine Heimat gefunden, und sie betrachten Amerika als ihre Heimat, ebenso wie jeder andere Amerikaner. Darin gleicht ihre Stellung der des französischen oder englischen Juden. Aber diese Lösung der individuellen Seite der Frage schallt die andere Seite nicht aus der Welt. Es gibt noch eine Seite unseres Lebens, als einer Rasse, als eines Volkes, als eines Gcsamtorganismus, der eine Geschichte und Traditionen hat und der diese Geschichte und diese Traditionen durch Jahrtausende mit sich getragen hat: diese Seite bleibt heimatlos. Während wir als Einzelpersonen oder als Gruppen unsere Heimat haben mögen, sMwir als ein Gcsamtorganismus überall und nirgends, ln Wahrheit, wir sind schlimmer als nirgendwo. Sofenje die Verhältnisse normal sind, ist alles ganz gut. Akt wenn die Verhältnisse aufhören, normal zu sein, dann fallen wir zwischen die Räder der Geschichte und werden zerrieben. Wenn die Verhältnisse aufhören, normal zu sein, wenn es einen Krieg gibt, dann haben wir unseren Paß zu zeigen, unser moralisches Visum, und beide werden in Frage gestellt. Dann sind wir als Juden Menschen mit einem Kommentar, Menschen mit einer Fußnote. Unter den Antisemiten ist die zart besaitete Spielsrt die interessanteste. Ihr Antisemitismus basiert immer äisf einem Kompliment. Sic sagen uns: ״Ihr seid das Mz der Erde“, und cs gibt Juden, die sich dadurch außerordentlich geschmeichelt fühlen. Aber ich halte es ״idit für ein Kompliment, ״das Salz der Erde“ genannt m werden. Das Salz wird für eines anderen Nahrung verwendet, es löst sich in dieser Nahrung auf. Und cs ist nur gut in kleinen Mengen. Wenn zu viel Salz, in ^er Speise ist, wirft man die Speise weg und das Salz ihr. Das heißt, einige Länder können eine bestimmte Zahl von Juden verdauen; ist diese Zahl einmal iiberschritten, muß etwas Drastisches geschehen: die Juden 1"üssen gehen. Sic nennen uns nicht nur Salz, sondern auch Hefe. 1lc luden sind nicht mir das Salz der Erde, sondern sie auch ein außerordentlich wertvolles Ferment. Sic «wigen außerordentliche Ideen. Sie sorgeu für Initiative Energie, sie bringen Dinge in Bewegung. Aber auch;,5״ Kompliment ist von etwas zweifelhafter Art. Der vterschied zwischen einem Ferment und einem Para-!גי ist sehr fein. Wenn das Ferment neben einen w;.j'Sscr Punkt hinaus um noch so wenig vermehrt wird es zum Parasiten. So daß diejenigen, die zu sein wünschen, uns ״Ferment“ nennen, andere, jj nicht so wissenschaftlich sind, ziehen es vor, uns * 5r«itcn“ zu nennen. Aber selbst Ungerechtigkeit läßt sich erklären. Warum j Cn sic uns Parasiten nennen? Wir haben zum Aufbau ^rikas, Englands, Deutschlands und Frankreichs bei׳ bri1׳ *\cn‘ ^'n Juc*c *a* s‘c^ hervor in der Schaffung des äls^r Un Weltreiches, aber es zeigt sich, daß er nicht heil 'gezahlt wird. Er wird als ein Engländer bec*׳ ^arc er ledoch ein Feind des britischen Reiches *«״־. hätte er ihm unersetzlichen Schaden statt Nutzen zugefügt, er wäre auf unsere Rechnung ך" worden. ^il orcl Haldanc, ein hervorragender englischer O* U״c* Gelehrter, ist über jeden Verdacht von enutisums erhaben. Als ein großer Bewunderer sc!M’*ck '-0rd Haldane ein Buch über die Rela- *hem v 0rie Unc* sPrach darin auch von Minkowsky, 1 Wn 0*5"S״ Einsteins. Minkowsky war ein Jude aus olkn 5^cr. h°rd Haldane spricht von ihm als von dem polnischen Genie und er entwickelt eine lange Deutsche Zionisten! Das Zentralkomitee der Z.V.f.D. hat in seiner Plennrs lzung am 11. April in Berlin nachstehenden Beschluß einstimmig angenommen: ״Das Zentralkomitee der Z.V.f.D. begrüßt die Initiative der Exekutive, den Monat Ijar der Arbeit für die Zionistische Organisation zu widmen. * * Indem das Zentralkomitee diese Aktion für Deutsch- Lind für eröffnet erklärt, spricht cs die Ucbcrzcugung aus, daß die Verwirklichung der realen Aufgabe des Zionismus in Palästina, die Mobilisierung von Mitteln und Kräften und die Gewinnung der Mitarbeit nicht zionistisch organisierter Kreise für Palästina nur gelingen kann, wenn die Zionistische Organisation eine gefestigte, innerlich starke, entschlossene und zuversichtliche Kerntruppe darstellt, die die Bewegung vorwärtstreibt. Das Zentralkomitee siebt in einer rückhaltlosen Seibstprüfung der Zionisten, in der Aufrollung der Judenfrage in ihrer ganzen Tiefe, in der Besinnung auf das Wesen des Zionismus als einer Totallösung der Judenfrage die Grundlagen für eine Erneuerung der Bewegung und ihrer Stoßkraft. Das Zentralkomitee fordert alle deutschen Zionisten auf, sich mit allen Kräften in den Dienst der Ijar-Aktion zu stellen. In! Rahmen der Ijar-Aktion soll ein besonderes Augenmerk der Schckelsanimlimg zugewandt werden, damit auch in der Zahl der Schekel die wahre Stärke unserer Bewegung zum Ausdruck kommt.“ Zionisten! Wir rufen euch zur Durchführung dieses Be- Schlusses. Die Exekutive hat sich in einer Kundgebung an die Zionisten aller Länder gewandt. Wir haben die Pflicht, Antwort zu geben. Zentralkomitee der Z. V. f. D. Landesverband Misrachl. Landesverband Hitachduth. Kurt Blumcnfcld. Dr. Martin Roscnblüth. Dr. Alfred Schwarz. Dr. Aron Barth-Berlin, Dr. Herbert Foerdcr-Bcrlin, Dr, Sigmar Ginsbtirg-Kömgsbcrg, Dr. Nalium Goldinann-BcHin, Dr. Arthur 1 [amkc-Berlin, Dr. Sally Hirsch-Halbcrstadt, Rechtsanwalt Max Jacobsolin-Breslau, Dr. Alfred Landsberg-Wicsbaden, Boris Leibowitsch-t famburg, Dr. Siegfried Moses- Zwickau, Dr. Meiuhold Nußbaum-Niirnbcrg, Landgerichtsrat Arthur Rau-Bcrlin, Dr. Egon Rosenbcrg-licrlin, Dr. Julius Rosenfeki-Karlsruhe, Dr. Aron Sandler-Berlin, S. Schocken ir.- Zwickau, Louis Tumpowski-Lcipzig, Moses Waldmann-Bcrfin, Dr. Robert Wcltscii-Bcrlin, Dr. Wolflieim-Erfurt, Max Wollsteiner-Berlin, Frau Siddy Wronsky-Ikrliii, Landgerichtsrat Altcrlluuu-lk'ssau, Dr. Alfred Apfel-Berlin, Louis Aschkenasy* Köln, Dr. li.ins Bloch-Berlin, David Biavmanu-Hannovcr, Elias Ürombcrg-Lcipzig, Dr. Erich Buchholz-AUona, R.-A. Dr. Martin Cohn-Magdeburg, Dr. Conit/.cr-Altona, R.-A. Dr. Deutschmanu-OppoIn, Isaak Feucrriug-Bertiii, Alfred Frank-Berlin, Hugo Frankel-Berlin, R.-A. Dr. Frankel-Beuthen, Dr. Eisemanu-Frankfurt a. M., R.-A. Dr. Göttlich-Düsseldorf, Philipp Grünbaum-Berlin, Dr. Gumpcrt-Stcttin, Dr. Fritz Guttmann* ßcuthen, Bernhard Hirsch-Hamborn, Joseph Hirsch-Halberstadt, Aron IIofmann-Köln, Dr. Walter Kahn-Wiesbaden, Dr. Siegfried Kanowitz-Bcrlin, Adolf Koch-Esscn, Dr. Kugclmann- Cassel, Dipl.-Ing. Landau-Dresden, Dr. Lchrtrcund-Lcipzig, Marcel Lew-Hamburg, Dr. Kurt Lcwakl-Königsberg, Richard Lichthcim-Berlin, Dr. Fritz Löbenstein-Lcipzig, Rcg.-Rat Dr. Joseph Marcus-Breslau, J. Mnislich-Bcrlin, Dr. Franz Mayer- Mannheim, Dr. Ludwig Maycr-Nürnbcrg, R.-A, Erich Michaelis- Hamburg, Dr. Rudolf Möller-Hamburg, Dr. Bruno Nathan- Köln, R.-A. Ncmann-Halle, Willy Prciß-Berlin, Dr. J. Rabin- Breslau, Dr. Georg Sandler-Kömgsbcrg, Dr. Hugo Schachtel- Breslau, Jacob Schnclling-KöIn, Dr. SichcI-Chcmnitz, Dr. Julius Simon-Frankfurt a. M., Dr. Elias Straus-München, Dr. Willy Victor-Hainburg, R.-A. Maximilian Wciß-Brcslau, Hugo Woltermann-Bcrlin, Jacob Wolff-Frankfurt a. M., Lewy Wolff-Trier, Frau Dr. Zadik-Bcrlin. Dr. Oskar Wolfsberg-Bcriin, Rabbiner Dr. Arthur Lcvy-Bcrlin, Edmund Levy-Bcrlin, Dr. Alfred Lehmann-Berlin, S. Chönonowitz-Berlin, Dr. Albert Bacr-Berlin, Dr. Bernhard Arinstcin-Berlin, Dr. Eliescr F. Ascher-Berlin, Nathan Scharfstein-Berlin, B. Mendelsohn-Berlin, Dr. Jacob Hellmanu-Bcrlin. Theorie über die Eigenart des slawischen Genius, der diesen großen Mathematiker hervorbringen konnte. Selbstverständlich zog er das Buch aus dem Umlaufe, als er erfuhr, daß Minkowsky kein Pole war. Daß inan so ständig unsere schöpferischen Kräfte uns abschreibt und das Beste in uns den Völkern zugute bucht, unter denen wir leben, raubt uns unseren Ruf. Die Völker vergessen, daß diese Kräfte unser waren, und nachdem sic sie uns lcergcpuinpt haben, werfen sie uns vor, daß wir leer sind. Es Ist nicht ihre Schuld, aber cs ist auch nicht unsere Schuld. Auch hilft kein Protest. Minkowsky wird ein Pole bleiben und Einstein ein Deutscher, so sehr wir auch protestieren und leugnen. * 111 der ganzen Welt haben wir Juden eine wundervolle Fähigkeit für Anpassung gezeigt. Wir kamen nach den Vereinigten Staaten, wir paßten uns an diese Zivilisation, an diesen Organismus an, und wir haben darin eine glänzende Arbeit geleistet. Wir kamen nach anderen Ländern, guten und bösen, und wir haben uns den betreffenden Organismen immer angepaßt. Aber wohin wir auch immer kamen, fanden wir den Organismus fertig, fanden wir Gesetze, Sprache, Zivilisation. Was wir zu tun hatten, war, uns anzupassen und uns gut hnzupassen. In Palästina ist cs anders. Dort ist nichts fertig. Alles muß noch geschaffen werden. Wir bauen dort jetzt ein Land auf, beginnend mit dem nackten steinigen Boden, vorn Feld zum Obstgarten, vom Dorf zur Stadt, vom Kindergarten zur Universität. Aus diesen neuen Eiementen bauen wir ein neues Leben, und diese große Schöpferfreude ist es, die heute durch das ganze Judentum pulsiert. Und dies ist der Grund, weswegen uns ein kleines Haus in Palästina, ein in Palästina veröffentlichtes Buch in einer so besonderen Art anspricht. Dies ist der grundlegende Unterschied zwischen dem, was in Palästina vor sich geht, und dem, was uns in der ganzen Welt geschieht, und dieser Unterschied ist eine Herausforderung und ein Aufruf. * f\r *1a^c30000 ״ Juden nach Palästina gebracht, wir haben Straßen viele Meilen lang gebaut, wir haben Bäume gepflanzt, wir haben ein Netz von Schulen ausgebaut, wir haben eine große medizinische Organisation erhalten, wir haben eine technische Schule gegründet und sind daran, eine Universität zu eröffnen. Wir haben all dies im hellsten Tageslichte getan, während wir von Juden und Nichtjuden angefallen wurden. Wir haben es angesichts großer Widerstände getan, aber wir haben cs getan, weil die Hand der Vorsehung sich Für uns ernoben hat. Man hat mich einen Diplomaten genannt. Wo habe ich meine Diplomatie erlernt? In Pinsk? Nein. Balfour hörte nicht auf mich, weil ich wie ein Diplomat sprach. Was für ein Diplomat ist das, der ohne Reichtum, Armeen und Flotten und Macht hinter sich spricht? Nein, ich wurde nicht als ein Diplomat angchört. Ich hatte nichts hinter mir. Es war die Kraft von 80 Geschlechtem, es war die Kraft von Jahrtausenden, die durch mich sprach, nicht Geld, sondern unsere Weisen und Helden, all die, die heute in dem heiligen Boden Palästinas ruhen. Es ist die Stimme dieser Männer, auf die die Staatsmänner der Welt, die harten praktischen Staatsmänner gehorcht haben. Meine arme Stimme, ohne Prestige, ohne Reichtum, ohne soziale Stellung wäre verloren und übertönt worden. Es ist die Stimme der Geschichte, die durch mich sprach, und dieser Stimme muß die Tat folgen. Erez-Israel und Zionistische Organisation Colonel Kisch übersandte der Londoner Exekutive namens der Palästina-Exekutive folgende Aeußerung zum ״Monat der Zionistischen Organisation“: ״Die Exekutive in Palästina, die ständig mit der Führung der täglichen Geschäfte befaßt ist, die die Ausführung des vom Kongreß beschlossenen Arbeitsprogramms mit sich bringt, fühlt, tiefer vielleicht als irgendeine andere Körperschaft, die Notwendigkeit intensiver Tätigkeit für die Organisation. Die Stärke der Exekutive kann nichts anderes sein als eine Widerspicge-!ung der Kraft der Organisation, in deren Namen sie handelt. Die Exekutive wünscht nichts sehnlicher, als daß die Organisation sich hinter sic stellt, nicht passiv und abwartend, sondern als eine lebendige Kraftquelle zionistischer Anschauung und Energie; als eine Gcmcinschaft, die die Exekutive in ihren Handlungen stützt und der Welt zeigt, v׳ic weit verbreitet und wie tief verwurzelt im Judentum die große Idee ist, für die wir kämpfen. Eine stärkere Organisation bedeutet für die Exekutive nicht nur ein vergrößertes Prestige, sondein auch ein Mehr an Macht, so daß auch der Erfolg in der Ausführung der der Exekutive anvertrauten Aufgaben ein größerer sein wird. Diese Erwägungen veranlassen die Exekutive in Palästina, jeden Zionisten im Lande aufzufordern, sein möglichstes zu tun, um den Erfolg der Ijar-Kampagne für die Stärkung unserer Organisation zu fördern. Jeder Zionist sehe in der Ijar-Kampagne ein wesentliches Mittel für die Sicherung unseres nationalen Werkes und für eine beschleunigte Verwirklichung unserer Ideal c.“ Jerusalem. F. H. Kisch. Ijar-Gedanken Der Monat Ijar sei für uns Zionisten eine Zeit Jer Besinnung und der inneren Einkehr. Daß wir einen umgrenzten Zeitraum und gar, an der Größe unserer Aufgabe gemessen, einen so geringfügigen wie einen Monat, unserer Bewegung und ihrem sichtbaren Instrument, der Zionistischen Organisatron, widmen sollen, kann für Propaganda nach außen nur dann Bedeutung gewinnen, wenn cs gelingt, die Zionisten aus dem Getöse einer wirren, in ihrem Alltag zermürbenden Zeit, der auch sic zu erliegen drohen, wenigstens für den Bruchtril eines Jahres völlig herauszureißen, sie zu letzter Prüfung zu sammeln, zur Prüfung, ob sie noch so wie ehedem in der Bewegung wurzeln, die einmal ihrem Leben Richtung und Antrieb gab. Wir haben cs nicht mehr so!eicht wie vordem, in dieser Zeit der praktischen Verwirklichung, in der die ganze Last des Paliistina-Aufbaus auf uns ruht, und wir fühlen gerade in diesen Tagen, daß trotz aller Hilfe, die wir hie und da außerhalb unseres Kreises finden, dennoch niemand imstande ist, uns die Verantwortung für den Aufbau abzunehmen. Die Palästinanähe hat den Zionismus erdgebunden gemacht, es gibt nüchterne Fragen der Wirtschaft, cs drückt un* die Sorge um Budgets, um den Fortgang der Alijali, um die Sicherung des Bestellenden. in diesem Augenblick der Besinnung aber sollten wir fühlen, daß Zionismus mehr bedeutet als Palästina mit 9einen Ocgcnwartsaufgabcn, daß er noch immer gegen ei« jüd i s c h c s Dasein 1 n s t ii r m t, das er als unsicher, zweidcutig unid unrein empfindet. Nicht weniger eindringlich als in jener heroischen Zeit, in der Zionismus zum ersten Male zum Sammeln rief, ertönt von neuem unser Ruf. Gehör aber wird er nur finden, wenn wir in unserem zionistischen Glauben stark sind, so stark wie diejenigen, die einmal im Anfang uns den Weg bereitet haben. Nicht Dialektik aber und hergebrachte Formel wird als Stärke empfunden werden, sondern א innere Reinheit, die dann überzeugt und überwältigt, wenn sie aus Menschen spricht, die von Tag zu Tag, von Zweifel zu Zweifel »hren Zionismus neu gewinnen. Alfred Landsberg. I״ der Zeit vom April 1019 bis April 1026 sind laut den statistischen Angaben der zionistischen Exekutive in Palästina 100000 Juden nach Palästina cingewanderi.