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Jüdische Rundschau · 1926-04-09 · Heft 26-27 (9.4.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 26-27 (9.4.1926)
Date
1926-04-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 200 JU EDI SC HE RUNDSCHAU Nr. 26/27 Nochmals: C. V. und Steiger-Affäre ln seinem in der G, V.-Zeitung veröffentlichten, auf der Hauptversammlung des C. V. gehaltenen Referate sagte Herr Dr. Ludwig Holländer: .,Was die i 1111 c r j ii d i s e 11 c n Probleme angclit, so hat der Centralvercin bei der Erörterung dieser Fragen stets den Standpunkt eingenommen, dali unter allen Umständen Vorn c h in 11 e i t der ü e s i 11 n u n :׳; und Anerkennung der be* r e c 111 i g t e 11 E i g e 111 ü m 1 i e h k c i t c 11 auch der gegnerisch gesinnten Parteien (siel) das Ziel seines Handels sein muß. Trot/dcm hat der < ‘!eutralvcrcin es nicht verhindern können, daß z. B. aus Anlaß der Behandlung des Steiger- Prozesses Herr Ministerialrat Badt im ,Tagebuch‘ folgendes schreibt: ,Würde inan es für möglich halten, daß da-, wöchentlich einmal .erscheinende Organ der der Zahl nach größten Vereinigung ,,deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens‘, daß eine führende .jüdisch-liberale Zeitung‘ in Berlin bei ihren Lesern keinerlei Interesse für diese Dinge voraussetzt oder jedenfalls glaubt, keinerlei Interesse zeigen zu dürfen, um nicht, Gott behüte, in den Verdacht des mangelnden deutsehen Patriotismus zu geraten?‘ Der Bearbeiter der Steiger-Angelegenheit im Centralvercin, Herr Dr. Nathan, hat in der ,C. V,-Zeitung‘ die Begründung der Politik des Ceritralvereins initgeteilt und auch dem ,Tagebuch‘ sowie Herrn Ministerialrat Badt die Stellungnahme des Vereins klargclcgt. Line Berichtigung ist leider nicht er• schienen,*•' Dazu stellt uns Herr Dr. Badt die Abschrift eines Briefes zur Verfügung, die er in diesen Sachen an Herrn Dr. Paul Nathan, der ihn zu einer Berichtigung aufforderte, gerichtet hat und der in manchen Punkten über die Bedeutung des Einzelfalles hinausgeht. Dr. Badt schreibt an Dr. Nathan u. a.: ״Sic wollen mir giftigst verzeihen, wenn ich mit allem Freimut die Auffassung zu vertreten mir gestatte, daß die in diesem Falle nach ihren Darlegungen vom Centralvercin versuchte Politik in jeder Hinsicht falsch war. Nachdem man trotz dieser Schweigetaktik nicht hatte verhindern können, daß am 12. Oktober der Lemberger Prozeß begann, blieb m. E. nur noch die Möglichkeit, durch weitgehende, Inanspruchnahme der öffentlichen Meinung aller Länder, insbesondere aber Deutschlands, den Justizmord zu verhüten. Das ist nicht etwa nur meine persönliche Auffassung. Ich erwähnte schon, daß ich in dieser Angelegenheit völlig d'accord mit den Lemberger Verteidigern vorgegangen hin, die mir übrigens sämtlich am Schluß des Prozesses ein besonderes Dankschreiben geschickt haben. Zum mindesten mußte doch Dr. Grek, der selbst Pole ist, die Rückwirkung eines deutschen Pressefeldzuges auf etwaige polnische chauvinistische Kreise richtig beurteilen können. Und daß wir alle sie richtig beurteilt haben, das hat ja wohl der Erfolg gezeigt. Auf einen anderen Gesichtspunkt aber dart ich Sie aufmerksam machen: Sie schreiben, daß Sie ,die politisch links• gerichtete Presse in Deutschland zu veranlassen gesucht haben, den Steiger-Prozeß nicht als eine ,cause celebre zu behandeln‘. Darf ich mir die bescheidene Frage erlauben, welche Presse Sie dabei im Auge haben? Vorwärts, Volkszeitung, Morgen• post, Berliner Tageblatt, Vossische Zeitung — sie alle haben doch in einer meines Erachtens sehr dankenswerten Weise den Pressefeldzug in weitestem Ausmaße geführt. Nachdem also Ihr Versuch einer solchen Beeinflussung offensichtlich fehlgeschlagen war, war doch wobt nach inaner unmaßgeblichen Meinung die Haltung der C. V.-Zeitung um so Unverstandliclter und beschämender. Ich will ja gewiß der Bedeutung dieses Blattes nicht zu nahe treten. Aber glauben Sie wirklieh, daß bei dieser einmütigen Haltung der übrigen deutsehen Presse auch die Möglichkeit bestand, durch einen Artikel in der C. V.-Zeitung irgendwelche unerwünschten Rück- Wirkungen in Polen auszulösen? Mit dem gleichen Freimut gestatten Sie mir, auch etwas weiteres fcst/astcllen: Mir ist noch während des Prozesses mifgetcilt worden, daß Verhandlungen auch mit maßgebenden Stellen der Großloge und des Cetitralvcrcins im Sinne der Unterstützung der Lemberger Campagne geführt worden sind. Mir ist aber weiter auch von dem geradezu niederschmetternden Eindruck berichtet worden, den diese Verhandlungen Unterlassen haben, wie man hier wieder einmal mit dem bitteren Gefühl davongehen mußte, trotz des vielleicht besten Willens zu r Mithilfe -— den ich dem Centralverein gar nicht einmal bestreiten will —, Steine statt Brot, Worte statt Taten erhalten zu haben. Sind Sie, hochverehrter Herr Doktor, bei dieser Sachlage nun nicht auch mit mir der Ansicht, daß ein irgendwie zu berichtigender Tatbestand leider — ich sage noch einmal mit voller Ehrlichkeit: Leider — fü’r mich nicht vorliegt, und daß ich daher nicht in der Lage bin, irgendeinem Passus der mir giftigst formulierten Berichtigungserklärung z.uzustimmen? Immerhin begrüße ich die durch Ihren Brief eingeleitete offene Aussprache zwischen uns. Ich darf sie vielleicht dazu benutzen, um eine grundsätzliche Bemerkung zum Schluß anzufügen: Ich bin ucr festen Ueberzeugung, daß auch Sie, hochverehrter Herr Doktor, in dieser Angelegenheit das Beste gewollt haben, und daß Ihr Willen, einem U11schuldigen zu helfen, an Intensität und Ehrlichkeit auch nicht um ein Jota sich von dem unsrigen unterschied. Wenn wir trotzdem zwei so ganz verschiedene Wege gegangen sind und zu gehen für richtig hielten, so scheint mir das wieder einmal s v in p t o!11 a t i s e 11 m sein für den grundlegenden Unterschied, der zwischen unseren beiderseitigen Anschauungen über die Möglichkeit und die Führung einer ,,jüdischen Politik“ besteht. Sie, hochverehrter Herr Doktor — ich bitte, mir diese Bemerkung nicht verübeln zu wollen, und ich mache Sie mit aller mir — als dem an Jahren weit Jüngeren — Ihnen gegenüber obliegenden Ehrfurcht — haben sich meines Erachtens noch nicht ganz von den Vorstellungen lösen können, die man bis zum Jahre 1918 allgemein bei uns in Deutschland über die Führung auswärtiger Politik anzutreffen pflegte. Das frciliclr ein wenig abgebrauchte Schlagwort der ,Gehcimdiplomatic‘ sei mir in diesem Zusammenhänge gestattet, weil es besser als lange Ausführungen illustriert, was ich meine. Auch die jüdische Politik wird nach meinem Empfinden heute nur zu oft noch nach diesen veralteten Methoden geführt. Sie kennen ja selbst aus eigener Erfahrung, und darum vielleicht besser als ich, diese Methoden, nach denen man früher jüdische Politik machte. Da setzten sich einige, von besten willen erfüllte Notabein hinter verschlossenen Türen zusammen und berieten, wie man ohne großes Aufsehen den ,,unglücklichen Brüdern“ helfen könne. Die ״unglücklichen Brüder“ wurden als Objekt dieser humanitär-politischen Bestrebungen nicht allzu viel gefragt. Heute geht das eben nicht mehr. Heute kann auch!ü'dische Politik nicht mehr in Geheimratsstuben und ohne Verlindung mit der lebendigen Wirklichkeit gemacht werden. Heute k a n 11 man nicht mehr, um wieder auf unseren Ausgangspunkt zurückzukommen, eine ״Steiger-Politik“ machen, ohne dauernde Fühlungnahme mit den Kreisen der Verteidi• gung und darüber hinaus mit dem maßgeblichen Teile der polnischen Judenhcit. Daß der C. V. diese Fühlung bei seiner Stellungnahme so völlig vermissen ließ, das war wohl letzten Endes der Grand der für mich völlig unverständlichen Haitung der C. V.-Zeitung.“ Dr. Bernhard Kahn Zu seinem 30. Geburtstage, Jetzt zählt auch schon Dr. Bernhard Kahn zu den JubiHrt'ii. Man merkt daran, wie die junge jüdische Bewegung allmählich alt wird. Man sieht die große Spanne Zeit, die wir durchlaufen haben. Dr. Bernhard Kahn, einer der ersten im Zionismus, wandte sich dann später mehr der Gegenwartsarbeit zu und war lange Jahre hindurch Generalsekretär des Hilfsverein der deutschen Juden. Bis dahin war das Werk des I Iilfsvcreins ziemlich in der Philanthropie stecken geblieben. Von den großen Zusammciihängen der jüdischen Wanderung mit der Judenfrage überhaupt wußte man nichts und wollte man nichts wissen. Es war nicht leicht, in dies System Bresche zu schlagen. Es bleibt das Verdienst von Dr. Bernhard Kahn, daß ihm diese schwierige Aufgabe gelungen ist: nicht im kühnen Ansturm, sondern in langsamer, unermüdlicher bohrender Tätigkeit, wie sic seinem Wesen entsprach. Wenn beim Ausbruch des Krieges der Hilfsverein die zentrale Institution in Fragen der jüdischen Wanderung, wenn trotz mancher und sicher auch berechtigten Kritik hier ein Werk geschaffen worden war, das außerordentlich viel Gutes geleistet hat und im Geiste der Zeit neue Wege ging, dann ist dies das Verdienst von Dr. Bernhard Kahn, das nur van dem ganz gewürdigt werden kann, der die Schwierigkeiten kennt, die sich diesem ״Beamten“ entgegenstellten. Herr Dr. Kahn war einer der ersien jüdischen ״Beamten“ in Deutschland. Er schuf mit den Typ des jüdischen Menschens, der sich bewußt hauptamtlich in den Dienst des jüdischen Volkes stellt, um an Stelle der oft durch keine Sachkenntnis getrübten Arbeit der sogenannten ״Ehrenbeamteu“ den Typ des sachkundigen dieser einen Aufgabe mit aller Kraft sich widmenden Menschen zu stellen. So war es folgerichtig, daß der Joint i!1 einem kritischen Augenblick seiner Tätigkeit Herrn Dr. Kahn in leitende Stelle seines großen europäischen Hilfswerkes berief. Zwischen den jüdischen Massen im Osten und dem Joint war nur die Beziehung von Gebenden und Nehmenden. Die Verbindung konnte nur durch einen Menschen geschaffen werden, dem beide Seiten aus längerer Arbeit vertraut waren. Auch das Werk des Joint unterliegt heute manch abfälliger Beurteilung, wenngleich auch hier keine Seite übersehen kann, von welch außerordentlicher Bedeutung dieses Hilfswerk in schwierigen Jahren der jüdischen Not gewesen ist. /Auch hier bleibt cs das Verdienst von Dr. Bernhard Kahn, aus einer philanthropischen Institution ein sozialpolitisches, fürsorgerisches Werk gemacht zu haben und auch hier trotz aller Schwierigkeiten neue Wege gesucht und gefunden zu haben. Dr. Kahn steht nicht mitte״ in der eigentlich zionistischen .Arbeit. Wenn wir aber heute ihm, dem unermüdlich Schaffenden, zu seinem 50. Geburtstage herzlich und aufrichtig unseren Glückwunsch aussprechen, dann wissen wir, daß auch seine Leistung erwachsen ist aus der zionistischen Idee, aus der positiven Verbindung mit dem jüdischen Volk. A. B. Moses Nacht Am 17. Adar verstarb in Berlin im Alter von 69 Jahren an den Folgen einer Operation Moses Nacht. Als einem vornehmen Repräsentanten des rumänischen Judentums, in dem sich (gleichwie in seinem heute in Bukowina amtierenden Bruder, dem Rabbiner Jacob Nacht) Orthodoxie und Zionismus fiannOalsch vc! banden, gebührt ihm auch an dieser Stelle ein Wort der Erinnerung. Für Moses Nacht war Zionismus keine Parteisache, noch etwas Angedachtes oder Angelcseues, sondern etwas Instinktmäßiges. Er begriff beinahe organisch nicht, wie ein Jude kein Zionist sein kann. Ihm als Gegner jeder Parteiung stellte sich der Zionismus als das die Judcnheit verbindende Element dar und er bekämpfte all jene, die, wie die Agudisten, aus ihrer Ein- Stellung gegen den Zionismus eine Parteisache machen. Ja, sein Zionismus ging so weit, daß er, bei allem Festhalten an der Ueberiieferung, das künftige Synhedrion in Palästina für befugt erklärte, eine Revision des Ueberlieferten vorzunchmen. Auch aktiv zionistisch betätigte er sich an der rumänischen Keren Hajessod-Aktion. Nacht verkörperte in sich den Idealismus der Tradition. Er gehörte jenem heute wohl immer seltener werdenden Typus des praktisch tätigen Juden an, der alle seine freie Zeit der Beschäftigung mit dem Judentum widmet. Diese Bcschäftigung galt vor allem der Erforschung des talmudischen und rabbinischen Schrifttums, uni innere Widersprüche auszugleichen — wobei er zwischen der Agada und der Halacha einen Parallelismus festzustellen suchte —, um die Geistesrichtung der einzelnen Lehren des Talmuds und ihre Lebens- Schicksale aus ihren Systemen zu erkennen, um den Geist des Judentums zu erforschen und — last not least — das Alte mit dem Neuen, Heutigen auszusöhnen — getreu seinem Lebensgrundsatz: nicht zerstören, sondern aufbauen. So häufte sich ihm im Laufe der Jahre eine ungeheure Fülle von niedergeschriebenen Studien, aus denen eine Auswahl zu treffen und zu publizieren sein letztes Lebensziel war, das zu verwirklichen, er nach Berlin kam. Der Tod hinderte ihn daran. Doch der schriftliche Nachlaß soll nicht brach liegen bleiben und ein fast druckfertig vorliegender Band der Studien zu dem Talmud ״Berachoth“ wird von seinen Nachfolgern zuerst veröffentlicht werden. Dr. Elias Hurwicz. Zionistischer Grippenverband Obersehlcsicn Am Sonntag, den 18. April, nachmittags 2'- Uhr, findet in Ratibor, Brucks Hotel, ein Gruppenverbandstag statt. Tagesordnung: 1. Dr. Deut schm an n-Oppeln: Bcrieht über (he Zentral-Komiteesitzung mit anschließender Ausspräche über die Ijar-Aktion in Oberschlesien; 2. Referat Moses Waldmann• Berlin: Grundlagen der zionistischen Politik, a) Palästinapolitik, b) Galuthpolitik; 3. Dr. Fritz Guttin ann - Bcuthen: ״Jugendarbeit“. Die oberschlesischen Gesinnungsgenossen werden gebeten, zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, den 14. April 1926, abends 8% Uhr m ln den MuslkerfesMUen, Kalser-Wilhelm-Shra&e 31 I Zionislische Kundgebung Thema: ״Die üsctie mmu ä Redner: R,-A. Gronemann, R.-A, Dr. Klee, Richard Lichthelm, Professor Dr. Locwe, Dr. Soloweltschlk. Eintritt 50 Pfennig. Eingesandt 1. ״Knechtschaft in der Freiheit“ (Zu dem Leitartikel in Nr. 21/23.) Es wird die Leser der ״Jüd. Rundsch.“ gewiß intcressieren, daß das Wort von der ״Knechtschaft in der Freiheit“ schon mehr als ein halbes Jahrhundert vor Ach ad Haam (Hammeliz 1891) auf die Westjuden angewandt wird, und zwar von Franz Delitzsch, der (anders wie sein Sohn Friedrich Delitzsch) einer der besten Christliehen Kenner des Judentums war. In seiner Erstlingsschrift ״Zur Geschichte der jüdischen Poesie vom Abschluß der heiligen Schriften Alten Bundes bis auf die neueste Zeit“ (Leipzig 1836) findet sich das nachstehende schöne Wort (S. 95): ״Die mittelalterliche jüdische Poesie ist das Dokument von der Freiheit des Volkes in der Sklaverei, die moderne von der Sklaverei des Volkes in der Freiheit, und die zukünftige möge sein das lebendige Lebensbild von der Freiheit des Volkes in der F r c i h c i t.“ Einige Zeilen weiter heißt cs dort: ״Der heimatlichen Poesie raubte im Mittelalter die Manzipation — Freiheit und Schönheit, in der Neuzeit die Ein anzipation Charakter und Nationalität.“ Königsberg i. Pr. Felix P e r 1 e s- Chartottenburg, den 29. März 1926. Ich gestatte mir, Sic auf die Unzuträglichkeiten aufmerksam zu machen, die sich bei dem Vertrieb der in diesem Jahre zum erstenmal zum Verkauf gelangenden Palästina -Mazzoth herausgestellt haben. Der Preis, der von vorneherein für die Palästina-Mazzoth festgesetzt wurde (0,95 M. pro Pfund), war im Vergleich zu dem Preis von deutscher Mazzoth (0,40 M. pro Pfund) so außerordentlich hoch, daß er auf sehr viele direkt abschreckend wirkte. Ich kenne selbst eine Reihe von Familien, die wegen des hohen Preises von der Bestellung der Palästina-Mazzoth abgesehen haben oder nur 1—2 Pfund der ״Mizvah wegen“ gekauft haben. Als dann in den letzten Tagen vor Pessach der Preis für die Palästina- Mazzoth auf 0,65 M. heruntergesetzt wurde, hatten viele Familien ihren Bedarf an Mazzoth bereits gedeckt. Der außerordentlich hohe Preis, der früher für die Palästina- Mazzoth verlangt wurde, und die später erfolgte Herabsetzung desselben, mußte natürlich auf das Publikum einen sehr schlechten Eindruck machen. Man fragt sich, wer die Schuld an dieser Preispolitik trägt: die Verwaltung der Mazzoth- Fabrik in Palästina oder die Vertriebsstellc in Deutschland. In diesem Zusammenhänge möchte ich noch darauf aufmerksam machen, daß die Verpackung, wie aus der Beilage ersichtlich, in Paris hergestellt worden ist, und leuchtet es nicht ein, weshalb solch eine leichte Arbeit, die weder komplizierte Maschinen, noch besonders qualifizierte Arbeiter verlangt, nicht an Ort und Stelle ausgeführt werden konnte. Hierdurch wäre doch Beschäftigung für eine Reihe von Arbeitern in Palästina geschaffen worden. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie die Oeffentlichkeit über diese Frage aufklären wollten und zeichne mit Zionsgruß Jakob Kahan. .. ־;■'■•- ׳ y '׳י lti. . *׳- ׳.‘ . ׳־ ״• ״—׳ In einer Nummer Ihres geschätzten Blattes meinte Dr. Theilhaber aus der Tatsache, daß eine große Anzahl der in Palästina geborenen Kinder blond wäre, würde ein Rassentheoretiker schließen können, daß die Zionisten der germanische Teil des jüdischen Volkes ist. Dies ist bereits geschehen. In seiner Geschichte des Judentums beliauptet Otto Hauser, daß die Zionisten der germanische Teil seien, und er rechnet auch Herzl, Nordau, Heine zu dem germanischen Bestandteil. Ich habe mit meinem Bruder das Buch in dem Jännerheftc der Selbstwehr 1923 besprochen. Mit hochachtungsvollem Zionsgruß Otto Klein (Prag). Vermischtes Freie Jüdische Volkshochschule. Prof. E 1 b 0 g c n bcginnt am Dienstag, den 13. April, abends 8 Uhr, Synagoge Fasanenstraße, einen Vortragszyklus über die ältesten Nieder- Iassungen der Juden in Europa. Hörergebühr für alle drei Vorträge M. 1,—. Konzert. Die am 17. Januar d. J. ins Leben gerufene ״Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik“ veranstaltet am Mittwoch, den 21. April 1926, abends 8 Uhr, ihr erstes Konzert im Beclisteinsaal (Linkstr. 42). Die Gesell- Schaft der Freunde jüd. Musik“ ist bestrebt, die Oeffentlichkeit mit der neuen jüdischen Musik bekannt zu machen. Im! ersten Konzert werden aufgeführt: das Streichquartett von Ernest Bloch, die ״Ocstliche Visionen“ von Erich Walter Sternberg, die hebräischen Lieder von Maurice Ravel und neue Lieder von Moses Mi liier. Unter den Mitwirkenden sind zu verzeichnen: das Van Laar-Quartett (Louis van Laar, Fritz Laur, Manuel Steuer, Ernst Silberstein, Franz Osborn (Klavier) und Michael Taube). Karten von 1—4 M. sind zu haben int Sekretariat der ״Gesellschaft der Freunde jüdischer Musik“ Berlin W 15, Lictzenburger Str. 8a, Telephon Bismarck 6513. Für Mitglieder der Gesellschaft ermäßigen sich die Eintrittspreise um die Hälfte. Beitrittserklärungen nimmt das Sekretariat täglich zwischen 5—7 Uhr entgegen. Der Jüd. Ruder-Club ,,Ivria“ hat das Winter-Bassin- Rudern in der Sport-Akademie Sand am Tiergarten beendet. Der Uebungs- und Ausbildungsbetrieb findet von jetzt ab ausschließlich in dem neuen Bootshaus in Friedrichshagen, Hahns mühte 16, statt. Zuschriften sind zu richten an Herbert Hirsch, Berlin SO 16, Michaelkirchstr. 28, Moritzplatz 1957. Rcichsbund Jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Nord, veranstaltet am Donnerstag, den 29. April, abends 8 Uhr, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18, einen Vortragsabend mit Damen und Gästen. Es spricht der Württembergische Gesandte z. D. Karl Hildenbrand, M. d. R., über: ״Antisemitismus und Vaterland“. Der Verein zur Förderung des Handwerks und technischer Berufsarten unter den Juden, Düsseldorf, teilt uns mit: Nachdem das Lehrlingsheim mehrere Jahre geschlossen war, ist gemäß Vorstancfsbeschluß seine Wiedereröffnung am 1. April d. J. erfolgt. Es wurde beschlossen, vorläufig bis zu 15 Zöglinge in das Heim aufzunehmen. Die Aufnähme von Lehrlingen findet wie in früheren Jahren statt; diesbezügliche Gesuche siud an den Vorstand des Vereins zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden, Düsseldorf, Bilkcrstr. 23, zu richten. Das Büro des Landesverbandes der Zionisten-Revisionisten in Deutschland befindet sich vom 5. April 1926 ab in der Lietzenburger Str; Sa, Eingang im Hof. Sprechstunden sind täglich auß«j Sonnabend und Sonntag von 12—2 *Uhr. Dort befindet sich auch das Büro der Zionisten-Revisionisten, Ortsgruppe Berlin.

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