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Jüdische Rundschau · 1926-03-26 · Heft 24-25 (26.3.1926) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 24-25 (26.3.1926)
Date
1926-03-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 188 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 24/25 artikel, in denen uns niemand den Rang streitig machen kann. Das ist eben die Kunst des Unternehmers, derartige Spezialartikcl zu finden. Die Schweiz, deren natürliche Lage nicht viel günstiger ist als die Palästinas, ist diesen Weg mit großem Erfolg gegangen. Wir haben aber vor der Schweiz insofern ein ungeheures Plus, als wir in der jüdischen Kaufmannschaft der ganzen Welt eine glänzende natürliche Verkaufsorganisation haben, einen der größten potentiellen Aktiva der palästinensischen Industrie. Mir ist bekannt, daß cs in allen Ländern jüdische Kaufleute gibt, die gerne bereit wären, palästinensische Landesprodukte zu günstigen Bcdingangen zu vertreten. Aber diese Leute müssen Artikel in die Hand bekommen, mit denen sich arbeiten läßt. Wenn ein Artikel wirklich hochklassig ist, dann verträgt er einen etwas höheren Preis und setzt sieh auch gegenüber Zollschranken durch. Bei den Bedingungen Palästinas kommen nur Qualitätswaren in Betracht. Die Konfektionsindustrie kann man auch in den Rahmen dieser Erörterung einbeziehen. Fast auf der ganzen Welt wurden die Konfektionsindustrien von Juden geschaffen und cs ist daher um so verwunderlicher, daß Palästina noch immer eine ansehnliche Einfuhr von fertigen Kleidern und Hemden usw. hat. Wir könnten es mit Leichtigkeit dalün bringen, nicht nur unseren Binnenmarkt, sondern auch in die Nachbarländer zu exportieren. Dabei ist zu bedenken, daß die Aussichten für diese Industrie ständig besser werden, da die Bevölkerung des Nahen und Mittleren Ostens all* mählich dazu übergeht, europäische Kleider und Was die anzulegen, in deren Erzeugung ja Juden überall cxzellieren. Es läßt sich also im großen und ganzen sagen, daß trotz der zweifellos bedeutenden Schwierigkeiten eine Textil- Industrie in Palästina möglich ist und von dem denkbar größten Wert für den Aufbau des Landes werden kann. Die Misrachi-Baik In einem Gespräche mit einem misrachistischen Journalisten äußerte sich Herr P i n k a s , der Direktor der Misrachi-Bank in Tel-Awiw, über die Wirtschaftslage Palästinas und über die Aufgaben der Misrachi-Bank. Er erklärte, cs sei die erste Aufgabe der Bank, dem;Mittelstand durch Kreditgewährung zu helfen. Der größte Teil der Darlehen sei an kleinere Kaufleute, an Klein- und Mitteliudustrie vergeben worden. Das Aktienkapital der Bank ist zum größten Teil im Ausland aufgebracht worden; es beträgt 50000 Pfund, ln einiger Zeit wird eine Aktion für den weiteren Verkauf von Aktien in Amerika entriert werden. Die Misrachibank hat sich gut entwickelt, so daß in nicht zu langer Zeit mit der Errichtung einer Filiale in Haifa neben den bisherigen in Jerusalem und Tel-Awiw gerechnet werden darf. Die Bank steht der jüdischen Gesamtbevölkerung des Landes zur Verfügung. Öocli richtet sie besonders ihr Augenmerk auf die dem Misrach! nahestehenden Kreise, in der Stadt und den Moschawoth und auf die misrachistischen Arbeiter. Die Dividende der APt. London, 21. März. (J.T.A.) Der Direktorenrat der Anglo Palestine Company, Limited, gibt den Aktionären bekannt, daß für das Halbjahr januar/Juni 1925 eine Dividende in Höhe von 21/2 ״/o zur Auszahlung gelangt. Die Dividendensumme wird nach Vorlegung des Coupons Nr. 10 ab 24. März dieses Jahres in den Büros der Angio Palestine Company und der Jüdischen Kolonialbank in London ausgezahlt. Das Budget vo■ Tel-Awiw Jerusalem, 21. März. (J.T.A.) Das für das Jahr 1926/27 aufgestellte Budget der Stadtverwaltung von Tel-Awiw erreicht die Höhe von 120000 ägypt. Pfund. Vor dem Kriege belief sich das Jahresbudget auf 600, im Jahre 1922 auf 20000 ägypt. Pfund. Diese Zahlen illustrieren das rapide Wachstum der Stadt. Elle ■eae Baak ia Tel-Awiw Kapitalisten aus Moskau, an deren Spitze die Gebrüder Skorocnod und A. Dudin stehen, haben, wie der ״Haarez“ berichtet, in Tel-Awiw eine neue Bank eröffnet. Das Gründungskapital beträgt £E 20 000 und soll nach der Eröffnung von Filialen in Haifa und Jerusalem auf £E 50000 erhöht werden. Man hofft, daß nach Wegfall der politischen Schwierigkeiten diese Institution zur Förderung der Ein- Wanderung aus Rußland sich zu einer Palästino-Russischen Bank entwickeln wird. Die Bank gibt jetzt In erster Reihe Warenkredite. (Ziko.) Vom JaBa-Orangen-Haadel Das ״Commera'al Bulletin“ schreibt: In den ersten Wochen des Monats Januar haben sich die Orangenpreise in England weiter gesenkt, und zwar bis auf durchschnittlich 10/— bis 11/— pro Kiste. Gegen Ende des Monats erholten sie sich jedoch und zogen bis auf 16/6 und 19/— pro 144er Kiste an; die kleinere Frucht zugleich bis auf durchschnittlieh ungefähr 15/6 bis 16/— pro Kiste. Der ägyptische Markt blieb ohne Veränderung; in Alexandria erzielte 1 Tonne in Fässern £E 10 und in Kisten verpackte Frucht P. T. 40. Warnung vor ״Miri“־Böd«1 Jerusalem, 17. März. (P. C.) Es hat sich in der letzten Zeit herausgestcllt, daß sich viele jüdische Bodenbesitzer in Palästina der Beschränkungen nicht bewußt sind, denen die sogenannten ,,Miri“-Böden unterliegen. Es handelt sich um Boden, über dessen Eigentum der Erblasser testamentarisch nicht verfügen kann, sondern der nach dem Tode des Besitzers nur in einer besonderen Erbfolge an bestimmte Familienmitglicder oder, falls keine solchen Erben vorhanden, an den Staat fällt. Besitzer von Miri-Bödcn haben sich mit der Bitte an den Keren Kajemeth gewandt, dieses ihnen gehörige unbewegliche Eigentum zu übernehmen unter der Bedingung, daß ihnen oder den von ihnen bestimmten Personen der Gebrauch oder die Nutznießung dieser Böden zusteht. Auf diese Weise hat der Besitzer die Sicherheit, daß nach seinem Ableben diejenigen Personen, welchen er die Nutznießung zugedacht hat, diese auch tatsächlich haben werden. Mit Wirkung vorn 1. Dezember 1025 wurde in Palästina für eine Reihe von Waren im Interesse der einheimischen Industrie und Landwirtschaft der Einfuhrzoll auf gehoben (Officia! Gazette Nr. 154 vom 1. Januar 1926). Darunter befinden sich Anilin, Indigo und andere Farbstoffe, Packpapier für Orangen, kaustische Soda, Olivenöl, Häute, Felle, Gerbstoffe, Sämereien. (Zlleo.) Unter dem Namen ״Nur“ ist laut ״Commerdal Bulletin“ in Akko eine Streichholzfabrik mit einem Kapital von £E 12 WO gegründet worden. Sie arbeitet mit modernstem Maschinenmaterial und bcschlftigt 40 Leute. Ebenfalls in Akko wurde eine neue Gerberei ,,Acrekid“ mit einem Kapital von CE 4500 eröffnet. Er werden hier nur Ziegenhiute verarbeitet. Beschäftigt sind 9 Arbeiter. (Ziko.) Was alles mSglich Ist Zur Illustration des bedauerlichen Tiefstandes, der durch die ,,Nationaldeutschen Juden“ in das jüdische Leben gebracht wurde, sind wir genötigt, folgendes mitzuteilen: Der Verband nationaldeutseher Juden hat bekanntlich vor kurzem einen gewissen Robert Peiper aus Wien, Schriftleiter seines Wiener Organes, engagiert, den er in Berlin und anderen Städten Deutschlands Vorträge unter dem Titel ״Die Wahrheit über Palästina“ halten ließ. Peiper gab allerhand Schauermärchen aus Palästina zum besten, die von den Mitgliedern des Verbandes nationaldeutseher Juden ernst genommen und mit Behagen breitgetreten wurden, obwohl ein sehr geringes Maß von Menschenkenntnis dazu gchörte, um fcstzustcllen, daß dieser Herr Peiper kein vertrauenswiirdiger Gewährsmann sei. Sogar eine Anzahl von deutschen Zeitungen, darunter die D. A. Z., sind, offenbar aus unbegründetem Vertrauen zu Herrn Dr. Naumann, aut diese Sache hincingelallen. Dieser Peiper ist ein zionistischen Kreisen wohlbekanntes Individuum, das trüber im Zionismus in Wien Anschluß gesucht hat, sich verschiedene Vertehlung e n**fuschulden kommen ließ, sich dann in Palästina in — gelinde gesagt — sehr anfechtbarer Weise herumtrieb und schließlich aus Rache seinen Weg zu den nationaldeutschen Juden fand, von denen er mit Recht annahm, daß sie ihn mit offenen Armen aufnehmen werden. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland, der die Einzelheiten über diesen Peiper bekannt waren, verschmähte es, daraus eine große Affäre zu machen und richtete loyalerweise an den Verband nationaldeutscher Juden eine Zuschrift, in weicher sie ihn über die Tatsachen aufklärte. Dies sollte im Interesse der Reinhaltung des jüdischen politischen Lebens geschehen, da wir nicht wünschen, daß unsere jüdischen Gegner sich in so lächerlicher Weise kompromittieren, wie es in diesem Falle geschah. Als Herr Peiper von dem Briefe der Z.V. 1 D. erfuhr, ist er schleunigst aus dem Verband nationaldeutscher Juden ״ausgetreten“. Er hat dann an die Z. V. t. D., sowie an eine Wiener zionistische Stelle Briefe gerichtet, in denen er gesteht, daß er aus Rache seinen Lügenfeldztig gegen den Zionismus unternommen 11 a t. In dem Briefe an die Z. V. t. D. schreibt dieser offenbar nicht ganz normale Mensch folgendes: ״Selbst jahrelang in zionistischen Kreisen ein- und ausgegangen, hat ein Bericht von mir — im Neuen Aclit-Uhr-Blatt Wien erschienen — einen Kampf gegen mich heraufbeschworen, den ich nach reiflicher Ueberlegutig nicht mehr weiterzuführen gewillt bin! Nicht zuletzt hat meine Deutschlandreisc. die sachlich-ehrliche Diskussion der zionistischer! Redner und der Einblick in die Kreise des Verbandes nationaldeutscher Juden mich bekehrt, einen Platz zu räumen, da ich es niemals als meine Lebensaufgabe betrachten kann, die zionistischen Bestrebungen zu bekämpfen.“ Weitere Zitate aus verschiedenen Zuschriften anzuführen, ist uns unser Raum zu kostbar. Wir würden unsere Leser mit dieser beschämenden Angelegenheit nicht belästigen, wenn nicht der Verband nationaldeutseher Juden es — was einfachen Gehirnen fast unglaublich erscheinen muß! — für möglich gehalten hätte, in seiner letzten Nummer aus diesem traurigen Fall noch weiteres Kapital zu schlagen. Statt dankbar anzuerkennen, daß die Zionisten auf diese Waffe im Kampfe um die wirkliche Wahrheit über Palästina verzichtet haben, und Naumann die öffentliche Blamage ersparen wollten, schreibt Naumanns Blatt in seiner letzten Nummer, cs sei begreiflich, daß Peipers Mitteilungen ״den Zionisten aut die Nerven fielen.“ Die Folge sei ein Schreiben der Z. V. f. D. gewesen usw. Dann heißt es weiter: ״Da wir (!) im Gegen- 9ätr ¥t! *Meiren Organisationen“'III) wät daraut legen, daß unseren Mitgliedern *uch in persönlicher Hinsicht begründete Vorwürfe nicht gemacht werden dürfen, haben wir Herrn Peiper zur Aeußerung aufgetordert Herr Pdper hat es daraufhin vorgezogen, aus dem Wiener Verband auszuscheiden .... Selbstverständlich ist damit nur die persönliche Seite des Falles erledigt. Die Frage, ob der Vortrag des Herrn Pdper wirklich ״die Wahrheit über Palästina“ enthielt, wird durch sein Ausscheiden nicht berührt. Und gerade deshalb, weil wir hinsichtlich der Frage der persönlichen Korrektheit sofort alles getan haben, was auch nur das empfindlichste Zionistengemüt von anderen Leuten (dies wahrhaftig im Urtext gesperrt!! — A. Red. ״J. R.‘0 verlangen kann, dürfen wir ohne Scheu feststellen, daß die Wahrheitdes Herrn Peiper nicht nur subjektive, sondern objektive Wahrheit ist und bleibt. Was Herr Peiper uns vorgetragen hat, war nur eine Reihe von Einzelbeobachtungen, die in jeder Hinsicht mit den Feststellungen zahlreicher anderer Palästina-Reisender übereinstimmen . . .״ Wir unterbreiten dieses Verhalten dem Urteil der Oeftenth'chkeit. Es selbst zu charakterisieren, lehnen wir ab, da uns sonst Herr Naumann vor das Amtsgericht zitieren müßte, was ja sein besonderer Sport Ist. Die Flucht aus dem Deutschtum - eine deutsche Gefahr Ueber dieses Thema referierte San.-Rat Dr. Alfred Peyser in einer vom Verbände nationaldeutscher Juden einberufenen sehr stark besuchten Versammlung. Die meisten Oäste gehörten jedoch nicht zu den Anhängern der nationaldeutschen Juden, sondern den verschiedensten jüdischen und nichtjüdischen Lagern. Peysers Ausführungen bewegten sich in den Gedankengängen des Verbandes nationaldeutscher Juden und wenn auch einige Diskussionsredner aus Gründen der Vesammlungstaktik und aus Höflichkeit Peysers Darlegungen formal abgerundet und gut fanden, so gebietet doch die Aufrichtigkeit zu erklären, daß Peyser in seinen Ausführungen eine völlige Unkenntnis der jüdischen Probleme, eine geradezu hinterwäldlerische Einstellung zu den bewegenden Fragen des modernen Staats- und Völkerlebens und eine äußerst primitive Auffassung des Deutschtums bekundet hat. Dr. Peyser mag ein ehrlich empfindender Mensch sein, seine Ansichten über Judentum, Deutschtum und Menschentum sind Fossilien aus einer pseudoliberalen, längst überwundenen Epoche. In der Diskussion sprachen außer den Zionisten R.-A. Gronemann, Karl Glaser, und Dr. Werner Bloch, zwei Nichtjuden, Herr de Laporte und ein völkischer, jugendlicher Herr Meyer sowie einige Herren des Verbandes nationaldeutscher Juden, ein ״antizionistischer“ Herr R.-A. Blankenfeld, ein einigermaßen unklarer Vertreter des Centralvereins und des liberalen Judentums und schließlich, in vorgerückter Stunde, der Referent. Die Versammlung bot einige unvorhergesehene Intermezzi. Während der Diskussionsrede des Vorsitzenden Max Naumanns präsidierte der Lokalanzeiger-Redakteur Siegfried Breslauer. Das war für die zahlreich erschienenen Reichsbannerleute der Anlaß zu Protestrufen: ״Hinunter mit dem Hugenberg-Vertreter!“, ״Nieder der Lokalanzeiger!“, ״Hoch die deutsche Republik!“. Interessant war, daß die zwei christlichen Freunde des Verbandes nationaldeutscher Juden, Herr de Laporte und Kaufmann Meyer, erklärten, die Juden seien in Deutschland ein Gastvolk, bzw. sie müßten sich mit den deutschvölkischen Antisemiten verständigen. Diese Meinungen dürften den Ohren der nationaldeutschen jüdischen Herren \v י!ד : angcnelun geklungen haben. Im allgemeinen ist zu sag.: , «laß ein Besuch einer derartigen Versammlung den Zionisten elbstbewußter machen muß: Angesichts der intellektuellen und gedanklichen Unzulänglichkeit, die im Verbände der nationaldeutschen Juden herrscht, stellt man fest, daß in zionistischen Kreisen bei der Behandlung jüdischer und allgemein mcnschlicher Probleme das Gefühl für Niveau und geistige Vcrant- Wörtlichkeit anders ist. Die nationaldcutschcn Juden erscheinen dem ruhig abwägenden und beobachtenden Zuhörer als typische Vertreter längst überlebter, rückschrittlicher Prinzipien.' Vom jüdischen Standpunkt aus betrachtet sind diese Herren Produkte eines seit 120 Jahren innerhalb der deutschen Judenlmit wirksamen Auflösungsprozesses, der als letzte Blase vor der Zer- Setzung das Programm der nationaldeutschen Juden warf. Im übrigen sind die nationaldeutschen Juden legitime Sprossen des Centralvereins, dessen verwaschene, versehwommene Ideologie sie übernommen haben. Die Aberration von der logischen und natürlichen Auffassung des Judentums begann beim Centralverein und die Herren Naumann und Kon- Sorten ziehen nur die Konsequenzen aus den Thesen des Herrn Holländer. In der Versammlung wurde von nationaldeutschen jüdischen Herren mehrfach betont, daß sie die Auffassungen der ״konsequenten Zionisten“ durchaus begreifen. Das kann nur auf einem fatalen Mißverständnis beruhen. Zvvischen zionistischer Auffassung des Nationalismus, menschhcitlicher Kultur unjj allweltlichen Fortschrittes und der geistigen und gefühlsmäßigen Struktur der jüdischen Nationaldeutschen besteht ein so ungeheurer Unterschied, daß von einem wirklichen Verständnis für den Zionismus keine Rede sein kann. Die Herren Nationaldeutschen verstehen einen Zionismus, den sie meinen, der aber nicht der wirkliche Zionismus ist. M. W. Vortrag Wels! Am 22. d. Mts. hielt Herr Wolfgang v. Wcisl, der palästinensische Berichterstatter der ״Vossischen Zeitung“ und einer der Vertreter der revisionistischen Partei (Jabotinsky- Gruppe) in Palästina, in Berlin in einer Versammlung der B. Z. V. einen Vortrag unter dem Titel ״Der Kampt um das Heilige Land“. Der Redner, dessen feuilletonistische Schilderung palästinensischen Lebens und abenteuerlicher Fahrten in arabische Nachbargebiete Palästinas von schriftstellerischer Begabuiig zeugen tmd auch bei seinen politischen Gegnern Ge- (allen finden, begab sich in seinen als Propagandavortrag angekündigten Darlegungen leider aut das heikle Gebiet politischer Konstruktionen, die mehr als bizarre Paradoxie denn als ernste politische Gedankengänge gewertet werden müssen. Die Anschauung des Vortragenden gipfelt in der These, daß der jahrhundertelange Kampf zwischen Asien und Europa, in dessen Mittelpunkt geographisch Palästina steht, in einer Wellenbewegung wechselnder Angriffe von Ost und West vor sieh geht. Wir leben heute in einer Periode des Vorstoßes von Westen, von der europäisch-amerikanischen Welt aus, die jedoch diesmal nicht römische Legionäre, oder griechische Söldner in die Schlachtfront schickt, sondern das europäisierte Volk der Juden. Der Zionismus sei daher keine jüdische, sondem eine europäische Angelegenheit. England hätte den Zionismus, wenn er nicht existiert hätte, erfinden müssen, denn es brauchte ein Volk, um einen Pfahl ins Fleisch der arabischen Welt zu treiben. Eine Gemeinschaft mit Asien müssen wir ablehnen und wir können es den zurückbleibenden Juden gar nicht zumuten, daß sie in Europa als Zugehörige eines asiatischen Volkes angesehen werden könnten. Im Sinne dieser Geste des Europäerhochmutes, dem der Redner offenbar auch durch Aeußerlichkeiten seines Habitus Nachdruck verleihen wollte, bewegten sich die weiteren Ausführungen. Er scliilderte die polnischen Vorgänge in Palästinas Nachbarländern während aes letzten Jahres und betonte das große Interesse lEnjijÄis am־Zionttm 1<|Ü an der jödisehen Einwanderung, zeigte die Fortschritte des palästinensischen AufbauWerkeS ifd der Einwanderung und betonte, die luden müßten sich' “als Macht fühlen, wobei uns allerdings schien, daß er Macht mit bramarbasierender Großmannssucht verwechselt. Im letzten Teil seiner Ausführungen schilderte der Vortragende die Schwierigkeiten, die die englische Verwaltung den Juden in Palästina macht, wobei u. E. auch nicht immer die objektiven Verhältnisse berücksichtigt wurden. Im übrigen war auch ein gewisser Widerspruch fühlbar zwischen dem Ausgangspunkt des Vortrages, dem überragenden Interesse Englands an der jüdischen Siedlung und dem Schlußteile, den geschilderten Sabotage-Versuchen Englands. Natürlich sagte Dr. Weis! auch manches Richtige, besonders in seiner Kritik der englischen Verwaltung und auch in einigen Punkten gegen die zionistische Exekutive. Alles in allem aber war der Vortrag, bei dem bcdauerlicherweise eine Diskussion nicht zugelassen wurde, mehr eine Art romantische Plauderei als politisch ernst zu nehmen. W. --- SelbslmorJ wegen verweigerter Landung Jerusalem, 22. März. (J.T.A.) Der Dampfer ״Galizia , der am Sonnabend im Hafen von Haifa Anker lichtete, hatte an Bord ein aus Lettland stammendes 22 Jahre altes jüdisches Mädchen namens Gitel Zkik, das auf Grund eines Touristenpasses in Haifa landen wollte., Der. Einwandcrungskommissar verweigerte ihr jedoch die Landungserlaubnis, weil er es ira Verdacht hatte, daß es, ohne hierzu berechtigt zu sein, ständigen Aufenthalt in Palästina nehmen werde. Das Mädchen mußte mit dem Dampfer die Rückreise machen. Auf dem Wege zwischen Haifa und Jaffa beging das Mädchen aus Verzweiflung über ihr Mißgeschick Selbstmord. Man fand bei der Toten eine Summe von 240 י. Bodenscherkungen an den Keren Ka'emeth Einer der größten Ansiedler von M a g d i e I, der neuen Mittelstandssiedlung bei Tel-Awiw, hat seinen gesamten Bodenbesitz — 65 Dtmam — dem Nationalfonds geschenkt. Der Spender hat die einzige Bedingung gestellt, daß ihm das Land als Pächter zu uen üblichen Erbpachtbedingungeil des Fonds zur Benutzung bleibt. Ferner erhielt der Keren Kajemeth 20 Dunam Boden von amerikanischen Zionisten geschenkt, und das amerikanische Büro des Keren Kajemeth erhielt von der American Zion Commonwealth die Kuschane (Besitztitel) über 25 Dunam Boden in Erez-lsrael, deren Eigentiimer diesen Boden dem K. K. L. übertragen wollen. Nene ZionistenverhaUnngen in der Sowjetunion Von der ausländischen Vertretung der rußländischen Zionistcn-Sozialisten erhalten wir knapp vor Redaktions- Schluß nachstehende Nachricht: Wir erhalten soeben Mitteilungen von Massenvcrhaftungen auf dem ganzen Gebiete der Sowjetunion. Diesmal sind nicht nur Personen verhaftet, die im Verdacht stehen, der zionistisch-sozialistischen Partei oder dem zionistischsozialistischen Jugendverband anzugehören, wurden auch Mitglieder der ״Allgemeinen Zionisten“, der ״H i t a c 11 d u 111“, des ״Schomer h a z a i r“ usw. Am 11. März wurde in Moskau das gesamte Lokalkomitce des legalen Hechaluz verhaftet, darunter die Chawerim S. Goldberg, S. Jcwrerichin, J. Altschulcr, J. Slmanowski. An Stelle des abwesenden Dan Pines wurde seine Frau arretiert. Anscheinend handelt cs sich um die Liquidation des legalen Hechaluz, die seit langem vo 1! der ) c ws ck z i a gefordert ward c.

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