Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 24-25 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 189 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 24/25 Nationalismus von Macht zu trennen gewußt, das Zusammenleben der Völker vom Krieg, wirtschaftliche Tätigkeit vom Konflikt. Der Jude, der sein Judentum verleugnet und sich assimiliert, in der Diaspora oder in Palästina, verleugnet damit auch die Menschheit und seine Aufgabe vor ihr. So kam Ludwig Lewisohn zu seinem Judentum. Er kam dorthin von seinem menschlichen Protest, den er in Up Stream gegen Staatsbarbarismus und Krieg erhoben hatte. Er entdeckte, daß es sein Judentum war, das ihn zu diesen Ansichten geführt hat. Und er kam weiter zu der Erkenntnis, daß Israels Charakter und Geschichte von altersher es zum Träger einer neuen Vision des menschlichen Zusammenlebens gemacht hat. Die Lehren der Propheten und die zweitausend Jahre Diaspora haben aus dem Judentum ein Volk gemacht, das instinktiv vor Gewalt zurückscheut Und als sich Lewisohn von dieser Erkenntnis aus in die Bibel und jüdische Geschichte und Literatur vertieft hat, fand er, daß sie tiefen Instinkten in unserem Herzen entsprechen, daß darin unsere Gedanken und Bestrebungen ausgedrückt sind. Er weiß, es ist nicht leicht, Jude zu sein. Nach dein Standard des ritterlichen Europa ist der Jude kein Gentleman. Warum sollte er es auch sein? Er hat eine andere Geschichte gekannt als die Epoche des Rittertums. Er wird niemals vulgärer als wenn er den Nichtjuden, die ihm Feigheit oder Unterwürfigkeit vorwerfen, zeigen will, daß auch er ein starker Mann ist, der seine Interessen wahren kann. Für den Juden ist die jüdische Vergangenheit, von Moses und den Propheten a!1 über Jesu und die Weisen des Talmuds bis in die letzten Tage des Ghetto, eine Wirklichkeit, auch wenn er nichts von ihr weiß. Denn er weiß sic in seinem Innern. Er mag all ihren Lehren untreu sein, aber er weiß, daß er untreu ist. Ihm ist die Tradition kein Führer, aber sie ist ihm die Bestätigung alles dessen, was er ist und ersehnt. So entsteht die Aufgabe Israels in der heutigen Welt: Immer auf der Seite der Unterdrückten und Enterbten zu sein, Krieg und Kriegspropaganda den äußersten Widerstand entgegenzusetzen, zu wissen, daß es dafür keinen Lohn erwarten darf und in Palästina eine Gemeinschaft aufzubauen, die sich von Gewalt fernhält und die eher Ungerechtigkeit erdulden als politische Macht suchen wird. Für sich selbst hat Lewisohn noch ein weiteres Ideal, eine schwerere Aufgabe für die Judenheit. ״Ich glaube nicht, daß Juden jemals noch kämpfen sollen. Auf keiner Seite. Für keine Sache. Juden sollen dem Grauen und der frniedrigung des Militärdienstes nicht zustiramen. Welches Volk oder wenn man will welche Religion hätte ein besseres Recht, sich von den Barbareien des Krieges zurückzuziehen? Wie die bewunderungswürdigen Quäker sollten wir erklären, daß Krieg unseren Instinkten, unserem Gewissen und der Tradi'ion unserer Propheten und Weisen seit mehr Jahrhunderten entgegengesetzt ist, als die modernen kriegführenden Nationen überhaupt bestehen. Nicht mehr von uns könnten als Kriegsdienstverweigerer erschossen werden als auf den Schlachtfeldern gefallen sind. Keine wüsteren Pogrome konnten folgen, als die, die die Ukraine verwüstet haben. Durch unsere Weigerung, zu kämpfen, kann es uns nicht schlechter gehen. Aber wir können Märtyrer für den Frieden sein, treu uns selbst und Israel. Wir können wie die Quäker ein Licht für die sein, die in der Dunkelheit wandern, An dieses Ideal glaube ich. Seine Zeit wird kommen.“ So findet Lewisohn nach seiner Pilgerschaft durch alle jüdischen Länder und durch die jüdische Geschichte heim zu dem jüdischen Ideale des Friedens und der Gerechtigkeit. Und er weiß, daß er als Jude sein Anwalt vor der Menschheit ist. Hans Kolu. Von Elieser Ben-Jchsria and seinem GesamfwSrlerbach der altand aeahebrälschen Sprache*) Von Dr. Harry Torczyner. Im Oktober 1910 war ich — beinahe ohne cs zu wollen — nach Jerusalem gekommen. Denn infolge eines Mißverstandnisses der telegraphisch geführten Verhandlungen hatte ich bis zu meiner Landung in Jalfa geglaubt, als Lehrer an das dortige Gymnasium berufen zu sein. Dort erst klärte es sich auf, daß ich nach Jerusalem sollte, um daselbst aus mehr als bescheidenen Anfängen eine ähnliche Schule erst gründen zu helfen. Ein Komitee, dem als Vertreter der vox populi auch Ben-Jehuda, im Hauptberuf Herausgeber der Tageszeitung Haor, angehörte, nebst einigen frei beratenden ״Askanim“, ein Dutzend Schüler, woran die jüngeren Kinder Ben- Jehudas zu hohem Prozentsatz beteiligt waren, in gemieteten Noträumen, ohne Bibliothek oder andere Lehrmittel, und einige nebenamtlich beschäftigte Lehrer, die z. T. die Hoffnung auf materiellen Lohn mit Grund von vornherein aufgegeben hatten. Das war alles, was bereits vorhanden war, wenn man nicht den Namen ״Midrascha" als Aktivum zählen wollte, den Ben-Jehuda für die neue Mittelschule geprägt hatte. Die aus Europa berufenen Fachlehrer, der sei. Saiomon Schiller, der erst später cintrcffen sollte, und ich, sollten — unter der Aufsicht von Dr. M c t m a 11, dem Gründer und ersten Leiter des Jaftaer Gymnasiums, der dazu einmal wöchentlich herüberkam — die Sache richtig machen. Die Aufgabe, vor die ich mich unvorbereitet gestellt sah, war nicht leicht, die Er- Wartungen der Jerusalemer aber um so höher, als Ben-Jehuda auf Grund einer kurz vorher erschienenen wissenschaftlichen Abhandlung aus meiner Feder mich in seiner Zeitung —■ wohl im Interesse der Schule —- als Fachgenossen!!ernu:;•trieb. So ging ich denn am Morgen nach meiner Ankunft nicht ohne Bangen in Begleitung des Lehrers H o 1 b i t z (des eigentliehen Gründers des Gymnasiums) nach der Stätte meines neuen Wirkens. Im ,,Russenbezirk“ begegnete uns ein schmächtiger Mann unter Mittelgröße, im Alter von etwa 50 Jahren, mit schmalem Gesicht, graublauen Augen und spitzem, blondem Bärtchen, auf dem Haupte den Tarbusch (Fez), der damals das Zeichen der Ottomanisch-״Bodenständigen“ Palästinenser oder solcher, die es sein wollten, war. Beim Händedruck merkte man, daß die rechte Hand verstümmelt war, ein Finger fehlte. Das war Elieser Ben-Jehuda, der Erweckcr der hebräischen Sprache und der berühmte Verfasser des ״Thesaurus“, dessen ersten Bände damals bereits erschienen waren. Ich nannte meinen Namen, mein jugendliches (damals beinahe noch jungen- Uaftes) Aussehen war schuld, das Ben-Jehuda mich für — meinen eigenen Sohn hielt und nach ״meinem Vater“ fragte, der doch schon ungeduldig erwartet werde. *) Zum Erscheinen von: Elieser Ben-Jehuda, Thesaurus Totius Hebraitatis et veteris et recentjoris (Gesamtwörterbuch der alt- und neuhebräischen Sprache) Vol. VI מ מפתן Berlin, Langenschcidtsche Verlagsbuchhandlung 1926. 480 S. •1°. ln liaiblcder geb. 31.— RM. In den zwei Jahren meiner Tätigkeit in Jerusalem hatte ich dann reichlich Gelegenheit, Ben-Jehuda näher kennen zu lernen. Nicht nur in meinem Berufe als Lehrer seiner vier jüngeren Kinder, sondern auch in den gemeinsamen wissenschaftlichen und jüdisch-lebendigen Interessen boten sich Berülirungspunkte genug, mich Ben-Jehuda näherzubringen. Manches wissenschaftliche und praktische Probt. .1 haben wir in seinem Hause besprochen; dort habe ich z. B. den ersten jüdischen Blumentag in Palästina angeregt, den wir dann in Jerusalem durchführten, und der bald darauf in Jaffa Nachahmung fand. Dort habe ich ihn aber auch oft an der Arbeit gesellen und hie u id da eine Korrektur des Wörterbuchs mit ihm gelesen. In den Veröffentlichungen des Waad Hallaschon, des wissenschaftlichen Komitees für den Ausbau der hebräischeu Sprache in Jerusalem aus jenen Jahren wird der Leser den Namen eines Dr. Torzan (oder — horribile dictu —: Tarzan) finden, der hebräisch soviel wie ״Erklärer, Ansgleicher einer Schwierigkeit“ bedeutet; es ist die hebraisierte Ümbiegung, in der allein Ben-Jehuda meinen Namen gelten lassen wollte. Auch dies ist für ihn charakteristisch, für die eine große Idee, der er alles unterordnete, die in allen Fragen und Lagert des Lebens ihn ausfüllte, die Wiederbelebung des Hebräischen in seinem alten semitischen Sprachcharakter ohne Konzession an das Fremde, das er rücksichtslos umzwang, wenn es im Hebräischen Lebensberechtigung haben sollte. Wohl dank dieser rücksichtslosen Konsequenz zählt Ben- Jehuda zu den wenigen begnadeten Menschen, die die Idee ihres Lebens zur Verwirklichung führen durften. Mit allen Mitteln hat er für seinen Gedanken geworben, durch das eigene Beispiel, indem er als erster in seinem Hause die hebräische Sprache zur Vollherrschaft brachte, als Journalist durch Verbreitwig seiner Neuschöpfungen auf allen Gebieten des Lebens, in der Theorie durch Schaffung und Leitung des Waad Hallaschon als sprachschöpferische Kontrollinstanz und endlich durch den Versuch der Sammlung des gesamten Sprachstoffs aus der Literatur dreier Jahrtausende in seinem Thesaurus totius Hebraitatis. Ben-Jchudas Werk kann nur aus der Kenntnis seiner Persönlichkeit und des Zieles, das er sich gesetzt, richtig beurteilt werden: Im Umfang des aufgenommenen Stoffes, der das Hebräische in möglichster Vollständigkeit erfassen will, alles Fremdartige aber ausschließt, darunter selbst solche Wörter aus den nah verwandten aramäischen Idiomen der Talmude und Midraschim, ohne die kaum ein lebender hebräischer Schriftsteiler auskommen kann. In der Methode der Spracherkliirung und Wortbestimmung, wo der Fachmann bisweilen Ben-Jehuda die Gefolgschaft versagen wird, wenn dieser im Bestreben nach Bereicherung des Sprachschatzes um neue Stämme und Bildüngen entschieden zu weit geht, ja auch falsche Lesarten der Texte neben den richtigen als eigene Wörter gelten läßt. Diesem Bestreben kommt auch der Umstand entgegen, daß Ben-Jehuda durch die arabische Umgebung in Palästina besonders auf die hebräisch - arabische Sprachvergleichung hingedrängt und so leicht verleitet wird, aus dem viele Dialekte zusammenfassenden arabischen Gesamtwortschatz heraus Bedeutungen im Hebräischen ״nachzuweisen“, die dort nicht angenommen werden können. Aber trotz dieser Mängel bleibt das Werk als umfassendste Sammlung des hebräischen Wortschatzes eine gewaltige Leistung und ein Denkmal der Bedeutung, die sein Autor für die Geschichte des Hebräischen besitzt. Wer immer am Aufbau dieser Sprache wissenschaftlich oder praktisch interessiert ist, wird dieses Werjc nicht entbehren können. Von dieser Basis aus wird u. a. auch die dringend wünschenswerte Samm* Jung der von Ben-Jehuda nicht angenommenen Neuschöpfungen unternommen werden müssen, die in der Literatur der letzten hundert Jahre auftauchen. Der sechste Band des großen Werkes liegt nun in der bekannten trefflichen Ausstattung vor. Die Gattin des verstorbenen Gelehrten, Chemda Ben- Jehuda, die schon zu Lebzeiten des Autors der Sicherung seiner Lebensarbeit ihre ganze Kraft gewidmet, berichtet in einem kurzen Vorwort über den Stand des Werkes, das nun ihren treuen Händen anvertraut ist. Danach darf der Ab- Schluß des Wörterbuches als gesichert gelten. Die Artikel der Buchstaben מ (Schluß) und נ liegen dnickfertig vor, ם־צ bedürfen nur der Durchsicht und auch für die Schlußbuchstaben ק־ת ist das Zettelmaterial fertig geordnet. Es ist somit zu hoffen, daß binnen kurzem auch die noch fehlenden Bände erscheinen können als das Vermächtnis des Mannes, der dem Hebräischen als Sammler, Erwecker und Neuschöpfer mehr gegeben als einer seiner Zeitgenossen. Eia Dichter der Zionsliebe Zum siebzigjährigen Jubiläum von M. D 01 i z k y. In der Geschichte der neuhebräischen Literatur und der Chibath-Zion-Bewegung nimmt M. Dolizky einen Ehrenplatz ein. Mag es auch übertrieben sein, Dolizky als den geistigen Erben Jehuda Halevis zu bezeichnen, so ist er doch einer der ersten Dichter der Neuzeit, die echte Zions- 1 jeder erklingen ließen. Seine Zionslieder, die in den achtziger und neunziger Jahren sich einer großen Popularität erfreuten und teilweise auch komponiert wurden, sind von der Inbrunst romantischer Zionsliebe, von der schmerzlichen Wehniut der stumm klagenden ״Zionstochter“ erfüllt. Aus dem Born zarter Innigkeit, frei von künstlichem Pathos, ergießen sich die Klänge seiner Zionssehnsucht. Der Dichter hadert nicht mit dem Schicksal, welches Jeruscholajim in Trümmer sinken ließ — ihm offenbart sich darin auch eine Tragik der Vorsehung. ״Wehe dem Vater, der seine Kinder vertrieben hat, und wehe den Kindern, die vom Tische ihren Vaters vertrieben wurden.“ Dolizkys Zionslieder, die vornehmlich in den von S. P. Rabinowitz edierten Sammelbänden ״Kneseth J1 srael“ in den Jahren 5647—5648 erschienen sind, übten seinerzeit eine tiefe Wirkung auf das hebräischlesende Publikum in Rußland aus und trugen in hohem Maße zur Einfachung der Chibath-Zion bei. Als der Verein ״B n e i Z i o n“ in Moskau im Jahre 18S5 einen Preis für die beste National- Hymne stiftete, wurde der Preis Dolizky zuerkannt für sein Gedicht ״על הררי צי ו ף׳ Im genannten Verein wirkte Dolizky, zusammen mit Ussischkin und dem unvergeßlichen fechiel T schlenow, mit hingebungsvollem Eifer für die Idee des Palästina-Aufbaus, zu deren ersten Verkündern er zählte. Den stärksten Antrieb zu seinem dichterischen Schaffen und seiner Wirksamkeit für die Chibath-Zion-Bewegung empfing Dolizky von Perez Smolensky, dem Herausgeber der führenden Zeitschrift ״Haschachar“, in der Dolizky sein erstes größeres Poem ״;קוי שני המאורות״ und späterhin eine Reihe weiterer Beiträge veröffentlichte. Eine persönliche Begegnung, die der neunzehnjährige Dolizky — er wurde im Frühjahr 1856 in Bialystok geboren — 1875 gelegentlich einer Auslandsreise mit Smolensky in Wien hatte, blieb von nachhaltiger Wirkung auf ihn. Der gefeierte Meister feuerte den jugendlichen Anfänger zu poetischem Schaffen an und entfachte in ihm das Ideal der Chibath-Zion. Der ״Haschachar“ kennzeichnet jene Epoche: den Ueber• gang von der ״HaSkalah“ zur nationaljüdischen Renatesancebewegung der Chibath-Zion, der namentlich durch die furchtbaren Judenpogrome in Siidrußland zu Beginn der achtziger Jahre gefördert wurde. Dolizky hatte den Pogrom in Kiew miterlebt. Das Entsetzen und die seelische Erschütterung, die dieses Erlebnis ihm brachten, fanden in seinen Erzählungen ״בין לבאים״ und •״מבית ומהי*-־״ einen übenvältigenden Ausdruck. Hier zeigt sich Dolizky als Dichter des Jude 11 Schmerzes, dessen Seele von düsterer Trauer ob der Tragödie seines Volkes erfüllt ist. Aus dem Judenschmerz erwuchs ihm jedoch eine Judenhoffnung. Die Not der Judenheit im Zarenreiche war aufs höchste gestiegen: Massenabschlachtungen, Verfolgungen, Austreibungen, Entrechtung. Alle Illusionen auf eine Besserung waren verflogen; die grausame Herrschaft Alexander III. hatte sie in Blut erstickt. Da erblühte, als einziger Lichtstrahl am verfinsterten Himmel des Judenmartvriums, eine neue Hoffnung: die Wiederaufrichtung Zions. Und Dolizky wurde zum Künder der neuen Hoffnung, zura Dichter und Bannerträger des nationalen Auferstehungs-Ideals, zum Sänger der Zionsliebe. Er hat den Beginn der Verwirklichung seines Ideals erlebt, wenn es ihm auch nicht beschiedcn ist, selbst im Lande der Verheißung das neue Werden zu schauen —י D. lebt seit Jahrzehnten in Amerika — und seine Zionssehnsucht zu stillen. Und jetzt, da er das siebzigste Lebensjahr vollendet, glauben wir ihm keinen besseren Wunsch senden zu können, als diesen: Möge es dem Dichter der Zionsliebe vergönnt sein, die volle Verwirklichung seines Ideals im Lande seiner Träume zu erleben! Josef Lin. Die Tochter Pharaos Von Bath-Hillel. Die Tochter Pharaos war schöner als alle Mädchen im Lande Aegypten. Und schöner als alle Kinder war der Knabe, den sie einst aus dem Wasser des Flusses gerettet hatte und nun bei sich im Gemache aufzog, als wäre er ihr eigen Kind. Wenn aber nun die Freier kamen, einer nach dem andern, Königssöhne von fern und nah, und um ihre Hand anhielten, dann wies sie alle ab, spottete ihrer und sagte lachend: Eia Kind hab’ ich schon bei mir im Gemache — was soll ich mich noch mit einem Manne belasten? — Da fingen die Hofleute des Königs an zu murren und sprachen: Warum herzt sie das Kind, als wäre es ihr eigen? Warum verschmäht sie die Werbung der Männer, seien sie noch so adlig geboren? — Wer weiß, ob sie nicht Unzucht trieb im Geheimen? Wer weiß, ob der Knabe, den sie bei sich hegt, nicht in Wahrhfit ihr Kind ist, in Sünden empfangen . . . Das Gerücht kam dem Könige zu Ohren, und er ergrimmte darob über die Massen. Er berief seine Ratgeber und Schriftkundigen und sprach zu ihnen: ״Wenn dieses Gerücht auf Wahrheit beruht, so soll weder ihr Stand noch mein eignes Herz die Königstochter retten von der Strafe der Buhldirne: im Feuer werde sie verbrannt. Ist sie aber unschuldig, so soll jeder, der also üble Nachrede über die Tochter des Königs verbreitet hat, geköpft werden; und aufgepflanzt werde seip Kopf auf den Zinnen des Palastes. Nun ratet mir, Ihr Weisen, wie ich die Wahrheit ergründe!״ Da stand zuerst Bileam auf, der Zauberer, der unter den Ratgebern saß und sagte: ״Dies ist mein Rat: man töte den Knaben und werfe seinen Leichnam in den Fluß. Dann wird die üble Nachrede auf einmal schweigen.“ Aber dem Bileam entgegnete Jithro der Midiamte: ״Nicht erfüllet dein Rat den Wunsch meines Herrn, die Wahrheit zu ergründen. Ich will deip Pharao ein anderes Vorschlägen, Das Kind selbst soll Richter sein, ob die Königstochter schuldig ist, ob nicht. Man bringe den Knaben hierher vor den König und alle seine Räte und setze ihn auf den Boden ln die Mitte des Saales nieder. Dann; soll die Königstochter sich seitab von ihm stellen, ein wenig entfernt, zu seiner Rechten; und eine von ihren Frauen stelle sich auf die andre Seite des Kindes, auch sie ein wenig entfernt, zu seiner Linken. Und cs wird sein, wenn der Knabe sich aufrichtet und auf die Prinzessin zaeilt, so ist sie des Kindes Mutter, und man verfahre mit ihr wie du es befohlen hast. Eilt das Kind aber der andern Frau zu, so ist die Königstochter frei von Schuld — und der Frevler, der solches über sie zu sagen wagte, er werde hingerichtet.“ Der Ratschlag des Jithro gefiel in den Augen des Königs, und er schickte eilends zu seiner Tochter, sie holen zu lassen, sie und das Kind und eine ihrer Frauen; aber man sagte ihnen nicht, warum sie gerufen werden. Das Kind aber saß eben auf dem Schoße seiner Atnme, der Jochebed, der Frau des Ainram aus dem Volke Israel, die von der Königstochter gemietet war, ihn zu pflegen. So gingen denn diese drei zum Pharao, die Königstochter und der Knabe Mose und Jochebed seine Amme. Und es geschah, als man das Kind auf den Boden niedersetzte und die beiden Frauen ihm zur Seite stellte, hier die Königstochter in all ihrer Anmut und der Zier ihres Goldgeschmeides, dort Jochebed die Jüdin, verhüllt und verhärmt: siehe, da richtete sich das Kind auf zum ersten Male in seinem Leben und strebte auf unsichem Füßchen zu Jochebed hin und hielt sich fest an ihrem Gewände. Denn es ahnte die Mutter in ihr , . . Und alles Volk rief: ״Rein ist die Tochter des Königs Pharao!“ Eine hebräische Franenzeitseiiriil Vor 142־ Jahren trat die amerikanische Frauenvereinigung ״Hadassah“ an die W. J. Z. O. mit dem Vorschlag heran, gemeinsam mit ihr eine hebräische Zeitschrift in Palästina erscheinen zu lassen, doch konnte sie damals zu keiner Verständigung mit der W. J. Z.O. kommen. Inzwischen hatte sich die palästinensische Frauenvereinigung ״Histadruth Naschim Ibrioth“ konsolidiert und gestärkt, und ״Hadassah“ konnte sich an sie mit dem Vorschlag wenden, in Gemeinsamkeit mit ihr die Zeitung herausztigeben. Eine Probenummer erschien bereits im vorigen Sommer anläßlich des Frauenkongresses in Wien und wurde allgemein mit großem Interesse aufgenommen. Von Peßaeh ab soll die Zeitung regelmäßig als Monatsschrift erscheinen. Sie trägt den Namen ״Ha-Ischa“ und wird 24 Seiten redaktionellen Text enthalten. Die Redaktionsführung ist den Frauen Buchstab, Kaznelson, Mossenson, Thon und einer Hadassahrcpräsentantin übertragen, denen ein weiteres beratendes Redaktionskomitee aus Vertreterinnen verschiedener Kreise und Ziele zur Seite steht. Die Zeitung will in unparteiischer Weise Aufklärung über alle Interessen und Arbeiten von Frauen in Palästina erteilen.