Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 24-25 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 178 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 24/25 Nr. 241 nicht größer ist? Trotz allem verzeichnet der Keren Hajessod eben doch nicht mehr als 250000 Zeichner. Diese 230 000 Zeichner sind nicht so leicht gewonnen worden und doch gehören zu ihnen alle die. die aus eigenem Antrieb sich gemeldet haben, an deren Tür nur einmal geklopft werden ' muß, die unseren Aufruf ohne Zögern beantwerten, ehe unsere Sache,, die Sache von Lrct Israel, als die ihre empfinden: die Schar der Bereiten. Nicht alle unter ihnen sind Zionisten. Leider sind nicht alle Zionisten unter ihnen. Und nicht alle, die Zeichner sind, haben ihrer Verpflichtung immer und vollauf genügt uni haben,^ wenn sie Zionisten stad, wirklich ihren Maas־,er geleistet. Welche Aufgäbe steht vor uns, wenn wir daran denken, daß wir unsere 230 000 Zeichner dazu zu erziehen haben, ihre Verpflichtung ohne Verzug und Pause zu erfüllen, ihre Zeichnung _ ru verdonpeb und zu vervielfachen, wenn wir alle zionistischen’ Zeichner rur restlosen Erfüllung der Maasser bewegen und alle jene Zionisten, die noch nicht unter den Keren Hajessod- Zeichnern zu finden sind — die Zionistische Organisation zählt konservativ gerechnet 600 001) Schekelzahlcr, für die schon das Baseler Programm und nicht erst Balfour-Deklaration, Mandat und Keren Hajessod-Aufruf verbindlich ist — zur Zeidiimrtg gewinnen? Und dann steht erst vor uns die Aufgabe, aus dem unerschöpften Reservoir neue Hunderttausende von Zeichnern zu gewinnen. Ist es ein kleines, geringfügiges Stück Arbeit, das noch vor uns steht? Wir haben erst ein Jahrfünft gearbeitet. Vielleicht war nur der Anfang so schwer und die Zukunft wird schneller und reichere Erfolge bringen. Aber der Anfang war auch schön und groß und diejenigen, die an ihn» mitgearbeitet haben, an welcher Stelle auch immer, können dafür dankbar sein, daß cs ihnen gegönnt war, an der Verwirklichung der Ideale in bestimmtem Bezirk, mit klarer Aufgabe und als Glieder einer ewigen goldenen Kette zu wirken. Schweiz Bild Palästina Genf. 19. März, (J. T. A ) ln einem Interview, welches der Schweizer Bundespräsident H a c b e r 11 n Herm David Shklar gewährt hat, stellte er fest, der Aufbau der Schweiz und ihre hervorragenden Bildungsstätten seien auch für Palästina und den weiteren Orient vorbildlich geworden. Schon Prot. Ranpard, Mitglied der permanenten Mandatskommission im Völkerbund, konstatierte i!n Journal de Geneve mit großer Genugtuung, daß viele prominente zionistische Führer ihre technische und geistige Ausbildung der Schweiz zu verdanken haben. Auch fanden bekanntlich aie ersten zionisii;chcn Kongresse in der Schweiz statt. Daraus geht hervor, daß gewisse geistige und kulturelle Beziehungen zwischen der Schweiz und Palästina schon heute bestehen. Der Bundcsprlsident fügte hinzu: ״Während des Krieges und auch jetzt sind Einreisebewilligungen nach der Schweiz zwecks zionistischer Konferenzen und Beratungen stets berücksichtigt worden. Auch sind die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Schweiz und Palästina sehr wünschenswert und es ist zu hoffen, daß sie auf einem gesunden Boden aufgebaut wer* den, um zum Wohle und der Entwicklung beider Länder bei zutragen." Die Nordgrenze Palästinas Jerusalem, 23. März. (J.T.A.) Die arabischen Zei* hingen teilen mit, daß der französische Oberkommissar für Syrien, de Jouvenel, der in der zweiten April-Hälfte nach fdfisö1M1-,-l£cpmfc,pt|i#r' mi ״^J'PiilÄiafl^gienM - Jlw*H<dle btretung "‘der ■g.es:ä'mtem>."sudlfchea. ‘Tf.ü alten ־ zone*des Libanon, angefangen von der Mündung des Flusses Litani bis zur jetzigen Palästinagrenze, verhandeln wird. Die Frage der Abtretung dieses Teiles der Libanon-Provinz an Palästina war schon in den fahren 1919/20, als die Grenze zwischen Palästina und Syrien bestimmt wurde, erörtert worden. Es wurde damals darauf hingewiesen, daß die Ausnutzung der Wasserkräfte des Flusses Litani von großer Wichtigkeit für die Palästina-Wirtschaft wäre. Als vor einigen Tagen die Regierung die endgültige Rutenberg- Konzession Unterzeichnete, tauchten Gerüchte auf, daß mit den französischen Behörden darüber verhandelt wird, der Rutenberg-Gesellschaft zu erlauben, die Wasserkräfte des Litani für die Elektrifizierung Palästinas auszunutzen. Sollte die Abtretungsmeldung der Küstenzone der Provinz Libanon an Palästina Tatsache werden, so würde sich das palästinensische Territorium bis zum Berge Hcrraon erstrecken. Die Einbürgerung Vors unserem palästinensischen Korrespondenten. A, G. Jerusalem, den 17. März 1926. Vor mehr als einem halben Jahre erschien in Palästina das Einbürgerungsgesetz, auf das man im Lande bereits seit langem gewartet hatte. Der Text des Erlasses he* friedigte nicht die Erwartungen, die die _ palästinensische jndenneit an diesen Akt geknüpft hatte. Die Prozedur der Einbürgerung ist umständlich, so daß allen Launen des Götzen der Bürokratie voller Spielraum gelassen ist. Insbesondere ist cs sehr unliebsam aufgefallen, daß diejenigen, die sich bereits im Jjjhre 1922 provisorisch eingebürgert haben, keine andere Erleichterung bei der endgültigen Annähme des palästinensischen Passes z «gebilligt erhalten ah die, in erster Reihe heranzukoinmen. Der ganze ermüdende und langweilige Instanzenweg, der schon vor vier Jahren durchmessen worden ist, muß noch einmal zurückgelegt werden und eine ganze Kollektion von Dokumenten ist vorzulegen, von denen der Durchscluiittsmensch, wenn C3 gut cht, gerade die Hälfte noch 111 seinem Besitz hat. Waren so ic Bestimmungen an sich geeignet, Schwierigkeiten zu machen, so kommen noch andere׳ retardierende Momente hinzu. Z. B. besaß Tel-Awiw bis vor ein paar Tagen noch kein Einbürgerungsbüro, während bereits die kleinsten Flecken im Lande nüt einem solchen Amt versehen waren, wo cs doch klar sein mußte, daß eben Tel-Awiw die größte Zahl der ״Einbürgcrungslustigen" stellen würde. Nach und nach scheint sich jedoch die Maschine in Gang zu setzen. Die Annahme der palästinensischen Staatsbürgerschaft ist für die Judenschaft Palästinas von politischer Bedentung ersten Ranges. Erst der palästinensische Paß macht uns za vollgültigen und vollwertigen Staatsbürgern. Trotz aller Dienste, die der Jude in Stadt und Land dem palästinensischen Staate leistet, bleibt er ein Ausländer, so lange er der Untertan irgendeines fremden Reiches ist. Bisher hat man das in Palästina nicht so recht empfunden. Es stellt jedoch außer allem Zweifel, daß sich mit der Konsolidierung der Verhältnisse im Lande so manches in dieser Beziehung ändern wird, wenn diese Aenderung auch nur sehr langsam und schrittweise vor sich gehen wird. Sollte etwa der ״gesetzgebende Rat“ (Moazah Mcdiokeket) in nächster Zeit wirklich zustande kommen, so wird das Wahlrecht natürlich nur palästinensischen Bürgern zustchen. Und es bedarf weiter keiner Beweise, daß gerade, wenn der Bevölkerung ein gewisses MiIbesÜ m mungsroch t in öffentlichen Angelegenheiten gewährt wird, wir lebhaft daran interessiert sind, aaß jeder Jude, der im Lande lebt, auch dessen Staatsbürgerschaft annimmt. Außer diesen realen Faktoren bedeutet die palästinensisch? Staatsbürgerschaft für den Juden noch etwas anderes, daß man nicht an greifbaren Vorteilen messen kann. Der nalästinensJschc Paß ist für den Juden das Siegel für seinen lieberang zur Normalität, das Dokument seifter Seßhaftmachung, er äußere Beleg dafür, daß es mit seiner Wanderschaft von Land zu Land^ mit seinem Zu-Gast-sein unter allen möglichen Völkern der Erde endlich ein Ende haben soll. Wir haben in der zionistischen Bewegung gelernt, solche ״Sentimentalitäten“ richtig zu würdigen und wissen sehr gut, wieviel von diesen Imponderabilien abhängt. Es ist bezeichnend, daß die erste Einbürgerungsbewegung vor vier Jahren in Palästina unter den Juden zu ungewöhnlichen Begeisteru!!gsausbriicf1en führte, daß man es sich zur Ehre rechnete, bereife den Weg zur Behörde emacht zu haben.. Diescsraal ist eine gewisse Mattigeit und Kühle unter den Juden zu spuren. Eine Gegner- Schaft besteht nicht, obwohl.■^,ayeb, ■;einzelne,;gibt, #e ■9m ■.j®end1|retel«ttt:Suß«־«?׳r»V.ß|beWeh.#äer.-!einep8>.־f|1th§!f1taie|1;:Afhfnfllehkeit an ihre Ausgangsllnder sich strauben! ihr altes Legitimationspapier aufzugeben. Die große Masse aber regt sich nicht und die Presse, die seit Wochen Artikel über das Einbürgerungsgesetz bringt und die Juden auftordert, ihm zu folgen, hat bisher den rechten Ton noch nicht finden können. Sie muß erst von einer beginnenden Bewegung getragen sein, che sie mit einer wirksamen und erweckenden Propaganda einsetzen kann. Auch in dieser Sache wie bei so manchen Lostmgen wird Tel-Awiw den anderen Orten vorausgehen müssen, weh dort das öffentliche Leben am intensivsten ist und sich dort die größte Anzahl von Juden befindet, die vor der Einbürgerung stehen. Und dort wird auch die schwerste Arbeit zu leisten sein, weil sich hier die neuen Einwanderer stauen, die allen öffentlichen Aktionen gleichgültiger gegenüberzustehen pflegen, als die ״älteren Jahrgänge“. Aber der palästinensische Jischuw hat schon schwerere Aufgaben zu lösen gewußt. Die Genieindeordimng ln Palästina Die Londoner ״jewish Times“ meldet aus Jerusalem: Von autoritativer Seite wird mitgeteilt, daß die in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangende neue Gemeindeordnung für den Jischuw in Palästina auf folgenden Grundsätzen fußen wird: Die jüdischen Gemeinden werden alle jüdischen Männer und Frauen umfassen. Nicht zugehörig sind bloß diejenigen Personen, die ausdrücklich ihre Streichung aus den Gemeinde* listen verlangen. Die Exekutivorgane der Jüdischen Gemeinden werden sein: Die Assefath haniwcharim, der Waad leumi, der Waad hara* banuth, die lokalen Gemeindevorstände und die lokalen Rabbinate. Die Assefath haniwcharlm soll alle drei Jahre gewälilt werden, einmal im Jahre zusammentreten, und den Waad leumi für die Dauer eines Jahres wählen. Die Assefath haniweharim wird das Recht haben, Steuern für Erziehung, Erhaltung des Rabbinats und für soziale Zwecke ausztischreiben. Sie wird auch die jüdische Statisstik im Lande koatrollieren. Mindestens 30 erwachsene Personen sind zur Konstituier rung einer Gemeinde nötig, in jedem Orte kann nur eine Jüdische Gemeinde bestehen. Wenn ein Teil der Gemeindemitglieder, mindestens 30, sich als Minorität innerhalb der Gemeinde ee* klärt, wird er einen Anteil an den Steuereingängen für seine besonderen religiösen und kulturellen Zwecke verlangen können. Der einer Minorität innerhalb der Gemeinde zugewiesene Anteil an den allgemeinen Steuereingängen soll proportioncll zur Zahl der der Minorität angehörenden Mitglieder festgesetzt werden. * Wenn diese Nachricht sich bewahrheitet, dann wird endlich die legale Organisation des Jischuw durchgeführt sein, die eine viel fruchtbarere Tätigkeit des Waad leumi möglich machen wird. Die Forderungen der Aguda, die die einheitliche Organ!• sation des Jischuw durch ihre separatistischen Tendenzen sprengen wollte, sind nach dieser Meldung nicht durchgedrungen. Vielmehr wurde das Minoritatenproblcra innerhalb der Gemeinde anscheinend in gerechter Weise gelöst Eine endgültige Würdigung behalten wir uns bis nach der offi* ziehen Bekanntmachung vor. Aeußerungen Pinchas Kohns. Der Vorsitzende der Aguda, Dr. Pinchas Ko h n, der in der vorigen Woche aus Palästina nach Wien zurückgekehrt ist, äußerte sich einem agudistischen Journalisten gegenüber über seine Verhandlungen mit den palästinensischen Behörden bezgl. der Gemeindcoranung folgendermaßen: . . Ich habe an allen kompetenten Stellen dargelegt, daß die Aguda keinen politischen und wirtschaftlichen Ehrgeiz habe, sondern den großangelegten Versuch unternehme, den Aufbau Palästinas nach den Normen des Religionsgesetzes zu beeinflussen. Wenn auch die Verschiedenheit der religiösen Anschauungen die Bildüng einer einzigen, einheitlichen Gemeinde derzeit nicht möglich macht, bin ich dennoch überzeugt, daß wichtige gemeinsame Interessen aller Juden in entsprechender Weise vertreten und durchgeführt werden können/ Ich gri#«#•■/&¥#־'€)eftentlich kelt ■:1Wc#t-'r-vrewftiaIten zu dürfen, daß dem Bestreben aut Sonder«• gemeinden gewisse Schwierigkeiten ent• gegenstehen. (Von uns gesperrt — Red. ״J. R.“) Das Rahmengesetz ist, auch in seine.1 ״■iusführungsbestlmmungen, gebunden an eine königliche Verordnung (council in order) vom Jahre 1923. Diese Verordnung beauftragt und ermächtigt den High Commissioner jedoch nur in bezug aut die Regelung der bereits unter der ottomanischen Regierung anerkannten Rehgionsgesellschaiten. Würde also eine Sonderstellung der religionstreucri Juden zu einer Anerkennung einer neuen Reügionsgesellschaft führen müssen, so könne dieser Akt nur in London zum Abschluß gebracht werden.“ Der französische Oberkommissar für Syrien, Henry de Jouvenel, hat für den Monat April seinen Besuch in Palästina ängekündigt. Die aus In ei des K. K. traurig. \ vor zwei 260 000 £ nahmen u fast aller vier Mon des verg jedoch 1 stellen, d; Jahre mil keit trat( Trotzdem heute no ob der I der erwe verteilt. I Namen ü tragen w Terrain י Bedeuten *Verein rr warb. V. der Nah: Industrie: Besitzes vorsta Vor der Regi der Regi von dies unzählige Regicrun; rücken 1: übergibt, die Arb< nachlässij der Mei: muß, um des Erej nicht bri leicht na Faktor i liegender wir von glauben, für Geul; darf im Hilfe de die Regi der Wirl gierung Böden v! Dunam. gaben w Gute Bi billiger jfplfen-,, war die man, wi investier zahlreich durchgei gewissei nur im sonders der Erl dieser l darin, c über di Wohnuntcrhal solche 1 Israel daß, w Pessaeiuächte Von Dr. Eva S c h a p i r a. (Aus dem Hebräischen.) Dem Andenken meiner Mutter. Mit dem Herannahen der Peßachtage begann das Städtchcn beschäftigt und geschäftig zu sein. Die jungen Mädchen spazieren nicht mehr auf dern großen Platze, sie eilen bloß rasch vorbei und die Späße und Blicke der jungen Männer treffen sie nicht wie sonst in anderen Tagen beim Spaziergang, in den Stunden der Abenddämmerung, ln den Tagen vor Peßach waren auf dem Platze alle Arten seltener und kostbarer Sachen ausgestellt und die Augen der Kinder konnten sich nicht daran satt sehen. Zu Hause begann die große Vorbereitung für die Peßachtage bereits gleich nach Purim. Der Großvater begann »schon nach jeder Mahlzeit seinen langen Bart zu putzen und mit den Fingerspitzen in ihm nach etwaigen Brotkrumen zu suchen. Alle Schränke und Schreine wurden geöffnet und aus ihnen sämtliche Sachen herausgeholt, selbst Dinge, über deren Zweck das ganze Jahr über uns nichts bekannt war. Oitte!, die Köchin, legte sich plötzlich ein ernstes Gesicht an, wie cs einer so hohen Würdenträgerin geziemt. Zeitweise schreit sie uns Kinder an, jedoch zürnen wir ihr nicht darob. Wir anerkennen ihren wert und ihre jetzige hohe Stellung. Sie bereitet den Saft aus roten Rüben vor, sie sitzt auf einem niedrigen Schemel in der Mitte des Zimmers, sauber ln ein weißes leinenes Gewand gehüllt, ein neues Kopftuch auf ihrem Haupte, rings um sie frisches Stroh ausgebreitet und auf ihm, zu ihrer Rechten, ein Sack voll rote Rüben. Hin und wieder steckt sie ihre Hand in den Sack und holt einige heraus, spaltet sie mit ihrem Messer und wirft sie in den neuen Krug, mit Wasser gefüllt, eigens zu diesem Zwecke vorbereitet Von dort holt sie sie wieder und gibt sie in ein Becken, zugedeckt mit einem sauberen leinenen Tuch, für Peßach. Dieses Becken wird nachher in einen entfernten Winkel des Zimmers gestellt, wo es bis zu den Peßachtagen verbleiben muß. Hin und wieder erscheint die Mutter, die Tanten, die Großmutter, setzen sich für einen Moment in ihre Nähe und beobachten die Arbeit der Köchin Gittel, weiche mit großem Stolz ihre Arbeit tut Etwa eine Woche vor Peßach fällt unser Tag fürs Backen der Mazzoth. Das Ist für uns ein großer Feiertag, vollkommene Befreiung vom Lernen. Ringsum kolossale Vorbereitung. In der großen Küche sind lange Tische der Länge des Zimmers ) nach .aufgestellt und mit weißem Leinen gedeckt Den Tischen entlang, zu beiden Seiten, stehen Frauen wie ordentliches Militär, in weiße Schürzen gehüllt, neue Kopftücher auf ihren Häuptern. Hin und wieder bringt die Aufseherin den Teig aus dem benachbarten Zimmer, sie• trägt ihn auf ihren nach oben gerichteten, gehobenen Handflächen. Sie zerschneidet ihn in einzelne Stücke, entsprechend der Anzahl der Hilfstrauen. Jede einzelne bekommt Ihren Teil und bemüht sich, die anderen zu übertreffen, indem sie die Mazze recht schön glättet und rundet. Und der Großvater treibt an. Er steht an einer Ecke der Tische fast beim Ofen, sein Gesicht brennt und er ist ganz konzentriert. Rings um ihn stehen die anderen Männer, in ihre Arbeit vertieft. Sie fahren mit den kleinen eisernen gezahnten Rädern in die Mazzes. Ihre Aermel sind nach oben gerollt und mit einer bewundernswerten Fertigkeit beeilen sie sich, die fertige Mazze auf die Schaufel zu geben, welche immer wieder vom Bäcker hingehalten wird, der beim Ofen steht, sein Antlitz vor Hitze glühend, sein langer Chalat nicht zugeknöpft, die Kappe in den Nacken gerückt, und er hustet, hustet . . . Im anstoßenden Zimmer, wo der Teig bereitet wird, sitzt Sussel, das Dienstmädchen, ganz in Weiß gehüllt und schweigsam, ohne iedes Lebenszeichen. Bloß wenn man ihr die Schüssel hinhält, mißt sie ein Maß Mehl aus der vollen Kiste, die neben Ihr auf einem Sessel steht und kehrt auf Ihren Platz zurück, ohne das leiseste Wort zu sprechen. Sie darf nicht sprechen wegen der Gefahr, daß ein Atemhauch aus ihrem Munde etwa das Mehl oder die Schüssel treffen könnte. Dieses Verbot, bei der Arbeit zu sprechen, trifft auch alle übrigen Männer und Frauen, und doch ist der Lärm groß, der die Luft erfüllt. In einem anderen Winkel des Zimmers stöhnt Gittel, die Köchin, gebückt über der vollen Schösse! mit Mehl. Die Großmutter stellt neben ihr und gießt tropfenweise Wasser in die Schüssel aus einem kleinen neuen Krug. Im dritten Zimmer befindet sich ein Becken voll Wasser, zu dem sich jedesmal alles drängt — nach dem Fertigbacken jeder 10 Mazzes —, um sich die Hände zu waschen und sie an den reinen Handtüchern zu trocknen, die auf Stricken entlang des Zimmers hängen. Und dabei haben die Kleinen ihre Aufgabe, das Wasser über die Hände aus einem Kruge zu gießen, den sie immer wieder aus einem Fasse füllen. Alles eilt, alles jagt und ein unterdrückter Lärm herrscht überall. Das Antlitz des Großvaters ist sorgenvoll: Wird alles vorschriftsmäßig gemacht? Und draußen lacht die Sonne. Man spürt den herannahenden Lenz. Am letzten Tage vot den Feiertagen wurden die Türen und die Fensterläden der speziellen Peßachküche geöffnet, die das ganze Jahr hindurch fest verschlossen war. Jetzt sind die Dienstboten darin in ihrem besonderen Gewanu mit ihrer Arbeit beschäftigt und es leuchten ihre Oe achter. Der Arbeit gibt es erschreckend viel. Die speziell für Peßach bestimmten Geräte, das Geschirr, die Bei her und die Flaschen werden hervorgeholt und ins Speisezimmer geschafft. Man füllt die Flaschen mit Wein und verstopft sie mit reinen Leinenstücken, die Kiste mit den wohlbehü'.eten Mazzoth W'ird ins Speisezimmer gebracht, es werden Nüsse gespalten für ״Charosseth“. Und dann kommt der Abend selbst — der Peßachabend! Auch ich kann di? ״Fragen" auswendig, aber niemand achtet auf mich; die Hauptsache ict mein Bruder. Mein Herz empört sich im Innern. Ich wüßte beeser zu fragen als er. Aber mich schickt man an den Tisch der Frauen. Bloß meine Mutter allein sieht mein Leid und besänftigt mich mit Liebkosungen ihrer wunderbaren Augen . . . ״Es ist unser Los“ scheinen sie zu sagen. — Freude und Licht erfüllen das ganze Haus. Die süße Melodie, mit der lieben Stimme des Großvaters, ergießt sich in die Tiefen des Herzens. Noch immer schwebt vor mir die Gestalt des Großvaters, diese ed’.e und prachtvolle Gestalt, wie er da obenan am Tische auf dem kleinen Sofa etwas auf die linke Seite gelehnt auf der ״Hassibah“ sitzt, in den weißen ״Kittel“ gehüllt, die kombinierte Brille auf seiner Nase, seine Augen zeitweise geschlossen und sein Antlitz von himmlischem Licht beleuchtet. ״Demnächst, demnächst wird Er Sein Haus erbauen“. — Und die Stimme ist so traurig, flehend, betrübt, müde, fordernd. .. Ihm folgen die anderen Tischgcnorsen und das Motiv wiederholt sich immer wieder, steigert si~h dann und wird zu einer schreienden Bitte: ״Gott erbaue, Gott erbaue, erbaue bald Dein Haus!“ Und in meiner Phantasie sehe ich das ״Haus" bereits erbaut. * Und noch eine Peßachnacht in der gesegneten Hauptstadt Ukrainas. — Aus den Provinzstädten sind noch■ keine Nachrichten angelangt. Man w׳ußte nur, daß die Bauern aufgestanden sind und sich unter der Führung P. Kiew nähern. Die Regierung Skoropadski stand bereits vor ihrem Sturze, leistete aber noch Widerstand, als ob ihre Position fest wäre. Das Knallen der Geschütze erreichte bereite die Stadt und die Fensterscheiben erzitterten immer wieder und wiesen so auf die herannahende Gefahr. An Armee durchdr Massen vielleict nung u treffe, wird . , Inzw wiederh Rückke sind g< hinein! man ni Plö das W׳ Ohr . . Die das B11 in die Schicks Wortes Die Jungen: schutza Was t gleich wem? In zageue; U11 die Str Blicken Schicks Gerettc und er aber d wildem auf, ei sich d Un des Sc Weg seinen dafi et Sc ״besch