Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-03-23 · Heft 23 (23.3.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 23 (23.3.1926)
Date
1926-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652808--18149-2675885
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 23 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite!71 leset uirtiung י?0' *־ratohne lsani Die die ־!eraieser 1 dir: Verständigung kommen können. Denn deren zionistischer Patriotismus ist keinesfalls auch nur um einen Deut geringer als der irgend eines anderen. Zusammenfassend also sei nochmals betont, daß die Chevvrat-Nir aus prinzipiellen Gründen für die Arbeiterschaft von eminenter Bedeutung ist. Wir wollen hoffen, daß diese kurzen Andeutungen die Gedankengängc der Arbeiterschaft dem Vcr* ständnis näher nicken. -vratipiell vVirt-;her• iiter, larkt;rein;seil- .■Inen das tuen muß 11 e n der zu- Probleme der Uebersiedlung Von Dr. Jacques Adler, Leipzig. im Stadium der Verwirklichung und des Aufbaues, das die zionistische Palästina-Bewegung der Gegenwart kennzeichnet, kann cs jüdischen Menschen nicht mehr allein gettügen, sich zur Idee zu bekennen, Berichte und Diskussionen anzuhören und Spenden aufzubringen. Eine engere Vcrbindung mit dem La־• ,e der 'Heimstätte wird erstrebt, möglichst die Uebersiedlung selbst. Daraus erklärt es sich, daß in den beiden letzten Jahren zahlreiche jüdische Kauf- Icufe und Industrielle aus Mittel- und Westeuropa Reken nach Palästina in der Absicht ernster Studien unternommen :iter. Plan bens der : Es 11 in! nach ngen auf- und ־de n. die Ihr ssenr sind, urch von neindoch der Gainennicht ngeti jßte. eine ein-!itervrathaben, meist sogar davon ausgehend, für die eigene Betltfgung einen passenden Platz in der Wirtschaft des Landes zu suchen. Die überwiegende Mehrheit dieser Besucher ist mit guten, oft sogar sehr guten Eindrücken heimgekelirf. Man hätte daraufhin annehnien müssen, daß die lieber- Siedlung nunmehr eine der nächsten Taten sein würde. Wenn dem aber In Wirklichkeit nicht so ist, wenn neben der Ein- Wanderung der Arbeiter auch die der selbständigen liniernehmen nach wie vor in der Hauptsache aus Osteuropa erfolgt — und zwar bisweilen mehr unter dem Drudke wirfschaftlieher Not als aus ideellen Motiven so wird man sehr eingehend prüfen müssen, weshalb die jüdischen liniernehmerkreise West- und Mitteleuropas bei allem starken Palästina-Interesse in der Frage der eigenen Uebersiedlung doch so versagen. Bei dieser Betrachtung kann eine ganze Reihe von Gründet! von vornherein ausgeschaltet werden. Insbesondere darf man die Fälle mangelnder Entschlossenheit ruhig übergehen. Etwas!Wagemut gehört zu jeder Kolonisation, sei es heute zu der [jüdischen Kolonisation in Palästina oder in den letzten Jahrhunderte״ zur europäischen in Amerika oder vor einem halben «ahrtausend zur deutschen in den Ländern östlich der Elbe. Wer sich im entscheidenden Augenblick vom gewohnten Nest licht trennen kann, ist nicht zur aktiven Teilnahme am Werk «erufen. Er mag dann immer noch anderen, die mehr wagen, adurch in nützlicher Weise beistehen, daß er für die Koloniuionsfonds spendet und Kapitalien zu Erwerbsunternehmunehon vratlebt, fheit;inen Abildet itenz den «ihs.s tj •und?;plan gen 1 5s od, nung einen -geneine ürde. wiren beistellt. Kaum anders steht es mit der Frage der Rentabilität eines internehmens, das man in Palästina neu errichten oder dorthin erlegen will. Die Probleme des Erwerbslebens sind in Patsttna die gleichen wie überall. In einem jeden Lande ist atürlich ein neues Geschäft stets mit einem gewissen Risiko ׳erbunden. Vieles aber läßt sich doch voraussehen und vorausjerechnen. Die jüdische Kolonisation in Palästina hat kein «tercsse daran, daß Kaufleute und Industrielle nur, um in PaliitWä za ,wöfftÄ, sich dort aüf Gril««fi1»gen t^effelhaft^r Wertes einlassen. Gescheiterte Unternehmungen schädigen allzu leicht das Ansehen und den Kredit eines ganzen Wirtschaftskreiscs. Es muß uns daher sogar daran gelegen sein, vom Aufbau in Palästina Unternehmungen fern zu halten, die das Mal der Lcbcnsschwäche an der Stirn tragen, also Geschäfte, die den wirtschaftlichen Bedürfnissen des Landes nicht entsprechen — sei es, weil sie im Vergleich zum Fertigwaren-Import zu teuer oder zu schlecht liefern, sei es, weil ihre Waren in Palästina und in seinen Nachbarländern die ,und- ■ehaft nden rahr-!läge mgsvrat- 1 den Fall einer Er Seele Und ן der nliät vom über und ge- ,in cm mit auf ebkek ins- Hart-! bemgen terlin einer Fräuder aber hters abon- ״Geums“ rages 1 0 n, chrift fim“. ngste . Dr. farta• ״De! Zloty nicht oder zu wenig absatzfähig sind —, ferner solche Geschäfte, deren verantwortliche Leiter weder ausreichende Erfahrung noch genügend Kapital und Kredit mitbringen, Die Prüfung der Rentabilität geplanter Unternehmungen könnte den Interessenten dadurch noch wesentlich erleichtert werden, daß ihnen ein möglichst präziser Informationsdienst an die Hand gegeben würde. Versuche dieser Art waren bereits zu verzeichnen. Immerhin bleibt aber gerade hier noch mancher Wunsch offen. Ein solcher Informationsdienst muß in Palästina zentralisiert sein und seine Tätigkeit so einrichten, daß der Interessent seine endgültigen Entschlüsse auf ganz bestimmten Unterlagen aufbauen kann. Vor allen! dürfte es Die Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Nach längerer Pause hat die Leitung der Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde wieder ihre Kunst- Sammlung eröffnet. Das ist ebensosehr im Interesse des großen Publikums wie in dem der Wissenschaft zu begrüßen. Hat mau doch in Laienkreisen viel zu wenig Kenntnis davon, wie viel zu allen Zeiten zum künstlerischen Schmuck des Gottesdienstes in Synagoge und Haus geleistet, wie viel Beachtenswertes in den letzten Generationen auf dem Gebiet der bildenden Kunst von luden geschaffen worden ist. Aber auch die Gelehrten sind bei der Erforschung der jüdischen Vergangenheit viel zu wenig gewohnt, das Material, das sie aus Büchern und Urkunden gewinnen, durch das anschauliche Material der bildlichen und gegenständlichen Kulturdenkmäler zu ergänzen und die Erforschung der Psychologie des jüdischen Geistes durch die Einbeziehung der jüdischen Kunst zu vertiefen. Müssen wir uns doch darüber klar sein, daß solch eine Sammlung auf jüdischem Gebiet niemals eine ״Kunstsammlung“ Im engeren Sinne, sondern immer nur eine kulturgeschic htlichc Sammlung sein kann. Daher ist das, w»s hier geboten wird, auch nicht — oder nicht nur — vetn ästhetischen Standpunkt zu werten, sondern der BcschaiW muß diese Dinge über das befragen, was sie inhaltlich bedeuten, was sie uns zu erzählen haben. Mit dieser Einstellung finden wir vielfältige Belehrung, wenn wir den Vorraum der Sammlung betreten, der der synagogalen Kunst gewidmet ist. Er enthält Geräte aus <ter Alten Synagoge zu Berlin: reichgcstickte Thoravorhän^e, die für die jüdische Familiengeschichte so bedeutungsvoll Wimpeln, Beleuchtungsgeräte u. a. Die Ergänzung hie■«* bilden im Hauptraum die Geräte des häuslichen GotUsdienstes, Menorahs, Sederschüsseln, Besomimbüchsen u. dfi Die Dokumente der Profangeschichte beginnen mit Mr reichen Sammlung palästinensischer Münzen aus der tnakMbäischen Epoche sowie einigen anderen palästinensisch״* Kleinfunden. Daran schließt sich die lauge Reihe jüdisel^r Porträfmcdailkn sowie die prachtvolle Porträtbüste Mo?** Mendelssohns von Tassaert. Das repräsentative Gebiet djfr jüdischen Geistes Ist die Abteilung des Jüdischen Buches; ולי sehen wir eine schön geschriebene hebräische Bibel aus dÄ« 14. Jahrhundert, einige charakteristische Exemplare der heu« sich dabei um die Vermittlung von soliden Geschäftsbeteiügungen handeln. Wer wirklich zur Uebersiedlung nach Palästina entschlossen ist, der dürfte an der Lösung des Rentabilitäts- Problems keineswegs scheitern. Die Auswahl der geschahliehen Möglichkeiten ist in dem Palästina des Aufbaues relativ erheblich größer als in dem Europa der Entkräftungskrise und der politisch-wirtschaftlichen Zersetzung. Gerade das braucht wohl nicht erst eine Erörterung und Unterstreichung in allen Einzelheiten. Die Fragwürdigkeit der ״gesicherten Existenz“ in Europa ist heute allzu offenbar. Ist also die Entschlossenheit und ferner die Rentabilität der neuen Erwerbspläne an sich durchaus gegeben, kommt dann aber immer noch die Uebersiedlung selbst nicht zustande, dann stehen wir erst vor dem wirklichen großen Problem der Verpflanzung unseres Unternehmertums nach Palästina, einem Problem, das weit weniger ein wirtschaftliches als vielmehr ein psychologisches ist. Kolonisation ist stets an eine gewisse Altersgrenze der Siedler gebunden. Neuland braucht junge, anpassungsfähige Menschen. Die älteren können wohl Berater und Führer sein, nicht aber die Masse der Siedler stellen. Natürlich ist die Grenze immerhin etwas elastisch. Im besonderen handelt es sich um folgendes: in Palästina ist vielleicht das wichtigste Moment für den Unternehmer, der seine geschäftliche Existenzbasis dorthin verlegt, die Gewöhnung an die Handelsbräuche des Orients und an die Vielsprachigkeit des Landes, wo man zumindest die drei offiziellen Landessprachen Hebräisch, Arabisch und Englisch nebeneinander beherrschen muß, um ein Geschäft größeren Stils betreiben zu können, daneben man aber auch Deutsch und Französisch noch sehr gut gebrauchen kann. Es ist nicht zu wenig gesagt, wenn man cs offen ausspricht, daß vor dieser Schwierigkeit mancher aussichtsreiche Plan kapituliert hat. Es liegt im Interesse unseres Aufbauwerkes, diese Dinge offen zu erörtern. Keineswegs ist es damit abgetan, daß man den Betreffenden ein Sprachstudium empfiehlt. In einem gewissen Alter ist das Erlernen neuer Sprachen für viele, selbst sehr kluge Menschen praktisch fast unmöglich; entweder Ist der Geist nicht mehr elastisch genug oder es fehlt einfach die dafür notwendige Zeit. Ebenso vorsichtig ist der Rat zu beurteilen, daß man für den landesüblichen Geschäftsverkehr sich Irgendeinen Beistand, in der Regel einen levantim'schen Geschäftsmann, nehmen möge. Bei solchen Abmaclnmgen kann man oft sehr übel fahren. Schließlich wird mitunter gesagt, man solle es erst einmal drüben probieren und mit der Zeit werde mau sich schon cinleben und einrichten. Auch das dürfte aber nicht dem Wesen einer veranfwoitungsbewußten Wirtschaftspolitik entsprechen. Das Geld und die Arbeitskraft und der gute Wille jüdischer Unternehmer, die den Mut besitzen, ihr zionistisches Bekenntnis auch durch den vollen Einsatz ihrer materiellen Existenz zu bekräftigen, müssen uns viel zu gut sein, um sie zweifelhaften Experimenten auszusetzen. Ein zweifelhaftes Experiment ist es aber stets, wenn man in einem Land, dessen Handelssitten man nicht kennt und dessen Verkehrssprachen man nicht beherrscht, ein Geschäft größeren Umfanges aufmacht. Soll man aus alledem eine negative Haltung gegenüber den Uebersiediungspiänen mittel- und westeuropäischer Unternehmer ableiten, soll man ihnen sagen, daß sie sich nach wie vor auf VersapislüngsbestJcb, Sp«ndenzdcbnang,׳ Ankauf von Aktien oder Pfandbriefen, gelegentliche Palästinareisen beschränken sollen? Wir glauben nicht, daß ein solcher Verzicht auf wertvollste kaufmännische Elemente dem Interesse des jüdischen Palästina frommt. Nichts liegt uns ferner, als eine Unterschätzung des grundlegenden Wertes der Arbcitereinwandening und der wichtigen Rolle der osteuropäischen Mittelständler, die ja in Palästina durch Kleinhandel und Kleingewerbe zweifellos vielerlei zur reicheren Entfaltung des Wirtschaftslebens beitragen. Notwendig ist es aber, gerade Im Hinblick auf die Bedürfnisse des Außenhandeis, sei es nach Europa und Amerika, sei es nach den Nachbarländern, und auf die Bedürfnisse der künftigen Industrialisicrung, daß all dies landwirtschaftliche und gewerbliehe Schaffen einen festen Rahmen durcii die Finanzkraft, die Methoden und die Erfahrungen west* und mitteleuropäischer Kaufleute erhält. Dabei genügt es durchaus nicht, daß dieser oder jener einzelne Großunternehmer irgendeine Gründung in Palästina vornimmt. Wir brauchen vielmehr an den wichtigsten Plätzen des Landes eine Schicht von Exporteuren und Importeuren, von Bankiers, Spediteuren, Fabrikanten, die den europäischen Ueberseekaufleuten geschäftlich so selten gewordenen hebräischen Inkunabeln, einige Hauptwerke aus dem Reuehlin-Pfefferkornstreit, Memorbürhcr usw. Da die Inkunabeln durch einzelne Blätter aus den! ״Thesaurus Typographiae hebraicae“ ergänzt werden, sei hier nicht versäumt, auf dieses jetzt fast abgeschlossene Reproduktionswerk, eine Großtat jüdischer Wissenschaft, hinzuweisen: es wird von Professor Freimann im Verlage von Marx & Co. herausgegeben und bringt zum ersten Male das gesamte Material der hebräischen Druckkunst des 15. Jahrhunderts in charakteristischen Beispielen. An den Wänden wird In wechselnden Ausstellungen die moderne jüdische Kunst vorgeführt. Wenn wir die Reihe dieser Werke Überblicken, von Liebermann und Israels bis zu Jakob Steinhardt und der Rahel Szalit, so müssen wir mit Befriedigung feststellen, daß die Juden auch auf diesem ursprünglich für sie fremden Gebiet Wertvolles geleistet haben, wob«' es eine Frage für sich ist, wie weit hier wirklieh Jüdisches geleistet worden ist. Für uns ist noch von inhaltlichem Interesse, daß das bekannte Herzi-Porträt von Struck ein Gegenstück in Budbos wohlgetroffenem Bildnis von Chajlm Weizmann erhalten hat. Alle diese Dinge werden noch ergänzt durch die umfangreiche Sammlung von Kunstblättern und Abbildungen, die in den Schränken aufbewahrt, aber von der Direktion bereitwillig zugänglich gemacht werden: Bilder zur jüdischen Gcschichte und Kultur,• Porträts bedeutender Juden aller Zeiten. Abbildungen von Synagogen u. dgl. So dankbar man das bisher geleistete anerkennen muß, so muß doch gesagt werden, daß diese Sammlung nicht mit anderen dieser Art konkurrieren kann und daß Berlin hier weit hinter anderen Städten zurürkstehi zumal nachdem jetzt die bedeutendste Privatsammlung jüdischer Kunst Berlin verlassen und den unvermeidlichen Weg übers große Wasser angetreten hat. Gerade dieser unersetzliche Verlust weist darauf hin, wieviel hier noch zu tun bleibt, und läßt bedauern, daß für diesen Zweck so wenig Geld, besonders keinerlei Stiftungen zur Verfügung stehen. Es steht hier eine jüdische Kulturabgabe vor uns, die allen Anspruch darauf hat, nicht nur mit geistiger Anteilnahme, sondern auch mit materiellen Mitteln gefördert zu werden. K. F r e y e r. durchaus gleichwertig sind, außerdem aber noch den Vorzug für sich und für uns besitzen, daß sie mit ihrer ganzen Existenz im Lande wurzeln. Wie so vieles andere, was man von der Gegenwart nicht im gewünschten Grade habet! kann, ist auch das eine Frage der Erziehung. Wo die Uebersiedlung eines mittel- oder westeuropäischen Unternehmers aus Motiven zionistischer Weltanschatiung nach Palästina möglich und auch wirtschaftlich wie persönlich zu verantworten ist, dort müssen alle fn Frage kommenden Instanzen einen solchen Pian tatkräftig unterstützen. Die Altersgrenze läßt sich nicht genau limitieren. Mancher ist mit dreißig Jahren schon zu alt, mancher mit vierzig noch höchst elastisch. Damit darf es aber nicht sein Bewenden haben Daneben, daß wir unsere jüngeren Kaufleute und Industriellen, deren Aussichten in der europäischen Welt der Krise und der Dekadenz oft alles andere als rosig sind, zur Uebersiedlung nach Palästina ermutigen — und zwar auf Grund umfassender persönlicher Vorbereitung —, daneben wird es auch notwendig sein, in Palästina selbst einen Stamm von Kaufleute״ heranzubilden, die einst der zuverlässigste Grundstock einer bodenständigen, leistungsfähigen jüdischen Unternehmerschaft in Handel, Industrie und Bankgewerbe sein können. Das ist im wesentlichen eine Frage des Schulwesens und der Lehrlingsausbildung. Es muß ermöglicht werden, daß künftig ein Kaufmann, der seine Existenz nach Palästina verlegt, unbedingt vertrauenswürdige Mitarbeiter im Lande selbst antreffen kann, ohne auf zwelfethafte Levantiner angewiesen zu sein. Dazu fehlt heute vorläufig noch vieles. Das Schulwesen Palästinas nimmt auf diese praktischen Forderungen einstweilen noch zu wenig Rücksicht. Der einheimische kaufmännische Nachwuchs, den man in den Läden und in den Kontoren der Hafenstädte und Jerusalems antrifft, plappert zwar die verschiedensten Sprachen und weiß auch, wie man orientalische Kunden abzufertigen hat; das ist aber meistens auch alles, und es fehlt in der Rege! die einfachste kaufmännische Bildung, die man in Deutschland etwa von einem ״jungen Mann“ im Geschäft zu verlangen pflegt. Es ist ein schwerer Irrtum unserer Kaufleutc in Palästina, wenn sie mit der billigen Arbeitskraft jener jungen levantinischcn Kommis am vorteilhaftesten auszukommen glauben; ihr Geschäft bleibt dadurch, soweit sie es nicht selbst besorgen, in seinen Methoden imtper zweitklassig. Vor allem aber fehlt dadurch die geeignete Personalreserve für den doch zweifellos in Zukunft zu erwartenden weiteren Ausbau des Geschäftsverkehrs, vor allem auch zur Besetzung der Büros, der Industrie und — das ist ein sehr bekannter Uebelstand — der öffentlichen Verwaltungskörper. Wenn schließlich da ein europäischer Kaufmann ins Land kommt, der weder die Sprachen noch die geschäftlichen Sitten des Orients beherrscht, so wird dieser Mangel für ihn zu einer Kalamität, die die Aussichten sogar eines sehr guten Unternehmens völlig gefährden kann. Also mehr zeitgemäße Ausbildimg in Palästina selbst! Die wirkliche Lösung des Anpassungsproblems liegt aber noch tiefer. Palästina soll das Land unserer nationalen Zukunft sein, die Heimat, die wir für kommende Geschlechter wieder aufbauen. Wer heute selbst nicht nach Palästina gehen kanp, braucht deshalb auf die Verbundenheit mit dem Lande noch nicht zu verzichten. Er kann seine Kinder nach Palästina senden, sfe dort erziehen lassen and ihneti dort mf MB|tltfiged?Epteit*>«Ä■ «fn TfclMebt l1»:3selfKp. Kindern fort. Wir meinen, daß noch mehr dafür geschehen müsse, um die junge Generation der jüdischen Erwerbsschichten Mittel- und Westeuropas, denen die eigene Ueber- Siedlung erschwert ist, nach Palästina zu verpflanzen. Auch das ist in der Praxis eine Frage des Schulwesens und der kaufmännischen Ausbildung in Palästina, vor allem aber doch eine bedeutsame persönliche Entscheidung der Eiten!, die mit ihren Kindern das Beste, was sie besitzen, für den Aufbau des Landes hergeben. Ist das aber wirklich ein allzu schweres Opfer? Ist es überhaupt ein Opfer? Ist es nicht vielmehr eine Wohltat an unserer Jugend, wenn wir sic aus der drückenden europäischen Atmosphäre in die reinere Luft des Landes bringen, wo selbst die schwerste Arbeit mit dem Spaten nicht den Schützengräben des Krieges und des Todes, sondern den Aecfcern und Fruchthainen gi?+, die unserem Volke Leben und Frieden bedeuten? Der Präsident der politischen Exekutive der Weltorganisation ״Agudas JLsroei“, Herr Jacob Rosenheim, ist am 15. März von seiner Propagandareise nach Amerika zurückgekehrt. Dss jüdische wissenschaftliche Institnt Vor einer Versammlung von Interessenten in Berlin referierte dieser Tage Herr Dr. M. Weinreich aus Wilna über die Arbeiten des jiddischen wissenschaftlichen Instituts. Er berichtete über die umfangreichen Leistungen der verschiedensten Sektionen des Instituts, insbesondere über die Arbeiten der Wilnaer Abteilung, die eine reichhaltige Sammlung auf dem Gebiete der jüdischen Folklore, Terminologie und Bibliographie angelegt hat. Das Institut besitzt jetzt außer in Berlin Abteilungen in Polen, Litauen, Lettland, Estland, Amerika, Argentinien und unterhält Verbindungen mit Rußland, Südafrika usw. Etwa 100 Korrespondenten i!1 allen Teilen der Welt beschäftigen sich mit der Sammlung von Materialien' für das Institut. Die Abteilung ״Folklore“ besitzt bereits etwa 3000 Nummern, darunter zahlreiche Volkslieder (mit Noten) und Sprüche von seltenem Wert, die der Vergessenheit entrissen wurden. Terminologisches Material über Naturwissenschaft, Medizin, Hygiene und aus dem Felde des Handwerks werden gesammelt. Demnächst erscheint der erste Band ״Schriften des jiddischen Instituts“, ein philologisches Sammelwerk im Umfang von 40 Bogen. Von dem Journal ,,Jiddische Philologie“ sind bereits 6 Nummern erschienen. Ein historisches Sammelwerk mit unschätzbarem neu aufgefundenen Archiv-Material, betreffend die großen historischen Gemeinden in Polen und Litauen (Wilna, Warschau usw.) ist in Vorbereitung, ebenso ein Sammelwerk mit ökonomischem Material. Mit den sehr geringen Mitteln, die dem Institut jetzt noch zur Verfügung stehen, wurde eine immense Arbeit vollbracht. In der letzten Schrift von ״Die Neue Bücherschau“ (3. Folge d. Schrift, Herausgeber Gerhard Pohl) erschien ein offener Brief von Henri Barbusse gegen Frifz. von Unruh mit einer klaren Analyse der wichtigsten Zeitströmungen. Ferner Beiträge von Kersten (über Barbusse), Agnes Smedley (über Indiens Nationaldichterin Sarojini Naidu, mit Lichtbild) usw. Die ungarische Akademie richtete an den in Palästina lebenden hebräischen Dichter Avigdor Hameiri (Feuerstein) ein herzliches Dankschreiben für seine meisterhafte Ueber• tragung von Madachs ״Tragödie des Menschen“ ins He• bräfcche. , »!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.