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Jüdische Rundschau · 1926-03-23 · Heft 23 (23.3.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 23 (23.3.1926)
Date
1926-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 170 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 23 Kanzcssioiisinhabcr in Oalizien). Diese Frage beschäftigte stundenlang das Plenum und den Permanenzausschuß, sie drohte die Konferenz zu sprengen, den Bemühungen des Zentrums gelang cs aber fast in letzter Stunde, einen Ausgleich zu finden, der nach langem Hin und Her akzeptiert wurde. Die letzte politische Resolution erklärte die Veröffentlichung der ״Ugoda“ für ״zweckmäßig“ und forderte die zionistischen Abgeordneten auf, im Einverständnis mit dem zionistischen Oberrat die nötigen Schritte Im jüdischen Spezialklub zu unternehmen. Auch in der Sache selbst kam cs schließlich zur Einigung. ’ Das große Verdienst der Zentrumsgruppen und die Bedeutung der gefaßten Beschlüsse liegt darin, daß man eine Plattform fand, die alle mehr oder weniger befriedigte, wobei selbstverständlich beide Flügel gezwungen wurden, ihre radikalen Forderungen aufzugeben, sowie keine offizielle Interpretation der politischen Resolutionen zu veröffentlichen. Als Plattform diente die Deklaration, welche knapp vor der Tagung der neu gewählte Präsident des jüdischen Seimklubs, AliHartglas, abgegeben hat. Schon die Persönlichkcit des neuen Präsidenten war eine Einleitung zum Frieden. Als politischer Freund des Abg. Grünbatitn, ein Mit- Schöpfer des Helsingforser Programms, einer der mutigsten Kämpfer in den zionistischen Reihen und kleinlichen Ambitionen unzugänglich, war er der bisherigen Opposition vollständig genehm. Sein makelloser Charakter, der Mange! an Gereiztheit, große persönliche Sympathien bei allen Kreisen, allbekannte Tüchtigkeit und große Arbeitsamkeit und nicht zuletzt seine wannen innerlichen Beziehungen zur polnischen Gesellschaft und Kultur — haben auch seine politischen Gegner gezwungen, ihn als den im jetzigen Zeitpunkt richtigen Manu 8m richtigen Platz anzutrkennen. Die Deklaration des Abg. Hartglas, die von der Konferenz gut geheißen und inzwischen auch vom jüdischen Sejmklub zur Kenntnis genommen wurde, stellt sieli auf dem Standpunkt einer offenen und mutigen jüdischnationalen Politik der Regierung gegenüber, betont das Vorhandensein eines Verstand«- gungswilleus bei den Juden und verwirft nicht prinzipiell die Möglichkeit einer Verständigung mit der Regierung, will diese aber nicht um den Preis des Verzichtes auf die den Juden auf Grund der polnischen Verfassung und des Versailler Minderheitsvertrages zugebilligten Rechte erreichen, und unterstreicht endlich die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens mit den nationalen Minderheiten, nur aber im Einklang mit den jüdischen Interessen und mit Ausschluß der Fälle, wo die Integrität des polnischen Staates bedroht wird. Nach Anerkennung dieser Deklaration und Erteilung des Vertrauensvotums an den Abg. Hartglas erklärte die Tagung, daß die Regierung weiter ihre Vernichtungspolitik den Juden gegenüber betreibt, die Verpflichtungen vom 4. Juli 1925 nicht erfüllt und daher die zionistischen Mitglieder des ״Kolo“ aufgefordert werden, im Sejmklub durchzusetzcn, daß die jüdische parlamentarische Vertretung zur Opposition übergehe. Der auf diese Weise zustande gekommene Kompromiß besteht darin, daß keine Resolution betreffs der Nationalitäten- Politik und keine ausdrückliche Verurteilung des Vcrständigungsaktes vom 4. Juli 1925 beschlossen wurde und andererseife die Reichgruppe die Forderung nach einer Oppositions- VMitlk akzeptiert hat. »ontetisehe ״Locarno“ scheint . erreicht worden zu der zionistischen Organisation Polens wurde gerettet, die groß* ten Hindernisse (wenn auch nicht alle) wurden aus dem Wege geräumt. Nachdem sich die allzu erregten Gemüter wieder beruhigt haben, wird der Zeitpunkt für den weiteren Ausbau der vereinigten Organisation, für den engeren Zusammen- Schluß sämtlicher zionistischer Kräfte gekommen sein. Wir glauben, daß in angestrengter zionistisch-palästinensischer Tätigkeit vielleicht der wirksamste Weg zur Annäherung und Versöhnung der landespolitisch gespaltenen Allgemeinen Zionisten vorhanden ist. Die von der Konferenz proklamierte Aktion für den Monat der zionistischen Organisation sollte bald die günstigste Gelegenheit hierzu bieten. Die Palästina-Regierung hat eine Kommis ion eingesetzt, um ein Grundsteuergesetz auszuarbeiten, das die Stelle des veralteten Zehent cinrichmcn soll. Vorsitzender der Kommission ist Mr. Johnson, der Vizeschatzmeistcr der Palästina-Regierung. Zeitschriftenschau In Nr. 11 der ״Literarischen Welt“ (Verlag Ernst Rowohlt, Berlin) untersucht der Herausgeber Willy Haas im Anschluß an zwei Theaterstücke das Problem des literarischen Juden inner halt) des preußischen K u 11 u r k r e i s e s. Er findet die Beziehung zwischen Preußentum und Judentum darin, daß beide in gewissem Sinne Arrives sind und daß der etwas später Arrivierte (Jude) dem etwas früher Arrivierten (Preußen) blind nachläutt. Unter diesem Aspekt bespricht Haas zunächst R e h f i s c 11 s ״Duell am Lido“ (Staatstheater) und resümiert folgendermaßen: ״Es ist der Fluch des Judentums, daß es alles, was es nachmaclit, besser macht als sein Vorbild. Dieses ironisch(• Naserümpfen, dieser sexuelle Zynismus, dieses Sich-überlcgen- Fühlen, dieser kesse Monokelblick auf Welt und Menschenleben ist nicht mehr zu übertreffen. Wenn man einmal alle kalten Schnauzen in Preußen mit dein Thermometer messen wird, so wird sich herausstcllen, daß die kälteste die eines jüdischen Literaten ist. So gut können die das schon. Es ist sozusagen die moralische Metamorphose des Juden zum Preußen. Als letztes Ressentimentprodukt eino־ verratenen Seelenwelt schwimmt irgendwo noch die Haßfigrr eines preußischen Sektionsrates herum, der von allen Oaimen׳ der schlimmste ist. Die einzige Unehrüchkeit in dieser tiefehrlichen ,neupreußischen‘ Komödie.“ Dann kommt Ludwig Berger an die Reihe, dessfft ״Königin Luise“ bei Saltenburg gespielt wird. Uebcr iln schreibt Haas: ״Der Fall Ludwig Berger liegt bedeutend einfacher. Fa Ist nicht die moralische, sondern die ästhetische Meta■ inorphose des Juden zum preußischen Geist. Ihm gefalle^ könnte man sagen, die altpreußischen Uniformen besser ah ein Kaftan, was nicht unverzeihlich ist; und da in diese 1 aitpreufiischen Uniformen auch ein altpreußisches Herz, schlag", so nimmt er es in einem Aufwaschen gleich mit. Im übrigcfl bleibt alles beim alten — beim alten, guten, goldenen jüdischen Gemüt. Berger kommt direkt ans dein ästhetischen Salon der Rahcl. Das moralisch Bedenkliche liegt hier in der Unbedenk- B-־111־eir, mit der der Arrive das ',,Vornehme“ in Sack und PacK . ohne die leiseste Arwandlun״ einer Neugier, diesen Zur Frage der Chewrat-Nir Von Rudolf Samuel, Breslau. Die Frage der Chewrat-Nir, die in Palästina die Ocffcntlichkcit stark beschäftigt, ist im Oaluth- Zionismus fast unbekannt. Wir glauben, daß der nachstehende, aus den Kreisen des Hapoel-Hazai'r staminende Aufsatz, der den Standpunkt der Arbeiterschaft darlcgt, aufklärend wirken wird. — Red. Die unter dem Namen Chewrat-N'ir ncubegründete Faderafion der landwirtschaftlichen Arbederbctiiebe ist in den letzten Wochen mehrfach in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt. Dabei spielte vornehmlich die Frage eine Rolle, ob die Verträge des Keren! laiessod mit den einzelnen Bctrieben oder mit der Gesamtheit der Betriebe, eben der Chewrat-N'ir, .abgeschlossen werden sollten und ferner, wie weit die Autonomie der einzelnen Betriebe innerhalb der Chewrat-N'ir gesichert werden solle und könne. Auch ״Haolam“ hat in einer seiner letzten Nummern mit offener Mißbilligung auf den Versuch der Arbeiterschaft hingewiesen, ein!ligenkapital der Chewrat-Nir zu schaffen, da er eine Beeinträchtigung der Keren Hajessod-Sammluiig von derartigen Aktionen befürchtet. Wir wollen in möglichster Kürze im Nachfolgenden den Versuch machen, zu zeigen, daß es sich bei der Gründung der Chewrat-Nir nicht um' eine Marotte von Dogmatikern handelt, sondern um eine prinzipielle Frage, deren g.uadsätzli'.'he B.d.u.nng außero deutlich bideutsamist. Wir glauben, daß der Diskussion nur damit gedient wird, wenn alle an ihr beteiligten Parteien die große Bedeutung der Frage erkennen und dann den Standpunkt der Arbeiterschaft besser zu würdigen wissen. Die Bedeutung der Chewrat-Nir für die Arbeiterschaft ist eine doppelte. Die Gründung der Chewrat-Nir bedeutet zunächst in der Tat einen ersten Versuch, mit der Soziatisierung der Landwirtschaft zu beginnen. Wir wissen alle, daß die Arbeiterschaft in Palästina in ihrer weitaus überwiegenden Majorität, zu mehr als 93 <>, sozialistisch eingestellt ist und eine sozial.stische Wirtechaft erbauen will. Genau so wie wir in unsere Rechnung die Tatsache, daß die Juden in ihrer Mehrzahl Städter sind, als e.n Faktum eln-ietzen müssen, genau so ist es eben schlechthin eine Tatsache, daß der Chaluz im allgemeinen Sozialist ist. Bisher jedenfalls hat der Zionismus versucht, diese soziali;'.!:,che Finstellnng als eine zusätzliche Triebkraft für alle die auf Chahizfm aufgebauten Unternehmungen auszunützen und hat dabei, wie uns scheint, keine schlechten Erfahrungen gemacht. Für den, der an der Objektivität dieser Zeilen zweifelt, sei nur an Piuners Aufsätze erinnert. _ Was also bedeutet 1!.1!1 die Chewrat-N'ir für den sozialistischcn Aufbau der Arbeiterschaft? Die Bedeutung der sozialistischen Wirtschaft Hegt auf ökon mischen« Gebiet. Es ist einfach die Frage, ob die heutige Wirtschaft im Interesse der Vclksgcsanitheit im Sinne der größeren Zweckmäßigkeit umgestaltct werden kann. Wir Sozialisten glauben diese Frage bejahen zu können. Alle Versuche, eine Steigerung dor Produktion durch Rationalisierung zu erzielen, werden in der heute herrschenden Eigcntumsordnung auf das kleine Gebiet der Rationalisierung des einzelnen Betriebes beschränkt. Sozialisinus bedeutet nichts anderes, als dieses Prinzip sinngemäß auf die Gesamtheit der Volkswirtschaft anzuwenden. Eine dadurch um das Mehrfache gesteigerte Erhöhung der Produktion, vornehmlich auch der lcbensw« •htigen Güte״, br'cutef aber einen bedeutenden Beitrag zur Lösung der sozialen Frage. Demnach bedeutet Sozialisierung die Herstellung einer Wirtschaft, die nicht in zahl'oze einzelne und unabhängige Betiiebe zersplittert ist, sondern die einen einzigen und einigen Gesamtbetrieb darstellt: Die sogenannte Gemeinwi tschaft, di נ von Vtrjretera. i>4® ty<W# ..des. -VAm, d; ־yütviltef־ Wd. '־’Denn hör «' einet» sSKfeb-, Gesamtwert'(®T ist es möglich, über den Rahmen des einzelnen Betriebes hinaus die Prinzipien der Rationalisierung durchgreifend anzmvenden und die zahllosen Hemmungen der heutigen anarchistischen Wildwirtschaft zu beseitigen. Sozialisierung bedeutet, die Gesamtheit aller Betriebe eines bestimmten Wirt- Schaftsgebietes im Rahmen eines festgelegten Wirtschaltsplanes zu einer Einheit zusammen zu fassen. In Palästina ist das Problem der Sozialisierung für die jüdische Arbeiterschaft noch bedeutend komplizierter. Von einer Sozialisierung der palästinensischen Wirtschaft kann nicht die Rede sein. Auch die jüdische Wirtschaft in Paläst'na kommt, wie die Verhältnisse heute Hegen, nicht einmal für eine planmäßige Vereinheitlichung zum Zwecke der Rationalisierung und noch viel weniger für eine wirkliche Sozialisierung in Betracht. So bleiben also die autonomen Betriebe und Siedlungen der Arbeiterschaft übrig. Diese aber bilden kein einheitliches, nicht einmal ein territorial zusammenhängendes Wirtschaftsgebiet, schaffen werden. Der Zusammenhang muß erst künstlich gc- Zu diesem Zwecke wurde vor zirka drei Jahren die Chewrat-Owdim geschaffen, die alle Betriebe der Arbeiterschaft, die Kwuzoth und Moschawe-Owdim ebenso wie den Solelb neh Zusammenschlüßen soll. Auf dieser Basis wäre es dann möglich, die Prinzipien der Oemeinwirtschaft für die Gesamtheit der Arbeiterbetrk-bc in Anwendung zu bringen. Prinzipien, von denen wir nur die Bcdarfsdeckungs- Wirtschaft und den naturellen Austausch erwähnen vollen. Es fehlt _ natürlich hier an Raum, zu zeigen, wie die Cfjewrat- Owdim später ausschen soll. Aber man kann sich auch ohne Einzelheiten vorstellen, daß cs möglich ist, eine gemeinsam wirtschaftende Einheit der Arbeiterbetriebe herzustellen. Die Häuser einer Kwuzah wären vom Solelbaneh gebaut, die Genossen eines Moschaw tragen Kleider, die in einer Kooperalive in Tel-Awiw hergestellt wurden und die Mitglieder dieser Kooperative oder des Solelboneh in den Städten verzehren die Produkte der landwirtschaftlichen Siedlungen der Chcwrat- Owdirn. Es Ist trotz der territorialen Zersplitterung prinzipiell möglich, die sämtlichen Arbeiterwirtschaften zu einer Wirt- Schaftseinheit zusammcnzuschließen, die nur mit dem Ueber* schuß ihrer Produkte und durch den Import derjenigen Güter, die sie nicht selbst herzustelien vermag, am offenen Markt beteiligt ist. Gellt man nun an die Durchführung, so ist es von vornherein selbstverständlich, daß die Chewrat-Owditn sich Tochtcrgcseilschatten bilden muß. Das berechtigte Streben der einzelnen Betriebe nach möglichst weitgehender Autonomie macht das ebenso notwendig, wie die komplizierten Probleme einer neuen Wirtschaftsvcrwaitung. Eine dieser Unterabteilungen muß natürlich die Föderation aller landwirtschaftlichen Betriebe sein. Das aber ist gerade d.c eine Bedeutung der Chewrat-Nir: Sie ist e.n integrierender Bestandteil der zukünftigen Gancimvirtschaft der palästinensischen Arbeiter. Fällt sie, so ist die Chcwrat-Owdim und der ganze Plan einer sozialistischen Wirtschaft und eines sozialistischen Lebens für den palästinensischen Arbeiter unmöglich geworden. Den zweiten Gedankengang, der die Notwendigkeit der Chcwrat Nir erweist, können wir noch kürzer andeuten: Es ist bekannt, daß Produktivgencssvnschaften, wenn sie sich im Wirtschaftskampfe überhaupt durchsetzen konnten, sich nach einer gewisser! Zcitspannmig in kapitalistische Unternehmungen umwandeln, die keine neuen Genossen gleichen Rechtes aufnahmen, sondern Lohnarbeiter, die von den Grün dem und nunmehrigen Besitzern der Genossenschaft ausgebcutzt werden. Aus diesem Gedankengang heraus hat man in England die Baugilden, in Palästina den Solelboneh geschaffen. Ihr Charakteristikum ist, daß die Besitzer der einzelnen Genossenschaft nicht mehr die in ihr arbeitenden Genossen sind, sondern die Gesamtheit der Arbeiterschaft, die meistens durch die Gewerkschaft vertreten wird. Wenn wir also selbst von dem weiter gesteckten Ziele einer sozialistischen Gemein- Wirtschaft aller Arbeiterbetriebe abstrahieren, so taucht doch vor uns die Frage auf, was aus den Kwuzofli usw. in Nr. 23 Verstandigu Patriotismu! als der irg« Zusamn rat-Nir aus eminenter E Andeutunge sfändnis nä Pr! Im Sta die zionist zeichnet, k; nügen, sich anzuhören blndung 1 möglichst < daß in de! leute und nach Paläs haben, me tStlgung ei zu suchen, mit guten, Man hätte Siedlung m dem aber Wanderung nehmer na folgt — u schaftlichei sehr einge nehmerkrei Palästina-I! doch so \ Be! di< von vornh _ ... die Fälle ז der!Wagemut!jüdischen *Minderten «ahrtausen licht treni »ernten. I adurch ir itlonsfom en beisti Kaum Intemehn erlegen י isttna di< atürlich < ,crbundeti rechnen teresse nächsten Generation werden wird? Wir haben keinerlei 01 rantic dafür, daß die heroischen Anstrengungen der palästinensichen Arbeiterschaft vom sozialistischen Standpunkt aus nicht vößig zwecklos bleiben, weil sich der Charakter der Siedlungen u, . . in wenigen Jahrzehnten grundlegend verändert So müßte, rer SIC״ auch abgesehen von der Chewrat-Owdim, auch hier eine ähnliche gildcnmäßige Zusammenfassung clnsetzcn. Die ein« zelne Siedlung muß in den Besitz der Gesamtheit der Arbeiterschaft übergeben. Auch diese Aufgabe wird von der Chewrat- Nir gelöst. Wir wollen hier die Frage ganz offen lassen, ob schon heute der geeignete Zeitpunkt ist, an die Bildung der Chewrat- Nir Jicranzulretcn. Jeder, der nicht dauernd im Lande lebt, wird mit jedem Tag, an dem er mehr in die Kompliziertheit der palästinensischen Wirtschaftsverhältnisse cindringf, in seinen Urteilen vorsichtiger werden. Voraussichtlich dürfte der Ablauf so sein, daß die Chewrat-Nir heute formal gebildet wird, tlnd daß sie noch einige Jahre nur eine Sc'iefnexistenz auf dem Papier führt, bis. die lebendige Entwicklung den führer eingefiolt hat Aber darauf kommt es nicht ajt. Grundsätzlich ist die Chewrat-Nir aus dem ganzen Entwicklungsplan der palästinensischen Arbeiterschaft nicht zu streichen. Ein kurzes Wort noch zu den aktuellen Streitfragen: Es ist uns durchaus verständlich, daß der Keren Flajessod, bzw. der so notwendige und hoffentlich bald in Erscheinung tretende Kolonisaticnsionds, die Verträge mit den einzelnen Siedlungen abzuschließen wünscht Der Chewrat-Nir gegenüber wäre er beinahe so machtlos, wie der Lehrer, der eine ganze Klasse wegen gemeinsamer Vergehen bestrafen würde. Gemeinsamer Klassenarrest ist als Strafmittel ziemlich wirktmgslos. Andererseits aber kann die Arbeiterschaft auf die Chewrat-Nir nicht verzichten und es ist sinnlos, einen gruiulsätzlichen Kampf gegen sie und damit gegen d'e Arbeiterschaft zu führen. Sondern hier müssen juristische Formeln gefunden werden, die die berechtigten Interessen beider Parteien wahrnehmen. Möglicherweise sind sie schon in einem Vorschläge Kaplanskis gefunden, von dem wir bisher nur andeutungsweise hörten. Was nun die finanzielle Aktion der Chewrat- Nir angeht, so ist es sehr unwahrscheinlich, daß dadurch den Sammlungen unserer Fonds A.bbruc!1 getan wird. Von Fall zu Fall 'wird man mit der Arbeiterschaft immer zu einer Wertes e allzu leicl schaftskre vom Auft das Mal schäfte, < nicht ent Fertigwa« well ihre nicht ode schäfte, e fahrung 1 Prüfung den Inter daß ihne Hand ge! verzeichn Wunsch lästina z daß der bestimmt Sack auf seinen Inhalt hm zu untersuchen — kauft. Er hätte bei Franz Mehring naclilesen können, wer Friedrich Wilhelm war, wer Louise war, wann!! der preußisch» Hof nach langem, energischem Widerstreben dem Franzoaenhaß des Volkes endlich nachgab. Er hätte vielleicht Mehring nicht glauben müssen, weil Mehring schließlich Parteimann war; aber er durfte auch nLht dem erstbesten königH h-prcuTi eben Schullesebuch glauben, das doch noch in einem viel rabiateren Sinn ״Partei“ ist. Das hat er getan. Etwas derartiges an albernein Nachbeten der Hohcnzollernlegende, ein derartiger Mangel an Blick für die historische Realität und Kausalität ist seit Josef Lauff noch nicht dagewesen. Die vollkommen ästhetische khvcrlorenheit, die vollkommene ethische Gestaltlosigkeit, das aalglatte Hinweggleiten über jede tiefere seelische Hemmung beweist eine kleine historische Reminiszenz: Wie kamt ein Jude von der Schlacht bei Jena sprechen, und vergessen oder nicht wissen oder nicht sprechen wollen davon, daß diese Schlacht bei Jena der grausamste seelische Konfiiktpunkt für jeden Juden ist, der sein deutsches Vaterland liebt — diese Schlacht bei Jena, die den Siegel auf den Freiheitsbrief der deutschen Juden gedrückt hat, der von keinem Friedrich Wilheim und von keiner Louise, sondern vom Erzfeind Napoleon ausgestellt worden war? Den ganzen Zrs'ninienbmch Preußens über die Szene donnern lassen und dieses Nächste, Persönlich- Tragischste spurlos wegradieren: das beweist vielleicht mehr als alles das Unverbindliche, Zufällige, Unnotwendige eines solchen ästhetischen Historizismus.“ Diese Charakteristik scheint uns einen sehr interessanten und in mancher Hinsicht aufschlußreichen Beitrag zur Psychologjc der Assimilation und des sein Judentum bagateiliriercnden jüdischen Literatentums zu liefern. Roman der Juden eine andere Stellung einuimmt. Er ist im Grunde ein Gegenwartsroman. Die jüdische Seele ist im Laufe der Jahrhunderte unverändert geblieben. Und da den Juden die Verwurzelung im Raume fehlt, muß der jüdische Dichter seine Heimat in der Tiefe der Vergangenheit suchen; die Zeit ist gleichsam der jüdische Raum.“ Im ״Berliner Tageblatt“, Abendausgabe d. M., veröffentlicht Walter Zadek ein Feuilleton Die Kuh 18. vom über Max Brods jüdischen Roman ״Reubcni“. und In Nr. 12 der ״Literarischen Welt“ wird im Rahmen einer Gespräche mit Dichtern über das Thema ״Was arbeiten Sie“ enthaltenden Rubrik ein Gespräch von Felix Welfsch mit Max־ K r o d veröffentlicht, worin der Dichter mitteilt, daß er an einem Roman ״Die Frankisten“ arbeitet, der diesem Kapitel der dunkelsten Sektierergeschichte der Juden gewidmet ist. Ferner beabsichtige er eine Erzählung von Jesus und Paulus zu schreiben, deren Grundcharaktere schon '11 ״Heidentum, Christentum, Judentum“, angelegt sind. Der Dichter des ״Rcubeni“ lehnt den historischen Roman als Kunstgattung ab. ״Nur glaubt er, daß gerade der historische Das neue Heft der ״Monatsschrift für Geschichte Wissenschaft des Judentums“ enthält neben mehreren lehrten Beiträgen eine Reihe von Aufsätzen von allgemeinem Interesse. Fast jedes Heft der Monatsschrift beginnt mit einer Uebersicht über die Fortschritte der Forschung auf einem bestimmten Arbeitsgebiet. D'esmal wird ein Rückblick auf die neue Religionsphilosophie geworfen, insbesondere auf Forschungen von Cassirer und Nikolai Flartmann, über welche Dozent Dr. Lewkowitz - Breslau berichtet. Sehr lehrreich sind die textkritischen Bemerkungen zum Gebetbuch, welche Professor Eduard B a n e t h - Berlin beigesteuert hat. Die Besprechungen beginnen mit einer Uebersicht über neuere Belletristik aus der Feder von Fräulein Dr. Barschak- Berlin, die zwar der Eigenart der Monatsschrift entsprechend sehr knapp gehalten 1st,_ aber z. B. Brods Reubeni aus der Lebensanschautin״ des Dichters heraus in sehr beachtenswerter Weise beleuchtet. Man abonniert die Zeitschrift, indem man die Mitgliedschaft der ״Ge- Seilschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums“ erwirbt, am einfachsten “durch Einzahlung des lahreslHtragcs von 8 M. auf das Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030. Cofim. Soeben erschien das vierte Heft der Zeitschrift der akademischen zionistischen Jugend in Polen ״Cofim“. Das Heft enthält Aufsätze von Dr. Berkelhamm r ״Der jüngste Messias“: Martin Buber ״Nachahmung Gottes“; Sen. Dr. Ringel ״Chaluzim und dte Oaribaklisten“; Dr. Arjch Tarta• kower ״Einige Worte Wahrheit“; Dr. N. M. Gelber ״Del vierjährige Sejm und die Judenfrage“. Preis 0.S0 Zloty Redaktion und Administration; Krakow, Stradoni 15. Nacl der Ber sa m nt 1 des groi begrüßet Kenntnis Schmuck leistet, v auf dem worden forschun; wohnt, gewinne! gegenstä forschun Einbezie wir uns auf jüd engeren s c h i c 11 hier gel ästhetisc muß di bedeute« Mit wenn v synagog Alten S die für Wimpel! bilden dienst es Die D< reichen bäischei Kleinfu! 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