Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 23 (23.3.1926)
- Date
- 1926-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W IS, Mekiekestraße 10, Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich!L25 Goldmark. Aott*ndSÄbonn«BanH werden י1י der ^äkrtuii der eittselnen Uuarieg berechnet >Mnnuner 23 | Berlin, 23. III. 1926 Anzeigen - V erwalttmg Jfidische Rundschaa G.m.b.lL, Berlin W15, Mciaekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. A üfftigtHiprel•: 8 ^••p&U^OBpajreiiieeeUe 0,30 SUtilcagciucbe 0,25G,-M. An*«i߀ascJifaß: Dienstag «ad frort *g anehmt ttag 4 11 b r. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. bur Oetkerreidb P0Btap»1k**.5cn*mt V&׳!en, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei•. Posisparkaftsesamt Prag, Koste Nr. 59410. Für Polen Postspaxkasacnami Wanchau. Konto Nr. 190768. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. mmmmmmmmmmmmmmmmm ח# ניכז* חריס״י » xxxl jahfg■ D•» Zionismus erstreb« für du lOcilsche Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.** Frankreich und Palästina Paris, 19. März. (J-T.A.) Die Gesellschaft ״Frankreich- Palastina״, zu deren Mitgliedern «eie französische Staatsmänner, Gelehrte und Künstler gehören, hat für den 31. März zu einer großen öffentlichen Kundgebung für das jüdische Palästina eingeladen. Edouard H e r r i ot wird der Hauptredner in dieser Versammlung sein. Neben ihm werden noch sprechen: Justin Godart, der Präsident der Ge- Seilschaft, sowie P. L. Couchoud, der ״Eindrücke aus dem jüdischen Palästina“ wiedergeben wird. Die Gesellschaft ״Frankreich-Palästina“ steht unter dem Patronat des Präsidenten der Republik, Doumergue. Ehren- Präsidenten sind: Briand, Hcrriot, Jules Cambon, P'ainleve und Poinearö. Die Lage in TransIorianieB Jerusalem, 17. März. (J. T. A.) Heute, am Vorabend der Verkündung der Verfassung Transjordaniens als selbständigen britischen MandatsterrLoriums unter der Herrschaft des Emirs Abdullah, weiß die Zeitung ״Merat ei Scberk“ zu melden, daß die Mehrzahl der großen Stämme Trans Jordaniens, unter ihnen auch der einflußreichste Eni bakhr-Stamm, der im Kriege für Großbritannien gestritten hat, sich gegen die Herrschaft Abdullahs auflehnen und Verhandlungen mit dem Wahabiten- Sultan und König von Hedschas, Ihn Saud, führen, die darauf hinzielcn. daß Ibn Saud Ln Transjordanien einmarschiert, dem Emir Abdullah absetzt und selbst die Herrschaff über Transjordanien antrift. Die Unzufriedenheit mit dem Regime. Abdullahs hat schon in Transjordanien zu Aufständen geführt. Der vor zwei Jahren ausgebrochene Aufstand des großen Adwan-Stammes onnte nur mit Hilfe der britischen Luftstreitkräfte unterdrückt werden. Ibn Saud selbst hat schon Ende 1924 Wahabitenstreitkräfte nach Trans jordanien geschickt, die die Stadt Azrak, 5 Stunden von Amman entfernt, besetzten, aber dann freiwillig das Land verließen. Die kample 10 Syrien Jerusalem, 16. März. (J.T. A.) Die aufständischen Druse« überfielen in der vergangenen Nacht das von Christliehen Arabern bewohnte Dorf D i r m i m o s, unweit der IÜdischen Kolonie Me'tullah, der nördlichsten Siedlung Pa- Istinas. Die Rebellen brannten viele Häuser des Dorfes nieder und töteten einen Einwohner. Fast sämtliche Häuser wurden geplündert und zahlreiches Vieh fortgeschleppt. Da . jdBe Rebellen hagfizf ' hielten, bombardierte die י» ipP#׳.׳ die״■ Drusen •zürn, .Rückzug. י ' Die Aaswandernng ans Palen nach Palästina Warschau, 15. März. (J.T. A.) 350 Juden aus Polen haben gestern mittels Sonderzuges die Reise nach Palast in a angetreten. — Ira Monat Februar sind 930 Personen aus Polen nach Palästina ausgewandert. Einer Mitteilung der parlamentarischen Auswanderungs-Kommission zu folge ist im Jahre 1925 etwa die Hälfte aller Aus- Wanderer aus Polen (15 000 von 32000) nach Palästina ausgewandert. Erö&mmg der lädehenlarm Jerusalem, IS. März. (J. T. A.) Die Landwirtschaffsschule für Mädchen in Nahalal wird am 8. April von Lady Samuel, der Gattin des früheren Oberkommissars, eröffnet werden. Lady Samuel, die bereits die Reise nach Palästina angetreten hat, wird eine Eröffnungsansprache halten. Hernach wird Dr. W e i z in a n!1 sprechen, der die ganze Zeremonie leiten wird. (Die Mädchen-Schulfarm in Nahalal wurde von der Weltorganisation zionistischer Frauen begründet. Für Bau und Einrichtung wurden bisher 7000 C ausgegeben; 230 € werden monatlich zum Schulbtrdgct beigesteuert werden. In der Farm sind gegenwärtig 40 Mädchen nebst dem entsprechenden Lebrpersonal untergebracht. Demnächst werden wieder s' etwa 30 Mädchen aufgenommen werden.) Die Jodes in der Türkei Kürzlich begab sich eine jüdische Abordnung, bestehend aus dem früheren Deputierten für Smyrna Maziiach, Prof. Avram Galante von der Konstantinopeler Universität, Gad Franco, Simon Lew und Henri Soriano, nach Angora, um bei Mustapha Remal Pascha und den Mitgliedern der Regierung gegen die antisemitischen Ausfälle der türkischen Presse 251 protestieren und die Loyalität der türkischen Juden?um Ausdruck zu bringen. Die Abordnung ist nun nach Konstantinopel zurückgekehrt und erklärte, sowohl der Staats- Präsident, als auch die Mitglieder der Regierung hätten die Juden als loyales und dein Lande nützliches Element anerkannt. Während des Aufenthaltes in Angora überreichte die Abordnung der Regierung ein Projekt betreffend das Verwaltungssystem der jüdischen Gemeinden auf Grund des neuen Gesetzes über die Trennung von Kirche und Staat. Dieses Projekt wurde von einer Kommission ausgearbeitet, die von der Konferenz aller jüdischen Gemeinden der Türkei eingesetzt worden ist. Die Regierung billigte das Projekt. Die türkische Presse hat nunmehr auch ihr Verhalten zu den Juden geändert. Die Zeitung ״Djoumhouriet“, die mit der Hetze begonnen hat, stellt jetzt fest, die Türkei werde in der Behandlung der Juden niemals auf die Stufe Rumäniens oder Polens sinken. »12 WelthoBlereiz des fleeliaiuz Am Sonntag, den 21. Märr, begann in Danzig die Konferenz der Weltorganisation ״Hechaluz“, an der Delegierte aus allen Ländern teilnchmen. Als Vertreter der Palästina״ Lehen Arbeiterorganisation (Histadruth haowdim) nehmen Ben G urion und Arlosorof f an der Konferenz teil. Die Konferenz der Allgemeinen Zionisten Polens Vorherrsdiail der LandespollüK - Pal&sffna - fragen - Der Ausgleidi Vonunserem Korrespondenten. g. Warschau, 17. Marz. Man darf wohl ohne Uebertrcibung behaupten, daß die gestern geschlossene 2. allpolnische Konferenz der allgemeinen Zionisten alle bisherigen zionistischen Tagungen an Heftigkeit, Kampfesstimmung, Leidenschaftlichkeit und tcmpcramcntvolle Beratungen übertroffe» hat. Noch nie haben 240 Delcgierte aus sämtlichen Teilen des Landes mit solcher Energie und physischem Kraftaufwand (Iris zum Heiserwerder!!) art zionistischen Beratungen teilgenommen, selten ist eine jüdische Masse in einem Lahde mit solcher Spannung zionistischen Verhandlungen gefolgt. Und doch galt es am wenigsten allgemeinen zionistischen Problemen und Dingen. Dies ist vor allem nachdrü'cklrchst festzusteltcn. Wir sind von jeher gewohnt, an zionistischen Tagungen in allererster Linie rein zionistische Fragen zu behandeln, um dann zu den Fragen der Landespolitik überzugehen. In Warschau war es diesmal ganz, ganz anders, und diese Tatsache allein bezcichnet schon genug scharf die gegenwärtige Situation im polirischen Zionismus. Der Zusammenhang mit der zionistischen Weltbewegung und den Fragen des palästinensischen Aufbaus wurde natürlieh festgestellt. Schon die Anwesenheit des Vertreters der zionistischen Leitung, Herrn Dr. H a n t k e, und seine Begrüßungsrede im Namen der Londoner Exekutive war ein Beweis des bestehende« Bandes. Aber schon bei Feststellung der Tagesordnung der Konferenz, die nach Vorschlägen des Oberrates auch Referate und Debatten über die ökonomischen Probleme Palästinas, Keren Hajessod, Keren Kajemcth, Kulturarbeit u. a. enthalten hat, protestierte scharf dagegen Abg Dr. Reich mit dem Hinweis, daß laut Vereinbarung diese Konferenz sich nur mit landespoljtischen Fragen zu beschäftigen hat. Dieser Meinung wurde zwar scharf entgegengetreten, aber dies ändert an der Tatsache gar nichts, daß die zionistischen Fragen nur deshalb im Plenum behandelt wurden, um — wie paradox es auch klingen mag — den politischen Debatten (im Permanenzausschuß) keine Beschränkung attftwriegea. whige zioÄ&cbe Phjhle«*e überließ. Wan' öfcr geben, Während me "״rifi'lfer*4'im N#e«$ail; 'ifnilaiF' Bis* kämpften. Die Delegierten waren sieh dessen bewußt und gaben ihrer Unzufriedenheit darüber manchmal sehr lauten und stürmischen Ausdruck. Dies war nur eine Widerspiegelung der tatsächlichen Lage, und einzelne Referenten und Diskussionsredner stellten nachdrücklichst mit tiefem Bedauern fest, daß die zionistischen Führer Polens neun Zehnte! ihrer Energie und Zeit der Landespolitik widmen. Es genügt, zwei abgegebene Erklärungen festzuhalten, um den ganzen Ernst der Situation zu begreifen. Der Präsident des Keren Hajessod-Direktoriums in Polen, Dr. K1 u m c 1, stellte in seinem Berichte fest, daß schuld an den Rückgängen der Einnahmen des K. H. in Polen nicht so sehr die allgemeine wirtschaftliche Krisis, als hauptsäch• lieh die Krisis im zionistischen Lager Ist. Und der Vorsitzende der Oberrates Lewite erklärte in seiner Eröffnungsrede bei Besprechung der Bedeutung der letztens gegründeten polnisch-palästinensischen Handelskammer, dieser wichtige zionistische Arbeitszweig konnte nicht gehörig gepflegt werden, da keine einzige einflußreiche zionis tische Persönlichkeit sich damit beschäftigen wollte. Und doch zeigte die Debatte, daß die Provinzdeiegierfen für diese zionistische Frage lebhaftes Interesse bekunden, die Wichtigkeit zionistischer Propaganda und Geldsammlungen vollauf würdigeil und all ihre Kräfte in dieser Richtung anzustrengen bereit sind. Möchte man sie nur rufen! Dieser Teil der Beratungen hat sonst die in unserer Weltbewegung geführte Diskussion an Meinungen und Vorschlägen nicht bereichert Interessant wäre vielleicht nur zu erwähnen, daß beide Referenten über die Palästinaarbeit, Lewite und Dr. Schmorak (Ostgalizien) in ihren Ausführungen sehr stark das wirtschaftliche Palästinaprogramin der ״Et LiwnoF'-Gruppe verteidigten, H. Lewite die wirtschaftliche Krisis in Palästina der Konzentration der jüdischen Arbeiter in Tel-Awiw zu Lasten schrieb und (all dies auf Grund neuester authentischer Nachrichten) feststeilte, daß diese Arbeiter die Stadt nicht verlassen wollen und daher ohne Beschäftigung sind. Ferner meinte Lewite, daß die Angriffe auf den vielgcschmähten ״Geschäfts- Zionismus“ unbegründet seien, Palästina kann mit nationalem Kapital nicht aufgebaut werden, man müsse den Export palästinensischer Waren mit allen Kräften unterstützen. Dr. Schmorak besprach in seinem Korreferate die letztgefaßten Beschlüsse der landwirtschaftlichen Arbeiterkonferenz in Haifa über den ״Nir“ und forderte die allpolnische Konferenz ai.f, einen energischen Protest gegen die Monopolisierung der landwirtschaftlichen Kolonisation durch die ״Histadrut Haowdim‘־ wie auch gegen die Schaffung besonderer Arbeiterfonds für diese Kolonisation einzulegen. Dr. Schmorak erklärte, ״Nir“ bedeute einen Angriff gegen den Keren Hajessod als das Aufbauinstrument des ganzen jüdischen Volkes. Die Vertreter des ,»Al Hamischmar“, welche in allen diesen Fragen einen ganz anderen Standpunkt vertraten, nahmen keinen Anteil an der Debatte und hatten kein großes Interesse dafür, da cs galt, alle Kräfte anzustrengen, um der Landespolitik des Abg, Qrünbaum zum Siege zu verhelfen. Für Palästina konnte also kaum etwas übrigbleiben. Die in der Konferenz vertretene sechsgliedrige Gruppe der Revisionisten (es sei bemerkt, daß sie aus keiner Wahl hervorgegangen sind, nur vereinbarungsgemäß die Mandate erhielten), entwickelte durch ihren Sprecher IL Leiserowicz das bekannte Programm Jafcotinskis. Eine neue Nöte fanden wir in den Erklärungen dieser ('!nippe gar nicht, mit Ausnähme einer Bemerkung des Führers der polnischen Revisionisten, des bekannten hebräischen Dichters Dr. Jakob K a h a 11, der in einer Protokollkundgcbung gegen eine an• gcblich tiilloyale Handlung des Vorsitzenden der Tagung erklärte, dies sei wieder einmal eine Bestätigung dessen, ״wie bitter notwendig eine Revision des Systems der Leitung des offiziellen Zionismus sei., Nun möchten wir betonen, daß die zweitrangige und ober- {!Schliche Behandlung der rein zionistischen Fragen auf der Warschauer Tagung dem polnischen Zionismus dann keinen Schaden, ja sogar großen Nutzen gebracht hat, falls die Beratmige« und die Beschlüsse über die Landespolitik, die die allgemeinen Zionisten Polens in zwei beinahe feindliche Lager geteilt hat, wenigstens eine Versöhnung herbeigeführt haben. Wurde dieses Ziel erreicht? *' Mit welchen Hoffnungen ging man zur Warschauer Konferenz? Die einen (die Grünbaum- und die Reich-Gruppe) mit dem Wunsche und Willen, ihren Standpunkt in der Landespolitik zur vollen Geltung za bringen, um aus der Konferenz, als ״Sieger“ hervorzugehen. Dagegen waren sich die anderen Gruppen (״Et Liwnot“, Westgalizien, Wilnaer Kreis und die ostgalizische Opposition mit den Senatoren Rottenstreich, Ringel und Abg. insler) der großen Schwierigkeiten bewußt und waren vom ersten Augenblick an bestrebt, eine Einigung auf Grund eines Kompromisses herbeizuführen. Dieses letzte wurde auch erzielt. ״Ohne Sieger und ohne Besiegte“, mit dieser Formel kann man das Resultat der Tagung zusammenfassen. , Ein Sieg der einen oder der anderen Gruppe alp» Bei usniöslich. wiewohl er vielleicht föf־ die Geradlinigkeit 5:; ׳V . ■ ,׳יי׳''♦»־!.״ yrrmyten ״ L!P, «,יי•* le.ßl ,n wesen wäre. Keine Partei hatte eine ausgesprochene heit, Und außerdem haben viele Vorfälle der letten 2e|4 allzu deutlich bewiesen, daß das Mehrheitsprinzfp in den landespolitischen F'ragen fast von niemandem anerkannt oder respek* tiert wird. Ferner bringen es die traurigen Lebensbedingungen der polnischen Juden und die unklaren politischen Verhältnisse in Polen mit sich, daß eigentlich das ״auf eine Karte setzen“ unklug und auch — gefährlich wäre. Andererseits zeigte die Konferenz mit erschreckender' Deutlichkeit, daß die Unterschiede zwischen den sich stark bckämpfenden Lagern wirklich nicht nur Methode und Taktik, sondern vielmehr Programm und Wesen der Politik betreffen. Man sah oft wirklich unüberbrückbare Gegensätze vor sich, und kein Wunder, daß in solches Augenblicken die Besorgnisse um die Ganzheit der Organisation, um das Gefingen des Vereinigungswerkes in Polen stark wuchsen. Wenn t. B. die gali zischen Zionisten prinzipiell ein Zusammengehen mit anderen nationalen Minderheiten ablehnen, von einem positiven Unterstützen der Forderungen dieser Minderbeiten nichts hören wollen, wenn Senator Brande, ehern. Milglied der jüdischen Delegation bei der Friedenskonferenz, erklärt, Polen sei kein Nationalstaat, und diese Theorie sei ein Unglück für die polnischer! Juden, und wenn auf der anderen Seite wiederum Abg. Grün bäum und sein Anhang sich auf das Helsingforser Programm vom Jahre 1905 beruft und nachdrücklichst betont, daß der gemeinsame Kampf auf der Seite der nationalen Minderheiten (soweit keine jüdischen Interessen dadurch tangiert werden und die Juden ihre kardinalsten Bürgerpflichten nicht verletzen) ein zionistisches Gebot und die einzige Rettung für die polnischen Juden bedeutet — wenn wir diese Behauptungen gcgcnüberstellen, müssen wir zum Schlüsse kommen, daß da ein Ausgleich unmöglich ist Daraus resultieren alle weiteren Differenzen, insbesondere in Beurteilung des Vcrsfändigungsaktcs vom 4. Juli 1925. Abg, Dr. Thon erklärte auf der Konferenz feierlich, in der jüdischen Golusgeschichte, im Emanzipationskampfc der Juden bedeute die ״llgoda“ den höchsten Triumph. Abg. Dr. Reich verglich die ״Ugoda" sogar mit der — Baffour-Dcklaration. Die Sprecher des anderen Lagers konnten sich wiederum nicht genug tun in Schmähungen desselben Aktes und meinten, es sei nur ein Fetzen Papier, die jüdische Ehre verletzend, und außerdem habe ja die Regierung ihr Versprechen gar nicht gehalten. Endlich stellte sogar Abg. Grünbamn fest, es existiere überhaupt keine richtige Vereinbarung mit der Rcgierung, nur ein einseitiges Memorandum des Abg. Reich. Ja, wer soll da klug werden? Man verlangte seitens des ״Al Hamischmar“ die Veröffentlichung des Textes der ״Verständigung“, damit sich ein jeder ein Urteil bilden könne. Dieser Vorschlag rief einen Sturrn der Entrüstung auf Seite des Abg. Reich und der galizischeu Delegation hervor. Abg. Reich berief sich auf seine, der Regierung gegenüber übernommene Verpflichtung, die Ugoda nicht ohne Einverständnis der Regierung zu veröffentlichen und übrigens, bemerkte Abg. Reich, habe doch die ״Ugoda“ der jüdische Seimklub und nicht die zionistische Organisation geschlossen. Abg. Eisenstein (Lemberg) behauptete sogar, die Publiziert!״״ setze tausende jüdische Existenzen aufs Spiel (gemeint sind die jüdischen