Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 22 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 « JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 105 XXI. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in Erfurt im wKaisersaaiM vom 23.-25. Mal 1926. Tagesordnung: Erster Tay« Vormittagsaitznng 10—2 Uhr: 1. Eröffnung des Delegiertentages durch den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 2. Begrüßungen. 3. Wahl des Bureaus. 4. Ansprache des Vertreters der Exekutive. 5. Referat des Vorsitzenden der Z. V. f. D.: ״Zionistische Arbeit in Deutschland." Nachmittagssitzung 4—8 Uhr: 1. Bericht des Wahlprüfungsausschusses. 2. Generaldebatte. 3. Wahl des Permanenzausschusses. Abendsitzung, Beginn 10 Uhr: Geschlossene Sitzung der Vertrauensleute des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth unter Teilnahme der Delegierten und Ersatzdelegierten. 1. Keren Hajessod-Arbeit in Deutschland. 2. Keren Kajemeth-Arbeit in Deutschland. Zweitor Tay. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Referat Dr. Kanowitz: ״Zionistische Erziehung.“ 2. Referat Dr. Wolfsberg: ״Hebräische Arbeit in Deutsch• land.“ S. Aussprache. Nachmittagssitzung 4—7 Uhr: f. Referat Dr. Buber: ״Eine Volkshochschule in Palästina.* % Aussprache. Der Abend bleibt frei für Sitzungen von Kommissionen und Fraktionen. Dritter Tay. Vormittagssitzung 10—2 Uhr: 1. Referat BI u m e n f c 1 d: ״Innerzionistiscbe Politik.“ 2. Referat Schocken: ״Probleme des Palästina-Aufbaus.“ 3. Aussprache. Naehmittagssitzung, Beginn 4 Uhr. 1. Fortsetzung und Schluß der Aussprache. 2. Anträge. 3. Wahlen. ■ Der Landesvorstand hat einen Ausschuß zur Prüfung der Delegiertentagswahlen eingesetzt, bestehend aus den Herren: Rechtsanwalt Gronemann, Vorsitzender; Dr. Albert Baer, Lazarus Barth, Benzion Fett, Isaac Feuerring, Dr. Erich Moses, Willy Preiß. AÄt-jde.t^WA:,hlV'A«chr.i.ftet|V . , , 1'י• Alle Cfruppen werdisa Mferdardi darauf aufnierksän! » macht, daß sie ihr Wahlrecht riskieren, wenn sie nicht ihre Mitgliederlisten mit genauen Adressenangaben der ein• zelnen Mitglieder unverzüglich an das Büro der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15, Meineckestr. 10, cinschickcn. Wir weisen ferner darauf hin, daß die Wahlberechtigung der Ortsgruppen davon abhängt, daß sie die Schekel für das Jahr 5686 und die Zionistensteuer bzw. Landes* bei tri ge für das Jahr 1925 und für die ernte Hälfte des Jahres 1926 in bar an die Zionistische Vereinigung für Deutsch* fand spätestens bis zum 30. April abführen. Wir bitten ferner dringend darum, alle In Nr. 13 der .Jüd. Rundsch.“ veröffentlichten weiteren Wahlvorschrif* ז e n sorgfältig zu beachten, da der eingesetzte Wahlprflfungs- ז e n sorgfältig zu beachten, da der eingesetzte Wahlprflfungs* ausschuß, wie dies beim letzten Kongreß der Fall war, kein Mandat anerkennen wird, für das nicht die Voraussetzungen für seine Gültigkeit gemäß den erlassenen Vorschriften gegeben sind. Präsidium der Z. V. f. D, Sitzung des IjBdesvtrsfandes der Z. V. L D. In der am 14. März in Berlin abgehaltenen Sitzung des Landes Vorstandes der Z. V. f. D. wurde be* schlossen, den Delegiertentag für den 23. bis 25, Mai nach Erfurt einzuberufen. Gleichzeitig setzte der Landesvorstand auf Grund der Vorschläge des Präsidiums die Tagesordnung für den Delegiertentag fest, die gleichzeitig veröffentlicht wird. Der Landesvorstand wählte einen Wahlprüfungs* ausschuß, bestehend aus folgenden Herren: R,*A. Grone* mann, Vorsitzender, sowie Feuerring, Erich Moses, Willy Preiß, Dr. Albert Baer (Hitachduth), Lazarus Barth (Misrachi), Benzion Fett (Radikale Zionisten). Der Wahiprüfungsausschuß hat dem De'.egiertentag nur Bericht zu erstatten; seine Entscheidungen sind endgültig. Eingehend besprochen wurde das vom Präsidium vor* gelegte Programm für die Monat I j a r * A k t i o n und die Frage ihrer Finanzierung. Es wurde beschlossen, das Zentralkomitee der deutschen Zionisten für den 11. April mit folgender Tagesordnung nach Berlin einzuberufen: 1. Feierliche Eröffnung der Ijar-Aktion, a) Ansprache des Vertreters der Exekutive, b) Referat des Herrn Blumenfeld, 2. Hachscharah: Referat des Herrn Lubinski. Die finanzielle Situation der Z.V.f. D. wurde eingehend erörtert. Vom Präsidium wurde über die Maßnahmen berichtet, die angesichts der schweren finanziellen Situation Avecks Einschränkung der Ausgabenetats verschiedener Ressorts durchgeführt werden konnten. Das Präsidium wies aber mit allem Nachdruck darauf hin, daß die Aufrechterhaltung der Arbeit nur möglich ist, wenn eine Reihe größerer Ortsgruppen, die im Jahre 1925 ihrer Zionisteusteuer-Verp Richtung nur in einem ungenügenden Maße nachgekommen sind, im laufenden Jahre ihre finamrieilen Verpflichtungen restlos erfüllen. Es wurde beschlossen, daß die Zionistensteuer-Aktion nunmehr ausnahmslos von der Zentrale aus durchgeführt wird, wobei die loyale und tatkräftige Unter- Stützung der Aktion durch die Ortsgruppenleitungen als selbst• verständlich vorausgesetzt wird. Herr Schocken, der wenige Tage vor der Sitzung aus Palästina zurückgekehrt ist, erstattete einen außerordentlich interessanten und eingehenden Bericht über die Lage in Ercz-IsracL Die Herren Dr. Georg Landauer und Dr. Karl Hilb sind nach Palästina übersiedeit und somit aus dem Landes- Vorstand ausgeschieden. — In einer geschlossenen Sitzung, an der nur die Mitglieder des Lawiesvorstandes teilnahmcn, wurde die Frage der zukünftigen Leitung der Z. V. f. D. besprochen. Auf Grund des Ergebnisses dieser Aussprache erklärte Herr Blumenfeld sich bereit, auf dem Deiegiertentag aufs neue für den Vorsitz der Z. V. f. D. zu kandidieren. Abs der Berliner Gemeinde Von unserem Berichterstatter. in der Sitzung der Repräsentantcn-Versammlung vom 11. März kam eine Interpellation der liberalen Fraktion zur Verhandlung, die den Vorstand aniragte, ob die in der Presse gegen die Mehrheit des Vorstandes von den zionistischen Mitgliedern desselben erhobenen Vorwürfe sachlich zutreffen•, und vcrneinendcnfalts, was der Vorstand hiergegen zu tun gedenkt. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes. Kammergerichtsrat W o I f f, beschränkte sich auf eine formale F.rklärung, daß der Vorstand den Inhalt der Anfrage noch nicht zum Gegenstand der Beratungen habe machen können und daß er mithin nicht in da־ Lage sei, die Auflassung des Gemeinde- Vorstandes auszusprechen. Dann nahm zur Begründung der Interpellation Professor Dr. Türk das Wort. Der Redner nahm die in der ״Jüdischen Rundschau“ und in der anderen jüdischen Presse veröffentlichte Erklärung der Herren Karcski, Kollenscher und Sandler zum Ausgangspunkt für seine Ausführungen. Er bestritt zunächst entschieden, daß die Liberalen mit der Volkspartei ein Sachkompromiß eingegangen seien, was tatsächlich vorliege bedeute nur ein Zahlenkompromiß. Ein Sachkompromiß mit Zionisten sd für die Liberalen auch völlig unmöglich, weif nach seiner Meinung■ beide Richtungen auf grundverschiedenem Boden stehen. Ein sachliebes Uebereinkommen könne die liberale Fraktion mit den Konservativen eingehen, aber nicht mit den Zionisten, die die jüdische ,.Volksgemeinschaft“ vertreten. Die deutschen Juden, sagt der Redner mit Emphase, kennen mir die deutsche Volksgemeinschaft. Die Liberalen würden cs ihren Vertretern im Gemeindevorstand sogar verübeln, wenn sie sich mit den Zionisten grundsätzlich einigen würden. Wenn die Zionisten in ihrer Erklärung die Verantwortung für die Führung der Geschäfte ablehnen, so bestehe eine solche Verantwortung der Minderheit nicht. Die liberalen Vorstandsmitglieder nehmen zwar an den Sitzungen der liberalen Fraktion teil, trotz* dem werde ein direkter Zwang auf sie nicht ausgeübt. Der Redner sucht danach den Nachweis zu erbringen, daß die liberalen Dezernenten des Gemeindevorstandes ihre Dezernate ausgezeichnet verwalten. Die liberale Fraktion könne es nicht dulden, daß in einem Augenblick, wo der Kampf um die Schule tobt, der Vorsitz im Schulvorstand einem Zionisten ausgeliefert werde. Der Kamöf teeren die Volkspartei werde jetzt in einer unerhörten Heftigkeit beginnen, mag er enden, wie er will. Herr Karetki: Ich stehe fflr jedes Wort in der Erteil* die:wir abgegeben!laben, völikoftrner ein, Wie können Sie es als Beschimpfung auffassen, wenn wir das Kind beim rechten Namen nennen. Für uns ist die Grundlage alles dessen, was wir tun, unser jüdisches Gewissen, Der liberale Redner hat es hier unternommen, die Tätigkeit der einzelnen Vorstandsmitglieder bis in alle Einzelheiten zu zergliedern und, soweit die Vertreter der Volkspartei in Betracht kommen, an dieser Tätigkeit Kritik zu üben. Ein solches Verfahren war in diesem Saale bisher nicht üblich und ich stelle fest, daß es die Liberalen sind, die mit diesem Brauch gebrochen haben. Was die Kritik selbst anbelangt, ist nicht zu verstehen, weshalb Herr Türk sie nicht vorgetragen hat, als wir unsere Aemter übernommen haben oder spätestens als er Grund zur Kritik zu haben glaubte. Ich darf wohl daran erinnern, daß ich vier Jahre lang in absoluter Harmonie mit dem in seiner übergroßen Mehrheit aus Liberalen bestehenden Vorstand des Kranken* hauses zusammengearbeitet habe. Das Krankenhaus-Dezernat mag vielleicht bei seinem jetzigen Inhaber in technischer Bezienung gut aufgehoben sein, ob auch in jüdischer Beziehung, möchte ich nicht entscheiden. Der Fall Makower, in dem der Vorsitz im Schulvorstande dem sachlich geeigneten Köllenscher entzogen wurde, um ihn den sachlich nicht geeigneten Herrn Makower zu übertragen, ist nicht der einzige Fall, der uns zur Kritik Anlaß gegeben hat. Es ist ein unerträglicher Zustand, daß in einer jüdischen Gemeinde und besonders in einer solchen von der Größe und Bedeutung wie Berlin, die Dezernate nicht vergeben werden nach sachlicher Eignung, sondern ausschließlich unter Berücksichtigung der Parteizuge- Hörigkeit. Dr. Klee sagt: Die Erklärung, die von den Herren Kareski, Kollenscher und Sandler abgegeben ist, von Männern, die gewohnt sind, die Tragweite ihrer Entschlüsse genau zu wägen, fordere die ernsteste Beachtung. Es ist eine absolute Notwendigkeit, daß Vorstand und Repräsentanten-Versammhing sich weit mehr als bisher unter der Kontrolle der Oeffentlichkeit fühlen. Die Tausende von Juden, die dauernd an uns die Frage richten, was wir bisher geleistet haben, müssen eine Antwort bekommen. Und da müssen wir gestehen, daß unsere Vertreter im Gemelndcvorstand einer Mauer von vier Herren gegenftberstehen, die mit einer einzigen Stimme Mehrheit alle Versuche unmöglich machen, wirkliche Arbeit in der Gemeinde zu leisten. In der Renräsentanten-Versammiung liegen die Dinge nicht so schlimm. Hier gelingt es mitunter mit Hille der Jungliberalen, die den Altliberalen zu jüdisch sind, Ergebnisse zu erzielen. Es Ist nicht so, daß die Mehrheit 1ml Gemeindevorstand nur in Weltanschauungsfragen von ihrer Macht Gebrauch macht, auch in vielen anderen Dingen, die außerhalb jeder Weltanschauung liegen, ist es uns nicht möglieh, etwas durchzusetzen, weil die vier iiberaien Stimmen im Gemeindevorstand geschlossen abgegeben werden. Dabei muß man beachten, daß der Liberalismus im Jüdischen Sinne nicht etwas Einheitliches ist. Zwischen den Vertretern der einzeinen Richtungen Im Liberalismus klafft eine weite Kluft in der Weltanschauung. Der Typ des ausländischen, deutscher Kultur assimilierten Juden Im Liberalismus ist ein Typ, der durch Radikalismus seine Herkunft vergessen zu machen versucht. Für uns ist es keine Phrase, wenn wir sagen: in jüdischen Dingen jüdisch, in deutschen Dingen deutsch. Der Gegensatz zwischen Zionismus und Deutschtum wird von einem bestimmten Typ fm Liberalismus immer wieder künstlich konstruiert Es besteht die Möglichkeit, im Gemeindevorstand von Fall zu Fall zu einem Kompromiß zu gelangen, aber der große Fehler des jüdischen Liberalismus ist es, daß er sich ständig fraktionsmäßig bindet. Unbeschadet der Reinheit der Weltanschauung gibt es Tausende von Zionisten und Tausende von Liberalen, nie Berührungspunkte zueinander finden. Nicht die liberalen Menschen sind cs, die unsere Arbeit verhindern, wohl aber gewisse liberale Führer. Tatsächlich liegen doch die Dinge so, daß die liberalen Vorstandsmitglieder sich an die Beschlüsse der liberalen Fraktion gebunden fühlen, und daß sie aus dieser Bindung heraus ihre Entschei* düngen im Vorstand treffen. Es gibt eine Art der Ablehnung jeder Diskussion, die viel schlimmer ist als eine Abschnei* düng der Debatte, eine Ablehnung, die sich immer wieder darin äußert, daß die Liberalen schon beraten haben und ihre Beschlüsse gefaßt haben. Angesichts einer so gearteten Ein- Stellung kann natürlich von einer Diskussion im Vorstand, die alle Punkte aufhellt, ernsthaft nicht mehr gesprochen werden. Der Gemeindevorstand ist zu einer Abstimmungs* maschinerie geworden, die mit vorbildlicher Präzision jede Arbeit der Minderheit guillotiniert. In einer Gemeinde von der Größe und Bedeutung der Berliner, die zahlenmäßig und kulturell im Westjudentum eine bedeutende Rolle spielt, darf nicht ein Mann die Geschäfte als Vorsitzender führen, der sich an die Direktiven einer Partei gebunden fühlt. Herr Dr. Türk hat für seine Partei das Schuldezernat in Anspruch genommen mit der einzigen Begründung, daß die Liberalen einen Zionisten an der Spitze der Schulverwaltung nicht dulden können. Dabei hat Herr Dr. Kollenscher gezeigt, daß er die Geschäfte als Vorsitzender der Schulver* waltung mit einer vorbildlichen Objektivität geführt hat, mit einer Objektivität, die eher dem Parteigegner Zugeständnisse machte, als der eigenen Weltanschauung. Kollenscher ist einer der genauesten Kenner der jüdischen Schuldinge, die es unter den jüdischen Politikern gibt, er hat das Wesen der jüdischen Schule genau studiert, er ist der Kommentator des Judengesetzes um? seine hebräischen Kenntnisse machen ihn vereint mit allen anderen Eigenschaften zum durchaus geeigneten Leiter des Schulwesens. Begreifen Sic denn nicht, weiche Beleidigung darin liegt, einem solchen!Manne das Dezernat zu nehmen, nur seiner Parteianschauung wegen? Bei allen Freunden des jüdisch«! Schulwesens ist das Be*' dauern groß und schmerzlich, daß der einzige Schulfachmann, über den der Vorstand verfügt, aus dein Schuldezernat he«f* ausgedrängt worden ist aus keinem anderen Grunde als weit er Zionist ist. Herr Dr. Türk hat hier einen Kampfruf von, unerhörter Heftigkeit ertönen lassen. Wir werden diesen Kampf aufnehmen. Aber trotz des Boykotts des Herrn Türk werden die Unterhaltungen zwischen Liberalen und Zionisten weiter stattfinden. Diese Dinge werden Sie nicht töten mit der Knute der Organisation. Das Gefühl jüdischer Gemeinsamkeit ist auch im liberalen Lager zu groß, als daß es von einigen Führern der Organisationen erschlagen werden könnte., Wenn Sie den Kampf wollen, werden wir Ihnen die Antwort nicht schuldig bleiben. Unser Kampf gilt nicht wie der ihre der Geltung einer Partei. Unser Kampf gilt dein Judentum als Ganzes, während Sie die Berliner Gemeinde zum Instrument Ihrer Parteiherrschaft gestalten wollen. Für die konversative Arbeitsgemeinschaft gibt Herr Dr. isi Kahn seinem außerordentlichen Bedauern über das Schei* den des Herrn Dr. Kollenscher aus dem Schuldezernat Ausdruck. Vor der Interpellationsdebatte, die ohne Abstimmung endete, wurden einige kleinere Vorlagen erledigt, darunter befindet sich die Bewilligung eines Betrages von 3000 M. für die jüdische Grundschule in der Linienstraße. Zu Beginn der Sitzung wurde das stellvertretende Vorstandsmitglied Klee* mann von der liberalen Fraktion präsentiert und in sein Amt eingeführt. _ H. Grünberg, Rabbiner Br. Kliter Aus Danzig wird uns geschrieben: I Einen herben Verlust hat die hiesige Gemeinde erlitte«. Rabbiner Dr. Robert Kälter ist im Alter von 51 Jahren verschieden. Ein Mann, mit hervorragenden Geistesgaben ausgestattet, einer der glänzendsten Kanzeiredner ist mit ihm dahingegangen. Sein aufrechtes und selbstbewußtes. Juden* tum paarte sich mit Herzensgute und Hilfsbereitschaft In der Kriegszeit trat er unerschrocken für die hier seit Jahrzehnten ansässigen jüdischen Familien aus Rußland ein, die als ״lästige Ausländer“ unter Drangsalierungen zu leiden hatten. Mit gleicher Hingebung nahm er sich der jüdischen Gefangenen an. Die veränderte politische Lage, die Danzig zum Auswandererhafen machte und besonders in der Periode des polnisch-boischewistischcn Krieges Ströme von Emigranten und Flüchtlingen heranwälzte, stellte Danzig vor ungeahnte Aufgaben. Hier entfaltete sich die Initiative des Verblichenen zu einem hervorragenden Hilfswerk. Er leitete es mit großem Geschick und das Los der Flüchtlinge durchsonnte er mit einer bis zur Selbstentäußerung grenzenden Menschenliebe. Später, als sich in Danzig ein neuer Jischuvv bildete, erfaßte er mit großer Klugheit die neue Rolle Danzigs als Brücke zwischen Ost und West und spann die Fäden zu einer Annäherung der beiden Lager als Mittler und Friedensförderer. An der Begründung des neutralen Keren Hajessod nahm er, der kein Zionist war, tätigen Anteil und förderte unsere Arbeiten. All sein wollen und wirken war durchwoben von Adel der Gesinnung, von beispielgebender Energie und Tatkraft für alle großen Strebungen des Judentums. — Auf Beschluß der hiesigen Organisation wurde zu Ehren des Toten ein Oelbaumgarten im Herzlwald gestiftet. H. W. Jactb Bn-Jacob In diesen Tagen ist, wie bereits kurz gemeldet, in Zoppot, seinem Wohnsitz, der berühmte hebräische Bibliograph Jacob B e n - J a c o b im 68. Lebensjahre gestorben. Er war der Sohn des Wilnaer Schriftstellers Isaak Ben-Jacob, der sich durch seine bibliographischen Arbeiten in der jüdischen und zum Teil auch in der nichtjüdischen Getehrtemvelt einen großen Namen geschaffen hatte. Isaak Ben-Jacob hinterließ die Handschrift eines Werkes ״Ozar hassenharim“, welches ein umfassendes alphabetisches Register der hebräischen Literaturerscheinungen und Handschriften von der Einführung der Buchdruckerkunst bis zum Tode des Verfassers 1862 enthält. Es umfaßt in einem Quartband von 676 kleinen gedruckten Seiten nicht weniger als 17 030 Nummern. Die Herausgabe und fortlaufende Ergänzung dieser Arbeit hat sich der nun verstorbene Sohn des Verfassers zur Lebensaufgabe gemacht. Er hat im Jahre 1880 die Erstauflage des Werkes besorgt und seitdem unermüdlich neues Material gesammelt und das alte verbessert. Dadurch, daß nicht bloß die Titel genau bibliographisch verzeichnet sind, sondern, daß auch kurze Bemerkungen über den Inhalt der Bücher und über die verschiedenen Auflagen derselben gemaclit werden, ist der wissen* schaftliche Wert der Arbeit ein besonders hoher. Auch Hand- Schriften; bei deren Bearbeitung dem Herausgeber Professor Moritz Steinschneider behilflich gewesen ist, sowie zahlreiche Aufsätze, die in den verschiedenen hebräischen Journalen zerstreut sind, wurden mitverwendet Der Ozar hassepharim ist aus diesem Grunde die überragendste bibliographische Arbeit der hebräischen Literatur geworden, die für jeden, der sich mit diesem Gebiete beschäftigt, uumtbehrlich bleibt Ben-Jacob, der Sohn, hat seit der Erstauflage eine neue Ausgabe vorbereitet, die in vier Bänden erscheinen sollte, von denen zwei bereits druckfertig sind. Sein Schwiegersohn, Professor Dr. Schorr in Warschau, hat bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin versucht, die Herausgabe dieser Neuauflage zu sichern. Aussichtsreiche Verhandlungen sind in dieser Hinsicht bereits geführt worden. Es wäre zu wünschen, daß es bald gelingen möge, diesen großen Plan in die Wirklichkeit umzusetzen,