Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 22 (19.3.1926)
- Date
- 1926-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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JUEDISCHE RUNDSCHAU 22 Nr. 22 Sme 163 Purim in Palästina erhol• gen« ‘r Icd. Zufal Tagt( nhaiij laupt reiche l de! r des sehen Aktuelle* and Prinzipielles Von unserem Korrespondenten. A. O. Jerusalem, den 10. März 1926. In die schwere Zeit wirtschaftlicher Nöte, in die Periode der Geldknappheit und Arbeitslosigkeit fiel wie ein buntes Intermezzo aus einer anderen Welt das Purimfest dieses Jahres. Aber in den Tagen, wo der Jischuw alarmiert war durch die drohende Umgruppierung der Verteidigungskräfte und konzentriert war im Kampfe gegen die ökonomische Not, schien eine ausführliche Beschäftigung mit den Festen jener Tage deplaciert. Die Stimmung verschiedener Kreise nach Purim und ein Gesamtüberblick über die Lage im Moment verlangt jedoch, wenn auch etwas verspätet, einige Anmerkungen zu den Festen dieses Jahres, keine lerum C.-V, »olitik nden, vertet doch d ds. malen ckend ajekts 8 sei dies Herr 1 den Keren auch Rest»• t vor sidj!iben, essod aupt• tid in Anr der vor. iahen Inter» seine b sie Denn »mal 1 von — ג eten, Fall chen, Ihlen Es wird Im Lande in den letzten Wochen hier und da die Meinung laut, daß wir wieder einmal über die schlimmsten Zeiten hinüber wären. Ob das richtig ist, läßt sich bezweifeln, aber es ist fraglos eine gewisse Erleichterung eingetreten, die sich sogleich in der Besserung der Stimmung, in optimistischercn Anschauungen und einem freieren Gebaren fühlbar macht. Von einer endgültigen Bewältigung der Schwierigkeiten kann dabei durchaus nicht die Rede sein. Es ist gelungen, einen Teil der Arbeitslosen unterzubringen, durch die guten Orangenpreise ist auf dem Geldmarkt eine gewisse Entspannung eingetreten, man erwartet eine Vergrößerung der Unternehmungen der ״Kehiüat-Zian“, vor allem In Dschedro, und die Neueröffnung der Seidenfabrik Delphinen Dazu kommt ein gewisses Maß von Saisonarbeiten, die mit Beendigung der Regenzeit einsetzen, Hoffnungen auf Touristen und verschiedene kleine und größere Pläne. Der Abschluß des Vertrages über die Ruthenberg• konzession hat viel dazu beigetragen, die Stimmung zu heben, weil in der Tat von diesem Werk für die Entwicklung des Landes Großes zu erwarten ist. In Tel-Awiw, wo sich bekanntlich die größte Zahl von Arbeitslosen konzentriert, ist es mit ungeheuren Anstrengungen gelungen, gewisse Erleichterungen zu schaffen. Die Munizipalität beschäftigt e'ne beträchtliche Anzahl bei öffentlichen Arbeiten, der Bau des Nordviertels (Schchunat Hazafon) steht für die nächste Zeit in Aussicht, und so ist man mit viel Mühe und Not durch den Winter gekommen. Aber trotz alledem ist eine Konsolidierurg noch weit. Die Arbeiterschaft hat in diesem Winter wieder einmal ein Paradestück von Disziplin und Entbehrungskraft zustande gebracht, das sich den früheren ebenbürtig sn die Seite stellt. Man hat diesmal davon abgesehen, eine Hilfskasse zu eröffnen, weil man vor zwei Jahren schlechte Erfahrungen damit gemacht hatte. So haben denn die Arbeitslosen mit den Glücklichen, die gerade beschäftigt waren, in der Arbeit abgewechselt, auf Kredit gelebt, sich irgendwie durchgeschlagen, und es ist in der ganzen Zeit zu keinerlei Unruhe oder Aeußerungen der Verzweiflung gekommen. Man wußte, daß man über die Periode der Depression hinüber mußte, koste es was es wolle. Und so geht es weiter. Die nationalen Institutionen, die Exekutive an der Spitze, waren in einer bösen Situation. Trotz aller Anstrengungen ckea* «inkt ein eins* auch teilte daß aten, , als rtige lügte ierea leidilerrn lamit angs /,ater sich venn gee (!) :.-v. Die llung Zeit ־ sie stets tinachtsentidem rbeimit sie belung.!denntind mehr Ein dem :izrat cn'.“ doch ihrer ieren egen F.n konnte nicht eip BnichjWl, vqn dem gem$chU werden, was 'י jMpr*״Ee• Mil^^^liiliamer-lirJÄdä^pa.tfan'Clsld. jj|i »t* ieiejchnend, daß gerade in den letzten Wochen, wo etwas wie eine leichte Besserung zu spüren ist, nicht nur in der Arbeiterpresse, sondere auch im ״Haarez" Artikel über Artikel erscheinen, die die nationalen Institutionen zur Aktion aufrufen. Mit Recht wird darauf hingewiesen, daß von einer umfassenden Tätigkeit zur Besserung der wirtschaftlichen Lage, von gründlicher Vorsorge für die kommenden Monate, selbst von einer genügend energischen außenpolitischen Arbeit zur Mobiüsierung der Regierung im Interesse der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nicht gesprochen werden kann. Aber wer die Verhältnisse kennt, weiß, daß nicht Unfähigkeit oder Mangel an Initiative ausschlaggebend sind für die mangelnde Aktion der leitenden Institutionen, sondern ganz einfach Mangel an Mitteln. Wir arbeiten mit gebundenen Händen. Gerade in diesem Jahre nun feierte Palästina ein Purimfest, wie es noch kaum eines gekannt hatte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand naturgemäß T e 1 A w i w. Jerusalem und Haifa boten nur einen Abglanz. Ein aufmerkzung rudoch Komposiflonsabend Israel Gladstein Auf dem Programm des Abends standen die Streichquartette op. 7 (c-dur) und op. 6 (g-moil), beide in Mnem Satz, weiter ״Meereslieder“ (mit den Texten von B i a 1 i k), ״Esther“ nach dem Text von Else Lasker- Schüler, Suite d-moll op. 5 (Schlaflied für Mirj a m) und ״zwei Tänze“ für gemischten Chor. Den Anfang machten die beiden Streichquartette. Es sind dies nicht im europäischen Sinne gehaltene Musikwerke großen (Sonaten) Stils, vielmehr Stücke für vier Streichinstrumente. Während das erste Stück (c-dur) sich wenigstens bemüht, eine Sonatenentwicklung vorzutäuschen, verzichtet das viel flottere Stück in g-moll auf diese Geste, hält sich im Rahmen seiner frischen, wenn auch primitiven Einfälle, stellt die ihm z!1 Gebote stehenden Mittel auf gleiche Stufe mit dem musikalischen Gedanken. Die Kunst der Komposition, also der musikalischen Gestaltung, die einen Gedanken entwickelt, ihn einem kontras tierenden gegenüberstellt, alle Gedanken dramatisch durcharbeitet (also im musikalischen Jargon gesagt: ״durchführt“), sie von Materie zu Material häuft und also ein musikalisches Schicksal schafft, deren Leben ein ihm eigenes wird, dessen Gesetzmäßigkeit unerschütterlich, dessen Pro- Portionen wohl erwogen sind, dessen Sein schicksalhaft unverrückbar ist. — Diese Kunst der Komposition hat seine Rätsel in Israel Gladstein noch nicht verraten. Genau wie *in Sänger, dessen stimmliche Begabung nur auf Kosten «einer Stimmbänder gebraucht wird, kein guter Sänger werden kann, respektive nach kurzer Zeit seine Mittel ruinieren muß, genau so ist es unmöglich, auf Kosten der eigenen ״Begabung“ und nur auf diesen, unerschöpflich produktiv zu sein. Das primitive Bedürfnis des Volkes wird durch die Volks- und Synagogalmusik ganz gedeckt. Die Sehnsucht nach Schöpfungen der Kunst muß ihm erst eingeimpft werden, «ie muß durch Taten erweckt werden. Die ♦vermittelnde Rolle spielen Mischarten, d. h. Kompositionen, die ihren Stoff, ihre Themen im Volkstümlichen suchen, jedoch durch eigene Gestaltung diese in weit höhere Gebiete wahrer Kunst führen. Die Form der Variation hat hier immer eine große Rolle gespielt. Das Niveau dieser vermittelnden Sprache nimmt Israel Gladstein in fast allen seinen zu Gehör gebrachten Werken ein. Wie oben gesagt, läuft auf dieser Linie die Entwicklung beider ״Streichquartette“, zu welchen noch zu bemerken wäre, samer Beobachter konnte in diesen Tagen vieles Interessante sehen, Erfreuliches und Unerfreuliches und viel daraus lernen. Die ״jüdische Stadt" hat sich auch im letzten halben Jahre, wo in der reißenden Bewegung eine Dämmung eingetreten war, weiterentwickeit und, was besonders auffällt, stark europäisiert Wer die Zustände nicht kennt und nicht weiß, daß die Stadt eine große Zahl von Arbeitslosen beherbergt, kann am Straßenbild wenig Zeichen der Depression erkennen. Die herumschlendernden beschäftigungslosen Arbeiter heben, von außen gesehen, noch die Lebhaftigkeit des Straßenbildes. In den Abendstunden ist in den Hauptstraßen ein rasches Durchkommen schon recht schwer. Und die neuerrichtete große Lichtreklame mit laufender Schrift in der Allenby läßt Erinneningen an europäische Großstadtbilder aufkommen. In den Purimtagen war Leben und Bewegung um ein Vielfaches gesteigert Alles, was nur irgend konnte, war auf den Straßen, und die Menge wurde noch vermehrt durch die vielen Auswärtigen, die sich in der Stadt versammelt hatten. Es sind nach dem Feste viele kritische Stimmen laut geworden, die sich mit dem Fremden׳ und Vergnügungstaumel nicht einverstanden erklärten. In der Tat mußten diese Feiern manches zu denken geben. Man muß da unterscheid®! zwischen zwei Formen der Feste. Auf der einen Seite steht der ״Karneval" von Tel-Awiw, der sich jedes Jahr vervollkommnet und vergrößert. Das ist eine Volksbelustigung, die ihre Berechtigung hat und in historischer und künstlerischer Beziehung manche Möglichkeit bietet. Auffallend war die große Menge der Araber, die aus Jaffa zum Karneval herübergekommen waren. Die Straßen waren übersät mit den roten Fczen der Männer und den schwarzen Kopftüchern der Frauen. An die Seite des Umzuges, der Kinderfeste und anspruchsloser sonstiger Vergnügungen, treten dann die großen Bälle, wie wir sie in solcher Form und solchem Ausmaß zum ersten Mal in Palästina hatten. Gegen sie wandte sich vor allem die Kritik. Wir wollen hier alle Fragen der Moral und des Geschmackes beiseite lassen. Ueber diese Gegenstände läßt sich schwer streiten, und sie sind vermutlich nur durch Beispiel zu bekämpfen. Daß im Chor der Kritiker der Mora’ist nicht fehlen kann, ist klar, und es ist bezeichnend, daß sich arabische Zeitungen gegen die Beteiligung mos’emischer Frauen an diesen Bällen gewandt haben. Aber ganz abgesehen davon: sicher ist es, daß diese Art von Festen dem Standard des Palästina von heute nicht entspricht. Wir wollen in dieser Betrachtung nicht in Rechnung setzen, daß wir ln einer Depression stehen. Auch in normaler Zeit sind solche Feste mit hohen Eintrittsgeldern und einem gewissen Luxus, dem Lebensstil, wie er in Palästina sein sollte, nicht gemäß. Die Einwanderung des letzten Jahres hat überhaupt, was Lebenshaltung betrifft, Begriffe ins Land gebracht, die nicht hierher gehören. Der ganze Zuschnitt von Tel-Awiw hat etwas Ungereimtes. Man ist unter den ״Alten“ Palästinas, unter den Leuten der zweiten Alijah, besonders empfindlich In dieser Beziehung, weil diese Generation die schwersten Zeiten durchgemacht hat und sich nicht verhehlt, daß der allgemeine Wohlstand durchaus nicht so gestiegen ist, wie die Lebenshaltung. Es ist gut verständlich, daß gerade im Zusammenhang mit dem überraschenden Purimtaume! in Tel-Awiw, alte Gedanken, wie die einer Propaganda zur Vereinfachung des Lebenszuschnitts eine starke Renaissance erleben. Der ■Kßn*tlw־Tst■♦jgig«:w alles Halbe, 1- ׳|fa»t;!.Fundierte|״ÄiMbraltst ninttit Anstoßi Und de# WirfechÄraer beklagt dfe Vergeuduftg des Volksvermögens, das noch dazu zu einem sehr hohen Prozentsatz ins Ausland geht Ganz Tel-Awiw hat sich am Purimrausch beteiligt, aber ein gut Teil von Tel-Awiw be» sinnt sich, ist besorgt, kritisiert. Einfachheit predigen ist eine sonderbare Sache In Palästina. Einem beträchtlichen Teil der Juden fehlt das Minimum, ein Teil hat es, und ein kleiner Teil hat etwas mehr. Die meisten lebön schlechter als sie in Europa gelebt haben. Aber es handelt sich auch nicht darum, aus dem Hungern eine Tugend als solche zu machen, wie man es z. B. in der Arbeiterschaft unter dem Zwang der Verhältnisse getan hat und zum Teil noch tut Aber es heißt, das Vorhandene vernünftig verwenden, keine Tendenzen eines Scheinluxus aufkommen lassen und vor allem Palästina den Standard erhalten, der ihm heute entspricht und vermutlich noch Jahrzehnte entsprechen wird, den Standard eines Kolonisationslandes in seinem Anfangs- Stadium. Die palästinensische Gendarmerie Jerusalem, 16. März. (J. T. A.) Es verlautet, daß demnächst eine neue Verordnung der palästinensischen Regierung über die Reorganisation 3er palästinensischen Schutzmacht veröffentlicht wird Laut dieser Verordnung werden uden in die neuen palästinensisch-transjordanischen Schutzorps aufgenommen werden. Wie in Jerusalem verlautet, hat das Kolonialamt bei der Palästina-Regierung in dieser Beziehung interveniert. Am 1. April d.J. wird die Vereinigung der palästinensischeu und trans jo.rda nis chen Schutzkräfte unter dem Oberbefehl des Feldmarschall Lord Plumer vollzogen sein. Im Mai 1926 wird die Verfassung für Trans- Jordanien veröffentlicht werden. Plichas Kehn bei Lord Planier Dr. Pinchas K o h n wurde nacheinander von Lord Plumer, vom Gouverneur Sir Ronald S t o r r s und vom Generalstaatsanwalt Norman Ben t wich empfangen. B«| allen diesen Besprechungen wurde die Angelegenheit der demnächst zu publizierenden jüdischen Gemeindeotdnung für Palästina erörtert. Herr Dt. Pinchas Kolm setzte die Stellungnähme der Agudah zu der Frage der Oemeindeordming auseinander und verlangte, daß der palästinensisch-jüdischen Orthodoxie unter der Führung des Rabbi Sonnenfeld in den Angelegenheiten der Erziehung, der Scheehitah und der Toten- Bestattung eine Autonomie gewährt werde. Plumer gab dem Agudahführer die Versicherung־, daß die Rechte der orthodo.xen Judenheit Palästinas in der Oemeindeordnung vollauf berücksichtigt erscheinen. Dt. Pinchas Kohn, der einen Monat lang in Palästina geweilt hat, ist dieser Tage nach Wien abgereist Kleine Nachrichten Am 12. März sind in Jerusalem Prof. Franz Oppen» h e i m e r und das Mitglied des Finanz- und Wirtschafterate* der Zionistischen Organisation, Dr. Georg Ha Ipern, za längerem Aufenthalt eingetroffen. Dr. Halperns Palästina- Aufenthalt steht im Zusammenhang mit der Arbeit der Anglo Palestine Company und anderer Institutionen der Palästina- Wirtschaft. Er wird etwa drei Monate in Palästina bleiben. Herr S. J. Weinstein, der Präsident der American Zion Commonwealth, der kürzlich in Erez-Israei eintraf, wird mehrere Monate der Arbeit für die Zion Commonwealth widmen. Nach offiziellen Angaben kamen im Januar 1926 3391 Reisende (Durchreisende, Touristen und Pilger) nach Palästina; 1659 palästinensische Einwohner kehrten wahrend des gleichen Zeitraumes aus dem Auslande zurück. Die palästinensischen Schriftsteller haben beschlossen, zu Lag b’Ömer (2. Mai) für den auf dieses Datum festgesetzten Schriftsteller- und Künstlertag zugunsten des Keren Rajemeth ein besonderes Buch herauszugeben. Die Beiträge werden Umsonst zur Verfügung gestellt, und die Koste«, der Veröffentlichung werden die Drucker und Papierhändler tragen. Die Eingänge aus dem Verkauf des neuen Buchen fließen dem K. IC L. zu. In Tel-Awiw wurde von den Künstlern der Stadt eine gut besuchte Versammlung abgehalten. Es wurde ein einstimmiger Beschluß gefaßt, sich den Veranstaltern des GelArtöH^wid.'Küpffl^^es f»r *lie Qetilath Jü9m s& m b'ötper zur Verfügung zu;stellen. ■Für ,die;notwendigen,.Von• bereitungen wurde ein Komitee gewählt. Dienstag wurde eine Konferenz des jüdischen Sejm* Klubs abgehalten, in welcher die Deklaration des Präsidenten Hartglaß einstimmig bestätigt wurde, bei Stimmenthaltung der Agudah-Deputierten, die eine abwartende Haltung einzunehmen erklärten. Für die Eintragung von Dr. Ludwig Singer, dem Vorsitzenden der K. K. L.-Kommission in der Tschechoslowakei, wurden in 47 Städten zu seinem 50. Geburtstage 15379 cKr. — 95 £ gesammelt. Das Hauptbüro der Weltorganisation der >־Zeire Misrachi", ״Chaluz Misrachi" und ״Poel Hamisrachi“ ist in Ueberein- Stimmung mit den Beschlüssen der im Monat Aw in Wien abgehaltenen Konferenz in Jerusalem eingerichtet worden. Aus Genf wird telegraphiert, daß die dort tagende Union der Völkerbundligen durch Beschluß die im Vorjahre von der Warschauer Tagung beschlossene Resolution gegen den Nuraerus clausus, insbesondere gegen das Gesetz in Ungarn, neuerdings bekräftigt hat. daß sie eine flüssige Kontinuität vermissen lassen, daß die musikalische Phrase des ״Gedankens“ sich immer wieder wiederholt, ohne den Eindruck einer Durchführung zu erwecken. Bemerkenswert ist das gesungene Wort in Gladsteins Liedern. Wo es in Stimmungen und gewissen ״orientalischen“ Melismen sich ergehen darf, da erreicht es nicht unbeträchtliehe Wirkungen, versagt aber dort, wo es sich um eine präzise und originelle Ausdeutung des Textes handelt. Während also einiges aus den Meeresliedern zu fesseln vermochte, versagte ganz die Suite op. 5 — das ״Schlaflied für Mirjam“ (nach Worten Rieh. Beer-Hofmanns), deren Anlage ich bereits als verunglückt ansehen muß, dessen Durchführung für alle Beteiligten keinen ungetrübten Genuß bereiten dürfte, und dessen Verständnis durch musikalische Ausdeutung eher erschwert als erleichtert wird. Ich bin überzeugt davon, daß der Dichter des ״Schlafliedes“ über diese Vertonung untröstlich wäre. Sehr erfreulich die beiden ״T ä n z e“ für gemischten hör. Gut, wenn auch nicht einfach für den Chor gesetzt, ieten diese Bearbeitungen dennoch Möglichkeiten aut die eigen-jüdische Art zu musizieren, zu singen. Der Komponist, der bei der Gründung dieses jungen Juval-Chores mit beträchtlichen Schwierigkeiten kämpfen muß, sollte von allen Seiten in seinem Bestreben unterstützt werden. Der junge Chor hat eine Reihe von singfreudigen Damen und Herren vereinigt und dürfte bei Bereicherung seiner stimmlichen (wie auch materiellen) Mittel, bei erhöhter Arbeit und Ausdauer, und bei der unbedingt notwendigen Unterstützung der jüdisehen Gemeinschaft, eine wichtige Rolle im Entwicklungsprozeß der neuen jüdischen Musik, spielen. Wir sind beim Losungswort angelangt: Neue jüdische Musik! Wir denken an ihren Anfang, an die riesige Aufgabe, die aller harrt. Und wir nehmen jede Regung eigener Art dankbar zur Kenntnis. Wir wollen hoffen, daß Israel Gladstein den Weg persönlicher Entwicklung finden wird und hoffen, daß es ihm gelingen wird, durch ernste Arbeit, Beherrschung der Materie, Kenntnis des europäischen Maßes und europäischer Literatur, den Weg zur Erreichung eigener Geltung in der werdenden neuen jüdischen Musik zu finden. Das Publikum dankte allen Mihvirkenden, also dem L a m - blnon-Quartett (N. Lambinon, A. Weger, Frieda Mosheim, G. Zeel and er), der ausgezeichneten Sängerin Fr. Lotte Stein, dem Juval-Cnor und vor allem dem dirigierenden Komponisten durch warmen Beifall. Dr. K. R- ״StnrmDnl“ von Allois Paqaet (Volksbühne.) Die Volksbühne nähert sich immer mehr dem Ziele ihrer Gründer, sie wird immer mehr zum Theater dieser Gegenwart. In Paquets neuem Drama ״Sturmflut“ zeichnet sich die Geschichte des Weges neuer Dramatik fast schematisch. Hindernis und Forderung im Block der lebendigen Zeitgeschichte und Bewältigung durch Einschluß dieser Geschichte, nicht wie bei anderen durch Ausschnitte, das ist das Neue, das Paquet mutig beginnt. Granka Umnitsch, gigantischer Schöpfer des Neuen (in der Wahrheit des Lebens), im Drama ein Getragener der Masse, verkörpert symbolhaft tiefere geschichtliche Wahrheit. Ihm gegenüber die kapitalistische Welt, repräsentiert im Engländer OrviU (Macht) und im Kapitalisten Gad (Geld), ist nicht mit einfache® Schwarz und Weiß gezeichnet. Orvill ist Macht schlechtweg, aber Gad ist nicht nur ״Geld". Im Juden Gad regen sich zugleich die Lebenskräfte seines Volkes, Vergangenheit und Zukunft. Gad sieht durch die Vergangenheit hindurch das Kommende, und weil er die Fäden hält, wird er seihst zum phantastischen Abbild der inneren Ströme, die Gegenwart und Zukunft schaffen. Ewige Gegenwart und Rätsel, diese beiden Personifizierungen, in denen sich der Jude der Außenwelt zeigt, wurden selten so gut erfaßt. — Das Fließende, der Ablauf, das immer noch Geschehende sind das Wesentliche dieses Dramas. Paquet und sein junger Regisseur Erwin Piscator haben diesmal etwas geschaffen, das unleugbar zur Geschichte des neuen Dramas gehört. Diese Vereinigung von Kino und Drama, Wirklichkeit und ihr Symbol, hat natürlich, streng genommen, mit dem ״reinen“ Drama nichts zu tun, wohl aber mit der Geschichte der Bewältigung von Stoff und Form. — Der Jude Gad, der phantastische Pol des Dramas, wird bei uranach zu einer seiner besten Gestalten. Sein Kopt, lateinisch klar und seine Bewegungen waren im Spiel noch nie so präzise und durchgestaltet. Seine Stärke liegt sonst meist im Schaffen aus dein großen Block. Diesmal aber hat Granach gezeigt, daß er auch zur Gestaltung minutiösester Feinarbeit fähig ist George gibt seinem Granka Umnitsch die machtvolle erschütternde Menschlichkeit des Mannes, der kindlich und gut, schuldig und schuldlos 1‘n einem ist. Neben ihm Leo Reuß als sportgestählter, zynischer Vertreter der englischen Weltmacht und Kaiser als Gegenrevolutionär. Ruth Morold. ' lifa s 114 44fe