Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 21 (16.3.1926)
- Date
- 1926-03-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite!8« JtTEUISCHB RUFT0SCHXU Hr.SI Sie NotweidlflkeM lu Partete1«ystem1!«nerhalh der Zioalitisehen Orgaalsatlon Von »., erliard Holdheim. Oie parlamentarische Uniulänglichkeit unserer Kongresse hat, wie heute kaum noch Bestritten wird, seine tiefste Ursache in der Zusammenhangbsigkeit der ״Allgemeinen Zionisten" und der daraus resultierenden Ungeklärtheit der zionistischen Kräfteverhältnisse. Oh eine Mehrheitsbildun^ mit Sicherheit zu erzielen wäre, wenn klare Parteikonstellationen auf Grund exakter programmatischer AWgremungen beständen, mag dahingestellt^ Bleiben, Auch dann könnte noch zu Befürchten sein, daß wir infolge der interterritorialen Zusammensetzung und leicht zu erklärender parlamentarischer Unreife mit destruktim» Tendenzen schwer zu ringen hätten. Unbestreitbar aber Ist, daß ohne Herauskristalllsierung der Gruppcndivergenien die Verworrenheit des gegenwärtigen Zustandes bestimmt einen permanenten ־Charakter annehmen würde. Die Folgen wären nicht a&usehen. Zweck diese• 'Aufsatzes ist nicht, zur Frage der Kongreßtaktik Stellung xu nehmen und Bestimmte Neugruppierung«n anzuregen,_ sondern grundsätzlich zum Problem des ״Allgemeinen /.ionismua" einige Worte zu sagen. Bevor man Bedeutungsvolle politische Beschlüsse faßt, ist cs nicht nur vorteilhaft, sondern geradezu unerläßlich, theoretische Erwigungen anzustellen. ־ Die Frage nach Sinn und Bered!• tigung eines ״Allgemeinen Zionismus" fordert klare und unawefdeutige Beantwortung. Ein« solche Frage wäre vor dem Kriege gar nicht verstanden worden. Bis *um Jahre 1901 (dem Gründungsjahr des Misrachi) gaB es überhaupt nur ״Allgemeine Zionisten". Die historische Bedeutung der ersten Kongresse Bestand darin, daß sie eine neue Erkenntnis verkündeten und der Idee der Zionistischen Organisation m leBendiger Manifestation verhalfen. Es galt Hereis Losungswort vom einheitlichen, trotz Grenzen ungeteilten jüdischen Volke nach außen zu repräsentieren und nach innen zu verankern. Auch für die innerpolitischen Entscheidungen, die dem Vorkriegsrionismus ob'- lagen, war eine Differenzierung nach Weltanschauungen üBerflüssig. Die Gegensätze Beispielsweise in der Ugandafrage oder in der Frage des praktischen Zionismus" Beruhten weit weniger auf Verschiedenheiten immanenter geistiger oder wirtschaftlieher UeSeneugungen als solcher der Beurteilung der sionistischen Situation, Zweifellos gab' es auch damals schon Beträchtliche Abweichungen in der ideologischen Erfassung d« zionistischen Problems. Aber aus Gründen der damaligen Lag* konnten solche Divergenzen fast niemals konträre potitische Entscheidungen herSeiführen. Bis rum Kriege gab es noch einen legitimen ״Allgemeinen Zionismus". Die üb'erwältigende Mehrheit der Kongreßdelegierten gehörte ihm an, und es war selBstverständlich, daß in der Leitung der Brwegung die SonderverBande nicht vertreten waren. Damals war auch der oft gehörten Meinung, daß der ״Allgemeine Zionismus“ im Vergleich zu den Sonderverbänden eine höhere und reinere Form des politischen Zionismus darstelle, eine gewisse Berechtigung nicht ubzusprechen. Oder milder formuliert: eine solche Auffassung konnta Begreiflich erscheinen. Die Verknüpfung der zionistischen Idee mit Lehren, die anderen Lebenssphären entströmten, konnte den, Eindruck erwecken, als 0B Nebenzwecke verfolgt würden, die eine geradlinige zionistische Arbeit beeinträchtigten. Die programmatische und ideologische Abhängigkeit z. B. von mamistischen Vorstellungen müßte ,(סן sagten, »jamaJs ״viele) . di«1 freie und itlileeinfitjßte ־ Entscheidung. in änlstiscfien, Frag«! tnichwer«n»־wenn 'nicht gar ־tihnjögfch machen•, Somiterschienen in den Äugen so mancher Betrachter die ״Föderierten" als Zionisten minderen Ranges, deren Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation man aus politischen Gründen zwar Begrüßte, deren Legitimierung zu bestimmendem Einfluß innerhalb der Organisation aber höchst fragwürdig erschien. Anschauungen wie die eben geschilderten können uns heute nur antiquiert Vorkommen. Mochte man in einer Zeit der Vorbereitung mit einem Schein von Recht die Notwendigkeit von organisierten Parteigruppen in Zweifel ziehen, 60 ist jetzt, wo die Verwirklichung des AufBaus im Gange ist, umgekehrt kaum mehr zu verstehen, wie die große Masse der Zionisten ohne parteipolitische Bindungen auskommen kann. Ein Zionismus ohne Bestimmte Nuancierung mußte in dem Augenblick an Berechtigung verlieren, wo der einzelne gezwangen war, auf das Wie des AufBaus eine klare Antwort zu geben. Wollte heute jemand behaupten, ihm sei jede Form des AufBaus recht, wenn nur überhaupt ein judenstaatsähnliches Gebilde in Palästina entstehe, so käme auch er nicht um die Entscheidung herum, welche Entwicklung amustreBcn und zu fördern sei. Die Gefahr Besteht, daß durch Anwendung falscher Methoden die Erreichung1 des Zieles unmöglich gemacht wird. Auch wer um der Verwirklichung willen ihm widerstrebende (z. B. soziale) Zustände in Kauf zu nehmen bereit wäre, wird zum energischen Eingreifen in den Meinungskampf gedrängt. Denn es gilt nicht etwa nur das persönliche Wunsch- Bild zii realisieren, sondern das Fiasko des Aufbaus überhaupt *u verhindern, das eintreten müßte, wenn ungesunde und nationalschädliche Entwicklungen widerspruchslos «!gelassen werden. Gerade die Zionisten, die sich ganz frei wissen von gruppenegoistischen Motiven, müßten klar erkennen, daß ihr Kampf gegen die zentrifugalen, nivellierenden Tendenzen das Mittel eines organisatorischen Zusammenschlußes dringend irfordert. In paradoxer Zuspitzung gesagt: wer über den Partei«! zu stehen glaubt, muß danach streben, selbst Partei tu werden, um durch das Medium der eigenen Partei für <H« höheren Gemeinschaftsnotwendigkeiten wirken zu können. Wird hier für die folgerichtige und der Struktur des gegenwärtigen Zionismus allein entsprechende Entwicklung die generelle Anerkennung und Förderung von programmatisch •nsammengeschlossenen Parteigruppen angesehen, so sei der Einwand sogleich;««geschaltet, daß der Zersetzungsprozeß, in dem sich die Zionistische Organisation seit Jahren Befindet, hierdurch nur genährt würde. Es ist kein Grund ersichtlich, warum die Idee der Geiamtorganisation Bei derartigen Untervnrßänden weniger gut aufgehoben sein soll als Bei den meinen Zionisten". Wenn die Bestehenden Sonderde hin und wieder am Geiste des Gesamtzionismus •Ich versündigten, so lag gewöhnlich eine Schuld der Führer vor, aber nicht eine Illegitimität des Systems. Sich auf Grund Bestimmter Programme zusairmicnzuschlicßcn, muß keineswegs heißen, Gruppeninteressen auf Kosten der Gesamtinteressen *«umspielen und Kuhhandel «1 trelBen. Auf keinen Fall aber *oMteti sich die ״Allgemeinen Zionisten" einbllden, daß gerade aW die Berufenen Schützer des Organisationsgedankens gegen- ■Ser den Uebergriffen der Sonderverbände darstellten. Auch unter ihnen Befinden sich, wie nicht oft genug gesagt werden kann, politische Vertreter von wirtschaftlichen Interessentengruppen, die um die Budgetposten nicht minder hartnäckig und egoistisch kämpfen als Misrachi und Arbeiterschaft. Was vollends das Verständnis für die Notwendigkeit einer starken; zentralgeleiteten und autoritativen Zionistischen Organisation anlangt, so wird nicht gut zu Bestreiten sein, daß es hier beispielsweise die Hitaciiduth mit so manchen allgemeinen Zionistcngruppen aufnehmen kann. (,Vergleiche das Kongreßprogramm der Hitaciiduth zur Organisationsiragc.) Entscheidend ist die Erkenntnis, daß cs einen ein heitliehen ״Allgemeinen Z i o n i s tu n s" ת i c h t gibt und nicht geben kann. Gruppen, die sowohl in der ideologischen Fundierung des Zionismus als auch in ihren politischen und kolonisatorischen Forderungen voneinander afwefcb'en, können wohl bin und wieder ״vereint schlagen", d. h. sie können taktisch Zusammengehen, gemeinsame Detailziele gemeinsam zu erreichen suchen und sogar auf Grund eines Kompromiß- Programms in einer Koalitionsleitung zusammen vertreten, sein. Das wohlverstandene Interesse der GesamtBewegung erfordert aBer, daß sie ״getrennt marschieren“, weil nur dadurch eine klar« IJeBfreicht über die Kräftekonstellationen gewährleistet wird, Eine Einheitlichkeit der Auffassung vortäuschen zu wollen, wäre schon deshalB sinnlos, weil die Divergenzen zu offen zutage treten und gar nicht übersehen werden können. Di« Forderung nach tunlichst weitgehender Durchführung de» Parteiensyitems Bedeutet nun aber nicht, daß jetzt zahlloa« Gruppen und Grüppchtn aus der Erde schießen sollen. .Wir müssen uns streng hüten, hier dem Beispiel Palästinas zu folgen, das eine groteske. Parteizersplitterung Betreibt. Wollte jede Spezialmeinung das Recht des politischen Zusammen- Schlusses in Anspruch nehmen, dann wäre ein Zustand geschaffen, der unseren Parlamentarismus endgültig untergräbt. Wer um der Klärung der innerehmistiBehen Situation und der politischen Reinlichkeit willen an die Stelle einer mechanischen Zusammenfassung von Landsmannschafton eine interterritoriale Neuorganisierung auf Grund von Programmen fordert, ist auf der anderen Seite verpflichtet, die parlamentarische ,Unmöglichkeit von Splitterparteien geStihread hormreuheben. So wenig wie kleinliche Interessen un&deutender Gruppen sollen geistige Prinzipien in Form von Ordensgemeinscnaften eine besondere Kongreß Vertretung finden. Der Gefahr, daß der politisch« Ehrgeiz einzelner nun in der Gründung irgendwelcher Gebilde ein Betätigungsfeld sucht, ist von vornherein dadurch gesteuert, daß das Organisationsstatut nur SonderverBande in einer Stärke von mindestens 20000 Schekelzahlern und noch dazu nach vorheriger Genehmigung durch das Aktfons- Comitd anerkennt. Resümierend wäre zu sagen: die Zeit eines undifferenzierten ״Allgemeinen Zionismus" ist unwiderruflich vorüber. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich weiter, daß die Geschlossenheit der Landsmannschaften nur in der konkreten ArBeit, nicht aBer in der programmatischen Entscheidung innerzionistischer Fragen liegen kauf!. Da somit eine Kongreßpolitische Einigkeit der einzelnen Landsmannschaften nicht einmal unter sich selbst, geschweige denn untereinander vorhanden i$t,_ ist der Gedanke eines ״Blocks der Iaradsmannschiften“ Bereits in seiner Konzeption verfehlt. Zu fordern ist demgegenüber eine Neugruppierung der Zionisten nach Anschauungen und Programmen, <J, h. Gründung neuer Sonderverbände. Deren Zahl muß so gering ah möglich sein; jeder Luxus weitgehenderer Differenzierung ist vom UeBel. Auch in den neuen Verbanden werden sich die Meinungen oft scharf gegenüberstehen, es wird linke und rechte Flügel geben. Aber Grundübenettgungen vom Wesen des Zionismus und den Bedürfnissen des AufBaus •werden und. müssen sie unbeschadet der Abweichungen in Einreifragen zusammenhalten. Was die kongreßpolitische Haltung der jeweiligen Verbände betrifft (etwa die Frage des Zusammengehens mit anderen Gruppen, Beteiligung oder NichtBeteiligung an der Exekutive), so wird sich die Minderheit den Mehrheit*- Beschlüssen zu fügen haben; dagegen darf es Bei prinzipiellen zionistischen Entscheidungen einen Abstimmungszwang nicht geben. Die ,Entwicklung dep Zionistischen Organisation in dem liier angedeuteten Sinne wird eine klare Uebersicht über die Kräfteverhältnisse auf den Kongressen ermöglichen. OB ein fruchtbringendes parlamentarisch« Arbeiten, ob die Wahl einer fiel» auf eine Mehrheit atöteeaden »läÄtlHgin'Teilung''er-' ‘;rejeht ,wjrd^.h^pgt von &m ptititisaMm MMgfcttgn.!j9f Aß Ventänd'iguhfsBereitschaft der ParteiOTtrer ab.‘:־־Wie"nirgends in der Politik, wird es auch Bei uns nicht ohne Kompromisse aBgehen. Wenn cs auch ein« Grenze gibt, deren Uebersebreitung eine Aufgabe der Grundsätze bedeutet, so wird sich doch innerhalb des Möglichen bei kleinen Abstrichen aller Beteiligten eine Eittiguftgsformel meist finden lassen. Denn keine noch so weitgehenden programmatischen Unter- Scheidungen dürfen es vergessen lassen, daß alle Gruppen auf Gedeih und VerderB aufeinander angewiesen und aneinander gekettet sind. Ist also Bei gutem willen und gebührendem Verantwortungsgefühl eine MehrheltsfiMang sicherlich zu erreichen, so muß auch auf die Grenzen hingewiesen werden, di« sogar einer Mehrheit gegenüber der Minderheit gesetzt sind. Ein rücksichtsloses Regiment einer Mehrheit etwa gegen die in der Minderheit Befindliche Arbeiterschaft ist angesichts unserer palästinensischen Situation und um der Moral unserer Bewegung willen nicht denkBar. Denen aber, die derartige Bedenken als unzulässige Sentimentalitäten Betrachten, sei entgcgengebalten, daß in dem parlamentarisch reifsten Lande, in England, die Rücksicht auf die jeweilige Minorität eine Selbstverständlichkeit bedeutet. Unabhängig aber von einem schon durch Klugheit diktierten Verhalten muß auf die Be- Sonderheit gerade unserer Situation hingewiesen werden. Der Zionistenkongreß ist ein auf Freiwilligkeit Beruhender Zusammenschluß einer über Erdteile zerstreuten Gemeinschaft, die wieder Volk werden will. Wir haBen es schwerer als andere Parlamente, denn die örtliche Auseinandergerissenheit verhindert nicht nur die Permanent pariamentarisehe.r ArBeit, sondern auch die geistige Kommunikation unserer Volksvertreter. Auch hat kein anderes Volk der Welt das Beispiellose Ziel, dem Land, dem sein Wirken und seine Ließe gehört, erst die Fundämmte seiner Entwicklung zu setzen. Zionismus ist mehr als eine organisierte Volksgemeinschaft, er ist eine Bewegung von Menschen, die ein gemeinsames Ideal ins Leßen umsetzen wollen. Wenn hier trotz aller programmatisehen Verschiedenheiten nicht ein Geist gegenseitiger Achtung und vertrauensvoller Verständigungsbereitschaft obwaltet, wenn nicht die Idee der Eidbruderschaft die Herzen aller Zionisten erhellt und vorwärtstreiBt, dann wäre das Ende des Zionismus gekommen. Die Kalitatslraoe Wie die ״Times“ aus Kairo vom 12. März meldet, ist dort die indische Delegation eingetroffen, die zur Untersuchung verschiedener Beschwerden gegen Ibn Saud nach Hedschas gesandt worden war. Die Delegation berichtet, daß tatsächlich Grausamkeiten und Zerstörungen verübt worden sind, auch au geheiligten Gebäuden in Mekka. Ibn Saud beabsichtigt zu dem geplanten Kalifatskongreß in Kairo Delegierte zu entsenden, erklärte jedoch, daß er seihst nicht als Kalif kandidier,en wolle. Der J«int• Drive New York, 10. März. (J. T. A.) Eine in der Wohnung des Präsidenten des Joint, Mr. Felix M. War bürg, abgehaltene Beratung der Führer des Joint, führte zu dem Beschluß, einen Appell an die amerikanische Judenheit zu erlassen, angesichts der gesteigerten Not unter der Judenheit i!1 Osteuropa mindestens 2 0 Millionen Dollar, statt der beschlossenen 15 Millionen, für Hilf»- und Aufbauzwecke in den nächsten drei Jahren aufzubringen. Für New York wurde eine Erhöhung der Quote von 4 auf 6 .Millionen beschlossen. Kleine Nicbriehtei Der Waad Poel der Histadruth arrangierte zu Ehren des 50. Geburtstages von Dr, Ru pp in einen Fe*♦־ fee in Tel-Awiw, in der Vertreter der verschiedenen Institutionen der Arbeiterschaft sprachen. Dr. Ruppin dankte ihnen und sprach über seine Erinnerungen an die erste Z*tf der gemeinsamen Arbeit. Die Moazafi der Histadruth setzte den Zeitpunkt dar allgemeinen Arbeiterkonferenz in Palästina auf Juli dieses Jahres fest. Die Zahl der Delegierten soll 201 betragen. Der ״Do a r H a jo m“ will aus sicherer Quelle erfahren haben, daß Delfiner seine Seidenfabrik in Tel-Awiw unter Leitung eines bewährten Fachmannes aus Wien In Bilde wieder zu eröffnen gedenkt. Die Stadtverwaltung von Tel- Awhv bat beschlossen, der Fabrik von Delfiner Steuerfrei heit bis zum Jahre 1030 zu gewähren unter der Bedingung, daß die Fabrik binnen kurzem wieder ihr«« Betrieb aufnimmt. ln London hat sich eine Gesellschaft der ״Friends 01 tfte Hebrew Umversity“ gebildet. Das Präsidium hat Sir PhlHp Hartog übernommen. Mitglieder der provisorischen Leitung sind u. a. Prof. Brodetsky, Joseph Cowen, Philip Guedalfa, Major Nathan 11. a. m. Schriftführer ist Mr. Jacques Cohen. fm Laufe des Februar wurden in Tel-Awiw BaubewÜBgungen für 74 Häuser mit 238 Zimmern und 9750 qm erteilt, im Laufe der letzten drei Wochen wurde mit dem Bau von 30 Häusern, die 170 Zimmer umfassen, begonnen. Rabbiner Dr. Ehrenpreiß -Stockholm, der vor einigen Wochen in Saloniki war, um mit den dortigen Gemeinde* behörden über die Uebernahmc des Rabbinats zu verhandeln, hat nun von Stockholm aus eine abschlägige Antwort erteilt. 420 jüdische Emigranten aus Polen traten in einem Sonderzug die Reise nach Südamerika an. Demnächst begeben sich Hunderte von Emigranten nach Australfen. Bel der Hochschule für Erziefmngswesen in Kiew wurde eine jüdische Fakultät errichtet. Die ״Sei bs t w ch r“, das offizielle Organ der Zionisti• sehen Organisation in der Tschechoslowakei, feiert Ende dieses Monats aas Jubiläum des 20jährigen Bestehens. Sie .wird aus diesem Anlaß eine reich aus gestattete Festnummer her* ausgeben. Am 5. und 6, d. M. fand in Krakau eine Konfero* der Vertreter des Zentralkomitees der Hitachduth in Polen mit Vertretern der beiden Zentralkomitees in Warschau und Lemberg statt. Es wurde die Schaffung einer einheitlichen Partei für ganz Polen beschlossen. Als Vertreter des Hauptbüros der Hitachduth wohnte Dr. Jacob Hellmann der Konferenz bei. Fm Alter von 60 Jahren verstarb in Warschau der verdiente Historiker der Stadt Lublin, S. B. Nissen bäum. Sein im Jahre 1899 erschienenes Werk ״Ke Geschichte d«r Juden Lublins“ gilt als eines der grundlegenden Werke über die Geschichte der Juden in Polen. Am 13. d. M. zwischen 2 und 3 Uhr nachts ist der israelitische Friedhof in F. rf.urt von drei jungen beute« in geradezu unglaublicher Weise zerstört worden. Etwa drei Viertel von 120 Grabsteinen sind um geworfen und zum Teil zerbrochen worden. Es gelang, zwei der Verbrecher zu verhaften. Es sind der Bankbeamte Robert Bartho* lotnac und der 20jährige Walter Lauchen. Jahrhundertfeier des Wieier Stadtteapeis Am 9. März waren es 100 Jahre, seitdem der offizielle Wiener Tempel in der inneren Stadt eingeweiht wurde. Im Jahre 1792 erhielten die Wiener Juden beschränkte Rechte einer religiösen Gemeinschaft: sie dürften sich als ״Kolleg der gebildeten Klasse hiesiger Israeliten“ organisier«!. 1811 gestattete Kaiser Franz I. durch ein Edikt den Erwarb eines Grundstücks in der inneren Stadt zwecks Errichtung eine■ Tempels. 1820 zählte. Wien 137 tolerierte Juden, die mH ihren Familienangehörigen ungefähr 500 Seefen ausmachten. Dazu kamen mehrere sogenannte ״Dienstjuden“ (angeblich bei den Tolerierten Diensttuende), sowie einige ״fremde“ Juden mit zeitweiligem Aufenthaltsrecht. Jeder Unrolerterte mußte sich zweimal im Monat beim Judenamt um das Aufenthaltsrecht bewerben; eine Ausnahme wurde nur bei Emil Rothschild gemacht. Das Judenamt war am Toreingang durch das Schild gekennzeichnet: ״Für Juden, Sesselträger und Fiaker“, Wollte ein Tolerierter heiraten, so mußte er warten, bis ein Familienoberhaupt verstorben ist, dann mußte er im voraus die dreijährige Toleranz-Taxe entrichten. Es war!eichter, den Adelsbrief als den Toleranzbrief zu erhalten. Die vollen Rechte, eine religiöse Gemeinde zu bilden, erhielten die Wiener Juden erst nach Einführung der Konstitution hu Jahre 1848. Konstitutionell verankert wurden diese Rechte erst im Jahre 1S67. Die ״Wiener Morgenzcitung“ vom 14. März ist als Festnummer dem 100. Jahrestag des Wiener Stadttempels in der Seitenstattengasse gewidmet. Zahlreiche Beiträge und Bilder behandeln die Geschichte des Wiener Judentums. Völkische Rüpelei«■ im Prei&isehe■ Landtag ln einer der letzten Sitzungen des Preußischen Landtage■ griff der völkische Abgeordnete Pastor Voß die republlkam■ sehen Beamten maßlos an, insbesondere den Landrat Bubert (Emden), der sich wegen seines Auftretens gegen den Borkunter Hetzpastor Münchmeyer bei den Völkischen unbeliebt gemacht hat. Abg. Dr. Badt machte darauf aufmerksam, daß die Behauptungen gegen Hubert unbewiesen seien, WÜtrend die weit schwereren Vorwürfe ge,״en den Pastor Münchmever sich alle auf erwiesene Tatsachen stützen. Abgeordneter Voß geriet außer sich und rief, dieser Jude (Dr. Badt) hätte die Unwahrheit gesagt, die An- ’schuldigtingen gegen Münchmeyer seien längst widerlegt. Auch die übrigen völkischen Abgeordneten riefen Dr. Badt. bchimpfworte zii und der Abg. Stock (im Zivilberuf Lehrer!) verstieg sich zu dem Ruf ״Der zionistische Lump“. Darauf drangen mehrere sozialdemokratische Abgeordnete auf Stock ein, der kreidebleich dastand, bis sich einige andere Abgeordnete ins Mittel legten. Der Vizepräsident Dr. Porscb hatte in dem entstandenen Tumult offenbar sämtliche beschimpfenden Zurufe überhört, so daß zunächst kein Ordnung*־ ruf erfolgte. Dr. Badt gab darauf eine Erklärung 8b, fflt den Beweis seiner Angaben enthielt. Als der Abg. Stock eine Gegenbemerkung mit den Worten begann ״Der Zloulst Dr. Badt . . fertigte ihn Dr. Badt unter großem Beifall des Hauses mit der Bemerkung ab, au sich laste er sich die ehre 11 v o Ile B c z c i c 11 n u 11 g ״der Zionist Dr. Badt“ gern gefallen, früher habe er aber ״zionisti* scher L!1 m p“ gerufen, gegen solche Rüpeleien müsse sich das Parlament mit Rücksicht 'auf seine eigene Würde wehren. Der Präsident rief daraufhin Stock unter Zustimmung des ganzen Hauses zur Ordnung und entschuldigte sich, daß er die Aeußerung Stocks früher überhört habe. Nr Zioi km tag des statt. 20 Or1 befriedl bemerk Na (Dutsbi Karl C ״Zionis weit ai Probier Zusamt gegenü zunäch! nis tisch umschi! Jüdisch dem sc Arbeit waren, gaben Bonisti Marc Propag lagen! Reihe Herr nlstiscl probier Vc »lud 1 Rednei unterst Kajem! tenst Kajem! wurde ״r und V sprech! entreef zur Pf Wachs Zc Dr. H j verteet | an die schloß, ״Ziont: stärket nehme: Zionisi Qi Anhali 1. 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