Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1926)
- Date
- 1926-03-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 128 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17 Religion in ihren politischen Methoden sind*). Der Kampf gegen den jüdischen Klerikalismtis muß mit Kraft und Elan geführt werden. In diesem Kampfe wird der Zionismus einen immer machfiger werdenden Verbündeten haben: es ist dies das neue Leben in Palästina, welches beinahe täglich neue jüdische Formwerte schafft, neue jüdische Formsubstanz organisch bildet, die in ihrer Mannigfaltigkeit den verknöcherten, transzendentalen Konzeptionen orthodoxer Prägung mit Erfolg gegenübergestellt werden können. Zionismus und Orthodoxie kämpfen um das Primat im Judentum. Die Kräfte der Vergangenheit sind der Nährboden der Orthodoxie. Die heute wirkenden sozialen Mächte und diejenigen der Zukunft bilden den Stützpunkt für den Zio* nismus. Es hängt mir von ihnen ab, ob es gelingen wird, sie alle für die Entwicklung und Ausreifung der zionistischen Bewegung zu fruktifizieren. Vorläufig gilt es Kräfte zu sammeln und zum Stroße auszuholen, um die klerikale Gefahr von dem nationalen Judentum abzuwenden. Statistik des Palisfiuamles Üeriii (Januar 1926.) *U* Männer FV*a»t1 Kinder ün*«1. Beoteeb. Dorehr T ouristen 7 Kapitalisten 2 1 Zertifikate 21 S Anfofderungen - Rückwanderer 4 3 ”34 n 1 55 “17 J Berutsstatisfik der Zertifikate aus Deutschland: Männer: Landarbeiter 6 ungel. Arbeiter 2 Lehrer 2 Privatbeamter ן Konservenarbeiter 1 Elektromonteur 1 Lagerist 1 Klempner ן Friseur 1 Architekt 1 Bautischler 1 Schneider ן ~w Frauen: Näherinnen t Aerztin t Büroangestcllte t Kindergärtnerin 1 Laborantin 1 T Männer 19 Frauen 5 Ehetrauen 3 Kinder 4 3T Januar 1923 1924 1925 1926 Touristen 7 24 24 6 Kapitalisten! 4 l 3 Zertifikate 26 1 15 31 Anforderungen ר 3 2 Rückwanderer s 10 u ד 47 45 53 47 Durchwanderer 47 56 61 3 Gesamtabfertigung 91 101 4 ה. 50 Anmerkungen zur Januarstatistik des Palästina-Amtes. Die Statistik vom Januar zeigt zu der Dezemberstatistik ia der Gesamtzahl einen leichten Rückgang. Dieser ist vor falle«»' darauf zurftckzuführö», da# die Zahl'der Zertifikate und der Anforderungen aus Palästina um zwanzig Personen zurückgegangen ist. Alle anderen Kategorien sind ungefähr aut derselben Höhe geblieben. Im Vergleich zum Januar 1925 ist wie bereits im Dezember ein Rückgang um fast 50״/o in der Gesamtzahl festzustellen. Dieser Rückgang resultierte jedoch im Januar fast völlig aus der Tatsache, daß die Durchwanderung bis aut die geringe Zahl von drei Wanderern aufgehört hat. Die Zahl der aus Deutschland selbst beförderten fniinigramen ist gegen Januar 1925 nur wenig, gegen Januar 1924 fast gar nicht gesunken, während im Dezember 1925 allein die Zahl der aus Deutschland beförderten Immigranten über die Hälfte niedriger war als im Vorjahre. Dagegen ist festzustcllen, daß innerhalb der Kategorie im Januar 1926 eine entscheidende Verschiebung sowohl fegen Januar 1925 wie gegen Januar 1924 staugefunden at: Die Zahl der Touristen ist aut ein Viertel der Zahl der beiden Vorjahre gesunken und die Gesamtzahl wird nur erreicht durch die Erhöhung der Zertifikate. Die Gesamt- Statistik der letzten Monate weist auch dieses Nachlassen der Touristik auf und das Palästina-Amt wird alle Anstrengungen zu machen haben, um die Touristik in diesem Jahre noch etwas zu beleben. Der Träneikrag Die Jahre des Grauens haben uns stumpf und egoistisch temacht; der große Weltkrieg bedeutet einen Einschnitt auch ir die Geschichte menschlichen Fuhlens. Das Wort ״Pogrom“ ist alltäglich geworden, man liest es oft, ohne etwas Tiefes dabei zu empfinden oder vorziistcllcn, jeder ist nur von dem berührt, was ihm selbst /.ustößt. Nim kommt Abel Pann, der bekannte Maler, der jetzt in Jerusalem lebt und dessen Werke, besonders die biblischen Zvdeti, in letzter Zeit öfter zu sehen waren, und verwandelt das tote Wort in Erlebnis, Erschütterung, Aufschrei. Sein Zycltis ״Der Tränenkrug“ zeigt in 24 Zeichnungen**) alle Abwandlungen der Schrecken des Pogroms. Die wahnsinnige Angst der ihre Kinder schützenden Mutter vor den lieranstürmendcn Kosaken, das Wochenbett im Leiterwagen auf der Flucht, das an der Brust der geschändeten Mutterleiche vergebens nach .Milch suchende Kindehe«, die gehenkten Greise, Kosakenschcrzc, die Geiseln, Truminer, Flucht, Wahnsinn, Auszug, Wanderung, Heimatlosigkeit, übermenschliches Leiden ... Wer noch nicht verstanden hat, was die judenfrage ist, der betrachte diese Blätter; sie sind ein Weg durch Entsetzen zur Erkenntnis, ähnlich wie die wahrhafte Darstellung des Krieges, die Abbildung der Kriegswahrheiten, die beste Propaganda des Pazifismus ist. Pogrom ist nur die drastischste, extremste Ausprägung des Begriffes ,,Golus“. Und diese Pogrom-Mappe sollte man in satte jüdische Bürgerhäuser tragen, die sich heute wieder sicher wähnen, nachdem sic vor'ein paar Jahren selbst vor etwas Aehnlichem gezittert haben... Wer diese Bilder sieht, kann nicht als Abseitsstehender Ruhe finden, sondern muß mittun, wo cs gilt, Befreiung 7a schaffen. —o— *) So berichtete z. B. die Presse, daß der Rabbiner von Munkacs am Vorabend der Wahl zum Prager Parlament mit der Thora in der Hand in der Synagoge herumgegangen sei und folgenden Bannfluch erlassen habe: ״Jeder, welcher den Wahlzenel der jüdischen Partei abgeben werde, möge noch im Laufe dieses Jahres sterben; die Kranken mögen keine Genesung finden und die Kinder im Mutterleibe mögen nicht geboren werden, die Eltern mögen das Heranwachsen ihrer Kinder nicht erleben.“ •*) Eine Lcinenmappe, 24X31 cm, Lichtdruck auf Chamoiskarton, 5 Dollar (Vorzugsausgabe 25 Dollar), im Verlag des ״Bezael“ Jerusalem, Herstellung und Vertrieb: Europa-Verlag, Wien IV, Schönburgstr. 16. Frauenarbeit ln PaMsttna Wiederholt habe ich in der letzten Zeit in der ״Jüdischen Rundschau" sowie in Berichten des Keren Hajessoa Artikel über die Arbeit, die von Frauen für Palästina geleistet wird, gelesen. Dabei vermißte ich aber einen Bericht über die Arbeiten des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina*). Mir scheint doch, wenn man über die Arbeiten spricht, die Frauen für Palästina ihren Organisationen leisten, daß ein für Erez Israel so wichtiger Arbeitsfaktor wie der Kulturverband keineswegs vergessen werden dürfte. Schon vor dem Krieg, bevor noch irgendwelche arbeitenden Frauenvcreine für Palästina existierten, wurde auf dem Haager Kongreß im Jahre 1907 der Kulturverband gegründet. Eine der ersten großen Taten des Verbandes war die Gründung der Mädchenlehrfarm Kinercth unter der bewährten Leitung von Frau Dr. Maisel-Schochat. Es war das erste Mal, daß in Palästina selbst den Mädchen Gelegenheit gegeben wurde, sich in der Landwirtschaft auszubilden. Und erst die Erfahrungen, die man dort gesammelt hatte, ermöglichen es heute, die große landwTrtschaftliche Schule in Nahalal in richtiger Weise nutzbar zu machen. Die damaligen Schülerinnen der Lehrfarm Kinereth wurden zu den bewährtesten Leiterinnen der heutigen Kwuzoth. Eine andere, nicht minder wichtige Arbeit. leistete der Kulturverband vor dem Kriege in soaalnygieniscner Hinsicht. All die Arbeiten, die heute die Hadassah aufs großzügigste ausgebaut hat, wie Kranken- und Säuglingspflege, Ausbildung bzw. Entsendung von Krankenschwestern nach Palästina versuchte damals der genannte Verband in Palästina zu fördern. Er hatte auch den Mädchen und Frauen in Palästina die Möglichkeit zur Arbeit verschafft durch Einrichtung der Spitzenschulen, er hatte für den Unterrieht der Mädchen in Hebräisch, Lesen, Rechnen und Schreiben gesorgt, kurz eine vielfältige Arbeit geleistet. All dies wurde natürlich durch den Ausbruch des Krieges unterbunden. Und auch nach dem Kriege war es durch die wachsende Geldentwertung, durch die einsetzende Inflation außerordent-!ich schwierig, irgendeine produktive Arbeit zu leisten. Trotzdem versuchte man die Tätigkeit des Verbandes fortzusetzen. Das Geld, das einlief, wurde sofort hier in Deutschland in Waren umgesetzt und auf diese Weise gelang es, es für Palästina nutzbar zu machen. Natürlich mußte man sich durch die veränderten Verhältnisse in Palästina selbst in der Arbeit umstellen. Die Lehrfann Kincrrtii mußte als solche ihren Betrieb cinstellen. Dafür sagte man der geschaffenen neuen Farm Nahalal, die durch die Erfahrungen, die man mit Kineret!» gemacht hatte, zu einer Musterlehrfarm ausgebaut werden konnte, eine jährliche Unterstützung zu. Inzwischen hatte sich auch die Anfertigung von Spitzen nicht mehr als rentabel erwiesen. Man mußte neue Verdienstmöglichkeiten für Frauen und Mädchen schaffen. Teils durch private Initiative, teils durch die Hilfe des Kulturverbandes wurden kunstgewerbliche Werkstätten errichtet, die sich mit der Herstellung von Kleidern. Blusen, Decken, Kissen usw. in orientalischer Heimatkunst befaßten. Die Sachen werden teils im Lande selbst verkauft, vielfach auch an die Touristen, teils werden sie nach Deutschland geschickt, wo der Kulturverband es übernommen hat, die Waren nach Möglichkeit abzusetzen. Es ist aber auch jetzt die Aufgabe des Verbandes, neben der Gewinnung neuer Mitglieder, Propaganda für diese Arbeiten zu machen und das Interesse hierfür zu fördern zu suchen. Im Jahre 1925 gelang cs durch diese Heimindustrie, die Frau Hoofien im Aufträge des Verbandes in Tel-Awiw ins Leben gerufen batte,, allein ca. 35 Frauen einen Verdienst zu verschaffen. In den letzten zwei Jahren hat der Kulturverband eine neue wichtige Tätigkeit für Palästina entfaltet. Er hat das Budget für die Unterhaltung der neu eingerichteten Haifaer Haushaltungsschule übernommen. Die Abteilung besteht seit fünf Jahren und gibt den Schülerinnen der Realschule Gelegenheit, die Grundlagen der Hauswirtschaft zu erlernen. Vor kurzer Zeit wurde auch ein Internat eingerichtet für die auswärts wohnenden Schüler, so daß nunmehr Gelegenheit gegeben war, eine gründliche Ausbildung der Mädchen in der Hauswirtschaft vorzunchmen. Es wurden zunächst 16 Chaluzoth aufgenommen, die in einem zehnmonatlichen Kursus in allen Zweigen der Hauswirtschaft ausgehildet werden, um nachher befähigt zu sein, Stellen als Hausbeamtinnen in Krankenhäusern, Kwuzoth, Hotels usw. gut auszufüllen. Das Bestreben des Verbandes ist es, noch einen dritten zweijährigen Kursus, die sogenannte Frauenschule, den jetzigen Kursen anzugliedern. Dadurch würde natürlich das Budget erheblich erhöht und dieses Budget wird natürlich nur dann aufzubringen sein, wenn jede jüdische Frau sich für diese Dinge einsetzt. Ich hoffe, daß das Gesagte auch die Frauen, die bisher die Tätigkeit des Verbandes noch nicht kannten, anregen wird, sich dem Verbände als Mitglied anzuschließen. Anna Lcvy-Salz. Königsberg. Am S. Februar fand in der hiesigen Ortsgruppe des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ ein Vortrag von Frl. Dr. Miriam Scheuer aus Teplitz statt. Dieselbe beschäftigte sich in sehr interessantem Gedankengang mit der Stellung des jüdischen Volkes 111 der Welt, mit seinem einzigartigen Schicksal, ohne politische Volks- und Staatsmcrkmale sich Jahrhunderte lang in geistigen Formen als Volk zu bewahren, und mit den wunderbaren Konsequenzen dieses Geschickes, zu denen die Erscheinung eines ״Weltbürgertums zweiten Ranges“ gehört, ähnlich der zweitrangigen Bürgerschaft der Juden in manchen Ländern. Kosmopolit kann der vornehme Mensch sein, der, seines Landes und Volkes vollbewußt, keinen Chauvinismus kennt und durch seine persönliehe Kultur in der ganzen Welt daheim ist. Das Gegenteil aber ist beim Juden der Fall, wenn er 1m Weltbürgertum für Volk und Land Ersatz suchen will. Er geht zugrunde, weil ihm der Rückhalt fehlt. Nun hatten die Juden immer ihr Volksbewußtsein, nur gibt jeder eine andere Definition dafür. Aber als Palästina vor der Welt als den Juden gehörig erklärt wurde (1918), kam es ihnen zum Bewußtsein, daß sie ein Land hätten, und es wurde aus dem Ziel einer Parteipoitik Besitz aller. Nur muß sich die Selbstverständlichkeit der jüdischen Gemeinschaft ihre Rechte und ihre Pflichten Palästina gegenüber entwickeln. Dann wird die von allen Völkern anerkannte Zusammengehörigkeit der Juden und Palästinas diese nach Jahrhunderten buntester Staatszugehörigkeit wieder als vollwertige Bürger in der Welt legitimieren. Die gut besuchte Versammlung dankte mit reichem Beifall für die von tiefem Emst getragenen Ausführungen. Der Leiter des hygienisch-bakteriologischen Instituts des Hauptgesundheitsamtes der Stadt Berlin. Prof. Dr. Seeligmann, der, wie bekannt, Vorsteher der Berliner jüdischen Gemeinde ist, hat eine umfangreiche Sammlung von Arbeiten und Berichten aus dem Hauptgesurtdheitsamt der Stadt Berlin zusammengestellt und sie für die Bibliothek der Jerusalemer Universität zur Verfügung gestellt. *) Das Büro des Verbandes Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina befindet sich Berlin W, Bayreuther Str. 36, bei Frau Dr. Lesczynsky. Eingesandt Man schreibt uns aus Duisburg! Herr Prediger Dr. Rosenthal hat den Bericht über seinen Duisburger Vortrag gegen die Ostjuden so lange nicht ,,berichtigt“, bis er sich jetzt davon überzeugen mußte, daß für ihn selbst aus seinem Verhalten Folgen entstehen könnten. So bricht er sein Schweigen im Israelitischen Familienblatt vom 18. und in der Jüdischliberalen Zeitung vom 19. Februar. Auf den Ton dieses Predigers, der den Mann kennzeichnet, gehen wir nicht ein. Alle seine Behauptungen sind unrichtig. 1. Der von Steinhardt veröffentlichte Bericht gibt den Vortrag Dr. R.s getreu wieder. Dieser sagt ja auch nicht, welche Stelle unrichtig stenographiert sei und wie sie richtig laute. Das tut er 2. nur bei 2 Stellen. Die Stellen sind in dem Bericht wortgetreu wiedergegeben. Dr. R. kann nach seinem Ein• geständnis für den Wortlaut seiner Textangabe nicht einstehen, die übrigens nach dem Zeugnis der Redaktion des Israelitischen Familienblattes eine so schwere Kränkung der eingewanderten Ostjuden als Gesamtheit enthält, daß man, um Dr. R. zu schonen, von der Veröffentlichung abgesehen hat 3. Steinhardt hat nicht behauptet, die Protestversammlung, in der Dr. Rosenthal sprach, sei öffentlich gewesen, sondern ״eine Versammlung“, ״zu der fast nur Anhänger dieser extremen Richtung eingeladen waren; insbesondere hatte man die zahlreichen, in Duisburg lebenden Ostjuden grundsätzlich ausgeschlossen“. Die Herabwürdigungen der Ostjuden durch Dr. Rosenthal wurden von seinen Freunden sofort bei der Stadtbehörde und politischen Parteien verwertet, also nicht gehcimgehalten. Wie der Bericht erkennen läßt, kränkte Dr. Rosenthal die abwesenden Ostjuden in ihrer Gesamtheit schwer. Das nennt er jetzt in seiner Bedrängnis ״Selbstkritik“. Ke gesamte Gemeindevertretung, einschließlich aller Liberalen, wandte sich gegen die schweren Verunglimpfungen, deren sich Dr. Rosenthal und seine Freunde schuldig gemacht haben. Der älteste liberale Repräsentant gab eine Erklärung zu Protokoll, nach der er als liberaler Jude und Repräsentant von dem Geiste der Ungerechtigkeit und Unduldsamkeit, wie er in jener Versammlung zum Ausdruck gekommen sei, weit abrücke. 4. Die Behauptung, Dr. Rosenthal habe sich nicht gegen das Ostjudentum als Gesamtheit gewandt, ist, wie auch die Redaktion des Israelitischen Familienblattes feststellt, unrichtig. Der Bericht gibt darüber genauen Aufschluß. Unrichtig ist auch die Behauptung, die Schule sei durch ostjüdische Elemente veranlaßt worden, die alte deutsch-jüdische Kultureinrichtungen gegen den Willen der alteingesessenen jüdisehen Bevölkerung aufzuheben und dadurch den einheimischen sehen Gemeindekoilegien, haben"sich mit der Wiedererrichtung der jüdischen Schule — durch Beratungstätigkeit — beschäftigt. Die Repräsentanz, in der nur e i n Östjuae ist, und in der einschlicü!ic,1 <iie: es Ostjuden, entgegen der Behauptung Eh. Rosenthals die Zionisten nur eine Minderheit bilden, beschloß — mit ihren liberalen Mitgliedern — gegen eine einzige Stimme; der Vorstand, in dem kein Ostjude und kein Zionist ist, beschloß einstimmig die Gründung der Schule, entsprechend dem Willen der großen Mehrheit der Gemeinde, wie die Genieindevertretung feststellt, und dem Landesverbandswahlpro• grarnm der rheinischen Liberalen. Gerade die ältesten alteingesessenen Familien sind Freunde der jüdischen Schule. Nach der städtischen Umfrage bei den in Betracht kommenden Erfifthi״etel§#igtsp »ften Sjhu|ge0jff fgb ,dann keine Mehrheit genabt, wenn man ^'ölt|aHicfien;Ät«imJ€n »fleht mfr gezählt hatte. Ihren Willen der Gemeinde aufzwingen wollte lediglich die schulgegnerische Minorität, und zwar, wie oft schon, durch Austrittsdrohung. Die Dr. R.’schen Verunglimpfungen der Ostjuden, die sielt in Sachen der allein von den jüdischen Gemeindekollegien bearbeiteten und beschlossenen Schulgründüng nicht gerührt hatten, bezweckten nur, die jüdische Schule als eine von Ostjuden ins Werk gesetzte, dem Deutschtum schädliche Einrichtung zu brandmarken. Dr. R. hat nicht, wie er jetzt nach Antisemitenart, behauptet, zwischen guten und schlechten Ostjuden unterschieden (Vergl. oben zu 4). Eine solche Unterscheidung wäre ja auch für seine Zwecke sinnlos gewesen. Alle ostjüdischen Eltern sprachen siel» bei der behördlichen Umfrage für die jüdische Schule aus. Hält Dr. Rosenthal die schlechten Ostjuden für Schulfreunde, die guten für Schulgegner? 5. Dr. Rosenthal wandte sich allgemein gegen die jüdische Schule ebenso wie in der September-Nummer der Mitteilungen der Reformgemcinde. Die Schule wird nicht ohne Not errichtet. Sieht man von jüdischen Erfordernissen ab, so beantragte bei der Stadt Duisburg der Eltern rat der evangelischen Schule bei Pensionierung des einzigen städtischen jüdischen Lehrers, die Stelle nicht mehr mit einem Juden zu besetzen. 6. Der Kampf gegen den Antisemitismus liegt seit Jahren in Duisburg wesentlich in der Hand der Gemeindevertretung unter tatkräftigster Mitwirkung der Zionisten. E. G. Wohlfahrtsamt der Jüdischen Gemeinde Herr Caspare, der Leiter des Wohlfahrtsamtes, hat zur Versammlung der Bezirksvorsitzenden am 25. Februar die Presse geladen. Zur Beratung standen zwei Punkte: die Erwerbslosenfrage und Vorschläge zur finanziellen Bewältigung der neuen Ansprüche, die durch die plötzliche neue Notlage an die Kassen des Wohlfahrtsamtes gestellt werden. Nach einer kurzen Skizzierung der Lage — die Kassen sind erschöpft, viele Bezirke müssen die Hilfe der Centrale in Anspruch nehmen — äußerte sich Herr Caspan־ zur Regeln!! ■1 ־ Erwerbslosenfrage dahingehend, daß für Erwerbslose keine anderen Riehtlinien gelten sollten als für die übrigen Notleidenden. Wer städtische Unterstützung erhält, findet Hilfe bei der Gemeinde nur, falls die Unterstützung der Erwerbsloscnfürsorge nicht ausreicht. Die Zuschüsse können bestehen entweder in Speisemarken für die Volksküche, nötigenfalls in ״Obdach“ in der Wiesenstraße oder in Bekleidungsgegenständeu und Lebensmittein. Für die erwerbslosen Ausländer, die keine Unter- Stützung erhalten, tritt die Gemeinde an die Steife der städtischen Hilfe, die auf Einzelantrag neuerdings auch öfter g"' Propaganda ist“ höchste Notwendigkeit. Da die Bezirksvorstände durch die Ausführung der Fürsorge überlastet sind, wird eine besoldete Kraft bewilligt, die sich ausschließlich der Propa- Vorständen. Für die einzelnen Bezirke werden Sonderkommissionen aus den Listen gewählt. Die Aktion soll sich mit der ״Hilfe für die jüdische Not“ zu gemeinsamer Arbeit verbinden. Schon in acr nächsten Zeit werden die Aufrufe zur Zeichnung versandt. Der jüdische Orchesterverein wird zunächst in den westlichen Bezirken Konzerte veranstalten in Räumen, die einen genügend großen Reinertrag möglich machen. Nach dem Bericht scheint es, daß diese Hilfe in jeder Hinsicht nötig ist. Das jüdische Rettungskomitee in Warschau hat beschlotsen, angesichts der ungewöhnlichen Not sämtliche jüdischen Einwohner Warschaus mit wöchentlich 20 Groschen pro Wohnraum zu Wohlfahrtszwecken zu besteuern.