Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1926)
- Date
- 1926-03-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 126 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 17 Die Lage im mitüeren Osten Erklärungen Jouvcnels. Der Berichterstatter der ״Times“ meldet aus Beirut vom 24. Februar: In einem Gespräch mit den Vertretern der auswärtigen Presse äußerte sich Jouvenel nach seiner Rückkehr aus Angora mit Anerkennung über den modernen Geist der neuen Türkei. Die Türken, so sagte er, verstehen sehr gut die Tatsache der französisch-britischen Freundschaft und wissen, daß der Jetzte Schritt der Franzosen keine Verringerung dieser Freundschaft bedeutet. Daher kamen auch die Verhandlungen so schnell zum Ziel, jouvenel betonte die Notwendigkeit einer Anwendung des Geistes von Locarno auf die türkische Frage, damit nicht der falsche Anschein entstehe, als sei der Locarno-Pakt eine Einigung Europas gegen den Orient. Jouvenel verbreitete sich sodann über die einzelnen Punkte des französisch-türkischen Abkommens. Auf die Frage, welche Wirkung dieses Abkommen auf den Mossul-Konflikt haben wird, antwortete Jouvenel, er habe in London den Eindruck gewonnen, daß ein bewaffneter Zusammenstoß mit der Türkei sehr unwahrscheinlich sei, Die Türkei selbst sei interessiert an ungestörtem Aufbau und Vermeidung von Abenteuern. Jouvenel erklärte ferner, er habe die Absicht, in Kürze Palistina zu besuchen, um u. a. die syrisch-palästinensische Grenzfrage zu bereinigen. Er sei entschlossen, so bald als möglieh den Plan einer Eisenbahn Haifa—Tripolis (palästinensisch-syrische Küstenbahn) durchzuführen. Dies sei von größter Bedeutung für Syrien als einer Brücke dreier Kontinente. Heute seien Syrien und der Libanon nach seiner Meinung mit einer nutzlosen Agitation beschäftigt. Die Hauptsache sei die Herstellung von Harmonie zwischen den verschiedenen Elementen innerhalb der einzelnen Staaten, dann könnten sie später sich durch ein Votum ihrer gesetzlich gewählten Vertretungen zu einer Einheit vereinigen. Die Erklärung Jouvcnels ist offenbar darauf berechnet, die Verstimmung zu beseitigen, die durch das französlsch-türkische Abkommen in England entstanden war und in der englischen Presse unverhohlen zum Ausdruck kam. Seit Jouvenel* Besuch in London im November 1925 proklamierte man die englisch-französische Zusammenarbeit im mittleren Osten, und die neuerliche AnknÜ'pfung direkter Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei zu einer Zeit, wo die Türkei in schärfstem Gegensatz zu England steht und sich mit dem großen Gegenspieler Englands, Rußland, verbündet hat, mußte natürlich in London Mißtrauen erwecken. Die Sache ist auch im Zusammenhang mit der englisch-französischen Meinungsverschiedenheit wegen der Erweiterung des Völkerbundsrates zu betrachten. Für Palästina ist sowohl das Verhältnis Frankreichs zur Türkei als auch die Entwicklung der englisch-französischen Be- Ziehungen aus vielen Gründen von größter Bedeutung. Ob der Vertrag mit der Türkei eine schnelle Beendigung des syrischen Aufstandes zur Folge haben wird, bleibt abzu warten. ״Der Kamp! um das heilige Land" Der Berichterstatter der ״Vossischen Zeitung“ und der Wiener ״Neuen Freien Presse“, Wolfgang v, Weisl sammelte seine AuMta «ad tfMdrteüber dH?‘tvas «•׳־ttft täafe vött zwei Jahren in Palästina und im Vordere» Orient gesehen und gehört hat, und der Verlag Ullstein (Berlin) gab diese Sammlung in einem schönen Bande heraus, der von vielen ausgezeichneten photographischen Aufnahmen durchwirkt ist. Vier Karten am Anhang sowie reiches statistisches und Dokumenten-Material vervollständigen das Buch. Weisls Buch ist der Bericht eines Zeitgenossen und Augenzeugen. Es ist eine alte Wahrheit, daß Zeitgenossen den Sinn der Dinge oft nur entstellt zu erkennen vermögen und Augenzeugen zumeist das Wesentlichste übersehen. Lhese Wahrheit wird auch im Buche Weisls aufs neue erhärtet Weisl ist ein Adept der besten Wiener journalistischen Schule. Er hat Schwung, Phantasie, er schreibt farbig — er ist Feuilletonist im besten Sinne des Wortes. Wo er gegenständlich schildert, da erinnert er an Höilriegef, ja in manchen Abschnitten an den Meister des Wiener Suis Alfred Polgar. Wo er sich aber in das Oebiet der hohen Politik und der diplomatischen Spekulation begibt, dort ist er ein Zeitgenösse. Es ist kein Zweifel, daß Weisls Aufsätze in beide» großen Zeitungen veröffentlicht, in hohem Maße dazu beigetragen haben, daß weite Kreise der im deutschen Sprachgebiet, lebenden Juden, die sonst für zionistische Aufklärungsarbeit unerreichbar sind, vom Zionismus, von Palästina, seinem Werden und seinem Zauber erfahren haben. Daß aber, wie der ״Rasswtet“ meint, diese Berichterstattun״ Weisls der stärkste Antrieb für die an der Peripherie der jüdischen Interessen stehenden Juden gewesen ist, den Keren Hajessod zu unterstützen, ist zumindest naiv, Weisls Ansichten über das, was im Vorderen Orient und insbesondere in Palästina geschieht, ist die private Mcinung eines zionistischen Journalisten. Weist ist Kein Sprachrohr der zionistischen Politik und er trägt für das, was er schreibt, allein die Verantwortung. Seine zionistischen Ansichten sind Meinungen eines Einzelnen, der die Dinge sub- Jektiv sieht und subjektiv erlebt. Es wäre ein objektives Unrecht, den Zionismus für die Behauptungen und Entgleisungen Weisls verantwortlich zu machen. Denn man kann es nur als eine Entgleisung bezeichnen, wenn Weisl in seinem Vorworte behauptet, daß die Juden die Exponenten des Kampfes Europas gegen Asien sind, und daß in Palästina Walstatt des Kampfes der weißen Rasse gegen die asiatische ist. Das heißt doch in die Dinge zu viel hineinspintisieren. Ebenso dürfte es schwer zu beweisen sein, daß der zionistische Aufbau Palästinas ein Svmptom dafür ist,_daß das übervölkerte Europa, dem Amerika seine Häfen sperrt, _ Neuland sucht, und zwar ״in Asiens dünnbevölkerten Gebieten, an des Mitteimeeres Küste“, Ehe bescheidenere Wahrheit ist die, daß die heimatlosen, von den europäischen Völkern unterdrückten Juden, eine Stätte der ruhigen und friedlichen eigenen Entwicklung suchen und daß sie auf Grund eines komplizierten historisch-national kulturellen Prozesses von Palästina, dem Land ihrer Väter, angezogen werden. Sie fühlen sich hierbei weder als Exponenten des imperialistischen Europa, noch wollen sie Kolonisatoren sein, im Sinne der gewohnten europäischen Koloniaationsmethoden. Sie suchen eine wirkliche Heimat, wobei sie von dem Gefühle geleitet sind, heimzukehren und nicht zu erobern. Verzichtet man also darauf, Weisls Buch als eminent politisches Buch zu werten, und begnügt sich damit, in ihm eine farbenprächtige und interessante Schilderung dessen zu sehen, was in den letzten drei Jahren in Palästina geschehen Ist, so kann man daraus viele lebendige Eindrücke der werdenden jüdischen Renaissance empfangen. Aber auch der ״politische“ Teil ist für uns Zionisten von Interesse, weil er *eigt, bis zu welchen absurden Konstruktionen die ״revi- HoidstTsche“ Verirrung fuhrt. M osts Wa Id m a n 11. PJumers Antwort an Araber und Juden lord Plnrner m di« Araber Wir brachten schon in der vorigen Nummer ein Teleramm aus Jerusalem über die den Arabern von Lord luiner erteilte Antwort auf ihr Memorandum. I.ord Piumer hat es abgelehnt, die Kritik der Araber zu diskutieren, weil sie in ungehörigem Tone gehalten sei. Dazu wird noch gemeldet, daß Lord Piumer fort fuhr: Was den zweiten Teil des Memorandums betrifft, der konkrete Vorschläge bringt, so sei darüber folgendes zu sagen: Die Regierung hat alle diese Vorschläge geprüft und gibt darauf die folgende Antwort: Es wird eine Reform der Land- Wirtschaft Platz greifen, in der Weise, daß der Zehent durch eine Grundsteuer ersetzt werden wird; die lokale Industrie wird nach Möglichkeit gefördert werden. Die Regierung wird die Wahlen in die Stadtverwaltungen ausschreiben; die Verordnung betreffend die religiösen Gemelnden ist bereits veröffentlicht. Eine Arbeitsgesetz• g e b u n g wird demnächst herausgegeben werden. Die Regierung wird die Jaffa er Hafenanlagen verbessern. Auch werden Maßnahmen für Kinderwohifahrt getroffen werden. Dagegen lehnt die Regierung die Forderung nach einer Autonomie des arabischen Schulwesens ab. Lord Piumer schloß: Das ist in kurzen Worten das Programm der Regierung in Palästina. Eine ErfäJIung dieses Programms ist aber nur möglich, wenn die Ordnung im Lande gesichert ist. Deshalb wird die Sicherung der Ordnung die erste Sorge der Regierung sein. Alle diejenigen, die die Ordnung stören werden, werden eine schwere Verantwortung zu tragen haben. Weitere Berichte besagen, daß die Araber über die ihnen vom High Commissioner erteilte Antwort geradezu niedergeschmettert sind. Dem ״Daily Express“ wird aus Jerusalem telegraphiert, daß die arabischen Führer bitter enttäuscht sind, und zwar hauptsächlich deshalb, weil Lord Piumer die im Memorandum vom 13. Oktober vorgebrachten Klagen gar nicht zu behandeln gewillt war. Das arabische Lager, schreibt ״Daily Express", sei unter sich uneinig über die weiter einzuschla’genden Schritte. Der eine Teil glaubt, das Heil in einem Aufstand gegen die Regierung zu erblicken, während der andere Unruhen als für die arabische Sache schädlich betrachtet, weil sie beweisen würden, daß die Araber nicht nur antizionistisch, sondern auch antibritisch sind. Ein Mitglied der Delegation hat dem Korrespondenten des ״Daily Express“ erklärt: '״Lord Plumers Weigerung, über die schlimmen Folgen der jüdischen Ein- Wanderung und der Arbeitslosigkeit zu diskutieren, ist außerordentlich erstaunlich. Wir waren auch überrascht, seine direkte Drohung zu vernehmen, daß er sich aller Macht zur Aufrechterhaltung der Ordnung bedienen werde." In einigen Londoner Zeitungen sind dieser Tage Nachrichten aus Palästina erschienen, die sie von der ״Nationalpolitisehen Reformliga“ erhalten haben, welche sich bekanntlieh für die arabischen Interessen einsetzt. Darin wird vor der Gefahr einer Revolution in Palästina gewarnt, die ausbrechen würde, falls man nicht mit den reiigiösen Gefühlen der Araber rechnen würde. In einer weiteren Meldung wird behauptet, daß man darauf gekommen sei, daß •< ״ÄwReSfetiiif *•eiltet» das höchste Gericht zu zwingen, die Wahlen in den ffluselmanischen Oberrat zu annullieren. Des weiteren wird die Tatsache, daß über 40 Araber für Störung der Juden bei der Bearbeitung des Bodens von Dschidro vom palästinensischen Gericht zu Gefängnis verurteilt worden sind, stark aufgebauscht. Die hier ausgesprochenen Drohungen werden jedoch nicht ernst genommen. Die britische Regierung wird sich dadurch keinesfalls von der strikten Durchführung des Mandates abhalten lassen. Die I'alästina-Kegicrnng an den Wand lenmi Wie schon kurz mitgeteilt, hat die Regierung Palästinas auf das Memorandum der zweiten jüdischen National ver- Sammlung Palästina.? (Assefafh Hamiwcharim), das durch den Präsidenten des Waad Lcumi, Herrn David Y e 11 i n, und Dr. J. Thon dem Obersekretär Colonel Symes überreicht worden ist, eine schriftliche Antwort erteilt. Bezüglich der im Memorandum aufgeworfenen Frage über das Recht der jüdischen Bevölkerung des Landes, daß ein entsprechender Teil des Regierungs-Budgets für Erziehung. Gesundheitswesen usw. für die Bedürfnisse der Juden verwandt werden, erwiderte die Regierung, daß sie wohl ihre Zuschüsse für das hebräische Schulwesen zu erhöhen beabsichtigt, dies aber unter der Voraussetzung, daß das hebräische Schulwesen unter Kontrolle der Regierungs- Organe gestellt werde. Auf die Frage wegen proportionelfer Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentliehen Arbeiten und deren entsprechende Entlohnung nach Facharbeiter-Tarif ist zu erwidern, daß bei der Durchführung öffentlicher Arbeiten kein Unterschied in Rasse, Glaubensbekenntnis und Entlohnung gemacht wird. Die Regierung verspricht aber, in dieser Beziehung weiter entgegenzukommen. Betreffs der Forderung nach einem gesetzgeberischen Schutz der arbeitenden Männer, Frauen und Kinder sieht die Regicrung die Notwendigkeit einer solchen Gesetzgebung ein; ein . entsprechender Gesetzentwurf wird gegenwärtig vom britischen Kolonialamt erwogen. Eine ständige Kommission wurde eingesetzt, die Unterlagen zu sammeln und Vorschläge zu machen hat. _ Diese Kommission wird demnächst mit der allgemeinen jüdischen Arbeiterorganisation (Histadruth), sowie mit anderen Organisationen in Verbindung treten. Die Forderungen bezüglich einer Steuererleichterung beantwortet die Regierung dahin, daß sic für die Opposition gegen das gegenwärtige System des Zehent Verstandnis hat; der Zehent wird durch eine erträglichere Grund- Steuer ersetzt werden, ebenso wird bei der Steuerermessung überhaupt auf die Interessen der Industrie und der Land- Wirtschaft Bedacht genommen werden. Die Regierung geht daran, eine Reform des gesamten Steuersystems durchzuführen. Demnächst wird Sir Ernest Dowson in Jerusalem cintreffen und die Regierung in der Durchführung des Reforniplanes unterstützen. Die Regierung wird sich insbesondere die Förderung jener Industrien, die besonders in Palästina entwickelt werden können, angelegen sein lassen. Auf die Forderung nach Bereitstellung von Oed- und Staatsland zu Zwecken einer dichten jüdischen Kolonisation laut der Bestimmung des Mandats erwidert die Regierung: Die Regierung ist wohl lauf Mandat verpflichtet, die jüdische Kolonisation nach dieser Richtung zu fördern, aber insoweit dies dem Recht und der Billigkeit entspricht. Die Regierung regt landwirtschaftliche Reformen an una fördert die Intensivierung der Landwirtschaft im ganzen lande. ־ ' _ Was die Forderung nach Einstellung von Juden im Zivil- und im öffentlichen Sicherheitsdienst in entsprechendem Verhältnis, sowie Schaffung von Bedingungen, die eine solche Einstellung ermöglichen, betrifft, so weist die Regierung auf ihre Beantwortung der Frage betreffend die proportionale Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei öffentliehen Arbeiten hin. Die Forderung nach Aufhebung der Beschränkungen für Jüdische Einwanderung und Uebergabe der Aufsicht über die Einwanderung an die Jewish Agency beantwortet die Regierung dahin, daß sie nicht die Absicht hat, die gegenwärtige Ordnung bezüglich der Einwanderungskoutrolie abzuschaffen; sie erklärt aber, daß sie in ihrer Kontrolle über die Einwanderung keineswegs die diesbezüglichen jüdischen Forderungen außer acht läßt. Was die Forderungen nach voller Gleichberechtigung der hebräischen Sprache in den Regierungs- und Stadtämtern, nach Erleichterung der Einbürgerungs־ formalitäten für jüdische Landesbewohner laut Mandatsbestimmung, nach Gleichberechtigung der jüdischen Frauen ini zivilen, politischen und ökonomischen Leben durch ein entsprechendes Landesgesetz betreffen, so ist darauf zu erwidern: diese Postulatc werden im Einklang mit den finanzielten und den anderen Verhältnissen des Landes durchgeführt werden. Die palästinensische Order in Council bezüglich der Einbürgerung ist bereits veröffentlicht und kann, wenn die Praxis es erforderlich machen sollte, geändert werdten. Die Fragen bezüglich Autonomie des jüdischen Schulwesens una die Rechte der jüdischen Arbeit bei Vergebung öffentlicher Arbeiten sind durch die Beantwortung der Fragen l und 2 erledigt. Bezüglich der Eisenbahn- und Zolltarife teilt die Regierung mit, daß die Transportsätze im Vergleich zu denen in anderen Ländern nicht als übermäßig hoch anzusehen sind. Doch verspricht die Regierung, der Angelegenheit ihre Aufmerksamkeit zu widmen. )ie Pesitira der gemäßigtes Araber Scheich Asaad Shukciri. der angesehenste Führer der palästinensischen Araber, äußerte sich in einem Gespräch mit dem Vertreter der Pal Tel. Ag. über die Stimmung unter den Arabern im Zusammenhang mit den von der Regierung annullierten Wahlen zu dem Obersten Rat der Moslemiten, Scheich Asaad Shakeiri war in früheren Jahren Chefdirekter des politischen Büros des Sultans Abdul Hamid und später Mitglied des türkischen Parlaments. Im Krjege war er Großmuiti der vierten türkischen Armee. Gegenwärtig ist er einer der führenden arabischen Notabein Palästinas; er war einer derjenigen Notabein, mit denen Sir Herbert Samuel die Verhandlungen betreffend die Schaffung einer Arab Agency gepflogen hat. Der Scheich führte u. a. aus: Die wesentlichste Ursache des Konfliktes um den Obersten Rat der Moslemiten Palästinas ist die Tatsache, daß der gegenwärtige Präsident des mosfemitischen Obersten Rates, der Oroßmufti Arain Husseini (ein Mitglied der Husseini-Famiüe, der auch der Präsident der arabischen Exekutive Musa Kazim Pascha entstammt), seinerzeit nicht von der Uleraa (Priesterrat), sondern von der Regierung unter Bruch von Gesetz und Gepflogenheit :üptÄt- ■'«Äfe'iÄ* Qualifikation, als Präsident des Oberstem Rates der Moslemiten zu wirken. Er wurde von Sir Herbert Samuel im Mai 1921, als in Palästina Unruhen stattfanden, ernannt, weil der Oberkommissar gehofft hat, daß es dem Einfluß der Husseini-Famiüe gelingen wird, der Stimmung der Unruhe rin Ende zu machen. Ehe zweite Ursache des jetzigen Konfükts ist die, daß die Regierungsverordnung, betreffend den moslemiüscheu Obersten Rat auf die Interessen der moslcmitischen Gemeinde keine Rücksicht nimmt und keine Kortrolle der Handlungen des Rates durch die Gemeinden vor sieht. Die Fonds, die zu Zwecken der Restaurierung der Omar-Moschee in aller Welt gesammelt worden sind, wurden vergeudet; jede Kontrolle fehlt; alle die - bezüglichen an die Regierung und an das Londoner Kolonialamt gerichteten Klagen sind erfolglos geblieben. Eine geeinte religiöse, politische und soziale arabische Front ist aber nur dann möglich, wenn von allen Seiten persönliche Motive außer acht gelassen werden. Das ist aber seitens der arabischen Exekutive nicht der Fall. Der beste Weg für di! palästinensischen Araber führt in die Richtung einer Z ס - sammenarbeit mit der Regierung, und zwar nach einem Programm, das die Interessen der Bevölkerung sicher!, ohne daß Vorurteilen gegen die Mandatsmacht Raum gelassen wird, — jedoch, schloß der Scheich, halten auch wir eine Zusammenarbeit mit den Juden nicht gut für möglich, da die Ziele der Zionisten eigentlich viel weiter gesteckt sind, als sie es gemeinhin zugeben. Ihr letztes Ziel ist die Verdrängung der Araber aus Palästina und die Verhinderung jedes Versuches, die arabischen Länder zu einigen. 33 801 loden sind 1925 eingewasdert London, 26. Februar. (J. T.A.) Laut einer offiziellen Mitteilung des britischen Kolomalamtes sind im Verlauf des Jahres 1925 33 801 Juden nach Palästina gekommen, um sich dort anzusiedeln, ln demselben Jahre wanderten 2141 Juden aus Palästina wieder aus, so daß die reine Zunahme der jüdischen Bevölkerung durch Einwanderung sich auf 31 660 Seelen beläuft. Ui Londoner Zweig der ״Wesehek“ London, 25. Februar. (J. T. A.) Die am 12. November 1023 in Palästina eingetragene Gesellschaft für Landkauf und Aufbau ״Meschek“ hat ihre Tätigkeit nunmehr auch auf England ausgedehnt. In London wurde ein Zweig der Gesellschaft begründet, der mit dran in Berlin domizilierenden europäischen Zentralbüro des ״Mtschek“ und den Büros in Warschau, Kowno und Riga Zusammenarbeiten wird. Im Hause des Herrn Nassatissin wurde eine Zusammenkunft jüdischer Persönlichkeiten Londons abgehalten. Herr Kutzenok, einer der Direktoren des ״Meschek“, referierte über die Aufbauarbeit dieser Gesellschaft, woraufhin der Direktor des Keren Hajessod, Dr. Berthold F e i w e 1, die Verdienste des Meschek am den Aufbau des jüdischen Palästina würdigte. Das Gflün• dungskapital des ״Meschek“ in Höhe von 22000 £ wird demnächst auf 50000 £ erhöht werden. ״Meschek“ hat bisher für etwa 120000 £ Stadtboden für die P. L. D. C. erworben, ferner erwarb ״Meschek“ 16000 Dunam Boden in Afuleh (zusammen mit der American Zion Commonwealth), 10000 Dunam in Schunem bei Merchawia, 26000 Dunam in Charbag-Chartijeh, 27000 Dunam im Tale Jesreel, 45 000 Dunam in Admath Emek Kischon (zusammen mit American Zion Commonwealth und lüd. Nationalfonds), 2400 Dunam entlang des Flusses Kischon und 1450 Dunam für Plantagen in der Nähe von Petach Tikvvah. Das also erworbene Land wird an Gruppen von Siedlern sowie an Einzelpersonen in den Ländern der Diaspora verkauft.