Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 17 (2.3.1926)
- Date
- 1926-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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17 Nr. t? JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 125 Pi.״, isation!festen 1, auf Kriäi, samtns bi ufba». Quelle plan• ensch• Eine latioi, e sic!, t und unterlerrcr! unter- Zio- Voche \rbeit ie Inugenerde״ lirung ausiktion n der! der atem; metie sehe״ n, es. s der Dartreter hnen,;an z ubnis adere e der iglicli Für Ich.?. Et 1g fm daß Revf* aad dem obil!'- aus- ■ rkas* ßlich auf«!nz• renz« stiert ienst dardüng I der hin- R) isien hrei- Exeische band zioandc Briet ans Rumänien Von unserem Korrespondenten. m. Bukarest, 18. Februar 1026“). Die antisemitische Studentenagitation ist jetzt gewissermaßen ztrm Abschluß eines weiteren Kapitels gekommen; Nachdem die Verfolgung und gewalttätige Belästigung jüdtjeher Studenten an der Bukarester Universität zu groben Ausschreitungen inner- und außerhalb derselben geführt hatte, nachdem jüdische Studenten durch ihre hakenkreuzlcrischen Kollegen מסי den Vorlesungen entfernt, verprügelt und zu Dutzenden verletzt worden waren, so daß die Umgebung der Hochschulen, insbesondere der medizinischen Fakultät, heständig einem Kampfplatz glich, wuchs die Dreistigkeit der politisierenden Studenten so weit, daß sie dem Senat der Universität selbst Vorschriften diktieren zu können glaubten. Die zum großen Teil aus jüngeren Jahrgängen zusammengesetzten antisemitischen Studentenverbände hatten noch vor einiger Zeit ein Memorandum an die Schulbehörden gerichtet, in welchem die Einführung des ״Numerus clausus“ sowie der Ausschluß der jüdischen Studenten von den Sezierübungen an ״nichtjüdischen‘• Leichen und schließlich die Entfernung des ihnen wegen seiner menschlichen Beziehungen zu den jüdischen Studenten nicht genehmen Professors Rainer, verlangt wurde. Der Senat konnte auf diese Forderungen nicht eingehen, und ebensowenig wollte er die über manche der Unruhe- Stifter verhängten Strafen rückgängig machen. Die Haltung der ״faszistlscnen“ Studenten wurde desslsalb immer drohender, und schließlich sagten sie einen ״Streik" an, falls ihre Forderungen nicht angenommen würden. Um über diese und die durch die Mißhandlung der jüdischen Studenten geschaffene Lage zu beraten, trat der Senat am 11. Februar zu einer Sitzung zusammen, die die Studenten stören wollten; es wurde Militär herbeigerufen, die Studenten leisteten Widerstand, beleidigten einige Offiziere und verletzten einige Soldaten. Die Truppen antworteten hierauf mit Blankziehen, und es gab einen sehr ernsten Zusammenstoß, worauf die Studenten auseinandergetrieben wurden. Auf dem Rückzug schlugen sie die Scheiben bei einigen der feinsten Geschäfte in der Calca Victoriei ein und verprügelten einige jüdische Studenten. Dieser Ausgang der Studentenkrawaile hatte sofort einige ernstere Folgen: Der Senat der Universität beschloß die Sperrung der ersten zwei Jahrgänge - der medizlnischen Fakultät, die Behörde verhaftete mehrere Dutzend Studenten und über gab einen Teil derselben dom Militärgericht, der Kommandant der Garnison vor« Bukarest erließ chic strenge Verwarnung an die Bevölkerung, in welcher er jede Störung der Ruhe und Ordnung mit den vorgesehenen Militärstrafen ahndet, und die durch das Fenstereinschlagen geschädigten Kaufleirte, darunter auch einige Christen, erklärten, eine u׳eputation zum König absenden zu wollen, um seinen Schutz gegen weitere Gewalttaten anzurufen. Die Ruhe wurde in Bukarest wiederhergestellt, und die Studentenhcldeu \ erschwanden vorläufig von der Bildilächc. _ Dieses Mal wird aber die ganze Angelegenheit noch ein weif ernsteres Nachspiel haben. Die jüngsten Ereignisse an der Bukarester Universität haben ihren Eindruck auf die Judenschaft des ganzen Landes nicht verfehlt. Im Zusammenhang damit stand jetzt die Haltung der jüdischen Bevölkerung bei den eben stattgefundenen M u n i z i p a 1 w a h 1 e 11.’ Die Juden wählten jetzt zum ersten Mai in Rumänien die städtischeu Behörden mit, und da ist es nur zu sehr verständlich, daß, t!ament!i:h in solchen Gegenden, wo die jüdischen Wähler zahlreich vertreten sind, ein Kamp( zwischen den verschiedenen la*tei«n um die Gunst der• jüdischen -Bevölkerung-' geführt ^JftrGpjtaÄJte ־ tat in'־־«stii’&ter1 Wlfse* •״tlrfe auszairofzen verstanden, und bereits in den ersten Tagen der Wahlvorbereitungen verlautete, daß der national jüdische Verband Siebenbürgens mit der rm״änischen Nationalpartei einen Wahlpakt geschlossen habe. Diesem Pakt liegt eine ähnliche Verständigung zugrunde, wie sie seinerzeit in Polen zwischen der Regierung und den Juden platzgegriffen hatte, mit dem Unterschied, daß die vertragschließende Nationalpartei noch nicht im Lande herrscht, sondern erst die Liberalen stürzen muß, um ans Ruder zu gelangen. Immerhin ist es wichtig, daß die stärkste Oppositionspartei mit der jüdischen nationalen Partei Siebenbürgens einen Vertrag geschlossen hat, demzufolge die Opposition sich verpflichtet, alle iudenfeindlichen Agitationen an den Universitäten zu unterdrücken, das Schulgesetz zu revidieren, ein liberaleres Gemeindegesetz einzubringen und eine streng unparteiische Politik gegenüber der jüdischen Bevölkerung zu befolgen. Im Altreich, wo eine einheitliche jüdische Organisation nicht existiert, ist immerhin die Parole ausgegeben worden: Gebt eure Stimme der Opposition, um der Regierung zu zeigen, daß ihre Haltung in *).!”folge Raummangels verspätet. Inzwischen haben bekanntlich die Munizipahvahfen mit einer vernichtenden Niederläge der Regierungspartei geendet. A. d. R. den die Juden berührenden Fragen nicht gebilligt werden kann. Doch wurde dieses Ordnungswort nicht überall befolgt, und in den judenreicheren Bezirken gibt es jüdische Kandidaten in beiden Lagern, die für ihre Parteien sehr eifrig gegen״״- ander kämpfen. In einzelnen Ortschaften, so in Galat/, sich sogar spezifische jüdische und zionistische Grün; bildet, die eigene Kandidaten aufstellten mid mit der sition gegen die Regierungsliste stimmen. Nun sim! Wahlen sozusagen nur eine Vorübung für die komm .. Parlamentswahlen: erst diese, die für den Monat Mai erwanet werden, sollen ein richtiges Bild von den politischen Strötnungen im Lande geben. Und was für die Munizipahvahlcn nicht gelingen wollte: Schaffung einer einheitlichen Front der gesamten jüdischen Bevölkerung, kann vielleicht bis dahin noch erreicht werden. Ansätze dazu sind in allen Landesteilen vorhanden; erst neulich wurde in Bukarest der Grundstein für einen nationaljüdischen Klub gelegt, dessen Ziel ist, die gesamte nationalempfindende Judcnschaft Rumäniens zu einer einheitlichen organisierten Macht zu vereinigen und diesen so geschaffenen Block dann in Wagschale der Pariamentswahlen zu werfen, um den Willen der rumänischen Juden entsprechend zum Ausdruck zu bringen. Wenn das gelingt, ist Hoffnung vorhanden, daß die kommenden Kammern nicht mehr ohne eine genügende Beteiligung der Juden Gesetze schmieden werden, die die jüdischen Lebensinteressen bcnachteiligen. ln dieser Zeit großer politischer Spannung hat auch das zionistische Leben in Rumänien manche interessanten Erscheinungen aufzuweisen. Während die Konferenz der Bukowinaer Zionisten die rein zionistische Idee von der nationalen Politik trennte und erklärte, auf dem Gebiete der Landespolitik־ keinerlei Aktionen anzustreben, regt sich bei den Zionisten des Reiches, wiewohl nicht bei der offiziellen Leitung, gerade die gegenteilige Strömung. Die jüngeren Elemente der reichsrumänischen Zionisten haben begonnen, gerade in der letzten Zeit auch mit landespolitischen Dingen sich abzugeben, und zwar im Sinne von nationaljüdischen Forderungen im Rahmen des rumänischen Staates. Auch die Tätigkeit der zionistischen Landesorganisation als solcher ist eine weit regere als ehedem. Die lokalen Sektionen werden zur Reorganisierung an gehalten und das Interesse für ״Hechaluz" und ״Tarbut" nimmt täglich zu. Der Keren Haiessod, auch heuer von Dr. Wilensky mit der bekannten Energie geleitet, erntet, auch in dieser ökonomisch und politisch schweren Zeit, sehr schöne Erfolge; in Bukarest wird der vorjährige Gesamtbetrag überschritten werden, in Jassy und den übrigen Provinzstädten, die bisher bearbeitet werden konnten, sind die Erträge ebenfalls durchweg höher oder doch gleich den vorjähriger Wahre■ der Privat-talliaUve Wir entnehmen der amerikanische!» zionistischen Presse folgende sehr interessante Erklärung der Zionistischen Organisation Amerikas, die ein wichtiges Problem behandelt, das auch außerhalb Amerikas Beachtung verdient. Es handelt sich um die Gefahren, die durch die sogenannte ״Privat- Initiative ohne Kapital“, d. h. durch Leute, die selbst kein Geld haben, aber Gelder für Unternehmungen im Wege von Sammlungen aufbringen wollen, entstehen. Diese Methode wurde dadurch möglich, daß eine Agitation für ״Privat-Initiative" im Sinne eirfer Kolonisations-Methode bei uns getrieben wurde, ein Widersinn in sich. Leider sind dieser Irre* führung bereits jüdische Gelder zum Opfer gefallen. So ■tdip: 'Äe־i׳Äiva!>Mti»tiVe »•von 'Menschen, die; ■«Ibst das Geld In UnternehniÄgen ittvestiefen und ihre eigenen?Fähigkeiten in deren Dienst stellen, zu begrüßen ist, so gef ährlieh ist die Agitation für Privat-Initiative als Ideologie. Nachstehend die amerikanische Erklärung: in Anbetracht der zahlreichen Anfragen, welche in den letzten Monaten im Büro der amerikanischen Zionistischen Organisation eingegangen sind, und die sich auf amerikanische privatwirtschaftiiche Unternehmen in Palästina und Landkaufsgesellschaften beziehen, hielt es die amerikanische Zionistische! •rganisation für nötig, ihre Stellung in bezug auf diese verschiedenen Unternehmungen klarzumachen, ohne irgendwelche Betrachtungen über die Legitimität eines individuellen Unternehmens anzustellen. Vor seiner Abreise nach London erließ Herr Lipsky daher nachstehendes Statement: Die Zionistische Organisation Amerikas ist keine Gegnerin der Privatinitiative in Palästina. Im Gegenteil ermutigt sie individuelle Investitionen auf sicherer und gesunder Grundlage. Die Zionistische Organisation Amerikas ist sich der Tatsache bewußt, daß außer den öffentlichen Fonds, wie Keren Hajessod, Jüdischer Nationalfonds usw., eine private Initiative auf breiter Basis für den Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte notwendig ist. Aber Privatinitiative kann nurdas meinen, was das Wort bedeutet: Geschäftsleute, Bankiers, Industrielle investieren ihr Privatkapital, geben ihre Erfahrung, ihre sachverständigen Kenntnisse und ihr wohlverdientes Geschäftspresiige zum Wohl der jüdischen Heimstätte her. Diese Art Privatinitiative kann auf unsere Sympathie und volle Mitarbeit durch Informationell, Einführung usw. rechnen. Gleichzeitig sind wir gezwungen, eine Warnung gegen jegliches Untcrtich tu e 11 zu erlassen, das unter der M a s k e der Privatinitiative durchgeführt wird, in welchem aber die Initiatoren sehr wenig oder gar nichts von ihrem eigenen Kapital investieren und wo die Geschäfte von Leuten geführt werden, die wenig oder gar keine geschäftliehe Erfahrung besitzen. Solche Personen betreiben verschiedene Geschäfte in Palästina mit Mittun, die sie von den jüdischen Massen beschaffen. Sic sind bereit, Gelder zu riskieren, die von anderen durch den Appell an deren zionistische Gesinnung aufgebracht wurden. Wir müssen mit gleichem Nachdruck das jüdische Volk vor L a n d g e s c 11 s c h a f t e n warnen, welche die jüdischen Gemeinden überfallen und jüdischen Käufern Land in Palästina anbieten. Es wird berichtet, dal! die Agenten dieser Gesellschaften sich mit zionistischer Phraseologie ausrüsten und rieh bemühen, die Käufer zu überzeugen, daß sie von Liebe und Zionismus angetrieben werden Und daß die Zionistische Organisation beim Wiederaufbau der jüdischen Heimstätte in freundlichem Einvernehmen mit solchen Unternelimungcn steht. Zweifellos hat die Zionistische Organisation das größte Interesse daran, daß der palästinensische Boden durch Juden wieder urbar gemacht wird, aber die Organisation ist ebenso unzweifelhaft Gegner von Geschäften, welche eine Gesinnungdazu benutzen, um Land zu sehr hohen Preisen zu verkaufen. Wir müssen hier hinzufügen, daß gerade diese Gesellschäften mit ihrem unverdienten Wachstum in höchstem Maße zu tadeln sind wegen der Spekulation, der Palästina dadurch ausgesetzt ist, und wegen des anormalen Steigens der Bodenpreise. Auf diese Weise bereichern sich die Bodenbesitzer in Palästina durch ungeheure Summen öffentlicher Gelder. Diese Unternehmungen endigen, wie war aus Erfahrung wissen, katastrophal mit großen Verlusten jüdischer Gelder und bringen Palästina in schlechten Ruf. Man kann jedoch niemals auf gesetzlichem Wege hindern, daß diese Geschäfte betrieben werden, da sic sich im Rahmen der Gesetze halten. Wir wendet! uns daher au alle Zionisten und ersuchen sie, die Aufmerksamkeit der Juden darauf zu lenken, daß, bevor sic Boden und Inventar in Palästina erwerben, sie rH1 bei der amerikanischen Zionistischen Organisation erkundigen sollen, welche zu diesem. Zweck eine besondere Abteilung eingerichtet hat, um genaue und authentische Informationen geben zu können. Die Zionistische Organisation von Amerika verkündet hierdurch, daß sie nur für die Sicherheiten verantwortlich ist, welche durch die Agentur der ״Palestine Securities Inc.“ gekauft sind, und für Ländereien, die durch die Vermittlung der ״American Zion Commonwealth Inc.“ erworben wurden, die bis jetzt bereits zwei neue wichtige Siedlungen, Baifouria und Herzlia, gegründet hat, jetzt damit beschäftigt ist, eine neue Stadt in Afuleh zu errichten und ausgedehnte Pläne im Zusammenhang mit der Entwicklung des Hafens von Haifa hat. Die American Zion Commonwealth betreibt ihre Landkäufe mit größter Sorgfalt und Vorsicht, sodaß sie für jeden Zoll Boden, den sie verkauft, Kuscrtane besitzt. Beide Institutionen unterstehen der direkten Kontrolle der Zionistischen Organisation Amerikas und arbeiten nicht für den pebßati#»e«,Af01teil ti1rerv?Qrga^s«tiei^׳׳fi0QderR׳der.-ga)B2e Gewinn •kommt den Käufern und Investoren und dem Interesse des Wiederaufbaus der jüdischen nationalen Heimstätte zugute. (Ziko.) Kere■ Ha|ess*i i■ Mexiko Dr. Bension, der Sonderdelegierte des Hauptbüros des Keren Hajessod, ist in Mexico eingetroffen, um die Keren Hajessod-Arbeit zu organisieren. Am Abend seiner Ankunft sprach er auf einer Versammlung in der aBchkenasischen Zionistischen Organisation. Auf dem ihm von Herrn und Frau Capon gegebenen Empfang, zu dem über 100 prominente Mitglieder der Jüdischen Gemeinde gekommen waren, hielt Dr. Bension eine glänzende Rede in spanischer Sprache. Am Sabbat sprach er in der größten Synagoge ״Berg Sinai“ hebräisch und spanisch. Auf einem großen Meeting in einem der Theater verkündete Dr. Bension die Eröffnung der Keren Hajessod-Kampagne in Mexico. Der moralische Erfolg war groß. (Ziko.) Das berühmte Moskauer hebräische Theater ״Habimah" ist am 26. Februar aus Libau, wo es zuletzt Vorstellungen gab, in Warschau eingetroffen. icher Wie ihen, igter Ra- : zur mit das;keit, itten enau ihre, innf, iten. Wir nder!den hese : zu ־sten I ein alter runft vornue! 5ue Bevon >Inai daß der sonden /or* die \uslUCll aus, sonsen. tefle tige an. So z. B. unterscheidet er in der Schöpfungsgeschichte den ״Tatbericht“ und den ״Wortbericht“, und teilt die einzelnen Werke nunmehr der einen oder der anderen Erzählung nach dem Gesichtspunkt zu, ob darin die Schöpfung als Jat oder die Schöpfung durch das Wort gemeint ist. In ähnlicher Weise gelangt der Forscher auch bei anderen Erzählungen zu der Erkenntnis, daß in dem Texte neben dem scheinbar maßgebenden Bericht noch eine zweite Schicht verborgen ist, die oft das gerade Gegenteil der herrschenden Version darstellt. Dies wird an dem Beispiel der Dina- Sichem-Episode, des Kampfes Jakobs mit dem Engel u. a. dargestellt. Es ist äußerst interessant, die Gedanken eines der bedeutendsten Geister der modernen hebräischen Literatur, der dem deutschlesenden Publikum vor allem als Sammler jüdischer Sagen und Mythen bekannt ist, durch den Mund seines Sohnes interpretiert zu hören. —• Emanuel bin Gorion hält am Mittwoch, den 3. März, in der Universität einen zweiten Vortrag über denselben Gegenstand. ״Die Jüdin von gestern und morgen.“ Ueber dieses Thema sprach an einem Vortrapabend der B. Z. V. in der vergangenen Woche der blinde Dichter Oskar Baum aus Prag. Ausgehend von dem Verhältnis zwischen Mann und Weib, das er an der Hand einer ganzen Reihe von Beispielen aus der Literatur in seinen verschiedenen Ausdrucksformen charakterisierte, zeichnete Baum die Vielfältigkeit weiblicher Charaktere, die uns schon im alten jüdischen Schrifttum eatgegentreten. Die Erzählung vom Sündenfall ist die tiefste Symbolisierung des Wesens des Weibes und seiner Entfaltung im Leben. Weit davon entfernt, nur eine himmlische Verklärung weiblichen Wesens — wie etwa Dante in Beatrice — zu suchen, bejaht das Judentum die Frau in ihrer Irdischkeit, teilt Ihr jedoch auch höhere Aufgaben zu. Die Bibel kennt eine ganze Reihe genialer und edler Frauen. Im Grunde sei das Idealbild der Frau nur ein Symptom der männlichen Kultur, weil es im Wesen der Frau liegt, sich dem Wunschträum des Mannes instinktiv anzupassen. Baum zeigte in der Glückei den Typus der Hausfrau und kritisierte dann die heutige Jüdin, die vielfach die Heirat, die in Wahrheit das größte Wagnis ist, als Versorgung auffaßt. Schon aber entsteht neben dem die Salons füllenden Typus der als Dame maskierten Hetäre ein neuer aristokratischer Typus der arbeitenden Frau, derer, Ebenbürtigkeit dem Mann gegenüber selbstverständlich wird. Das nationale Moment wirkt hles veredelnd und erhebend; während die europäisch ge* bildete Frau auch den Mann vielfach vom Judentum wegführt, eröffnet die neue Jüdin in Palästina, die Chaluzah, den Ausblick auf eine jüdische Gesellschaft, in der die Echtheit der Beziehungen wieder in voller Kraft an die Stelle der Konvention getreten ist. — Die gewinnende geistvolle Art des Vortragenden, der sein Manuskript mit den Händen abliest, brachte ihm schnell die Sympathien der Zuhörerschaft, die den Vortrag mit reichem Beifall belohnte. t. Nene jüdische Noten Der fleißige und rührige ״Juvab'-Veriag überreicht neue Noten, neue jüdische Instrumentalmusik zur Besprechung. Die prinzipielle Frage des Wesens der reinen jüdischen Musik (auf die zurückzukommen wir uns Vorbehalten) sei hier nicht berührt, vielmehr wollen wir berücksichtigen, daß sowohl die neue jüdische Musik wie der ״Juval“-Verlag junge Unternehmungen sind und sich auf der Suche nach neuer, eigener Ausdrucksweise, nach eigener ״Note“, nach eigenem Stil befinden. Es ist also kein Zufall, aaß fast alle Komponisten jüdischer Musik, vor allem zu ihren (vorderhand) einzigen Quellen, zum Volksliede und zum Synagogalgesang zurückgenen. Das ist verständlich und gut, stellt ater an den Komponisten und Bearbeiter keine leichte Aufgabe und zwar: aus sich heraus das Gegebene neu zu gestalten. Wie wenigen das gelingt! Wie wenige sind dem einzig richtigen Maßstab: die jüdische Musik allgemeinem Weltempfinden nahezubringen, gewachsen! Hebräische Rhapsodie für Klavier von J. Aisberg hält sich im Rahmen guter Hausmusik. Gefällig und nicht schwer fürs Instrument geschrieben, ähnelt sie mehr einem Potpourri als einer Rhapsodie, wozu dem Werke die phantastische Gestaltung fehlt. Auch die Wahl der Motive zeigt keine Sorgfalt und Verantwortungsgefühl der neuen?!kuschen Kunst gegenüber. Die Orientalismen eines Rimsky- Korsakoff, die Entwicklungsmethoden eines Lißt sind für den Geist dieses Werkes maßgebend. Wo es ater ״jüdisch“ werden soll, verläßt es selbst dieses Niveau, um m flotten Zweivierteltakt höchst Unoriginelles auf möglichst platte Weise zu sagen. Statt musikalischer Durchführung gibt es endlose Passagen, ein zweckloses Hin und Her, das verwirren muß, statt überzuleiten. Der zweifellos begabte Komponist, dem das Ideal seiner besonderen Aufgabe vorschwebt, sollte bedenken, daß wir Juden auf jedem Gebiete des Geistes ganz Großes zu leisten gewöhnt sind, daß man also an die neue Kunst bereits große Ansprüche stellt. — sobald sie sich an die Oeffentbchkeit traut. Ein ganz anderes Niveau zeigen Kompositionen vo n Josef Achron, auch die von I. Engel, M. Gnessin, L. Ssaminsky, I. Stutschewsky. Der weitaus bedeutendste erscheint mir nach wie vor Josef Achron, ein Komponist (wie auch Geiger) von großer Begabung, von richtiger Einfühlung in das Wesen der jüdischen Musik, dabei weltgewandt genug, um die Errungenschaften seiner Kunst der Welt verständlich zu machen, ganz Jüdisches derlei zu gestalten, daß es Allgemeingeltung erringen muß, ohne etwas anderes als eben spezifisch ״Jüdisches" zu sein. Achrons Bearbeitungen der hebräischen Volksmelodien und Tänze können schlechtweg ais mustergültig bezeichnet werden. Sein ״Hebräischer Tanz“, ״T anzimprovisatio 11“, ״Hebräisches Wiegenlied“, ״Hebräische Me - lodie“, ״Scher“ (Hebr. Tanz) und sein eigenes Stück ״Märchen op. 46“ (alle Werke für Violine und Klavier gesetzt) bestätigen dies aufs beste. Das formelle Talent Achrons, seine rhythmische und harmonische Vielfältigkeit, sein mastergültiger Violin- und Klaviersatz'machen die Stücke zu kleinen Kostbarkeiten und werden sich diese bestimmt steigender Beliebtheit und Popularität erfreuen. Wohl zeigt sich auch in diesen Stücken keine Löwcnkralie, doch liegt dies teilweise an den Ausmaßen, teilweise an dem richtigen Verständnis des Gebotes der Lage, vielleicht auch in der Erkenntnis eigener Grenzen des Komponisten. I. Enge!, der geschätzte Meister des jüdischen Liedes, der unermüdliche Kampfer und Forscher, schenkt uns im Rahmen ״Hebräische Klänge“ zwei Stücke: Chub ad a nigun“ (Melodie) und ״Freilachs“ (Tanz) (op. 20) für Violine und Klavier. Beide Stücke sind dem jüdischen Empfinden entnommen, mit Verständnis und StiieinfühUing gesetzt und harmonisiert. Dankbar fürs Instrument und ,fürs Publikum ist Ssaminskys ״Kleine Rhapsodie“, echt empfunden die einfache Melodie: ״A. Niggun“ von M. Gnessin. J. Stutschewskys ״Volkslieder“ (13 jüdische Volksweisen) für Violine (oder Cello) und Klavier gesetzt, sind ja bekannt und bereits populär. Seine ״M e d i t a t i o n“ (Dwejkuth) für Cello und Klavier, ein pastose״, echt jüdisches Stück, dürfte auch bald viele Freunde haben. Es ist dies eine tief in sich versunkene, ins Religiöse hinübergldtende Musik, Dr. K. R.