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Jüdische Rundschau · 1926-03-02 · Heft 17 (2.3.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 17 (2.3.1926)
Date
1926-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 124 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr, 17 Nr. 1? Gestalt an. Die Propaganda wurde au&schaulicher. Das rionlstische SelbstbewuStsein erfüllte sich mit dem Stolz auf echte und große Leistungen. Es wurde freier und weiter, als es in jener Zeit gewesen war, da es lediglich durch den stolzen Besitz einer wahren Erkenntnis gerechtfertigt war. Dieses und noch mancher, andere wurde gewonnen, — aber die Erfolge wurden nicht ohne Verluste errungen. Glaubt man ernstlich, daß ohne eine starke Organisation derer, die von der Idee der Wiedergeburt jüdischen Menschentums nicht bloß berührt, sondern ganz erfüllt sind, Erez-Israe! nicht nulgebaut werden kann, so darf man nicht vergessen, daß eine solche Organisation nicht bestehen kann, ohne sich ihrer besonderen Art und ihres spezifischen Wertes überall, und sei , es selbst inmitten einer palästinafreundlichen Umwelt, bewußt zu sein. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß durch eine Politik der Verständigung und des Bündnisses die Grenzen, wenigstens für den Bück der großen Masse, leicht verwischt werden. Deswegen bedeutet Stärkung der Organisation: Abgrenzung ihres geistigen Besitzes gegenüber nichtzionistischen und antizionisüschen Bekenntnissen, Auseinandersetzung, geistige Auseinandersetzung mit der nichtzionistischen Welt, Herausarbeitung der zionistischen Sonderart, Festigung der Zionisten im Glauben und Erkennen der zionistischen Lehre. Es gibt für eine große politische Organisation neben anderen Mitteln der Seibstcrziehung und ständigen Energieerneuerung auch eines, auf «!essen Anwendung sic nicht verzichten kann, ohne in Agonie zu verfallen, und dies ist ernste, u nt d i e Wahrheit ringende Propaganda, das Wcrben um definitive Entscheidungen anderer Menschen. Von jeher bedeutete für uns diese Propaganda zugleich Bclehrung und Festigung unserer eigenen Anhänger. Propaganda ln diesem besten Sinne, mit der doppelten Front nach außen und nach innen, ist auf dem Boden der Verständigung«־ politik nicht zur vollen Entwicklung gekommen. Sic braucht ihren eigenen, räumlich geschiedenen Bereich. Es ist anderer- «elts nicht wahr, daß geütige Auseinandersetzung und Abgrenzung nur in den niederen Formen des üblichen politischen Parteikampfes vorstellbar ist. Er ist die bequemste, aber nicht die einzige und nicht die beste Form der Abgrenzung. Stärkung der Organisation bedeutet weiterhin: Erhal* fung und Festigung des organisatorischen Einneitsbewußtseinf. Die Zionistische Organisation unterliegt in immer wachsendem Maße den Wirkungen eines Differenzierungsprozesscs, der durch wirtschaftliche und kulturelle Gegensätze bedingt ist. 1!! Palästina ist diese Differenzierung bis zu einem gewissen Grade durch die Entwicklung geboten. Die Gefahr ' für «las EinheitsbcvvuWtsein ist dort deshalb geringer, weil die räumliche Konzentration, der gleichmäßig auf alle Schultern verteilte Druck der politischen Pro- Wemc und Gefahren, die Uebenvölbung der miteinander streitenden ökonomischen Interessen durch höhere wirtschaftliche Gcsamtheitrintcressen, schließlich auch gegenseitige ököaomi• sehe Abhängigkcitsverhältuissc immer wieder ein heilsames Korrektiv gegen eine übermäßige Distanzierung der Gruppen darstellen. Dennoch bleibt die Vertiefung der Interessen- Gegensätze, vor allem wegen ihrer Rückwirkung auf das Galutii, eine beständige Bedrohung für den organisatorischen Bestand und die organisatorische Einheit der zionistischen Gesellschaft. Die Gefahr ist im Galuth größer als in Palästlna, weil das Leben 1:1 der Diaspora jenes Korrektivs, das durch die konstante Gemeinsamkeit politischer und Ökonomischer Gesamtheitsaufgaben gegeben ist, in höherem Maße ermangelt. Die Gegensätze erhalten so leicht eine wirklichkeitsfremde, dialektische Zuspitzung. Unter diesem Verzehr der Kräfte in der innerpoUtischen Auseinandersetzung leidet das Bewußtsein:, von .detjJö1lgfefl״:Efefl«ttt«-:der,>!Wi«fe,t“ile־-rft#tt' 80^ ׳ ntetischen Gruppen gemeinsam sind, in weiterer Folge die Einheitlichkeit und Schlagkraft selbst der finanziellen Aktionen. Ehe Zionistische Organisation ist bisher von dem Schicksal fast aller interterritorialer Bewegungen und überhaupt großer Parteien bewahrt geblieben: Sezessionen und Abspaltungen größeren Umfanges haben nicht stattgefunden. Obschort auch jetzt die Organisation keineswegs von einer akuten Gefahr des Auiciuandcrfallens bedroht ist, darf man doch nicht blind sein gegen die Symptome eines krankhaften EHssoziations- Prozesses, die sich in der letzten Zeit mehren. Hier kann bereits Selbsterkenntnis helfen, aber auch in dieser Hinsicht mag die Wiederbelebung des propagandistischen Interesses, die Ueberwindung der Vorstellung, daß die .propagandistische Mission der Zionistischen Organisation und ihrer Gruppen beendet sei, von heilsamer Wirkung sein. Denn diese Wiederbelebung des Willens zu einer vollen, den ganzen Menschen erfassenden Propaganda wäre voraussichtlich verknüpft mit einer gewissen Zurückdämmung der innerpolitischen Gegensätze im Galuth, da sich jede Gruppe des propagandisüschen Wertes der anderen für bestimmte Schichten des Judentums wieder stärker bewußt werden würde. Stärkung und Festigung der Organisation bedeutet vor allem Erhaltung des zionistischen Idealismus m seiner ursprünglichen Reinheit, Selbstbesinnung und Einkehr der führenden Geister der Bewegung, Aktivierung ihrer sittlich bedeutenden und geistig schöpferischen Kräfte, ln diesem Sinne hängt freilich die Festigung der Organisation in hohem Maße von Faktoren ab, die, als Elemente der ״Bewegung״, außerhalb des unmittelbaren Bereiches organisatorisch-technischen Geschehens stehen und durch ״Aktionen“ nicht erfaßt werden können. Der ״Monat der Zionistischen Organisation“ kann in dieser Beziehung nicht mehr sein als ein Versuch, sich des ewigen und notwendigen Zwie- Spaltes zwischen Organisation und Bewegung, zwischen Wirklichkeit und freist, wieder bewußt m werden und ihn durch Erkenntnis und Besinnung so weit zu überwinden, wie dies empirisch möglich ist. 111. Es ist nicht die Absicht dieses Artikels, den Aufruf der Exekutive zu paraphrasieren, — oder auch mir erschöpfend darzusidlen, was in Zukunft Programm und Inhalt zionistischer Organisaiionsarbeit sein muß. Sollte dies geschehen, so wäre noch manches Wort zu sagen über Probleme der zionistischen Jugendbewegung und hebräischer Kulturarbeit, über Führung und Geführte und!über andere Gegenstände. Wir haben uns aber mit der positiven Bedeutung der von der Exekutive eingeleiteten Aktion in diesem Zusammenhänge wesentlich beschäftigt, um negativ zu zeigen, was die Aktion nicht sein soll. Sie bedeutet keine Abkehr von der palästinozentrischen Richtung der Organisationspolitik der letzten Jahre. Sic bedeutet keine Flucht aus der schweren Mühe und Verantwortung der täglichen Keren Hajessod-Arbeit in die lichteren Sphären einer von den empirischen Forderungen, Nöten und Unvollkommenheiten der Wirklichkeit losgelösten Idealistik, oder gar in die dumpferen Sphären politisierender Betriebsamkeit. Sic bedeutet vornehmlich: Sammlung von Kräften für die große und entscheidende Aufgabe dieser Generation. Denn Palästina kann nur in naher Zukunft aufgebaut werden, in dieser Zeit, in unseren Tagen. Dtr Monat der Zionistische* Organisation Von der Zionistischen Organisation Am erikas ist bei der Exekutive in London folgendes Telegramm eingetroffen: ״Das Landes-Erekutiv-Komitee der Zionistischen Organisation von Amerika billigt einmütig die Entscheidung der Exekutive für den Organisationsmonat Ijar. Es versichert seine volle Mitwirkung, um der Aktion zu einem großen Erfolge zu verhelfen, und vertraut darauf, daß alle Zionistischen Organisationen iu der ganzen Welt in der Aktion einmütig Zusammenwirken werden. Lipsky.“ Die Landeskonferenz der ostgaliziscnen Zionisten, die am 14. und 15. Februar in Lemberg tagte, hat folgenden Beschluß angenommen: ״Die Konferenz fordert die Leitung des Landesverbandes auf, den Monat Ijar zum ,Monat der Zionistischen Organisation‘ zu proklamieren und eine große Pionagandaaktion cinzuleiten, um, im Sinne des Aufrufes der Exekutive, die Zionistische Organisation zu stärken und den zionistischen Gedanken zu verbreiten.“ Wie der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Bluraenfeld, in einem Schreiben an die Exekutive mitteilt, werden die deutschen Zionisten die für den Monat Ijar geplante Aktion mit allen Kräften unterstützen. Die Aktion soll mit einer Sitzung des Zentralkomitees, die für den 11. April nach Berlin einberufen ist, feierlich eröffnet werden. In diesem Briefe heißt es weiter: ״Im Anschluß an die Zentralkomitee- Sitzung werde» H Berita*Jfeeslau, ^b!p«itj|;.€^eL,ßr«!ijw Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg und zahlreichen anderen Orten sorgfältig vorbereitete große Kundgebungen stattfinden. Wir werden eine Sonderausgabe unserer ,Informationen‘, die an alle aktiven Zionisten versandt werden, ausschließlich der ,Monat-Ijar-Aktion‘ widmen. Die Schekel- Propaganda werden wir in den Mittelpunkt unserer Arbeit steilen. Wir machen jedoch darauf aufmerksam, daß wir den Schekel nur von solchen Juden nehmen, die das Baseler Programm anerkennen, und daß wir es abiehnen, den Schekelkauf zu einer Art Sympathiekundgebung für den Zionismus herabzudrücken. Im Monat Ijar wollen vir mögliehst viele Juden zur zionistischen Entscheidung zwingen.״ Die Exekutive des rumänischen Landesver• band es hat, im Hinblick auf die lokalen Verhältnisse, den Beginn der Monat-Ijar-Aktion bereits auf den 4. April festgesetzt. Dr. He!1 mann (Hitachduth) äußert sich iu einem Brief an die Exekutive folgendermaßen: ״Die Zionistische Organisation ist nicht nur die planvolle Anordnung, Verteiuing und zielbewußte Aktivierung, der auf die Neu* belebung des jüdischen Volkes und den Wiederaufbau des jüdischen Heimes gerichteten Volksenergien, sondern auch gleichzeitig der umspannende und zusammenhaltende Rahmen für den ganzen Komplex der großzügigen Siedlungsaktion. Das jüdische Heim kann bloß aas einem organischen Pi,!!! und daher einzig und allein durch die Gesamtorganisation erbaut werden, jede Lockerung unserer Organisationsfesten muß zu einer Erschütterung des Fundamentes« führen, auf dem sich unser nationales Siedlungswerk aufbaut. Eine Kris!., in der Organisation ist gleichzeitig eine Krisis des Gesamt• aufbaucs. Jede Erweiterung des Organisationsrahraens Lst Vereinheitlichung und organische Festigung unserer Aufbauaktioii. Die Zionistische Organisation ist die lebendige Quelle aus der ein neues, arbeitendes jüdisches Volk in einem planvoll gegliederten, innerlich gefestigten, für die Gesamtmenschheit wertvollen jüdischen Heime hcrausvachsea muß. Eine jede, wie auch gefärbte zionistische Partei oder Föderation ist für unser Aufbauwerk nur dann vollwertig, wenn sic stell in den Gesamtrahmen unserer Organisation hineinbaut und einem staatlich schaffenden Einheitswillen freiwillig unterordnet.“ In einem Schreiben an die Exekutive, das von den Herren Dr. So 10 w e i t s c h i k und Dr. Na hum Goldmann unterzeichnet ist, führt die Vereinigung radikaler Zionisten aus: ״Wir erachten die Proklamierung dieser Woche für den Anfang einer konsequenten und systematischen Arbeit Zur Neubelcbung der Organisation und glauben, daß die Inangriffnahmc dieser Arbeit das dringendste Gebot der äugenblickiichen zionistischen Situation' darsteilt. Wir werden unsererseits mit allen Kräften Ihnen bei der Durchführung dieser _ Aktion helfen und werden alle unsere Freunde ausdrücklich dazu veranlassen, sich in den Dienst dieser Aktion zu stellen. Wir hoffen, daß der Monat der Organisation der Anfang einer Epoche der wahrhaften Wiederbelebung der Bewegung werden wird.“ Meine (Odiscbe Legion Die Londoner ״Jewish Times“ meldet aus Jerusalem: Nach der Abschaffung der bisherigen britischen Gendarmerie (über die wir bereits berichtet haben) ist die ״revisionistische‘' Gruppe in Palästina mit der Forderung hervorgetreten, es möge nun sofort die jüdische Legion zwecks Schutzes der jüdischen Einwohner Palästinas wiederhergestellt werden. Daraufhin ließ der Oberkommissar Lord Plumer die Vertreter des Waad teumi privat zu sich berufen und erklärte ihnen, daß die Aufstellung einer besonderen jüdischen Truppe ganz ausgeschlossen sei. Er könne eine solche Erlaubnis weder den Juden noch den Arabern erteilen. Die besondere Polizeitruppe aus Arabern wie Tscherkessen, die an Stelle der früheren britischen Gendarmerie aufgesteflt wird, ist lediglich für die Verwendung in Transjordanien bestimmt Für Palästina ist eine derartige Einrichtung unmöglich'. Abgesehen davon aber sei dies auch gar nicht nötig. Et* gebe sein Ehrenwort als Soldat, daß die Ruhe und Ordnung lut Lande voll aufrecht erhalten bleiben wird. Die Vertreter des Waad Leumi sind der Meinung, daß nach den Erklärungen Lord Plumers die Forderungen der Revisionisten zurückgezogen werden müssen. * Jerusalem, 28. Februar. (J. T. A.) Der W'aad Leumi beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit dem Beschluß der Regierung, die britische Gendarmerie za demobili• sieren und die p^ästinensisßbe Gendarmerie in der Wdse fö«; .»g«talÄ»F-daf gegen ein Grenischutzkorps nur aus Arabern und Tscherkas- *iern zu bilden sei. Die Sitzung verlief sehr erregt, schließlich wurde eine Resolution angenommen, in der die Regierung auf* gefordert wird, einen speziellen jüdischen Grenz• schütz zu errichten, weicher neben dem arabischen Grenzschütz der Sicherheit dienen soll. Der Waad Leumi protestiert gegen den Ausschluß der Juden aus dem Grenzschutzdienst und erklärt, daß die Juden mindestens ebensoviel Recht darauf, wie die Araber haben. (Diese knapp vor Redaktionsschluß einlaufende Meldung steht in Widerspruch zu der ersten. Es scheint aber, daß der Waad Leumi sich wieder zu einer Politik der leeren Faust hinreißen läßt. A. d. R.) Bei der Parteikonferenz der österreichischen Zionisten wurde vom Vorsitzenden Dr. Fried mann ein Schreiben des Organisationsdepartements der Zionistischen Exckutive in London verlesen, wonach die ״Freie Zionistische Vereinigung“, die aus dem zionistischen Landesverband Oesterreich ausgetreten ist, nicht als konstitutionelles zionistisches Gebilde anerkennen könne, da in jedem Lande nur ein Landesverband existieren könne. Palästina im Bilde Nachdem wir erst vor einigen Wochen hier das Biiderwerk ״Palästina“ von Georg Landauer (bei Mever & Jessen, München) anzeigen konnten, dessen Hauptwert in der Verbindüng von altem und neuem Palästina, in der Verständniserschließenden Textbegleitung und kluger Auswahl des Bildermaterials besteht, liegen uns heute bereits zwei weitere Palastina-Biiderwerke vor. Jahrelang war das Land uns nur ein Gedanke, sein Bild uns fremd; nun plötzlich wird auch seine Landschaft popularisiert durch Bild und Film. Nach dem Gesetz der Serie kommt dann der Ueberfluß. Ludwig Preiß hat ״Palästina und das Ostjordanland“ in 214 Tiefdrücken und 21 farbigen Tafeln dargestellt (Verlag Julius Hoffmann, Stuttgart. Preis 28 M.). Dazu hat Paul Kohrbach eine Einleitung und Preiß selbst einen Geschichtsabriß sowie eine Reisebeschreibung (als Text zu den Bildern) geschrieben. Die Ausführung der Reproduktionen ist sehr sauber und schön, die Aufnahmen wirkungsvoll und gut gewählt. Da der Herausgeber vor allem das Malerische sucht, hat sich ihm wenig Jüdisches geboten; er begnügt sich — abgesehen natürlich von der obligaten Klagemauer — mit zwei Straßenbildern aus Tel-Awiw, einem Panorama von Rosch Pina und von En Charod; gerediterweise aber hätte, da ja mehrere Tafeln offenbar nur Typen, heutiges Leben, Lindschaffen zeigen, mehr von den Werken der jüdischen Kolonisafion enthalten sein können. Dieser Mange! aber vermindert unsere Freude an dem schönen Werk nicht, das Palästina tinserm Herzen näher bringt. Dieses und noch mehr das andere Werk (Palästina, Arabien und Syrien. Baukunst, Landschaft, Volksleben. Von Karl Gröger. Verlag von Ernst Wasrauth, Berlin. 2ft M.) lassen uns deutlich empfinden, wie sehr Palästina ein Teil der orientalischen Welt ist, nicht nur geographisch, sondern auch historisch und kulturell. Was wirklich schön ist, das Land auch für uns anziehend macht, das sind die Werke der arabischen Baukunst, deren Stil maßgebend geblieben ist auch in den Zeiten des Niederganges, sich dem Landschaftebüd anschmiegt, zumindest nicht stört. Viel weniger gilt dies schon von den christlichen Bauten, die in Jerusalem und anderwärts nur allzu viele Geschmacklosigkeiten verbrachen, ebenso wie die modernen jüdischen Stadtviertel. Gröger gibt 304 Tafeln ia Kupfertiefdruck. Auch er bietet vor allem dieselben Objekte (Tempdplatz, Felsendom tisw.) wie die andern, oft von geradezu überraschender Plastik und Beleuchtung, sogar die satten Farben ahnen lassend. Besonders berücksichtigt Gröger christliche Kultstätten. Von Jüdischem ist lediglich die Klagemauer gezeigt. Warum eigentlich, ist nicht ganz ersichtlich, es sei denn, daß ihm gegenüber der 1001 Nacht-Romantik der übrigen Bilder die Arbeit des modernen Bauers am Pflug zu prosaisch erschien. Aber zur Vollständigkeit hätte es gehört, zu zeigen, daß cs auch so etwas im Lande gibt. Dafür führt uns Gröger in die Nachbarländer, nach Syrien, Mesopotamien, Arabien, zeigt uns dort verwandte Landschaft und Kultur. Mekka, Medina, die Ruinen von Babylon; besonders interessant Sana im Jemen, eine Stätte romantischer Pracht, wie wir uns sie in jenem entlegenen Winkel Arabiens kaum vorstellen. Wollen wir aus der Betrachtung dieser Bildwerke eine Nutzanwendung ziehen, so liegt sie fn der wachsenden Besinnung, daß wir bei unserer Rückkehr ins Land uns seinem Geist zu vermählen haben, aus ihm heraus müssen wir bauen und schaffen, damit auch unsere Bauten sich harmonisch einfügen in das Ganze. Vieles kann aus dem verödeten Lande gemacht werden, ohne daß seine Seele und sein Stil darum zerstört werden müssen. rara. Vorträge Die Jaden la da* Politik Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 21 Februar, abends, Chefredakteur Georg Bernhard über ״Die Juden in der Politik". Schon in frühester Zeit waren die Juden ein eminent politisches Volk. Später, in der Diaspora, haben sie sich unter allen Völkern hervorragend polltisch betätigt. So haben die spanischen Juden Minister- und Gesandtenposten bekleidet und später auch als Marannen eine Reihe politischer Führer gestellt. Nichts ist leichter zu wiederlegen als die These, daß der Jude, als der geborene Rebelle, zerstörend statt aufbauend wirkte. Leider gehören auch Juden zu Verfechtern dieser falschen These; da war schon Benjamin Disraeli, obwohl nicht mehr Jude, mehr auf die Wahrung jüdischer Tradition bedacht, als er es wagte, dem Engländer zu sagen, es gäbe nur zwei Arten hochgezüchteter Menschen: Tories und Juden. Dem jüdischen Denken ist in hohem Maße die Gabe zur Synthese eigen: aus scheinbar Ausrinanderstrebendem eine organische Einheit zu bilden. Das | ist das Gegenteil von Rebellenart. Gibt es in der Welt ein t Land, in welchem die Juden ungerechter behandelt wurden als in Deutschland? Trotzdem sind die Programme fast sämtlicher auch der konservativen Parteien von Juden verfaßt. Wie tief im jüdischen Menschen Tradition und Autorität ruhen, sieht man an einer großen Anzahl Juden von ausgeprägter politischer Eigenschaft: von Gabriel Riesser bis Walter Rathenau. Ein typisches Beispiel für die jüdische Fähigkeit zur Synthese findet man bei Ferdinand Lassalle. Er hat mit Bismarck verhandelt, und hätte er länger gelebt, so wäre das Emporkommen der Arbeiterklasse und ihre Staatsfähigkeit, ähnlich wie in England, in Deutschland früher vonstatten gegangen. Ludwig Frank, Hugo Preuß und Walter Rathenau sind die drei großen deutschen Juden der letzten Jahre. Man wirft uns Juden vor, wir seien international gesinnt, weil wir den Juden in anderen Ländern Liebe entgegenbiächten. Wir sind international, aber in einem höheren Sinne. Wir stammen von Menschen ab, die durch verschiedene Länder gewandert sind und so gelernt haben, daß auch am Fremden vieles zu schätzen sei; und so finden wir die Synthese zwischen Eigenem und Fremden. Es ist deshalb nicht zu verwundern, daß nach dem Kriege einem Juden als ersten die Aufgabe zufiel, zu den Fremden zu sprechen. Es wird ein Ruhmestitel für die Juden Deutschlands bleiben, daß Walter Rathenau zu ihnen gehörte. Rathenau hat in die Zukunft geschaut und die soziale Form des neuen Jahrhunderts vorausgesehen. -- Reicher Beifall lohnte dem Vortragenden. Vortrag bin Gorion. Vor einiger Zeit lüelt Emanuel bin Gorion einen Vortrag im Lessing-Museum über ״Neue Wege der Bi&elkritik“. Der Vortrag diente der Besprechung des bibelkritischen Werkes aus dem Nachlaß von Micha Josef bin Gorion das den Namen ״Sinai und Garirim“ trägt. Der Titel des Werkes deutet an, daß für die Reiigionsgeschiehte nicht lediglich der Sinai, der Gottesberg der Wüstenwanderung, von Bedeutung ist, sondem auch der mitten im Lande gelegene Berg Garirim, den die Samaritaner als heiligen Berg verehrt haben. Der Vortragende wies zunächst auf die Stellen der Bibel hin, die als logische Widersprüche erkannt worden sind und den Ausangspunkt der literarischen Bibelkritik gebildet haben. Auch in Gorion ging von dem Prinzip der Quellenscheidung aus, verwarf jedoch den Versuch, jede einzelne Zeile einer oesonderen Quelle, den: Jahvisten oder Eloliisteo. zuzmveisem wodurch die Texte zu sehr zerstückelt werden. An Stelle dieser mehr äußerlichen Kriterien wendet bin Gorion geistige Die a maßen zu v'aehdem scher Stu׳ Ausschreit nachdem Kollegen Dutzenden Hochschul tdig ei politisieret Universitä Die zum gesetzten einiger Z< in welch« der Aussc an ״nicht des ihnet jüdischen wurde, I gehen, un Stifter vc der ״fasz: und schli derungen die durch Lage zu Sitzung z Militär h leidigten Truppen einen sef einander^ die Sehe! Victoriei Dieser i ernstere Sperrt: zinischen Studente! der Komi Verwarn! der Ruh ahndet, Kaufleut< tation zu weitere vviederhe läufig vt Dies weit err der Bul Judenscl hang da hei den Juden v sehen B daß, t!a1 zahlreicl •‘.wihditt■* atisztmu Wahlvoi band Si Wahlpal Verstän( der Res Unter sc! nicht in muß, u daß die Partei J folge d Agitatic gesetz bringen jüdische einheitli die Par sition, *) kanntlic läge de an. So den ״T zelnen nach d Tat od ähnlich! Erzählu scheinb verborg Versior Sichern dargesi der bet der de jüdisch seines hält a! nvei 1 Thems vergan Ausgel das ei der 1 charak Charä eatgeg Symb« im Lc klärun za su< teilt f eine; sei da Kultui träum der 0 heutig größt! entste Dame der a über hier

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