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Jüdische Rundschau · 1926-02-26 · Heft 16 (26.2.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 16 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 118 Nr. 16 m JUED1SCHE RUNDSCHAU ״Generalversammlung des Vereins ״Esra“ Der ״Jüdische Zeitungsdienst“ (Berlin) berichtet: Am 22. Februar fand im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Delegiertenversammlung des Vereins ״Esra“ statt, in der zunächst der Vorsitzende des Vereins, Herr Moritz Dorn, einen Bericht über die 1 ätigkeit des Vereins gab. Trotz der gegenwärtigen schlechten Wirtschafts־ Konjunktur gelang es dem Verein, in zahlreichen Gemeinden neue Komitees zu gründen. Wesentlich verschlechtert hat sich die pekuniäre Lage des Vereins. Während der ״Esra“ mit größerer Leichtigkeit noch im Jahre 1*512 seinem Kolonisationsfonds 60000 M. zur Ansicdlung von 31 Landarbeitern in Chedera, Kfar-Saba und Kasiinie entnehmen konnte, waren seine Mittel zu Beginn des Jahres 1921 durch die Inflation völlig verschwunden. Es gelang ihm jedoch, auf schriftlichem Wege eine erhebliche Zahl von Zweigvereinen neuzubeleben, so daß das Jahr 1924 immerhin mit einer Einnahme von 5000 M. abschließen konnte. Im nachfolgenden Jahre wurde die Wiederaufbauarhcit fortgesetzt und der Verein hatte eine Einnahme von 7600 M. (! Red.) aufzuweisen. In Palästina selbst' wurde ein Aktionskomitee eingesetzt, welches dem Zentralkomitee über die dortigen Verhältnisse authentische Berichte erstattete. Im Verlauf der Debatte wurde allseitig hervorgehoben, daß dem Verein ״Esra“ jetzt noch ein weites Gebiet offenstehe, dessen Bearbeitung der Kolonisation Palästinas noch reichliche Früchte bringen könnte. Es wurde namentlich auf diejenigen Kreise hingewiesen, welche jetzt noch den Zionlsmus hartnäckig ablehnen und selbst dem Keren Hajessod keine Beiträge anvertrauen. Diese Juden, die, wie die letzten Wahlen zürn Preußentag der jüdischen Gemeinden bewiesen haben, immer noch mehr als die Hälfte des deutschen Judentums ausmachen, für die Kolonisation Palästinas zu gewinnen, ist eine Aufgabe, die der Verein ״Esra“ zu übernehmen hat. Zu diesem Zweck muß der Verein neue junge Kräfte zur Mitarbeit heranziehen. — Es wurde dann der neue Vorstand gewählt bzw. wiedergewählt: die Herren Dorn, Prof. S o b e r 1! 11 e i in , Dr. Biberfeld, Prof. Warburg, Casparv, Prof. Mittwoch, Dr. Paul Nathan, Tietz und Dr. Liebermann; Revisoren: die Herren Silberstein und Busse. Herr Dr. F i n k e I legt den Anwesenden eine Resolution vor, in welcher die neue Leitung ersucht wird, sich mit dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens in Verbindung zu setzen, damit dieser den Verein ״Esra“ in seiner Arbeit für Palästina unterstütze. Da der Verein rein kolonisatorische Aufgaben verfolge, ohne irgendwelche politischen Ziele, so kann man doch wohl annehmen, daß hierfür eine Zustimmung seitens des Central- Vereins zu finden wäre. Herr Dr. Paul Nathan erklärt, daß er zwar als Vor- Standsmitglied des C.-V. für diese Organisation absolut keine bindende Erklärung abgeben könne, wohl aber bereit ist, den Wunsch dort weiterzugeben und bei seinen Freunden im C.-V. tatkräftig für Unterstützung des Vereins ״Esra“ cinzutreten. Einer ausschließlichen Kolonisationsarbeit in Palästina, ohne politische Nebengedanken, würde man auch innerhalb des Centralvereins sympathisch gegenüberstehen. —־ Herr Rechtsanwalt Dr. Holländer wendet sich gegen die Auslührungen des Herrn Dr. Nathan. Aus der Lektüre der C.-V.- Zeitung müsse man den Eindruck gewinnen, daß man innerhalb des C.-V. zwar für die Krim-Kolonisation etwas übrig habe, aber antipalästinensisch eingestellt sei. Ebenso gut wie der C.-V. den ״Esra“ evtl, unterstützen würde, müßte er für den ebenfalls neutralen Keren Hajessod eintreten, — Herr Prof. Sobernheim meint: Wenn der C.-V. die Kolonisationsarbeit des ״Esra" in Palästina unterstützte, dann hätte er doch wohl mit Angriffen der ״Naumann-Gruppe“ zu rechnen. — Herr Dr. Nathan erwidert: Die ״Naumann- Gruppe“ sei ziemlich unbedeutend an Zahl, auch seien deren Wünsche in keiner Weise maßgebend für die Handlungen des C.-V. Was die Krim-Kolonisation anbetreffe, so sei es eine .dringende Arbeit, der jüdischen Bevölkerung Rußlands neue ■Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Dem Keren Hajessod würden ja Hauptvorstandsmitglicdcr des C.-V. an gehören. Er persönlich habe ebenfalls seinerzeit an der Gründungs- Versammlung des Keren Hajessod teilgenommcn. Es sei aber eine Tatsache, daß der Keren Hajessod jetzt in der Praxis nicht parteipolitisch neutral sei, und nur daraus sei das ablehnende Verhalten vieler Kreise des C.-V. gegenüber demselben zu erklären. Etwas ganz anderes sei es hier bei dem Verein ״Esra“. der sich reinkolonisatorische Aufgaben zum Ziel setzte und für dessen Unterstützung er persönlich sehr wohl bei den maßgebenden Kreisen des C.-V. einzutreten bereit sei. (Wir sind uns über die Bedeutung des Verbandes ״Esra“ völlig klar. Den Bericht über seine Generalversammlung veröffentlichen wir nur mit Rücksicht auf die bei dieser Gelegenheit stattgefundene Debatte, die uns sehr lehrreich erscheint. Anm. d. Red.) Die ffidische WelthlllskoiiereHz Zeitweilige Einstellung der Hilf Stätigkeit. Die Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz, die in den letzten Tagen in Berlin getagt hat, hat Beschlüsse gefaßt, die folgendes besagen: 1. Die Exekutive der jüdischen Welthilfskonferenz bcschließt, bis auf weiteres die Hilfstätigkeit ein zustellen und keine Sammelaktionen vorzunehmen. 2. Die Exekutive der jüdischen Welfhilfskonferenz hat in der nächsten Zeit alle ihre Kräfte auf die aufklärende Arbeit über die ökonomische Lage der Juden in den verschiedenen Ländern in Zusammenhang mit der erforderlichen Hilfsarbeit, sowie auf die Schaffung des von der Karlsbader Konferenz be- «chlossenen Verbandes für soziale Hilfe zu konzentrieren, gleichzeitig auch die Verbindung mit den internationalen nichtjüdischen Organisationen weiter auszubauen. 3. Die aufklärende Arbeit soll durch spezielle Enqueten und Erforschung der aktuellen Materialien, durch Herausgabe von Broschüren und sonstigen Publikationen, sowie evtl, durch Herausgabe einer Zeitschrift zum Ausdruck* kommen. 4. Die Schaffung des Verbandes für soziale Hilfe soll in Gemeinschaff mit dem Komitee der jüdischen Delegation in Paris durchgeführt werden. 5. Als Beginn der Tätigkeit zur Begründung des Verbandes soll der Zusammenschluß der Linder in Mittel- und Osteuropa in Betracht kommen. Zu diesem Zweck wird in Berlin eine Kommission, bestehend aus den Mitgliedern des Zentralrates der jüdischen Welthiifskonfercnz und einigen bekannten zu kooptierenden Persönlichkeiten ins Leben gerufen. In einem späteren Zeitpunkt sollen die bedeutendsten jüdischen Organisationen hinzutreten. Das Büro wird beauftragt, die Frage der Schaffung einer Spezialorgaiiisaiion für Kinderhilfe zu beraten und in Gemeinschaft nut den KinderhilfsorganlsatJonen einen entsprechenden organisatorischen Entwurf auszuarbeiten. Das Büro wird ferner beauftragt, Schritte zu unternehmen, um die jetzt bestehenden Institutionen der Welthilfekonferenz in Rußland und in anderen Ländern, insbesondere die Arbeit des Komitees für Hilfe an Intellektuelle, sicherzustellen. Das Büro wird beauftragt, die jetzt vor sich gehenden Hilfsaktionen für die Juden in Polen und Beßarabien durch das ihm zur Verfügung stehende Propagandamaterial zu unterstützen. Leo Wloz Iflnlzig Jahre alt Zum bevorstehenden 50. Geburtstag von Leo Winz übersendet mir ein langjähriger Mitarbeiter von ״Ost und West“ die nachstehenden Zeilen über die Wirksamkeit des Jubilars im kulturell jüdischen Leben: ״Leo Winz wird am Sahbath, den 27. d. M., fünfzig Jahre alt. Mit großer Ausdauer, Lebhaftigkeit und Intelligenz verbindet er uic Unternehmungslust und den Wagemut des echten Kaufmanns. Er war der erste, der es wagte, eine illjistricrfe Zeitschrift für das moderne Judentum zu gründen, der er auch einen durchaus modernen Charakter aufzuprägen verstand. ״Ost und West“ hat in den 22 Jahren seines Bestehens (von 1900 bis 1023) der jüdischen Renaissance gut und wirksam gedient. Das völlig Neue, bis dahin gänzlich Unerhörte, war die Pflege der •jüdis c 11 e 11 bildenden Kunst. Nur wenige ahnten, daß es eine große Anzahl von Gemälden und Skulpturen gab, die nicht nur eine Schöpfung von Juden waren, sondern auch so deutlich das Gepräge jüdischen Geistes trugen, daß man mit Fug und Recht von einer jüdischen Kunst sprechen darf. Leo Winz unternahm es zuerst, in jedem Heft seiner Zeitschrift die Biographie und die ästhetische Analyse der Werke eines jüdischen Künstlers zu bringen. Mancher Künstler ist erst durch ״Ost und West“ dem Publikum bekannt gcworden und verdankt dieser Zeitschrift seinen Ruhm. Außer der bildenden Kunst war es das jüdische Volkslied und die jüdische Musik überhaupt, denen Winz die Bahn ins Publikum geebnet hat. Er war der erste, der sich mit der Sammlung jüdischer Volkslieder befaßte. Durch Uebersctzuiigen aus dem Hebräischen und Jiddischen sowie durch zahlreiche kritische Studien verhalt ״Ost und West“ der modernen hebräischen und jiddischen Belletristik zu der Anerkennung, deren sie sich heute erfreut. Alle lebensfähigen modernen Strömungen, die innerhalb des Judentums während des letzten Vierteljahrhunderts hervortraten, fanden in ״Ost und West“ ihre Abspiegelung.“ Ich freue mich, bei dieser Gelegenheit außer persönlichen Wünschen, die Winz in seiner rüstigen Arbeit in Palästina finden, auf seine langjährige zionistische Arbeit hinzuweisen und insbesondere hervorzuheben, daß er einer der ersten Parteifreunde war, der die ״praktische Arbeit“ in Palästina als wichtigstes politisches Mittel zur Erreichung unseres Ideals ansah und für sich persönlich Konsequenzen daraus zog. Als von einer Touristik nach Palästina noch niemand träumen konnte, unternahm Leo Winz wiederholt Reisen dorthin und erwarb als einer der ersten Boden am ״Kerak“. Jetzt, seit drei Jahren, versucht er mit ungeheurem Energieaufwand eine schwierige, für Palästina sehr wichtige Aufgabe, die Einfiihrang der Tabakkultur und Tabakverwertung, zu lösen. Seine Liebe zu Palästina wetteifert mit einer fast unglaubliehen Zähigkeit, dem Lande zu dienen, und ich weiß« es aus eigener Kenntnis der Dinge, daß er iii jeder Beziehung die größten Opfer hierfür gebracht hat. Dabei ist er im stillen ein Wohltäter für viele aufstrebende junge Geister und Kämpfer, die er nicht nur durch Rat, sondern sehr oft durch finanzielle Hilfe ein Stück Weges weiter brachte. Möge ihm auch fernerhin die Liebe zum Lande, die Freude am Wohltun und die Unverdrossenheit an der stillen Arbeit erhalten bleiben zum Wohl der großen Aufgaben, die sich das Judentum durch den Zionismus gesetzt hat! S. Dvk. Max Leßman gesterbea Der Herausgeber des ״Hamburger Israelitischen Familienblattes“, Herr Max Leßmann, ist dieser Tage in Hamburg nach kurzer Krankheit gestorben. Max Leßmann begann seine Verlagstätigkeit in Hamburg im Jahre 1878 und gründete im Jahre 1899 das ״Israelitische Familienblatt“, das sich bald einer _ großen Verbreitung, insbesondere in den jüdischen Kleingemeinden, erfreute. Leßmann verwendete viel Energie auf die Ausgestaltung des Blattes, es schwebte ihm vor, ein Blatt für das jüdische Haus und für die jüdische Familie zu schaffen, außerdem widmete er eigene Beilagen den Fragen der jüdischen Erziehung, den Angelegenheiten der Lehrer und Kantoren, den Gemeindefragen, den Kindern usw. Er war zweifellos ein tüchtiger und begabter Kaufmann und Verleger. Das ״Hamburger Israelitische Familienblatt“ ist bekanntlich seiner Richtung nach religiösliberal, und obwohl diese Richtung selbstverständlich in den Aeußerungen des Blattes zum Ausdruck kommt, hat es doch niemals einseitige Parteinahme soweit getrieben, die anderen Strömungen innerhalb des Judentums und für das Judentum so wichtige Vorgänge wie den Aufbau Palästinas nicht zu ihrem Rechte kommen zu lassen. Der verewigte Herausgeber, Herr Leßmann, war selbst ein Freund des jüdischen Palästinawerkes, das er, obwohl nicht Zionist, aus allgemein-jüdischen Gesichtspunkten persönlich förderte. Wir sprechen dem ״Israelitischen Familienblatt“ unser kollegiales Beileid aus. Pelpers ״Wahrheit aber Palisiiia“ Wir haben seinerzeit von den famosen Vortragen des Wiener Journalisten Peiper berichtet, der im Rahmen von Veranstaltungen des Verbandes nationaldeutscher Juden in mehreren Städten Deutschlands verlogene Berichte über Palästina erstattet hat. Wir würden uns mit dieser Sache nicht weiter befassen, wenn nicht mehrere deutsche Zeitungen wie die ״D. A. Z.“, die ,,Hallesche Zeitung“, die ״Preußischen Jahrbücher“ und die ״Deutschen Stimmen“ sich die Berichterstattung des Herrn Pciper zu eigen gemacht hätten. Die Person des Herrn Peiper, der inzwischen aus der Wiener Ortsgruppe des Verbandes der nationaldeutschen Juden ausgetreten ist und in einer Reihe von Briefen an zionistische Zeitungen und Organisationen seine Versammlungstätigkeit und seine Berichte über Palästina als Entgleisungen und als persönliche Rache wegen angeblich schlechter Behändlung durch Zionisten hingestellt hat, interessiert uns sehr wenig. Es sei nur darauf hingewiesen, daß der Verband der nationaldeutschen Juden in seinem Kampfe gegen den Zionismus bedenkenlos die Kronzeugenschaft eines Mensehen sich zunutze gemacht hat, der für diese Rolle in keiner Weise geeignet war. Nachdem der Verband der nationaldeutschen Juden loyalerweise von zionistischer Seite aufmerksam gemacht wurde, daß cs nicht angängig sei, eine Person im politischen Kampfe gegen den Zionismus auszuspielen, mit der es nitht sehr ehrenhalt ist, sich nach jüdischen und menschlichen Anschauungen von Recht und Sittlichkeit abzugeben, hat er es bisher dennoch unterlassen, öffentlich von Herrn Peiper abzurücken und einzugestehen, daß er sich in der Wahl seiner Kampfmittel gegen den Zionismus vergriffen und gründlich blamiert hat. Hiermit nehmen wir Herrn Dr. Naumann diese Mühe ab und korrigieren seine Unterlassungssünde vor der Oeffentlichkeit. Gegenwärtig weilt in New York die Tochter Dr. Max Nordaus, die begabte Pariser Bildhauerin Maxa Nord au. Es hat sich ein Komitee führender amerikanischer Juden unter Leitung von Mr. George S. Hellman gebildet, welches das Arrangement einer Ausstellung von Werken Maxa Nordaus übernommen hat Die Ausstellung zagt nicht allein Skulpturen, sondern auch Gemälde und Holzschnitte der Künstlerin. Eingesandt Der lebrlisebe Windelbind Sehr geehrte Redaktion! Mit größter Verwunderung las ich in Nr. 8 der ״Jüdischen Rundschau“ das ״Eingesandt“ des Herrn Abr. J. Stybel betreffend meine hebräische Windelband-Ucbersetzung, das eine ganz unrichtige und verkehrte Darstellung der Tatsachen enthält. Was Herr Stybel im allgemeinen über seine schleehten Erfahrungen mit den Schriftstellern sagt, mag vielleicht richtig sein. Es ist wohl auch aimmehmen, daß diese anderweitigen Erfahrungen in diesem Falle sein Gedächtnis irregeleitet haben. Herr Stybel hätte aber wohl daran getan, sein schlechtes Gedächtnis zu überprüfen, bevor er in unangebrachter Gereiztheit völlig haltlose Behauptengen in die Oeffentlichkeit brachte. Ich will nun die wichtigsten dieser grundlosen Behauptungen berichtigen. 1. Es ist nicht wahr, daß ich mich an den Verlaj* Stybel ״mit einer .Empfehlung einer hervorragenden Autorität und dem Vorschlag“ gewandt hätte, das Buch für den Verlag zu überstezen. Dieser Vorschlag — der übrigens nicht der erste an mich gerichtete Vorschlag dieses Verlags war — ging vom Verlage aus und wurde mir zuerst durch Herrn J. L. Goldberg übermittelt. Empfehlungen habe ich Herrn Stybel und seinem Verlage nie unterbreitet. Des nur zur Charakteristik der ״Genauigkeit“ der Behauptungen des Herrn Stybel. ׳ 2. Es ist nicht wahr, daß icii ״das ganze Honorar schon lange vor Vollendung der Arbeit“ erhalten hätte. Es ist nicht wahr, daß ich, wie aus den Ausführungen des Herrn Stybel hervorgeht, das Honorar für den ursprünglich geplanten vierten Band überhaupt erhalten hätte. Ich erhielt verabredungsgemäß das Honorar für die übersetzten drei Bände durch Herrn J. L. Goldberg ratenweise bei Ablieferung entsprechender Abschnitte des druckfertigen Manuskriptes. Was den ursprünglich geplanten vierten Band anbetrifft, so habe ich mich zwar einige Monate lang mit eingehenden Vor- Studien befaßt (es handelte sich dabei nicht um eine Ueber- Setzung, sondern um eine groß angelegte Einleitung, die gleichzeitig als Einleitung in die philosophischen Probleme überhaupt gedacht war, um eine systematische Auf- und Dar- Stellung einer philosophischen Terminologie im Hebräischen, ferner Tim eine Bearbeitung der Geschichte der Philosophie im 20. Jahrhundert nach anderen Arbeiten Windelbands), aus der Sache wurde aber überhaupt nichts, weil Herr Stybel seinem freiwilligen Vertreter, Herrn J. L. Goldberg, nicht das nötige Geld zukommen ließ und dieser es abgelehnt hat, weitere Summen für den Verlag zu zahlen, ich aber nicht für ein in die blaue Zukunft verlegtes Honorar arbeiten konnte. Ich habe übrigens an Herrn Stybel keine Förderungen für die geleisteten Vorstudien gestellt — wozu ich vielleicht verabrcdtmgsgcinäß nicht unberechtigt gewesen wäre — und habe mithin meinerseits seine schlechten Erfahrungen mit unseren Schriftstellern nicht bereichert. 3. Es ist nicht wahr, daß der Stybel-Verlag von mir seinerseits ״das Manuskript für den dritten Band verlangt“ hat und daß auch Herr Lachower anläßlich seines Aufenthaltes in Erez-Israel ״sich die größte Mühe gegeben, das Mamiskript ausgeliefert zu erhalten, doch alles blieb erfolglos“, Herr Lachower konnte mir schon deshalb nicht das Manuskript abverlaiigt haben, weil er hier in der Druckerei volle 20 Bogen des dritten Bandes ausgedruckt vorgefunden hat (inzwischen sind übrigens weitere zwei Bogen gedruckt worden). An dem gewiß sehr schleppenden Gang der Drucklcgulig des dritten Bandes sind die von..h,.-b. zu fixaßgr, ‘OnzufriedenKeit •׳des ״Hefr« Stybel onv׳Ä1Ä»' StSvrii0ps#ßo des Verlages döch nicht ganz schuldlos: es geschah schön zu wiederholten Malen, aaß die bezügliche Arbeit in der Druckerei für Monate lang unterbrochen wurde, weil die Duckerei es natürlicherweise vorzog, für Bestellungen mit rascherer Zahlung zu arbeiten. Dr Versuch des Herrn Stybel, mir die Schuld an der Verschleppung in die Schuhe zu schieben, und mich zu diesem Behüte als pflichtvergessenen Menschen hinzustcllen, ist ein Anschlag mit untauglichen Mitteln, gegen den ich mich ganz entschieden verwahren muR Tel-Awiw, am 16. Februar 1926. Hochachtungsvoll Dr. M. Olücksoh r Jüdische Enzyklopädie Die Herren D. Georg Herlitz und Dr. Bruno Kirschner, Berlin, ersuchen uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Zahlreiche Anfragen geben uns Veranlassung, bekannt' zugegeben, daß die von uns seit sechs Jahren vorbereitete ״Jüdische Enzyklopädie“ im Manuskript fast völlig fertiggestellt ist und die Druckerei bereits seit September 1925 an der Herstellung des Werkes arbeitet. De ״jüdische Enzyklopädie“, ein für aie weitesten, auch nichtjüdiscne Kreise bestimmtes Nachschlagewerk des gesamten jüdischen Wissens auf wissenschaftlicher Grundlage, wird voraussichtlich drei umfangreiche Bände in Lexikonformat umfassen. An den Text schließt sich ein ausgedehnter illustrativer Teil, der Zahlreiche Bilder, Landkarten, Kunstbeilagen usw. enthält und für das die Unterlagen ebenfalls bereits vollständig vorliegen. Dr Porträtteil stellt eine lückenlose Zusammenfassung von Bildern aller hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten der Vergangenheit und Gegenwart dar. De Zahl der Mita r b e i t e r aus den meisten Ländern mit jüdischer Bevölkerung beträgt bereits über 170 jüdische Gelehrte und Schriftsteller aller Richtungen, darunter die ersten Namen der jüdischen Wissenschaft, der Literatur, des politischen Lebens usw. Die fachliche Redaktion der Bett-ä׳״■ obliegt außer den beiden Herausgebern Dr. Herlitz und Dr. Kirschner den Herren: Prof. Dr. Ismar EI b 0 g e n (Literaturgeschichte), Dr. Josef Meis! (Geschichte), Dr. Max Soloweitschik (Bibel• Wissenschaft), Dt. Felix A. Theilhaber (Biographien), Dr. Robert Welisch (Moderne Judenfrage) und Rabbiner D. Max Wiener (Religionswissenschaft). In den Inflatlonsjahren waren Verzögerungen der Arbeit an der Enzyklopädie leider nicht zu vermeiden. Seit 1924 werden jedoch mit Unter* Stützung eines eigenen Sekretariats und einer Illustrationsredaktion die abschließenden Arbeiten restlos gefördert. Um peinlichen Mißverständnissen und Verwechslun« gen zu begegnen, betonen die Herausgeber, daß weder sic noch der Jüdische Verlag, Berlin, in dem das Werk erschein^ an irgendeine Stelle (Gemeinden, Organisationen oder Private) mit der Bitte um finanzielle Unter- Stützung herangetreten sind. Auch gegenüber den leider von gewissen Seiten verbreiteten Gerüchten, die ״Jüdische Enzyklopädie“ werde überhaupt nicht erscheinen, genügt es, auf obige Mitteilungen hinzuweisen. Der genaue Termin des Erscheinens der Bände — im Laufe dieses Jahres —- wird noch bekanntgegeben. Gedenkleier der Cfeewra Kidlseha Groß-Berlins De Gedenkfeier, die die Chewra Kadischa anläßlich des 7. Adar (Sonntag, den 21. d. M.), 5 Uhr nachmittags iii der festlich geschmückten Alten Synagoge abliielt, gestaltete sich zu einer überaus imposanten Kundgebung. Rabbiner D. Link hielt die Festrede. Er deutete Leben und Wirken Moses, der zwar im Ewigen und Göttlichen wurzelte, aber tief in alles Menschliche hinunterstieg.

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