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Jüdische Rundschau · 1926-02-26 · Heft 16 (26.2.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 16 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1« JUEDISCHE RUNDSCHÄO Seite 117 die in an alle 1 Keren na hier?sonders illierung seitens Gleich luaseiniand die iS Obercini, ist re), viel irklärten ererseits in der berhawpt Bürgeronferenz iführung 1ätt dem ie Mehregierung!1 angchaschibil in der mit der lusseinis and der;in Sieg׳ litik der die Ein• Council) : Führer im Zo- Vlandatssich in A. auch erklärte pt nicht Syriens ormellen »tigern cennutig, eile, die Palästina rem bisanalhcim :ht eine c!1 J u -;eit mir nn aber t Ein־ kalt ■ cfctn igi Zahl' im1 1 u 1 ט e n itworfen, Dschtdro .mistigen 1idrö im eilschaft qkm er- :11 zu je 1 Angcirlit zur Wlitisdle :ung ab, :genüber Vorsitz Vs-9 Uhr iehungen ten ■Inde kurze daß die 1g eines o 11 e 11 d sie diese :eil wird, organi- Minder־ der Zio-!wendig- 1artei zu schäften, werden. Industrie Handelsrochenen Ositioncn :nnt. ialkursus sus wird rrn, die ein!-׳ Kein PalSstina-Tourlit ans Pole! Warschau, 21. Februar. (]. T. A.) Die gegenwärtige^witt-;-chaftliche Not unter der jüdischen Bevölkerung Polens kann nicht besser illustriert werden als durch die Tatsache, daß• sich in diesem Jahre im Zusammenhang mit dein bevorstehenden Passah-Fest kein einziger jüdischer Tou* rist für die Reise nach Palästina gemeldet hat. 1111 vergangem•!! Jahre haben sich mehr als 5000 Juden ans Dolen beim Warschauer Palästina-Amt als Palästina-Touristen gemeid ei.!He Krisis im Jüdisch Seim-Klub Warschau, 21. Februar. (J. T. A.) Die Krisis innerhalb des Klubs der jüdischen Deputierten und Senatoren ist noch nicht gelöst, die einzelnen Gruppen konnten sich bezüglich der Person des neuen K 111 b p r ä s i d e n t c 11 nicht einigen. Mas Präsidium lies zionistischen Oberrats heschloß, eine gemeinsame Beratung des Oberrates mit allen zionistischcn Deputierten und Senatoren abzuhalten, in der über die Persoisetifrafte ein Entschluß gefaßt, werden soll. Derzeit stellt die Kandidatur des Abg. Hartglas im Vordergründe. Gemäß dem Beschluß der Konferenz der Zionisten Ostgaliziens erwartet man den Wiedereintritt von Dr. Reich und Dr. Rosmarin in den Oberrat. Einnahmen des Keren-Kajemeth im Monat Januar Im .Monat Januar sind beim Hauptbüro des Keren Kajemeth in Jerusalem insgesamt VE 21.774 aus der ganzen Welt eingegangen. Der Betrag ist zwar um 25 ״'״ höher als im gleichen Monat des Vorjahres, wo bloß £E 17.281 eingingen, genügt aber keineswegs, um den Verpflichtungen für bereits abgeschlossene Bodenkäufe nachzukommen. Unter den ca. 50 Ländern, die an den Eingängen des Keren Kajemeth beteiligt sind, stehen diesmal au der Spitze: 1. Vereinigte Staaten von Amerika CE 5.086; 2. Polen £E 2.811; 3. Südafrika .CE 2.605; I. Canada .CE 1.632; 5. Deutschland £E 1.205; 6. Belgien £E 009; 7. England £E 736. Kriminal-Statistik Palästinas Der Jüdischen Telegraphcn-Agcntur wird luitgcteilt: In Palästina wurden im fahrt 1925 10 701 Verbrechen und Vergehen begangen, darunter 596 Schwerverbrechen, unter diesen wieder 98!Morde. 36642 Personen wurden wegen Gesetze.sverletzungen festgenommen, von denen IS400 als schuldig abgeurteilt, die übrigen frcigesprochcii wurden. Gegeuwärtig sind i!t den Gefängnissen Palästinas 1462 Personen eingekerkert, darunter 28 lebenslänglich Verurteilte und 261 Personen, die 5 bis 15 Jahre abzubüßen haben. Die Einbttrgerongsimter nehmen Anträge an Jerusalem, 17. Februar, (P. C.) Um die Annahme der palästinensischen Bürgerschaft nach der letzten palästinensischen Einbürgerungsakte zu erleichtern, sind in Jerusalem, Haifa, Jaffa und -Liberias in den letzten zwei Wochen Naturalisätionsüinter eröffnet worden. Für die Arbeiter in den jüdischen ländlichen Siedlungen in Nordpalästina sind besondere Vorkehrungen getroffen. Mit Zustimmung der palästinensischen Regierung wurden in den größeren Städten besondere Naturalisationsbüros unter Leitung der jüdischen Stadträte errichtet. Die Bedingungen der Einbürgerung sind von autoritativer Seite leichter als in irgend einem anderen Lande bezeichnet worden. Zuerst werden die Anträge derjenigen berücksichtigt, welche im Jahre 1922 optiert haben; äiewf^eritaffcB- 0•״to׳f-weih#«־ Naturalisatianszertifikate.•.-׳Dana kommen solche Antragsteller an die Reihe, welche einen ununterbrochenen zweijährigen Aufenthalt im Lande während der letzten drei Jahre ■vor Herausgabe der Einbürgerungsakte naenweisen können. < Untertanen solcher Staaten, «׳eiche eine doppelte Nationalität zulassen, wird beim Empfang ihrer palästinensischen Papiere geraten, auf ihre alte Untertanenschaft zu verzichten. Die meisten Staaten haben zugestimmt, ihre Untertanen sofort nach der Einbürgerung in Palästina aus dem alte Staatsverbände zu entlassen. Die Wasserveriorgnig Jerusalems J e r u s a I c m , 21. Februar, (j. T. A.) Mr. Percy Westacott, der Geschäftsführer der großen Londoner Ingenieurfirma Sir lohn Jacksohn Ltd., weilt gegenwärtig S11 Jerusalem, um die Möglichkeiten der Versorgung Jerusalems mit Wasser, Licht und Kraft zu prüfen. Die genannte Firma hat von dem Kon- Zessionsinhaber Mawrornatis eine Subkonzession für diese 11!iternehmungen erhalten. In einem'Gespräch mit dem Vertreter der Palcstinc Telegraphic Agency sagte Mr. Westacott, er sei mit einem ganzen Stab hervorragender Ingenieure nach Jerusalem gekommen. Die Vorarbeiten «׳erden mit aller Beschleunigung durchgeführt. Sämtliche für die Wasserversorgung Jerusalems in Betracht kommenden Quellen wurden geprüft, und man kann sagen, daß dieses Problem in positivem Sinne gelöst werden wird. Bis zur Durchführung der großen Wasservcrsorgungsanlagen wird eine vorläufige Wasserversorgung aus dem 10 km von Jerusalem entfernten Brunnen ״Ain F ar ah“ stattfinden. Dies wird bestimmt noch vor dem 1. August d. J. geschehen. Jerusalem wird im August etwa 200 00!) Gallonen Wasser täglich aus ״Ain FaralV‘ erhalten. Bestimmnhgen Itkr Pessaeh-Reisende Wie alljährlich sind auch in diesem Jahre für diejenigen Palästinareisenden, die Pcßach in Palästina verbringen wollen, besondere Bestimmungen erlassen. Die Bestimmungen besagen unter anderem, daß die Reisenden bis spätestens am 26. März Europa, verlassen haben müssen, bis spätestens 2. April in Palästina eiugetroffen sein müssen und in Palästina nicht länger als bis zum 15. Mai bleiben dürfen. Visa für Peßach- Reisende nach Palästina werden vom Britischen Konsulat nur auf Befürwortung des Palästinaamtes erteilt. Alle Meldüngen müssen aber bereits eine Woche vorher dem Britisehen Konsulat gemeldet werden, bevor ein Visum erteilt wird. Rechtzeitige Anmeldung zu dieser Reise empfiehlt sieh also in jedem Fall. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß Anmeldungen, die nach dem 18. März im Palästinaamt cintreffen, keine Aussicht haben, bewilligt zu werden. Palästinaamt. Jerusalem, 17. Februar. (P. C.) Das Immigrations-Departement der Zionistischen Exekutive teilt mit, daß die Routen der Dampfer, welche Immigranten nach Palästina bringen, so eingerichtet worden sind, daß am 1. Und 7. Tage der Peßachwoche keine Landung von Passagieren erfolgt und die damit verbundene Arbeit an diesen Tagen fortfällt. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. April 1926 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. März. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebuhren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Märztagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, in Ihrem eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, da& diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Februar 1926 Verlas ״Jüdische Rundschau“ Berlin W15, Meinekestraße 10 Oie Vorgänge in der jüdischen Gemeinde Eine E r k I ä r u 11 g. Die Unterzeichneten Mitglieder des Vorstandesder Jüdischen Gemeinde zu Berlin geben hiermit folgende Erklärung dem Gemcindevorstand und der Oeffentlichkeit gegenüber ab: 1. Die gegenwärtige Zusammensetzung der Gemeindekürperschaften, insbesondere des Gemeindevorstandes, beruht auf einem Kompromiß, Der Vorstand stellt keine Parteiregicrung dar, sondern ist eine Koalitionsleitung, an der alle in der Gemeinde vorhandenen Parteien beteiligt sind. De Politik einer Koalitionsregierung muß nach jeder Verfassung in der Art geführt werden, daß sie von allen Teilnehmern an der Koalition ohne Preisgabe ihrer Grundsätze vertreten «erden kann, im Gegensatz hierzu führt der Vorstand die Verwaltung •lediglich nach dem Programm der liberalen Partei und bringt dadurch die Angehörigen der anderen Koalitiönsparteicn in den Gewissenszwang, nach außen für Beschlüsse die Verantwortung zu tragen, die sie im Innern auf das Entschiedenste bekämpfen müssen und bekämpft haben. In dieser Verletzung des Koalitionssystems liegt ein schwerer Verstoß gegen das geschlossene Kornpromiß. 2. Mit einer Koalitionsregierung steht die Ausübung eines Fraktionszwanges in unlösbarem Widerspruch. Die Mitglieder der Koalition haben sich untereinander zu verständigen und nicht nach Weisungen von außen zu handeln. Die liberalen Mitglieder des Gemeindevorstandes aber sind Parteifunktionäre, die in allen . grundsätzlichen Fragen die Beschlüsse der überalen Fraktion zur Ausführung bringen. Sie erscheinen in den Vorstandssitzungen mit gebundener Marschroute; Debatten ml ihnen können 'deshalb*nie 'Zit :Mner Verständigung führen. 3. Allen parlamentarischen Gepflogenheiten zuwider hat der Vorsitzende des Gemeindevorstandes es nicht nur nicht unterlassen, aus der Fraktion auszuscheiden, sondern macht sich gerade in den wichtigsten Fragen zum Sprachrohr und Verkünder der Beschlüsse der Fraktion. Bei dieser Sachlage vollziehen sich die Verhandlungen in den grundlegendsten Fragen oft so, daß der liberale Referent es nicht für nötig hält, eine Vorlage zu begründen, vielmehr als einzige Begründung auf die bereitvollzogene Einigung innerhalb der Mehrheitspartei hinweist. Wenn es dem Drängen der Opposition gelingt, eine Debatte zu erzwingen, so bemüht sich zwar die Opposition mit allen Argumenten grundsätzlicher und praktischer Art ihre Anschauungen zum Durchbruch zu bringen, unter dem Schutze der ihnen sicheren Mehrheit aber ziehen die Liberalen sich auf die landläufigsten Sclteingründe zurück. Auf diese unsere völlige Entrechtung im Vorstande führen wir es zurück, daß jede kulturelle und politische, jede geistige und religiöse Führung durch den Vorstand fehlt, daß in der Gemeinde Dezernate nicht nach Fähigkeit und Eignung, sondern nach Parteizugehörigkeit verteilt, daß für die eifrigsten Parteigänger besoldete Aemter geschaffen werden. Wir halten es für unsere heiligste Irilicht, nachdem unsere Mahnungen innerhalb des Gemcindevorstandes ungehört verhallt sind, uns an die jüdische' Oeffentlichkeit zu wenden und schärfsten Protest gegen die Entrechtung des positiven. Judentums einzulegen. Die Beseitigung der Mißwirtschaft in der Berliner Gteincinde ist die Vorbedingung für die Gestindiing des preußischen Judentums. gez. K a r c s k i, Kollcnschcr, Sandler. tue PateitUage gegea Weizmani abgetviesen Die ״WienerMorgen-Ztg.“ meldet aus London: Gegen Dr. Weizroann war vor längerer Zeit, von einem Pariser Chemiker ein Prozeß angestrengt worden, in dem Weizmann beschuldigt wurde, während des Krieges sich einer Erfindung des Franzosen bedient zu haben, ln seiner Klage verlangte der französische Chemiker Schadenersatz und die Abcrkeunuti g des Patentes, das Professor Weizmann für seine Erfindung in London erlangt hatte. Der Prozeh dauerte einige Monate, und nun ist es endgültig zu einer U r tcilsf all un g gekommen, in der festgestellt wird, daß die Behauptungen des französischen Chemikers nicht stichhaltig sind. £r wurde mit seiner Klage abgewiesen und, zur Tragung sämtlicher Prozeßkosten verurteilt. Bemerkenswert ist, daß die kommunistische Presse in Rußland diesen Prozeß seit Monaten zu einer Hetzkampagne gegen Weizmann ausgenützt hatte. Pressestimmei Zu dem Artikel der C.-V.-Zeitung, iu dem feslgestellt wird, daß auf die gegen den Keren I lajcssod gerichteten Ausführungen des Rabbiners Dr, Jacob (Dortmund) nur ein einziger Rabbiner, nämlich Dr. Fuchs (Chemnitz) er widert hat, schreibt das gesetzestreue ״Jüdische Wochenblatt“ (Frankfurt a. M.): Das von der C.-V.-Zeitung festgestellte Schweigen der Keren Hajessod-Rabbiner enthüllt eine Sc 11 wiche des deutschen R a bbine r sta ndc s , die gerade von unserem gesetzestreuen Standpunkt aus nur mit dem größten Ernst und Nachdruck verzeichnet, werden kann. Es dürfte noch in Erinnerung sein, daß die Versammlung des ״A11 g e tu e i ne 11 Deuts c 11 e 11 R a bbin erverbandes“ i 11 F r a n k f u r t a. M. im J a h re 1921 in einer ohne Cr e g c n s t i m m e 11 a 11 g c n o m menen Resolution die M i t w i r k 11 11 g a m I* a 1 ä st i 11 a a u f b a u a 1 s ״r c 1 i - ״löse Pflicht“ erklärt hat. Damals fand sich kein einziges Mitglied dieses größten deutschen Rabbinerverbandes, der die überwiegende Mehrzahl aller in Deutschland amtierenden Rabbiner von der strengsten Orthodoxie bis zur äußerste» Linken umfaßt, das mit seinem Namen gegen das Palästinawerk und seine Einordnung in das Gebiet der religiösen Pflicht protestiert hätte, Und heute, kaum fünf Jahre später, findet sieh vorläufig mir ein einziger deutscher Rabbiner, der es unternimmt, die von einem Kollegen schwer angegriffene und in ihrer,Verwirklichung bedrohte ״religiöse Pflicht‘1 zu verteidigen und zu stärken. .... Die Tatsache, daß die deutschen Rabbiner ein getreuer Ausdruck der Stimmung unter den deutschen Juden sind, muß jeden, der wirkliche geistige und jüdische Führung will, außerordentlich bedenklich machen. Diese Tatsache beweist eine Abhängigkeit, die in krassestem Gegensatz zu dem Idealztistand steht: nicht die Gemeinden׳ sind geistig von ihren Führern abhängig, sondern die ״Führer“' von ihren Gemeinden. Dieses Symptarn ist oftmals in organisatorischem Zusammenha® ־ ausgesprochen worden, und zwar gerade von rabbinischer Seite; noch niemals aber hat es sich in so krasser Weise auf geistigem Gebiete gezeigt. .... Wir wünschen, durchaus nicht nur im Interesse des palästinensischen Aufbauwerkes, sondern ebensosehr im Interesse der Autorität der Thora und ihrer Lehrer, daß die deutschen Rabbiner die Gefahr dieser Situation erkennen und ihr begegnen, so lange noch Zeit ist. Die Lehren des Sleiger-Pmesses lieber dieses Thema sprachen in einer von der Gruppe der Zionisten aus dem Osten einberufenen ungewöhnlich stark besuchten Versammlung die Herren R.-A. Dr. Klee und Moses W a Id tn a 11 n , die bekanntlich in dem Teil der Steiger- Affäre, die in Berlin spielte, aktiv mitgewirkt und dazu beigetragen hatten, daß der wirkliche Attentäter Olszanski durch sein Geständnis in Berlin den! Lemberger Prozesse eine günstige Wendling gab. R.-A. Dr. Klee behandelte die unglückselige Lage der nationalen Minderheiten in den einzelnen Staaten und stellte die Forderung nach restloser Gewährung von Minderheitsrechten an alle nationalen Minoritäten auf. Nur wenn man sich überall an den Gedanken gewöhnt haben wird, daß nationale Zugehörigkeit und Staatshürgertum nicht unbedingt zusammenfallen müssen, wird ein Fortschritt auf dem Gebiete des friedliehen Zusammenlebens von verschiedenen Nationalitäten in einem Staatsverbande zu erzielen sein. Dr. Klee schilderte die besonderen Verhältnisse in Ostgalizicn, gab dann eine Darstellung der hervorragendsten Momente in der Steiger-Affäre und bezeichnete den unschuldig Angeklagten, Stanislaus Steiger, als würdigen Typus des zu Selbstbewußtseiii erwachten, unschuldig angeklagten und' verfolgten Judentums, Diesem selbstbewußten modernen Juden stellte er in einer Schlußbctrachtung den Typus des ungarischen assimilierten Juden entgegen, der im Kampfe für sein menschliebes und jüdisches Recht eine klägliche Rolle spielt. Ke Tragödie in Lemberg findet ihr Satyrspiel in den Vorgängen in Ungarn, — Herr Moses Waldmann erklärte das ungeheuere Interesse der gesamten Judenheit an dem Steiger- Prozeß aus der instinktiven Empfindung aller Juden, daß derartige Prozesse gegen Juden leider in allen Ländern möglich sind. Der Hauptgrund für die feindselige Einstellung der Umwelt sei die Tatsache, daß das jüdische Volk überall eine erkennbare Minorität bildet. Es handelt sich nicht um eine Rechts-, sondern um eine Maehtfragc. Der Sieg des Rechtes in Lemberg erfülle mit Genugtuung,!»leuchte aber die unglückselige Situation, daß die Juden gezwungen sind, immer wieder alle ihre Kräfte einzusetzen, nn! das gegen sie geplante Unrecht abzuwehren, anstatt ihre. Kräfte ungestört aufbauender Volksarbeit widmen zu können. Das Grundübel ist die Diaspora, mit der sich eilt bewußter Jude nicht abzufinden vermöge. Innere und äußere Befreiung vom Golusdas ein, das muß die Parole jedes bewußten Juden sein. Die unglückselige Steiger-Affäre hat uns wieder einmal gelehrt, wie labil unsere Rechtslage in der ganzen Weh ist. 111 den Reden der Referenten kam die uneingeschränkte Anerkennung für die Bemühungen unseres Gesinnungsgenossen, des Laiultagsabgeordneten Dr. Badt in der Affäre Olszanski sowie für das Entgegenkommen der preußischen Behörden zum Ausdruck. James Israels Reise an den Zarenhel Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Der• verstorbene Chirurg James Israel wurde einige Jahre vor dem Kriege nach ׳Petersburg berufen, um an dem kranken Zarewitsch eine Operation vorzuriehmen. Diese Reise bildete für die Ostjuden den Anlaß zur Erzählung von merkwürdigen, charakteristischen Legenden. So raunte man sich in den Bathei Hamidraschim am Samstagnachmittag zu, daß James Israel als Honorar für seine Mühe eine bessere Behandlung der russischen Juden vom Zaren verlangen werde. Andere Legenden wollten wissen, daß sich James Israel geweigert hätte, ditf Operation vorzunehmen, bevor nicht der Zar feierlich versprechen werde, die Juden besser zu behandeln. Diese angeblichen Vorgänge wurden von der Volksphantasie mit zahlreichen Einzelheiten ausgeschmiickt. Die Lcgendcnbildung um IYbfessor Israel und dem kranken Zarewitsch war für die Lage der russischen Juden charakteristisch; eine Besserung erhofften diese sich in ihrer tiefen Gläubigkeit nur von einem Wunder, in Uebercinstimmung mit der Purimgeschichte über die Rettung durch die Königin Esther. Auf eine Einsicht der regierenden Kreise wagte sic wgder zu hoffen noch an sie zu glauben. Der Volkskommissar für Unterricht verlieh dem Direktor de.- jiddischen Staatstheaters in Moskau M. Granowsky und dem Schauspieler dieses Theaters Michaels den Orden für große künstlerische Leistungen. Vertrauensleute des Keren Kajemeth I Von Eurer Mitarbeit hängt es ab, ob die Purimaktion in Deutschland das Resultat erbringt, das Palästina von uns erwartet.

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