Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 116 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 16 ja Liebling in der Kunst, die Ansprüche auf ein Minimum herabzuschrauben, und die materietteft Bedingungen 'der Ar-' ■’etter in den Kolonien sind ja kaum besser als die bei der Regierung. Aber die Gründe der Regierung, daß ״wenn sie auf Kosten des Steuerzahlers öffentliche Arbeiten ausführt, sie kein System einführen kann, das zwischen Rasse und Rasse unterscheidet und zu einer künstlichen Erhöhung; der Lohnquote führt“, sind nicht stichhaltig und befremdend.' Die jüdische Bevölkerung in Palästina, stellt heute einen sehr bedeutenden Stcuerfaktor des Budgets dar. Die günstige Bilanz des letzten Jahres ist eine Folge der Einwanderung und der daraus resultierenden Entwicklung des Landes. Oe Regierung muß mit diesem Teil der Bevölkerung und seinem Standard rechnen. Sie kann nicht nur Vorteile von ihm ziehen, ihm Pflichten auferlegen und seine Rechte beschneiden. Wenn ein Teil der palästinensischen Bürger . und zwar ein wichtiger Teil -- 30 oder 35 Piaster am Tage verdient, so kann für ihn der Lohn der andern ,,Rasse“ nicht maßgebend sein. Es ist das keine ״künstliche Erhöhung der Lohnquote“, sondern eine den geänderten Verhältnissen und der wachsenden jüdischen Bevölkerung entsprechende Sozialpolitik. Nach den zitierten Feststellungen der Regierung wirkt die Schluß Versicherung, daß unter Berücksichtigung dieser ״Grundbedingungen“ (nämlich keine Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Bevölkerungstcilen) die An- Stellung von jüdischen Arbeitern erleichtert werden soll, zumi mindesten stark platonisch. Man könnte jeden einzelnen Punkt der Antwort der Regierung auf das Memorandum des Waad Leumi einzeln durchgehen lind ebenso wie nn den beiden Beispielen, die wir gegeben haben, nachweisen, daß hier ein schwerer Mangel an Verständnis für die Lage und Bedürfnisse der Juden im Lande besteht. Wir wollen davon absehen, zu untersuchen, aus welchen Quellen dieses Unverständnis fließt. Aber cs erheben sich schwere Zweifel auch an einem Willen ztim Verständnis und zur Hilfeleistung, auf die wir Anspruch haben, nachdem fast gleichzeitig mit dieser Antwort die Meldung über die Umgruppierung , der Verteidigungskräfte im Lande durch die Presse ging. Wir hatten bekanntlich in Palästina neben den englischen Truppen und der gewöhnliehen Polizei eine aus Arabern und Juden gemischte Elitegendannerie. Diese soll jetzt aufgelöst, zum Schutz der Ostgrenze eine tscherkessisthe Truppe gebildet, ein Teil der Araber und alle Juden der Elitegendarmerie der gewöhnliehen Polizei zugeführt und entsprechend der tscherkessischen in Transjordanien eine arabische Truppe zum Schutze Palästinas gebildet werden. Die Meldung bedarf bis jetzt noch einer ausdrücklichen amtlichen Bestätigung. Nichtsdestoweniger ist sie geeignet, schwere Befürchtungen zu erwecken. Eine rein arabische oder fast rein arabische Verteidigungstruppe im Lande schaffen, heißt dem einen Teil der Bevölkerung alle Waffen geben und den Andern wehrlos lassen, heißt die Instinkte zu Uebergriffen auf der einen Seite schüren und auf der andern den Gedanken der Selbsthilfe neu entfachen. ׳ Diese Politik ist sicher ungeeignet, die Ruhe im Lande zu erhalten, sie wird nur die Extremisten beider Seiten anfeuern, und damit die Konsolidierung gefährden, die in den letzten Jahren begonnen hat. Ganz mit Recht spricht der ״Dawar“ in einem Artikel, der sich zu der geplanten ״Reorganisation“ der Gendarmerie äußert, von zweierlei Maß. Dieses Mal ist es zweierlei Maß zur Stärkung der ohnedies starken Mehrheit. Wo dabei die Objektivität der RegieMigiWelM, ist •*«ntrfindMeh,•’׳ ׳. ׳•■■■• ׳׳ •' Die 'Antwort dis Übetkommlssarlats auf das Memorandum und die geplante Umgruppierung der Verteidigungskräfte ist keine Verwaltunpangeiegenheit Palästinas. Es handelt sich hier um politische Fakta, die unmittelbar unsere durch das Mandat sanktionierten Rechte und damit die Jewish Agency tangieren. Diese und die Vertretung des Jischuw werden sich zu den Fragen zu äußern haben. Dabei muiß festgestellt werden, daß es sich hier in keiner Weise um außergewöhnliche Forderungen der Juden handelt. Gerade in Palästina sind wir gewohnt, wenig Hilfe von außen zu erwarten, alles selbst zu machen, jeden Erfolg teuer zu erkaufen. Es ist kein Zufall, daß wir ein eigenes Schulwerk, eigene hygienische Einrichtungen haben, daß wir einen Aufgabenkreis besitzen, der in andern Verhältnissen dem Staate zufällt. Aber die Forderungen des Memorandums und unsere Beteiligung an der Gendarmerie hat nichts mit Privilegien, kaum mehr mit dem Mandat zu tun. Wir stellen hier Ansprüche als Bürger des palästinensischen Staates. Und die Einräumung dieser unserer Bürgerrechte ist eine unerläßliche Voraussetzung für unsere Arbeit, die das Land entwickeln soll. Es könnte dazu führen, daß die Regierung, wenn sie den Weg geht, den sie, wie wir au% den letzten Ereignissen sehen, jetzt einschlägt, die Entwicklung Palästinas hemmt, was kaum ihr Auftrag gewesen ist, •als der Völkerbund ihr das Mandat über Palästina übertrug. Die palästinensische Regierung veröffentlicht eine Mitteilung, daß die in der Presse erschienenen Kommentare der Verordnung über die Gendarmerie unzutreffend seien. Die Regierung kündigt ein neues Zirkular an, in welchem die Intentionen (1er Regierung genau Umrissen werden sollen. Eiie Missiois-lMversilit in Palästina? ״Daily Mail“ meldet, daß ein Betrag von 50000 £ zur Verfügung gestellt wurde, um Baulichkeiten für das englische College zu Jerusalem auf dem Oelberg auszuführen. Das englische College auf dem Oelberg wird den Grundstock für die zu errichtende Britische Uni versität Palästinas bilden. Das englische College zu Jerusalem wird von der Jerusalemer ״Mission für den Osten“ geleitet. Das Institut gibt als sein Ziel an; Stärkung des Glaubens durch Jugenderziehung und Krankenpflege. Dr. P1 n c 11 a s K o h n , der Vorsitzende der Agudas Isroel, ist nach Palästina abgereist. Meüir Bode■! Ein Ruf aus Kirjath Anawitn, Von L>r. Fritz Locwenstein, Jerusalem. Noch ist die Zeit nicht gekommen, wo das jüdische Volk auf den Boden seiner Heimat jene echten Volksfeste feiern kann, die ein Vorrecht fest mit der Scholle verwurzelter Völker, wie etwa der Schweizer, zu sein scheinen. Und doch vermag schon heute IVUi tina Veranstaltungen, die mit dem Gedanken des Aufbaus verbünden sind, einen Hauch von Schönheit zu geben, der im üolus unvorstellbar wäre. Der Kcrc:; Kajemetli hat auf verschiedenem Wege versucht, seiner von Palästina zentral aus geleiteten Propaganda neue Impulse zu geben, in diesem Sinne hat er Emissäre herausgesandt, die einen ganz anderen Typus darstellten als die bisherigen Propagandisteil; Arbeiter aus Kwuzoth und Moschawim, die sich für ein paar Monate von der Scholle lösten, um für, die öeulath Haaretz zu zeugen; Lehrer, die mitten aus dem kulturellen Werke ihres Berufes heraus für die Befreiung des palästinensischen Bodens sich irgendwo fern von Palästina einsetzten. Ein Versuch in dieser Richtung war cs auch, als im vorigen Jahre der Keren Kajemeth Schriftsteller und Journalisten, Gelehrte und Künstler nach Kirjath Anawim cinlud, um so die geistigen Kräfte des Landes für die Erlösung des Bodens zu mobilisieren. Der Versuch gelang überraschend gut und wurde deshalb in diesem Jahre wiederholt. Am Sonntag, den 11. Februar, trafen in Kirjath Anawim auf Einladung des Keren Kajemcth ungefähr 120 Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler und eine große Zahl von Gästen zusammen. Die Gäste befanden sicli also auf dem Boden des Keren Kajemcth, aufgenommen von den Chawerim der Kwuzaii, deren Werk und Fortschritte man vor dem Beginn dör Feier besichtigen konnte. Es ist eine der ganz wenigen Siedlungen, die wir bereits auf den steinigen Bergen Judas besitzen. Das Wasserproblem ist hier besonders brennend, und noch bis in die jüngste Zeit mußten die Angehörigen der Kwuzaii das Wasser käuflich von einem benachbarten arabischen Dorf erstehen. Jetzt ist eine große Zisterne im Bau, und neben ihr entstehen die Häuser der Kwuzah. Ussischkin eröffnet« die Tagung, worauf Dr. Klausner zweier int letzten Jahr gcstorbeiier hebräischer Schriftsteller gedachte, Schillers und J a h a I e 1 s, während Dr. Glückson die Glückwünsche des durch seine Krankheit verhinderten Achad Haam überbrachte. Darm Wurde das Präsidium der Tagung gewählt: A. S. Rabinowitz, Raw Assaf, Rüben Brainin, Jacob Fiehmann, Jacob Rabinowitz und Professor Sclior. Es folgten dann eine Reihe sehr interessanter Berichte: Dr. Schaiom Spiegel, Lehrer an der Hebräischen Realschule in Haifa, der für den Keren Kajemcth in Amerika gearbeitet hat, berichtete über die dortige Arbeit und ihre großen noch unentwickelten Möglichkeiten. In ähnlicher Weise berichtete ein Mitglied der polnischen Delegation des Keren Kajemetli, Ch. Schürer aus Nahalal. über die Lage in Polen, Sch. Kuschnir aus Kfar-Jecheskiel über die Lage in Litauen und Herr Elmalier, von der Redaktion des Döar Hajom, berichtete über die Arbeit, die er für den Keren Kajemcth unter den Juden Nordafrikas geleistet hat. Gerade diese drei Referate waren so wichtig, weil sie zeigten, daß die Veranstaltung nicht nur ein reines Frühlingsfest war, sondern daß es sich um ernste Arbeit handelte. Nach einer Pause wurden die Beratungen, nunmehr unter der Leitung Rüben Brainins fortgesetzt. Das Hauptereignis des Nachmittags war Ussischkins großes Referat, das, aus der wirklichen Tagesarbeit für den Keren Kajemetli geboren und seine Aufgaben und Schwierigkeiten plastisch schildernd, einen ungewöhnlich starken Eindruck hervorrief. Ussischkin erinnert« daran, daß die Arbeit des Vorjahrs unter einer doppelten Parole vor sich gegangen sei: Hunderttausend Dunam und eine halte Million Pfund. Während ab«!־ der Keren.׳. wich* hunderttausendjD1tnaA,‘'l««dern״ fast zweihundertfäusend Dunam ausgelöst oder die Auslösung verfraglich vorbereitet hat, hat das Gäluth nur 250000 £ aufgebracht, also nur etwa die Hälfte des Erforderlichen.Ussischkin wies darauf hin, wie trügerisch die Hoffnung auf andere Stelien sei, die die Auslösung des Bodens vornehmen könnten: weder di« Staatsländercien noch die Käufe der Pica, noch das Privatkapital können den Boden erlösen: nur der Keren Kajemeth kann es. Ussischkin betonte, welcher Landhunger heute im jüdischen Volke herrsche und gab zum Schluß seinem Optimismus auf das Gelingen unseres Werkes Ausdruck, das bei ihm umso stärker wirkte, als er alle Schwierigkeiten so deutlich gezeigt hat. Es folgte die Beschlußfassung, die in der Hauptsache in einem Aufruf an die Schriftsteller und Künstler des Gölus besteht, den Tag Lag Beotner in jedem Jahre der Erlösung des Bodens zu widmen, au ihm tür dieses hohe Ziel zu arbeiten und das Verdienst eines Ajrl3it.st.Tpes dein Keren Kajemetli zu geben. Dann schloß Ruhen Brainin die Feier. Scilla, timonoih lör den Keren Kaiemeth Es ist eine alte, durch Jahrtausende geheiligte, Tradition im jüdischen Volke, daß man einander anläßlich des Purims beschenkt. Wo noch eigenartiges jüdisches Volksleben vorhanden ist, da werden am Purim durch Boten an Freunde und Bekannte Leckerbissen und edle Weine geschickt, und den Notleidenden werden reichlich Gaben dargereicht. In seiner Gesamtheit ist das jüdische Volk auch notleidend, denn es fehlen ihm die wichtigsten Güter, die ein Volk stark und glücklich machen: Boden und Selbstarbeit auf diesem Boden. Der würdigste Geschenkempfänger zu Purim ist also das jüdische Volk in seiner Gesamtheit. Wenn man die licbcnswürdige alte Sitte des Geschenkegebens und Geschenkenehmens zu Purim wieder auflebcn lassen will, so tut man am besten, wenn man sein eigenes Volk beschenkt und zwar durch einen Beitrag für den Jüdischen Nationalfonds, der dem jüdischen Volk die eigene Scholle gibt. Di« Leitung des Keren Kajemcth macht es allen Juden sehr leicht, dieser alten Sitten des Schcnkens und Beschenktwerdens zu genügen. Man hat nicht einmal nötig, wie man es während vieler Jahrhunderte getan hat, besondere Boten mit Geschenken auszuschickcn, sondern man halte sich nur bereit, den Boten des Keren Kajemcth anläßlich der Purimaktion die vorbereiteten Gaben zu überreichen. Jeder gebe nach seinem Vermögen! Je mehr desto besser! Aber auch die kleinste Gabe ist willkommen, denn sie ist ein beredtes Zeugnis von dem ZusammengehörigkeitsgefÜhl des Spenders für seine große, Jahr* tausende alte Gemeinschaft, die jetzt daran geht, sich aus eigener Kraft zu erlösen. Wer jedoch von einem Abgesandten des Keren Kajemeth nicht besucht wird, der gebe sein Purimgeschenk für den Nationalfonds dem ständigen Boten diese« Volksfonds, der Nationalfonds-Büchse, die in keinen! jüdischen Hause fehlen darf. Wir richten an alle Juden den Appell, schickt zu Purim eure Gaben dem Keren Kajemcth! Me arabische Politik ia Palästina Jerusalem, 21. Februar. (J. T. A.)( Soeben begann hier die arabisch-palistinenslsche Konferenz, die »ich besonders mit der Situation zu befassen hat, die durch die Annullierung der Wahlen zum moslemitischcn Oberrat seitens des Obersten Gerichtshofes geschaffen worden war. Gleich am ersten Tage kam es zum Vorschein, daß die Hussein!- Familie, die bisher den moslemitischcn Oberrat und dfie palästinensisch-arabische Exekutive beherrscht hat, (das Oberhaupt der Familie, Musa Kazim Pascha cl Hussein!, ist der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive), viel an Boden verloren hat. Die meisten!Delegierten erklärten sich gegen die Politik der Husscini-Familic. Andererseits ist der Einfluß der gemäßigten Richtung, die sich in der Nascliaschlbi-Familie repräsentiert (das Oberhaupt dieser Familie, Ragheb Bey cl Naschaschibi, ist der Bürgermcister von Jerusalem), stark gewachsen. Die Konferenz beschloß, daß die Stadtverwaltungen zwecks Durchführung der Wahlen zutn moslemitischcn Obersten Rat gemäß dem türkischen Gesetz Wahlkomitees cinzusetzen haben. Die Meihrheit der Konferenz hält es für sicher, daß die Regierung diesen Beschluß billigen wird. Es wird allgemein angcnommen, daß die neuen Wahlen einen Sieg der Naschaschibi- Familie bringen werden. Naschaschibi repräsentiert die gemäßigte Richtung in der Politik gegenüber dem Mandat und identifiziert sich mit der arabischen (gemäßigten) Nationalpartei, während die Hussein!» sich mit den moslemitisch-christlichen Verbänden und der palästinensisch-arabischen Exekutive identifizieren. Ein Sieg׳ der Naschaschibi-Familic würde einen Sieg der Politik der Zusammenarbeit mit der Regierung bedeuten und die Einführung eines gesetzgebenden Rates (Legislative Council! in die Nähe rücken. Emir Ars!» a«d Paläsiiia Rom, 22. Februar. (J. T. A.) Emir Ars lau, der Führer des syrisch-palästinensischen Komitees in Genf, der im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Tagung der Mandatskommission des Völkerbundes ia Rom weilt, äußerte sich in einem längeren Gespräch mit dem Vertreter der J.T. A. auch über Palästina. Die arabische Abordnung in Rom, erklärte Emir Arslan, wird die Frage Palästinas überhaupt nicht berühren. Wir sind hier ausschließlich im Interesse Syriens da. Wir haben niemals gegen das britische Mandat formellen Protest erhoben, im Gegenteil, wir zollen der tüchtigem britischen Verwaltung in Palästina Anerkennung, ebenso leugnen wir nicht die wirtschaftlichen Vorteile, die die jüdische An Siedlung den Arabern in Palästina gebracht hat. Trotz alledem beharren wir auf unserem bishörigen Standpunkt mit bezug auf das jüdische Nationalheim in Palästina. Die große Majorität der Araber sucht eine aufrichtige Dauerverständigung mit den Ju־ den; der gegenwärtige Konflikt ist in Wirklichkeit nur ein Familienstrdt. Eine dauernde Verständigung kann aber nur dann zustande kommen, wenn die jüdische Ein׳־ Wanderung geregelt ..wird in .UeberidptiMittUBg , auf welchem dl« Juden im wrlflftttis 21! ihrer Zahl i!»1 Lande vertreten sein sollen. Der Dscbidro-Ztvisehenfall vor GerfclH Jerusalem, 21. Februar. (J.T.A.) 55 Beduinen hatten sich vor dem Haifacr Stadtgericht zu verantworten, weil sie vor einigen Wochen jüdische Landarbeiter zu Dschidro mit Gewalt verhindert haben, die Enlwässerungs- und sonstigen Bodenarbeiten durchzuführen. Der Boden zu Dschidrö im Kischongcbiet zwischen Haifa und Akko gehört der Gesellschaft ״Meschck“, die dort ein Areal von etwa 70 bis 80 qkm erworben hat. — Das Gericht verurteilte 42 Beduinen zu je einem Monat Gefängnis. Der Fall der 13 übrigen Angcklagten wurde ausgeschieden und dem Distriktsgericht zur weiteren Amtshandlung übergeben. Die polnische Regierung und der Zionismus Warschau, 23. Februar. (J. T. A.) Das politisch.: Komitee des polnischen Ministerrates hielt eine Sitzung ab, die sich speziell mit der Politik der Regierung gegenüber der jüdischen Minderheit im Lande befaßte. Den Vorsitz führte Ministerpräsident Graf Skrzynski. Die Sitzung dauerte von 5 Uhr nachmittags bis 29/י Uhr abends, ln erster Reihe standen die Fragen der Beziehungen zur Zionistischen Organisation und des sogenannten lndustrie- und Handwerkergesetzes zur Behandlung. Ucber das Ergebnis der Sitzung wird das folgende kurze Kommunique ausgegeben; Es wurde festgestellt, daß die polnische Regierung den Bestrebungen zur Schaffung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina wohlwollend gegenübersteht. Sie gibt die Versicherung ab, daß sie diese Bestrebungen auf dem internationalen Boden unterstützen wird. Auf dem polnischen Boden wird die Regierung der organisatorischen Aktion nach dieser Richtung hin keinerlei Hindernisse in den Weg stellen. Was die Legalisierung der Zionistischen Organisation betrifft, so besteht keine Notwendigkeit, die Zionistische Organisation als politische Partei zu legalisieren. Dagegen werden jene zionistischen Gesellschaften, die sich einer speziellen Tätigkeit widmen, legalisiert werden. Der Beschluß über das Gesetzprojekt betreffend Industrie und Handwerk bedeutet, daß die Regierung die vom Handelsminister Ossi eck l der jüdischen Abordnung versprochenen Aenderungeti im Sinne der Sicherung der Meister-Pösitionen der jüdischen Handwerker von der Regierung anerkennt. An! Haifaer Technikum wurde ein Spezialkursus für arabische Bauarbeiter eröffnet. Der Kursus wird in hebräischer Sprache geführt und von 13 Arabern, die de£ Hebräischen mächtig sind, besucht. Jeder, der zu Purim für den Keren Kajemeth spendet, trägt dazu bei, die Heim-׳ stifte für das jüdisdie Volk auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit zu errichten!