Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 16 (26.2.1926)
- Date
- 1926-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 TUEPISCHE RUNDSCHAU Seite 115 Regierung und Waad Leumi niiiunMiiiniimiiiiiLiiimfiiiiiiHiümiiiiiiiiimiimiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiniiiiimiiiiiiiwiiiiiiimimiiiiiiimiiiimimiiiiimmmmiinimimiiiiMiniiiiinnimiiniim'mmfiniu ERKLÄRUNG. Das Präsidium des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E, V. sieht sich veranlaßt, gegenüber verschiedenen Angriffen, die in der letzten Zeit gegen den Keren Hajessod erfolgt sind. Nachstehendes festzustellen: Der Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawork) E. V. sammelt Gelder nur für das jüdische Aufbauwerk in Palästina. Von den cingegangenen Geldern ist nichts für parteipolitische Zwecke irgendwelcher Art verwandt worden und auch in Zukunft soll sich daran nichts ändern. Das Präsidium des Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) E. V. fordert die deutschen Juden auf, unbekümmert um irgend welche Gegner- Schaft, an dem jüdischen Aufbauwerk in Palästina auch weiterhin mitzuarbeiten und den Keren Hajessod zu fördern und zu unterstützen. Berlin, den 18. Februar 1926. DAS PRÄSIDIUM DES KEREN HAJESSOD (JÜDISCHES PALASTINAWERK) E.V. Oscar Wassermann, Berlin, Vorsitzender. Generalkonsul Eugen Landau, Berlin. Dr. Arthur H a n t k e, Berlin H Stellvertretende Vorsitzende, s M Dr. Alfred Apfel, Berlin. Rabbiner Dr. Leo ßaeck, Berlin, s 1 SS jj Kurt Blumonfeld, Berlin. Dr. Arnold Barth, Berlin. I Justizrat L u d w i g Gaben, Köln. Willy D r 0 y f u s, Frankfurt a. M, m I| Prof. C a r 1 L e w i n, Berlin. Alfred L i s s c r, Hamburg. 1 Fritz Sondheimer, Frankfurt a. M. Von Gerda Arlosoroff־Goldberg. Jerusalem, den 17. Februar 1926. Entsprechend den Beschlüssen der zweiten ״Assefath Haniweharim" hat der Waad Leumi dem Oberkonvmissariat ein Memorandum überreicht, in dem die Forderungen der palästinensischen Judenheit gegenüber der Regierung zu• sammeugefaßt wurden. Es handelt sich in der Hauptsache um eine größere Subventionierung der hebräischen Schulen, uni die Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei Regienmgsarbeiten in größerer Anzahl und bei entsprechenden Löhnen, um die Ausarbeitung eines Arbeiterschutzgesetzes, um Steuer- und Zotlerleichterungen, um Ucbergabc freier Staatsböden an die jüdische Kolonisation, um Abschaffung der Eiuwanderungsbcschränkungen und um Uebertragung der Immigration«- kontrolle an die Jewish Agency. Diese auf den ersten Blick lang erscheinende Liste von Forderungen enthält genau das, was der jüdische Jiscliuw zur Zeit zu fordern berechtigt ist und als Grundlage für seine weitere Entwicklung braucht. In richtiger Erkenntnis der herrschenden Verhältnisse hat öfe ״Asscfath Haniwcharim“ keine demonstrativen Anträge gestellt, keine unmäßige Unterstützung verlangt, sondern die Regierung auf eine Anzahl von Punkten aufmerksam gemacht, die Acnderungen erheischen. Vor einigen Tagen ist der Öffentlichkeit die Antwort des Oberkommissariats auf das Memorandum des Waad Leumi übergeben worden. Aus verschiedenen Gründen hat sich die palästinensische Presse bisher kaum dazu geäußert. Vermutlieh wird sich die Sitzung des Waad Leumi in der kommenden Woche mit der Antwort der Regierung beschäftigen. Es scheint jedoch heute schon wesentlich, die Forderungen der Juden und die Antwort des Oberkommissariats einyr vorläufigen Analyse zu unterziehen. Und zwar wollen wir aus dem Gesamtbild einige Punkte herausgreifen, die von besonderer Bedeutung sind und der heutigen Lage entsprechend eine baldige Regelung erheischen. Die Forderung des Waad Leumi, daß die Regierung sich mehr als bisher an der Erhaltung des hebräischen Schulwerkes beteilige, ist begründet sowohl durch die großen Ansprüche, die an unsere Erziehungsanstalten gestellt werden, wie auch durch die elementare Verpflichtung der Verwaltung, für die Kulturarbeit unter den Bürgern des Landes Sorge zu tragen. Es erscheint überflüssig, nochmals ein Bild unserer Arbeitsbedingungen auf diesem Gebiete zu entwerfen. Es ist heute im Aus- und lnlande genug bekannt, daß wir trotz aller Anstrengungen nicht imstande sind, für alle Kinder Sorge zu .tragen, die des Unterrichts bedürftig sind. Aber es handelt sich hier nicht nur um eine Frage unserer Not, sondern vor allem unseres Rechtes. Wir haben unser stattfiches Schulnetz aus eigener Kraft errichtet (die Subsidicn, die wir gegenwärtig von der Regierung erhalten, sind lächcrlieh gering), weil die kulturelle Renaissance für uns eine Lebensfrage ist. Es steht jedoch außer Frage, daß es eine der ersten Aufgaben einer Regierung ist, diese Tendenzen zu unterstützen und den Bürgern des Landes die notwendigen Unterrichtsraöglichkeiten zu geben. Es ist ebenso klar, daß sich die Juden im Lande nicht mit den völlig unzureichenden f staatlichen Schulen begnügen können, die mü der jüdischen NääÄlspradhV flicht rechnet!, und diB es sich für sie nicht * einfach um Schulen, sondern um nationale Schulen handelt. Und es berührt recht sonderbar, wenn die Regierung auf der einen Seite fest stellt, daß die ״staatlichen Schulen die kulturellen Bedürfnisse der Juden nicht befriedigen“ und gleich danach sich darauf beruft, daß die jüdischen Anstaltcn ,,dieselbe finanzielle Unterstützung erhalten hätten, wie private Schulen anderer Gemeinschaften auch“. Es heißt den Charakter der jüdischen Kolonisation und die Aspirationell unserer Autonomie völlig verkennen, ihn geradezu leugnen, wenn man die jüdische Kulturarbeit im Lande einfach mit der irgend einer anderen Gemeinde, die sich eine private Anstalt einrichtet, zusammenwirft. Nebenbei gesagt, gilt dasselbe für unsere hygienischen Institutionen, die man nicht einfach als solche der vielen philanthropischen Gesellschäften, die in Palästina arbeiten, ansehen kann, wie es die Regierung in ihrer Antwort offensichtlich tut. Die Beschäftigung jüdischer Arbeiter bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung, ist heute, bei den schwierigen wirfschafttichen Verhältnissen im Lande aktueller als je. Wie immer trägt der Jischuw ganz allein die große Last der vom Soldaten als Erlebnis empfand, kann bei Reti im Trio wenigstens keinen Zusammenhang erkennen, höchstens Analogic zur absoluten Malerei der Farbklänge. Daß Reti trotzdem ein Musiker von Rang ist, bezeugte das Streichquartett mit seinen oft sehr schönen Klangfolgen. In Leopold Münzer lernte man einen hervorragenden Pianisten keimen; der Zyklus für Klavier war leider nur technisch eine dankbare Aufgabe. Frau v. Stetten zeigte im Liederzyklus eine beachtenswerte Leistung. Forcierte Klänge und eine gewisse Kälte ließen es nicht zu reinem Genuß kommen. Zur Wertung Retis als Komponisten geben wir seinem Fachkollegen Rosebery d’Arguto das Wort. R. M. Das Streichquartett enthielt poly-rhythmische Freiheiten, ahne etwa vollkommen arhythmisch zu werden, das heißt?ine Auflösung dessen, was wir in der Musik bis jetzt als hythmisch bezeichncten. Diese Musik entsteht aus einer gewissen Berauschtheit, besitzt aber trotz Schwäche der tnelofischen Erfindung Natürlichkeit und Ursprünglichkeit in der "iusikalischen Aeußerung und erinnert an das Sprudelnde md Sprunghafte Hindemithscher Musik. Dasselbe kann vom Streichtrio nicht gesagt werden. Der zweite Satz ist stärker 11s der erste, das Ganze aber ist grüblerisch und im hergebrachten Sinne weniger musikantisch. Ke Lieder, die stellen- '־eise an Schönbergs Sprechgesang erinnern, sind kn allgemeinen von keiner tieferen Wirkung, fn den Klavierstücken 1at es den Anschein, als wenn cs dem Komponisten mehr auf las Auflösen der alten Form ankam, als auf einen stilvollen nusikalischen Aufbau. Trotz alledem ist Reti einer der wenigen üärkeren und produktiven Musiker unserer Zeit Rosebery d’Arguto.‘ Lasker-Schüler-Abend. Im Kleinen Theater findet Freiag, den 26. Februar, J/Sll Uhr abends, ein Else Lascer-Schüler-Abend statt, bei dem die Dichterin selbst •us ihren Werken lesen wird. Friedrich Hollaender vird Kompositionen zu Dichtungen Lasker-Schüiers spielen, Aribert waescher die Elbertelder Ballade sprechen und Heinrich Fischer die einleitende Rede halten. Das jiddische Theater in Lemberg, das auf eine vierzigihrige ununterbrochene Tätigkeit zurtickblickt, mußte wegen »er ungeheueren Notlage der jüdischen Bevölkerung vor '•nigen Woche» geschlossen werden. Arbeitsbeschaffung und der Arbeitslosenfürsorge. Die Regierung hatte bisher immer nur ein Hilfsmittel bei der Hand, das war die Einschränkung der Immigration. Dieses Mal hat sie diese bewährte Handhabe noch nicht ergriffen, aber sie hat auch noch keinen Finger gerührt, um mit positiver Hilfe zur Verbesserung der Lage einzugreifen. Jedoch wollen wir die Frage der ausreichenden Beschäftigung von Juden bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung nicht vom Standpunkt unserer augenblicklichen Notlage betrachten. Wenn wir morgen überhaupt keine Arbeitslosigkeit mehr haben werden, so hat sich in unseren* Anrecht auf Arbeit als Bürger dieses Landes nichts geändert. Und als elementares Bürgerrecht betrachten wir die Möglichkeit, uns bei den Arbeiten zu beteiligen, die von den Geldern der Steuerzahler im Lande ausgeführt werden. Wenn wir im Moment davon abschen, daß ein besonderes Lohnproblem in Palästina besteht, weil der Standard of life zwischen Arabern und Juden starke Unterschiede aufweist, so besteht die Tat- Eine nene hebräische Chrestomathie Es ist ein sehr interessanter Versuch eines neuen Lehr׳ Euchs der hebräischen Sprache, welchen Jakob' F i c h m a n n, der bekannte hebräische Lyriker, jetzt gemacht hat: Eine Chrestomathie, die sich bezeichnenderweise ״Buch des Mensehe n“ (sepher ba-adam) nennt. (Verlag ״Sepher“, Warschau.') Vor etwa einem halben Jahre erschien die Chrestomathie, welche der Kulturausschuß der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas herausgegeb'en hat. Beide Lehrbücher sind für Erwachsene bestimmt. Die Zahl der Erwachsenen, welche hebräisch lernen, hat offenbar in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der verstärkten Einwanderung nach Palästina zugenommen. Die beiden Chrestomathien sind, was ihren Inhalt anbelangt, auf entgegengesetzte Prinzipien aufgebaut. Die ״Mcssilah“ (״Bahn“) Ist ein Werk der Arbeiter, für Arbeiter gedacht: sie sollen hebräisch lernend das Leben des palästinensischen Arbeiters, seine Probleme und die Geschichte der jüdischen Arbeiter- Bewegung in Palästina kennen lernen. Kleine lokale Ereignisse erhalten den Wert eines Symbols. So entstand ein Buch, das sich Bewußt in seinen Horizonten beschränkt und aus dieser Beschränkung heraus dem jüdischen /Arbeiter die ״Bahn“ wies. Fichmanns Chrestomathie dagegen weitet den Gesichtskreis in einer in der hebräischen Literatur bisher kaum gekannten .Weise. Der Herausgeber selbst sagt: ״Das Buch ist auf ein Grund• prinzip aufgebaut: bedeutenden denkerischen und künstlerischen Gehalt zu geben, der die Großen zu beschäftigen imstande ist, während Stil and Sprache gleichzeitig möglichst leicht und einfach sind. Es braucht nicht erst gesagt zu werden, wie schwer es war, besonders in unserer Literatur, wo die Einfachheit bisher nur wenigen Einzelnen eignet, den entsprechenden Stoff zu finden. Aus diesem Grunde und aus dem Wunsche heraus, den Inhalt zu erweitern, war ich gezwungen, reichlich Stoff aus der allgemeinen Literatur in guten tTeßersetzungen einzuführen. Ich Blieb hierbei meiner Anschauung treu, daß hier Lesestoff nicht nur die Kenntnis der Sprache vermittelt, eoüdera auch im Herzen des SehAieis Achtung und Liebe mr hdärtfechen Sdtfefa« hananaft.“ la einem sdnec 4pfr Sache, daß die Regierung bisher in den öffentlichen Arbeiten die Juden in ungenügendefri Maße beschäftigt hat. Wir haben um jede einzelne Position, sei es bei Eisenbahn oder Post, sei es beim Chausseebau oder bei der Kanalisation, schwer kämpfen müssen und es wäre übertrieben zu sagen, daß wir diese Kämpfe immer siegreich bestanden haben. Wir haben bis jetzt vielleicht auch diesem Gebiet der Arbeits- Iwschaffung nicht genug Aufmerksamkeit zugewendet und nicht energisch genug auf der Erfüllung unserer berechtigten. Ansprüche beharrt. Ke Lohnfrage, auf die das Oberkommissariat in seine!* Antwort auch zu sprechen kommt, hat fraglos dazu beigetragen, die Anzahl der Juden bei der Regierangsarbeit zu verringern. Mit den 15 oder 18 Piastern, die der Araber bekommt, ist eben für einen Europäer ein einigermaßen menschenwürdiges Dasein nicht zu bestreiten. Dennoch würde sich eine nicht geringe Anzahl bereitfinden, auch um den geringen Lohn zu arbeiten. Wir haben in Palästina satze, dejauch in diese Sammlung aufgenommen wurde, hat Achad Haam als Ziel der ״Zionsliebe“ hingestellt: ״Das Herz des Volkes zu befreien und es wiederum mit dem Leben der ganzen Welt zu verbinden, ohne als Kaufpreis für diese Freiheit die hebräische Form aufzugeben.“ Fichmanns Chrestoniathie ist Symbol für dieses Streben der jungen hebräischen Generation und mag in einem gewissen Grade auch als Maßstab! dafür gelten, wie sehr diese Befreiung und Versöhnung innerhalb' der modernen hebräischen Literatur bereits angebahnt wurde, wenn sie auch noch lange nicht erreicht worden ist. Das Buch zerlegt sich in 12 Kapitel: fm Schatten des Hauses, Liebe, Seele des Menschen, Berufung des Menschen, Licht und Schatten im Leben, Krieg. Dichtung und Kunst, Lebensabend, in der Not,!.and und Arbeit, jüdische, Kultur, Schriftsteller und Dichter. In den letzten vier Kapiteln kommen begreiflicherweise nur hebräische Autoren zu Wort. In allen anderen Kapiteln halten übersetzte Stücke den original hebrä׳ ischen die Wage. Hier findet der Leser neben Bialik, Percz, Berdiezcwski: Wilde, Tagore, Spitteler, Rolland, Nietzsche usw. Mit wenigen Ausnahmen sind sämtliche Stücke von Dichtern des 20. Jahrhunderts verfaßt. In der Abteilung ״Berufung des Menschen“ findet der Leser das Gedicht ״lamnazcach el hamecholoth“, das Rialik zu Beginn der bolschewistischen Zeit geschrieben hat und das in wunderbarer Weise die Stimmung jener Tage wiedergibt. Im Abschnitt über den Krieg steht ein Stück aus Ghandi, und fast in allen Kapiteln verstreut findet der Leser die nachdenklichen Stücke Peter Altenbergs. Dem Buch ist reicher Bildschmuck beigegeben, auch er ein Werk moderner Künstler. Die Reproduktionen sind, wenn auch nicht einwandfrei, doch weit über den! Maß, das bisher in der hebräischen Literatur hingenommen werden mußte. Bis auf wenige: Ausnahmen sind sämtliche Stücke vollständig auspunktiert, der Druck groß und schön. Am Ende jedes Stückes findet der Leser schwere Vokabeln erklärt. Es ist ein überaus erfreuliches Buch, das Fichmann hier dem Hebräischlernenden und dem hebräischen Leser überhaupt geschenkt hat. h.b.