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Jüdische Rundschau · 1926-02-26 · Heft 16 (26.2.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 16 (26.2.1926)
Date
1926-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 114 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 1® Ifrsamtnengcfaßten Tatsachen- und Ziffernmaterials in diesem 400 Seiten umfassender! Werke ist enorm; unter den zahlreichen Tabellen ist Palästina verhältnismäßig stark vertreten, da ja Ruppins eigene Erfahrungen in diesem Gebiete gemacht worden sind. Von großem Interesse für uns sind darin die zahlreichen Angaben über Erträge, Rentabilität usw. der damaligen Land- Wirtschaft, .Ruppin hatte in der Kriegszeit aber auch die Vertretung der Zionistischen Organisation in der Türkei zu besorgen, was für ihn nicht nur eine sehr heikle politische Aufgabe bedeutete, sondern auch an seine kaufmännischen Fähigkeiten große Anforderungen stellte. Die Hilfsgelder für das jüdische Palästinawerk, die aus den neutralen Ländern in Gold nach Konstantinopel strömten, mußte er in der geschicktesten Weise itmwechseln und nach Palästina befördern, was damals bei dem sinkenden Geldwert und der Papiergeldinflation keine leichte Aufgabe war, Ruppin erledigte sie in glänzender Weise; als Dank erntete er die bekannten Verleumdungen, gegen die er gerichtliche Schritte einleiten mußte. Nach der englischen Okkupation war Ruppin Mitglied der ״Zionist Commission“ und der Keren Kajcmeth-Kommission. In jene Zeit fällt die von dieser emrehgeführie Erwerbung der Emck-Bödcn von Huris und Nahalal. Bei der Schaffung der Palestine Zionist Executive übernahm Ruppin, der bis zum Kriege sämtliche zionistischen Agenden in Palästina geführt hatte, das Ressort der Kolonisation. Noch zur Zeit, in der die zionistische Oeffentlichkeit ratlos den Problcmcn gegenüberstand, die ihr durch die Balfourdeklaration zu lösen aufgegeben wurden, veröffentlichte er einen vollkommen ausgearbeiteten Plan dafür unter dem Titel: ״Der Aufbau des Landes Israe 1“. Leider fand dieses Werk nicht die genügende Beachtung, denn Ruppin hat־ es nie verstanden, im Kampf der Parteien seine Meinung in den Vordergrund zu schieben und sie mit Aufgebot aller Mittel der Taktik und des persönlichen starken Hervortretens durchzusetzen. Daran ist seine Bescheidenheit schuld, sowie seine wissenschaftlichobjektive Art, in der er stets nur die strenge Sachlichkeit vertrat, ohne ein Organ für Parteikämpfe und persönliche Taktik zu haben. Als aber die Reorganisationskominission 1920/1921 eine Reihe von Maßnahmen vorschlug, konnte er in seinen Bemerkungen darauf hinweisen, daß all,ihre positiven Vorschläge schon in seinem 1919 erschiencnen Buche enthalten gewesen sind. Sein neuestes, schon erwähntes Werk gibt eine restlose Darstellung der Wege und Ziele der von ihm geführten Arbeit. Im Jahre 1923 und 1924 begleitete Ruppin Weizmann auf seinen Reisen nach Amerika. Ruppins Aufgäbe bestand darin, die Kreise, deren Interesse für Palistina Weizmann gewonnen hatte, über die ökonomisehen Verhältnisse und Möglichkeiten des Landes aufzuklären 1fÄ-,iy1Mic;hkeit(e|j, urajrfischer .Pet|tigut1gr4t1|,. geschlftlicl®‘Ä»%lflMl§|^8f־':R!^pÄ;lÄr!«lä!til|;1׳ daß eines der dringendsten Erfordernisse die Bereit- Stellung von Kapital für Investitionskredite ist. Unter seiner Mitwirkung wurde der Plan der ״Investment Corporation“ entworfen, die von der Marshall-Gruppe begründet wurde und in der nächsten Zeit ihre Tätigkeit beginnen wird, allerdings in bescheidenerem Umfang als' ursprünglich beabsichtigt. Sehr wenig bekannt war bis zum letzten Kongreß Keine Haltung in der Araberfrage. Ruppin hat immer der Verbrüderung der Juden mit den Arabern das Wort geredet. Seiner Meinung nach sind die heute in Palästina wohnenden Araber sogar Abkömmlinge der Jaden, und er geht sogar so weit, einer Blutmischung sympathisch gegenüberzustehen. Ein Werk, das er schon lange zu schreiben beabsichtigte, und das er jetzt, wo er sich die Muße dazu erkämpft hat, ausarbeiten wird, soll wissenschaftliche Nachweise für die erwähnte These der Rasseniäcntität der Juden mit den Arabern Palästinas bringen. Als Jabotinsky in der Prager A.C.- Sitzung (1922) fast das ganze A.-C. für die Aufstellung einer jüdischen Legion gewonnen hatte, war Ruppin einer der wenigen, welche dagegen protestierten.' Der Zionismus — so sagte er damals ungefähr — hat für mich darin immer seinen Wert gehabt, daß er dem hohen Ziel der Völkerversöhnung usw. dient. Fällt dies weg, will er irgendwie Gewalt amvenden, sich auf den Machtstandpunkt stellen, so hat er für mich kein Interesse mehr. — Bekanntlich war es Ruppin, der auf dem letzten Kongreß sich sehr warm für die Verständigung mit den Arabern ausgesprochen und die Gründüng eines Komitees zum Studium der arabischen Frage vorgeschlagen hat. Seine letzte Tat vor seinem Rücktritt war cs, den Gedanken der Anleihe in eine feste Form zu bringen, so daß die sofortige Behandlung dieser Frage durch eine spezielle Kommission beschlossen wurde. Ruppin ist Vorsitzender derselben. Wenn Ruppin jetzt verlangt hat, für eine gewisse Zeit der Bürde, die er durch 18 Jahre getragen hat, entledigt zu werden, um bei wissenschaftlicher Arbeit Erholung zu finden, so bedeutet das nicht, daß er aus der Arbeit au&gcschaltet ist. Er bleibt in Palästina und sein Rat und seine inoffizielle Mitarbeit stehen der Exekutive zur Verfügung. Seine Stellung in der Exekutive hatte ihn gezwungen, einen immer größeren Teil des Tages für gänzlich unfruchtbare Dinge zu verwenden. Er hatte z. B. jeden prominenten Besucher des Landes zu empfangen, -ihm stundenlang zur Verfügung zu stehen. Schon allein die Befreiung von dieser Last wird seine Arbeitskapazität — die stets eine unverständlich hohe gewesen ist — steigern, und er wird sicher nicht weniger, sondern mehr Zeit als bisher zionistischer Arbeit widmen können. Wir dürfen von ihm, der noclf in der Vollkraft seines Schaffens steht, weitere bedeutende Leistungen für die jüdische Sache erwarten. Seine bisherigen haben ihm einen ersten Platz in der Geschichte der jüdischen Renaissancebewcgtmg gesichert. Der Uebcrsicbt halber seien die Hauptwerke Ruppins hier nochmals aufgezählt: 1903: Darwinismus und Sozialwissenschaft (Gust. Fischer, Jena). 190-1: Die Juden der Gegenwart (1. Auflage, S. Calavary & Co., Berlin). 1911: Die Juden der Gegenwart (II. völlig umgearbeitete Aufläge, Jüdischer Verlag). 1917: Syrien als Wirtschaftsgebiet (Berlin, Kolonialwirtschaftlichcs Komitee, inzwischen erschien ein unveränderter Neudruck). 1919: Der Aufbau des Landes Israel (Berlin, Jüdischer Verlag). 1925: Die landwirtschaftliche Kolonisation der Zionistischen Organisation in Palästina (Berlin, Aufbauverlag). Pinnen Antwort aot das arabische Memorandum Nach seiner Rückkehr von einem Besuche in Mikwe Israel, wo er die erste Weinrebe in einem neuangelegten jüdischen Weinberg pflanzte, empfing Plutner am Montag, den 22. d. M. eine Abordnung der arabischen Exekutive, um ihr die Antwort auf das seinerzeit überreichte Memorandum, zu erteilen. Auf den ersten Teil des arabischen Memorandums, der sich über die Politik Herbert Samuels, das britische Mandat und das Jüdische Nationalheim beschwerte, erklärte Pluruer, keine Antwort geben zu können, weil Ton und Inhalt dieses Teiles ״nicht gentlemanlike“ seien. Auf die arabischen Beschwerden wegen der britischen Verwaltung erklärte Plumer, daß die Palästinaregierung alles innerhalb der Grenzen der ihr übertragenen Aufgabe tue, und daß die Araber in starkem Maße von der britischen Politik Vorteiie ziehen. Er sehe darum nicht ein, daß die Araber Grund hätten, sich zu bekl agen. Die Lage ln Syrien In Rom tagt noch immer die Permanente Mandatsk o m m i 8 s i o n des Völkerbundes zur Behandlung der s y r i - scheu Frage. Es wird berichtet, daß das Memorandum der Delegation der Syrer bei der Mandatskommission keine günstige Aufnahme gefunden habe. Die Mitglieder der Kommission erklären, daß die Erfüllung der syrischen Forderungen gegen die Technik jeder Verwaltung verstoßen würde. Aus Präzedenzfällen in anderen Gegenden sei zu schließen, daß die ״vorübergehende blutige Episode“ von Damaskus nicht ernstlich ins Gewicht falle und bald als über- Munden betrachtet werden müsse. Sämtliche Mitglieder der Mandatskommission scheinen darüber einig zu sein, daß eine Untersuchung an Ort und Stelle unnütz sei. Der I Vorsitzende, Marquis Theodoli, erklärte, daß die Kommission für Eingaben nicht zuständig sei. Der französische Vertreter De Caix bezeichnetc die Auflehnung im Dschebci-Drus als lokales Ereignis, das sich nur darum habe ausbreiten können, weil es nicht sofort unterdrückt wurde. Gewisse ״Revolten“ gegen Frankreich erklären sich dadurch, daß die Araber vom wahren Wesen des Mandates keine Idee haben, das keineswegs gegen die Unabhängigkeit und Souveränität der dem Mandat unterworfenen Länder verstoße. Das Mandat sei mit der Vormundschaft über einen Minderjährigen vergleichbar, der bei Eintritt der Volljährigkeit auch in den Genuß seiner unleugbaren Rechte eintreten werde. « Reuter meldet, es sei wahrscheinlich, daß Sir Henry׳ Dobbs, der High Commissionen für Irak, der im Begriffe ist, nach Bagdad zurückzukehren, auf seinem Wege Angora besuchen wird, uni mit der türkischen Regierung die Möglichkeit einer Verbesserung der Beziehungen zwischeu Türkei und Irak zu besprechen, insbesondere. Wirtschafts־ und Handelsfragen. Eine gewisse Beunruhigung besteht in englischen Kreisen wegen der Ungewißheit über den militärischen Teil des Vertrages zwischen Jouvenel und der Türkei. Die Hauptfrage, um die es sich dabei handelt, ist die Frage des Militärtransportes über denjenigen Teil der Bagdadbahn, der die Grenze zwischen der Türket und Syrien bildet und auf einer Streckt von 90 Meilen sogar vollständig auf syrischem Boden liegt. Bekanntlich hat die Frage der Truppentransporte über diese Bahnstrecke schon mehrmals Verstimmung zwischen England und Frankreich hervorgerufen, da Frankreich im vergangenen Sommer während der Zuspitzung des Mossulkonfliktes türkische Truppentransporte an die mesopotamische Grenze gestattete. Infolge des englischen Protestes war in der letzten Zeit diese Erlaubnis weitgehend eingeschränkt worden, und es ist bisher nicht aufgeklärt, ob durch den neuen Vertrag in dieser Hinsicht etwas geändert wurde. Die Franzosen erklären, die Bedeutung des französischtürkischen Vertrages liege vor allem darin, die syrischen Unruhen auf das Innere des Landes zu beschränken und eine Beunruhigung vom Norden her bzw. eine Unterstützung der syrischen Rebellen zu verhindern. In Beirut soll der Vertrag auch von den syrischen Notabein gut aufgenommen worden sein und die ״Times“ berichtet, daß ein syrisches Notabelnkomitee eine Abordnung nach den» Dschc* jheT,*af<ps1.־׳enteandi& pnr tntt .dmwmWiirfisÄn■ -,Dras«׳.;:. : teeSfe■ ־iWÄTI1fil^Äi'r*8':1Ä1#i#a8T:*rie:M f Die neue MIUelstudskolonisntioB des Keren Hajessod Jerusatem, 17. Februar. (P. C.) In der letzten Woche sind zwischen dem Keren Hajessod und den neuen Mittelstands- Siedlungen in Magdiel und Bnc Brak Verträge über die Kredithüte, die der Keren Hajessod diesen Siedlungen gewährt, abgeschlossen worden. Die Darlehen des Keren Hajessod werden im Laufe dieses und der nächsten zwei Jahre, erteilt und sind dann beginnend mit dem Jahre 1932 während einer Periode von mehreren Jahren zurückzuzahlen, und zwar mit einer Verzinsung, die mit 20/״ beginnt und bis ■P/o steigt■ Aehnliche Vertrage werden in den nächsten Tagen mit der Kleinsiedlergenossenschaft abgeschlossen, die nach den Plänen Dr. Soskins angesiedelt wird. Wese Siedlung soll mindestens K0 Siedler enthalten, von denen jeder 400 £ Figc״״״,äta! mitbringt. Der Keren Hajessod beteiligt sich an dieser Siedlung mit einem Betrage von 32000 £. Später sollen auch Verträge zwischen dem Keren Hajessod und den chassidischen Siedlungen auf Boden des KKL. abgeschlossen werden. Von {fldlsclter Vitaliflt Unvoreingenommene und unbefangene nichtjüdisclie Beur. feiler jüdischen Volkswesens stellen immer wieder mit Erstaunen fest, daß das jüdische Volk ein in der Geschichte der Menschheit fast unvergleichliches Beispiel ungebrochener Lebenskraft bietet. Erst in der letzten Zeit glaubte ein inoderner deutscher Dichter-Denker den Juden daraus einen Vorwurf machen zu dürfen, daß sie ihren Volkstod nie in Betracht gezogen haben. Tatsächlich ist das Phänomen der jüdischen Vitalität überraschend. Sei es natürliche Veranlagung, sei es Auslese durch den ungeheuren Druck während langer Jahrtausende — das ist feststehend, die Juden sind ein lebenstüchtiges, in seiner innersten Kraft unerschüttertes Volk. Mag auch das Alltagsleben qualvoll sein, und mögen auch grauenhafte Erlebnisse Spuren von Gram und Leid in das Antlitz Ahasvers gegraben haben, sieghaft bricht immer jüdische Lebenslust und Lebenskraft hervor. Das traurige Diaspora- Dasein, das die Juden seit 1800 Jahren führen, bot innen wenig Gelegenheit, auch äußerlich das felsenfeste Vertrauen In eine günstige Schicksalswendung und ihre Hoffnung auf endgültige Erlösung und Erhöhung äußerlich zur Schau zu tragen. Heiterkeit und Lebenslust pflegen bei Juden in den intimen Kreis der Familie verlegt zu werden. Nur einmal im Jahre bricht diese Lebenslust stürmisch hervor: das ist zu Purim. Dieser Tag wird von der Volksphantasie mit allen möglichen Legenden umkräuzt. Spruchweislieit und Tradition verlangen, daß der Jude zu Purim ach restlos der Heiterkeit und der Freude überlasse. Mummenschanz und Karnevals- Stimmung der Juden konzentrieren sich auf dieses Fest. Aus der ungeheuren Fülle von Sprüchen, die sich auf den Purim beziehen, seien nur einige erwähnt: Am Purim soll man sich dem das Herz erfreuenden Weingenuß so lange hingeben, bis man nicht mehr zwischen ״Gesegnet sei Mordediai“ und ״Verflucht sei Haman“ zu unterscheiden vermag. Ein zweiter Spruch lautet: ״Heute ist Purim, morgen ist aus, schenkt mir einen Dittchen, schmeißt mich raus“. Ein dritter Spruch verurteilt die am Purim Oriesgrämigen mit den Worten: ״Das tanze Jahr schicker und Purim nüchtern.“ Zu Purim treiben ie Juden Maskerade, die jüdischen Kinder bekommen Lärm- Instrumente, die einzelnen Familien schicken einander Geschenke, insbesondere wird darauf acht gegeben, daß den Armen und Notleidenden §pdsä und Trank in Hülle und Fülle dargereiclit werden. Zu Purim darf man nicht traurig sein, Fronsinn und Heiterkeit müssen zur Schau getragen werden, als Zeichen des freudigen Bekenntnisses zu tief innewohnender jüdischer Lebenslust. Am .besten kennzeichnet ein jüdisches Volkslied die Purimstimmung: ״Und preßt man mir das Herzblut aus, so tanz ich mir ein Fröhlachs.“ Trotz Not und Drangsal lebt in den Tiefen unseres Volkes unbändige Lebenslust und Bejahung des Daseins. Wie sehr diese Vitalität Urgrund jüdischen Wesens ist, erkennt man erst dort, wo Juden von innerem seelischen [)ruck befreit sind. Auch unsere Pioniere in Palästina, so schwer ihr hartes Werktagsleben ist, fassen sich bei jeder Gelegenheit bei den Händen und tanzen ihren Reigen. So drückt sich in dieser Freudigkeit des palästinensischen Alltags das aus, was in der Diaspora sich nur zu Purim ans Tageslicht wagt. M. W. Walter Trier (Ausstellung in der Neuen Kuns thandlung Tauentzienstraße.) Der Ruhm der Prominenz geht leicht an den bcscheidenen Dienern der guten Laune vorbei, zumal wenn die Blätter, denen sie ihre Arbeit widmen, jenseits der literarisch anspruchsvollen Region ihre Mission erfüllen. Das Leben von der heiteren Seite ist indes kein so häufiger Anblick, und in unseren mit Werken heiterer Laune ziemlich sparsam bedachten Kunstzeiten begrüßt man cs daher mit Freude, wenn ein Künstler einmal zur Abwechslung die kleinen Heiterkeiten des Lebens zum Gegenstand seiner Betrachtung wählt und ganz besonders wenn es ein so begabter Zeichner ist w1׳e Walter Trier; seit 15 Jahren einer der bekanntesten Zeichner der ״Lustigen Blätter“. Die Ausstellung in der ״Neuen Kunsthandlung“ Dringt farbige Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle, und sie zeigt, daß Walter Trier nicht nur der Zeichner kleiner Harmlosig* keiten ist, wie sie noch in Erinnerung sind abs jenem jetzt vergangenen Märchenstil der Pilze und Gnome, sondern ein Interpret geistigen Wesens. Einige Porträts, wie das von Arved Jürgensohn und Carola Toelle zeigen ihn in der Journal isteiitugend des augenblicklichen Enühlens der geistigen Situation —- ebenso notig dem Journalisten des Zeichenstifts wie seinem Kollegen der einfachen Feder. Den Begriff des Feuilletons kann man auch auf seine Arbeiteweise anwenden. Leicht, für den Bedarf des Tages entstanden, findet sich zwischen Knollennasen und doppelsinnig stachligen Kakteen ab und zu ein fein gezeichnetes kleines, lyrisches Intermezzo, etwa ein kteines Bild ״Heide“, am Hügelabhang ein paar Enten und ein Hund, oder eine fein karikierende, größer angelegte Zeichnung, z. B. ״Kurkapelle“, wenn im sorgfältig abgezirkelten Karree Spießbürger, Snob, Jüngling! der Konfektion und komische Unmodernität in friedlicher Prozession eng wie Heringe des vorgeschriebenen Spaziergangs pflegen. Noch besser als das lyrische Intermezzo ist es natürlich, wenn die Tagesarbeit selbst veredelte Blüten treibt, wie beim Förstershund, der vom Fuchs gebissen wird. Eine Erinnerung wie die schwermütig-humortge Zeichnung des armen Karl Valentin, den die Tücke des Objektes jeaesma! seines Musikinstruments bcraubt, oder der karikierte Ringelnatz und Grock (von Kognak) sind ernster zu wertende Arbeit. ״Die Welt aut Reisen“ ist ein beliebtes Thema. Im Tropenwaldc bcgegnet man beispielsweise Altred Kerr, umgeben von tnehreren ״Mitlöwen“; denn das Bild heißt ״Kritik der Kritik“ und vcritablc Löwen sind die Kritiker. Von Zeitgenossen finden sieh unter den Karikierten außer den schon genannten Paul Westheim und der Zeichner selbst. Walter Trier, jetzt 35jährig, entstammt einer jüdischen Familie aus Prag. Wie die meisten Juden zwischen Prag, Wien und dem übrigen Westen zahlt er der kleinen Münze seinen Tribut. Altenberg und Polgar zeigten indes, daß der kleineren Münze manchmal durch bleibenden, runden Wert größere Dauer verliehen ist als dem traditionellen für den Augenblick größeren Tagesgeld. Das soll nicht heißen, daß Walter Trier ein Attenberg ist! Man kann sich auch ohne diesen Anspruch an seinen heiteren, oft feinen Kleinigkeiten erfreuen. Ruth Morold. hompositiousabend Reti Das ausgezeichnete Stutschewsky-Quartett veranstaltete in den Räumen des Sturms einen Kompositionsabend, der dem Wiener Musiker Reti gewidmet war. Reti, ein namhafter jüdischer Künstler, erwies sich in den Kammermusikwerken, die zu Gehör kamen (Quartett und Irio) als Musiker modernster Observanz. Selbst wer durch Schönberg und Schrecker künstlerisch bereichert wurde, wer Strawinskys Geschichte

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