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Jüdische Rundschau · 1926-02-23 · Heft 15 (23.2.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 15 (23.2.1926)
Date
1926-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 15 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 100 Zur Phänomenologie des Antisemitismus Eine Buchanzeige*) von Gerhard Holdheim. Dieses Buch über die Phänomenologie des Antisemitismus ist für uns von großem Interesse. Der Autor beginnt mit der Frage, woraus sich das refraktäre Verhalten der Völker gegen die Juden erklären lasse und erledigt zwei gleichermaßen typische wie falsche Antworten in wenigen Sätzen. Weder seien antisemitismusbegründend die ״unvertilgbar schlechten“ Eigenschaften der Juden (wie die Antisemiten glauben machen möchten), noch lasse sich der elementare, seit Jahrtausenden währende und auch m den freiheitlichsten Gemeinwesen (Amerika) zu konstatierende Judenhaß als Ausfluß menschticher Dummheit und Böswilligkeit erklären (wie es in Deutsch-!and etwa beim Zentralverein geschieht). Es unterliegt keinem Zweifel, daß hier hinter Verstandesargumenten ein irration a l e s Moment als das eigentliche Movens gesucht werden müsse. Nun haben die Schriftsteller, die von der irrationalen Wurzel des Antisemitismus stets ausgingen, das refraktäre Verhalten der Umwelt gewöhnlich leichthin als durch 1! 1״ - stinkte“ bedingt bezeichnet. Unser Autor macht es sich zur Aufgabe, die Unrichtigkeit einer Ansicht zu zeigen, die Rasseninstinkte gelten lassen will. Nach gelehrten Auseinandersetzungen über den Instinktbegriff definiert ihn Sulzbach als ״eine Klasse von Hand- Hingen der Lebewesen, die vernünftig verlaufen und doch nicht durch Nachdenken oder individuelle Erfahrungen bcstimmt sein können“. Der Instinkt ist mit der Geburt gcgeben, in der Erbsubstanz, überkommen, er eignet stets einer ganzen Klasse von Lebewesen und nicht nur einzelnen Exemplaren. Zweckmäßigkeit und Unbewulitheit (also zwei zunächst in Widerspruch stehende Begriffe) konstituieren den Instinktbegriff. Gäbe es also Rasseninstinkte, so müßten diese beiden Bedingungen erfüllt werden. Die Frage, ob die Erhaltung der Eigenart einer Rasse vorteilhaft ist, streift der Autor nur kurz, weil ihm auf jeden Fall die Verneinung der Unbewußtheit als des zweiten begriffskonsfituierenden Elements geboten erscheint. Ausgehend von der Erfahrungstatsache, daß die Juden direkt proportional zu ihrer Masse zurückgestoßen werden, m. a. W., daß der Antisemitismus mit der Zahl der Juden wachse und z. B. in Schweden und Neuseeland infolge der numerischen Unbedeutendheit fast gar nicht existiere, kommt der# Verfasser zu dem Ergebnis,!laß cs sich hier unmöglich um ein vererbtes Phänomen han# dein könne. Im übrigen zeige sich die Unrichtigkeit der Annahme wirklicher Rasseninstinkte schon durch die Tatsache, daß Kinder, bei denen sich derartige Erscheinungen am deutlichsten bemerkbar machen müßten, gegen Juden (wie auch gegen Neger) keinerlei Abneigung zur Schau trügen. Sehr bedeutsam ist die Ausführung des Autors, daß die vorgeblich instinktiven Rassenantipathien nur da in Ersehnnung treten, wo sie durch die Konkurrenz, also eine rein soziale Kategorie, ausgelöst werden. Liegen aber ״empirisch erfahrene und mit dem Verstände verarbeitete Faktoren den Rassenantipathien zugrunde“, so würde ״der Tatbestand der Repulsion nicht in einer *Gattungserfährung über das, was der Gattung nützlich ist“, wurzeln, sondern sich ״eher darstellen als die individuelle Anwendung von bestimmten Anschauungen über die Einteilung der Menschen und das richtige Ueber- und Unterordnungsverhältnis der verschiedenen Gruppen in einer Gesellschaft“. Nun folgt eine vorzügliche Analyse der Begriffe ,,Soziales Aprion“, ״Soziales Verstehen“ tind ״Assoziieren". Alle Menschen haben von Kindheit an Wertungen und Rang- Ordnungen mit auf den Weg bekommen; durch Erziehung und Einflüsse ist die menschliche Gesellschaft für uns a priori eingeteilt und eingeordnet. Die Stellung, die wir zu bestimmten Kategorien von Menschen einnehme״, beruht auf dem Apriori, durch das wir sie sehen. Als starkes aprioristisches Element ist (als Bewertung einer Menschenklasse) der Antisemitismus anzusehen. Daß die Juden Fremde sind, daß sie unter einem zumindest moralischen Ausnahmerecht stehen, ist der Mitwelt soziales Apriori. Der Verfasser beleuchtet dann (als Folge der aprioristischcn Ein- Stellung) das Phänomen, daß mit Hilfe der vorhandenen Erwartungen das Verhalten von Menschen und Gruppen zwangsläufig in bestimmter Weise verstanden wird. Alles, was von der Gruppe erwartet wird, findet man nun auch am Individuum vor, dessen Tun und Lassen wird Vorzugsweise auf seine Zugehörigkeit zur Gruppe bezogen und aus ihr erklärt (sogar ein Kant spricht von ״den“ Juden, ״die sich gern auf fremde Kosten ein Ansehen geben“). Hierzu kommt, daß nach dem Gesetze der Assoziationspsycbologie jedes seelische Erlebnis die Fähigkeit und die Tendenz habe, ein anderes Erlebnis, mit dem es einmal zusammen autgetreten ist, auch bei wiederholten Malen an sich zu ketten. Es gibt z. B. ״einen analogen Konnex zwischen den Empfindun- *) Walter Sulzbach, Vorurteile und Instinkte. Eine Untersuchung über die Rassenabstoßung und den Antiscmitismus. Oesterheld & Co., Berlin W 15, 6S Seiten. Für die Pirim-Aktien des Keren Kajemetb hat ״bisher nur eine kleine Anzahl von Orten mit den Vorbereitungen begonnen. Wir hoffen aber zuversichtlich, daß diesmal die Aktion als die letzte des Jahres 5680 von sämtlichen Orten durchgeführt wird. Die ,Vertrauensleute haben ein ausführliches Rundschreiben über die Durchführung der Purim-Aktiou erhalten, Audi das Präsidium der Zionistischen Vereinigung für Deutschland hat sämtliche Ortsgruppen und Vertrauensleute aufgefordert, sich unbedingt an der Aktion zu beteiligen. Kein aktiver Zionist darf sich diesmal a 11 s s c 111 i c ß c n. Wir verweisen ferner auf den in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ veröffentlichten Aufruf an die zionistische Jugend Deutschlands, in weichem die unterfertigten Jugciidverbämie ihre Mitglieder zur Beteiligung a» der Purim-Aktiou auffordern. Dieser Aufruf wird auf Wunsch allen Vertrauensleuten des KKL. zur Versendüng an die jugendlichen Mitarbeiter in beliebiger Anzahl zur Verfügung gestellt. Die illustrierte Zeitschrift ״Aufb3u", die für die propagandistische Vorbereitung der Purim-Aktion verwendet werden soll, ist soeben erschienen. Nebst zahlreichen neuen und interessanten Palästinabilderu enthält die Nummer Beiträge über die E n t w i c k l u*n g des P a - lästina-Aufbaus in den letzten fünf Jahren, über die Stadt Haifa und ihre Zukunft, die Fr- Schließung der K i s e h o 11 - Ebc n e , die neue E n! e k - stadt Afu Ich, die Orangen- und Oe [produktion Palästinas und eine kurze Schilderung l).1־ganiahs, der landschaftlich schönsten Siedlung auf Keren Kaiemeth-Boden, deren läjähriges Jubiläum vor kurzer Zeit gefeiert wurde. Außerdem bringt der ״Aufbau“ ein Bild Jehoschuah C 11 a 1t k i n s , des ״Boden-Erlösers“, nebst einer kurzen biographischen Skizze zu seinem 60. Geburtstag, sowie interessante statistische Daten der Einnahmen und Leistungen des Keren Kajemeth und Keren Hajcssod in den letzten fünf Jahren. Der ״Aufbau“ präsentiert sich auch diesmal als ein äußerst wirksames Werbemittel und wird an alle Familien, die zu Purim besucht werden sollen, versandt. Jeder, der sich durch den ״Aufbau“ von den Leistungen des Keren Kajemeth in Palästina überzeugt hat, wird bereit sein, eine Purim-Spende zu geben, wenn er dazu aufgefordert wird. Gesinnungsgenossen! Benutzt die kurze Zeit, die uns bis zum Purim-Fest zur Verfügung steht und trefft sofort alle Vorbereitungen fiir die Durchführung der Haus- Sammlung! gen, die das eine Gattung \011 Objekten bezeichnende Wort auslöst, und einem jeden der Gattung angchörigcn Exemplar“ (Katholik, Russe usw. ist eine wertindifferente ־ Bezeichnung, ״Jude“ dagegen ist eine Injurie). Das Buch muß gelesen werden. Der Versuch, den Inhalt in einigen markanten Sätzen wiederzugeben, ist undtirchfütirbar und auch unzulässig. Das Ergebnis, zu dem der ‘Verfasser gelangt, ist schon aus dem Vorstehenden ersichtlich. Rassenabstoßung beruht nicht auf Instinkt, sondern auf Vorurteil, besser gesagt, Vor-Einstellung, welch letztere zwar auch zum Individualisieren unfähig ist, aber im Gegensatz zu dem Instinkt nur soziales Apriori und als solches nicht angeboren, sondern angelernt ist. ״Das Vorurteil ist nicht von Natur, sondern durch menschliche Satzung“. ״Es ist das Schicksal der historischen Erscheinungen, daß bei ihnen, im Gegensatz zu allem Naturgegebenen, einmal der Zeitpunkt eintritt, wo sie kein anderes Interesse mehr erregen, als nur noch das historische.“ Eine Arbeit, die allein der Erkenntnis dienen will, hat Anspruch darauf, tendenzfrei gewertet zu werden. Und doch fällt es schwer, die so naheliegende, aus den Konklusionen des Buches geradezu sich aufdrängende (rhetorische) Frage zu unterdrücken, ob nicht der Zionismus zur Ueberwindung des Antisemitismus berufen ist. Die Antipathie, der der Jude ausgesetzt ist, hat ihre tiefste Ursache in der Inkongruenz des Stärke- und Wertgefühls der beiden Kontrahenten. Der Jude ist den Rankünen der Umwelt preisgegeben und hält dies fü! den unabänderlichen Normalzustand. Sein durch jahrtausendalten Haß genährtes Unterwertigkeitsgefühl kann eine Erhebung aus der Misere kaum erdenken oder nur dadurch, daß er seine Art durch Amalgamierung aufgibt. Je mehr er sich aber entwürdigt, um so 'stärker wird er verachtet. Je aufrechter er sich bekennt, um so merklicher weicht die giftige Atmosphäre. Es gibt Sätze, die der Zionist nachgerade als Platitüde empfindet, und deren Wahrheit immer wieder zu verkünden, man sich schon geniert. Es gibt keine wirksame Bekämpfung des Antisemitismus im kleinlich-apologetischen Verfahren. Es gibt sie besonders dann nicht, wenn der Weltanschauung des Stückes, Verkleisterung der Gegensätze, minutiös verkörperte. Ich bin wahrscheinlich kein 01113־lügt- Liberaler. Aber ich schäme mich dieser Karikatur, die Werfels unwürdig ist . . . Reinhardts ungewöhnlich runde, farbcuvolle, atmosphärisch zwingende Aufführung entschädigte für das flächige Stück, das gegen Ende zum Glück einige Wirkung hat, weil Totgeschossenwerden von der Bühne her bei historischen Helden und gehöriger Vorbereitung immer wirkt. Paul Hartitianns Bemühungen, Sybille Binders nervöse und bezaubernde Erscheinung, die prachtvoll gedrängte Kraft und Schnelligkeit der Kottenhöfer halfen dein Verfasser reiten. Das jüdische Herz ging, Dr. Basch geheißen und von Hermann Vallentin verkörpert, sichtbar über*die Szene, und ganz liberal durfte es an der Brust eines habsburgischen, aber unglücklichen Kaisers klopfen. Den Gewinn des Abends trugen Paul Bildt und Ernst Deutsch davon — jener als ein unfreiwillig aber zwanghaft von Aas lebender Aal in Menschenforin (Lopez, ein Verräter, aber ein Mensch), dieser in der glücklichen Lage, grenzenlos sympathisch und Träger anständigster Redewendungen sein zu dürfen, und das nun so jungenhaft, so heiter-soldatisch und männlich-anständig cinzukörpern, als wäre er nicht ein Soldat von Werfel, sondern einer von Kipling. Arnold Zweig. ״juarez. und Maximilian“ ist als Buch im Verlag P. Zsolnay, Wien, erschienen. Frei. Sunuel Kranß 60 Jahre all Am. 18. Februar beging der hervorragende jüdische Gelehrte Prof. Dr. Samuel Krauß seinen 60. Geburtstag. Der Name Samuel Krauß ist mit dem Aufschwung der jü<fisehen Wissenschaft eng verbunden. Sein zweibändiges preisgekröntes Werk ״Griechische und lateinische Lehnwörter in Talmud, Midrasch und Targum“ ist vorbildlich für spätere Untersuchungen geworden. Sein Hauptwerk, das weltbekannt ־ geworden ist, heißt ״Talmudische Archäologie“. Es ist dies die erste umfassende Darstellung dieser Wissenschaft. Von seinen übrigen Werken sei# genannt: seine ״Studien zur jüdisch-byzantiniscjien Geschichte“, ״Das Leben Jesu nach jüdischen Quellen", ״Die .Wienei! Oeserft״ ,״Sjnagogale Altertümer“. Was seine hebräisch geschriebenen Werke betrifft, so gehört sein ״,Kommentar zu JesaJas“ zu den ersten Kommentaren, die die Ergebnisse der modernen Bibelkritik in hebräischer Sprache!nitteilen. Krauß ist ständiger Mitarbeiter jüdisch-wissenschaftlicher Journale, besonders auch der hebräisch geschriebenen. Professor Samuel Krauß ist Lehrer am Wiener Rabbiner- Seminar. Auch an dem Wiener jüdischen Pädagogium hält er Vorlesungen. Im Rahmen eines Vortragsabends des Vereins fiir jüdische Geschichte und Literatur, dessen Präsident Prot. Krauß ist, würdigte der Vizepräsident Ludwig Bato die Persönlichkeit des Jubilars. Die zahlreiche Zuhörerschaft brachte dem Jubilar Ovationen dar. Die Philosophie der Völker und das Judentum. In den Räumen der Hochschule der Wissenschaft des Judentums hält der Privatgelehrte Herr Rosenblatt einen ]privaten) Vortragszykhis, aut den ich hiermit hinweisen möchte. In etwa zehn Vorträgen sprach Herr Roscnblatt über Konfuzius und beginnt eben mit Laotsc. Der kleine Kreis ermöglicht eine engere Arbeitsgemeinschaft. Auftauchende Fragen werden sofort geklärt. Es ist lebendige Wissenschaft. Das Judentum, die Philosophie des Judentums ist der Grund, die anderen Philosophien, chinesische oder griechische, erweisen ihm gegenüber ihren Gleichklang oder ihre Andersartigkeit. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn in China das Li — das sind die Anstandsregeln der Chinesen —, innere Entscheidüngen zu äußeren Formen prägt und sie so ihres Wertes beraubt, weist Herr Rosenblatt aut den Dekalog, dessen Gebote, fast alle negativ und ganz allgemein gehalten, jeder inneren Entscheidung größte Freiheit lassen. Gerade dieses Beispiel aber gibt gleich neue Fragen auf. Können sieh* die Chinesen nicht aut Jahrhunderte der Schicklichkeit und Feinheit berufen, die, wenn auch äußerlich geübt, vielleicht doch nach innen abfärbte und, in Freiheit geübt, Kultur zeugte? Das reiche weite Gebiet aus der Mäterialfülle eines Kulturkenners vorgetragen, gibt reiche Anregung, ln dem Zyklus, der sich auch über das nächste Semester erstreckt, sind außerdem vorgesehen: indische und persische Philosophie, griechische Philosophie und zum Abscnluß semitische Philosophie, insbesondere Philosophie und Philosophen des JudentatnSi K. M. Apolejytiker mit der Abwehr schon die Anbiederung verbindet. D a ß •aber das Wort ״Jude“ einen neuen Wertklang erhalten wird, daß im Bewußtsein der Umw elt die Gedankenasso/iationen sich wandeln müssen, wenn das Volk der Händler zur Bodenständigkeit, das Volk der Knechtschaft zur Freiheit, wenn das Geschlecht der Entzweiten, Instinktverschirtteten zu seinem Zentrum, seiner ״Mitte Gesetz“, zu seiner Heimat wiederfindet dies ist uns ein Fiind.iincntalgcdankc des Zionismus geworden. Daß aber ein wissenschaftlicher Denker in seinen theoretischen Deduktionen eine Bestätigung unseres Glaubens erbracht hat, gereicht uns zur großen Freude, Zentralrat der jüdische« Weltbillskaiiereiz In Berlin tagte soeben unter dem Vorsitz des Herrn Leo M o t z k i n der Zentralrat der Jüdischen Welthilfskonterem. An den Verhandlungen nahmen 11. a. teil: W. Latzki- Bcrtholdi, Dr. Alfred Klee, Abg. Dr. Oskar Goltn, Dr. Jacob Hellmann, Sd1. Rudel, J, Lfrojkin, Oberrabbiner Prof. Dr. Chajes, W. Tenikin, Grimberg und Ollendorf. Die Tagung beschäftigte sich im wesentlichen mit inneren Organisafionsfragen. Es wurde auch die Herausgabe einer Zeitschrift und einer entsprechenden Broschüren-Bibfiothck erörtert. Das Verhältnis der Welthilfskonfcrenz. zu arideren Organisationen zentraler Art war Gegenstand eingehender Besprechungen. Zaitgwill für das Krimprojekt London, 18. Februar. (J. T. A.) Hier fand unter dem Vorsitz von Dr. B. Jochclman eine Massenversammlung für das jüdische Kolonisationswerk in Rußland statt. Israel 7. a 11gwill hielt eine eindrucksvolle und von Humor gewürzte Rede. Der einzige Weg der Rettung, sagte er, ist der den uns Theodor Her/1 gewiesen hat: der Weg zu eigenem Boden, 111 der Welt leben 16 Millionen Juden, Palästina aber ist SO groß wie die Grafschaft ’Wales, wo bei aller Entwicklung bloß 2 Millionen Menschen leben. In Palästina können die Juden nur eine Art semitischer Schweiz, bilden. Die russische Regierung stellte den Juden eine Million Morgen Land zur Verfügung und tat damit mehr als die britische Regierung, die bisher den Juden keinen Streifen Landes gegeben hat. Zangwill, der erklärte, daß er nach wie vor Zionist sei, teilte mit, daß von den 500 Pfund, die bei der Liquidation der JTO. (Jcwish Territorial Organisation) vorhanden waren, 10Ö Pfund für Nordau-Gartenstadt, die restlichen 100 Pfund für die jüdische Kolonisation in Rußland gegeben wurden. Die Landansiedlung ii Rußland Laut den bei der ״Kom/.et“ (Regierungskommission für jüdische Ländansiedluiig) in Moskau eingelaufencn Berichten haben sich in der Ukraine in der Woche vom 15. bis 20. Januar 4603 jüdische Familien als Anwärter auf BodÄt fiir Ansicdlung auf dem Laude eintragen lassen. 416 Familien sind überhaupt ohne alle Mittel; 2240 Familien können je 10 Rubel beisteuern; 01 Familien je 50 Rubef; 185 Familien je 100 Rubel: 1120 Familien je 150 Rubel; 5 Familien je 200 Rubel; 177 Familien je 300 Rubel; 2 Familien je 400 Rubel; 22 Familien je 500 Rubel; nur eine Familie ist in der Lage, mehr als 500 Rubel zu den Kosten der Landansiedlung beizutragen. 1278 Familien mit 6610 Seelen stammen aus dent Distrikt Mogilow-Podolsk. Sdtichl-Kriejj in Jerasalen Der Rabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Jerusalan (Agudas Israel), Sonne»!״f l.#.)־, erließ eüfr Ver• bot (״fssur“) gegen das unter AuWIlt des ObermbbinerS Kuk geschachtete Fleisch. Darauf erließ Kuk eine Proklamation, in welcher vor Fleisch von Vieh, welches unter Aufsicht von Rabbiner Sonnenfeld geschlachtet wird, gewarnt wird. Prominente Mitglieder der sephardischen Gemeinde zu Jerusalem, die ebenfalls mit den Zuständen bet der Schlachtung von Koscherfleisch nicht zufrieden ,sind, haben beschlossen, einen sephardischen Schechita-Rat einzusetzen. Somit werden in Jerusalem drei Kaschruth-Räte existieren. (Diese traurigen Verhältnisse, die leider weniger mit Religion als mit den Sehäclit - G e b ii 11 r e tt zu tun haben, zeigen deutlich, wie unhaltbar der heutige Zustand ist, dem bald durch gesetzliche Regelung ein Ende gemacht werden sollte. Schließlich haben wir in Palästina noch andere Sorgen. — A. d. R.) Lord Balfotir, der dieser Tage eine Sendung Orangen und Wein von Freunden erhalten hat, sandte das folgende Danklelcgramm an Colonel Kisch: ״Mein Interesse für die Angelegenheiten Palästinas ist stets wach und braucht keines Antriebs; trotzdem hat mich diese Gabe als eine Probe jüdischen Fleißes und als ein Beweis dafür, daß die Arbeit meiner zionistischen Freunde Früchte trägt, sehr gefreut.“ | James Israel Der große Berliner Arzt und Chirurg Professor Dr. James Israel ist nach längerer Krankheit kurz nach Vollendung des 78. Lebensjahres gestorben. Mit ihm ist eine jener bedeutenden Figuren, die das Judentum der ärztlichen Wissenschaft geschenkt hat, dahiiigegangeu. Er war a$t 2. Februar 1848 in Berlin geboren. Nach dem Tode von Langenbeck übernahm er die Leitung der chirurgischen Abteilung am Jüdischen K 1־ a n k 1■ n 11 a 11 s e , an der er bis dahin Assistent gewesen war, und brachte dieses Krankenhaus zu internationalem Ruf. Israel beherrschte 111 vollendeter Weise alle Techniken der Chirurgie. Ueberdics rühmte man seine hervorragenden diagnostischen Fähigkeiten, er beherrschte auch das Gebiet der inneren Medizin in ungewohnlichem Maße. Es gibt kaum ein Gebiet der Chirurgie, auf dem er sich nicht wissenschaftlich und schriftstellerisch betätigt hätte. Den größten Ruf, der sieh über ,die ganze Welt erstreckte, erlangte er auf dem Gebiete der Nieren- Chirurgie. Israel war viele Jahre Schriftführer der Berliner Medizinischen Gesellschaft, Vorsitzender der Freien Vereinigung der Chirurgen Berlins und korrespondierendes Mitglied zahlreicher ausländischer medizinischer Gesellschaften. Prof. Israel war Mitglied des Berliner Komitees für die Universität Jerusalem. Er zeigte großes Interesse für den Aufbau Palästinas, und erst vor kurzer Zeit ist er trotz, seines hohen Atters und seiner erschütterten Gesundheit zur Sitzung des Universitäts-Komitees erschienen und folgte den Beratungen mit großer Aufmerksamkeit. Israel hat auch die Jerusalem Nationalbibliothek durch Büch erspenden gefördert. Nemzeti Szalon (Budapest) eröft'nete eine Schaustellung der Zeichnungen und Radierungen des jüdischen Malers und Graphikers Ephraim Mose Lilien, der vor mehreren Mo* naten in Deutschland verstorben ist. Es ist dies eine der größten Lilten-Ausstetagen, die je veranstaltet wurden.

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