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Jüdische Rundschau · 1926-02-23 · Heft 15 (23.2.1926) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 15 (23.2.1926)
Date
1926-02-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 108 Nr. 15 l’rin/jp) tiiigeliülirliehtrweise die zahlenmäßig׳ stärkste (12), ,sie übernahm auch die Leitung des ganzen Sejmklubs und tiilirle die Geschäfte bis zur Demission des Abg. Reich. Vom zionistischen Standpunkte wäre yics kein Unglück, bildeten die zionistischen Mandatare (Abgeordnete und Senaforen) der ganzen polnischen Republik (30 auf 11׳ Mitglieder des ,,Kolo'־) eine festgefügte Gruppe! Audi ohne die 4 Abgeordneten der ״I litaclululh“ hätten die allgemeinen Zionisten mit der Misracbi eine feste Mehrheit im ״Kolo“. Die hätte eine ersprießliche parlamentarische Tätigkeit ge* währleisfet, und dem Zionismus nach innen und außen großes Ansehen gebracht. Ls kam aber anders, da die Wege der zionistischen Repräsentanten sofort nuseiiiandergiiigcn. Innerhalb der zionistisclien Bewegung Polens Standen sich bald auf parlameu- (arischem Gebiete zwei .,feindliche“ (ja, leider) zionistische hager gegenüber, eins fast durchwegs Kongrcßpolcu und Randgebiete (zirka der polnischen Juden), das andere fast mir Galizien repräsentierend (der Vertreter der westgafi/isclien Zionisten schloß sich den ostgali/ischeii an). Ls kam bald zu unliebsamen Ereignissen, die den Zionisinus schädigten; daher unternahmen die in diesem Kampfe nicht engagierten zionistischen Führer Versuche, eine Einigütig herbeizufuhren, und da dies als unmöglich sich herausstellte, wenigstens ein autoritatives Organ, eine oberste Instanz zu schaffen, dem sämtliche zionistischen Mandatare unterstellt sein sollten. Line allpolnische zionistische Konferenz wurde Unberufen (Ostgalizien war mir durch Mitglieder des dortigen Zentralkomitees, nicht aber, wie andere Provinzen, durch gewählte Delegierte vertreten) und der sogenannte zionistische ״Oberrat“ kam zustande. Die Leitung des Oberrates war in den Händen der Führer der ״Et LbViiot". Sein Entstellen fällt in die Zeit des schwersten Kampfes des ״Et Uw not“ mit ״Al Hamischmar“. Dies war nicht ohne Wirkung auf die Taktik des Oberrates «־ährend des Kampfes 1'm ״Kolo“. Die schärfste Opposition gegen die Politik der ״Ugoda“ ging ja von den Führern des ״Al Hamischmar“ aus!, Im gutgemeinten Streben nach Milderung der Gegensätze ging das Präsidium des Oberrates, wie cs sich jetzt herausstellt, zu weit. Es wurde mir der Anschein erweckt, als ob der Oberrat die Politik der Zionisten Ostgaliziens billige. Wie ist im allgemeinen die Stellung der galizisclien, insbesondere der ostgalizischen Zionisten in der La11des|>01itik und überhaupt zu erklären? Der soziologische Forscher der zionistischen Bewegung in allen ihren" Teilen könnte da sehr vieles aufklären. Wie bei den Zionisten Kongreßpolens gewisse spezifische russische Merkmale, ist auch' hier von überragendem Einfluß alte österreichische Tradition, Freude am parlamentarischem Spiel und oft das Verwechseln von Politik rind Taktik, die Anwendung westeuropäischer Kriterien, große Schmiegsamkeit u. dcrgl. Der Zionismus hat sich nicht stark genug epviesen, um eine Brücke zwischen zwei Generationen von Zionisten, die ihre Erziehung■ in ganz verschiedenen Staaten unter dem Einflüsse ganz entgegengesetzter Kulturen genossen haben, zu schlage«. Wer hat zu entscheiden? Nach streng demokratischer Vorschrift: die Stimme des Volkes. Es gilt also nochmals, “ itar Äpse.m heliagen, .die Zionisten berafung einer »!!polnischen zionistischen Konferenz wurde schon seit langem erhöben, sie wurde immer wieder verschoben, endlich für Anfangs März festgesetzt. Es ist aber schou wieder zweifelhaft, ob sic zustande kommt. Die Schwicrigkeiten kommen wieder aus Ostgaüzicn. Die Wahlen zur zionistischen Konferenz Ostgaliziens gaben immerhin der dortigen Opposition fast 1/3 der Mandate. Einige Worte über die Haltung der zionistischen Sonderverbinde. Der ״Misrachi“ ist mit sieben Mitgliedern gegenwärtig im jüdischen Sejmklub vertreten. Man weiß aber nie, welche Richtlinie diese Gruppe vertritt. Die zwei Misrachiabgeordneten aus Ostgalizien bleiben ihrer Provinz eher als ihrer Föderation treu und diese wieder, eingeklemmt zwischen Agudah und den allgemeinen Zionisten, scheint eine immer schwankende ״Von Fall zu Fall“-P01iiik führen zu müssen. Ein Kongreßbcsticher könnte so manche Analogien finden . , . Die viergliedrige Hi ta c 1111 u 111 fraktion hat zwar eine feste, einheitliche politische Linie, bleibt aber, trotz Bcrührangspunkten mit der zionistischen Opposition, infolge Werfel und Maximilian (D e ti t s c 11 e s T11 e a t e r.) Als Alfred Kerr das erstemal in die Lage kam, ein Stuck Gerhart Hauptmanns vollständig abkbnen zu müssen — es handelte sich um die ״Jungfern vom Bischofsberg“ — half er sich in diesem Dilemma zwischen Pflicht zur Wahrheit und Neigung zu einem Dichter, indem er einen 'Daum fingierte: Ihn besuche die Dtise, und er zeige ihr die Bände der Hauptmannscheu Werke, die früheren Stücke, den Geyer, den Quint, spätere Dramen: ״Welch ein Schatz", sagte die Düse immer wieder, ,,welch großer Schatz.׳׳ Und ganz zum Schlüsse meinte dann der Kritiker: neben solchen Werken, saldier Leistung bedeute ein vertanes Lustspiel nichts. Werfel ist nicht I lauptmaim, aber Juarez und Maximilian ist auch kein vertanes Stück. Wenn mau dennoch versucht ,;st, ja mit Erbitterung• gezwungen, diese Historie ganz und gar zu verneinen, so nur, weil sie eben von Franz Werfel herrührt, einem Dichter wundervoller Strophen, dem großen Umdichter der Troerinnen, dem Erzähler von ,,Spielhof“ und eines Verdi-Romans, den viele sehr rühmen -- einem Menschen, der gerade int EtluYchen und Dichterischen von seinem großen Anfang an die strengen Maßsiäbe, den wirkliehen Anspruch des Urteils um! Wahrheitsagens verlangte und vertrug. Sieht man ihn, in diesen! letzten Stück, nun gerade ira Ethischen sich selbst täuschen, beobachtet man an seinem neuesten Werke ein Nachlassen des Instinkts gerade für die moralischen Erscheinungen, die ihm zugrunde liegen, so hat man vor sich, vor ihm, vor der unbelehrtesten Oeftcnt- Hchkeit des Jahrzehnts nach dem großen Krieg die Pflicht, mellt taktvoll zu schweigen, sondern aufzudecken, wo ein doch beträchtlicher Mensch sich zu verirren droht oder scheint. Werfels Werk nennt sich, Entschuldigung seiner Existenz und Formsclnväche, Historie. Da einem Oesterreicher die mexikanische Episode eines Habsburgers, romantisch und doch Gegenwart, zu den Jugcatl-Öasen des Geschichtsunterrichts gehört haben mag, etwa wie die Neunundneunzig■ Tage Friedrichs des Dritten, einem Reichsdeutschen, Ist die Schwär* incrci des einstigen Schülers F. Werfel, Prag, für Max von Habsburg entschuldigt. Daß er ihn zu einem eitlen •Redenschwinger, Jeder Zoll ein Vollbart, entgleisen läßt, ver* zlrtclt, sympathisch, edel wie ein Oeldruck lind genau so JUEDISCHE RUNDSCHAU starker Gegnerschaft derselben zur Hitachdutl! auf allgemein zionistischem Boden, im Sejmklub vollständig isoliert. Mangel an parlamentarischer Schulung, oft das Fehlen eines klaren sozialen Programms vermindern stark die Erfolge dieser sonst sehr regsamen kleinen Gruppe. ♦ Das Fazit? Für den Zionismus und tun den haudelt es .sich ja hier hauptsächlichst ein sehr trauriges. Fs muß offen erklärt werden: großes Unheil wird gestiftet. Die■ Zionistische Organisation (in breitestem Sinne) ist geschwächt, die w i c 111 i g.s 1 c 11 Tätigkeitsgebiete liegen fast ganz brach, da die besten Kräfte die Landes- Politik und, was einzig .schlimm ist, der Kampf um die L a 11 d cs p v 1 i t i k zur Gänze absorbiert. Audi die im Augenblick sehr wichtige p! a 11 m ii ß i g e Rettungsaktion für die wirtschaftlich vollständig ruinierten Juden Polens findet keine rechten Arbeiter. Das Ansehen der zionistischen Bewegung wird geschwächt, Verbitterung nistet sich ein, Persönliches wird aufgebauseht, den Gegnern wird viel Nahrung, den Genossen aber schlechtes Beispiel gegeben. Besinnung tut 110t, sonst müßten unsere obersten Instanzen, da es sich doch um unser bestes Gut handelt, eingreifeu. Das Budget der PalMsUna-Regieruug Jerusalem, IG Februar. (I 1. A) Das Budget der Palästina-Regierung für das Jahr 1925/26 beläuft sich auf 2106601 Pfund. In dieser Kumme ist der Posten für den palästinensischen Teil der britischen Gendarmerie in Höhe von 180 217 Pfund enthalten. Der Ausgabeposten für die palästinensische Polizei und Gendarmerie ist mit 209 775 Pfund beziffert. 223 000 Pfund wurden als Tilgungsrate für den palästinensischen Teil der Ottomanischcn Staatsschuld und für sonstige Schuldentilgung gebucht. Für Erziehungswesen sind 106 511 Pfund, für Gesundheitswesen 81481 Pfund eingestellt. Das Londoner offizielle zionistische Organ ״The New Judaea“ schreibt: Nach Presseberichten der letzten Zeit (cs handelt sich um eine seinerzeit auch von uns wiedergegebene J. T. A.-Mclduug - R. ״J. R.“) soll die Palästina-, Regierung über einen B u d g c t ii bc r s c 1111 fl von ungefähr £ 1000000 verfügen. Die Form, in welcher diese Nachricht verbreitet worden ist, ist irreführend. Es liegt aller Grund zur Annahme vor, daß die Palästina-Regierung gegen Ende des Finanzjahres, also am 31. März 1926, über einen beträchtlichen Kassenbestand verfügen wird, aber die Ziffer, die in der Presse erwähnt worden ist, bedeutet eine erhebliehe IJ e b e r t r c i b u n g des zu erwartenden Ucbcrschusses für das Finanzjahr 1925/26. Tatsächlich zeigt der letzte Report Sir Herbert Samuels, daß die Gesamteinnahmen der Palästina-Regierung in der Zeit von der Errichtung der Zivilvcrwaltung am 31. Juli 1020 bis zum Schluß des Finanzjahres 1924/25 die Gesamtausgaben um etwas mehr als CE 500.000 überschritten. Das war der Krcditsaldo am 31. März 1925. Die Berichte, die jüngst veröffentlicht wurden, beziehen, sich als») ganz deutlich-;ujclrt auf den zu. erwartenden Gitsämtsaldo für die ganze Periode seit׳־ der E־rric'hlüflg der Zivilvcrwaltung. Auf der anderen Seite muß man festhalten, daß auf Palästina demgegenüber große V e r p f 1 i c 11 - 11111 g c 11 lasten. Palästina hat die Vorschüsse zurückzuzahlen, die es vom Kronagcnten für die Kolonien erhalten hat. Palästina hat Schulden an die englische Regierung für verschiedene Anlagen, die von der britischen Arniccvcrwaltung־ auf die Palästina-Regierung übertragen worden sind, ganz zu schweigen von der Haftung Palästinas für seinen Anteil an der Rückzahlung der Ottomanischcn Staatsschuld gemäß dem Vertrag von Lausanne. Eine genaue Uebersicht über die Verpflichtungen findet sich in dem Finanzbericht, den die Palästina-Regierung vor ungefähr zwei Jahren als offizielles Kommunique im Palestiue Commercial Bulletin vom 7. März 1924 veröffentlicht hat. Die Zahlen, die dort gegeben wurden, müssen nicht mehr notwendigerweise in allen Einzelbeiten zutreffen; aber die Tatsache bleibt bestehen, daß der Ueberschuß von £ 1000 000, der so viel Besprechung gefunden hat, nicht bedeutet, daß die Palästina-Regierung wirklieh £ 1 000 000 zur Verfügung hat, -- obzwar es richtig ist, daß die finanzielle Lage Palästinas im Vergleiche mit der der anderen Mandatsgebiete sehr günstig ist. oberflächlich, hat dem Verfasser niemand nachzurechnen. Man zieht die Augenbrauen erst hoch, wenn ffststcht, daß dieser Maximilian als geistig, als Held, als wirklich hoher Mensch gemeint war, und daß sein schwächliches Werben um den Gegner, dieses tief eitle Spicgelmcnschcntum, dieses ewig verletzte Ichgefühl, das nicht ertragen kann, einem Andersseienden nicht die mindeste Näherung abschtncicheln, abtrotzen, abwerben zu können, daß seine grausige Gebundenheit an denjenigen, der mit ihm nichts zu tun haben will, als F e 111 d e s I i e b e vom Verfasser vorgetragen zu werden scheint. ״Der Sinn der Feindschaft ist die Versöhnung“ ■■־ dieser Satz ist Werfe! wichtig. Nur daß er falsch ist. Der Sinn des Sieges ist die Versöhnung — so muß es heißen. Feindeslicbe in Maxens Sinne ist die Verschmierung ehrlicher Gegensätze. Das, was ein früher hellhöriger Mensch einen Fünfakter hindurch so nennt, gibt sich kund als Mangel des Gehörs: inan erträgt keine Dissonanz mehr. Mau ist fii!1t Akte lang entschlossen, einen Pliraseur zum Träger höchster ethischer Werte aufzuschminken, nur weil man nicht mehr dem klaren, unversönlichen Widerspruch des Heißen gegen das Kalte ins Gesicht sehen kann. Einen Feind lieben heißt doch niemals, ihm schweifwedelnd liachlaulen. Damit jagt mau ihn ja nur immer tiefer in seinen Stolz und Groll hinein, gibt ihm das Gefühl, im Recht zu sein, macht ihm jeden Rückweg unmöglich, inan macht ihn böser, treibt ihn zum Teufel. Seinen Feind lieben heißt, ihn, bei währender Feindschaff, zur Achtung zwingen, durch kräftigstes Verfechten der eigenen güten Sadic zur Umkehr, ja durch die vollendete Niederlage zur Einkehr in sich selbst mürbe zu machen; und ihn nun zu überwältigen durch menschliche Freundlichkeit, durch das lachende Hinhalten einer Hand, deren Druck soviel wert ist, weil ihre Hiebe so hart und sicher saßen. Das Heil der Feindschaft liegt in der Umkehr. Werfels Konzeption ist im Moralischen von tief verwurzelter Vertehltheit. Und sehr zu denken gibt, daß diese ganz unchristliche Verzeichnung der Feindeslicbe eines Menschen, der in der Welt lebt und schafft, hofft und bangt — daß diese Entgleisung gerade dem katholisierenden Juden Franz Werfel zustoßen mußte. Seine Feindeslicbe ist, wie sie und der arme Max nun einmal dastehen, ״jüdischer“ Bourgeois-Liberalismus alter Schule, ganz, r11■ ״ dem Sinne sei•״*■•! Doktor Basch. Sollte es anders aus¬ Große Speade iflr die Jerusalemer llnlversitlt New York, 18. Februar. (J. T. A.) Die Witwe des vor. kurzem verstorbenen Sol R « s e n b I ס o 111, gewesenen Direktors des amerikanischen Keren Hajcssod, spendete aus der Hinte 1• lassenschaft Rosenblooms 500000 Dollar zugunsten der hebräisehen Universität in Jerusalem. Aus den Mitteln dieser Spende soll ein Gebäude errichtet werden, in dem Institute für jüdische Studien, administrative Büros sowie eiii Auditorium maximum imtergcbrarht sein sollen. Das Gebäude wird den Namen Sol Roscnbloom tragen. (Sollte es sich nicht um einen Uobermiftlungsfehler . vielleicht 50000 handeln, so wäre hier tatsächlich ein bedeutender Fortschritt im materiellen Aufbau der Universität erreicht. - A. d. R.) I>«s Urteil im Wisser-Ptwß Bekanntlich hat im vorigen Jahre die |1a|ästi11r11sische Regierung, um der infolge Regemnaugcls in Jerusalem cingctreteneu Wassernd abzuliclfcn, in besonderen Eisenbahnzügen Wasser aus der Urtas- Quelle nach Jerusalem zuführen lassen. Die Araber des Urtas-Dorfes fühlten sich dadurch in ihren Interessen geschädigt und gingen gegen die palästincnsischc Regierung klagbar vor. Das palästinensische Obergericht gab der Klage der Araber Folge und verbot die weitere Benutz.img der Urtas-Quelle für die Wasscrbeliefcriing Jerusalems, weshalb der Gouverneur von Jerusalem an den Privy Council in London appellierte. Auf Grund der vor einigen Wochen vor diesem obersten englischen Gerichte unter Vorsitz des Lord Chanceior durchgcführten Verhandlung (s. ״J. R.“ v. 2. Februar) ist nunmehr das Urteil ergangen, das der Appel* I a 11o n des J c r u s a I cm er Gou v e r n eu rs statt* gibt, die Entscheidung des palästinensischen Obersten Gericht.es aufhebt und die Araber zur Zahlung der Prozeßkosten einschließlich vier Appcliationskosten verurteilt. Oie zionlMische Liiuteskonterenz in Ostplizlvn Die am 14. und 15. Februar in Lemberg tagende Landeskonferenz der ostgalizisdien Zionisten, die von 151 Dclcgierten aus 66 Städten besucht war und über deren Eröffnung wir bereits berichtet haben, befaßte sich in erster Reihe mit dem Rücktritt des Abgeordneten Dr. Reich als Pi äsident des Jüdischen Sejmklubs. Nach erschöpfender Debatte nahm _die Konferenz den Bericht der a!»tretenden Exekutive z u 1־ Kenntnis unter Ausdruck des Dankes, ganz besonders an das Präsidium, für die bisherige Tätigkeit. Die Konferenz sprach des weiteren aus, daß der Rücktritt Dr. Reichs «fein Willen der Judenheit Ostgaliziens w i d e 1־ s p r c c 11 e. Dr. Reich, der erklärte, auch als Präsident der cstgalidschcn Zionistischen Organisation zurücktreten zu wollen, wurde durch die einmütigen Vcrtraucnscrklänmgen der Konferenz, bewogen, eine Wiederwahl an/uiiclunc״. Der neuen Exekutive gehören an: Dr. Reicli (Präsident), Dr. Sdimorak (Palästüiareferat), l>r. Leser (Kultur- und Jugendreferat) und Dr, Geier (Propagandareferat) als Vizepräsidenten und als Mitglieder P. Fischer (K. K. L.), Dr. Alles (Ezra), Frau Carl (Frauciivereinigung), ח«\ Münzer (für hebräisches Schulwesen), Dr, Rosenkranz. (Sir Politik), Redakteur Hescheles (für Finanzen) und Dr. Dogilevvski, Dr. Mehrer und J. Madfes. Die Wahl des Vertreters des Keren Hajcssod soll später vorgeuommen werden. Das G01!ern!sckrc<ariat fuhrt ehrenamtlich Dr. Rothlekl. Die Konfercuz beschloß, die am 7. März in Warschau, stattfindendc Konferenz der Zionisten <icsnnrtpoIcns zu beschicken. .■ ־!»tipgatftaiHr liiilwlplsehaillldie Schpten ......״/v... J t rus!»fern, 10. Februar. (P.C;) Der amerikanischen Journalistin Miß Sophie Irene Loeb, die im letzten Sommer Pa* lästina besuchte, ist es gelungen, von Herrn Abraham Erlanger aus New York Stipendien für Schüler der Lehrfarrti in M i k w e J Israel und 3 Stipendien für Zöglinge der Mädchcn-Lchrfarm in N a 11 a 1 a 1 zu bekommen. Für jedes Stipendium sind 50 £ im Jahre ausgesetzt, und Miß Lob hat bereits Herrn Erlangers erste Halbjahres-Ratc für diese 10 Schüler überwiesen. Zum Vorsitzenden des Komitees, das die Stipendiaten für diese zweijährigen Lchrkursc auswählen soll, ist Col. Kisch ernannt worden. Außer ihm gehören Herr Ch. Paßmann, der palästinensische Vertreter der American Zion <>•״ monvvealth, und Frau Be!1 Jchuda dem Komitee י׳ ה IMe Exzesse ii Rumänien Die antisemitischen Studenten Jassvs veranstalteten eine Massenversammlung, die sich mit den ,Forderungen der Bukarestcr antisemitischen Studenten solidarisch erklärte. Nach Schluß der Versammlung kam cs zu schweren Ausschreitungen der antisemitischen Studenten. Zahlreiche jüdische Lüde u wurden demoliert, in den Wohnungen jüdischer F amilien wurden die Fensterscheiben Ungeschlagen. Jüdische Passanten wurden in den Straßen angegriffen, mehrere von ihnen verletzt. fallen, so mußte Max, Kaiser, militanter Heiliger, persönlich zu Juarez Vordringen, ihn stellen, seinem besseren Anspruch und Rechte unterliegend abdanken, als Abdankender von der eigenen Partei ermordet, sein Mord dem Juarez unterschoben werden. Aber wo blieb dann die ״Historie“? Aus tiefliegenden, gesetzmäßigen Verflechtungen muß damit auch das Künstlerische schwer beeinträchtigt sein. Denn die unsichtbare Achse, um die jedes wahre Kunstwerk kreist, ist seine moralische Echtheit: Jedes Verbrechen muß im Drama als Verbrechen, jeder Narr als Narr, jeder Schuft als Schuft vom Dichter erst einmal erkannt sein. Danach erst, daraufhin erst kann er ihn mit derselben Liebe gestalten, deuten, ja umzaubern oder tragisch verklären, wie Shakespeare oder das l eben es tun. Der Dichter Werfel hält seine eigene Gestalt, einen erklärten Narren, für einen edlen und niarfyrischen Menschen. Dadurch rückt sein Stück ins Unglaubhafte; seine Figuren bleiben darauf angewiesen, daß wir ihnen nachgebe״, sie einfach hinnehmen. Keine Rede aber auf der Bühne, der wir folgen, wenn uns ihre anschaulichen Voraussetzungen fehlen. Werfels Stück fehlen für die Anschauung alle Voraus Setzungen. Wie komme ich dazu, au das Auftreten von Franzosen oder Habsburger!! in Mexiko zu glauben? Ich denke nicht daran! Nur weil in den Geschichtsbüchern davon die Rede ist? Als wimmelten die nicht von Irrtum und Fäischung! Wenn ich vor der Bühne sitze, habe ich kein Wort Geschichte gelesen. Es komme der Dichter und zeige mir, meinen Augen und Ohren, in Szenen die wirtschaftlichen, politischen, menschlichen Kräfte, die Bazaine oder den schwachen Max nach Mexiko zu verpflanzen stark genug sind, wie mir gezeigt wird, welch Samenkorn in Richards des Dritten oder des finsterstrahleuden Macbeth Seele bis Keimen gerät. Die bloße Rede tut da nichts; Reden des Max oder des Porftrio Diaz brauche ich nicht zu glauben, weil eine Figur im Drama nur aus ihrem Charakter redet, nur um sich auszuleben, nur um vor mir Farbe zu bekommen und zu bekennen -- nicht, 11m mir bare*.Münze auszurahlcu. Eine Folge dieses Grundirrtums ist unter anderem, daß keine einzige Gestalt des Stückes aus sich selbst lebt — alle warten auf den Schauspieler. Und einige, der Priester, der Kouscrvative, der Gemäßigt-Liberale werden unrettbar — besonders der letzte, dessen ״einerseits-andererscits“ dem Publikum herzhaft schmeckte. Wohl weil er, Unheimliche Tatsache., die

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