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Jüdische Rundschau · 1926-02-19 · Heft 14 (19.2.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 14 (19.2.1926)
Date
1926-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 103 Presseschau In der Tageszeitung ״Da war“ (Tel-Awiw) finden wir einen überaus interessanten Artikel des bekannten Schriftsteilere Rabbi Benjamin, der in seinen religiösen Aji- >chautingen dem Misrachi nahesteht und in der letzten Zeit besonders häufig in entscheidender Weise für eine Politik der Annäherung a״ die Araber hervorgetreten ist. Rabbi Benjamin spielt au auf den Vorfall in der Asscfath Haniwcharitn, wo gelegentlich der Erziehungsdebatte einer der wenigen ko ra m u n i s t i s ch e n Delegierten eine Rede hielt, in der er sieh gegen e 11a u v i 11 i st i s c 11 e Tendenzen in der jüdischen Erziehung wandte. Obwohl nach den ans vorliegenden Berichten die Rede durchaus sachlich und ruhig war, erhob stell ein ungeheurer Tumult in der Ver- Sammlung und man zwang den Redner, die Tribüne zu verlassen. Besonders bedauerlich finden wir es, daß auch die besonders starke Linke der Asscfath Haniwcharitn es nicht für nötig hielt, sich dafür cinzusetzen, daß dem Redner Redefreiheit gewährt wurde, insbesondere in einer Angelegenheit, wo er die Zustimmung der Linken verdient hätte. Eine Erklärung dieses Umstandes finden wir nur in dem leidenschaftlichen Parteikampf Erez Israels, und in der Erbitterung, die allgemein und besonders int Lager der Arbeiterschaft gegen die kommunistischen Agitatoren bestellt, die bei jeder Gelegenheit das Aufbauwerk angreifen und auch die jüdischen Arbeiter- Parteien als ein konterrevolutionäres Element bekämpfen. Wenn wir also aus dieser Atmosphäre der Leidenschaften die erwähnte Szene zu verstehen versuchen, so glauben wir doch, daß sich die Wut diesmal am Unrechten Orte entladen hat und daß Rabbi Benjamin mit seiner Beurteilung des Vorfalls im Rechte ist. Rabbi Benjamin schreibt: ״Die Szene ist bekannt. Ein Einzelner steht auf der Tribüne und spricht nicht tm Sinne der Mehrheit. Die Mehrheit stürzt auf ihn, beschimpft ihn und Läßt ihn nicht weitersprecho.n. Dr. Stockmann in Ibsens .,Volksfeind“. Ich habe selbst einen I.ehrer gesehen, der dem Redner zurief: ,Schaut' euch dieses Gesicht an, wieviel bekommst du von Moskau für deine Rede?‘ Vielleicht war in dieser Session eine besondere Wach- »arakeit gegenüber allem vorhanden, was die Situation zwisehen uns und unser» Nachbarn verschärfen könnte. Nehmet «. B. Ussischkins Rede über diese Frage. Noch gestern und vorgestern war dies das Glaubensbekenntnis der Mehrheit. Aber diesmal hat man über Worte, die mau vielleicht vor einigen Jahren noch gebilligt hätte, den Bann a u s g e ־ 5 p r o c 11 c n. Es liegt eine Aenderung in der Luft. Die Worte Beil Gurions über diese Fragen wurden mit besonderer Aufmerksamkeit an gehört. Man fühlte darin die Wahrheit von morgen. Vielleicht kann diese Wachsamkeit zum Teil als Entschuldigung für das Verhalten der Versammlung m dem erwähnten Moment gelten.“ Rabbi Benjamin zitiert dann noch ein anderes Beispiel unpopulärer Kritik aus dem Leben von Dr. Carl Schleid! und fährt dann fort: ״Ich glaube nicht, daß die Worte jenes Delegierten nur Verleumdung und Verhetzung sind. Vielmehr bringen sie eine Anschauung zum Ausdruck, und gegenüber einer An* schauung ist die Wortentziehung kein Argument. Es liegt hier überhaupt ein ernstes Problem vor, das nicht nur uns an geht, sondern auch andere Völker. Wie soll man auf ״der^daop Seite jeinje uyatipnale Erziehung..geben und Auf. der .;ändern Seife sich hüten vor dem Chauvinismus, der seetischen Vorbereitung zum Chauvinismus. Daß die nationale Erziehung in unsern Gymnasien in gewissem Sinne mangelhaft ist, einerseits oberflächlich und wurzellos, andererseits zur Aufgeblasenheit neigend, -- welcher sehende Matseh könnte dies leugnen? Seit langem feiern wir nationale Feste, aber welchen Raum nimmt der H u in an i tä t s geda 11 k c in unsern Lesebüchern und in unserer Gedankenwelt ein? Nebenbei: Ich habe viele Lesebücher der Araber durchgesehen und habe darin keinen Nationalismus gefunden. Darüber ein andermal Es liegt also hier ein Problem vor, das zumindest der Diskussion und Erörterung wert ist. Und wenn dies die Absicht des Redners war, so hätte man, statt ihm den Mund zu schließen und ihm Verleumdung vorzuwerfen, ihn auffordern sollen, seine Ansicht zu erläutern, umsomehr als er zweimal erklärte, er sei bereit, falls er vielleicht ein scharfes Wort gesagt habe, dies zurückzunehmcn. Aber die Ver- Sammlung tat dies nicht, sondern tobte und lärmte, sie gehorchte dem Instinkt und nicht der Vernunft. Sie vernichtete die Redefreiheit. Damit hat die Versammlung gegen sich selbst gesündigt Denn gegenüber dem Abgeordneten war vielleicht die Sünde nicht groß, denn er bewies durch seine übrigen Reden, daß er ein unfruchtbarer (?reist ist, der nicht mit seiner Seele bei der Sache ist. Auch gegenüber seiner Fraktion ist es keine Sünde, denn seine Freunde, die Anbänger Moskaus sind ja Anhänger der Unterdrückung der Redefreiheit. Aber gegen sich selbst hat die Ver- •ammlung gesündigt, und als ein Mitglied der Versammlung möchte igh meiner Scham und Trau־ r dri'ihi r Ausdruck geben.“ * Der palästinensische Korrespondent des ״»iaoiam‘־ bespricht die Neuwahl des Waad Le. umi und äußert sich ziemlich skeptisch über dessen Aktionsfähigkeit. Von den sieben Mitgliedern der Exekutive des Waad Leumi (Yellin, Kalvarisky, Menuchas, Rabbi Ostrowski. Ben Zwi, Dr. Thon, Aronowiez) haben sechs schon der früheren Exekutive angchört Alle sind schätzenswerte Persönlichkeiten, aber ein Teil von ihnen ist schon zu alt und zu müde, um eine energische Initiative entfalten zu können und sich dem schnellen Tempo der heutigen Entwicklung anzupassen. Außerdem sind sie alle mit privaten und öffentlichen Angelegenheiten überbürdet. Als Beispiel sei nur erwähnt, daß Herr Yellin, der Präsident des Waad Leumi, der vor zwei Jahren nach Amerika fuhr, und ein ganzes Jahr daselbst am Dropsie College Vorlesungen hielt, jetzt wieder für einige Monate nach Amerika fährt Ebenso ist Ben Zwi mit der Delegation der Arbeitersd^!i nach Amerika abgereist.. Da erhebt sich die Frage: w׳er wird die große Arbeit leisten, welche die Asscfath Niwcharim dem Waad Leumi aufcrlegt hat? Auch in der Tageszeitung ״Haara" (Tel-Awiw) vom I, Februar widmet der Chefredakteur Dr. Glückson dem neuen Waad Leumi einen Leitartikel, worin er sich skeptisch über dessen erste Betätigung äußert Es genüge nicht, mit anderen Institutionen Verhandlungen zu führen und es sei auch nicht Zweck des Waad Leumi, irgendeine zufällige Tätigkeit, die sich ihn! gerade bietet, zu entfalten, er müsse vielmehr eine großzügige öffentliche nationale Tätigkeit leisten und Initiative zeugen. Der Artikel fordert vom waad Leumi, er möge eine Beratung sämtlicher öffentlicher Institutionen, einschließlich der Finanz-Institutionen, der Arbeiter- und Arbeitgeberorganisationen, der Stadträte usw. einberufen, um einen detaillierten Plan für Arbeiten zwecks Milderung der ^rbeits- Iosigkeit festzusetzen. Vor allem müsse er die Frage der jüdischen Arbeit in den Kolonien lösen, die nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine psychologische ist. Heute hat er noch die Autorität, die die Asscfath Niwcharim ihm gegeben hat. Er möge sic nicht aufs Spiel setzen. * Anläßlich der Beteiligung der Zionisten an den Neuwahlen der lokalen Sowjets veröffentlicht der Moskauer ״E m c s“ (das Organ der Jewsekzia) einen Leitartikel, worin er den Zionisten vorwirft, die Partei der neuen jüdischen ״Nep“- Bourgeoisie zu sein und mit antikommunistischen Losungen hervorzutreten. Diese Demaskierung des Zionismus, der bisher stets behauptet hatte, nur dem ״harmlosen“ Ziel einer Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina zu dienen, werde ihm die letzten Anhänger in den proletarischen und Mittelschichten kosten. ♦ In der C.-V.-Zeitung vom 12. Februar nimmt Rabb. Dr, Fuchs (Chemnitz) gegen die Ausführungen von Dr. Jacob (Dortmund), die wir in Nr. 5. der ,״J. R.“ erwähnt haben, Stellung. Dr. Jacob hatte bekanntlich einen Artikel gegen die Beteiligung der deutschen Juden am Palästina-Aufbauwerk veröffentlicht. ITr. Fuchs, der nicht Zionist ist, erklärt nach Darlegung seines Standpunktes, er halte den Palästina-Aufbau durch Keren Ffajessod für eine moralische Aufgabe, für die disponibles Geld bei Juden gesammelt werden soll. Wichtiger aber sei die Zustimmung. Der Mut, für Keren Hajessoa einzutreten, nützt dem Judentum und der ReligiosLät, — Dr. Jacob erwidert in derselben Nr. der C.-V.-Zeitung, indem er seine alten antizionistischen Argumente wiederholt. Wirklich Daiaideisrbeit? Unter diesem Titel untersucht Dr. F'cüx G 0 1 d m a 1111, Leipzig, in der C.-V.-Zeitung in vornehmer und sachlicher Weise die Grundlagen der Abwehrarbeit des Centralvereins. Flerr Dr. Goldmann geht augenscheinlich von der Annahme aus, daß diese Arbeit von gewisser jüdischer Seite als überflüssig und aussichtslos betrachtet wird, und kommt zur Erkenntnis, daß dank der seit Jahrzehnten geführten Abwehrarbeit im großen und ganzen ein absoluter Fortschritt im Kampfe für tatsächliche jüdische Gleichberechtigung zu verzeichnen sei. Insbesondere hebt Herr Dr. Goidmanu die nach innen sich richtende Wirkung des Kampfes gegen den Antiseniitismus hervor, da er innere Festigkeit und Würde der Kämpfenden mehrt. Der Optimismus, daß den Bestrebungen des Abwehrkampfcs einst voller Erfolg blühen wird, stehe in Uebcreiiistinunung mit» der jüdischen Lehre und mit der jüdischen Geschichte. Die beachtenswerten Ausführungen des Herrn Dr. Goldmanu gehen 11. E. von der nicht ganz zutreffenden Annahme aus, es gäbe irgendeinen bewußten Juden, der nicht mit ganzem Herzen den Abwehrkampf gegen die Judenfeinde gutheißen würde. Im Prinzip sind alle anständigen Juden darin einig, daß Sichducken und Schweigen die schlimmste Form der Stellungnahme gegenüber den judenfeindlichen Machten wäre. Differenzen bestehen wohl nur hinsichtlich der Methoden des Abwehrkampfes. Gerade das, was Flerrn Dr. Goldmann als wertvolles Nebenprodukt des Abwehrkampfes erscheint, nämlich innere Festigkeit und Würde, betrachten wir als Voraussetzung und als die Plattform, von der allein der Abwehrkampf geführt werden muß. Das Beispiel Es ras ist für uns maßgebend: in der einen Hand das Sc Wert zur Abwehr, in der anderen die Kelle zum Aufbau. Abwehrkampf als Hauptinhalt jüdischer Betätigung können wir nicht gelten lassen. Und das tut unseres Wissens auch Herr Dr. Goldmann nicht, ebensowenig wie zahlreiche Mitglieder der Abwehrvereine, die die NpJwendigkeit des Abwehrkampfes einsehen, darin aber ihre jüdische Betätigung in keiner Weise als erschöpft betrachten. nie jüdische Aalioaalbibliolbek während 1925 Vom 1. Januar 1925 bis 1. Januar 1926 sind in der Bibliothek 20 855 Werke in 25890 Bänden neu eingereiht worden. Am 1. Januar 1926 betrug der Gesamtbesitz der Bibliothek 90 399 Bücher in 110 681» Binden. Die Bibliothek hat sich im vergangenen Jahre um etwa 30 «/<> des vorjährigen Bestandes vermehrt. Der Zuwachs verteilt sich auf folgende Fächer: 1. Hebraica 1668 Bände; 2. Medizin 3330 Bände; 3. Schöne Literatur 2914 Bände; 1. Judaica 2635 Bände; 5. Geographie und Geschichte 2374 Bände; 6. Jiddische Bücher 1753 Bände; 7. Soziologie und Pädagogik 1766 Bände; 8. Religionsgeschichte 1337 Bände; 9. Philologie 1247 Bände; 10. Mathematik und Naturwissenschaften 1053 Bände; 11. Philosophie und Psychologie 877 Bände; 12. Kunst 757 Bände; 13. Pcriodica, Bibliographie 668 Bände; 14. Angewandte Wissenschaften 383 Bände; 15. Chemie (außer den im Chemischen Institut der Universität befindlichen Büchern) 128 Bände; zusammen 25 890 Bände. Unter den Seltenheiten, die die jüdische National- und Universitätsbibliothek im Jahre 1925 erworben hat, befindet sich das erste in Amerika gedruckte hebräische Buch, eine der Harvard-Universität gewidmete hebräische Grammatik, sowie ein Exemplar des im Jahre 1516 in Venedig gedruckten Jerusalemitischen Talmuds. Auch eine Reihe von Erstdrucken wurdpn erworben, von denen folgende zu erwähnen sind: Großer Kanon, in vier Teilen (Neapel 1492); Juda Messer Leon, Nofct Zufim (Mantua 1476); Ibn Gabirol, Miwchar ha-Peninitn (Soncino 1484); Jcsaiah Bedarsclu, Bechinat Olam (Soncino 14S4); Nachmaiiides, Kommentar zum Pentateuch (Neapel 1-190); Kimchi, Schoraschim (Neapel 1491). Während des Berichtsjahres wurde der Bibliothek das Archiv der durch Achad Haara begründeten Gesellschaft Bnci Mosche und das Archiv der englischen Chowewe Zion /um Geschenk gemacht. raiäatara uiia lscncclioulawakei Der neue tschechoslowakische Konsul in Jerusalem Dr. Fritz teilte dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen- Agentur in einem Gespräch mit, daß 800 tschechoslowakische Staatsangehörige die palästinensische Bürgerschaft erwerben wollen. Selbstverständlich müssen sie, bevor sie die palästinensischc bürgerschaft annehmen, die Genehmigung der tschechoslowakischen Regierung haben. Vor dem Kriege bestand der österreichisch-ungarische Export nach Palästina zu etwa 80 Prozent aus tscnechoslo aakischen Waren. Ich werde mich bemühen, setzte Konsul Dr. Fritz fort, die Handelsbeziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Palästina zu erweitern. Getreu den Satzungen der Politik und des Völkerbundes, schloß Dr. Fritz, unterstützt die Tschechoslowakei vorbehaltlos das britische Mandat in Palästina. Der Deutsch-israelitische Gemeindebund und der Vorstand der Synagoge Fasanenstraße hielten am Sonntag, den 14. d. Mts., auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, anläßlich der Errichtung eines Gedenksteines für den vor einem Jahr verstorbenen Professor Dr, Salomon Ka 11 s eh er, eine Gedenkfeier ab. Das Wirken des Verstorbenen wurde von Herrn Rabbiner Dr. Bergmann, Justizrat Dr. Salomon und Dr! Heinrich Stern gewürdigt. Brief tos Kowno Sonntag, den 31. Januar, ist der Delegierte des Londoner Keren Hajcssod-Direktoriums, Herr Leib Jaffc, in Kowno eingetroffen, um in Litauen eine großzügige Keren Hajessod• Aktion durchzuführen. Die Keren Hajessod• Arbeit in Litauen hat in letzter Zeit infolge der schweren ökonomischen Krise, die die dortige Judenheit durchmacht, eine gewiMC Abschwächuiig erfahren. Die skeptische Stimmung schlug jedoch sofort nach der Ankunft Herrn Jaffes, dem schon an der Bahn bei seiner Ankunft ein grandioser Empfang bereitet wurde, um. An dem Empfang nahmen auch zahlreiche Nichtzionisten teil. Anwesend waren Delegationen aller zionistischen Institutionen, des Gemeindevorstandcs, des ״Ort“, der ״Ozc“, der wirtschaftlichen Verbände, des Aerztcverbandes, des Tarbuth, der zionistischen Frauenorganisation, der Studentcnorganisätion, der hebräischen Gymnasien u. a. m. Abends fand eine Keren Hajessod-Konferenz statt, zu der auch 50 P r o v i 11 zd c I e g i e r t e gekommen waren und über die noch besonders berichtet werden soll. Im Anschluß daran fand eine außerordentliche Sitzung der zionistischen Zentralen unter Beteiligung von Herrn Jaffe statt, an der sich Vertretcr aller zionistischen Parteien beteiligten und auf der die allgemeinen Zionisten, Zcire Zion, Hitachduth und Misrächt versprachen, ihre besten Kräfte in den Dienst der Keren Hajessod-Aktion zu stellen. Am 3. Februar fand in einem der größten Säle Kowno* ein Empfangsa bend zu Ehren Jaffes statt. Der Saal war überfüllt. Außer von den Vertretern der zionistischen Institutionen wurde Jaffe auch von allgemeinjüdischen poVtischen, ökonomischen und kulturellen Vereinigungen begrüßt. Es sprachen 11. a. Dr. Robinson in! Namen der jüdischen Sejmfraktion, Dr. Löwenstem im Namen der jüdischeu Fraktion des Stadtrates, Dr. Eljaschcw für die Jüdische Volksuniversität, die Herren Mandelbrot und Bernstein für die Handwerker, Herr Neiermann für die Landwirte, Herr Sokolowski für den Kleinhändiervcrcin und Dr. Lapin für den Aerzteverband und das Waisenhaus. Sodann hielt Herr Jaffe ein Referat über das Thema: ״Wie wird Palästina aufgebaut?“, das einen gewaltigen Eindruck auf die Anwesenden machte. Die weiteren Aktionen Herrn Jaffes gestalteten sich zu einem Triumph des Palästina-Gedankens Auf der zweiten Volksversammlung in der Chorsynagoge waren über 2000 Menschen anwesend, die voll Begeisterung den lebendigen Gruß aus Erez-Israel entgegennahmen. Am 6. Februar fand ein Tee für 350 Personen statt Der Einladung waren die angesehensten Vertreter der jüdisehen Intelligenz und Gesellschaft gefolgt, darunter zahlreiche Leute, die der zionistischen Bewegung bisher ferngestanden hatten. Viele von ihnen gaben Erklärungen ab über ihre nunmehr positive Beziehung zum Aufbau Palästinas und über ihre Bereitwilligkeit, an der Keren Hajessod- Aktion mitzuarbeiten, so 11. a. der Direktor der Jüdischen Zentralbank, Herr Hans Wolf, Prof. Beljatzkin, der auch den Vorsitz führte, die Leiterin der Jüdischen Volksunivereität, Frau Dr. Eljaschcw, u. a. m. Herr Jaffe forderte die Anwesenden auf, eine ״Arbeitswoche“ dem Keren Hajessod zu widmen. Diesem Appell folgten mehr als 80 Anwesende, darunter auch zahlreiche Nichtzionisten, die sich bereit erklärten, Einzelbesuche zu machen und Vcrpflichtungen für den Keren Hajessod entgegenzunehmen. Am nächsten Vormittag fand eine Sitzung dieser freiwilligem Mitarbeiter statt, auf der die Arbeit verteilt wurde. Die Keren Hajessod-Aktion in Kowno hat mit einem Schwung eingesetzt, an den die dortige Judenheit bisher nicht gewohnt war. Der Besuch Herrn Jaffes in Kowno ist so in vollstem Sinne des Wortes zum wichtigsten Ereignis im Leben der litauischen Judenheit geworden und hat die Aufmerksamkeit aller Juden Litauens auf sich gezogen. Die ״Jiddische Stimme“ hat ,eine Herrn Jaffc und dem Keren Hajessod gewidmete Sonderbeilagc herausgegeben. Die gesamte lokale nichtjüdische Presse Bringt zahlreiche Artikel über Herrn Jaffe und den Keren Hajessod. Von Kowno aus begibt sich Herr Jaffe in die größeren Provinzorte, vor allem nach Schaulen, wo bereits alle nötigen Vorbereitungen für eine große Keren Hajessod-Aktion gc• troffen sind. Keren Hajessod in Holland Gemäß den Beschlüssen der Zionistischen Konferenz in Holland wurde dort eine energische K. H.-Kampagne eingeleitet. In Groningen, Assen, Utrecht, Arnhem, Nijmegen, Rotterdam, Den Haag, Scheveningen und Hartem finden Keren Hajessod-Drives statt. Der Aufruf des Oberrabbiners von Großbritannien, U. H. Fi e r t z, an die holländischen uden hat bei den Keren Hajessod-Mitarbeitern und allen chichten des holländischen Judentums große Begeisterung hervorgerufen. An der Spitze der Kampagne steheu die Herren van Raalte, Dr. Friedemann und Dr. Alexander Goldstein, der Delegierte des Hauptbüros des Keren Hajessod. (Ziko.) Die Ausschreitungen in Bukarest Bukarest, 16. Februar. (J. T. A.) Gestern und heute kamen wieder ausgedehnte Studentenausschreitungen vor. Angesichts der Tatsache, daß während der Ausschreitungen der letzten Tage jüdische Wohnungen, Restaurants und Geschäfts• laden demoliert wurden, entschloß sich die Polizei mit Hilfe des Militärs zu energischem Vorgehen. Zahlreiche excedierende Studenten wurden verhaftet und in die Festung Iiava gebracht. Der König hat uas Kabinett aufgefordert, ihm sofort einen genaue* Bericht über die antisemitischen Ausschreitungen in der letzten Zeit vorzulegen. /ioaismns und Blüsarbeit Gegenwärtig tagt in Berlin im Hause der Zionistischen Vereinigung für Deutschland die von der letzten Berliner A. C.-S1tzung zwecks Erörterung der Fragen der all gemeinen Hilfsarbeit eingesetzte Kommission. Die Konimission berät über die Lage der Juden in den Galuth-Ländem und die Beziehungen der Zionistischen Organisation zu den allgemeinen Hilfsorganisationen. Auch die Stellung zur Krim- Kolonisation ist Gegenstand der Beratung. Den Vorsitz führt Herr Leo M 01 z k i n. Anwesend sind u. a. die A. (?.־Mitglieder Dr. Hantke, Dr. Jakob Heilmann, Rabbiner Nurok- Riga, Bcrl Locker und Dr. Nahtim Go Id mann. Die fonriee der ״Babimah“ Kowno, 8. Februar. (J.T. A.) Das Ensemble des Moskauer hebräischen Theaters ״Fl a b i m a h“ unter Führuiig des Direktors N. Zcmach ist gestern in Kowno eingetroffen und wurde von Abordnungen jüdischer nationale! und kultureller Organisationen empfangen. Das Ensemble wird im Kownoer Stadttheater eine Reihe Votstellungea ■geben, für die sich ein solches Interesse kund gibt, aa£ sie fast alle bereits ausverkauft sind. Der Rat der Jüdischen Gemeinde Kowno hat zu einer feierlichen Begrüßung des ״Habimah“-Ensembles eingeladen. J? i ga , 8. Februar. (J.T. A.) Das Moskauer hebräische Theater ״Habimah“, welches liier zehn Vorstellungen gab, hat einen tiefen Eindruck hinterlassen. Die lettiändische Presse, auch die chauvinistische, anerkennt das ungewohnlich hohe künstlerische Niveau der he bräischen Truppe,

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