Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 102 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 14 Pie Konferenz der landwIrtscbafOichen Arbeiter Aon unserem palästinensischen K1-,״ inoiidcnten. A. O. Jerusalem, de10 ״. Februar 1926. 1L beit mehr als einer Woche lenkt die Konferenz der Landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation das Interesse der palästinensischen Oeffentlichkeit auf sich. D e Verhandlungen, die sich da draußen am Ende von Bath-Galim abwickein, fanden einen starken Widerhall in ganz t'jlsstiut, außerhalb der Arbeiterschaft. Nach den ersten vier Tagen, über die wir bereits berichteten und die in der Hauptsache eine Bilanz der heutigen Situation gaben, widmete die Konferenz ihre Zeit der Diskussion über die Schaffung־ der Gesellschaft ״N i r“. Hier lag der Schwerpunkt der Verhandlungen, weil es sich um eine Neuschöpfung von einschneidender Bedeutung handelt. Die Schaffung von ״Nif• stand in engem Zusammenhang mit dem weiteren Hauptpunkt der Tagesordnung, den Vorträgen zwischen dem Keren Hajessod und ‘den Siedlern. Wir müssen uns liier damit begnügen, die Grundlinien der Chewrat ״Nir“, und damit die Hauptpunkte der Diskussion aufzuzeigen; die Einzelheiten sind für das Verständnis eher störend als wichtig. D i e Aufgaben der ״C liewrat Ni r“ zerfallen in administrative, finanzielle u n d sozial e. Die Gesellschaft wird aber bestimmte Funktionen, vor allem politischer und sozialer Natur immer der landwirtschaftlichen O r g a 11 i s a t i 0 n überlassen müssen. Wir haben für diese Art des Nebeneinanderbestehens von ״Gesellschaft“ und ,.Organisation“ hereite Vorbilder in anderen Institutionen. So ‘entspricht der ״Chewrat Nir“, die ״Chewrat Üwdim“ oder auch der ״Solei Boneh“, während der landwirtschaftlichen Arbeiterorganisation die ״Histadruth Owdim“ und die ״Histadruih ffabinjan“ entspricht. Von diesem äußerlichen Standpunkt gesehen, bedeutet also die ״Chewrat Nir“ nicht mehr als die von der Regierung bestätigte Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter. Die Konstitution der Gesellschaft zeigt jedoch außer dieser Aenderung, die auf die Verwaltung der nationalen Betriebe keinen wesentlichen Einfluß ausüben wird, zwei Hauptpunkte, die für die Entwicklung der Kolonisation beefeutsam sind. Die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation besaß bis jetzt keine eigenen Mittel. Zum ersten Male geht sie jetzt daran, sich diese zu schaffen. Durch Aktienausgabe soll ein Grundkapital geschaffen werden, das die Aktionsfähigkeit der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft vergrößern soll. Diese Frage des Eigenkapitals war neben den sozialen Aufgaben der ״Chewrat Nid‘ Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Es gab Delegierte, die sich diesem Gedanken überhaupt widersetzten. Er erschien ihnen gefährlich, weil er in die an finanziellen Aktionen ohnedies überreiche zionistische Bewegung noch eine Sonderaktion hineinbringt, und seine Aussichten erschienen nicht groß genug, als daß sie eine weitere Zersplitterung der Fonds gerechtfertigt hätten. Außerdem ist die Verantwortung der palästinensischen Arbeiterschaft gegenüber den' nationalen Fonds so lebendig, daß man in diesem Kreisen nicht!eichten Herzens eine Aktion einleitet, die eine Konkurrenz für diese bedeuten könnte. Trotz aller dieser Zweifel hat sich die Konferenz f ii r die Schaffung von Eigenkapital entschlossen, weil die Arbeit und die Beschränktheit des Budgets der zionistischen Exekutive diesen •Schritt dringend erforderlich macht. Es handelt sich dabei in keiner Weise etwa um die Grundlage einer gesonderten Kolonisation. Dazu besteht heute und für absehbare Zeit hinaus w׳eder Möglichkeit noch Notwendigkeit. Es handelt sich für die nächsten Jahre um bestimmte, abgegrenzte Gebiete. Die Arbeit in den Kolonien verlangt, warn sie weiter in dem Tempo wie bisher geführt werden soll, große Summen, weil der Eintritt des jüdischen Arbeiters in die Kolonistenwirtschaft mit Defiziten verbunden ist. An dieser Stelle soll das Kapital der ״Chewrat Nir“ dem Budget des Arbeitsdepartements zu Hilfe kommen. Auf dem Gebiete der eigentlichen Siedlungsarbeit kann im Laufe der Zeit die ״Chewrat Nir“ als Kollcktivum das ersetzen, was unsere Siedler als einzelne nicht haben, eüi Minimum von eigenem Mitteln. Es ist das ja eine Eigenart unserer Arbeitsbedingungen, die uns ein Vorwärtskommen gegenüber anderen Einwanderungsländern ungemein erschwert, daß unsere Siedler absolut mittellos sind. Hier kann durch gemeinsame Kapitalbeschaffung die Arbeit erleichtert werden. Schließlich soll die Mittelbeschaffung der Landarbeiterschaft eine Grundlage abgeben für Kreditgewährung, eine lebenswichtige Frage für die Wirtschaften. Es handelt sich also gewissermaßen um eine finanzielle Hilfsaktion auf gewissen Gebieten, die vom dem zionistischen Budget nicht gedeckt werden oder ihrem Wesen nach nicht gedeckt werden können. In keinem Sinne aber — das muß immer wieder betont werden — um irgendeinen Versuch oder Beginn einer separaten Kolonisation der Arbeiterschaft, der ebenso unsinnig wie unmöglich wäre. Die innergesetzliche Regelung der sozialen Verhältnisse innerhalb der nationalen Siedlung stellt eine vollständige Neuerung für Palästina dar. Wir sind in den letzten 20' Jahren im Lande Zeugen der verschiedensten sozialen Experimente gewesen, die, wenn auch nicht immer originell in ihren Gedanken, zu sehr großen gesellschaftlichen Neuenmgen führten. Das Charaktcris 11 s c h e aller dieser Schöpfungen, der Kwuzoth, der Moschavve Owdim, der städtischen Kooperation usw. ist ihre Unabhängigkeit v o n Z w a 11 g s r c g c 1 n. In Palästina ist der Fanatismus ebenso verbreitet, wie die Toleranz, und die landwirtschaftliche Arbeiterorganisation umfaßt eine Hille von Nuancen vom ausgeprägtesten Individualisten mit anarchistischen Neigungen, der vom Einzelnen alles und von der Gesellschaft nichts erwartet, bis zum überzeugten Kollcktivistcn, für den das Individuum nur al; Material für d e Gruppein Betracht kommt. Als die Laudarbeiterschaft nur einige Hunderte von Menschen umfaßte, die ohnehin das ungeschriebene Gesetz dieser sehr hochstehenden Gemeinschaft aufs sorglichste zu hüten und zu entwickeln bedacht waren, konnte von einer äußerlichen quasi-juridischen Regelung der Beziehungen schon deshalb nicht die Rede sein, weil sic überflüssig war. Auch heule noch, wo es sich bereits um viele Tausende handelt, ist die Schaffung eines äußerlichen Rahmens noch keine Notwendigkeit. Dennoch hat man in den letzten Jahren eifrig an Satzungen für die Kwuzoth und Moschawe Owdim und an den Statuten von ״Nir־ gearbeitet. Man handelte nicht für sich, sondern für die kommende Einwanderung. und die kommenden Geschlechter. Mit wachsender Zahl lockern sich die Bande, wird die Gemeinschaft uniibersichtlicher, unpersönlicher. Alles das drängt zur Objektivicrung zur sachlichen und juridischen Festlegung und Sicherung des Eroberten. Der Eigenart unserer Kolonisation entsprechend, muß ein Gesetz, das der sozialen Entwicklung «recht Wörden soll, sehr elastisch sein. Man hat sich eshalb in dieser Beschränkung mit bestimmten wenigen H a u p t p r i 11 zi pj e 11 begnügt, die den spezifischen Cliarakter unserer nationalen Kolonisation zu erhalten geeignet sind, und den d e z e 111 r a 1 i s t i s c h e 11, berechtigten T ende n_z c n w e i t g c 11 e 11 d R e c 111111 ng g e t r a g c 11. Und es ist ein Zeichen für den gesunden Instinkt und die Voraussicht der •Siedler, daß man sich nicht allein auf die guten Neigungen verläßt, sondern Institutionen be- ״rundet, die dafür sorgen, daß die Entwickiungsiinien eiligehalten werden. Man räumt Versuchungen aus dem Wege und bekämpft sie so sicherer als durch die besten Moralpredigten. In der Hauptsache beruht die Regelung auf den P r i!1 - zipien des nationalen Bodens," beschränkten Areals, eigener Arbeit und gegenseitiger Hilfe. So wird die Spekulation durch den nationalen Boden ausgeschaltet, die Eigenarbeit durch das beschränkte Areal ermöglicht, eine Ausgleichung der verschiedenen Lebensbedingungen durch gegenseitige Hilfe erstrebt. Innerhalb dieses relativ weiten Rahmens ist den besonderen Neigungen weiter Spielraum gegeben. Dieselbe Tendenz, die sich, in der Festlegung sozialer Richtlinien zeigt, ging auch durch die Debatten um die V c r ־ träge mit dem Keren Hajessod. Bezeichnend ist die Einstellung der Landarbeiterschaft, daß cs sich nicht um den Kolonisten, sondern um die Kolonisation handelt. Der Kolonist als solcher muß an leichten Zahlungsbedingungen, au niedrigem Zins interessiert sein. Aber es handelt sich auch hier wieder nicht utn den Einzelnen, sondern 11 m das Werk, auch nicht um das heute Bestehende, sondern das Werdende. Und so ging man bei der Diskussion um den Kontrakt von der Tendenz aus, die Kolonisation zu rentabilisieren, die Zinsen zu erhöhen und so eine Basis für Erweiterung der Siedlungen und künftige Anleihen zu schaffen. So bedeutet diese dritte Konferenz der Landarbeiter einen Schritt vom Zufälligen ins Geordnete, einen Weg zur Objektivierung, zum System. Man rechnet mehr denn je mit der Zukunft, und sucht den gewaltigen Ex־pa11sionsdrang in geeignete, geordnete Bahnen zu lenken. Auf dieser Konferenz wurde die Grundlage der gesellschaftlichen Entwicklung, die sich in den letzten zwanzig Jahren unter unendlichen Mühen einen Weg gebahnt hatte, festgelegt. Und doch die Freiheit und der Spielraum gehütet, für neue Schöpfungen, neue Versuche innerhalb des festen Rahmens einer auf der Grundläge eigener Arbeit beruhenden Kolonisation. Die Bantätigkeit ia Haifa Jerusalem, 10. Februar. (P. C.) Nach einem Berieht im Commercial Bulletin, dem offiziellen Organ der palästinensischen Regierung, wurden in Haifa während der letzten 6 Monate, endend mit dem 31. Dezember 1925, 236 Bauerlaubnisse für Häuser verschiedeirer Größen und 22 Erlaubnisse für Läden erteilt. Im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres wurden 122 Bauerlaubnisse gegeben, und in der ersten Hälfte des Jahres 1925 250. Der Mangel an Häusern ist geringer geworden, aber die Mieten sind weiter hoch. Die Bautätigkeit in Haifa wird durch die Errichtung des jüdischen Geschäftszentrums, dessen Kosten auf 60 000 Jj geschätzt werden, belebt. Paiisttia als jtidisebes Einwandcrongsland Jerusalem, 10. Februar. (P. C.) Die von der statisti scheu Abteilung der zionistischen Palästina-Exekutive zu* sammengestelltcn Ziffern zeigen, daß Palästina als jüdi sches Einwanderungsland an erster Stelle steht, daß der Prozentsatz der Juden zu der übrigen Bevölkerung in Palästina am höchsten ist und daß die jüdische B< völkerung Palästinas infolge ihrer Vermehrung in den letzten Jahren unter den jüdischen Zentren der ganzen Welt den TL Platz einnimmt. Während des am 30. Juni 1923 endenden Berichtsjahres der Vereinigten Staaten wurden dort 10392 Juden?!!gelassen, während in dem gleichen Zeitraum 29 142 Juden nach Palästina kamen. Man schätzt die Zahl der jüdiduschen Einwanderer nach Argentinien auf 7800, nach Canada auf 4200. Seit Ende des jüdischen Jahres 5682 (Oktober 1922) bis 5685 (Oktober 1925) wuchs die Zahl der Juden in Palästina um 52 751. Ende 5682 zählten sie 85 312, Ende 5683 - 93 290, Ende 3634 — 109 977, Ende 5685 -- 138 066. Sic machen 16,5!,'o der Gcsamtbcvölkerung aus, womit ein höherer Prozentsatz erreicht ist als in Polen, das mit 12,9 0/0 den nächstgrößten Prozentsatz aller Länder aufweist. Line andere Tabelle zeigt das Anwachsen der Immigration. Wie aus dieser Statistik hervorgeht, betrug die Zahl der nach Palästina kommenden Juden während des mit dem 30. September 1923 endenden Jahres 10 674, für das Jahr, das mit dem 30. September 1924 endet 13 228 und für das letzte Liinvandcrungsjahr bis 30. September 1923 . 32 192. Nach statistischen Angaben können 30 <״׳<׳ der Ein- Wanderer — Männer, Frauen und Kinder — bei ihrer Ankunft in Palästina Hebräisch. Die kontere«z der palästinensische■ Lehrer ln Tcl-Awiw fand vom 24. bis 26. Januar eine Konferenz der palästinensischen Lehrer statt. Berachjahu berichtete Ober die _ Lage der L ehrerschaft und ihr Verhältnis zur Z10nistischcn Exekutive. Zum Vorschlag, auch über die Stellungnahmc der Assefatli Hauiwcharim zu Erziehnngsfragen zu diskutieren, erklärte Berachjahu, daß die Beschlüsse der Asscfath Hauiwcharim derzeit nicht aktuell sind. Es steht fest, daß die Lehrerschaft in ihrer Gesamtheit diese Be ־ Schlüsse ablehne. Des weiteren wurde auch über die Frage eines Pensionsfonds, des ״Ozar Hamoreh“ und der kulturellen Arbeit der Lehrer diskutiert. U. a. würde beschlossen, aut eine Beschleunigung der Eröffnung der pädag ogi sc 11 eil Fakultät, die bereits vom Kuratorium der Universität beschlossen worden ist, zu dringen. Es sollen allgemeine Vorträge über die Erziehung und Pädagogik für Lehrer und Eltern organisiert werden. Da die Lage im Erziehungsdepartement der Zionistischen Exekutive, wonach alle Angelegenheiten von einem einzelnen erledigt werden, unbefriedigend ist, begrüßt die Konferenz den Beschluß der Zionistischen Exekutive, einen provisorischen Waad einzuberufen. In das 18gliedrige Komitee zur Prüfung der Chinuch- Fragen in Palästina, das sich aus jo 6 Vertretern der Zionistischcn Exekutive, des Waad Leumi und der Lehrerschaft zusammensetzt, wurden gewählt: Berachjahu, Dr. Mohilowei, Dr. Arnon, Frau PSntor-Sukenik, Dr. Mirkin und Dr. Mar- I schak. 1 Weiterbeförderung von PaläsUaa-Wandercr■ | Jerusalem, 10. Februar. (P. C.) Von den ca. 3—100 1 jüdischen Emigranten, die auf dem Wege nach Palästina I in Konstantinopel und anderen Hafenstädten stecken i geblieben sind, werden in ׳Ausföhnmg׳ eines Abkommens'2 wj.-■ 1[ sehen dem Vereinigten Evakuations-Komitee und der 1 zionistischen Palästina-Executive sobald als möglich mindestens ■ 400 in Palästina zugelassen werden. Das Komitee gab der 1 Zionistischen Executive eine Garantie für den Unter- I halt dieser 400 Einwanderer während des ersten Jahres in 1 Erez Israel. Die Einwanderer erhalten die Reisekosten, und |j diejenigen, die ein bestimmtes Handwerk betreiben, Werk- 1 zeuge. Außerdem ist eine gewisse Summe für Anleihen ז, ausgesetzt, die den Einwanderern die Niederlassung erleichtern sollen. Schocke■ i■ Palästina Jerusalem, 10. Februar. (P.C.) Herr S. Schocken jun., einer der Direktoren des Keren Kajemeth und Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates, kam heute in Jerusalem an. Er hatte sofort einige Besprechungen mit seinen Kollegen über eine Reihe wichtiger Fragen. Zwei Juden aus Palästina, die auf dem Wege nach Kerak Zin der Hauptstadt Transjordaniens Amman, weilten, wurden dort verhaftet, weil man sie verdächtigte, daß sie sich den Drusen anschließen wollen. Die Polizei überzeugte sich jedoch von der Unbedenklichkeit der beiden jüdischen Reisenden und sie wurden freigelassen. und viele andere beteiligen sich ferner an den Rubriken ״Umschau“ und ״Anmerkungen“, die zu literarischen Dingen und Lebensfragen Stellung nehmen. Alles in allem ist das Heft auf einem Niveau, das jeder europäischen Revue zur Ehre gereichen würde. Die Vierteljahresschrift ״Hatekufah“ (VWlag Abr. Jos. Stvbei, Warschau), gibt ihren 23, Band heraus, ln der Einleitung wird mitgeteilt, daß die Zeitschrift infolge der großen Krise in Polen in diesem Jahre statt viermal nur einmal erscheinen kann. Dies ist aber nur eine vorübergehende Maßnahme, der Verlag denkt nicht an Einstellung, sondern an Ausgestaltung der Vierteljahresschrift. Der neue Band ist wie seine Vorgänger streng gegliedert. Er enthält zunächst zwei Dramen-Akte und zwar aus einem Drama von Jacob Kahan und einem Drama ״Bileam“. Erzählungen steuern bei u. a, Jewin, Opatoschu, Weinberg, Jakob Rabbinowicz, Barasch, ’Schofman. Uebersetzungen bringt Tschernichovvsky (babylonische Gebete) und Fichman (Deutsehe Lyrik : Goethe, Storm, Hölderlin, Dehmel 11. a.). Von Abhandlungen sei erwähnt: Dr. Halper ״Jüdische Literatur in arabischer Sprache“; Prof. Dr. Jos. Horowitz: 1001 Nacht; Dr. Tartakowcr : Franz Oppenheimers System eie, Gedichte von Fichman, Schiunski, Kribureczka, Tschernichowski u. a., ferner kritische Aufsätze, Aufsätze zu Lebens- Problemen (11. a. von Sokolow), Bemerkungen über Thomas Mann־ über Einhorn, bibliographische Notizen, usw. Der Band ist wie seine Vorgänger eine wertvolle Bereicherung unseres verarmten hebräischen Schrifttums. Die ״Menorah“ Iu dieser Zeit, da infolge der schweren Wirtschaftskrise Mittel- und Osteuropas soviel jüdisches Kulturgut zugrunde gegangen ist, hat sich allen Stürmen zum Trotz dieses tapfere Blatt, die ,,Menorah“. nicht nur gehalten,, sondern der inerte Jahrgang dieser schönen Familien-Zeitschrift stellt sich uns in verwandeltem, verschönertem Gewände vor. Nicht mehr nur als das bescheidene Blatt für das jüdische Haus, das, bestrebt, jedem etwas zu bringen, nicht ininrr ganz so wählerisch sein konnte, wie es wohl selber gewünscht. Heute ist die ״Menorah“ ein ,,Familienblatt für Kunst, Wissenschaft und Literatur", wie der neue Titel besagt, und macht diesem Titel alle Ehre. Schön illustrierte Beiträge aus all diesen Stoffebieten finden wir darin. Der jüdische Künstler wird von er berufensten Seite dem jüdischen Menschen nahegebracht. Ausgezeichnete, reichhaltige historische Ueberblicke belehren uns über die einzelnen Kapitel unserer Geschichte, namentlieh der in Mitteleuropa. Wertvolle Kunstbeilagen dienen zur Vertiefung unserer bildhaften Kenntnis des eigenen Volkes. Auf rein belletristischem Gebiete wird namentlich in der Lyrik Reizvolles geboten, so insbesondere die ganz zarten, liedhaften Dichtungen des jungen Hebraisten Vogel im Fehruarlieft dieses Jahres. Nicht ganz solchen Lobes würdig ist der erzählende Teil, doch ist es das Schicksal jeder jungen Bewegung, daß die in ihr wurzelnde Epik mangels der künstlerischen Tradition mehr durch Inhalt als durch Form zu wirken vermag. Eine anziehende Frauenbeilage sowie der humorvolle Anhang für das jüdische Kind vermögen zweifellos in der jüdischen Familie tief Wurzel zu fassen. Alles in allem, eine schöne, w -rtv >’’״ Zeitschrift. Noch ist nicht alles, wie das ja in der Sachlage begründet ist, gleichwertig, doch ist die ״Menorah“ heute in ihren besten Beiträgen durchaus auf der Höhe einer ernsten, künstlerischen Zeitschrift. Sie ist heute die einzige illustrierte Kunstzeitschrift des gebildeten Juden in Mittel- und Osteuropa. Gewiß ist es schwer, diese Aufgabe mit der anderen, nicht minder wesentlichen zu vereinen: das anheimelnde, erwärmende Blatt der jüdischen Familie zu sein. Es besteht einerseits die Gefahr, durch Exklusivität kühl und lebensfern zu wirken — welcher Gefahr das ״Zelt“ zum Opfer gefallen ist — andererseits das vom anspruchsvollen Leser geforderte Niveau zugunsten der familiären Wirkung preiszugeben. Beide Gefahren weiß die ״Menorah“, wie es scheint, glücklich und taktvoll zu umgehen. Möge sich erfüllen, was sie so sehr in unablässiger Mühe, der Ungunst der Zeit zum Trotz, zu verdienen bestrebt ist: möge die jüdische Familie ihr treue Gefolgschaft leisten! Martha Hofmann (Wien). Dieser Tage fand in Berlin eine Zusammenkunft jüdischer hebräischer und jiddischer) Schriftsteller und Journ.1 ästen, ia er die Gründung eines Verbandes zur Wahrnehmung der Berufsinteressen!»schlossen worden ist, statt. Der berühmte jüdische Bildhauer Prof. Cb. Glicenstein ist zu längerem Besuch in Warschau eingetroffen. Leopold Godowsky and die ffidische Masikhocbschc Leopold Godowski sprach in Rom, wo er gerade Konzerte gab, mit dem JTA.-Vertretcr über die Eindrücke seiner letzten Palfstina-Reise und sagte, er wolle von nun au einen großin Teil seiner Kräfte der Schaffung eines repräsentativen jüdischen musikalischen Institus in Palästina widmen. Wir müssen, sagte Godowski, den Völkern zeigen, daß der Jude auf dem Gebiete der Musik Schöpferisches und Unvergängliches geleistet hat und noch leistet. Nicht nur Musikschöpfer, sondern auch geniale Musikinterpreten, wie Kreisler, Huberman, Chejfez und Isaie Messen Großvater noch Jude war) hat das Judentum hervorgebracht. Von den berühmten Dirigenten schon nicht zu reden. Die zukünftige jüdische Musikhochschule muß einen Teil der hebräischen Universität zu Jerusalem bilden. Idi habe darüber schon mit Prof. Magncs und anderen jüdischen Persönlichkeiten in Palästina und Amerika gesprochen. Die jüdische Musikhochschule soll aber allen Nationen und Religionen frei zugänglich sein. Bei der Griindungsvcrsammhing der Gesellschaft des ״Jewish Memorial Conservatorv“ habe ich vorgeschlagen, daß die großen jüdischen Künstler in aller Welt «!־pflichtet werden sollen, eine Zeitlang unentgeltlich an der Hochschule zu lehren. Ich habe schon eine solche Verpflichtung übernommen und zweifle nicht, daß mir andere folgen werden. Wir wollen hoffen, daß die Musikhochschule des jüdischen Volkes, des für Musik empfindlichsten Volkes der Welt schöpferische Leistungen hervorbringen, zu einem Zentrum des Kunstschaffens werde und unserem Volke, sowie dem Lande unserer Zukunft die Anerkennung der Welt bringen wird. Der Dybuk. Die regelmäßige Aufführung des Dybuk rm ״Kleinen Theater“ wurde Sonntag, den 14. d. M., abgeschlossen. Das Interesse des Publikums blieb dem Werke bis zum Schluß treu. Der Direktion Hellmer, dem Regisscur Viertel und den Darstellern gebührt der Dank für diese Tat. Auch die Berliner Kritik hat das Stück und die Aufführung mit Anerkennung aufgenommen. Die. jüdisehe Presse (einschließlich der C- V.-Zeitung und'der ״uberalen Zeitung“) hat das Stück mit großer Wärme positiv gewürdigt.