Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ni4! .־ JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 101 Jüdische Schule Bei der Besprechung jüdischer Fragen stößt man oft auf eine Erscheinung, die die Untersuchung dieser Fragen er- ►chwert; das ist die Fatalität der Analogien, die zwischen jüdischen und nichtjüdischen Angelegenheiten gebildet werden. Ein klassisches Beispiel hierfür ist der Begriff Nationalismus. Spricht man von jüdischem Nationalismus, sind Uninformicrte!eicht geneigt, diesen jüdischen Nationalismus dem französischen, polnischen oder deutschen Chauvinismus gleichzusetzen, wiewohl der wirkliche Kenner des Judentums und der modernen nationaljüdischen Bewegung unschwer erkennt, welch’ Himmelweiter Unterschied zwischen jüdischem Nationalbewußtsein und dem Nationalismus von Völkern besteht, die auf der eigenen Scholle leben und sich in normalen volklichen Verhlltnissen befinden. Aehnlich ergeht e?s auch mit dem Problem der jüdischen Schule. Spricht man von ihr, das gilt besonders für Deutschland, so zieht man unwillkürlich als Vergleich die katholische oder die evangelische Schule heran und meint, jüdische Schule sei unbedingt identisch mit jüdi* scher Religionsschule. Dieser Umstand erschwert in starker Weise die Auseinandersetzung derjenigen Freunde der jüdischen Schule, die in ihr etwas anderes als eine reine Religionsschule erblicken, xmit den Gegnern der jüdischen Schule, die sie abfehnen, weil sie befürchten, die jüdische Schule müsse natu!notwendig einseitig religiös werden wie eine katholische oder eine evangelische Schule. Dabei ist zu bemerken, daß die Gleichsetzung seihst einer ausgesprochen jüdischen Religionsschule mit einer katholischen Religionsschule auch ein fataler Irrtum wäre, denn jedem Kenner sollte es doch klar sein, daß Judentum als Religion sich wesentlich von religiösem Bekenntnis von Katholiken oder Griechisch-Ort hodoxen unterscheidet. Man kann eben jüdisches Volkstum und jüdische Religion nicht voneinander in dem Maße scheiden, wie deutsches Volkstum und Katholizismus oder rumänisches Volkstum und griechische Orthodoxie. Das Problem der jüdischen Schule hat keine Analogie in der Frage der Religionsschulen der anderen Bekenntnisse, ebenso wie die Struktur der jüdischen Gemeinschaft nicht ohne weiteres mit der Struktur des deutschen oder französischen Volkes verglichen werden kann. Dies vorausgeschickt, ist man erst in der Lage, die Frage der jüdischen Schule zu untersuchen und zu diesem Probleme Stellung zu nehmen. Es ist leider Tatsache, daß seit der Emanzipation das jüdische Bewußtsein der in Deutschland lebenden jüdischen Gemeinschaft immer schwä;her geworden ist. Die Einflüsse der Umgebung, die Entjudung der jüdischen Familie haben in gleicher Weise in diesem Prozesse mitgewirkt. Die bisher von den jüdischen Gemeinden ergriffenen Mittel haben leider nicht vermocht, das Judentum in der heranwachsenden jüdischen Jugend zu kräftigen. Eine in der Geschichte der deutschen Judenhcit noch nicht dagewesene Abfallbewegung lichtet dauernd die Reihen der jüdischen Gemeinschaft, die Mischche ist geradezu Normalbrauch, insbesondere für die sozial und materiell begünstigteren Schichten des deutschen Judentums geworden. Religiöse Reformen haben leider nicht vernrocht, das Interesse für das jüdische Gotteshaus zu heben und man erlebt das beschämende Bild, daß besonders in den •CiwfÄstädten, ausgenommen die hohen Feiertagei der größte Teil der jüdischen Gemeinschaft das ganze Jahr hindurch kaum positiv zu ihrem Judentum Stellung nimmt. Lediglich die rein negative, in den meisten Fällen auch nur gefühls* mäßige und sich nicht zu Taten verdichtende Abwehrstellung gegenüber dem Judenhaß, ist Bindemittel der jüdischen Gemein- Schaft. Dieser Judenhaß wirkt besonders auf die Seelen der jüdischen Jugend verheerend. Die Umwelt, namentlich derjenige Teil, der sich mit dem Judentum beschäftigt, brüllt dauernd jedem jüdischen Kinde ins Ohr, daß Judentum etwas Verächtliches, Minderwertiges sei. Der Geist der öffentliehen Schulen ist wohl in den meisten Fällen nicht antijüdisch, dafür aber völhg unjüdisch und durchaus christlich. Umgangssprache, Volkslied und Sprichwort sind unbedingt antisemitisch. In den Seelen der jüdischen Jugend, die den (injüdischen Einflüssen der Schule ausgesetzt ist, wird ein Minderwertigkeitsgefühl großgezogen, das nichts anders ist, als eine Kapitulation in der Seele vor den geistigen und physisch brutalen Attacken des Antisemitismus gegen das Judentum. Dieses wird vor der heranwachsenden jüdischen Jugend darum in sehr vielen Fällen nur als Last empfunden, denn die Familie tut kaum etwas, um das Bc- All die ZiMistisctae Jugend in Deutschland Der Keren Kajemeth Lejlsrael, unser nationaler Bodenfonds, der durch die Mitarbeit der jüdischen Jugend in der ganzen Welt zum wichtigsten Faktor der sozialen Gestaltung Palästinas wurde, ist heute mehr denn je auf uns angewiesen. Die Lage des Keren Kajemeth ist eine äußerst schwere. Ermutigt durch die Steigerung seiner Einnahmen und den wachsenden Bedürfnissen der zunehmenden Einwanderung Rechnung tragend, hat der Keren Kajemeth Lejisracl im letzten Jahre seinen Bodenbesitz nahezu verdoppelt. Zu diesem Zwecke mußte er große Verpflichtungen eingchen. Der Keren Kajemeth konnte dies mit vollem Recht tun, da er aut eine weitere günstige Entwicklung seiner Einnahmen rechnete; denn die Möglichkeiten der Sammeltätigkeit für ihn sind heute noch in keinem Lande erschöpft. Die schwere wirtschaftliche Krise, die besonders in den letzten Monaten mH elementarer Stärke über fast ganz Europa hereingebrochen ist, hat die günstige Entwicklung gehemmt, und auch in Deutschland ist ein merklicher Rückgang in den Einnahmen zu verzeichnen. Es besteht die Gefahr, daß das Deutschland auferlegtc Kontingent nicht erreicht wird. Was dabei aut dem Spiele steht, wird am besten die zionistische Jugend verstehen. Sie weiß, daß nur der Keren Kajemeth den Boden, die erste und wichtigste Grundlage für die Ansiedlung unserer Chaluzlm, schafft. Die zionistische Jugend im Galuth war immer die Kerngruppe der Arbeitsarmee des Keren Kajemeth bei der Aufbringung seiner Mittel. Schon in der nächsten Zeit muß die zionistische Jugend Deutschlands beweisen, daß sie sich auch diesmal ihrer Verantwortung gegenüber dem Keren Kajemeth vollauf be* wußt ist. Die Parini•' Aktion die im Vorjahre — nicht zuletzt durch die Mitarbeit der zionistischen Jugend — den größten Erfolg aller Aktionen erbracht hat, steht unmittelbar bevor. In der Zelt vom 28. Februar bis 7. März sollen in allen Orten Deutschlands Haussammlungen für den Keren Kajemeth stattfinden. Die Unterzeichneten Vorstände fordern hierdurch die Mitlieder ihrer Organisation auf, sich in der genannten Zeit em Keren Kajemeth zu widmen. In Orten, in denen kein Vertrauensmann des Keren Kajemeth ist oder er die Sammlungen aus irgendwelchen Gründen nicht durchführen kann, sollen die Mitglieder unserer Verbände die Organisierung selbst übernehmen und sich deswegen umgehend an die Zentrale des Keren Kajemeth in Berlin wenden. Wir erwarten, daß alle, unsere Freunde sich restlos für die Purim-Aktion zur Verfügung stellen und ihre Pflicht gegenüber dem Keren Kajemeth erfüllen werden. Jüdischer Wanderbund ״Blau-Weiß“. Hans Kaufmann. Bundcslcitung des Jung-Jüdischen Wanderbundes. Fritz Noack. Ring jüdischer Wanderbünde. L i c h t e n s f e i n. Misrachi-Jugendgemeinschaft. Schereschewski. Präsidium des Kartells jüdischer Verbindungen. F ö r d e r. Präsidium des deutschen Kreis» des Makkabf-Weltverbandes. Kuhn. Jüdischer Ruderklub ״Ivria". Herbert Hirsch. Hapoel Hazair. Baer. Merkas des Hechahu. Ascher• Lubinski. wußtsein des eigenen jüdischen Wertes bei ihren Kindern zu heben und der jüdische Religionsunterricht, so sehr sich auch die jüdischen Religionslehrer Mühe geben, ist schon wegen der für ihn zur Verfügung stehenden geringen Stundenanzahl kaum in der Lage, gegen den Einfluß der Umwelt ein Gegengewicht zu bildet! und das Manko der jüdischen Er- Ziehung in der Familie wettzumachen. Diese Schwächung des jüdischen Eigenwertes bei der heranwachsenden jüdischen Jugend ist zu gleicher Zeit eine Beeinträchtigung des menschlichen Wertes der jungen Juden. Denn Judentum und Menschentum im jüdischen Individuum sind keine voneinander zu scheidenden seelischen Güter, sie sind innig verwoben und gefühlsmäßig eine Einheit. Der Versuch, diese zusammenhängenden seelischen Güter voneinander zu trennen, sie in verschiedene Bezirke zu verlegen, und verschiedentlich zu behandeln, müssen verheerend wirken. Nur die natürliche organische Entwicklung des Jüdischen und Menschlichen im jungen Juden gewährleistet ein für das jüdische Volk und fiür die Umwelt wertvolles Produkt. Zur Erzielung derartiger Typen ist eben die jüdische Schule nötig. Das ist der Hauptgrund, weswegen Juden der verschiedensten Parteirichtungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft Anhänger der jüdischen Schule sind. Die Forderung nach einer jüdischen Schule ist nicht ein Postulat der Zionisten, der Orthodoxen oder der Vertreter der liberalen Richtung in! Judentum. Alle Juden, die auf dem Standpunkte der Erhaltung des Judentums stehen, und denen das Schicksal der heranwachsenden jüdischen Jugend teuer ist, müssen zur Erkenntnis gelangen, daß sowohl die jüdische Gemeinschaft wie auch die Umwelt nur einen Vorteil davon haben können, wenn die jüdischen Kinder so erzogen werden, daß gerade in den Jahren ihrer stärksten Aufnahmefähigkeit der ungeheure Gegensatz zwischen unjüdischer Umwelt und jüdischer Abstammung ihre Seelen nicht zerreist. Ls ist klar, daß die jüdische Schale, die selbstverständlich nur dort errichtet werden kann, wo genügend jüdische Schüler vorhanden sind, im Sinne der besten pädagogischen Prinzipien und im Einklänge mit dem heutigen Stand der Wissenschaft geführt werden muß. Wir können uns kaum vorstellen, daß irgend eine jüdische Richtung die Forderung erheben könnte, daß die jüdische Schule politisiert und in den Dienst einer besonderen jüdischen Ucberzcugung gestellt werde. Das darf aber nicht so aufgefaßt werden, daß man eine deutsche Schule macht, die sich nur durch die Konfession der Lehrer und Schüler von anderen unterscheidet, Vielmehr können wohl alle jüdischen Richtungen nur der Ansicht sein, daß alles positiv Jüdische in der jüdischen Schule seinen Platz habe. Es ist klar, daß der Unterricht der jüdischen Geschichte, und zwar in einem verstärkten Umfange als es bisher möglich war, von allen jüdischen Parteien gewünscht wird. Ferner kann es doch für keinen Juden, wie immer seine politische Stellung sei, einem Zweifel unterliegen, daß die Kenntnis der hebräischen Sprache das beste, wenn nicht das einzige Instrument ist, die heranwachsende jüdische Jugend in die Werte der eigenen Kulturschätze einzuführen. In einer jüdischen Schule wird die Möglichkeit gegeben sein, den Unterricht im Hebräischen zumindest dermaßen zu gestalten, daß er ohne eine besondere Belastung darzustellen, dem jüdischen Kinde den Zusammenhang mit Jahrtausende alter Kulturcntvvicklung und dem lebendigen Judentum sinnfällig macht. Die besten jüdischen Schulmänner in Deutschland und die am stärksten ihrer jüdischen Verantwortung bewußten Seelsorger und Religionslehrer sind gleicherweise Anhänger der jüdischen Schule. Diese Forderung muß darum aus dem Tagesstreit der einzelnen Parteien im deutschen Judentum herausgehoben werden. Die Verfassung des Deutschen Reiches gewährleistet jeder Gruppe innerhalb Deutschlands das Recht auf die Gründung und Erhaltung ihrer eigenen Schulen und kein Nichtjude, sofern überaus ängstliche Gemüter danach fragen sollten, wird in der jüdischen Schule etwas erblicken, was sich mit der Stellung der jüdischen Gemeinschaft innerhalb des Staates nicht verträgt. Denn in dieser Hinsicht ist eine Analogie gestaltet was Katholiken, Evangelischen, Adventisten in religiöser, Polen und Danen in volklicher Be- Ziehung recht ist, kann auch für die jüdische Gemeinschaft nur billig sein. M. W Ei■ französisches Dezernat Ifir jüdische Angelegenheiten Paris, 14. Februar. (J. T. A.) Der französische Ministerrat beschloß, beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ein spezielles jüdisches Dezernat zu errichten. Leiter desselben wird Herr C a n e t, der bisherige Leiter des Departements für religiöse Angelegenheiten, sein. Dies ist charakteristisch für das große Interesse, das die französische Regierung seit einiger Zeit den jüdischen Fragen, insbesondere Palästina, widmet. Herr Berthelot, der Chef des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten, hat sich an der Bildung des Komitees ״Frankreich-Palästina“, zu dessen Mitgliedern die hervorragendsten Persönlichkeiten des politischen Lebens in Frankreich gehören, persönlich beteiligt. Bücherschaii Große jüdische Nationalbiographie mit mehr als 8000 Lebensbeschreibungea namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder. Ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk und dessen Freunde vön S. W i n i 11 g e r. 1. Band Abarbanel—Ezobi. Druck ״Orient“, Czernowitz. (1. bis 4. Lieferung.) Dieses originelle und merkwürdige Unternehmen verdient zweifellos die Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit. Der Herausgeber S. W i n i n g e r hat sich der außerordentliehen Aufgabe unterzogen, die Biographien sä ntlicher hervor* ragender Juden zu sammeln. Nicht nur die Juden, die speziell auf jüdischem Gebiete etwas Denkwürdiges geleistet haben, fallen in den Rahmen seiner Arbeit, sondern auch berühmte Juden, die nur durch jüdische Abstammung charakterisiert sind und deren positive Beziehung zum Judentum bereits schwach ist. Denn das Werk soll zeigen, »'eichen gewaltigen Beitrag jüdische Denkarbeit und jüdisches Schöpfertum zur Gcsamtsumme menschlicher Kultur und Zivilisation hinzugefügt hat. Bei einem so ungeheuren Unternehmen ist es selbstverständlich, daß der erste Wurf sich begnügen muß, eine Sammlung von Material zu sein; in vorbildlicher Selbstbescheidung hat der Verfasser es auch tatsächlich unterlassen, das Material nach subjektiven kritischen Wertmaßsiäben zu bearbeiten. Gerade das macht den Wert der Sammlung aus und macht sie für jedermann verwendbar. Auch die Länge der einzelnen Artikel ist nicht nach der Bedeutung der betreffenden Personen zugeschnitten, sondern mehr oder weniger vom Zufall diktiert, je nachdem, welches Material der Verfasser in seiner eifrigen und hingebungsvollen, mehr als zwanzigjährigen Sammeltätigkeit auftreiben konnte. Der Verfasser ״nimmt kein anderes Verdienst in Anspmch, als Zerstreutes gesammelt, Vergessenes aufgefrischt und die bedeutenden jüdischen Männer und Frauen aller Zeiten und Linder — soweit er hierfür biographisches Material auftreiben konnte — In einem Werke verewigt zu haben.“ Das Werk erscheint in Lieferungen, und wir weiden an dieser Steife Gelegenheit nehmen, die einzelnen Lieferungen anzuzeigen und die von diesem oder jenem Gesichtspunkt besonders interessanten Artikel hervorzuheben. Bisher liegen uns die vier ersten Lieferungen vor, beginnend mit Abar״ band und reichend bis Berachija, zusammen 320 zweigespaltene Seiten umfassend, das ist ungefähr die Hälfte des ersten Bandes. Besonders dankenswert ist es, daß der Verfasser bei einer Reihe von Dichtem charakteristische Gedichte und Zitate angeführt hat, s. z. B. enthält der Artikel über Richard Beer-Hoffmann das ,,Schlaflied für Mirjam“, der Artikel über Friedrich Adler zitiert dessen Gedicht ״Der deutsche Jude“, ebenso sind bei den meisten hebräischen Dichtern der spanischen «Epoche des Mittelalters, den Pijutim-Dichtern usf., Proben ihrer Dichtkunst in deutscher Uebersetzung angeführt. Sehr begrüßenswert ist auch die Angabe der Quellen und Hinweise auf Literatur, wodurch die Verwendungsmöglichkeit des Buches für wissenschaftliche Zwecke erhöht wird. Hie und da mag, wie es nicht anders möglich ist, ein kleiner Irrtum unterlaufen sein, indem Personen aufgenommen wurden, die keine Juden sind. In der Hauptsache aber scheint das Werk durchaus zuverlässig zu sein. Ls ist ein Nachsdilagebuch, das weit ernster und sympathischer ist als etwa Kohuts bekanntes Werk ״Berühmte israelitische Männer und Frauen“, Als Nachschlagebuch ist es willkommen, aber auch als Lehr- und Lesebuch wird cs eine bisher bestandene Lücke ausfüüen. rara. Carl Christian Bry. Die Nachricht, daß der junge hochbegabte kulturkritische Publizist soeben im jugendlichen Alter von 33 Jahren in der Schweiz gestorben ist, lenkt die Erinnerung zu seinem vor einiger Zeit (im Verlag von Friedrich Andreas Perthes in Gotha) erschienenen Buche ״Verkappte Religionen“ (4 M.). ln diesem Buche charaktensiert Bry eine ganze Reihe von Strömungen, die im modernen Leben eine große Rolle spielen, von Abstinenz zu Zahlenmystik, Bolschewismus, Faszismus, Okkultistnus, Psychoanalyse usw. als Religionen der ״Hinterwelt“ die den Menschen beherrschen und ihn verhindern, zu wirklicher Religion zu gelangen, in diesem Defilee der Bewegungen ist für uns besonders interessant das Kapitel über Antisemitismus, betitelt ״Der Blondenwinkel“, worin er den Antisemitismus mit überlegener Ironie charakterisiert und feststeilt: ״Ehe Juden können m dieser Frage nichts tun. Nicht nur etwa, weit sie die Angegriffenen, Angeklagten sind, deren Aussage von vornherein in ihrer Glaubwürdigkeit gemindert scheint, sondern weil das wirkliehe Problem des Antisemitismus gar nicht zwischen Juden und Nichijuden liegt. Es liegt in dem Umstand, daß der Antisemitismus über allen berechtigten und unberechtigten Kampf gegen die Juden hinaus langst eine Selbstbefriedigung geworden ist, eine verkappte Religion. Die Judenfrage ist eine Antisemitenfrage.“ — Ein aufrechter und religiöser Mensch ist gestorben, mit dem durch sein Buch Bekanntschaft zu machen lohnend ist. —0-— Im Verlag Jouve׳ & Cie., 15 Rue Racine, Paris, erschien das Buch: ״A travers la Palestine Juive“ von Fernand Corcos. Das Buch ist eingeleitet durch Deklarahonen bzw. Briefe von Poincare, Painleve, de Monzie und anderen französischen Politikern, ferner ist die Rede des Baron Edmond Rothschild in Tcl-Awiw vom Mai 1925 abgedruckt. Corcos gibt auf 300 Seiten eine lebendige Schildernng des Werkes jüdischer Wiedergeburt. Im Verlag von Jakob B. Brand eis, Breslau, erschien - wohl zu Purim — ״Das lustige Buch fürs j ü d i s c h e Kind“ von Siegfried A b c 1 e s. mit Illustrationen von Wiljy Braun. Es enthält Kindergeschichten und Gedichte mit Anspielung auf jüdische Feste usw. Hebräische Zeitschriften Soeben erschien das erste Heft des neuen Jahrganges der hebräischen Monatsschrift ״H a s c h i! o a c h“ (45. Band, Heft 1/2, Jerusalem POB. 273) unter der Redaktion von Dr. Josef Klausner und Jakob F i c h m a n. (Wir haben bereits gemeldet, daß Fichman in die Redaktion neu eingetreten ist.) Das stattliche Doppelheft enthält wertvolle literarische, wissenschaftliche und essavistische Beiträge. Erwähnt sei: Gedichte von Schneur, Fichman, Schiunski. Erzählungen von Agnon, R e u b e n i, Burla. T s c h c r n i c 11 o w s k 1 P’־ ־־'־׳'׳' ׳'״ ° ' ‘ ' Ravvidowit’z schreibt über Abraham ibn Esra, I. I. Jehuda über Arabische Dichtung, Tartakower über Max Weber ab Soziolog, Hans Kohn über Romain Rolland. Hugo Bergmann steuert einen Essay über die Mathematik und die kritisehe Philosophie bei. Zemach beginnt mit der Veröffentlichung von ,,Köpfen“. Das ״aktuelle“ Thema ״Jesus und die spätjüdische Literatur“ behandelt Prof. S. Kraus. Klausner