Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1926)
- Date
- 1926-02-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 100 Nr. 14 JUEDISCHE RUNDSCHAU allenthalben die Aufgabe des Staates dahin auf, daß er ihren Privatintercssen, die sich ihnen als allgemeine Wirtschaftsinteressen darstellen, zu dienen hat. Tut er dies »licht, dann halten sie sieh für berechtigt, sich aus der Einheit der Gemeinschaft auszuschlielkti und ihre Interessen über den Staat zu stellen. Bekanntlich sind es gerade diese Kreise, die sich mit besonderer Emphase patriotisch zu gebärden pflegen. Nun ist es kein Wunder, daß auch bei uns eine Variation dieser Art auftritt. In. Tel-Awiw Ist das Problem wirklich sehr verwickelt, weil es sich hier um ein Einwandererelement handelt, das keineswegs mit dem Lande verwurzelt ist und das die Möglichkeit anstrebt, sich wirtschaftlich festzusetzen, was bekanntlich nicht immer nufer Berücksichtigung der Gesamtintercssen möglich ist. Welcher Abgrund zwischen Privatinteresse und Oesamtinteresse sicli auftun kann, haben wir gerade in Tel-Awiw im vorigen Jahre arr dem Beispiel der Bodenspekulation deutlich gesehen. Nun kommt dazu, daß viele Einwanderer aus ihrer osteuropäischen Heimat die Vorstellung mitbringen, daß der Staat eine Einrichtung zur Schikanierung von Juden ist. Sie empfinden es peinlich, wenn in der jüdischen Heimstifte gleichfalls eine Behörde da ist, die Steuern, Beachtung von Bauvorschriften und ähnliche Dinge fordert. Dieser latente Konflikt, der psychologisch begreifliche Ursachen hat, wurde in Tel-Awiw in der letzten Zeit noch verstärkt durch den Umstand, daß die Arbeiter- Partei bei den letzten Wahlen als die stärkste Fraktion der Stadtverwaltung hervorging und ihr nur eine Stimme zur absoluten Majorität fehlte. Gerade die palästinensische Arbeiterschaft aber ist durch ein überaus starkes Staatsgefühl charakterisiert und die Arbeiterfraktion hat cs sich zur Aufgabe gemacht, in der Stadtverwaltung gewisse Neuerungen durchzuführen, die zwar einem Teil der besitzenden Klasse Opfer auferlegten, für die Gefsamtheit der Stadt jedoch segensreich werden sollten. Im vorigen Jahre ist es dem Finanzreferenten Twerskv gelungen, das Budget der Stadt zu balancieren. Allerdlngs war das vorige Jahr ein Jahr des Aufschwungs, das Geld war ziemlich flüssig, es wurde viel gebaut, cs kamen bemittelte Einwanderer. In diesem Jahre liegt das Problem viel schwerer, aber die Arbeiterfraktion hat sich auch durch das Wetterleuchten der Krise in ihrer Steuer- Politik nicht beirren lassen, insbesondere eine energische Besteuerung der unbenützten, für Spckulationszwecke aufbewahrten Bauplätze durchgeführt. Diese Steuerpolitik hat die ״Vereinigung der Haus- und Grundbesitze!־“ auf den Plan gerufen, welche mit einem Memorandum vor die Oeffentlichkeit tritt, in dem sie der Stadt- Verwaltung schwere Vorwürfe macht und sofortige Aus- Schreibung von Neuwahlen fordert. Die liberal-bürgerliehe Tageszeitung ״Haarez“ bezeichnet diesen Schritt der Hausbesitzer als eine Vergiftung des öffentlichen L$£$t1fk. Die Iuteressehyertreter der Hausbesitzer, ״die Herren Esteiraiahn und Asoläy, sind aus. dem Stadtrate ausgetreten. Bekanntlich ist schon vor einiger Zeit wegen eines anderen Konfliktes, nämlich wegen der Schulsteuer, der Bürgermeister Disengoff zurückgetreten. Disengoff gehörte noch vor einigen Jahren zum liberalen Flügel des Bürgertums, hat sich jedoch in der letzten Zeit völlig zum rechten Flügel geschlagen. Er hat in der reaktionärsten Zeitung Palästinas, dem Jerusalemer ״Doar Hajom“, heftige Angriffe gegen die Arbeiterfraktion in der Stadtverwaltung gerichtet. Der Kampf wird mit Erklärungen und Gegenerklärungen vor der Oeffentiichkeit immer weiter geführt. Parteikämpfe dieser Art sind eine selbstverständliche Erscheinung, die wir nicht zu scheuen brauchen. Einen interessanten Präzedensfall bildet Wien, wo zwar alle direkt Betroffenen über die Steuerpolitik der sozialdemokratischen Stadtverwaltung und ihres Finanzministers Breitner fluchen, die Allgemeinheit aber die Größe der Leistung bewundert. Bedenklich ist nur, wenn in dem werdenden Gemeinwesen sich Kräfte geltend machen, die nicht verstehen, daß unsere Aufgabe in einer systematischen Eingliederung der Einzelnen in die demokratisch selbstvcnvaltcte Ge• meinde besteht. Dies wird immer schwieriger, je größer die Stad( wird und je verschiedenartigere Elemente sie in sich aufnimmt. Es ist nicht tragiscli zu nehmen, wenn etwa der ״Doar Hajom“ die Zuschrift eines Bewohners von Tel-Awiw bringt, und der seelenverwandte Frankfurter ״Israelit־‘ sie abdruckt, worin Klage geführt wird über die ״Fremdherrschaft“ in Tel-Awiw, d. 11. die Tätigkeit der Acmter und Behörden, die nicht jeden machen lassen was er will und dadurch ein ״schlimmeres Golus“ erzeugen als im Ausland. Solche Elemente wird es immer geben und speziell bei uns, wo sogar Parteien, die es auf Zerstörung der Gemeinschaft abgesehen haben, sich hinter diese Leute stellen und sich ihrer bedienen. Wichtig ist jedoch, daß■ die große Oeffentlichkeit sich den Blick durch derartige Querulanten nicht trüben läßt, daß die öffentliche Moral systematisch gehoben wird und das Bewußtsein der großen Verantwortung, die in jeder Selbstverwaltung liegt, gestärkt wird. Ob die Vcrwaltungsmaschinerie bereits in allen Einzelheiten funktioniert oder erst Erfahrungen sammeln muß, ist dabei von gcringerer Wichtigkeit als die Schaffung der psycho logischen Voraussetzungen einer erfolgreichen Selbst- Verwaltung, die Anerkennung der selbstgewähÜen Autoritat und die Erkenntnis, daß ״irgendwie“ (um ein Wort des Reichskanzlers Luther zu gebrauchen) schließlich doch regiert werden muß. Es geht dabei nicht anders als durch Unterordnung minder wichtiger Interessen unter allgemeinere. Wenn es erlist wird, wenn wirkliche interessen auf dem Spiele stehen, dann erst hat sich der Patriotismus zu bewähren, dann erst zeigen sich die staatsbildenden Fähigkeiten. Die heutige Krise in Tel- Awiw sollte uns veranlassen, alle Schwierigkeiten dieser Aufgabe durchzudenken. Statt extreme politische Forderungen zu stellen, sollen wir dort, wo wir heute schon volle Freiheit und alle Möglichkeiten haben, uns zu bewähren suchen. Die Selbstverwaltung von Tel-Awiw ist ein Prüfstein für uns, ob die individualistischen Triebe oder die gemeinschaftsbildendcn Kräfte unseres Wesens die Oberhand behalten sollen. R. W. Herbert Samuel gebt nicht nach Palästina London, 15. Februar. (J. T. A.) Einige jüdische Zeitungen des Kontinents veröffentlichten Informationen von ״eigenen Korrespondenten“, wonach das britische Kolonialamt der geplanten Reise Sir Herbert Samuels nach Palästina mit Abneigung gegenübersteht und daß Sir Herbert gebeten wurde, die Reise zu unterlassen, da es nicht wünschenswert sei, daß ein früherer Oberkommissar als Privatmann ins Land zurückkehrt und sich dort ansiedle. Von zuständiger Stelle wird die Jüdische Telegraphen- Agentur autorisiert zu erklären, daß diese Mitteilung jeder G-c-Bi ’S!■*«» ü e U tofe *־tos» siehtigt nicht, in absehbarer Zelt Palästina zu besuchen, noch sich dort dauernd niederzulasscn. Wahr ist einzig und allein, daß sich Lady Samuel Anfang März zu einem kurzen Aufenthalt n,acI1 Palästina begibt, um sich mit ihrem Sohne Edwin Samuel, der in Palästina das Amt eines Distrikts-Beamten der Regierung bekleidet, zu treffen. Demonstration gegen Jiddisch in TeI*Awlw Tel-Awiw, 15. Februar. (J.T. A.) Gestern abend veranstaltete der l*oale Zion-Klub von Tel-Awiw den ersten jiddischen Theaterabend. Der Jugendbund für Schutz der hebräischen Sprache (Chewrath megineh häsafah) arrangierte vor dem Theatergebäude eine Protestkundfe b u n g. Mehrere Mitglieder des Bundes drangen in den heatersaal ein und versuchten die Vorstellung zu stören. Es kam zu großen Tumulten und zu ernsten Zusammen- Stößen zwischen den Mitgliedern des hebräischen Bundes und den Poale Zionisten. Polizei schritt ein und nahm auf beiden Seiten Verhaftungen vor. Unter dem Schutz der Polizei konnte die Vorstellung zu Ende geführt werden. (Mit Terror wird unseres Erachtens die hebräische Sprache in Palästina nicht befestigt. — A. d. R.) Die polnische Judentrage Wie die Warschauer Blätter berichten, wird am Freitag den 19. d. M., eine Sitzung der Minderheiten Sektion beim polnischen Ministerium stattfinden, die sich speziell mit jüdischen Angelegenheiten beschäftigen wird. Insbesondere werden die Einwendungen der jüdischen Deputierten gegen das Gesetzesprojekt über die Organisation des Handwerks, ferner die Forderungen nach Legalisicrung der Zionistischen Organisation und nach Erleichterungen der Zwangssonntagsruhe für Juden behandelt werden. Die Beschlüsse der Minderheitcnsektion habep lediglich die Bedeutung eines Gutachtens für die Regierung. Die Krise im jüdischen Sejrokiub Wie bereits gemeldet, hat die Fraktion der zionistischen Abgeordneten beschlossen, als Präsidenten des jüdischen Klubs den Abgeordneten Dr. Rosen bla It zu kandidieren. Abg. Schipper teilte für sich und den Abg. Grünbaum mit, daß beide i n d c!1 Klub wieder e i 111 r e t c n. Sodann fand eine Plenarsitzung statt, in der zunächst Abg. Reizes beantragte, zu den Sitzungen Vertreter der jüdischen Presse zuzulassen, da sie bisher nur auf eine zufällige Berichterstattung angewiesen waren. Dieser Antrag wurde jedoch mit 13 Stimme» der Misracbi und der Aguuah ab־ eich nt. Sodann beantragte Abg. Reizes den sofortigen intritt des Klubs in die Opposition, der durch die letzten Erklärungen des Unterrichtsministers Grabski in der Frage des Numerus clausus vollkommen berechtigt sei. Abg. Reich erklärte, daß der Klub vor allem eine Debatte über seine zukünftige Po 1 i t i k führen müsse, um auf Grund der daraus resultierenden Richtlinien den zukünftigen Präsidenten zu wählen. Auf Antrag des Abg. Schippe! wurde jedoch beschlossen, vorher die Wahl des neuen Präsidenten vorzunchmcn. Abg. Heller erklärte namens der Hitachduth, daß sie an der Wahl nicht teilnehmen und sich freie Hand Vorbehalten wird, Abg. Kirsel! braun er• klärte, daß die A g u d a 11 auf keinen Fall die Kandidat»! des Ab״. Rosenblatt unterstützen könne. Der einzige Aus• weg sei die Wahl eines Präsidiums aus 3 Mitgliedern Sollte jedoch der Klub einen Präsidenten wählen, so müßte die Agudah öffentlich erklären, daß die Wahl des Präsidenten nur von einem Teil des Klubs gebilligt werde. Abg. Reich erklärte in einer längeren Rede, daß es zur Zeit Pflicht der Opposition sei, die Führung des Klubs zu übernehmen. Er spreche sich gegen die Wahl des Dr. Rosenblatt aus und meint; im gegenwärtigen Momente habe der Führer der Opposition, Abg. Grün bäum, die Verpflichtung, die Präsidentschaft zu übernehmen. Er be antrage daher die Wahl des Abg. Grünbaum zum Präsidenten des Klubs. Hierauf wurde die Sitzung vertagt, um den einzelnen Gruppierungen Gelegenheit zu geben, zur Situation Stellung zu nehmen. Ans der Warschauer Gemeinde Die Repräscntantenversammlung der Warschauer jü* dischen Gemeinde hat nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Parteien endlich einen Vorstand aus 15 Repräsentanten gewählt, und zwar 7 Agudisten, 6 Zionisten und Misrachisten, 1 Folkist und 1 Bundist. Die Vereinigung der ״Polen mosaischer Kaufess i o 11“ überreichte der Regierung ein Memorandum, in welchen die Errichtung einer separaten religiösen Gemeind« für die Polen mosaischen Glaubens gefordert wird. Die For derung wird damit begründet, daß <Ee neugewählte und iett in Funktion getretene Repräsentantenversammlung der jüdi• scheu Gemeinde, jüdisch-nationalistisch gesinnt ist. ׳■; רף;;ץ- JÖwÄfäi* der ZionhU$^gattrteM ■ ■qU..!o Lemberg, 14. Februar. (J.T.A.) Heute wurde hier & Landeskonferenz der Zionisten Ost-Galiziens in Anwesenheit von 160 Delegierten sowie den zionistischen Deputierten und Senatoren Ost-Galiziens durcli Abg. Dr. Leon Reich eröffnet. Dr. Reich gab einen Ueberblick über die Lage des Zionismus in der Welt urnd in Polen und bedauerte es, daß die zionistische Bewegung angesichts des Mangels an Geldmitteln zu einem Geldsammel-Apparat geworden ist Die Führer befinden sich in verschiedenen Ländern. Trotzdem ist die Bewegung stark und besonders die Arbeit der Jugend läßt große Hoffnung auf die Zukunft erstehen. Nach Vorlesung der Begrüßungen der Londoner Exekutive, des zionistischen Oberrates in Warschau usw. wurde Dr. Schreiber zum Präsidenten der Konferenz gewählt. Dr. Schmorak und Dr. Leiser erstatteten den Tätigkeitsbericht. Es wurde eine 29gl!edrigc Permanenz- Kommission eingesetzt. Wie uns vor Schluß der Redaktion gemeldet wird, wurde Dr. Reich zum Präsidenten der Zionisten Ostgalizicns w i c d e r g e w ä 1111. Eine jüdische Dame in Ungarn hat beschlossen, ihr Haus zu verkaufen und 50 des Erlöses dem Keren Kajemeth Lejisrael zu stiften. Nr. Bei Dine. E ichwcr jüdisch! Ein klä Spricht!eicht g aolniscl wohl d uationa weiter und di eigener hältniss blem 1 besond Vcrglei und m scher Weise < Schule, schule die sie müsse tholiscl merken jüdisch schule es docl religiös doxen und jiM wie de Volksti Da in der ebenso ohne zösisch schickt Schule zu net Es jüdisch Gern eil der U in glei von d! nicht v Jugenc Juden!: dauern ehe i und rr tums : mocht, and m ¬ס *®Ssi Teil « kaum die re mäßig( gegeni schaff, jüdiset jenige dauern etwas liehen jüdiset Umga1 antisei 11 n jüdi! Mine ande■־׳־׳ geistig gegen jüdisd empfu Oskar Baom (Anläßlich seines Vortrages in Berlin am 25. d. M.) Oskar Baum, der blinde Präger Dichter, ist in Pilsen in der Tschechoslowakei geboren. Er lebte das gewöhnliche Leben des aufgeweckten Knaben, bis er bei einem Raufhandel in seinem 10. Lebensjahr das Augenlicht verlor. Er kam dann in die israelitische Blindenlehranstalt nach Wien und ließ sich nach deren Absolvierung in Prag als Organist und Klavierlehrer nieder. Bald erschien sein erstes Buch ״Uferd a s e i n“, das ihn mit einem Schlage berühmt gemacht hat. Seine, dichterische Produktion ermöglichte es ihm nach und nach, sich immer mehr der Dichtkunst zu widmen. Heute werden seine Romane gern gelesen, seine Novellen und Skizzen erschienen in vielen Zeitschriften Deutschlands, sein Drama ״Das Wundert' wurde an verschiedenen Theatern aufgeführt. Gerade in der letzten Zeit hat Baum einen interessanten Erfolg errungen. In dem Preisausschreiben der ״Münchener Neuesten Nachrichten“ und des ״Hamburger Fremdenblatts“ wurde sein neuester Roman, ״G F., der Abenteurer“, ausgezeichnet und zum Abdruck erworben. Oskar Baum ist in der Welt als der ״blinde Dichter“ bekannt. Das!nag zum Teil einen gewissen sensationellen Beigcschmack haben. Man interessiert sich dafür, wie ein Blinder die Welt ״sieht“, wie er die Welt, zu der ihm der wichtigste Zug3ng fehlt, gestalten kann usw. Es hat aber auch eine tiefe Bedeutung. Und cs sei gleich vorausgeschickt; wenn es des Menschen Aufgabe ist, seinem Schicksale Sinn zu verleihen, so hat dies der blinde Baum in wunderbarer Weise vermocht. Er hat seine Blindheit zur Quelle ungeahnter schöpfe risch er Möglichkeiten gemacht. Das ist das Herzerfreuliche an Baum, daß er ein großes Beispiel dafür ist, wie eines Menschen schöpferischer Wille sein Schicksal meistern kann, wie er den Widerstand zur Kraftquelle vom Negativen ins Positive zu wandeln vermag. Seine Blindheit zeigt sich in folgenden drei Elementen seines Schöpfens: Erstens in der Wahl seiner Themen, also das, worüber er schreibt; zweitens in seiner Darstellungskunst, das ist darin, wie er schreibt, und drittens in tiefliegenden Problemen, aus denen heraus er schreibt. Oskar Baum behandelt sehr viele Themen aus dem Leben der Blinden. Sein, erstes Buch ״Uferdasein“ 1908 erschienen, ein Novellenkreis, ein Buch, das bei seinem Erscl1einen großes Aufsehen erregte, bringt in ganz neuartiger Form Szenen aus dem Leben, aus dem Seelen- und Liebesleben der Blinden. Sein großer Roman ״Leben im Dunkeln“ spielt in der Blindenanstalt und schildert seine eigene Entwicklung. Später machte sich Baum vom Blindenthema frei und behandelte Themen allgemeinen Charakters in den Romanen: ״Memoiren der Marianne Rollberg“, ״Die böse Unschuld“ u««•. D־s Flh-r!׳-'••''׳'׳’■’ da״n wieder die Romane: ״Die verwandelte Welt,“ ״Die neue Wirklichkeit“ und ״Ein Versuch zu leben“. Was die Erzählungskunst Oskar Baums betrifft, so spielt gerade hier seine Blindheit eine hochinteressante, kunstfördernde Rolle. Gerade weil Baum dieser wichtige Sinn fehlt, dringt er mit den übrigen Sinnen viel tiefer ins menschliche Gefühl hinein. Dieser Blinde sieht Dinge, die ein Sehender nicht sieht Er hört in seiner Finsternis* was im Geschrei des Lichtes verloren geht Es ist ein ganz neues Reich des Lebens, welches dieser feinfühlende, aufmerksame, beobachtende Blinde der Kunst erschließt. Was riun die Problematik Baums betrifft, so war es zuerst die Blindheit das Schicksal der Blinden, das ihn beschäftigte. Er löste dieses Problem in einer wunderbaren, lebensfreudigen, mutigen Weise, die für ihn ganz typisch ist Ganz kurz ausgedrückt: er kämpft für den Blinden als Vollmenschen. Nicht die Wohltätigkeit der anderen soll die Lebensgrundlage des Blinden sein, wie bisher, sondern sein eigener Wille auch unter den schwierigsten Verhältnissen im vollsten Sinn Mensch zu sein, kämpfender, denkender, hebender Mensch. Sein erstes Buch führt das für den Bünden $0 stolze Nietzsche-Wort als Motto: ״Mitleid ist etwas, was überwunden werden muß“. Er tritt dafür rin, Blinde ni$ht gegen die Außenwelt abzusperren, sondern sie mit der rauhen Luft der Wirklichkeit und des feindlichen Lichtes sich durchkämpfen zu lassen. Manche Episode seiner Werke zeigt den mutigen Lebenskampf des Blinden, so die Novelle: ״Die Gefahr“, welche eine Bergbesteigung des Blinden schildert, oder die Novelle: ״Das fremde Reich“, die ein Liebesabenteuer eines blinden Jünglings beschreibt. Baum hat heute in seinen Werken das Problem der Blindheit verlassen und sich den allgemeinsten Menschheitsprobiemen zu gewandt. Auch hier ist aber der Wille des Menschen sein Urprobleni. Was vermag der Mensch? Vermag er das ״Unmögliche?“ Vermag er sich selbst umzugestaiten? Ist ״Das Wunder“ des umschaff enden, weltverändernden Willens im Menschen möglich? Diese Frage behandelt sein Drama: ״Das Wunder“, und sein Roman ״Die Tür ins Unmögliche“. ln vielen Essays setzt sich Oskar Baum mit dem Problem des Juden auseinander, er hat sich in den Seelenkämpf des modernen Juden vertieft, tritt für den Aufbau Palästinas und für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache rin. Er ist rin gerngesehener Gast am Vortragstisch in der Tschechoslowakei und in Deutschland und behandelt gerade hier meist aktuelle jüdische Fragen in feiner psychologischer Weise. Obwohl er seine Vorträge vom Braille-Manuskript mit den Händen abliest, fesselt er seine Zuhörer durch Temperament und Intensität seiner Darlegungen. Auf jeden Fall werden die Besucher seines Vortrags einen interessanten Menschen, einen feinen Dichter, einen schöpferischen Juden kennen lernen. Felix Wcltsch, Wie aus Paris gemeldet wird, pilgerten am 17. d. M., da. sich der Todestag Heinrich Heines zum siebzigsten Male (ährte, Tausende zum Grabe des Dichters auf dem Montmartre-Fried• hof. Die große französische Presse wies in den letzten Tagen durch Artikel und Notizen auf den Gedenktag hin. Ein Vertreter der deutschen Botschaft in Pari י legte im Namen der deutschen Regierung einen Kranz aut das Grab des Dichters nieder. Große bes! alle jüdi 1. I (1• D zweife Der 1 liehen ragen« auf ji fallen Juden, sind schwa Bcitra samts! Uei ei daß d Mater Verfa! subjel das n jedem!st ni! ge sch: je na« und h keit i Verdi! aufgei aller Mater haben an di runge {!unkt liegen