Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-02-16 · Heft 13 (16.2.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 13 (16.2.1926)
Date
1926-02-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652798--18063-2675789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

r. 18 1) verckutive Organ!״ ick auf :?e und 1d sich Periode 11g der iurellcn e, und ■vo die 1, sonwerden ite auf verden, Artikel Organ i- ,'11 und I fährt 1 Zeit- Arbeit tischen r 11 a 11 ri regt Arbeit :*11t zu aunng, ringen, t eine .indert- )rganimiiteln reicher 3rganiin der 1c und rakters verden ntrum, nicht irklärt, isation kann, ' zum Die ä ■den eichen ׳, um n kling länger ärken, I Ult• fi cJ e n;d für ht, in n Ort i o n:!enden aus- Segen d .,und ,1 iiiitfeft ׳* * Atmo- ■t vero p e- 1 ver-;!eichiscre. tinen- »pten, rteien des sition a n - Regevorägypiläsk- A n - t i o - rider- :niitiir/en. ״El 11/igc Pa- ׳• die ' Irak sehen eben, onalennt. mmt, id 13! Ihn 1 Sir Nastimiwsohl- 1 ber ä 1 - t i o - recht :reit-;gen, beurch noch a b - iften doch e n - helützt i n f e n dl-•; n. für, 13 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite W Die Krise im (Mischen SefmUnb Warschau, 11. Februar. (J. T. A.) Der Oberrat der Zionisten Polens hat seine Beratungen beendet. Es wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Oberrat wird nach wie vor über Einhaltung strengster Disziplin und Befestigung der Einheitlichkeit aller Zionisten Polens wachen. Der Oberrat stellt fest, daß politische Mandatare der Organisation über ihre Mandate nur in Uebcreinstimmung mit den zentralen Parteiinstanzen verfügen können. Im Einklang damit wird Abg. Dr. J. Schipper aufgefordert, wieder in den jüdischen Klub c i 11 z u t r c < e 11; sein und seiner Genossen Verhalten in der Klubsitzung vom 3. Februar wird mißbilligt. Der Oberrat spricht Dr. Reich und Genossen die Unzufriedenheit wegen ihres Ausscheidens aus dem Oberrat aus und fordert sie zum Wiedercintreten aut. Abg. J. Gr ü%! bäum wird aufgefordert, in den Jüdischen Klub wieder ein zutreten. Der Rücktritt Dr. Reichs vom Präsidium des Jüdischen Klubs wird akzeptiert, die zionistische Fraktion wird aufgefordert, die Frage der Wahl eines Kandidaten für die Würde eines Klubpräsidenten sofort zu erwägen. Der Oberrat beschließt, für den 7. März d. J. nach Warschau eine Konferenz der Vertreter der Zionisten ganz Polens einzuberufen. Beilegung der Krise Warschau, 12. Februar. (J. T. A.) Abg. Dr. Schipper hatte bekanntlich seinen Austritt aus dem jüdischen Sejmklub erklärt, als der Klub sein Mißtrauensvotum gegen das Präsidium abgclelint und seiner und seiner Parteigenossen Forderung, eine entschiedene oppositionelle Stellung zur Regferung Skrezynski cinzunehmen, nicht Folge leisten wollte. Gemäß dem Beschluß des zionistischen Oberrats hat nunmehr Dr. Schipper erklärt, daß er wieder in den Jüdischen Klub cintritt. Dagegen erklärten der bisherige Präsident und der Vize- Präsident des Klubs Dr. Leon Reich und Dr. Rosmarin, daß sie der Aufforderung des zionistischen Oberrats, in den Oberrat wieder einzutreten, nicht Folge leisten können. Sie meinen, der Oberrat habe sich als ohnmächtig erwiesen, die zionistischen Mitglieder des Parlamentsklubs zur Disziplin anzuhalten. I>r. Reich und Dr. Rosmarin sind auch der heutigen Sitzung der zionistischen Fraktion des Jiidiseben Parlamentsklub ferngeblieben. Der Jüdische Klub hielt heute unter dem Vorsitz des Abg. Farbstein (Misrachi) eine Sitzung ah, Hauptpunkt der Tagesordnung war die Wall! eines Präsidenten und eines Vizepräsidenten des Klub anstelle der zurückgetretenen Dr. Reich und Dr. Rosmarin. Es kam jedoch nicht zur Wahl, da sich die Notwendigkeit ergab, den einzelnen Frak■ t i o n e n des Klubs Gelegenheit zu geben, in separaten Sitzungen zur Frage der Präsidiumswahl Stellung zu nehmen. Die Wahl wurde auf die nächste Sitzung des Klubs verschoben. Da es nun feststeht, daß Dr. Leon Reich nicht mehr Präsident des Klubs sein wird, erwartet man mit Bestimmtheil, daß Abg. J. Orünbaum, der bekanntlich schon zur Zeit des Abschlusses des polnisch-jüdischen Abkommens zum Protest gegen dieses Abkommen seinen Austritt aus dem Jüdischen Klub erklärt hat, nunmehr der Aufforderung des zionistischen Oberrats Folge leisten und in den Klub zurück- ׳; fceb r״e 11 wird. Aus Warschau wird gemeldet, daß nach dem endgültigen Rücktritt Dr. Reichs als Obmann des jüdischen Sejmklubs es dem zionistischen Oberrat gelingen wird, die Einheit des Klubs wieder herzustellen. Die Abgeordneten Orünbaum, Schipper, Hartglas, sowie Senator Körner sollen vor ein Parteigericht wegen Diszi■ plinbruches gestellt werden. Minister Grabski and der Numerus clausus Warschau, 12. Februar. (J. T. A.) In der gestrigen Sejm-Sitzung beantwortete Unterrichtsminister Grabski die Interpellation der jüdischen Abgeordneten betreffend die Beschrankungcn, denen die jüdischen Studierenden in Polen ausgesetzt seien. Der Minister führte aus, die Klage über Numerus clausus sei unberechtigt: die Fakultäten sind von der!Regierung bevollmächtigt, die Höchstzahl der Studierenden jeder Fakultät festzusetzen und darüber hinaus Anmeldungen zurückzuweisen. Sie dürfen sich bei diesen Zurückweisungen aber nicht von nationalen und religiösen Motiven leiten lassen. Die Klagen über Numerus clausus stehen auch mit den Tatsache n i 111 Widerspruch. Laut der Statistik über das Schuljahr 1925/26 betrug der Prozentsatz der jüdischen Studierenden an vier Universitäten (ausschließlich der Posencr Universität) 34,2 bis 38,8 Prozent. An der Posencr Universität studieren wenig Juden, weil sich dort wenig anmelden. Am Warschauer Polytechnikum studieren 6,7 Prozent, am Lembergcr Polytechnikum 22,6 Prozent, an der tierärztlichen Akademie zu Lemberg 10,9 Prozent Juden. An der Berg-Akademie und der Kunst-Akademie in Krakau meldeten sich nur wenig Juden an. Zieht man in Betracht, daß die Juden in Polen 10 Prozent der allgemeinen Bevölkerung ausmachen, so kann von einer Benachteiligung der jüdischen Studierenden nicht die Rede sein. Unter den Studenten, die sich mit Bewilligung der Behörden zwecks Studiums ins Ausland begeben haben, waren 45 Prozent Juden (936 von 2062). Steiger bat Pale■ verfassen Warschau, 10. Februar. (J.T.A.) Stanislaw Steiger ist heute in das Ausland abgereist. Maßgebende Lernberger Personen hatten ihn im Hinblick auf die vergiftete Atmosphäre in der Hauptstadt Ostgaliziens davor gewarnt, in diese Stadt zurückzukehren, wo er jederzeit Insulten oder noch Schwererem ausgesetzt sein kann. Stanislaw Steiger ist am 12. d. Mts. in Wien eingetroffen. Wiedererseheinen des ״Hajo■“ Warschau, 10. Februar. (J. T. A.) Die große hebrätsche Tageszeitung ״Hajom", die einzige hebräische Tages- Zeitung außerhalb Palästinas, die vor einigen Tagen wegen finanzieller Schwierigkeiten ihr Erscheinen entstellen mußte, hat heute wieder" zu erscheinen begonnen, nachdem die schwebenden Angelegenheiten geregelt und die materieüe Position der Zeitung sichergestellt worden ist Der ADttsemittimns In Rumänien Bukarest, 8. Februar. (J.T.A.) Der Verband der Juden Alt-Rumäniens ״Oniunea Evreilor Romani“ hat beschlossen, anläßlich der kommenden Gemein dcwahlen einen Aufruf an die rumänischen Juden zu richten, nur diejenigen Parteien zu unterstützen, deren Programm und Taktik von Antisemitismus vollständig frei sind. Bekanntlich hat ein nationalistischer Abgeordneter in der Kammer wegen des Aufrufs des Verbandes rumä« nischer Juden gegen die von der Regierung geduldeten Exzesse interpelliert und eine Bestrafung der führenden Männer des Verbandes gefordert, weil sic unbewiesene Behauptungen aufstellten. Der Verband erläßt nun eine Erklärung, in welcher eine parlamentarische Enquete gefordert wird. Sollten sich die Behauptungen des Verbandes nicht bewahrheiten, so müssen seine Führer bestraft werden, wenn sich aber herausstellt, daß tatsächlich in den unaufhörlichen Exzessen zahlreiche Jude» verletzt und jiidischcs Vermögen vernichtet wurden, so mögen die Schuldigen bestraft und die Schäden ersetzt werden. Bukarest, 9. Februar. (J.T. A.) Fine Abordnung jüdischer Studenten unter Führung des Präsidenten des Verbandes rumänischer Juden, Dr. Fildermann, und des Präsidenten der Bukarestcr Jüdischen Gemeinde, Eli B e r e o - v i c i, erschien bei dem Staatssekretär im Innenministerium, Tatarcscu, der für die öffentliche Sicherheit verantwortlieh ist, und ersuchte um durchgreifende Maßnahmen gegen die unaufhörlichen Ucberfällc auf jüdische Studenten. Herr Tatarcscu versprach mit halbem Mumie, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Als ihm aber entgegengehalten wurde, daß alle seine diesbezüglichen Vcrsprechungen bisher unerfüllt geblieben sind, antwortete Tatarcscu wörtlich: ״Ich kann gar nichts machen. Polizei und Gendarmerie sind eben antisemitisch gestimm t.“ Bukarest, 9. Februar. (J.T. A.) Die Bukarestcr Arbeiter-Syndikate hielten eine Massenversammlung ab. in der die folgende Resolution angenommen wurde: ״Die Versammlung verurteilt die barbarischen Angriffe faszistischcr Antisemiten gegen die jüdischen Studenten und sieht darin einen Angriff auf die Bildungsfreiheit.“ Bukarest, 12. Febrtlar. (J.T.A.) Der ans angcsebenen Intellektuellen der Stadt Bukarest sich zusammensetzende Verein ״Unirea“ veröffentlicht in den Zeitungen einen scharfen Aufruf gegen die Malträtierungen der jüdischen Studenten. Die Zeitung ״Lupta“ greift scharf den Unterrichtsminister Anghelescu an und schreibt, er trage direkte Schuld an den unaufhörlichen Studentenunruhen; er favorisiere die antisemitische und tas/istisehe Studentenschaft. Als der Senat von Jassy einige studentische Exzendcnteii ausschloß, brach Anghelescu die Univcrsitätsautonomie und befahl, daß die antisemitischen Studenten wieder aufgenommen werden. Ebenso hat Anghelescu in der Frage des jüdischen Professors Reiner gegen den Willen des Senats den Forderungen der antisemitischen Studenten nachgegeben. Oie RabMier-KoiIerm in Polen Vorigen Montag wurde in Warschau die Konferenz der Rabbiner ganz Polens eröffnet. Es erschienen mehr als 350 Stadtrabbiner und mehrere Chassidiin-Rabbis aus allen Teilen Polens. Die Sitzung wurde mit einer Begrüßungsrede des Rabbi Liffschitz (Kalisch) eröffnet, woraufhin der Vertreter des Unterrichtsministers, Adelsberg, im Namen der Regierung erklärte, das Ministerium stehe auf dem Standpunkt der religiösen Gemeinde und werde sich bemühen, die Lage der Rabbiner zu verbessern. Die Regierung erhofft von der Rabbiner-Konferenz Unterstützung in der Durchführung ihres Programms. Es sprachen noch Abg. Färb■ stein als Vertreter des Jüdischen Klubs, und Abg, Kirsch■ bäum als Vertreter der Agudah. In der nächsten Sitzung wurde vom früheren Präsi■ dium des Rabbiner-Verbandes der Bericht über die vier■ jährige Tätigkeit seit der ersten Rabbiner-Konferenz er■ stattet. Der Rabbiner von Lipno, Abg. Brot (Misrachi), kritisierte sehr schart die Tätigkeit der Verbandsleitung, sowohl mit Bezug auf die Stärkung der religiösen Position, wie auch mit Bezug auf die Besserung der Lage der Rabbiner. Ihm enviderie der Vorsitzende Rabbi LIffschitz, der, die technischen Organisationsmängel schilderte und die Rabbiner aufrief, ihre Kräfte dein Verbände zur Verfügung zu stellen. In dem gleichen Sinne sprach Rabbi Meir Pilccki (Ostrow). Schließlich wurde dem bisherigen Vollzugskomitee das Vertrauen ausgedrückt. In der 4. Sitzung der Konferenz der polnischen Rabbiner referierte Abg. Rabbiner Lewin über jüdisches Gemeindewesen Es wurden auf seinen Antrag die folgenden Beschlüsse angenommen: Die Bcteiligungder Frauen an den Wahlen in die Gemeindeverwaltung ist vom religiösen Standpunkt verboten. Der Rabbiner hat das Recht, jeden gegen das jüdische Gesetz verstoßenden Beschluß einer Gemeinde Verwaltung aufzjjheben. Die Rabbiner müssen an den Sitzun gen der Gemeindeleitung teilnehmen. — Abg. Rabbi Schapira referierte sodann über die Frage der Schecnita. Nach der Verlesung einer Bcgriißungsdepesche des be rühmten Rabbi ״Chotez Chajim“ hielt der Ostrower Rabbiner Meir-Dan Flockigem Referat über die schwere materielle Lage der polnischen Judenhcit. Dann wandte er sich scharf gegen Rabbi 'Stephen S. Wise wegen seiner be kannten Aeußerungen über Jesus und beantragte, die Konferenz möge schärfsten Protest gegen Wise ausspreclren, sowie gegen das Buch Klausners über das Leben Jesu dessen sieh die Missionare bediene». Bei Erwähnung des Namens Wise standen alle Rabbiner auf und riefen: ״jimasch 1 schemo!“ (ausgelöscht werde sein Name). — Die Konferenz, nahm eine Reihe die religiöse Erziehung betreffenden Bc Schlüsse an. Die traditionelle jüdische Cheder-Er Ziehung und das J e s c h i w o h w e s e n wurden als die höchste Stute jüdischer Erziehung proklamiert und das gesamtc Judentum aufgefördert, die Thora-Institute zu stützen. Eine Resolution der mis rachjstischen Rabbiner, der Exekutive des Rabbinerverbandes das Mißtrauen auszudrücken, wurde abgefeimt. Die Rabbinerkonferenz richtet; an den Präsidenten Coolidge eine Depesche mit dem Ersuchen, 800 jüdischen Familien in Polen, deren Ernährer in den Vereinigten Staaten leben, die Einreise nach Amerika zu gestatten. Schließlich befaßte sich die Konferenz mit dem Schicksal der zahlreichen verlassenen Frauen (Agunoth), deren Minner teils in Amerika, teils in Sowjetrußland leben, zum Teile jedoch verschollen sind. Die Schließung der DelUner-Fahrlk Herr Otto Weiß, Gesellschafter der Pernauer Zwirnerei und Strickgarnfabrik־ Otto Weiß, schreibt der ״Wiener Morgenzeitung‘': Der vorgestrige Artikel der ״Wiener Morgenzeitung“ über die Stillegung der Seidenfabrik Dclfincr in Tel-Awiw hat in hiesigen Fachkreisen nicht unberechtigtes Aufsehen erregt. Der Tenor der Angaben des Herrn Delfiner klingt dahin aus. daß das geringe Entgegenkommen der Stadtgemcin.de in Tel-Awiw, die Abschaffung der Akkordarbeit und die Nichtherabsetzung des läprozentigen Zolles auf Rohseide ihn in die Zwangslage versetzt habe, sein Unternehmen zu schließen. Ich will nun in Kürze für den Laien verständlich darzustellen versuchen, daß bei der Gründung und Errichtung dieser Fabrik diese Umstande Herrn Delfiner bekannt sein m u ß t e n. Ich hatte vor zirka drei Jahren Gelegenheit, Herrn Delfiner kennen zu lernen, welcher damals Mitchef eines geachteten Privatbankhauses in Wien war, im Textilfach und speziell in der Seidenbrauche aber ein vollständiger Laie war. Er hatte damals verschiedene Gründtingskleen für Palästina und besprach diese mit mir und frtig mich um meinen Rat. Hätte er mir zu diesem Zeitpunkte mitgctcilt, daß er eine Seidenw a r e 11 w eberei in Tel-Awiw zu gründen gedenke, so hätte ich ittm davon unter allen Umständen abgeraten, da die Grundläge für eine Seidenweberei in Palästina im jetzigen Zeitpunkte in 1 re/ Israel noch nicht gegeben erscheint. Ilm sich unabhängig vom Auslände bezüglich des Rohmaterials zu machen, wäre es in erster Linie notwendig, daß Maulbeerbäume auf große Flächen Landes angebaut werden, um Seidenraupen zu züchten, dann käme erst eine Seidenspinnerei und erst nach diesem Zeitpunkte könnte der Gedanke zur Gründung einer Seidenweberei erwogen werden. Die palästinensischen Textilunternehmer kranken meistens daran, daß sie europäische Verhältnisse für Palästina als gegeben erachten, die Unternehnmngen in zu großem Maßstabe gründen und so einen H a u p t k a 1 k 111 a t i o 11 s f e h I e r machen, nämlich nicht zuerst den Absatz f e s t / u s t e 11 e 11, sondern produzieren und dann bei fehlgdien das Land und die Verhältnisse verantwortlich machen. Die Seidenweberei Delfiner ging am 29. Februar 1925 in Betrieb. Ich w׳ar zugegen, als der erste Stuhl eingestellt wurde. Ich äußerte, als ich 20 Stühle montiert sali, Herrn Delfiner gegenüber, der mich befragte, meine pessimistischen Ansichten bezüglich des Absatzes, doch war Herr Delfiner Optimist und versprach sich viel vom Exportgeschäft. Zwanzig Stühle erzeugen mindestens 400 Meter Ware pro Tag, so daß das kleine Palästina mit seiner geringen und nicht kaufkräftigen Bevölkerung als ausschließliches Absatzgebiet nicht ins Kalkül gezogen werden konnte, da die Araber als Käufer kaum in Frage kommen. Mit dem Export mußte es selbstverständlich so kommen, wie dies jeder Fachmann gleich voraussetzen konnte, daß Aegypten und Syrieif aus dem nahen Italien und aus Lyon, ihren alten Einkaufsgebieten, sich weiter versorgen werden, da ja das Rohmaterial von Herrn Delfiner aus Italien bezogen werden mußte. Der italienische und französische Seklcnweber hat aus seiner jahrzehntelangen Erfahrung und Amortisierung seines Betriebes vor der palästinensischen Weberei die billigere Produktion voraus, ganz abgesehen davon, daß er das Rohmaterial bei der Hand hat, welches nicht durch hohe Frachten, Ver- Sicherungen usw. verteuert wird. Dazu kommt auch in letzter Reihe der teure Arbeitslohn in Palästina, der aber bei Seide nur 4 Prozent der ferti!?gestellten Ware ausntacht. Kurz zusammengefaßt, war die Gründung einer Seidenweberei viel zu verfrüht und wird auch so lange in Palästina nicht rentabel sein, als nicht eine kaufkräftige Bevölkerung im Lande wohnt und das Rohmaterial aus dem Lande gewonnen werden wird. Ich stimme daher vollständig mit Herrn Heinrich Margulies überein, daß die frühzeitige Schließung der Seidenweberei ausschließlich in der Person des Unternehmers begründet war. Nachdem sämtliche Stühle erst am 15. März 1925 in Betrieb gesetzt wurden, der Betrieb aber schon Ende Dezember stillgelegt wurde und achteinhalb Monate eine viel zu kurze Zeit sind, um ein neues Unternehmen auf seine Rentabilität zu erkunden, war das Scheitern ausschließlich in der Person des Herrn Delfiner gelegen. (Der letzte Absatz scheint uns freilich im Widerspruch mit den übrigen Ausführungen des Herrn Weiß; denn wenn er selbst nachweist, daß die Voraussetzungen für eine prosperierende Seidenfabrikation in Palästina nach seiner Meinung noch nicht gegeben waren, so heißt das, daß das Sehetfern des Versuches an objektiven Umständen und nicht nur an der Person Delfiners lag. Herr Margulies wollte, wie wir ihn verstanden, mit seiner Bemerkung gerade betonen, daß der Betrieb der Fabrik durchaus zufriedenstellend war, jedoch außerökonomische psychische Momente den Zusammenbruch bewirkt haben. A. d. R. ״J. R.״.) Jerusalem, 3. Februar. (P.C.) Die polnische Regierung hat dem Kuratorium der Hebräischen Universität durch ihren Konsul in Jerusalem mltteilen lassen, daß den an der Hebräischen Universität immatrikulierten polnischen Studenten gestattet wird, ihre Militärdienstzeit bis zum Alter von 26 Jahren zuröckzustellen, Mr< O. E. d’Avigdor Goldsmid wurde zum Präsidenten der Angio Jewish Association wiedereewlhlt. Mr. Goldsmid ist bekanntlich auch Präsident des Jewish Board oi Deputies, Die Schriftsteller, Künstler und intellektuellen Führer Erez-Israels werden am 1. Adar (14. Februar) in Kiriath Anawim eine Konferenz abhalten. Bei der ersten derartigen Konferenz im vergangenen'Jahre erließen die Teilnehmer an alle ihre Genossen in der Diaspora einen Aufruf, zugunsten des Keren Kajemcth zu spenden. Der Dekgiertentag des Volksverbandcs der Juden für die Slowakei findet am 21, Februar d. Js. in Zilina statt Oie Arbeitslosigkeit in Palästina Im Gemeinderat von Haifa wurde auf Veranlassung der Arbeiterfraktion über die A r b e i t s 1 a g e gesprochen. Es wurde beschlossen, mit den verschiedenen Institutionen und Organisationen in Haifa Rücksprache zu nehmen und die Durchführung der geplanten öffentlichen Arbeiten zu beschleunigen. Der A r b e i t e r r a t Haifa beschloß, zur Hilfe gegen die Arbeitslosigkeit eine eigene innere Anleihe aufzulegen. Jeder einzelne Arbeiter, der regelmäßig arbeitet, ist verpflichtet, sich mit drei Pfund an dieser Anleihe zu beteiligen, diejenigen, die nur zeitweilig arbeiten, mit zwei Arbeitstagen. Das hierfür aufgebrachte Geld soll zur Durchführung eigener öffentlicher Arbeiten benutzt werden. Der Arbeit er rat Jaffa beschloß erfreut, daß alle diejenigen Chawerim, die feste Arbeit haben, sich an der Mobilisierung der Arbeitstage beteiligen müssen. Die Ledigen müssen vier Arbeitstage, die Verheirateten zwei Arbeitstage im Monat zur Verfügung stellen. Weiter, wurde beschlossen, daß die sofortige Hilfe für die Arbeitslosen möglichst in der Form der Arbeitsbeschaffung vor sieh gehen müsse. Die Wasserversogung Jerusalems Die englische Firma John Jackson Ltd. hat eine Teilkonzession für die Legung einer Wasserleitung in Jerusalem erhalten. Ein Vertreter der Firma ist bereits zu Studknzwecken nach Jerusalem abgereist. Die Kosten der Wasserleitung sollen sich auf 750000 Pfd. belaufen. Palästinensisches Gemüse in Wien Wien, 11. Februar. (J. T. A.) Heute ist durch Vermittag des Hamaschbir die erste Crcmiise-Sendung aus Palästina auf dem Wiener Markt erschienen und fand eine gute Aufnahme. Die Ware wird als ״Orientalisches Frühgemüse“'‘ in den Handel gebracht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.