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Jüdische Rundschau · 1926-02-12 · Heft 12 (12.2.1926) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 12 (12.2.1926)
Date
1926-02-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 88 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. IS ***%« Eine IQdiscbe VQlkerbnnitliga? Von Dr, Oskar Karbach, Oeneralsckrctar-Slctb crtrder der Jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich.*) Vor einigen Wochen habe ich in einer jüdischen Zeitung des Deutschen Reichs das Problem einer Jüdischen Völkerbundliga für Deutschland zur Diskussion gestellt: ich habe «ich in Erkenntnis der sicherlich auch im gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vollkommen ׳überwundenen Schwierigkeiten auf diesem Gebiete wohlweislich gehütet, die sofortige Konstituicrung einer derartigen Liga unter allen Umständen anzuraten, wozu mir auch, wie ich ausdrücklich hervorhob, die Legitim• äio1־ fehlen würde. Wenn überhaupt, so verlangt dieses Gebiet auch im bewußten Judentum eine gewisse Respektierung der Landcsgrenzcu, Der ,,Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hat nun in seinem Organ zu meinem Artikel Stellung genommen: das ist begrüßenswert, zumal cs in korrekter Form geschieht und jedenfalls der oft geübten Verschweigetaktik Dei weitem vorzuziehen. Bet der politischen Ein- Stellung des Centralvereins ist cs auch nicht verwunderlich, wenn er den Gedanken einer jüdischen Völkerbundliga für Deutschland a limine ablehnt. Ehe freie Aeußerung politischer Ansichten und Ueberzeugungen muß überall frei sein und geachtet werden. Weniger kann man sich jedoch mit der Argumentation des C.-V. befreunden: Der Titel ״Ein überflüssiges Bemühen“ wird dadurch zu erklären gesucht, daß die Leser des C.-V.-Organes Mitteilung davon erhalten, daß _es eine ״Deutsche Liga für Völkerbund“ unter dem Vorsitze des Grafen Bernsdorff gibt, deren Vorstand auch Herr Dr. Paul Nathan angehört. Hierauf wird, nur in kürzerer Form, wiederholt, was ich über die gegenwärtige und die vermutliche zukünftige Bedeutung dieser Liga gesagt habe, um schließlich zu der Feststellung zu gelangen, daß es ״Besondere deutschjüdische Interessen, die beim Völkerbund (!!) zu vertreten wären“ nicht gibt und daß ״Tendenzen, die um jeden Preis für jüdische Interessen immer besondere On;,;:1e schaffen wollen, nicht nur als überflüssig, sondern auch als gefährlieh bezeichnet werden müssen.“ So weit, so gut. Immerhin sind einige sachliche Worte a« Platze, die sich nicht gegen das Resultat der Erwägungen des C.-V., sondern gegen seine Art zu argumentieren wenden, die hier typisch scheint. Weiten Kreisen des Judentums — — sie sind nicht bloß auf die Anhänger der Tendenzen des C.-V. beschränkt! — — Ist die Fälligkeit abhanden gekommen, irgendeine Erscheinung des öffentlichen Lebens anders zu betrachten als unter dem Gesichtspunkte des Abwehrkampfes gegen den Antisemitismus, des bedrohten jüdischen Rechtsgutes. Ich denke, daß das bewußte Judentum sich in seinem Eintreten für jüdische Interessen nichts vorzuwerfen hat, immerhin muß cs seine Aufgäbe sein, damit aufzuhören, alles nur durch diese Brille zu sehen. Jüdische Völkerbundligen sind gewiß wertvolle Hilfsmittel, das öffentliche Gewissen der Welt auf Rechtsbeugungen, begangen am Juden, hinzuweisen: aber es geht doch wohl nicht an, daß ein offizielles jüdisches Organ von einiger Bedeutung eine Frage dieser Wichtigkeit ausschließlich von diesem Standpunkt aus betrachtet! Daß Völkerbundligen überhaupt dazu dienen sollen, irgendwelche Interessen beim Völkerbunde (!!) selbst zu vertreten, ist jedenfalls ein Novum, für das die Welt dem C.-V. dankbar sein muß. Da Deutschland schon lange über eine sehr rührige Liga verfügt, so ist ja cigentlieh Locarno vollkommen überflüssig gewesen, denn die aeutsehen Interessen beim Völkerbünde hätte ja bisher schon diese Liga wahrnehmen können I .י. ... Nein, meine Herren,, die Ligen, sind .vielmehr, .*die, Örganisationen der Freunde des Volkerbundgedankens; die ihn fördern, verbreiten, popularisieren und seine Anerkennung im öffentlichen Leben durchsetzen wollen. Ich habe mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß das jüdische Element, ohne Rücksicht auf seine sonstige politische Einstellung, ein wertvoller um nicht zu sagen der wertvollste, weil ehrlich pazifistisch gesinnte und über den Durchschnitt intelligente Mitarbeiter werden kann und ihm diese Fähigkeit von den Gleichgesinnten aller Nationen vollkommen diskussionsios zugestanden wurde. Ich arbeite seit mehreren Jahren in unserer Liga und habe zwei Plenarversammlungen als Delegierter beigewohnt, ohne die geringste Erschwerung der Kooperation, Behinderung der jüdischen Liga oder Negierung des ׳nationalen Charakters derselben wahrzunehmen. Nach der Auffassung der Kreise, die dem C.-V. nahestehen, wäre also denjenigen jüdischen Elementen, die der Völkerbundsache dienen wollen, der Eintritt in die ,״Deutsche Liga für Völkerbund“ nahezulegen. Ich zweifle nicht, daß es zumal nach Locarno in Deutschland viele Juden gibt, die dem Werke der großen Versöhnung aktiv dienen und au der allmähl.e‘:e!1 Verbesserung des gewiß reformbedürf־ tigen Völkerbundes mithelfen wollen. Ich stelle nun, da der C.-V. auf diesem Gebiete harthörig zu sein scheint, nochmals und klar die Frage: Was würde dem Völkerbundgedanken und dein Judentum im Deutschen Reiche im gegenwärtigen Zeitpunkt mehr schaden und verübelt werden: eine jüdische Völkerbundliga für Deutschland oder eine ״verjudete“ [Kutsche Liga für Völkerbund?? Ich glaube die Antwort wird nicht schwer fallen. Wäre also die Antwort auf meine letzten Ausführungen sachlich ausgefallen, so hätte die Argumentation des C.-V. bei vollster Wahrung seines Standpunktes folgendermaßen lauten müssen: 1. Die deutschen Juden haben sich um den Kampf pro und contra Locarno nicht zu kümmern, 2. Wenn aber ja, ist ihr Ratz in der ״Deutschen Liga für Völkerbund“, wodurch die Popularität des Völkerbundgedankens im Deutschen Reiche und die Beliebtheit des jüdischen Elementes in der deutschen Gesellschaft außerordentlich steigen würde. Ich überlasse es dem C.-V. diese beiden Thesen zu verleidigen, muß es aber ablehnen, daß ein aus meiner Feder stammender Aufsatz auch bei einem sachlich denkenden Gegner überhaupt den Gedanken erwecken konnte, daß die Propagierung jüdischer Völkerbundligen ausschließlich und unter gröblicher Nichtachtung ihrer statutarischen Ver* pflichtungen dazu dienen solle, nur wieder eine ״Interessen- Vertretung“ zu werden. Im übrigen überlasse icli es dem gesunden Urteil der Öffentlichkeit, wer in diesem Falk der Repräsentant des ״Ghettogeistes‘' ist. Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem bittet Gesinnungsgenossen, welche im Besitze alter ahrgänge der ״Neuen Zeit“ und der ״S o z i a I i s t i - «eben Monatshefte“ sind, diese der Bibliothek 7um Geschenke zu machen. *) Herr Dr. Karbach sendet uns nadistchende Entfegnung auf eine Notiz in der C-V.-Zeitung. Inzwischen at Dr. Paul Nathan in der C.-V.-Zeitung nochmals zu der Frage Stellung genommen, was Dr. Karbach bei Absendüng seines Artikels noch nicht bekannt sein konnte. Doch ändert sich dadurch nichts an dem Kernpunkt der Kontraverse. Zur konkreten Frage der Gründung einer jüdischen Völkerbundliga in Deutschland nehmen wir im Moment keine Stellung. — Red. ״J. R.“ Die Geldlftlseher drohen mit Pogromes Budapest, 6. Februar. (J.T-A.) Es erregt hier Aufsehen, daß das Regierungsorgan ״Budapest! Hirlap“ den Führer der demokratischen Opposition, den jüdischen Abgeordneten Dr. Wilhelm Vazsonyi durch Androhung von Pogromen einzuschüchtern versucht. In dem, wie man glaubt, vom Ministerpräsidenten Bethlen inspirierten Artikel wird ausgeführt, der Führer der Judenschaft Ungarns sollte doch bedenken, daß seine zu scharfe Opposition zum Wiederaufleben des Antisemitismus im ganzen Lande führen müsse. Die Regierung werde dann kaum in der Lage sein, der Bewegung Herr zu werden. In der Sitzung der Nationalversammlung vom 5. Februar wandte sich Vazsonyi sehr scharf gegen die Regierung. Er sagte u. a.: ״Seit Beginn der Fraucaffäre stellt mein Telephon unter ständiger Zensur. In der letzten Zeit werden meine Wohnung und jeder meiner Schritte von Geheimnolizisten beobachtet, als wäre i c h es, der Francs gefälscht hat. Ich werde mich durch Terrorisierung nicht abhalten lassen, meine Pflicht zu erfüllen.“ Im ״Pest er Lloyd“ vom 7, Februar greift Minister- Präsident Graf Bethlen Vazsonyi heftig an, weil er ״um jeden Preis die Schuld der Rassenschützler in der Francaffäre nachweisen wollte“. Dr. Ludwig Singer Aus Prag wird uns geschrieben: Dr. Ludwig Singer, der Präsident des Jüdischen Nationalrates und Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees für die tschecho-slowakische Republik, feiert am 13. Februar seinen 50. Geburtstag. Dr. Singer ist in Koliu geboren und seit dem Jahre 1909 in Prag ansässig. Er gehört der zionistischen Partei seit dem Jahre 1907 an und war lange Zeit hindurch Obmann des Zionistischen Distriktskomitees für Böhmen. Dr, Singer hat sich nach dem Umstürze um die Juden der tschechoslowakischen Republik die allergrößten Verdienste erworben. Er hat seit dem Umstürze die polnische Führung der tschechoslowakischen Juden iniie und ist seit dem Jahre 1918 ununterbrochen Präsident des Jüdischen Nationalrates in Prag, in den er von der Zionistischen Organisation entsendet wurde. Er gehörte auch dem Comitec des Delegation juives bei der Friedenskonferenz an und verhandelte im Jahre 1919 in! dieser Eigenschaft mit dem Minister Benesch wegen der Regelung der Fragen der jüdischen Minorität, die schließlich zur Anerkennung der jüdischen Nationalität in der tschechoslowakischen Republik führten. Seit dem Jahre 1919 gehört Dr. Singer als Listenführer der Jüdischen Partei dem Prager Stadtverordnetenkoßegium an und wurde in den Stadtrat entsendet. Durch seine unermüdliche Arbeitskraft, sein sachliches und kouziliantes Wesen erfreut sich Dr. Singer bei allen politischen Parteien hoben Ansehens und großer persÖnlicher Beliebtheit, ihm ist es zum großen Teile zu verdanken, daß hier auch bei den nichtju diseben Parteien das Verständnis für die jüdischen und /.iotiistisehen Bestrebungen Anerkennung gefunden hat. Der Reiclisvertasd jtdisekrr Gemeinden Gemäß den Beschlüssen der Münchener Konferenz vom 3. Januar d. J. soll nunmehr die Kommission zur Begründung des Reichsverbandes zusammentreten. Der Preußische Landesverband hat in der letzten Sitzung des Rates beschlossen, die Herren Wolff, Klee, Lilieuthal Freund und Galewski in die Kommission zu entsenden. Außerdem ist eine entsprechende Anzahl von Stellvertretern bestimmt und festgelegt worden, daß unter diesen auch ein Rabbiner und da Lehrer sich be*. finden sollen. Vom Deutscli-lsraelisiischen Gcmeiudebund siud für die Kommission bestimmt die Herren Prof. Sobernheim, Dr. Kolleuscher und Goldfeld-Breslau. Die Delegierung der Kommissionsmitglieder seitens der übrigen Gemeindeverbände in Deutschland steht bevor. Den Bayrischen Verband wird Oberlandesgerichtsrat Neumeyer vertreten. Uebcr die Art des Zustandekommens des Reichsverbandes bestellen nach Differenzen. Während von einer Seite gewünscht wird? daß der Deutsch-Israelitische Gemeindebund nach Aenderung einiger Paragraphen der Statuten einfach Reichsverband wird, wird von anderer Seite, 80 insbesondere von den Vertretern des Preußischen Landesverbandes, einer Weiterentwicklung der Vorzug gegeben, die den Reichsverband als Dachverband der bestehenden Verbände entstehen lassen will Der Tag des Zusammentritts der Reichskommission steht noch nicht fest. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, E. V., hält ihre diesjährige Hauptversamralung am Donnerstag, den 4. März d. J., abends 8 Uhr, im Logengebäude, Berlin W, Kleiststr. 10, ab. Herr Dr. J. Heinemann, Breslau, wird über das Thema ״PhiIons griechische und jüdische Bildung“ sprechen. Gäste können eingeführt werden. Im Jüdischen Studentenverein, Friedrichstr. 115/1 (am Oranienburger Tor) hält Herr Dr. Siegfried Bernfeld einen Kursus über ״Psychoanalyse und Sozialismus“ ab; Beginn am Montag, den 15. Februar, abends SVs Uhr. Voraussichtliche Dauer 4—5 Doppelstunden. In Anbetracht der beschränkten Raumverhältnisse wird empfohlen, rechtzeitig im Sekretariat des genannten Vereins Teilnehmerkarten zu besorgen. (Sprechstunde: 1/4 bis 3 Uhr mittags.) Vom Kostümfest der B.Z. V. und des Keren Kajemeth. Die Ausgestaltung des großen Kostümfestes der B. Z. V. und des K. K. L., das am 20. Februar in den Gesamträumen des Brüdervereinshauses, Kurfürstenstr. 115/16, stattfindet, ist schon weit fortgeschritten. Die Gesamtdekorationen, die nach Entwürfen des bekannten Malers B. M. Herko von der Dekorationsfirma Minuth gestellt werden, werden dem Ball einen besonders festlichen Rahmen geben. Den Höhepunkt des Balles bildet ein Festzug, der durch die gesamten Räume des Brüdervereinshauses geführt und viel Ueberraschungen bieten wird. Die Zusammenstellung der Tombola ist dieses Mal besonders gut gelungen, und es sind hervorzuheben: eine Freifahrt nach Palästina, gestiftet vom Palästina- Lloyd, eine Freifahrt nach England, gestiftet vom Norddeutschen Lloyd, eine größere Spende einer bekannten Sektfirma und eine größere Zigarettenspende. Wie uns das Festkomitee mitteilt, sind die Vorzugskarten zu M. 6,— fast völlig vergriffen, so daß es im Interesse des Publikums zu empfehlen ist, sich so schnell wie möglich mit Vorzugskarten einzudecken: Nach Ausverkauf der Vorzugskarten beträgt der Preis der Karten M. 10,—. Ferner liegt es im Interesse des Publikums, sich reservierte Tische zu bestellen, da nur so für günstige Plätze Sorge getragen werden kann. Tischbesteilungen werden bis zum 19. Februar in der B. Z. V., Meinekestr. 10, Bismarck 7165—70, entgegengenommen. Die Karten sind außer im Büro der B. Z. V. noch erhältlich in den Buchhandlungen Ewer, Knesebeckstr. 54/55, und Flensburger Str. 30, Ostertag, Kleiststr. 20, Kedem, Dahlmannstr. 8, Ganzer, Oranienburger Str. 26. In Bagdad verstarb der bekannte jüdische Notable Jehezkel Tweg. 111 seinem Testament bestimmte er 8003 Rupien für die Alliance-Schulen und 3000 Rupien für Talmud Torah* Schulen. A, WC LTV QAND DCUTtC KREIS Wir beginnen mit dem heutigen Tage die regelmäßige Rubrik der Turn- und Sportnachrichten aus den Reihen der jüdischen Vereine, die sich mit der Pflege der Leibesübungen befassen. Wir hoffen durch gelegentliche größere Mitteilungen und die Berichte über die Erfolge jüdischer Turner und Sportsleutc der Öffentlichkeit ein möglichst getreues Bild der jüdischen Sport- und Turnbewegung geben zu können. Die vorliegende Rubrik erscheint unter der Redaktion und Verantwortung des deutschen Makkabipräsidiums, die Redaktion führt Dr. Hans Kuhn, Berlin W 50, Regensburger Str. 13, an den wir auch alle einschlägigen Zuschriften zu richten bitten. Das Präsidium des deutschen Kreises im Makkabi-Welt-Verband. Dr. Hans Kuhn. Makkabi-WelbVerbaid nd positive Kritik Seit langem ist viel am Makkabi-Welt-Verband herum• gemäkelt worden. Von der zionistischen Seite wurde die mangelnde Stärke seines Zionismus, von der antizionistischen Seite sein unzweifelhaftes Nationaljudentum bekrittelt. Die palästinensisch eingestellten Gruppen tadelten seine mangelnde Palästinaarbeit, die kulturellzionistisch gerichteten seine zu organisatorisch zu schwach sei, die meisten bekämpften seine ״rein turnerisch-sportlich erfolgreiche Tätigkeit" und die Techniker zuletzt erklärten, es sei für den eigentlichen Fortschritt der Leibesübungen selbst noch nichts getan worden. Es blieb und es bleibt jedem unbenommen, aus dieser Musterkollektion von Tadeln sich die für seinen jeweiligen Zweck passenden herauszusuchen und zu benutzen. Die Tatsache, daß der Makkabi (die ehemalige jüdische Turaerschatt) trotz dieser vielen Ucbcl immer noch nicht verschwunden ist, scheint doch auf eine ziemlich starke ihm innewohnende Lebenskraft und Lebensbercchtigung hinzuweisen, wie audi die vierte Makkabi tagung in Wien 1925 durch eine Zahl von über 100 000 Makkabim bewiesen bat. Sicherlich ist nicht der Makkabi eine allein angefeindete Körperschaft! Wohl jede Organisation bietet Angriffsflächen, die auch meist ordentlich ausgeuutzt werden. Es fragt sich nur. ob die Angreifer schaden oder nützen wollen und können, und ob es gelingt, durch agressiv-kritisches Verhalten die Richtung einer Bewegung in der jeweils gewünschten Weise abzubiegen. Zweifellos Ist das möglich bei einer Organisation, die keine so feste Tendenz zur Grundlage hat, daß man von einer eigenen Richtung sprechen kann. Es scheint uns, daß das Ucbersehen einer tatsächlich doch vorhandenen eigenen Makkabitendenz zu den Besserungsversuchen geführt hat und daß diese eigene Tendenz des Makkabi oft Trotz geboten und die Bekehrungsversuche verschiedener Art überstandea bat Kurz sei hier nur festgestellt, daß der Zionismus und dej Palästinaaufbau, — zwei festgelegte Begriffe mit allen logi sehen Konsequenzen, — zwar die Haupt-, aber nicht die Alleinaufgabe des Makkabi sind. Wie stark sie betont werden; oder wie sehr gegenteilige Einflüsse die Oberhand gewinnen! hingt jeweils von der vorhandenen oder mangelnden Mitarbeit der Zionisten in seinen Reihen ab. Aber nur von der Mit• arbeit!! Auch der Makkabi hat einen Stamm von Menschen seien sie auch noch so schön, nicht berauschen läßt, und die in der eigenen Arbeit zunächst einmal genug zu tun hat So oft rein zionistische Arbeit im Makkabi geleistet wurde, begann sie bei Zionisten, die erst einmal Makkabi-Verbands• mitglieder geworden waren und dann zionistische Beeinflussang getrieben und die Einleitung der zionistischen Makkabiarbeit auf ihre eigenen Schultern genommen hatten!! Düs ist es, was wir unter positiver Kritik im Gegensatz zur negativen verstehen: Nicht nur Fehler feststellen und bloß stellen, sondern bei ihrer Bekämpfung sofort mit dem Neuaufbau von besseren und richtigeren Zielen in steter Kleinarbeit beginnen. Es sollte für jede zionistisdic Gruppe ei» leichtes sein, sich durch konseauente, aber mindestens 1—2 Jahre dauernde Arbeit einen Makkabi verein als bestes Werbemittel für die Jugend zu zionistischen Ideen und Arbeiten am Orte zu schaffen! Bietet doch ein richtig geleiteter und mit Liebt: auch zur körpcrtichen Regeneration betreuter Turn- und Sportverein mit seiner Grundlage der Disziplin wie keine ander:־ Körperschaft die Gewähr zuverlässiger Kleinarbeit im nötigen Augenblick (z. B. für den K. K. L., wie es heute schon in einigen Ortsgruppen geschieht): sind doch die Leibesübungen im richtigen Milieu eines der hesten Werbemittel zu: Heranziehung einer wertvollen Jugend und die Brücke zum Eintritt in das Nationaliudentura und den Zionismus, können weiterhin doch dadurch Kreise jüdischer Jugend zunächst in ein jüdisches Milieu gebracht werden, die sonst dem Judentum völlig fernstehen, und kann last not least doch ein Turnverein durch gemeinsame körperliche Ucbung und Interessiert^ heit zwischen Atter und Jugend eine Verbindung schaffen, wie sie unser Zionismus heute zur Erzielung von Nachwuchs dringend braucht. Es wiU uns scheinen, — und wir glauben, als Zionisten doch einigermaßen die Lage überblicken zw können, — als ob von einem größeren ,.Eintritt älterer Zionisten in den Makkabi gerade der Zionismus heute viel gewinnen könnte und gerade deshalb müssen wir schließlich im Interesse des Zionismus und Makkabi heute rufen: Werbet für die jüdischen Turn- und Sportvereine, Zionisten, hinein: in den Makkabi-Welt-Verband! ’ In Berlin gehört der jüdische Turn- und Sportverein Bar-Kochba dem deutschen Kreise des Makkabi-Welt-Ver• bandes an. Der Verein besitzt Männer- und Frauen•!• abteilungen für Turnen, Leichtathletik und Gymnastik, ferne!? Mädchen-, Jugend- und Knabenabteilungen für Turnen und Sport, eine Herren-Hockeyabteilung und eine Wandergruppe..* Die Uebungszeiten der einzelnen Abteilungen sotvie, die Aufnahmebedingungen sind im Heim des, Bar-Kochba, Berlin C 2, Heiligegeiststr. 52, auch <ek־t phonisch unter Merkur 919 zu erfahren. Erfolge der letzten Tage. . In Essen -Ruhr gewann der zionistische Sportklub) Bar-Kochba Köln, der dem deutschen Makkabikreise ange-r hört, einen Mannschaftsboxkampf gegen die Stadtmannschaft[ Essen des Arbeiter-Athl.-Bundes mit 9 zu 7 Punkten. —! In Berlin gewann der Bar-Kochba (dem deutschen Makkabikreäse angehörend) gelegentlich des Hallensportfestes* am 6. und 7. Februar zwettraalig die olympische Staffel5 in schwerem Rennen. Gelingt es, diesen Wettkampf im* Jahre 1927 ein drittes Mal zu gewinnen, so wird r a Wanderpreis Eigentum des Verein*. ,1 u Am 3. Februar wurden im technische!! Institut m Haifa* Gedenktafeln für den Stifter des Technikums, den verstorbenen ־ russisch-jüdischen Philanthropen K. WJssotzky und für den amerikanisch-jüdischen Jacob HL Schiff enthüllt.

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