Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1926)
- Date
- 1926-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 80 _ _ _ _ fdfif tdvrtiiwf <K JtxL M.y JR» JHLm/ JHL JS» JUP BL/ «IC^B!BL.2/ Ja dieser Rubrik veröff«1> tUchen wir Meinungsäußerungen zu zionistischen Streitfragen auf Grund des Rechtes freier Diskussion Worum es geht Von Dr. Hans BJoch. I. lu der Vertrdervexsammiung der Berliner Ziouistisehen Vereinigung gibt es eine große politischeDebatte. Sie nahm ihren Ausgang von einem Anträge, der in seiner ersten noch zu verbessernden Fassung hauptsächlich die Stellungnahme der ״Jüdischen Rundschau“ zur Fahnenweihe in Jerusalem tadelte. Es ist zunächst nicht zweifelhaft, daß diese Frage nur Anlaß war. Ob die Artikel der ״Jüdischen Rundschau“ potitisch richtig oder unrichtig waren, journalistisch zweckmäßig oder unzweckmäßig, das ist so wichtig nicht. Aus diesen Artikeln sprach eine Gesinnung, dahinter steht ein Prinzip. Diese Gesinnung und dieses Prinzip bestimmen die Haltung der ״Rundschau“ zu allen Grundfragen der Bewegung — sic entsprechen nicht nur den persönlichen Anschauungen des leitenden Redakteurs, sic sind Ausdruck der im deutschen Zionismus herrschenden und leitenden Richtung. Wir haben nicht den geringsten Anlaß, die persönlichen zionistischen Leistungen und Qualitäten irgendeines Teilnchmers an dieser Diskussion zu bemängeln, noch seine Gc- «Innung herabzusetzen. Es geht hier nicht um Freundschaften oder Scclcnverwandtschaften. Wir halten eine politische Stellungnahme und ihre Begründung für falsch und setzen ihr eine andere entgegen. II. Wir halten es für zeitgemäß, den Gedanken des Herzlscheu Judenstaats in Reinheit und Klarheit zu betonen. Der Zionismus als geistige, nationale, jüdische Bewegung hat wichtige Gattungsmcrkmalc — sein spezifisches Artmerkmal, das ihn von verwandten und präzionistischen Bewegungen unterscheidet, -- ist dies: er will die Lösung der gesamten Judenfrage, vom materiellen bis *um geistigen Pol, durch die Schaffung eines Judenstaates erreichen. Dieses Ziel ist keine ״abstrakte“ Formel, kein starrer dogmatischer Begriff. Wir sind weder auf ein bestimmtes Staatsidcal eingescliworcu, noch au äußere Formen gebunden. Jabotinsky, der Mann auf der äußersten Rechten, sagt auch nur: Staat bedeutet Majorität, Formen sind unwesentlich. Einordnung in höhere Gemeinschaften ist durchaus möglich. Herbert Samuel sagte im Jahre!919: ״Das Ziel des Zionismus ist die allmähliche Ausgestaltung Palästinas mit Einschluß Transjordaniens zu einem selbständigen Staat, kontrolliert von einer jüdischen Mehrheit.“ Das sind die radikalsten Formulierungen der neueren Zeit Dieses Ziel ist nicht ungeistig. Wir gehen von einer sittlichen und geistigen Auffassung des Nationalismus aus, sonst wären wir nicht Nationalisten. Die Nation ist in der Geschichte Träger der metaphysischen Werte, Realisierung des Ucbermenschlichen im Einzelmenschen, ihre Form ist der m«*it|W«e <&öAw»p». *Äfp4־׳w«Me1iilto» ־,' Scätrn' Nation ׳.undsStul lassen. wir hierbei unberücksichtigt — ׳ konsequent durchdacht entleeren sie den Staat des Inhalts und übertrag« seinen Siun auf die Nation. Um der Nation willen sind wir Nationalisten, nicht unseres persönlichen Schicksals halber. Im Gegensatz zum Missionsgedanken des Liberalismus und zum Kulturzionismus hat der politische Zionismus erkannt: geistige Sendung und Kultur sind nicht feste Gegebenheiten oder für sich bestehende und Bestand habende Wesenheit. Sic sind nicht für sich zu konservieren, zu züchten oder aus der Gesamtheit der Bedingungen loszulösen. Sie entspringen als freie Produktion und letzte Blüte dein freien politischen, alle Momente der psychophysischen Welt umfassenden Leben eines Volkes, ln Palästina soll solches Leben entstehen, es muß frei sein von jeder Gefährdung, Beengung und Begrenzung, cs muß quantitativ und qualitativ stark genug sein, die gesamte Diaspora, die sich darum gruppieren will, zu bestimmen. Das Endziel mag geistig genannt werden — die Mittel der bewußten Gestaltung sind politisch. Das Ziel ist nicht undurchführbar. Wenn wir heute auch unter dem Eindruck von Enttäuschungen stehen, so dürfen wir nicht vergessen, daß wir Erfolge erzielt haben, an die wir vordem kaum zu glauben wagten. Politische Widerstände können wir überwinden, Rückschläge ertragen. Wir haben Zeit zu warten. Das heißt nicht, daß wir je warten sollen, je einen Weg nicht benutzen, der vorwärts führen kann. Aber wir sollen wissen, daß kein Weg, der uns verstellt wird, der einzige, der letzte war. Wenn wir müde werden, unsere Kraft erlahmt, dann sind wir verloren. Wenn es uns gelingt, die Kraft zu erwecken, dann ist — ganz empirisch, ganz real gesprochen — kein unüberwindlicher Widerstand sichtbar. Es ist ein Gebiet vorhanden, das die genügende Zahl von Juden aufnehmen kann, und die Kraft der Juden — wenn wir sie zu erwecken und zu leiten wissen — ist hinreichend, in diesem Gebiet ein politisches Gebilde zu gestalten, das wir Judenstaat nennen dürfen. Das Ziel verletzt keinerlei Rechte. Wir gehen doch aus von der Voraussetzung, daß das jüdische Volk ein Recht auf die Besiedlung und Kolonisierung Palästinas hat Wir lassen uns dabei hier weder auf spitzfindige Deduktionen dieses Rechtes ein, noch auf Erörterungen des Umfangs Palästinas oder dergleichen. Glaubten wir an dieses Recht nicht, so dürften wir nicht Zionisten sein, noch auch den Schutz des Mandates beanspruchen. Da wir unter Zionisten sprechen, ist dieses Recht gültige Voraussetzung. Wenn unser Ziel erreicht ist, wird Palästina von einer großen jüdischen Majorität bewohnt sein, ihr Einfluß wird das Geschick des Staatsganzen bestimmen — wie immer seine Form gedacht ist Die Araber werden ihr« Besitzstand erhalten und unter dem Einfluß der jüdischen Kolonisation vermehrt haben, das weitgehendste und großzügigste Nationalititeurecht wird auf sie Anwendung finden, die völlige Unverletzlichkeit ihrer Interessen wird gewährleistet sein. Daß kein allgemeines Kultur- oder Religionslnteresse von uns bedroht wird, kann kein Zionist bestreiten. Keines dieser Reservate beeinträchtigt oder beengt unser Endziel. III. IJud nun mag die ״Rundschau“ fragen: Wozu der Lärm? Warum Programme und Deklarationen, Aufwärmung alter Geschichten? Alt« Lebendige ist dem Wandel unterworfen, genug, daß sich im Wände! das Wesen bewahrt. Die Realitäten des Aufbaus haben unsere Formeln konkretisiert, wir haben den Ballast' abgeworfen, den geistigen Gehalt um so klarer und reiner herausgearbeitet. Wir haben 1ms angepaßt, aber Prinzipien und Lebensnotwendigkeiten des Zionismus nie aufgegeben. Der gute Glaube versteht sich von selbst. Daß die Dinge nicht schematisch einfach liegen, gestehen wir zu, für luterpretationcii jeder Art gibt es Belegstücke. Doch aus der Gesamtheit der Artikel und Aeußerungen, die die offizielle Meinung der ״Rundschau“ und der von ihr vertretenen Richtung ausdrücken, ergibt sich ein klarer Eindruck, den jeder unbefangene Leser gewinnen muß — ein Eindruck, der die Haltung des deutschen zionistischen Publikums bestimmt. Und dies ist das Bild, das wir sehen: Die ״abstrakte Formel“ des Judenstaates ist an dem Zusamnienprall mit der Realität zerbrochen. Für einen Juden- Staat sind die Voraussetzungen nicht da, Palästina ist von einer arabischen Bevölkerung bewohnt, die das Land mit Recht als ihr Besitztum betrachtet. Wir haben keine Aussichten, eine überragende Majorität zu erlangen, Palästina wird im günstigsten Falle ein binationaler Staat sein, in dem sich beide Nationen ungefähr die Wage halten. Ja noch mehr: Dieses kleine l>inationale Palästina liegt im Zentrum der großen arabischen Welt, von deren Wohlwollen sein Schicksal abhängt. Wir werden i!1 Wirklichkeit eine kleine jüdische Enklave im arabischen Hoheitsgebiet sein. Unser politischer Rückhalt ist schwach, unsere Mittel sind schon den Aufgaben des Aufbaus kaum gewachsen. Wir müssen sehr vorsichtig sein, größte Rücksichten nehmen, alle Empfindsamkeiten schonen. Wenn cs aber auch anders wäre, wenn wir unserer Kraft mehr vertrauen könnten, wir wären doch durch ethische Rücksichten gebunden. Niemals dürfen wir chauvinistisch s in, wie in die Fehler des europäischen Nationalismus verfallen. Das arabische Recht auf Palästina ist unbestreitbar, wir sind die Zukömmlinge, um nicht zu sagen: die Eindringlinge. Nach dem Rechte der Majorität dürften wir jetzt nicht im Lande sein, deshalb dürfen auch wir in keinem Zeitpunkte der Zukunft von einem Rechte der Majorität Gebrauch machen. Was wir, so gebunden, erreichen können, bedarf audi noch einer äußeren Anstrengung ist jedoch ein ideal, das unseren Anforderungen voll genügt Was wollen wir? Freies, jüdisches Leben, ein Zentrum neuer jüdischer Menschen, auf edelster geistiger Grundlage, im Einklänge mit den höchsten Idealen der Menschheit, vor allem auch dem sozialen Ideal. Wie groß eiu solches Zentrum ist, welches seine Form das kann im Grunde gleichgültig sein; seine Wirkung ist dynamisch zu bewerten, bestimmt durch Qualität. Dies ist auch das Ziel, das Menschen für unsere Sache gewinnen kann, das niemandes Rechte verletzt, der Menschheit nutzt — dem deshalb die Edelsten Europas zustimmen mögen. So stehen Notwendigkeit, Pflicht und Ideal im «Einklang. Der Judenstaat ist auf gegeben, verworfen und ersetzt durch;,d»/RW,׳ das. wir •toi «findfep, i» wesentlich®( aber *sicherlieh charakteristischen Umriß gezeichnet haben. IV. Es lag uns daran, These und Antithese klar herauszuarbeiten. Es kanu liier nicht unsere Aufgabe sein, einen ausführlichen induktiven Beweis, chva in der Frage der Ausführbarkeit, zu liefern. Uns genügt hier der direkte und indirekte deduktive Beweis. Unsere These repräsentiert den Begriff, das Wesen des Zionismus, die Substanz im Wandel der Erscheinungen. Also ist die Antithese die Abweichurig, die Negation — auf zionistischem Boden liegt ihr die Beweislast ob. Es ist auch nicht so, daß wir jählings zu proklamieren und deklamieren beginnen, eine neue Politik inaugurieren wollen. Die Gegenseite hat ohne zwingenden Anlaß, von niemandem provoziert oder genötigt, offiziell die Abkehr vom Judenstaatsgedanken proklamiert, sie hat ernste politische Konsequenzen daraus gezogen — in der Frage der Kolonisationsmethoden und der Immigration, in der Beurteilung Herbert Samuels und des Weißbuchs, in der Stellungnahme zu zahlreichen ökonomischen' und politischen Aktionen bis zur Fahnenweihe in Jerusalem. Wir wollen noch einigen Mißverständnissen Vorbeugen. Wir erkennen nicht weniger als die Gegenseite die ungeheuren Schwierigkeiten des Aufbaus, wissen genau so, daß es auf Realitäten und zähe geduldige Tagesarbeit ankommt. Wir wollen keine Politik der starken Hand verlangen, wir sind für Anpassung und Versöhnung, für eine ehrliche real- Dolitische Verständigung mit den Arabern Palästinas. Aber in aller Tagesarbeit darf das Ziel nicht aus dem Auge verloren werden, alle Anpassung und Aufopferung verliert den Sinn, wenn das Ziel aufgegeben ist. ״Nicht davon reden, immer daran denken.“ Das ist ein kluges Wort, doch die es sprachen, proklamierten nie die Aufgäbe des Endziels. In unserem Falle gar wäre Dissimulation ein trauriger und plumper Versuch. Vergleiche mit europäischen Nationalbewegungen der Vorkriegszeit, die das Ziel verhüllten, hinken stark. Denn unser Ziel ward öffentlich proklamiert und legalisiert, vor der Ableugnung — kein Mensch glaubt, wie ernst cs uns mit der Revokation ist. Wir stellen unsere These nicht der Propaganda halber auf, nicht zur Aufpeitschung dummer Massen. Wir wissen auch, daß wir nur mit der Wahrheit Erfolge erzielen können, daß gerade das tragische Uebermaß der Widerstände die Seelen zu uns zwingt Das gewaltige ״Dennoch“ zwingt sie zu uns, aus jedem Worte Wdzmanns spüren sie es — wenn seine Worte wie Hageischlossen fallen, steht die Person dahinter, heroisch, unbeugsam, das verkörperte ״Dennoch“. Dennoch — was? Das Endziel, um des willen wir in den Kampf zogen. Ist es aufgegeben, so wird der Heldenkampf zum Schauspiel -- Trauerspiel oder Farce, was fragt danach die Geschichte? V. Wir berührten den seltsamen Einklang von Notwendigkeit und Ideal in den Anschauungen der ״Rundschau“. Um ehrlich zu sein — wir glaub«, daß das ideal das primäre ist, und daß darnach die Notwendigkeiten gesehen werden. Ein Musterbeispiel ist der ״Fahnenartikel“, deshalb bot er den geeigneten Ausgangspunkt der Debatte. Die Stellungnahme der ״Rundschau“ stand a priori fest — hier war etwas, das nach Nationalismus, Demonstration — Militarismus, Provokation aussah. Da wurden die politischen Hintergründe nicht erst lange geprüft, das Verdammungsurteil war gesprochen. In demselben Artikel wird ein Aufsatz von Holitscher besprochen, eine schmähsüchtige, antizionistische Kundgebung — und wird verteidigt. Denn des Verfassers Grundeinstellung ist untadelhaft — unbedingter Sozialismus und Pazifismus, mit ethischem Pathos vorgetragen. Die Richtung der ״Rundschau“ unterstellt den Zionismus fremden Idealen. Bewußt oder unbewußt — es kommt so heraus, als ob der Zionismus als reine Nationalbewegung ein egoistisches Moment ist, wie etwa der Selbsterhaltungstrieb und der Geltungswiiic des Einzelmenschen, die sich vor sittlichen Ideen zu rechtfertigen und zu bewähren haben. Wir leugnen keinesfalls, daß die Idee des Zionismus unter sittlichen Kategorien steht. Aber mit gegebenen Idealen, mögen sie noch so akkreditiert sein, steht er auf einer Ebene. Wir hoffen auf Einklang׳ mit aller Menschlichkeit ~ doch unter Idealen gibt es Berührungen, Ueberschneiduugen, Konflikte. Entscheidungen müssen ausgefochten werden, und wir gehören auf die Seite unseres Ideals. Ich spreche weder von einem konkreten Einzelfall, noch werte ich Sozialismus oder Pazifismus —- aber die ürundeinstellung ist doch klar. Am Ende der Bewegung steht rin neuer Missionsgedanke Der Zionismus ist Gestattung eines Geistes, das sagen gewiß auch wir. Um geistiger Ziele willen ist der Zionismus da, sagen die anderen, Zionismus realisieren heißt Geist verkörpern. Und daraus wird Ihnen unter der Hand ein anderes. Was heute Geist heißt, die Tagesmeimmg des modernsten Europa auch wo es sich von Europa ״abkehrt“ — das ist der Geist, der verkörpert werden soll. Die Edelsten Europas blicken auf uns — jüdische und nichtjüdische Fremde schreiben uns vor, was wir zu sein haben. Auch wir wissen, was wir der Kuiturmenschheit geben werden, und wir verlangen Vertrauen und Förderung um der Menschheit willen■ Das aber sind engherzige Förderer, die ihre Menschheit uns aufzwingen wollen. Unser Zionismus ist Befreiung von allen Formen und Normen, die von außen kommen. Wir nehmen auch (wesentlieh, nicht historisch gesprochen) unseren Nationalismus und unseren Staatsgedanken nicht von außen, deshalb schreckt uns auch nicht das Gegenbild. Unser Volk wollen wir befreien, im Ernst befreien — für den Geist befreien, für seinen Geist. Wie er sich entfalten wird, was rr gestalten wind — wir wissen cs nicht, wir schreiben cs nicht vor. Die Befreiung ist unsere Tat, das Ziel, das uns den Weg vorschreibt, und unser letztes Wort ist — der Judenstaat. ♦ Kam IVaehbemerkaig Da der Artikel von Dr. Bloch eine Polemik gegen die Redaktion der ״Jüd. Rundschau“ darstellt, so ist cs überflüssig zu sagen, daß wir mit seinen Darlegungen nicht übereinstimmen, vielmehr glauben, daß sie einer völlig falschen Grund-Einstellung zu dem Problem entspringen. Nur einen Punkt haben wir tatsächlich zu berichtigen: Es ist nicht riebtig, daß hier jemals ״fremde Ideale“ wie Sozialismus und Pazifismus über den Zionismus gestellt worden sind. Vielmehr ׳ sind ■gerade :־d|e ־Folgerifhgen, 'die Bfodti'׳Mgreift>־';ÄU8 de» Wesen des Nationalismus abgeleitet worden (siehe besonders den ״Fahnenartikel“, der geradezu ״Unser Nationa־ lismus“ überschrieben war). Ich glaube allerdings, daß unser jüdischer Nationalismus spezifischen Charakter hat, der vor allem durch das Moment der Selbstbesinnung und durch die Tatsache bestimmt ist, daß der Zionismus aus der Negation der empirischen jüdischen Lebensform und Denkungsart hervorgegangen ist. im übrigen erschien meine Antwort auf Blochs Ausführungen (die mir ja — zwar nicht als die von Bloch, aber als in der zionistischen Welt existent — bekannt waren) in der ״Jüdischen Rundschau“' am 14. August 1925 (״Worum cs geht“ — den Titel hat Bloch ja aus diesem Grunde von dort genommen). Teilprobleme wurden außerdem (abgesehen von vielen früheren Gelegenheiten) behandelt am 25. 9. 25 (״Idee und Illusion“), am 11• 12. (״Unser Nationalismus“), am!8. 12. (״Der Bericht der Mandatskoinmission“). Ich habe dem dort Gesagten nichts Neues hinzuzufügen. R. W. Eiagesandt Romain Rolland und der Zloaismna Der Verfasser der Widmung iu der ״Jüdischen Rund• schau“, anläßlich des Geburtstages Romain Rolland«, bedauert, daß der Dichter keinerlei Stellung zum Zionismus einnimmt Doch schreibt Romain Rolland in seinem Buche ״Das Leben Tolstois“ folgendes: (Seite 159—160.) ״Selbst die Juden, deren Vaterland bis jetzt das schönste war, das ein Mensch sich wünschen kann, — die Bibel“, (238) selbst diese verfallen der Krankheit des Zionismus, dieser sich national gebärdenden Bewegung, t,die Fleisch vom Fleische des zeitgenössischen Europäertums ist, sein rachitisches Kind“. (239) Dazu die Anmerkungen: (238): Man lese in den Unterhaltungen mit Tencromo die schöne Stelle von dem ״jüdischen Weisen“, der 80 in das Lesen der Bibel vertieft war, daß er nicht gewahrte, wie die Jahrhunderte über ihn hingingen und Völker auf der Erde erschienen und von ihr verschwanden. (239): Es ist eine furchtbare Sünde, in dem blutigen Schrecken des modernen Staates den Fortschritt Europas zu sehen, einen neuen Judenstaat zu gründen. (1' :Erhaltungen mit Teneromo.) Die Enttäuschungen, die der Franzose Romain Rolland durch Frankreich und andere europäische Staaten erlitt und die ihn verbitterten, beeinflußten sicher seine Stellung zum Zionismus. Da er das Wesen des Zionismus offenbar nicht kennt, bedeutet ihm ein ״Judenstaat“ nichts anderes als ein ״moderner Staat“ mehr. Düren, 8. Februar 1926. Grete Ullmanri Der D.LG.B. macht wiederholt darauf aufmerksam, daß mit Rücksicht darauf, daß der als Volkstrauertag gewählte Sonntag, den 28. Februar, mit unserem Purimfeste zusammenfällt, das Andenken unserer Gefallenen bereits beim Sabbatgottesdienste am 27. Februar in schlichter Weise unter Hinweis auf den Volkstrauertag geehrt werden soll. Auch am Volkstrauertage selbst wird der ernsten Stimmung des Gedenktages Rechnung zu tragen sein. Stefan Zweig hat die Autorisation zur Uebatragung seines Buches über Romain Rolland ins Jiddische Fraulein Mirjam Tenneabaum aus Benazin erteilt.