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Jüdische Rundschau · 1926-02-09 · Heft 11 (9.2.1926) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 11 (9.2.1926)
Date
1926-02-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. II JUEDISCHE RUNDSCHAU SeHe 85 Vortrag Blumenleid: ״Die Jüdische Gesellschaft“ Donnerstag, den 4. Februar, fand unter dem Vorsitz des Herrn Richard Lichtheim ein von der B. Z. V. veranstalteter Vortrag des Vorsitzenden der Z. V. f. D., Herrn Kurt Blumen f cid, über das Thema ״Die jüdische Gesellschaft, eine soziologische Betrachtung“ statt. Schon die Ankündigung dieses Vortrags tat ihre Wirkung und bewies, daß das jüdische Publikum über die politischen Aktualitäten des Tages hinaus das Bedürfnis empfindet, die tieferen Zusammenhänge der Judenfrage zu erfassen, und bereitwillig dem Rufe Folge leistet, wenn es sich eine Förderung dieser Erkenntnis verspricht. So kam es, daß der Saal des Logeniiauses bereits vor Beginn des Vortrags so überfüllt war, daß später Korninende keinen Einlaß mehr finden konnten. Herr Blumenfeld analysierte in zweistündigem Vortrag die Entwicklung der Jüdischen soziologischen Beziehungen, seit dem Ausgang des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Es war nicht seine Absicht, unbekanntes Material zutage zu fördern, er wollte vielmehr nur vertrante Tatsachen gruppieren und in allgemeine jüdische Zusammenhänge einordnen. Es ist nicht im entferntesten möglich, den Gedankenreichtum und die Tatsachenfülle des Vortrages in einem kurzen Berichte wiederzugeben. Es gelang dem Redner, die Einwirkung der allgemeinen Strömungen und beherrschenden Ideen der Zeit auf die jüdische Gesellschaft in origineller und neuartiger Weise zu beleuchten. Alle Phasen der Auffassung, die die jüdische Gemeinschaft jeweils von ihrem eigenen Wesen und ihren Tendenzen hatte, und die die Einordnung der Juden in die nichtjüdische Welt bestimmte, wurden anschaulich geschildert. Blumenfeld beschränkte sich in seiner Darstellung nicht auf Deutschland, sondern zog auch andere Länder, insbesondere Amerika, zum Vergleich heran. Zum Schluß zeigte er, wie der Kampf, der heute um die Wiedergewinnung der jüdischen Kontinuität entbrannt ist, zur Erneuerung einer jüdischen Gemeinschaft führen müsse. Der überaus fesselnde Vortrag, der von den Zuhörern mit größter Aufmerksamkeit angchört und mit stürmischem Beifall gelohnt wurde, sollte unbedingt wiederholt werden, um denen, die am vorigen Donnerstag keinen Einlaß mehr finden konnten, sowie möglichst vielen anderen, die Möglichkeit zu geben, die interessanten Darlegungen, die Stoff zu einem Buche bilden würden, zu hören. Brief ans Königsberg In Ortsgruppenversammlungen sprachen am 29. Oktober Dt Ginsburg über die letzte Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees, am 25. November Dt. Arnsdorf über Palästinafragen und am 5. Dezember Rechtsanwalt Lew 111soh n-Insterburg über Herzls Tagebücher. Dr. Arnsdorf besprach die gegenwärtige Lage Palästinas auf Grund der hebräischen Presse Erez Israels selbst sowie des Galuth. Rechtsanwalt Lewinsohn stellte in den Vordergrund die Grundzüge der Herzischen Politik, wie sie sich aus den unsystemarischen, aber desto unmittelbareren Tageburiiaufzekhmingen Herzls ergeben. In einer öffentlichen Versammlung in der Hindenburg-Oberreaischule behandelte am 29. Oktober Dr. G i n s b u r g das Thema ״Nationalismus und Demokratie“. Der Vortragende beleuchtete, von der Renaissance als der Geburtsstunde des modernen Denkens ausgehend, zunächst den Individualismus und führte aus, wie sich aus aus diesen beiden Strömungen als Erweiterung der Einzel diese Entwicklung durch zwei verschiedene Strömungen der Neuzeit fortgetragen wurde: einerseits durch die demokratischnaturrechtliche, die in dem nationalistischen Gleiehheitsideal der französischen Revolution gipfelte, und andererseits durch eine aristokratisch-geistige Richtung, ,weiche die Individual!• tat mit den geheimen Volkskräften verband. In diesem Zusammenhang ging der Redner insbesondere auf die deutsche Romantik ein und zeigte, wie in dieser Richtung die Bewegtheit des Inneren eine großartige Erweiterung des Ichs zur Nation erfuhr, so daß der Sinn des einzelnen im Er* lebnis der Generationen als Brücke von Vergangenheit zur Zukunft empfunden wurde. Die Konsequenz dieser Auffassung war das Erlebnis der Besonderheit der Völker und innerhalb dieser wiederum des nüanderten Nationalismus. Im An- Schluß hieran besprach der Redner die Polarität zwischen Nationalismus, dem Reich der Bedeutung nach innen angehörend, und dem Staat, dessen Sinn in der Macht, der Geltung gegenüber andern seinen Ausdruck findet Der Nationalismus der alten Völker hat wegen der zentralen Kraft der Religion in der Gestaltung der Kultur einen stark religiösen Einschlag, weshalb auch die Juden des Ostens ihren natfirliehen Nationalismus reUglös empfinden, während die Westfuden, die durch den Individualismus und die westliche Kultur nindtirchgegangen sind, zu dem bewußten modernen Nationalisraus gelangen. Trotz dieser Differenzierung des Weges, auf dem der Nationalismus erlebt wird, besteht eine Einheit des Volkes. Denn der einzelne fühlt, daß die gestaltende Kraft der Vergangenheit und der Wille zur Zukunft nicht im luftleeren Raum des Geistes, bei dem ein mißgestaltetes Volk aus Mangel an Freiheit zugrunde geht, auch nicht in der Sehnsucht nach Macht sich verwirklicht: ״Der wahre Weg Hegt zwischen den Extremen, doch nicht in der Mitte" — der Beruhigung in diesem Leben —, sondern in der Vision und dem Glauben an eine eigne kulturelle Gestaltung des jüdischen Volkes auf eigenem freien Boden in Palästina. In der Diskussion versuchte Kantor Dr. Pick dieser Darlegung der Entwicklung des modernen Nationalismus ein gefühlbetontes nationales Judentum aus der religiösen Atmo- Sphäre entgegenzusetzen. Der Vortragende wies unter grutidsätzlicher Anerkennung der Möglichkeit dieses Standpunktes darauf hin, daß für die meisten modernen Juden die auffewiesenen Probleme bestünden und daß eine Klärung dieser rage deshalb notwendig sei. Dieser Vortragszyklus ist durch den am 15. Dezember veranstalteten Vortrag von Dr. Schloßberg über ״N a t io - nalismus und Internationalismus" fortgesetzt worden. Der Redner ging davon aus, daß begreifliche Ressentiments gegen die heutigen Gestaltungsfonnen des Nationalisaus uns das Urteil über diese Erscheinung, die er als naturnotwendig und kulturfördernd nachwies, nicht trüben dürften. Der wahre Nationalismus ziele darauf hin, die schöpferischen Kräfte jedes Volkes freizumachen und zu entwickeln für dessen Aufgabe an der Menschheit. Kulturschädlich sei der Nationalismus dann, wenn er dieses Ziel vergäße und Sich als Selbstzweck betrachte. Anzeichen sprächen aber dafür, daß er wieder zu einer gesünderen Entwicklung gelange. Die Lösung der Antithese ״Nationalismus und Internationalismus" könne nicht in dem Siege einer dieser Tendenzen, sondern nur in einem kosmopolitisch verstärkten, an der Menschheit orientierteu Nationalismus erblickt weiden. An dieser Aufgabe könne vor allem das jüdische Volk mitwirken, bei dem sich immer nationale und menschheitliche Elemente durchdrungen hätten. Aus Gründen der Verwirklichung der Menschheit sei es darum auch erforderlich, daß das jüdische Volk erhalten bliebe und sich national entwickelte. Die Menschheit brauche den jüdischen Menschen und damit auch das jüdische Volk, Beide Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Dienstag, den 9. Februar abends 8י/י Uhr Jüdischer Studentenverein, im Heim, Friedrichstr. 115, 1. Herr Rabb. Dr. Emil Cohn (Emil Bernhard): ״Der Groll des Juden". — Gäste willkommen, בית הועד העברי בחמישי בעבוע זר. » פברואר, בשעה 8 מתאספים חברינו באולם לשם שיחה עברית. הזמנות אינן נשלחות. a* .הץהלה, רוונשער כל חברינו מתבקשים לבוא. Mittwoch, den 10. Februar abends 8י/" Uhr Gruppe Nord, in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18. Herr Berl Locker: ״Das Programm der Poale Zion.“ Montag, den 15. Februar abends 8Va Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im Cafe Bohne, Steglitz, Albrcchtstr. 127 (Bhf. Steglitz), Zusammensein. Jugendgruppe Süd, in den City-Festsälen, Dresdener Straße 52. Diskussionsabend unter Leitung von Frau Dr. Zadik. Anschließend geselliges Beisammensein, Dienstag, den 16. Februar abends 8!/״ Uhr Gruppe West-Charlottenburg, im großen Saal der Synagoge, Fasanenstr. 79/80. Herr Rabb. Dr. Wiener, Stettin: ״Der Charakter der jüdischen Frömmigkeit." Donnerstag, den 11. Februar ' abends 84י Uhr Hapocl-HazaTr, im Jüdischen Voiksheim, Dragonerstr. 22. Chawer Dr. Arinstein: ״Wohin steuert der deutsche Zionismus?" Gäste willkommen. Sonnabend, den 20. Februar abends 9 Uhr Kostümfest der Berliner Zionistischen Vereinigung und des Keren Kajemeth Lcjlsrael, in den Gesamträumen des Brüdervereinshauses, Kurfürsten- Straße 115/116. Gesamte künstlerische Leitung: B. M. Herko. 3 Kapellen: Meisterjazzband von Deutschland: Louis Stern, — Hauptgewinne der Tombola: Freifahrt nach Palästina, gestiftet vom Palcstine-Lloyd; Freifahrt nach England, gestiftet vom Norddeutschen Lloyd. Vorzugskartell irikl. Steuer zum Preise von 6 M.( Originalkarten zum Preise von 10 M. im Vorverkauf erhältlich: im Büro der B. Z. V., Meinekestr. 10, Tel.: Bismarck 7165 bis 7170; in den Buchhandlungen: Ewer, Knesebeckstr. 54, Flensburger Straße 30; Ostertag, Kleiststr. 20; Kedem, Dahlmannstraße 8; Qonzer, Oranienburger Str. 26. Tischbesfeliungen werden bis zum 19. Februar in der B. Z. V, entgegengenomnlen. Jüdisch-nationale Frauenvereinigung, Ortsgruppe Berlin des Bundes zionistischer Frauen. Frauengruppe West: Nächste Zusammenkunft Mittwoch, den 10. Februar, nachm. 5 Uhr, bei Frau Blumenfeld, Rüdesheimer Platz 7. Frauengruppe Schöneberg tagt 14tägig. Auskunft erteilt Frau Haase, Gleditschstr. 37, Kurfürst 5556. Interessierte Gesinnungsgenossinnen sind zu allen Veranstaltungen herzlichst eingeladen. Gruppe Ost Jeden Mittwoch abends 81/2 Uhr Zusammensein im Wohlfahrtsamt der Jßd. Gemeinde, Meyerbeerstr. 8, pt. Poale-Zlon. Jeden Sonnabend abends 8 Uhr Zusammenkunft Im Heim, Linienstr. 159. HapoSl-HazaYr. Jeden Donnerstag abends 8!/a Uhr Zusammensein. Versammlungsort wird jeweilig bekanntgegeben. Zionistischer Sprechchor. Jeden Mittwoch (nicht Dienstag), abends 71/2 bis 10 Uhr in der Kafser-Friedrich-Schuie, Knesebeckstr. 24 (Bhf. Savignypiatz), Uebungsabend. Auskunft erteilt Frau Hannah Zweig, Düsseldorfer Straße 23, Oliva 257. Sekretariat des Zeire MisrachL Sprechstunden täglich von 8—10 Uhr abends Im Mlsrachi* Zentralbüro, Monbljouplatz 1. Jeden Freitag, abends 8 Uhr, im Misraehi-Zentralbüro, Monbijouplatz t. Jüdischer Geschichtskursus. Leiter: stud. phil. Flescher. Briefkasten der Redaktion כסף מאץ תמצא. Ihr Vorschlag hat einen gesunden Kern und ist schon seit längerer Zeit unter Erwägung. Es sind jedoch gesetzliche Schwierigkeiten zu überwinden. Jüdlnclte TolkMpni-tel öffentliche Volksversammlung Donnerst**, den 11. Februar, abends 8 Uhr, in der Stadthalle, Klosterstrafie. BI. Iiuu.ii. flAinntiiflA flntafuMMl ■1 Anffimi « מ Redner: Dr. Alfred Klee, Prof. Dr. Heinr. Loewe, 6eorc Kareski. Dr. A. Sandler. Dr. K. Kollenseher, Kurt Blumenfeld, TL Waidmann, Dr. Soloweltsebtk, Eintritt frei! Zionismus and Palästlnaaaibai! Am Sonnabend, den 6. Februar, sprach in der Gruppe der Zionisten aus dem Osten Deputierter Jlzchak Grünbäum aus Warschau über das Thema ״Zionismus und Palästinaaufbau״. Der Vortragende erklärte, daß die Trennung dieser beiden Begriffe voneinander, die in den letzten Jahren versucht wurde, um eine Beteiligung von Nichtzionisten am Palästinaaufbau zu erzielen, sich als verhängnisvoll erwiesen habe. Allmählich sei man zur Erkenntnis gelangt, daß es einen Palästinaaufbau ohne Zionismus nicht geben könne. Allerdings sei auch ein Zionismus ohne praktischen Palästinaaufbau nicht möglich. Die bisherigen Erfahrungen haben gelehrt, daß^ nur Zionisten fähig sind, unentwegt Opfer für den Paläsfinaaufbau zu bringen, weil sie sich von den! Ideale der jüdischen Renaissance leiten lassen. Wo dieses Ideal fehlt, fehlt auch der Hauptantrieb, dauernd Mittel für den schwicrigen Paläsfinaaufbau beirusteuem. Die verhängnisvolle Tratnung von Zionismus lind Paläsfinaaufbau hat zu einer Schwächun^ der Zionistischen Organisation geführt. Das wird jetzt überall erkannt und die Stimmen aus Amerika, der Aufruf der Executive, einen Monat der Organisation zu veranstalten, und der in allen Landern, wo luden leben, hervorbrechende Drang, im Kampfe alle Positionen des Galuth- Judentums zu erobern, sind ein Beweis, daß die Zeit der Gesundung herannaht. Die Art der Förderung des Krimprojekte durch die amerikanische Assimilation, die Stellungnahme der deutschen Assimilation gegenüber dein Keren Hajessod und ihre Behauptung, daß die deutschen Juden für ihre eigenen Bedürfnisse und nicht für den Palästinaaufbau spenden sollen, sind ein deutlicher Beweis, daß auf nichtzionistischer Seite das Streben vorhanden ist, sich vom Palästinaaufbau fernzuhalten. Des es böse Beispiel der amerikanischen und deutscheu Assimilation kann auch leicht in Polen Nachahmung finden, wo die Not ungeheuerlich ist. Nur durch Gewinnung von_ Seelen und die Eroberung der Geister, sowie durch die Erkämpfung aller Machtpositionen im Judentum, d. h. durch den Ausbau der Zionistischen Organisation, können der PSlistlnaaufbau und die Verwirklichung des Zionismus gewährleistet werden. * De ursprünglich nach dem Sitzungssaal der Reprisentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstr. 29, einberufene Versammlung fand in der Rosenstr. 4 statt, wohin sich einige Hundert der erschienenen Zuhörer, die vergeblich auf Einlaß in der Oranienburgerstr. gewartet hatten, begaben. Einige Hundert Personen gingen unverrichteter Dnge weg. Wie uns von der Verwaltung des Hauses Oranienburgerstr. 29 mitgeteilt wird, beruhte die Weigerung des Torwarts, die versammelte Menge in den Versammlung®- saal hineinzulassen, auf einem Mißverständnis. Der Saal wurde nämlich rechtzeitig angefordert und zugesagt. Offenbar stellten sich bei der Hausverwaltung Oranienburgerstr. Bedenken ein, den Sitzungssaal der Repräsentanten Versammlung, der sonst niemals für Versammlungen zur Verfügung gestellt wird, für den Vortrag Oriinbaum zu überlassen. Anstatt von dieser geänderten Disposition den Veranstaltern der Versammlung rechtzeitig Mitteilung zu machen, wählte man den Ausweg, den Torwart nidit zu verständigen, daß eine Versammlung stattfinden werde. Die Saalverweigerung erregte in der angesammelten Menge große Empörung und Hunderte Menschen protestierten lebhaft gegen die Verweigerung des Eintrittes. Die Selbstmordepidemle unter deutschen Joden Im Logentempel zu Berlin fand vor kurzem eine Kundgabuajf, ,der sieben Berliner Logen des Ordens Baei Brith gegen die Selbstmorde statt Der Tempel war Ws auf den letzten Platz gefüllt Der Präsident der Jehuda Halevi-Loge, Dr. Fritz Kahn, führte ungefähr aus: Nicht anklagea können wir die Verzweifelten, denen ihre Gläubiger mehr sind als ihr Glaube, sondern sie beklagen. Aber wir klagen uns an, denn wir ließen Im deutschen Vaterlande ein entjudeteä Jude-sein aufkommen, das Strauchelnden und Verzweifelnden keinen Halt zu bieten vermöchte. Herr Dr. Kahn schloß mit der Mahnung, alle •Kräfte einzusetzen für die Hebung des jüdischen Bewußtseins und den Opfern der Not und Ver- Tolgung In allen Lebenslagen beizustehen. Während dieses feierlichen Oelübdes hatte sich die Versammlung von den Plätzen erhoben. Hierauf sprach der Großpräsident des deutschen Distrikts U. O. B. B. Rabbiner Dr. Baeck. ״Beurteile und verurteile niemanden, ehe Du nicht selber in seine Lage gekommen bist!", begann er. Es kommt uns nicht zu, über unsere Mitmenschen und ihre Handlungen, deren Triebfedern wir nicht kennen, zu richten. Um uns handelt es sich, nicht um die Toten. — Nach tiefen und gehaltvollen Ausführungen über die sittliche Persönlichkeit, die erst das Leben gestaltet, kam Dr. Baeck zu dem folgenden Schlüsse: Durch dich selbst dem Leben Wert und Gehalt geben — das ist jüdisch. Oberregierungsrat Hans Goslar geißelte den Kastendünkel vieler Juden, die nicht!»denken, daß einer den anderen braucht, einer vom anderen lernen kann. Wir brauchen ein jüdisches Gegenstück zur Heilsarmee, damit niemand hilf- und schutzlos unterzugehen braucht. Wir müssen die Jugendvereine in den Denst jüdischer Nächstenliebe stellen. Wir müssen unseren Kindern wieder Judentum Vorleben. Der Redner verlangte eine von allen jüdischen Organisationen gemeinsam geschaffene und getragene Kredithilfe. Rechtsanwalt Dr. Ludwig Ffol!ander machte seinerseits mehrere Vorschläge zur Behebung der zu Selbstmorden führenden Not, die zur Beratung und Ausführung entgegengenommen wurden. Die Kategorie! der Palästina-Einwanderer Das Palästina-Amt teilt mit; De Kategorienbezeichnungen für die Palästinacinwanderer lauten von nun ab: früher von jetzt ab Besitzer von über £ 500 Kat. B Kat. A1 Handwerker mit £ 250 ״ B ,, A 2 Empfänger von £ 60 Jahresrente ״ B A3 ״ Waisen « B ״ A4 Religiöse Berufe ״ F ״ A 5 Schüler ״ A<> Besitzer von weniger als £ 500, die auf eigenen Antrag eine besondere Erlaubnis erhielten ״ B Feste Arbeitsstellen E ״ Angeforderte von Verwandten » D D ״ Touristen F De Anforderungen von Arbeitgebern, früher Kat. D, gehören jetzt zu Kat. C. Der frühere Chachambaschi der Türkei und jetzige Großrabbiner von Aegypten, Chaim Nahum, wird anläßlich des kommenden Peßachfestes an der Spitze einer großen Reisegesellschaft aus Aegypten nach E r e z -1 s r a׳e I reisen und die Peßachtage In Jerusalem verbringen. An der Reise sollen viele der angesehensten ägyptischen Juden teilnehmen. In Berlin weilt gegenwärtig Dr. J. Goldmann aus New York, um Besprechungen mit Führen» von Joint und ״ORT“ abzuhalten.

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