Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1926)
- Date
- 1926-02-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8*. JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. II Bflcherschaü Mosche Smilamki, Sippurim (Erzählungen). 2 Bände (he* braisch). Verlag Jiwneh, jetzt Benjamin Harz, Berlin. Der Verfasser dieser Oesehicliten ist eine der Hebenswertesten und aufrechtesten Figuren des Jischuw, einer von den alten Pionieren der jüdischen Kolonisation, Kolonist der ״ersten Alijah", jener Gruppe also, die heute im allgemeinen keinen guten Namen in nationalen Kreisen hat. Aber man darf nicht an den jiddisch sprechenden Kolonisten von Petach Tikwali oder Roscli Pin all denken, wenn von Smtlanski die Rede ist. sondern ReI10both ist vielleicht die national fortgeschrittenste der alten Kolonien, und wer einmal Smiianski in Rehoboth besucht hat, weiß, daß diese prachtvolle Bauerngestalt mit ihrem Herzen bei den Jungen, den Pionieren von heute, ist: Dieser Landwirt ist aber auch hebräischer Publizist von Rang, seine Aufsätze zu wirtschaftlichen und politischen Problemen in der palästinensischen Presse sind stets beachtenswert. Die Geschichten, die hier gesammelt in zwei schön und sauber gedruckten Bänden vorliegen, führen uns zurück in die Anfänge der palästinensischen Kolonisation, in eine Zeit, die nicht wiederkehren kann und deren Erinnerung festgehalten zu werden verdient. Ein zarter Schimmer von Jugetrd, Sehnsucht, Liebe liegt auf diesen Geschichten, eine Poesie, die nicht sentimental wird, weil sie von der Realistik des Lebens erfüllt ist. Wir gewinnen hier Einblick in die kleinen, engen Verhältnisse des Palästina um die Jahrhundertwende, in denen Menschen mit der Glut und Inbrunst ihres reinen Enthusiasmus die Erfüllung ihres nationalen und menschlichen Ideals suchen. Immer wieder tritt uns der Typus des jungen Arbeiters entgegen, fanatisch in seinem nationalen Willen, sensitiv und romantisch in seinem Verhältnis zur Welt: leicht verbindet er sein individuelles Erlebnis mit seiner Idee, Liebe wird verwoben mit nationaler Romantik. Frauen sehen wir,!ungezogen sich fühlend zu diesen jungen Menschen und ihrer Welt, doch oft ist es nur eine Episode, und das Schicksal führt sie weiter. Der ״Feind“ schlechthin ist die ,,Verwaltung“, die Bürokratie einer von Europa aus regierenden Philanthropie, Beamte, die von den nationalen Idealen nichts wissen wollen, Levantinertum züchten, ihre Machtstellung fühlen lassen: gegen sie lebt der junge Arbeiter in ständigem Protest, Besser als Artikel und 'Abhandlungen es vermögen, führen diese Geschichten ein in die Entstehung und Eigenart der palästinensischen Arbeiterbewegung und ihre autochthonen seelischen Wurzeln. Gerade heute, wo die Verhältnisse ganz andere geworden sind, und auch politische Elemente und Massenmomente eine viel größere Bedeutung haben als damals, ist es wichtig, ■sich in jene Zeit zurückzuversetzen. Poes ist es, was die Sammlung dieser seltsam anmutigen Erzählungen rechtfertigt, die ohne besondere künstlerische Prätensionen auftreten, und die gerade für Zionisten im Galuth, die das jüdische Palästina verstehen wollen, eine empfehlenswerte Lektüre sind. Smilanski schreibt ein _ ausgezeichnetes, leicht verständliches, modernes Hebräisch, die Geschichten können also zugleich ein gewinnbringendes Hilfsmittel beim hebräischen Unterricht für Fortgeschrittene sein. W. Georg Linden, Arische und Semitische Dichtung. Kurt Schrocder Verlag, Bonn 1925. 4 M. Es ist in letzten Jahren oft über den Einfluß des Rassen- Charakters auf die Dichtung geschrieben worden; man muß dabei nicht an das Geschwätz der völkischen Rassentheoretiker von Chamberlain bis Bartels denken, aber von ernster christlicher wie auch von jüdischer Seite wurde ichters deutscher Zunge gesagt; - 2, B. vön Julius * Bab (in einem fein analysierenden Vortrag), von Moritz Heimann (im Buch ״Vom Judentum“), von Arnold Zweig, Max Brod und anderen bewußt jüdisch empfindenden Dichfern. Es sei auch an das von Krojanker im Welt-Verlag herausgegebene Sammelbuch ״Die Juden in der deutschen Literatur“ erinnert. Martin Buber hat in seiner Einleitung zum R. Nachman jüdisches Wesen gegen okzidentales abzugrenzen versucht. Einem ähnlichen Problem dient die vorliegende, fesselnd geschriebene Arbeit. Der Verfasser, der ohne vorgefaßtes Werturteil an die Sache herangeht, ist sich der großen Rolle bewußt, die jüdische und arabische Kulturelemente beim Aufbau der europäischen Kultur gespielt haben, und er setzt sich das Ziel, dem Wesen dieses Einflusses vor allem in der Dichtung nachzuforschen. Dazu gehört zunächst die gegenseitige Abgrenzung. Seine Methode ist die Gegenüber- Stellung von Dichterwerken verwandter Gattung, einerseits aus der jüdischen und arabischen, andererseits aus den arabischeuropäischen Literaturen. Er beginnt mit einem wundervollen arabischen Liebesgedicht, dem er ein ebenso vollendetes Sonett Dantes vergleicht, und zeigt schon an diesem Beispiel die entscheidenden Unterschiede: Das arabische Gedicht spricht oft einfache Gedanken aus (z. B. ״Sie ist die Königin der Frauen“), die dennoch in rätselhafter Eindringlichkeit wirken, und zwar durch die Gesamtatmosphäre des Kunstwerkes, die den ganzen ,Komplex einzelner Vorstellungen umspannt und entbanalisiert; und plötzlieh vollzieht sich die kühne und überraschende Wendung zum Kosmischen, in Versen wie dieser: ״Das Weltall wird durch ihren Gang verwirrt“. Charakteristisch für diese Art Dichtung ist die Durchdringung einer glühenden Sinnlichkeit, die jedoch nur Einzelzüge darstellt, mit der metaphysischen Verklärung, die das Ganze in nebelhafte Distanz rückt. Dagegen entsteht bei Dante die Stimmung aus der Darstellung konkret-körperlicher Vorgänge, und erst aus dem Gegenständlichen wird der geaankliche Untergrund gewannen. An weiteren Beispielen (Hora7, Petrarca, Shakespeare, Baudelaire zeigt der Verfassen, wie im arischen Gedicht die Erkenntnis des Allgemeinen aus dem Konkreten mit klar gefaßten Worten ausgesprochen wird, ein Gegensatz zum jüdisch-arabischen Gedicht (Beispiele: Hohelied, Arabische Gedichte, Heine). Bei der sogenannten ״Nationaldichtung“ konstatiert Linden die große Ueberlegenheit des semitischen Typus, dessen gewaltigcr Gefühlsdrang eine viel einheitlichere und machtvollere ist als der des arischen Nationalgedichtes. Am klarsten wird der Unterschied in der religiösen Dichtung, wo der semitische Dichter ganz überwältigt ist von der Allgewalt der Gottheit, die alle Erscheinungen zur Einheit bindet, während der Arier trotz seiner Anpassung an das semitische Vorbild die Vielheit der Erscheinungen, gebrochen durch seine eigene Persönlichkeit, sicht. Gesetzesbegriff und ethisches Problem haben niemals in der arischen Kunst eine ähnliche Rolle gespielt wie in der semitischen. Intimstes Einfühlen, ethisches Pathos, Nächstenliebe. Gerechtigkeitsgefühl — das sind Elemente, die, trotz Christentum, dem Geist der arischen Völker fremd geblieben sind. Sie haben aber auch ihre Kehrseiten: egoistisches Machtstreben, Pose, ״Witz“. — Es ist nicht möglich, im Rahmen eines kurzen Referates der Untersuchung durch alle ihre Etappen zu folgen; sie führt uns über zahlreiche Beispiele aus der alten und neuen Literatur zum Drama, dessen Eigenart an den Paaren Hofmannsthal - Sophocles und Heine-Grillparzer exemplifiziert wird, wobei darauf hingewiesen wird, daß das Drama eine arische Dichtungsform ist, darum jüdische Dramen erst ihren wahren Wert erhalten würden, wenn sie als eigenartige Kategorie begriffen und demgemäß aufgeführt würden.' Zu kurz kommt die Prosa, an der sich gerade bei modernen jüdischen Schriftstellern fruchtbare StiMtersuchungen hätten machen lassen. Nietzsche — heißt es an anderer Stelle — mußte sich des ״semitischen Pathos“ bedienen, mn für Zarathustra die richtige Form zu finden; und Dostojewski der Russe hat eine Grenzstellung, seine Psychologie ist semitisch in ihrer Tiefendimension (wohl asiatisch, nicht semitisch!). Nicht in allen Folgerungen wird man dem Verfasser beistimmen; zuweilen scheint es, daß er individuelle Unterschiede und Merkmale rassenmäßig ausdeutet; aber im ganzen großen scheint mir seine Typisierung überzeugend. Besonders interessant ist die Uebereinstimmung, die er in jüdischer und arabischer Dichtung und Denkweise findet. Einmal bemerkt er, nach Nebeneinandcrstcllung eines alten arabischen und eines Heineschcn Liebesgedichtes: ״Der Unterschied zwischen der überreichen, selbstzufriedenen Kultur des arabischen Herrenvolkes und der tausend Jahre jüngeren Christlich-germanischen Umgebung mit ihrer seelischen Vcrfeinerung und ihrer endlosen äußeren und inneren Unterdrückung des Judentums hat weiter nichts ausgewirkt als eine etwas zartere Abtönung der zugreifenden Empfindung; ihre Struktur und ihr Ausdruck sind unverändert.“ Dasselbe konstatiert er später für Hofmannsthal. — Ein entschiedener Nachteil des Buches ist, daß der Verfasser nur mit Uebersetzungen arbeitet, offenbar die semitischen Sprachen nicht selbst bcherrscht; denn so wertvoll die Untersuchung der Gedankenweit ist, noch fruchtbarer könnte sie sich zweifellos gestalten, wenn auch das sprachliche Element voll berücksichtigt wäre. Vielleicht würde man hier noch zu erstaunlicheren Resultaten über die Nachwirkung hebräischen Geistes kommen. Auch aus der Heranziehung anderer asiatischer Dichtungen ergäben sich weitere Perspektiven. In einem Punkte stimmen wir aber dem Verfasser unbedingt bei: Arier und Semiten bringen einander heute viel Unheil, weil der dumpfe Druck unklar bewußter und nicht deutlich faßbarer Gegen- Sätze ihre Seele gefangen hält und ihr gegenseitiges Verhältnis vergiftet; durch klare Erkenntnis und Bewußtmachen des eigenen Wesens, durch Verständnis für die Andersartigkeit, aber Gleichwertigkeit der anderen Gruppe, könnte eine Synthese geschaffen werden, die ein harmonisches Zusammenwirken der beiden großen gegensätzlichen Kräfte fruchtbar und schöpferisch macht. Nicht Verwischung uncl Assimilation, nur Selbstbesinnung auf die tiefe und reine Kraft des Eigenen kann die Völker einander auch innerlich näherbringen und von dem Albdruck des Gespenstischen befreien. Michael Walter. Jahrbuch für Soziologie, ein internationales Sammelwerk, I. Band. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1923. Dieses, von Dr. S a I o iiko n . Professor an der Universität Frankfurt a. M., herausgegebene Sammelwerk, ist das erste seiner Art überhaupt und versucht in umfassender Weise, die Probleme und die Problematik der Soziologie von den verschiedensten Standpunkten und von Vertretern verschiedener Länder aus darzustellen. Die Soziologie als eine Wissen- Schaft, deren Methode sowohl als auch deren Gegenstand noch durchaus umstritten sind, deren Existenz in irgend einer Form jedoch festzustehen scheint, will wohl auf rationellem Wege den Zusammenhang aller Kulturgebiete und Kultur- Wissenschaften wieder herstellen, der als Lebensgefühl verlorengegangen ist. Sie ist somit in gewissem Grade ״die“ Wissenschaft unserer Zeit geworden, und ihre Leistungen sind trotz allem Dilettantismus, der gerade auf diesem Gebiete leicht zum Durchbruch kommen kann, dennoch oft bedeutende. Die Titel einzelner Aufcätze dieses Jahrbuches zeigen schon die Mannigfaltigkeit und die Differenziertheit d^• Fragestellungen überhaupt auf: MpiMterJFtenk Sfffetogbl J&4 Erk»MnisyÄ-1:,:Ifitf Oppenheimer (Frankfurt a. M ), Soziologie des Stahles,* Kajl Joel (Basel), Der säkulare Rhythmus der Geschichte; Barnes (New York), Anthropologie und Geschichtswissenschaft; Tietze (Wien), Die soziale Funktion der Kunst; Michels (Turin), Materialien zu einer Soziologie des Fremden; Duprat (Genf), Soziale Typen oder soziale Klassen; Pound (Harward), Soziologische Jurisprudenz in Amerika; Tönnies (Kiel), Riehtlinien für das Studium des Fortschrittes und der sozialen Entwicklung. Dadurch, daß Vertreter verschiedener Fachgebiete und verschiedener Länder an diesem Werk mitgearbeitet haben, gewinnt es eine besondere Lebendigkeit, wenn auch andererseits die Tatsache, daß nicht derselbe Gegenstand von den verschiedenen Gelehrten behandelt wurde, noch ein Mangel gerade für ein internationales Jahrbuch ist, dem aber in den nächsten Bänden wohl abgeholfen werden wird. Uns interessiert besonders der Aufsatz von Michels, der nicht nur zur Psychologie der Assimilation und des Antisemitismus Bemerkenswertes sagt, sondern auch Im Zusammenhang mit dem Entnationalisierungsprozeß der Aus- Wanderer sich über den Zionismus äußert und ausführt: ״Gegen die Amerikanisierung der russischen Juden in den Vereinigten Staateii ist in dem Attachement dieser Elemente zu Rußland, Polen .... kein Kraut gewachsen. Das einzige Gegenmittel besteht in der Schaffung und Erhaltung des vom Heimatland und Gastland gleich entfernten Gefühles: des Zionismus.“ Wenn wir noch die Bedeutung der Soziologie und ihrer Erkenntnisse, insbesondere auch auf dem Gebiete der ParteienSoziologie, für die Fragen des Zionismus schließlieh noch besonders hervorheben, so geschieht das deswegen, weil eine klare soziologische Erkenntnis die Entstehung mancher, nur durch ein Sentiment oder Ressentiment zu verstehenden Erscheinungen und Vorgänge verhütet oder zum mindesten in geordnete Bahnen geführt hätte. Dr. F. M. Almanach für das Jahr 1926. Internationaler Psvchoanalytischer Verlag, Wien. Jahrzehntelang war der geniale Jude Sigmund Freud ein Einsamer, fast könnte man sagen ein Geächteter. Heute steht er auf der Höhe internationalen Ruhms. In dem an die Spitze dieses Almanachs gestellten Aufsatz spricht er offene Worte über sein Judentum, das bei der Antipathie der Umwelt gegen die Psychoanalyse mitgewirkt hat. Der Almanach zeigt jedoch das respekteinflößende Werk Freuds und seiner Schüler in seinem Umfang und Einfluß. Dichter und Künstler äußern sich über die Wirkung der Lehre auf das Denken und Schaffen, wir lernen Proben aus den Anwendungsgebieten der neuen Betrachtungsweise auf verschiedensten Wissensgebieten kennen, zahlreiche Abschnitte aus Werken der Freud-Schüler (unter denen auch eine große Zahl Juden sind). Die Bedeutung der Psychoanalyse für das Erziehungswesen, die uns vor allem wegen Palästina interessiert, soll demnächst in anderem Zusammenhang angedeutet werden. Der Almanach gibt zum Schluß eine instruktive, sich nicht auf Titelnennung beschränkende Uebersicht der Erscheinungen des Verlages. Albert Ehrenstein, Lukian. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1925. Albert Ehrenstein hat den Lukian, den ״letzten Hellenen“, neu ins Deutsche übertragen, eigentlich ins Oesterreichische — mit einem Stich ins Jüdische. Es prägt sich eben der kongeniale Geist des Uebersetzers in dieser Nachdichtung aus, die in ihrem etwas modernisierten Gewände an Frische, lebendiger Laune und Keckheit, hinter der sich voltairische Weltkenntnis verbirgt, gewinnt, und in ihrer sprudelnden Phantastik auch manchem Heutigen eine Erholung des Geistes sein wird. (Inhalt: Wahre Geschichte, Der magische Esel, Hetlreagesp,räche.) ZeKschrilfeaschan The Jewish Quarterly Review. New Series. Edited by Gy* ms Adler. Vol. XVI. Nr. 1 u. 2. Dropsie College, Philadelphia, PA., U.S.A. — Jährlich 8 3,-. Die bedeutende judaistische Viertel Jahresschrift enthält in den bisher erschienenen beiden Heften des neuen Jahrgangs (Juli und Oktober 1925) eine Reihe interessanter wissenschaftlicher Arbeiten. Wir erwähnen: Finkeistein, Die Entwicklung der Amidah (zur synagogalen Liturgie); Leo Jung, Die gefallenen Engel in der jüdischen, christlichen und mohammedanischen Literatur; Cccil Roth, Die Zwangstaufen in Rom 1783 und die Londoner Gemeinde: Margolis, Transskriptionen im griechischen A.T. — Ferner eine ganze Anzahl wichtiger kritischer Notizen und Bemerkungen. Die Zeitschrift bietet allen Freunden jüdischer Wissenschaft, die der englischen Sprache mächtig׳ sind, wertvolle Bcrcicherung. ״Menorah“ jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, Wien 1/1 Fach 161 (Preis des Jahresabonnements M. 12,—). Die soeben erschienene Nummer 2 des IV. Jahrganges enthält u. a. eine Studie von Dr. Michael Ringel über die Steiger-Affäre, welche durch die Porträts der an diesem Prozesse teilhabenden Personen wirkungsvoll ergänzt wird, ferner eine Studie zum Buche Ruth von Rabb. Dr. David Feuchtwang, Rahel Szalit (mit 6 Kunstbeilagen) von Walter Kaudcrs, Der Abschied des jungen Börne von Berlin (mit drei Porträts aus der Sammlung Dr. P. J. Diamant) von Dr. Martha Hofmann, Ein Waisendorf in Palästina (mit Bildern) von Prof. Dr. Leon Kellner sowie viele andere literarische und künstlerische Beiträge. Gesellschaft für jüdische Familienforschung, Berlin. Noch kurz vor 19213 hat die Gesellschaft für jüdische Familien forsch u ng das vierte Heft ihrer ״Mitteilungen“ herausgebracht. In den beiden ersten Artikeln werden inter-, essante Einzelheiten beigebracht über den legendarischen E i n t a g s k ö n i g S a u 1 Wahl, den die polnischen Adligen 1588 für eine Nacht zum König von Polen wählten! Max Wol 1 stei 11 er, selbst ein Nachfahre jenes Saul Wahl, berichtet über seine langjährigen Forschungen, und Dr. Czcllitzer gibt Ergänzungen hiefzu aus seinem seit 1884 gesammelten Material. Dr. K1 i b a n s k i und Oberbibliothekar Stern setzen ihre Artikel fort über die im Jahre 1812 in Frankfurt a. M. heimatberechtigten Juden resp. über die Berliner Familie Ephraim, die Nachkommen des bekannten Münzjuden Friedrichs des Großen. Arturo Bab aus Rivera in Argentinien macht uns bekannt mit einem kulturhistorisch pikanten spanischen Sctnigotha, d. h. einem 1612 in L i in a - P e r 11 erschienenen Adelalma nach, der auch eine Anzahl Marannen enthielt. Die Inquisition hat deshalb diesen Almanach auf den Index gesetzt, aber nicht verhindern können, daß ein Exemplar sich bis heute erhalten hat. Der Schluß der Dinkelspiel’schen Familienchronik von Carl Simon, Notizen von L. Moses über jüdische Namensethymologie sowie das übliche Suchblatt mit zahlreichen Fragen und Antworten aus dem Leserkreise runden den Inhalt des Heftes ab. Allen Interessenten ist der Eintritt in die Gesellschaft für jüdische Familienforschung um so mehr zu empfehlen, als die Vierteljahrshefte allen Mitgliedern unentgeltlich zugehen. ״Zedakah“, die Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege, herausgegeben von der Zentrahvohlfahrtsstelle der deutschen Juden, ist soeben erschienen. Dem reichen .Inhalt Ist zu «ntfliege‘*''.«Mi. ,Dr.11*0׳ Baecft*, ~D1e;gegeiÄilp Lage •'dfr jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland“ von Dr. Jakob Segall; ״Zukunftsfragen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland“ von Eugen Caspary; ״Zentralwohlfahrsstelle und Landesverband“ von Sanitätsrat Dr. Ollendorf-Barmen; ״Ausländische Wohlfahrspflege und deutsches Judentum“ von Dr. Werner Senator: ״Probleme der jüdischen Wanderfürsorge“ von Sch. Rudel; ״Zur Problematik des jüdischen Arbeitsnachweiswesens“ von Gertrud Prochownlck; ״Jüdische Jugendwohlfahrt“ von Dr. Fritz Lamm; ferner eine reiche Zahl weiterer Aufsätze und Mitteilungen. ״Cofim“ (Monatsschrift der jüdischen Jugend). Mitte Januar erschien das dritte Heft der Monatsschrift der jüdisehen zionistischen Jugend, unter dem Titel ״Cofim“, herausgegebcii von dem Studentenverein ״Przedswit-Haszachar“ in Krakau (in polnischer Sprache). Preis des Heltes SO gr. Redaktion und Administration: Krakow, Stradom 15. Mit dem 10. Februar beginnt In Warschau die Zwei- Wochenschrift ״Volk und Land“, Zentralorgan der zjonistischen Arbeitspartei Hitachduth in Polen, unter der Redaktion der Herren Dr. Arje Tartakower, Abg. Abraham Lewinsohn und Dr. Nathan Eck wieder zu erscheinen. (Ziko.) Oie jüdische Bibliothek in Berlin Das Bibliothekswesen der jüdischen Gemeinde Berlin kann bald auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Durch Be- Schluß der Gemeindebehörden vom 5. März 1899 begründet, wurde die Hauptbibliothek (Oranienburger Straße 29) am 3. Februar 1902 für das Publikum eröffnet. Die Filialbibliothek (Fasanenstraße 80), um 1895 von dem Verein ״Jüdische Lesehalle und Bibliothek“ eingerichtet, ging •1920 in den Besitz der Gemeinde über. Am 1. März 1905, da der noch heute amtierende Oberbibliothekar Dr. Moritz Stern die Leitung der Bibliothek übernahm, standen dem Publikum nur 9398 Bände zur Verfügung. Am 1. Oktober 1925 konnte die Hauptbibliothek auf einen Bestand von 48 000 Bänden hinweisen. Durch Uebernahme der ״Jüdischen Lesehalle und Bibliothek“ kam ein weiterer, wertvoller Bücherbestand hinzu dort sind jetzt 10500 Bände vorhanden, so daß die beiden Bibliotheken zusammen 58 500 Bände zählen. Der Sach■ katalog umfaßt folgende Hauptabteilungen: Allgemeines Sprache, Geschichte, Literaturgeschichte — Bibel, Apo• kryphen, Talmudische Literatur, Spätere rabbinische Literatur Religionsphilosophie, Kultus, profane Werke jüdischer Ge■ lehrter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, Hebräische Uebersetzungen profaner wissenschaftlicher Werke, Schöne Literatur und zum Schluß Werke, die nicht zu den Hebraic3 und Judaica gehören. — Aus den Bücherkäufen des letzten [ahres seien die Sammlungen des Prof. S. Dubnow (von Wichtigkeit für die Geschichte der Juden in Rußland) und Prof. S. J. Hurwitz besonders hervorzuheben. Auch die Handschriftenabteilung wurde reichlich vermehrt. Die Drucklegung des Handschriften-Katalogs ist beschlossen. Als erstes Heft wird ein Verzeichnis der wertvollen Autographen- Sammlung erscheinen. In der letzten Nummer des ״Ku 11tress“ wird festgestellt, daß die C11 a 1 u z i m b e w e g u n g nach Palästina nicht abnimmt, sondern im Gegenteil täglich wächst. ״Größe Gruppen kommen in letzter Zeit nach Palästina, wie z. B. die ,Kovesch‘, ,Trumpeldori, ein neuer Teil der Pinsker Kwuzah, ,Meschullasch‘, eine rumänische Kwuzah, eine neue Abteilung des ,Hapoel-Haza'ir* und verschiedene russische Kwuzoth. V׳: i aus den neuesten Informationen hervorgellt, werden aus Polen und Galizien nach Hunderten zählende Arbeitergruppen ins Land kommen.“ I