Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1926)
- Date
- 1926-02-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 11 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 83 Literatur-Blatt Die deutsche Bibel’’ Von Bertha Badt-Strauß. Martin Buber und Franz Rosennveig habet! ein großes Wagnis gewagt. Gleich unserem Erzvater Jakob haben sie ״mit irdischer und göttlicher Macht gestritten“ und s’nd nxht unterlegen; ״die Schrift zu verdeutschen“ unternahmen sic. Das erste Buch der ״Fünf Bücher der Weisung“ liegt vollendet vor, das Buch Im Anfang. Schon der Name ihres Beginnens deutet Tragweite und Anspruch. Nicht eine Uebersetzung wollten sic den zu ihrer Zeit gewiß verdienstlichen Werken eines Philippsohn, Bernfeld, Zunz, Arnheim an die Seite stellen; sondern ״verdeutscht“ sollte die Schrift werden. Das aber hat vor ihnen vielleicht nur einer unternommen: Martin Luther. Deshalb ist es unvermeidbar, Weg und Ziel der neuen deutschen Bibel mit der Lutherbibel zu vergleichen, will man erkennen, ob der An- Spruch des Namens zu Recht besteht. Was sein ״Dolmetschen für Kunst und Arbeit sei“, darüber hat sich ja Luther wie bekannt vieler Orten ausgesprochen, am eindringlichsten wohl in dem berühmten ״Sendbrief vom Dolmetschen״, wo er gewisse Angriffe seiner Gegner mit der Begründung zurückweist, hier sei es darauf angekommen zu sprechen ״wie die Mutter im Hause und der gemeine Mann“ — ״das heißt gut deutsch geredt!“ Durch den leben- ■digen Austausch mit der deutschen Volkssprache, die den Sohn des Schieferhauers Hans Luther und den kleinen Schüler, der ums Brot vor den Türen der Bürger sang, von Kindheit auf umgeben und eingehüllt hatte wie ein wärmend Kleid, konnte der Mann allein sein ungeheures Werk davor bewahren, daß es Papier, daß cs Literatur blieb und cs zum ״gesprochenen Wort“ gestalten. Nebenbei sei darauf hingewiesen, was für unsere Absicht merkwürdig wirkt, daß der scharfsichtige Mann an der gleichen Stelle seine Bibel ausdrücklich trennt von einer durch Juden übersetzten; darum verwirft er eine zur selben Zeit erschienene Uebersetzung der Propheten, obwohl ״darinn doch warlich großer vleis geschehen ist“. — ״Aber cs sind Juden dabey gewest, die Christo nicht große huldc erzeigt haben , . Der Weg, den die Juden zu gehen hatten, mußte ein von Grand aus anderer sein. Gewiß mußten auch sie den lebendigen Zusammenhang mit der gesprochenen Sprache ihrer Zeit suchen; aber sie fanden nicht das heimatliche und bergende Element in ihr, das Luther umgab und umhegte. Der deutschen Volkssprache, aus deren unversiegiiehem Brunnen Luther schöpfte, konnten sie keine jüdische Volks- Sprache entgegensetzen. Es ist in der ständigen Schichtung der deutschen Judenschaft begründet, daß sie der Mutter Im Hause und dem gemeinen Mann wohl ohne erheblichen Nutzen ״aufs Maul sahen“ — um mit Luther zu reden. Sprachen sie jüdisch, so war es kein Deutsch; sprachen sic deutsch, so war es keine jüdische Volkssprache mehr, sondern -das Deutsch der Zeitung, der Straße, der Mode, des Tages. -rrfjaÄie* ׳d**- JAgfeflNh-Vellt *1'fäWfen,' das'1demiiich *eine teherrsehende Rolfe itrder*wuen Wiedergabe spielen mußte: Es gibt eine jüdische Votksmelodie, die nur der Schrift gehört und mit ihr — das heißt: mit dem gcsprochenen Wort, das die Schrift noch heute für den wirkliehen Juden geblieben ist — untrennbar verwachsen ist. Nur dadurch wurde dieses Buch von allen Büchern vor dem Schicksal gerettet, Literatur, Schrifttum zu werden und blieb lebendiges Wort Es ist die Melodie des ״Leinens“, auf einer streng überlieferten Art der Zeichensetzung beruhend, die freilich durchweg funktioneller Ausdruck des Logischen ist, aber diese logische Bedeutung zugleich stets von dem musikalischen Wert tragen läßt Schon in einem früheren Versuche einer deutschen Wiedergabe des Benschens, die er ״Der Tischdank“ nannte, bemühte sich Rosenzweig, den Klang des hebräischen ״Nigun“ im Deutschen aufzunehmen. Jenes frühere Bemühen nimmt nun die deutsche Bibel in weit vertieftem und gereiftem Maße wieder auf, Ais erste von allen ihren Schwestern stellt sie sich die Aufgate, die Satzrhythmik hebräischer Prosa wie die Akzente sie verkörpern, neu zu beleben, und sie naturnahe, dem Wort nahe zu halten durch die ihr innewohnende, von Buber aufs neue entdeckte, vom Atemschöpfen entlehnte Gliederung des Gef&ges. Freilich ist jener altgewohnten Zeichengebung, worauf Franz Rosenzweig in den beigegebenen Bemerkungen zur neuen Bibelübersetzung mit Recht hinweist, niemals etwas unmittelbar Verpflichtendes zuerkannt worden, wie denn schon Raschi keinen Anstand nimmt, den ersten Satz der Bibel in klarem Widerspruch zu jenen überlieferten Zeichen zu interpretieren. Nicht in jedem Fall darf sich der Uebersetzer an sie binden; aber sie leistet Ihm den unschätzbaren Dienst, dessen Erfüllung er als seine erste Pflicht erkannt hat: die Schrift wieder vom Atem des lebendigen Wortes durchziehen zu lassen. Zu dieser Treue gegen den Klang gesellt sich eine fast unerhörte Treue gegen den Ursinn des hebräischen Wortes. Ein Beispiel möge lauter reden. Namen haben von alters dem Juden ein Wesentiidtes verkörpert: so zeigen denn auch schon die Namen der einzelnen Bücher, wie sie hier im Plane der großen Aufgabe ausgesprochen werden, Wille und Weg, Zwang zur Treue und Zwang zur Freiheit Das ״Buch Im Anfang“ nannten wir schon; auch die anderen ״Fünf Bücher der Weisung“ spiegeln mit kaum zuvor versuchter and doch seltsam wirkungskräftiger Treue das hebräische Urbild: das ״Buch Namen“, das ״Buch Er rief“, das ״Buch In der Wüste“, das ״Buch Reden“. In dem Begriff ״Kinder“, der dann ferner das altgewohnte ״Propheten“ ersetzt, liegt der tiefe Gegensatz des israelitischen Künders einer göttflehen Botschaft zu dem griechischen Propheten, dem Vorher- Säger der Zukunft, wie ihn Note! einmal umschrieb, enthalten. Nun aber erscheint unter den fünf Rollen das Buch, das im Hebräischen איכה genannt wird; ,,Klagelieder*' übersetzen die Früheren, frei und ungenau. Was war hier zu wählen? Wörtliche Treue wäre hier Untreue geworden, da das erste Wort von dem Inhalt des Buches nichts verriet Aber der Uebersetzer hörte dieses Wort in der Trauermelodie, die diesem und nur diesem Buche gehört; hörte es gesungen; *) Die Schrift. Zu verdeutschen unternommen von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig. (Berlin, Verlag Lambert Schneider.), hörte es als Wort. Und so entstand die Uebersetzung־. Das Buch Wehe. Wie unsere Väter cs verlangten, so scheint hier wahrhaft jedes Wort um- und umgekehrt, hin- und hergewendet worden zu sein. Man spürt, daß dieses Ucbcr&ctzungswerk aus der Fülle jüdischer und nichtjüdischer Bibclwissenschaft gespeist ist, wenn es auch (zum Glück) gänzlich ohne kritischen Anhang, ohne Vorwort, ohne Anmerkungen rein als Bild nur vor uns Iiintritt — wie nach Luthers Meinung eine Bibel eigentlich dargeboten werden sollte —. Wiederum mögen Beispiele beweisen, wo Worte nur zu weisen vermögen. Nur wenige: man müßte jede Seite des neuen Buches vergleichen, um ihm Genüge zu tun. Schlagen wir die erste Seite auf: Da sprach Gott: es werde Licht! und cs ward Licht (Bcr. I, 3), lasen die alten Uebersetzungen. Da sprach Gott: Licht werde! Und Licht ward. So heißt es hier. Was ist gewonnen? Zunächst: der Klang des hebräischen Satzes ertönt nur hier: das harte Nebeneinander voller Vokaisilbcn, unbeirrt durch das kleine Nichts von ״es“. Spondeische Satzrhythmik ist gewahrt. Dazu aber tritt der Dienst an der deutschen Sprache, ohne den keine wahre Eindeutschung zu denken ist Hier steht: ״Und Licht ward“. Ebenso wird — fünfmal noch im selben Kapitel — die Uebersetzung des hebräischen ‘:ויהי־ durch ״Und es ward“ gegeben. Was wir hier hören — denn mau muß es hören — ist nichts als die Wiederbelebung des alten deutschen erstorbenen Wortes ״werden“ in ursprünglicher Kraft. Noch Goethe spürte die Kraft des Wortes, als er im Westöstiichen Divan bei dem Ruf ״Es werde!“ das AU ,mit Machtgebärdc in die Wirklichkeiten‘ brechen sah. Wie aber betrügt uns das übliche ״Und cs geschah also“! Diese Hingabe an den Ursinn des hebräischen Wortes führt manchmal zu Neubildungen (wie etwa ״Spähiäufem für מרגלים (Kap. 42,9), Wildeselmcnsch אדם K'B _ (Kap.22), die erst verblüffen; aber auch zu seltsam frischen Bildern aus dem jüdischen Leben. So sitzt die verschleierte Tamar ״am Zugang nach Zweibrunn“ בפתח?דגים (Kap. 38,14) — man sieht das Dirnlein sitzen; wenn cs auch — vielleicht nicht eben glücklich — ״Weihbuhlc“ קדי*2ה (Kap. 38,14) genannt wird Oder Joseph beklagt sich ebenso treu wie lebendig, ״daß sie ins Loch mich geworfen haben“ (Kap. 40,15). Oder die verbale Verstärkungsform, bisher meist fortgelassen oder, bar jeder Anschauung durch ״gewiß“ oder ״freilich“ wiedergegeben, wirkt hier, ihrer Form nach übernommen, mit ursprünglicher Kraft: Von allen Bäumen des Gartens magst essen Du, essen . . . (Kap. 2,16). Oder: Verzehnien will ichs, verzehnten Dir (Kap. 28,22). Von unmittelbarem Nacherleben ater nicht bloß des künst* lerischen Inhalts, sondern auch seiner religiösen Sendung zeugt die Art, wil das Problem des Gottesnamens gemeistert wird. Unaussprechbar ^sollte er sein, und unausgesprochen ';MllbVen 'vJirtT er für-Äuge und Ohr unterschieden von allen anderen Namen. Die Schreibung in alten deutschen Biteibüchern vermählt sich hier mit hebräischem Klange. Neu und gewaltig wird so der Ruf des sterbenden Jakob, uns allen abendlich vertraut: Nach Deinem Heil streck ich mich, Du! So wurde dies neue Werk ein Werk dreifacher Treue: Treue gegen den Klang; Treue gegen das Wort; Treue gegen das Erleben. Die beiden Verfasser, Buber sowohl wie Rosenzweig, haben der schweren Kunst des Ucbersetzens schon vordem ein gut Teil ihres Könnens gewidmet; und doch ist diese Bibelübersetzung im Lebens werk beider ein Neuland: Steigerang, aber auch Umwandlung früherer Bestrebungen. Wilhelm Michel, sonst trotz starker Begabung nicht immer zuverlässig in seinen Hypothesen über Juden und Judentum, sah scharf und recht, als er Martin Bubers Entwicklung vom Lernen zum Tan, vom Dunkel mystischer Sehnsucht zur Klarheit des Gebots, einen Gang in die Wirklichkeit nannte. (W. Michel, Martin Buber, Rüttcn und Loening, Frankfurt, 1926.) Auf diesem Wege wird das Bibelwerk einmal eine bedeutsame Station bilden. Und auch Rosenzweig, der Uebersetzer, kam vom hebräischen Barock Jehuda Halevis her. Für beide bedeutet dieser Dienst am Buche der Bücher ein Heimfinden zu jener ״edlen Einfalt und stillen Größe“, wie sie vor Zeiten Winkelmann am Griechentum Uebte. Besser gesagt, weil eigentlicher gesagt: zu jener ״stillen Stimme des Schweigens", in welcher Elia der Tischbite die Spur des Herrn erkannte. Agaons neues Bach ״Dies ist die Sage, die uns überliefert wurde, von unseren Vätern, die nach Polen aufstiegen. Israel sah, daß die Verfolgungen kein Ende haben, und die Leiden sich erneuern, und die Vernichtung größer und größer wird, und die böse Herrschaft verhängt Verhängnis nach Verhängnis, da stellten sie sich auf die Straßen und fragten nach den Wegen der Welt: welche Straße sollen sie ziehen, damit sie Ruhe finden für Ihre Seelen? Da fiel ein Blatt vom Himmel: Gehet nach Polen. Da gingen sic und kamen nach Polen und gaben dem Könige einen Berg von Gold. Und der König empfing sie mit großer Ehre. Und Gott erbarmte sich über sie and ßeß sie Erbarmen finden bei Königen und Fürsten. Und der König gab ihnen Erlaubnis, in allen Ländern seiner Krone zu wohnen, Handel zu treiben im Lande nach seiner Länge und seiner Breite, und Gott zu dienen nach der Weise ihres Glaubens. Und der König schützte sie vor jedem Dränger und Feinde. Und Israel lebte in Polen viele Tage.“ So beginnt Agnons neues Buch ״Polen". Dies ist die Legende eines Landes der jüdischen Zerstreuung. Jeder Trat der Welt, wohin Juden verschlagen wurden, hat seine Geschichte und wird in einer eigentümlichen Weise jüdisches Land. Hier ln Polen verwebt sich Erbarmen des Königs, Grausamkeit der Adeligen, Freundlichkeit der Bauern, Slave«• tum und Judentum, Polen und Palästina zu einer neuen Einheit. Ab die Juden vor den Verfolgungen am Rhein fliehend nach Polen kamen, fanden sie bei Lublin einen Wald, und auf jedem Baum des Waldes war ein Traktat des Talmuds elageritzt So sehr war das Land bereit, sie zu empfangen. Und warum heißt es Polen? ״Die Gemeinde Israels sprach vor dem Heiligen, gelobt sei er: Herr der Welt, wenn noch nicht meine Stunde gekommen ist, erlöst zu werden, dann übernachte hier (po-lin) in der Nacht der Zerstreuung mit uns, Hs Du uns hlnaufführen wirst in das Land Israels.“ So erhielt Pole* seinen Namen: ״Hier übernachte“. Und dieses Nachtasyl ward zur Stätte jüdischer Gelehr■ samkeit. Hier leuchtete die Weisheit. Agnon erzählt von dem Gaon Rcb Heschil, der ob seiner Gelehrsamkeit seine Be■ schcidenheit verlor uml sich unterfing, die schwierigsten taltnudischen fragen zu lösen, deren Lösung den Altvordern selbst nicht gelungen war; bis er einsehen mußte, daß er irrte und seine Klugheit nicht au die Weisheit der Alten heranreichte.“ ,״Sofort schlief der Rabbi Reb Heschil ein und sah Rabbi Jochanan aus der Gemarah, der neben ihm stand und sagtei eines von beiden: entweder du wirst deine Neuerungen zur Thora nicht in einem Buche niederschreiben oder deine Söhne werden Unwissende sein. Da nahm unser Lehrer Ratet Heschil, sein Andenken sei zum Segen, auf sich, keine Neuerungen zur Lehre niederzuschreiben, auf daß nur nicht seine Kinder Unwissende seien. So kommt es, daß wir auch nicht ein einziges Buch von dem Gaon, Rabbi Heschil, besitzen. Aber seine Kinder und Kindeskinder wurden alle groß in der Lehre und Weisheit.“ Dann wieder erzählt Agnon von Rabbi Baruch, dem Weisen von Korotivka: ״Dies ist die Geschichte seines Hauses: Unten der Laden und die Küche und oben im Hause im oberen Stockwerk sitzt Rabbi Ascher Baruch über der Lehre und über dem Dienst und sinnt in seiner Lehre Tag und Nacht Seine wackere Frau beschäftigt sich mit Handel und Wandel und ernährt Ihr H.1us in Ehren und Rabbi Ascher Baruch sitzt in der oberen Stube über Lehre und Dienst Den Nichtigkeiten der Zeit wendet er sich nicht zu und in den Handel mischt er sich nicht, wie es Gesetz war in Israel, in jenen Tagen. Nacht für Nacht, die ganze Nacht, sitzt Rabbi Ascher Baruch beim Licht der Kerze und lernt. Und das Licht steckt nicht in einem silbernen Leuchter und nicht in einem Leuchter von Zinn, nicht in einem irdenen Gefäß und nicht in einem Loch des Tisches, sondern aufrecht zwischen seinen Fingern. Die Lehre schwächt die Kraft des Menschen und der Trieb des Schlafes überfällt, die sich bemühen um die Lehre, und es Ist zu befürchten, daß er einschläft, daß er einnickt. Deswegen stellt er die Kerze zwischen seine Finger, und wenn er ein* nickt und wenn er einschläft, berührt ihre Flamme seine Finger. Sofort erwacht er und steht auf zum Dienst des Schöpfers. ״Und dieses Licht, das allmählich leuchtet, dient den Schmugglern von Korolivka zum Wegweiser.“ — So leuchtet das Licht der Lehre in Men. Die Erzählung vollends von Mosche Asriel, dem Lastträger, ist ein ergreifendes Denkmal für die einzigartige Stellung der jüdischen Weisheit in ihrem Volke. Dieser ,Lastträger tat ohne Lehre auf erzogen worden. .,!Herr, der Welt» wief‘-groÖ 'tat• deine Lehre,ttnd trotzdem hast du Mensche*• kinder, welche die Lehre ganz kennen. Und ich bin nicht würdig befunden worden, hiervon auch nur ein Buch, auch nur ein Blatt, auch nur eine Zeile, auch nur einen Spruch za verstehen. Beim Schofar des Messias! Ich hörte erzählen, daß der Heilige, gelobt sei er, unserm Vater Abraham, Friede sei mit ihm, zwei Brüste bestellt hat, die waren wie zwei Gelehrte und unterrichteten in Lehre und Weisheit. Nicht daß ich, behüte!, Vorwürfe gegen Dich hätte, daß Du den Sohn meiner Mutter nicht geschaffen hast, wie Du unsern Vater Abraham geschaffen hast. Aber ich wünschte zu wissen, was in all diesen Büchern geschrieben steht“ Was tut der Lastträger, um doch am Lichte der Thora teilzunehmen? Er schreibt auf die Türen seines Hauses und die Gebälke alle heiligen Namen, die er kennt, die Namen der Wochenafesennitte, der Erzväter und -mütter, der Priester, Könige und Propheten. Dann steht er in der Abendstunde im Bethaus und hört den Gelehrten zu, die um heilige Dinge disputieren. Fällt dann ein Name wie Rambam oder Rosch, dann wiederholt Mosche Asriel das Wort Ira stillen, läuft nach Hause und schreibt den Namen auf und küßt die Schrift in großer Freude, daß er würdig befunden wurde, den Namen der Weisen zu erfahren und weint, daß er nicht würdig ward, ihre Lehre zu kennen. So ward der Gelehrsamkeit in Men eine Stätte bereitet. So groß war sie, daß sich Polen vermaß, an Palästinas Stelle zu treten. Seit der Tempel zerstört worden ist, hat Gott nur noch die vier Ellen der Haiacha. Also ersetzen die vier Eilen der Halacha das Heilige Land? Da erzählt Agnon die wunderbare Geschichte von dem Patästinaboten, den die Bewohner der gelehrten polnischen Stadt mit ihrer Gelehrsamkeit beschämtes. Aber da der Bote verachtet die Heimreise nach Palästina an* trat, erhob sich das Beth Hamidrasch und folgte ihm nach. In künftigen Zeiten werden alle Bethäuscr und alle Lehrhäuser von Babel im Lande Israels ihre Stätte finden. Es!st eine der wunderbarsten Legenden, die Agnon geschaffen hat. Sic sollte von unseren nationalen Fonds gesondert herausgegeben werden. Es wäre die innigste Palästina- Propaganda, die denkbar ist Von Men führt der kürzeste Weg nach Palästina. Die wunderbare Ziege, von der Agnon im Kindertone berichtet, weist den Weg nach Palästina und alfsabbatlich entflieht sie dahin und kehrt nach dem Sabbat zurück und ihre Euter strotzen von Milch und die Milch hat den Geschmack des Paradieses. — Dieses Buch von der Galuth in Polen wurde in Palästina geschrieben, in Tel-Awiw (Verlag ״Hedlm“) verlegt Ein Denkmal. h. b. Die Besucherzahl der Nationalbibliothek in Jeru- Salem betrug im Monat Klslew 3383, davon waren 1635 Be- Sucher des Lesesaals, 1748 forderten Bücher ein. 2009 Bücher wurden gelesen, davon 961 hebräisch (50״/o), 324 russisch (16°/0), 307 deutsch (15194 ,(0/״ englische (10°/o), 140 jiddisch (7<yo), 68 französisch (30/״), die übrigen Sprachen 12 (1 ®/o). 2224 neue Bücher (2708 Bande) gingen neu ein. Ara 10. Todestag von Schalom Alejchera wird sein Denkmal enthüllt und in Helen Städten der Ukraine werden Straßen nach ihm benannt werden. Zahlreiche Büsten des Dichters wurden engefertigt und an die Bildungskiubs verteilt