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Jüdische Rundschau · 1926-02-09 · Heft 11 (9.2.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 11 (9.2.1926)
Date
1926-02-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 81 tl Nr. 11 eh beinfens“ sehen Ile Re- ו dafür!haltbar tat den ninlen, lungen, lic die Öffnung völlige ■ Jahre erkannt 611 verrcitung Pflicht en und des zu t hätte, nal ist, nd Out si täten, okalen. nzügen in aen let, ’ihr wurden bindet, chlagen Pichten!lindert, Schäden eit der pell an ׳ politi* ertreter ne, daß langen, haltung he Bestehend :m Ersolche wieder röffent- Mitglied nd forn ä n flescu niversironeseu tt er! .׳• tm ' L Tel.* äaud, 1s, den tnderen Hungen b u n d.!ckönig Fcisul, sen, in : Land, schern irt und U lft von :1, zwei Wie lange noch? Von Dr. Abraham Schlesinger, Buchau a. F. Für die hebräische Literatur ist eine böse Zeit gekommen. Unsere wenigen hebräischen Zeitungen und Zeit- Schriften kämpfen verzweifelt um ihr armseliges Dasein, neue hebräische Bücher erscheinen immer seltener, das wichtigste hebräisch-literarische Sammelwerk, früher vierteljährlich herausgegeben, muß zu einem Jahrbuch werden, die Zustände in Rußland und der furchtbare wirtschaftliche Zusammenbruch der polnischen Judenheit lassen die Zahl der hebräischen Leser ständig abnehtnen; unter den hebräischen Dichtern und Schriftstellern herrscht vielfach eine Depression, die an die Stimmung in J. L. Gordous Gedicht ״lemi ani amd?“ erinnert, und manche unserer Bedeutendsten denken allen Ernstes daran, der hebräischen Produktion zu entsagen und künftighin fremde Felder zu bestellen. Wo bleibt die Zionistische. Organisation und ihre LeitungV Schon der I. Kongreß verlangte, ״alles vorzukehren, was geeignet ist, die hebräische Sprache und Literatur zu fördern“. Und der IL Kongreß erklärte feierlich: ״Der Zionismus erstrebt nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes"'. Genügt cs, daß man in Erez Israel hebräische Schuten errichtet hat, die übrigens nicht einmal für dort ausreicheu? Braucht für die Golah, die immerhin noch alle minus 140 000 Juden umfaßt, nichts zu geschehen? Die Leitung der Zionistischen Organisation müßte endlich daran gehen, auch hier ״alles vorzukehren, was geeignet ist, die hebräische Sprache und Literatur zu fördern1', dafür Sorge zu tragen, daß wenigstens mehr Hebräisch gelesen wird. Und wäre es nur, daß bisweilen neben den üblichen Aufforderungen zu Geldsammlungen flammende Aufrufe erschienen: Lest Hebräisch, erhaltet und fördert die hebräische Literatur, beschäftigt euch mit ihr! An wen muß aber der Ruf ergehen? Oder fragen wir zuerst umgekehrt: an wen kann er sich vorerst 11 icht wenden? Gibt es etwa Juden, für die er zuvörderst n i c h t in Betracht kommt? Diese Gegenfrage, scheint mir, haben wir Zionisten uns sehr genau za überlegen, um den Ernst der heutigen Lage richtig zu erfassen und einen hier wie überall gefährlichen Illusionismus zu vermeiden. Den sogenannten liberalen Juden läßt sicli billigcrwcise eine Beschäftigung mit der modernen hebräischen Literatur nicht zumuten. Das liberale Judentum ist als bewußtes Phänomen in der Hauptsache eine auf die eigene Person und Familie rückbezügliche Gefühlsreligiosität. Notwendig werden daher die nationalen Bestandstücke des geschiehtliehen Judentums a limine abgclehnt, die religiösen zwar anerkannt, jedoch nur, soweit sie eine das eigene Ich betreffende Bedeutung haben, soweit sie in einer unmittelbaren Beziehung zum eigenen Familien-Schicksal, zum persönlichen und häuslichen Wohl und Weh erlebt werden. So bleiben, wie die Erfahrung zeigt, für de» liberalen Juden lediglich einige wenige Bestandstücke des geschichtlichen Judentums Übrig: gelegentliche Teilnahme am Gebet, Brith Milali, Bar Mizwah bzw. ״Konfirmation“, Trauung, Totenbestattung, ״Jahrzeit“. Dazu treten ״die hohen Feiertage« Rosch Haschana I'־ aiui Jota Kippur, die gebt»» ״,ihrem; .״überlieferten ׳;׳Sinne. naqji t‘1iOT'"'0agr־,s%8ger persönlich introspektiven Charaktfer besitzen. Bei dieser Art religiösen Judentums besteht allenfalls ein gewisses Interesse für den hebräischen Text der Bibel und des Gebetbuchs, wenn es hoch kommt, noch für das religiöse, d. h., für das alte hebräische Schrifttum; aber unmöglich kann die moderne hebräische Literatur Gegenstand des Interesses sein, die als nationale jüdische Kultur- Icistung erscheint und daher, wie alles national-jüdische, notwendig abgelehnt werden muß. Vielleicht sind manche liberale Juden sozusagen besser als ihre Theorie: ein konsequenter , Vertreter des Liberalismus darf dem neuen hebräischen Schrifttum gegenüber nur eine indifferente oder gegnerische Haltung einnehmen. Zu einer ähnlich unfreundlichen Stellungnahme ist, wenn auch aus anderen Gründen, die Orthodoxie genötigt. Sie muß sich von den meisten Erzeugnissen der modernen hebräischen Literatur Inhaltlich abgestoßen fühlen, weil der die Mehrzahl unserer heutigen hebräischen Dichter und Schriftsteiler beseelende Geist dem ihrigen fremd oder zuwider ist. Vor einiger Zeit war im ״Jcschurun“, dem wissenschaftlichen Organ der deutschen Orthodoxie, ein Aufsatz veröffentlicht, der 1? Wort, ״ebens- , schon rt, nur st man 1c man »liehen eutsche e echte etzschc!teilbar, Leben. -ledium altern sterben ese da vie die 11 Seele Quelle, Jahren eig. kungen Johlme ׳ nichts n nicht e bloß en man i—1914 cllungste. Das *de in Petrograd, ein Archiv von Aufnahmen von Liedern, Legenden, Märchen. Dann kam D y b u k , die schöpferische Tat des Lauschers, der selber zu zaubern begonnen hatte, es kamen die Arbeiten der Zeichner und Maler, die an der Expedition teilgenonime« oder sonst in irgendeinem Verhältnis zu An-ski gestanden hatten; und, wenn cs noch so locker gewesen war: die Gestalt An-skis hatte begonnen Wärme auszustrahlen. Es kamen die musikalischen Bearbeitungen der Volkslieder, auch solcher, die bereits früher aufgezeichnet worden waren, ohne An-skis Dazutun. — Ueberafl glaubte man seine zaubernde Hand zu fühlen. Es war zu befürchten, daß all die eifrigen Anempfindcr das bei den Volksmassen Erlauschte verdünnen und verfälschen würden. Und tatsächlich, vieles von dein, was in den Konzertsäien als jüdische Musik vorgetragen wird, ist von einem kraftlosen Eklektizismus zubercitctc süßliche Kost. Als ob das Publikum eine würzigere nicht vertragen würde. Man brauchte dieses Publikum nur am 3. Febniar im Klub des ,,Verbandes der russischen Juden“ in Berlin zu beobachten, wie es auf den Vortrag eines Mannes reagierte, der noch die unverfälschten Akzente des Volkes besitzt, wie sie alle, nicht E bloß die Alten, sondern auch die Jungen, die den Fox-trott erlernt und alles andere vergessen naben, wie sie ergriffen klatschten, wie aufmerksam sie zuhörten. Ganz einzig steht die Leistung dieses Mannes da - M. O. E p p e I b a u m heißt er. Man hat eine solche Verbindung von Stimme (ein Bariton, der die Wände erzittern läßt), von Humor, von Mienenspiel nicht erlebt. Wie dürftig das klingt: Mienenspiel. Es handelt sich hier keineswegs um die konventionellen hysionomischen Kontraktionen, die den Gesangsvortrag zu «gleiten pflegen, sondern um eine physiologische Reaktion, die so überzeugend nachmgestalten nur dem geborenen Schau- Spieler gegeben ist. Da singt Eppelbaum das Lied des Talnoer Rabbi, ein Lied ohne Worte. Gebet und Selbstgespräch zugleich, sich steigernde inbrünstige Leidenschaft. Eppelbaum singt chassidische Weisen, aber er ist ein Brcst-Lifowsker, ein Litauer, er schwelgt nicht in verzückten Versunkenheiten, befreiender Zorn und befreiender Humor bringe» die Ent- Spannung. Man sehe sich an, — das Ohr allein genügt nicht — wie Eppelbaum den ״Brief des Chassid an den Rabbi“ vorträgt. Er schluchzt, ohne in den hilligen polnischen Pathos zu verfallen, im Lied der Kantonisten, der Opfer Nikolaus I., und er heult, ein wirkliches Kind, in dem £,lch will nicht gehn in Cheder“, dem jetzt in Amerika so populären auf Bialik Bezug hatte. Nur ein klein~ T“>! seiner Schöpfungen wurde für ״jüdisch“ befunden. Gilt das sc״v» bei B i a 1 i k, der von allen lyrischen Dichtern der neuen hebräischen Literatur zweifellos den Quellen und dem Geiste des historischen Judentums am nächsten steht, was mag dann ein Orthodoxer erst bei Tschernichowsky fühlen, trotz einiger sehr ״jüdischen“ Idyllen und sonstigen Gedichte, oder vollends bei Sch ח et! r, Kahan, Schimonowitz usw. Kanu man es ihm verdenken, wenn er sich bestenfalls dazu versteht, die paar ״jüdischen“ Gedichte zu lesen, die schließlich bei ihnen allen zu entdecken sind, im übrigen aber es vorzieht, bei seinen Talmudfolianten zu bleiben und sich den neuen rabbinisclien Schriften in hebräischer Sprache, die es ja and! gibt, zuzuwendcn? Versetzen wir uns in die Seele des orthodoxen Juden, so wird sein gleichgültiges und abweisendes Verhalten gegenüber dem nicht ausgesprochen religiösen Teil der neuen hebräischen Literatur vollkommen begreiflich. Darf solchermaßen unser modernes hebräisches Schrifttum weder bei den Liberalen noch bei den Orthodoxen auf Beaciitun״ und Pflege rechnen, welches Publikum bleibt ihm dann noch? Einzig und allein die Zionisten, die Zionisten sämtlicher Richtungen, von den Misrachislcn bis zu den Poale Zion: der Teil der Judenheit, der ״nicht nur die ökonomische und politische, sondern auch die geistige Wiedergebürt des jüdischen Volkes“ erstrebt. An die Zionisten also, an uns, nur an uns, kann der Aufruf zur Förderung der hebräischen Literatur, zur intensiven Beschäftigung mit ihr, gerichtet sein. Wir, nur wir Zionisten, haben, wie heute die Dinge liegen, die Pflicht und die innere Möglichkeit, das neue hebräische Schrifttum sorgfältig zu pflegen, ihm mindestens dasselbe Interesse zuzuwendcn, wie irgend einem modernen europäischen, es mindestens ebenso in uns aufzunehmen, wie ein solches. Die nationale Literatur bildet überall das Herzstück der geistigen Kultur eines Volkes und erst bei uns Juden, dem alten ״Volke der Schrift‘-! Das alles ist eigentlich selbstverständlich. Aber was sich theoretisch von selbst verstellt, hat oft um seine ]irakfische Anerkennung noch schwer zu kämpfen. Gewiß verdanken wir es dem unmittelbaren oder mittelbaren Einfluß der ziolüstisdien Bewegung, daß in Deutschland ein paar hebräische Sprachschule![ existieren und manche Jugendverbiinde mit ״Schalom“ oder ״Cliasak“ grüßen und einige hebräische Lieder .singen. Im großen ganzen jedoch haben wir'deutsclicn Zionisten auf dem Gebiete der hebräischen Kulturarbeit schmählieh versagt. Nicht darum geilt es, ein bißchen Hebräisch zu plappern, sondern darum, unsere hebräische Literatur wenigstens bis zu gewissen Graden zu kennen: wenigstens etwas von unserer Thora zu wissen, von unserer späteren und nicht zuletzt von unserer gegenwärtigen nationalen Literatur, unseren modernen hebräischen Deukern und Dichtern, unseren hebräischen Zeitungen und Zeitschriften. Der wirkliche Erfolg der zionistischen ״Erziehungsarbeit“ in dieser Hinsicht wäre leicht und einfach zu ermitteln. Die Z. V. f. D. richte einmal an sämtliche in Deutschland geborenen, also nicht auch die aus dem Osten stammenden, organisierten deutschen Zionisten vom 18. bis 45. Lebensjahre eine Rundfrage folgenden Inhalts: 1. Sind Sie imstande, wenigstens einigermaßen und mit Hilfe von 1315«1»ו<&« :ZeifongT 2uilese»? 30 Sud ׳ Sie allein ■oder״••mit anderen zusammen’ Abonnent wenigstens einer einzigen hebräischen Zeitung oder Zeitschrift? 3. Können Sie drei hebräische Dichter oder Schriftsteller aus den letzten 30 Jahren nennen, deren Werke Sic wenigstens zum Teil im Original, gelesen haben? Nehmen wir an, die Rundfrage wäre an 20 001) Adressen zu richten, und nehmen wir ferner an, uns ein bißchen naiv stellend, es liefen volle 5000 durchwegs positive Antworten ein. Dann blieben noch immer 75 Prozent der deutschen Zionisten im Alter von 18 bis 15 Jahren, die nicht imstände sind, auch nur notdürftig du hebräisches Buch zu verstehen, die keine einzige hebräische Zeitung lesen, die nicht einmal drei neue hebräische Dichter oder Schriftsteller selbst nur teilweise im Original kennen! Was sie aber schwerlieh abhält, ״Großes und ,Wunderbares“ über Ernennung des Judentums zu reden, über Renaissance des jüdischen Geistes, Verschmelzung östlicher und westlicher Kultur und ähnliche schöne Dinge. Worin unterscheidet sich eigentlich der deutsche Durchschnittszionist, vielleicht sogar mancher einlicimisdie ״Führer“ Schalom Aleichemlied. Uebertreibung des Schauspielerischen auf der Konzertestrade? Ach, cs mache ihm doch mal einer den ״Chasendl“ nach, dieses Glanzstück jedes jüdischen Sängers, die Stimme, die Kraft und vor allem auch die Hünengestalt! Eppelbaum ist noch voll der Gesichte. Er war mit An-ski und dem ,Odessaer Pädagogen Schneer gereist, ist in der Gegend von Minsk, von Schklov, von Poltava gewesen, jetzt arbeitet er mit dem Komponisten und Pianisten J. Fischermann, der die musikalischen Bearbeitungen des Liedermateiials besorgt und die Darbietungen begleitet, beides vielleicht in etwas zu virtuoser Weise. Eppelbaum ist in Berlin auf der Durchreise nach Paris und nach Südamerika, wohin er das jüdische Lied trägt. R a h e 1 W i s c 11!1 i t z e r - B c r!1 s f e i!1. Biblische Pnppenspiele Das kleine Theater ist nicht unwichtiger als das große, ganz besonders, wenn cs in weiteste Kreise dringen soll, wie die biblischen Puppenspiele, die A 1 b e 1 t B a e r zur Belebung der häuslichen Spielfreude geschaffen hat. Mit den Figurinen von Käte Baer-Freycr sollte cs in den Räumen der Werkfreunde (Potsdamer Straße) eine Probe seiner Wirkung ablegen. Von den Spielen wissen wir — und Albert Baer sagte es auch in der kurzen Einführung, daß sie auf dem Kasperlspiel aufbauen und erweiterte Bilder bringen statt der üblichen Prügelszenen. Wir wissen auch des weiteren, daß Joset, der ägyptische Premierminister, durch die Brotkarte populär geworden ist, und daß die Kinder sich freuen über den Mohren Habdullalah und den Onkel Doktor mit dem Riesenlöffel bitterer Medizin, weil er sie dem Mohren gibt! Wer an die alten Kasperlspiele seiner Kinderzeit denkt, mit abenteuerlichsten Figuren aus primitiv bemaltem Holz mit Stoffresten bekleidet und sich an die Begeisterung erinnert, die das unschöne Holz vollkommen übersehen ließ, der kann ohne Mühe prophezeien, daß das neue, noch dazu ״richtige“ biblische Puppentheater (״richtig“, weil die ägyptischen Relieffigurinen der Phantasie entgegenkommen) zu mindestens dieselbe Freude erregen wird. Deshalb standen im Mittelpvn'd des Interesses die Figurinen. Sie haben die Probe z. T. über Erwarten gut bestanden; ganz besonders der Kynig Salomo mit seinem langen Bart und den Armen, die des deutschen Zionismus, von seinen ״assimilatorischen“ jüdisehen Landsleuten? Abgesehen von der offiziellen Partei- Zugehörigkeit mit allem formellen Drum und Dran und abgesehen davon, daß der eine für zionistische, der andere für sonstige Zwecke Geld sammelt, wird im allgemeinen schwer eine wirkliche Verschiedenheit, eine Verschiedenheit des Wesens und Verhaltens, aufzufinden sein. Dem ״jüdischen ״Gesetz“, das außer seiner religiösen Bedeutung zugleich ’eine eminent nationale besitzt*), stehen die meisten ״allgemeinen“ und erst recht die linksgerichteten Zionisten ebenso ablehnend gegenüber, wie die ״liberalen“ Nichtzionisten, so daß jene genau so ״״jüdisch, d. h., genau so assimiliert leben wie diese. Können aber hier wenigstens scheinbar religiöse bzw. antireligiöse Gründe vorgebracht werden, so läßt sich gegen die Pflege und Förderung der hebräischen Literat״ r schlechterdings keine Ausrede geltend machen. Unterbleibt jetztwieder der Erweis, die Bewährung, die Betätig״״״ einer besonderen zionistischen Gesinnung, dann ist eine solche einfach nicht vorhanden, dann sind ״Zionismus“, ״Nation,־)!judentnm“, ״geistige Wiedergeburt“ hohle Phrasen ־״ Worte, Worte, Worte. Vielen Zionisten versagt heute die Ungunst der äußeren Verhältnisse, finanziell alles zu leisten, was sic notwendig leisten sollten und gerne möchten. Jedoch die hebräische Sprache soweit zu erlernen, daß man einigermaßen ein hebräisches Buch, eine hebräische Zeitung 71! lesen versteht, dazu ist — um jede Uebertreibung zu vermeiden - - mindestens die Hälfte der jüngeren deutschen Zionistengeneration recht wohl imstande. Gewiß, dieses Studium kostet sehr viel mefir Mühe und Anstrengung als einen Propagaudavortrag anzuhören oder selbst zu halten, erfordert sicherlich oft den Verzicht auf ein Konzert, einen Ball oder sonst ein Vergnügen. Viel Energie, Fleiß, Ausdauer, Zähigkeit, guter Wille sind unerläßlich. Aber ist Zionismus überhaupt anders denkbar? Gibt es überhaupt Zionismus ohne ernstes ■Streben, ohne starke Anspannung der Kräfte, ohne Konzentration des Geistes, ohne Mühe und Arbeit, ohne Verzicht und Opfer? Man klagt heute über Verflachung, Entseelung, Entgeistig״״״ des Zionismus und erwartet von einer Neubelebting der ״Ideenpropagatida“ das Heil. Ein besseres und so- Zusagen substantielleres Mittel wäre nach meiner Meinung die eifrige Beschäftigung mit der hebräischen Literatur, ln jeder zionistischen Ortsgruppe, besonders in jeder Jugendßnippe, sollte wenigstens einmal wöchentlich ein hebräischer Litcraturabend stattfinden, wo hebräische Bücher, Aufsätze; Gedichte, Zeitungsartikel gelesen und besprochen werden. Diese regelmäßiger Veranstaltungen würden die Teilnehmer unmittelbar zu den ״Müttern“ führen, ihnen mehr nationalen Geist einflößen, mehr nationale Werte vermitteln, als es auf irgend einen! anderen Wege geschehen kann, und reiches geistiges Leben, sowie Anregungen aller Art in die Gruppen bringen. Ich bin überzeugt, daß eine solche positive Innenarbeit schließlich auch nach außenhin größere und wertvollere Erfolge zeitigen würde, als mir Propagandareden so ziemlich immer des gleichen Inhalts. Es ist wahr, die zionistischen Orts- und Jugendgruppen sind keine Literaturvereine. Allein die Pflege unserer nationalen,'der hebräischen Literatur, gehört mit zu ihren wichtigsten, dringlichsten Aufgaben, zu den vor- Heben ■.Eignung,! ״das*Ffera<der-Gedrielcte* m jieleben״. Die hebräische Literatur*), eines unserer teuersten natjo* iialen Güter, in schwerer Gefahr — und wir Natonaljuden, wir deutsche Zionisten, stehen gleichgültig dabei, wissen von nichts, kümmern uns um nichts, tun nichts. Wir hoffen auf die Zukunft und des Aufbau Palästinas: ״einst, einst . . .“ Inzwischen wird uns der Illusionismus, schon einige Jahrzehnte vonWeizmann, so ingrimmig von Achad Haam bekämpft, zugrunde richten. Kommt es dahin, bringen wir es dahin, daß die verheißungsvolle neue hebräische Literatur verkümmert und abstirbt, dann hat auch der Zionismus seinen tiefsten Sinn verloren: hört das hebräische literarische Schaffen auf, so ist es trotz Palästina um die ״geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes“ endgültig geschehen. Vor kurzem starb ״J e h a 1 e l“, ein gefeierter hebräischer Dichter der alten Generation, achtzigjährig, in äußerster Armut, an den Folgen des Hungers und aller Art Entbehrungen *) Vgl. meine Ausführungen über das ״Gesetz“ in der ״Jüd. Rundschau“ 1924 Nr. 65 ff. ■L!—B—J—BJ ÜJUJL-1!'■■"■ ... 11 dank ihrer geglückten Form wirklicher Ausdruckssprache fällig sind, und ebenso die fein stilisierte Königin von Saba, nicht zu vergessen der Doktor Simeon mit den menschlichklugen Zügen und dem spitzen Judenhut Auch der ״Haushofmeistcr Ti“ bewegte sich in einigen Augenblicken ganz annehmbar, wenn auch nicht so gut wie sein Kollege Aüsar aus der Königin von Saba. Denn auf die Bewährung in der Bewegung kommt es bei dieser Probe der Figurinen an; über ihr Aussehen wurde an dieser Stelle schon berichtet. Die Schwierigkeit, die in dieser Forderung liegt, ist gerade bei Puppen nicht zu verkennen; denn sie müssen schon ein gut Teil von Universalformen enthalten. Man bedenke das Kunststück, daß ein und derselbe Kopf je nacl! der Bewegung, ob oben oder unten, schräg oder gerade, den Ausdruck wechseln soll und nach Möglichkeit versuchen muß, im Einklang zu bleiben mit den übrigen Formen und Bewegungen. Und wenn Josef und Ti und sogar Salomo, die Königin von Saba und der Arzt ab und zu annehmbare ״Szenenbilder“ erreichten, so ist das sehr viel. Deshalb wollen wir bei weniger Gelungenem nur feststellen, daß alles zu vcrvollkommneu geht, z. T. durch auswechselbare Köpfe und Nachhelfen der Armformen, die sowohl beim Ti wie bei der Königin von Saba nur in der langsamen Bewegung ihrem Zweck genügen. Sobald es schneller gehen soll, machen sie Freiübungen. Kinder sind scharfe Kritiker, wenn sie aber noch Bastler dazu sind und ihr Theater lieb gewinnen, zeichneu sie vielleicht die Formen selbst zu den neuen Ausdrucksinöglichkeiten, die sie zweifellos probieren werden. Jedenfalls bekommen sie ein Theater, auf dem es sich sogar weiterbauen läßt, ganz, besonders, wenn sie — moderne Kinder, die sie sind —, von den Pinschewerfilmen lernen, z. B. Bewegungen und Requisiten! Den Spielen selbst wollen wir einen solchen Erfolg wünschen, daß die Verfasser ermutigt werden, nicht nur einzelne Bibelabschnitte, sondern künftig ein vollständiges, richtig durch geführt es kleines Bibelspicl׳ zu bringen! Albert Baer und seine Helfer bemühten sich lustig und erfolgreich als Sprecher und Spieler*). R. M. *) Die Biblischen Puppensnicle (Text im Verlag Aufbau, Berlin) eignen sich zur Aufführung in Saal und Haus. Insbesondere seien sie zu Purin־, empfohlen! Zu beziehen (Preis der Puppen 16 M.) bei Erich Frey er, Berlin, Blumenstraßc 22. m

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