Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 11 (9.2.1926)
- Date
- 1926-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 80 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. II getragen war von einer Generation, die bis heute nicht durch gleichwertige neue Kräfte ersetzt werden konnte (es ist vielleicht kein Zufall, daß wir in den letzten zwei Jahren so viele fünfzigste Geburtstage zu feiern hatten), so war auch der große Aufschwung der neuen hebriisehen Literatur im wesentlichen an eine Generation gebunden, die bisher noch keineswegs ihre Nachfolger gefunden hat. Wie es heute auf diesem Gebiete aus• sieht, schildert Dr. Schlesinger in seinem gleichzeitig hier erscheinenden Artikel. Die Gleichgültigkeit, die ein großer Teil der Zionisten der kulturellen Arbeit entgegenbringt, zeigt schon ihre verheerenden Folgen. Dies ist umso seltsamer, als die Erkenntnis immer mehr um sich gegriffen hat, daß eine wirkliche Verbundenheit mit dem Judentum und mit der lebendigen jüdischen Gegenwart, eine wirkliche Anteilnahme an der jüdischen Wiedergebürt, nicht möglich ist ohne Kontakt mit dem hebräischen Palästina. Ganz abgesehen von den alten Kulturgütern des Judentums, die ohne Hebräisch unzugänglich sind und um derentwillen sogar ein Teil der jüdisch-liberalen Jugend, die ifehlesinger zu unrecht verloren gibt, hebräisch zu lernen beginnt, muß immer wieder betont werden, daß das Ringen Palästinas um neue Lebensformen und Lebenswerte, so klein und eng heute auch die Dimensionen dieser kulturellen Gärung sein mögen, doch das Einzige ist, was die Wiedergeburt des Judentums in unsern Tagen ankündigt. Nur durch eine Verbindung mit diesen Strömungen und Vorgängen können die Innern Kräfte, die die jüdische Bewegung tragen, auf die Dauer erneuert werden, und der neuen Generation, die nicht mehr aus derselben Problematik wie ihre Väter zum Judentum zurückfinden wird, müssen jüdische Inhalte und die wichtigste jüdische Form, näm-!ich die Sprache, als wesentliches Bildungselement vermittelt werden. Aus diesem Grunde fordern wir die jüdische Schule, aus diesem Grunde begrüßen wir das große hebräische Schulwerk in Polen, Litauen und andern Staaten des Ostens. Einen entscheidenden Schlag hat die hebräische Bewegung erhalten durch das Verbot des hebräischen Unterrichts in Rußland, eine kulturwidrige und engherzige Maßregel, die der von Lunatscharski so eindrucksvoll dargelegten Kulturpolitik der Sowjet-Union keine Ehre macht. Wir hoffen, daß mit der Zeit diese staatliche Unterstützung des innerjüdischen Kampfes kommunistischer Jiddischisten gegen das Hebräische wegfallen wird. Es mehren sich die Nachrichten, daß leitende Kreise der russischen Regierung den Unsinn einer Verfolgung des Hebräischen einzusehen beginnen. In Polen und Litauen jedoch kämpft das unter großen Opfern und mit großem Idealismus einer sich als Pionierschar fühlenden Lehrerschaft aufgebaute Sch ul werk heute mit schweren finanziellen Schwierigkeiten. Die WirtschaftiP01en.iU«4*Utaöeji"־hat;^»priiChr-ihfe: Rüde- Wirkungen äuch für die kulturelle Arbeit Es ist bekannt daß z. B. in Litauen es tatsächlich gelungen ist, durch ein System hebräischer Schulen eine durchgreifende Hebraisierung fast der gesamten jüdischen Jugend durchzuführen. Wenn dieses Schulwerk wegen momentaner wirtschaftlicher Nöte, also keineswegs aus innern Gründen, zusammenbricht, dann ist es — wie die Verhältnissc heute liegen — unwiederbringlich verloren. Dies zu verhindern, ist eine wesentliche Aufgabe der jüdischen Oeffentlichkeit Das Ausland muß der Tarbut-Organisation zu Hilfe kommen. In erster Linie auch hier Amerika, das glückliche Land, das stets geben kann und nicht das bittere Los des zum Bitten Verurteilten kennt Nicht nur die Erhaltung des Bestehenden, sondern Ausbau und Erweiterung des hebräischen Schulwerks ist eine drin• gende zionistische Notwendigkeit. Durch organisatorische Maßnahmen kann man nicht geistiges Leben erzeugen. Das wahre Schöpfertum, das schließlich für die geistige Entwicklung des Volkes ausschlaggebend ist, steht jenseits von Beschlüssen und Resolutionen. Aber es gibt eine kulturelle Arbeit, die die unentbehrlichen Voraussetzungen für fruchtbare geistige Wirkung bietet Innerhalb des Zionismus ist diese am klarsten und konkretesten repräsentiert durch die hebräisehe Sprache. Hier geht es uni eine stetige, nicht sprunghafte und nicht sensationelle Entwicklung, die darum mehr Besinnung und mehr Geduld erfordert, aber auch reicheren Lohn bringt als die Betätigung auf andern Gebieten. Nur sie kann auf die Dauer unserer Bewegung das Rückgrat schaffen; nur sie ist imstande, stets von neuem die Kräfte zu erneuern, die die Zionssehnsucht von Jahrhunderten aufnehmen und in die Tat umwandeln. Auf der politischen und wirtschaftlichen Front können Schlappen leicht wieder gut gemacht werden; eine Niederläge auf der verborgenen, der dritten Front könnte uns irreparablen Schaden zufügen. R. W. die K0!ßnisati0flsa1spr&ehe der jüdische* Legionäre London, 5. Februar. (J.T. A.) Wie erinnerlich, hatte das Mitglied des Unterhauses, Oberstleutnant J. M. Kenworthy vor kurzem im Unterhaus an die Regierung die Frage gerichtet, ob eine Möglichkeit besteht, im Distrikt B e 1 s a 11 in Palästina ehemalige jüdische Soldaten anzusiedeln. Auf diese Anfrage hat nunmehr der Kolonienminister Amery eine schriftliche Antwort erteilt, die ungefähr lautet: Betreffs des als Beisan-Land bekannten Staatsbesitzes in Palästina erfährt Mr. Amery vom Oberkommissar, daS die Palästinaregierung die Möglichkeit der Beistellung von 10000 Dunam in Beisan Jiftlik zwecks Ansiedlung ehemaliger jüdischer Soldaten einer Prüfung unterzogen hat. Diese Prüfung ergab, daß die Palästinaregierung durch Satzungen eines bestehenden Vertrages verpflichtet ist, eine gewisse Bodenfläche für jedes Mitglied der in dem Distrikt angesiedelten arabischen Stämme, ferner Weidefläche für diese Stämme zur Verfügung zu stellen. Sollen diese Verpflichtungen erfüllt werden, so bliebe im Beisan-Distrikt kein Land mehr für Ansiedlung ehemaliger jüdischer Soldaten übrig. Unter diesen Umständen wird cs als nutzlos angesehe n.dicAngelegenheit weiterzuverfolgen; die Vertreter der Zionistischen Organisation in Palästina werden dementsprechend informiert werden. (Wir finden, daß diese Antwort höchst unbefriedl- ״end ist; sie wird vielleicht auch die Begeisterung mancher Zionisten über die den Legionären gespendete und in der Svnagoge in Jerusalem aufgestellte Fahne etwas abkühlen. A. d. R. ״J. R.״) Sir Wyidham Heedes an Dr. Weizmann Sir Wyndham Dcedes, der frühere Chiefsecrctary der palästinensischen Regierung, der bekanntlich vor kurzem in Begleitung des Generalsekretärs des Keren Hajessod, Herrn Leo Herrmann, in der Tschechoslowakei an der Keren Hajessod־K011ferenz in Mährisch-Ostrau teilgenommen hat, und auch in Berlin auf einem Empfang im Hotel Esplanade über den Aufbau Palästinas sprach, hat nach seiner Rückkehr nach London folgendes Dankschreiben an Dr. Weizmann gerichtet: ״Es ist mir Bedürfnis, unmittelbar nach meiner Rückkehr ו«!״ der^Tsd^eslbiin&ev ,Sie'־ Ihrer! Exekutive den* wärmsten Dank für die Ehi* äu&£- sprechen, die Sie mir durch die Aufforderung, an Ihrer Arbeit teilzunehmen, erwiesen haben. Die Reise war nicht nur außerordentlich erfreulich und interessant, weil sie mir Gelegenheit bot, dieses Land zu besuchen, sondern sie hat mir in wundervoller Art die Intensität und die weitreichende Wirkung der zionistischeil Arbeit sowie der Rückwirkung Palästinas auf das Judentum in Europa enthüllt. Sicherlich nimmt die zionistische Frage einen hervorragenden Platz unter den Fragen von internationaler Bedcutung ein. Es ist mir ferner Bedürfnis, Ihnen für die Freundschaftlichkeit, Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft zu danken, die mir allerseits von unseren zionistischen Freunden in den besuchten Städten entgegengebracht wurden, und ganz besonders möchte ich durch Sie meinen Dank an Herrn Leo Herrmann übermitteln, der sich mein Wohlbefinden besonders angelegen sein ließ. Ich zog außerordentlichen Nutzen von seiner Ge- Seilschaft und seiner genauen Kenntnis aller Selten der zionistischen Frage. Ich werde meine Erlebnisse in den letzten zehn Tagen nicht so bald vergessen, noch auch Ihre Güte, die mir gestattete, an dieser Mission teilzunehmen.“ Der Antisemitismus ln Kiimänlen Bukarest, 4. Februar. (J.T.A) Der kürzlich beschlossene Appell der ״Vereinigung der Juden Rumäniens“ (Uniunea Evreilor Romani) hat im ganzen Lande Aufsehen erregt. Die scharfe Anklage, die die Union gegen die Re- _ geworden ist. Die Kundgebung der Uniunea Evreilor Romani hat den folgenden Wortlaut: ״Die Vertretung der Vereinigung der Juden in Rumänien, unter dem erschütternden Eindruck der Mißhandlungen, blutigen Verletzungen und Verfolgungen stehend, die die jüdischen Studenten und Studentinnen seit der Wiedereröffnung der Universität zu leiden haben, protestiert gegen die völlige Gleichgültigkeit der Regierung. Obwohl die Regierung im Laufe der letzten vier fahre unzählige Maie diese Exzesse verurteilt, obwohl sie anerkannt hat, daß diese Ausschreitungen antinationale Tendenzen verfolgen und obwohl sie gelegentlich einer jeden Ausschreitung unzählige Male wiederholt hat, daß es ihre ernste Pflicht sei, für die Aufrechtcrhaltung der Ordnung zu sorgen und das Leben und Vermögen aller Bürger dieses Landes zu verteidigen, hat diese Regierung, die ja die Möglichkeit hätte, jede soziale und politische Bewegung, die antinational ist, zu unterdrücken, sich als vollständig unfähig gezeigt, die Ordnung aufrecht zu erhalten und Hab und Gut der jüdischen Bevölkerung zu schützen. Vier Jahre lang wurden die Juden in den Universitäten, Volks-, Mittel- und Hochschulen, in öffentlichen Lokalen, im Theater, bei Konzerten, in Restaurants, in Eisenbahnzügen und in den Straßenbahnen, auf der Straße und sogar in den Privatwohnungen insultiert, geschlagen und verwundet, 'ihr Vermögen wird vernichtet. Im Laufe dieser vier Jahre wurden in unzähligen Städten Synagogen und Friedhöfe geschändet, hunderte Häuser devastiert, tausende Scheiben eingeschlagen und Miliionenschäden verursacht. Obwohl dies am heLichten Tage erfolgt ist, wurden die Täter weder daran gehindert, noch verhaftet, noch verurteilt, noch wurden die Schäden gutgemacht Angesichts der Ohnmacht odej־ der Gleichgültigkeit der Regierung richtet die jüdische Bevölkerung einen Appell an das Gewissen des Landes, an die Führer der politisehen Parteien und des öffentlichen Lebens, an die Vertreter der rumänischen Kultur und an die Verbrüderungsvereine, daß sie von der Regierung eine entschlossene Haltung verlangen, damit der Respekt vor den Gesetzen und die Aufrechtcrhaltung der Ordnung gesichert werden, auf daß die jüdische Bevölkerung nicht als außerhalb des gesetzlichen Schutzes stehend betrachtet werde.“ Diese Resolution wurde der Regierung mit dem Ersuchen überreicht, Maßnahmen za treffen, daß sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen und daß die Schäden wieder gutgemacht werden. Fast sämtliche rumänischen Blätter veröffentliehen diesen Appell. Im Parlament brachte das Mitglied der Nationalpartei, Lascu, den Aufruf zur Sprache und forderte die Regierung auf, gegen die Union rumänfscher Juden einzuschreiten. Gegenwärtig verhandeln die Minister Anghelescu und Tatarescu mit dem Rektor der Bukarester Universitat Pangrati ünd dem Dekan der juridischen Fakultät Mironeseu über die zur Bekämpfung der Studentenunruhen zu er! :g«ife־t1dcmvMä־ß.»ahme׳n-r*'ז.*־,•;: %,־׳׳,״ »־ ■׳':׳ י;•'. \‘»*Jt' r-• ' *׳. Ib« Stad will!1 lei Völkerbnod Jerusalem, 4. Februar. (J.T. A.) Wie die Pal. Tel.- Agentur erfährt, entsandte der Wahabiteii-Sultan Ibn Saud, der Beherrscher der Königreiche Neschd und Hedschas, den Scheich Hafez Wehbeh nach London, Paris und anderen europäischen Zentren zwecks Anbahnung von Unterhandtungen wegen des Eintritts von Neschd in den Völkerbund. Ibn Saud hat seinen Sohn, Prinz F e i s u 1, zum Vizekönig des eroberten Königreiches Hedschas ernannt. Prinz Feisul hat eine Proklamation an die arabische Welt erlassen, in welcher es u, a. heißt: ״Neschd, das einzige arabische Land, das seine Freiheit und Unabhängigkeit zu schern verstanden hat, streckt jedem Araber, der die Wohlfahrt und Freiheit seines Volkes wünscht, die Hand entgegen.“ Berber! Samoel kommt nach Jerusalem In Jerusalem erwartet man die baldige Ankunft von Herbert und Lady Samuel, welche die Absicht haben, zwei Monate im Lande zu bleiben. Ni f koinn schrif hebrii licbrä gegel Ruß! der Leser und die S ermiK Emst künfti ,Schon eigne■ Und strebt auch cs, d: die ii die G faßt, Orgai vorzü Litera mehr biswe lungei haltet mit il׳ A zuerst Gibt 1 komm uns si richtig Illusio D eine nicht Phäno und f werde liehen anerks treffet Bezief und I; wie d einige I übrig: I Mizwa fc'.and, J 1 sitzen. I ein g! 1 und d I religio | unmög stand 1 i!eistun wendij 1 Juden . Vertre tum g! einneh: Zt auch a muß s bräisch die M< steiler Vor ei Organ Else Lasker-Schfiler fünfzig Jahre Ungebrochen und abseitig eine Lebciislinie zu ziehen und sie vor sich hin zu leben, die besten Gedichte, die schönsten, lockersten, einfachsten Strophen einer ganzen Literaturepochc zu schreiben, und zwischen beiden!, Leben und Dichtung, unter keinen Umständen einen Unterschied zuzulassen: dessen war diese Frau, dessen ist sie fähig. In einer bourgeoisen Zeit wie der heutigen steht sie als Monstrum, als eine Abnormität: als ein wirklicher Dichter. Die Lasker-Schüler — sicherlich sieht sie, bürgerlich gesellen, von allen heutigen Dichtern, durch deren Leben ein Bruch schneidet, dem zerrissensten Menschen gleich. Sicherlich wirkt sie wie die bewegte Welle selbst, auf und ab, grell und jäh umsehlagend, eine Wildnis in den guten Stuben. Das Getriebene, das Geschleuderte ihres Wesens bricht aus, wo ihr bürgerlicher Körper immer sei — Untergrundbahn, Cafe, Wohnstube. Ach, wie sie den Taktvollen, den Selbstbeherrschten, den Gesellschaftlichen auf die Nerven zu fallen imstande ist! י Aber was da ausbricht, das Urwesen des Dichters ist es, inchts anderes. Wild verneinend, was vor der Grundforderung des Dichters nicht standhält: das Unwesentliche, den schämlosen, geil wuchernden Unsinn des Betriebs, der süßen Lügen, des zerstörerischen Zeitvertreibs, jener grausigen Langweile, die man mitteleuropäische gute Erziehung nennt. Am der Unverschämtheit der fetten Macher floh sie in die halbtropische, fieberhafte und fluktuierende Luft des literarischen Gates — und dort blieb sie. Von dort aus eruptlerte sie Gedichte, die an Rang und Echtheit außer wenigen Dehmelstroplien ganze Jahrzehnte lang keinesgleichen hatten. Von dort aus legte sic Dokumente ihres Herzens in Prosaselten nieder, die das Gedächtnis einer ganzen Menge Menschen für Jahrzehnte retten werden, in denen sie sonst längst gestorben wären. Von da aus maß sie — ״Ich räume auf!“ — den blinzelnden Zwiespalt zwischen denen, die ihre Werke verlegten, und iiir, die sie schrieb — den ewigen Konflikt zwischen Schöpfertum und Handel, in einem Aufstand von elementarem Unrechts-Gefühl, zugunsten des Schöpfers lösend, den Kontrahenten das bürgerliche Rechttun mitleidlos überlassend. (Sie hatte gute Verleger, nebenbei, gemessen an den Erfahrungen anderer Leute.) Immer, immer wirkte sie aus dem einen, unzerteilbaren Zentrum ihres Wesens: dem ewig jungen Herzen, das seiner unverletzlichen Heiflieit gemäß die unverkrampfteste, zärtlich atmende, wach-weiseste Sprachkraft dieses Landes in Bewegung setzen konnte. Sie sieht dichtend. Sie schreibt Polemiken dichtend. Sie lebt dichtend. Sie ist mitunter eine ihrer eigenen Gestalten: dann dichtet sie sich selbst. Es hat niemals Zeiten gegeben, die die wahren Dichter ehrten. Niemals, hört es, in keinem Lande des Westens. Man ließ sie bestenfalls gehen. Meist zerstörte man sie durch bissigen Widerstand, machte sie halbtoll durch Blödheit, trieb sie zum Verrecken oder außer Landes. Von Villon und Christian Günther, über Lenz, Hölderlin, Kleist, Hofmann, Büchner, Heine, zu Shelley und Byron, zu Wedekind, Strindberg, Georg Heym, der zufällig ertrank, Georg Trakl, der sich tötete, weil er die große Zeit nicht aushielt, Gustav Landauer, der ein Dichter in Menschen- und Lebensformen war. Auch diese Zeit wird Else Lasker-Schüler nicht ehren, wie es sich gehörte: durch eine ruhmvolle Gabe, die ihr die Sorgen des Tages erspart, wie es siel! für eine so verschwenderische Zeit wie die unsere gehörte, die Industrielle, Generäle und Fürsten mit Millionen bombardiert — diese Frau, die in die Gesellschaft der erlauchten europäischen Lyriker gehört. Wäre sie wenigstens in jenem einen Punkte sich untreu geworden, der von der öffentlichen Torheit allgemein verlangt wird, wenn einer Jude ist und in deutschem, französischem, englischem Oeistzusammenhange dichtet: wäre sie nur so ״neutral“ geblieben wie Mombert, so preußisch wie Lissauer! Aber sic war die braune Wüstentochter, einbrechend in die Buchenwälder des Haibnordens, und unter dem runden, ebenmäßigen Gezweige der Linde schrie sie mit herrlich-rauhen Rhythmen nach den Palmen der kanaanitlschen Zelte und verwandelte sich in Gestalten Jaakobs, Abrahams und Isaaks — in ihrer Unmittelbarkeit seit Rembrandt nicht mehr so angeschaut wie von den Augen dieser Frau die von allen heute Dichtenden die Weiblichste ist im Gefühl, im Wort, in der Geste. Ihr fehlt ganz jenes nur allzu tragische Lebensgefühf, das die Huch, die Handel-Mazetti, Paula Buber, schon vorher die Droste dazu trieb, nur ja stark, nur ja hart, nur ja streng in Kontur, nur ja ״männlich“ zu dichten. Ist man schon bloß als Weib auf die Erde geboren, so mache man den Defekt wett durch Huldigungen, die man dem männlichen Prinzip kraft des Stils darbringt. Else Lasker-Schüler aber, ganz Frau, Jüdin, deutsche Dichterin — dieser merkwürdigen Deutschen Poesie die echte Farbe wüstenbraun zufügend, für die Friedrich Nietzsche entzückteste Nerven gehabt hätte — ist eines und unteilbar, eine Person, ein Geist, eine lebendige Gestalt. Fünfzig Jahre? Gut; vielleicht; im bürgerlichen Leben. Aber in der Wirklichkeit, in der Seele, dort wo das Medium der Unsterblichkeit sitzt? Eine Else Lasker-Schüler gibt es, die tragisch altern mag wie jeder Mensch. Aber eine gibt es, die niemals sterben wird — niemals, will sagen, auf lange, hin nicht Diese da wird auch nicht fünfzigjährig. Sie ist so unzeitlich wie die Worte, die einstmals morgenfrisch aus ihrer sprechenden Seele brachen — so unalternd wie sie, so jung wie eine Quelle, von der auch niemand zu sagen vermag, vor wieviel Jahren sie aufbrach, eine Scholle zu tränken. Arnold Zweig. Der Interpret des jüdischen Volkslieds (M. O. Eppelbäum in Berlin.) Immer unübersehbarer gestalten sich die Auswirkungen von An-skis Leben und Schaffen. Man hatte ihn zur Boheme gezählt, die eben für unproduktiv gilt; er hatte so gar nichts Angrcifcrisches In seiner Haltung, wollte die Menschen nicht anders machen, nicht besser machen. Er wollte sie bloß kennen. Er hatte die lauschende Haltung derer, zu denen man gerne kommt, sich mitzuteüen. In den Jahren 1913—1914 unternahm er eine Expedition in das jüdische Ansiedlungs- _ Petrog Legem Ta? de kamen Expedi zu Anwesen zustraf Volksli den w seine; Es das b! fälsche den Ke einem ob das brauch ״Verba wie es unverf; bloß di lernt t klatsch Ga Eppe Stimme von Mi spiel, physioi begleiti die so Spieler noer R; gleich, singt c ein Llt befreie 1 spannu nicht - Rabbi“ Pathos Nikolai will nie M^———^___ ־_ '־ _