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Jüdische Rundschau · 1926-02-05 · Heft 10 (5.2.1926) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 10 (5.2.1926)
Date
1926-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 74 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!0 Konferenz der ״Radikalen Zionisten“ Wir erhalten von der ״Vereinigung radikaler Zio nisten“ folgenden Bericht: Am 30, und 31, Januar fand in Berlin dne Konferenz der ״Vereinigung radikaler Zionisten“ statt, an der neben den Mitgliedern des Zentralverbandes der ״Vcreinigung radikaler Zionisten“ Dr. Nachtim Ooldmann, Dr. Jacob Klatzkin und Dr. Max Soloweitschik eine Anzahl auswärtiger Mitglieder, darunter die Herren Izchak Grünbaum (Warschau), Oberbaurat Stricker und Dr. J. Waldmann (Wien), Dr. Emil Margulies (Leitmeritz), Dr. Krämer (Czernovvitz) ieilttahnicu. Die Konferenz beschäftigte sich zunächst mit der Ausarbeitung endstehender programmatischer Richtlinien der ״Vereinigung radikaler Zionisten“. Die Konferenz nahm Steilung . zur gegenwärtigen innerzionistisehen Lage und faßte auch darüber wichtige Beschlüsse, insbesondere stellte sie die Forderung nach schleunigster Einberufung des Kongresses» um eine aktionsfähige Exekutive zu schaffen. Endlich beschäftigte sich die Konferenz mit dem Ausbau der Organisation der ״Vereinigung radikaler Zionisten“, sowohl was das zentrale Büro derselben betrifft, als auch |bre Teilorganisation in den verschiedenen Ländern. Programmatische Richtlinie 11. Die ״Vereinigung radikaler Zionisten“ fordert die Wieder- Herstellung der Zionistischen Organisation als der Trägerin der nationalen Renaissancebewegung des jüdischen Volkes durch die Nationalisierung des Volkes im Galuth und die Schaffung seiner nationalen Heimstätte in Palästina. Die Vereinigung bekämpft die in den letzten Jahren zur Herr- Schaft gelangte Tendenz der Einstellung des Zionismus auf rein wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina unter Hintan- Stellung der politischen und kulturellen Aufgaben, ohne deren Erfüllung das Gemeinwesen des jüdischen Volkes nicht geschaffen werden kann. Sie verlangt die Wiedereinbeziehung aller zentralen Aufgaben der jüdischen Renaissancebewegung in das Programm der zionistischen Arbeit. Der Kampf um die Nationalisierung und Hebraisicrung des Judentums im Galuth und in Palästina, sowie um die Eroberung der wichtigsten Positionen im jüdischen Leben muß wieder in den Vordergrund der zionistischen Tätigkeit treten und d$rf nicht aus Gründen der Geldsammlung aufgegeben werden. Die Führung der Politik zum Aufbau Palästinas und die Wahrnehmung der im Mandat dem jüdischen Volke gesicherten Rechte muß in den Händen der Zionistischen Organisation verbleiben. Voraussetzung dafür ist die Neubelebung und der Ausbau der Zionistischen Organisation durch die Stärkung all ihrer Teile und Organe, vor allem durch die Schaffung einer starken und zentralen Exekutive und autoritativer kontrollierender Körperschaften. Nur eine erneute Zionistische Organisation wird den Kampf um die Gewinnung der Führer im Judentum aufnehinen und siegreich durchführen können. In den einzelnen zentralen Fragen der gegenwärtigen Lage des Zionismus ergeben sich aus dieser Auffassung folgende Konsequenzen: I. Ablehnung der Politik der Verständifung um jeden Preis mit den Nichtzionisten; Aufnahme es Kampfes gegen die Assimilation in allen Ländern; endgültige Liquidation des gegenwärtigen Projektes der Erweiterung der Jewish Agency. IL Führung einer entschlossenen und aktiven Politjk innerhalb und außerhalb Palästinas zur vollen Verwirklicfttiag der ißj Mandat gesicherten jüdischen Rechte; gfoß* zügige und ׳■'systematische־'’AuMi־üfe<f®eif־:lÄirBh#'d*er öffentlichen Meinung aller Länder, Insbesondere innerhalb der orientalischen Welt; Ausgestaltung der gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Beziehungen der jüdischen Bevölkerung Palästinas zu der arabischen, als beste Voraus- Setzung für die Anbahnung einer politischen Verständigung mit der arabisfhen Welt; Ausbau der jüdischen Selbstverwaltung in Palästina in allen ihren Organen; Schaffung eines umfassenden politischen Apparates und Sicherung einer systematischen, kontinuierlichen Führung unserer politischen Arbeit unter der Gesamtverantwortung der Exekutive. ' III. Gestaltung des kolonisatorischen Aufbaus in Pa- 1 ä s t i!ז a unter dem beherrschenden Gesichtspunkt des End- Zieles der Schaffung eines nationalen Gemeinwesens des jüdischen Volk#; Zugrundelegung der Prinzipien der jüdisehen Arbeit, der Umschichtung des jüdischen Volkes, der Schaffung einer bodenständigen jüdischen Bauernschaft und einer in der Produktion verwurzelte« jüdischen Arbeiterschaft; Sicherung der Rechte der Arbeiter und Förderung ihrer Selbstverwaltungskörperschaf{ cn unter Kontrolle derselben durch die Organe der Zionistischen Organisation; Vorbereitung eines für den Aufbau geeigneten Einwandcrungselementes im Galuth; Hebraisicrung des Jischuw und Schaffung der Bedingungen für die gesicherte Entwicklung der freiheitlichen und weltlichen Lebens- und Kulturformen des palästinensischen Judentums. IV. Neuaufbau der Organisation und ihre Wiederbelebung; Bekämpfung der Tendenzen ihrer Bürokratisierung; Schaffung dner starken Exekutive auf der Basis ihrer kollektiven Verantwortung für alle Gebiete ihrer Tätigkeit; Stärkung der Autorität des Aktions-Comitds; Unter- Ordnung der Fonds und der Finanzinstitutionen unter die Organe der Zionistischen Organisation; innerzionistische und kongreßpolitische Gruppierung der Zionisten nach sachlichen und ideellen Programme» unter Ueberwindung der Landesmannschaftcn als Gruppierungen für den Kongreß. * In voller Erkenntnis der Schwierigkeit der der ,ionistisdien Beamtenschaft anvertrauten Aufgaben fordert die ״Vereinigung radikaler Zionisten“ gemäß dem Be- Schluß des XIII. Zionistenkongresses die Durchführung der Reglementierung und Schematisierung eines demokratischen zionistischen Beamtenrechtes, durch welches eine in ihrer materiellen Existenz entsprechend den wirtschaftlichen Vcrhältnisscn ihres Dienstortes gesicherte, nur nach Fähigkeit und Arbeitsleistung qualifizierte, außerhalb jedes Parteigetriebcs stehende und von jeder parteipolitischen Konstellation unabhängige Beamtenschaft hcrangebildet werden soll. Die vom Aktions-Comite cinzusctzendc Kontroll- und Ersparungskonimission soll die Aufgabe erhalte^ diese Frage der Schaffung ׳ eines Beamtenrechtes wie auch die Frage der Vereinheitlichung der Arbeit für die zionistischen Fonds zu studieren und das entsprechende Material, sowie konkrete Vorschläge möglichst schnell dem Aktions-Comitc zur Beschlußfassung zu unterbreiten. * Die fortschreitende Zersplitterung der Zionistischen Organisation ist durch den XIV. Zionistenkongreß nicht auf• gehalten worden. Weder in London noch in Palästina arbeitet heute, insbesondere nach der Amtsniederlegung durch mehrere ihrer Mitglieder, eine aktionsfähige Leitung, so daß die Zionistische Weltorganisation jeder einheitlichen Leitung entbehrt und hierdurch auch alle Voraussetzungen für diq Führung einer aktive» zionistischen Politik und Wirtschafts* gestaltung fehlen. Dieser Zustand kann unmöglich länger audauern. Die ״Vereinigung radikaler Zionisten“ beharrt daher auf ihrer bereits durch ihre Vertreter im Aktions-Comite aufgestellten Forderungen, nach schleunigster Einberufung des Xy. Z i o n i s t c n k o n g r c s s c $ , welcher allein berufen sein wird, eine mit genügender Autorität ausgestattete Leitung zu bilden. Eine Falschmeldung Leber die Eröffnung der Besprechung der radikalen Zionisten in Berlin sind in einigen jüdischen Zeitungen Polens gleichlautende Notizen erschienen. Es heißt da unter anderem: ״Man erwartet, daß ein Teil der deutschen Zionisten mit dem Vorsitzenden der Z.V. f. D., Kurt Blumcnfcld, sich der Gruppe der radikalen Zionisten anschließen wird. Wenn sich dies bestätigen soUte, daun müßte Blumcnfeld von seinem!»osten zurüektreten.“5^ ^.'r stc^e״ Herzu auf □rund offizieller Mitteilung des Präsidiums der Z.V.f. D. fest, daß diese Nachricht jeder Grundlage entbehrt. Dr. Kaifmaui-Kuhler gcslorhea Dieser Tage verstarb in New׳ York im Alter von 82 Jahren Dr. Kaufmann-Köhler, der frühere Präsident des Hebrew Union College (Liberales Rabbiner-Seminar Amerikas). Er hat 19 Jahre lang das Institut geleitet. In einem von David Neumark aus Anlaß des 70. Geburtstages Dr. Kaufmann-Köhlers veröffentlichten Werk über ״Systematische Theologie“ wird der folgende Ausspruch eines englisch-jüdischen Gelehrten zitiert: Dr. Kaufmann- Köhler darf mit Recht der Zu n z der jüdischen Theologie genannt werden. Sowie Zunz Liturgie populansiert und zu einem Quell von Enthusiasmus gestaltet hat, so hat Köhler den Judaismus verständlich und vielen liebenswert gemacht, die ohne seine Führung den Weg zur jüdischen Wissenschaft nicht angetreten hatten. Dr. Köhlers monumentales Werk über jüdische Theologie wird nicht allein als epochemachend auf dem Gebiete jüdischer theologischer Studien, sondern auch als ein wichtiger Beitrag zur vergleichenden Religionswissenschaft betrachtet. Dr. Kaufmann-Köhler wurde im Jahre 1843 in Fürth (Bayern) geboren und kam 1869 nach Amerika. Schon nach zweimonatiger Anwesenheit I«r> Lande nahm er hervorragenden Anteil an der ersten Konferenz der Reformrabbincr Amerikas. 1885 berief er die historisch gewordene Pittsburgher Rabbinerkonferenz ein, die sein als die ״Pittsburgher Plattform“ bekannt gewordenes Programm annahm. Dr. Philipson nannte seine ״Geschichte der Reformbewegung“ die beste und eindrucksvollste Geschichtsschreibung dieser Art. 1903 wurde Köhler zum Präsidenten des Hebrew Union College gewählt. Er behielt diesen Posten bis zum Jahre 1922, aa er 80 Jahre alt geworden war. Er war Ehren- Präsident der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner. Von seinen wissenschaftlichen Werken sind zu rtennen: ״The Song of Songs“ (Das Hohe Lied); ״Backwards or Forwards“ (Rückwärts und Vorwärts); ״The ethical Basis of Judaism“ (Die ethische Basis des Judentums); ״Church and Synagogue in their Mutual Relations“ (Kirche und ׳ Synagoge in ihren gegenseitigen Beziehungen); ״A Guide to Instruction in Judaism“ (Ein Führer für jüdischen Unterrieht); 011״ Capital Punishment“ (Die Todesstrafe). Der Sohn von Dr. Kaufmann-Köhler, Max J. Köhler, ist der bekannte Rechtsanwalt beim Obersten Oericht der Vereinigten Staaten und Vizepräsident der amerikanischjüdischen historischen Gesellschaft. Der Tod eines W₪derr«M»i ’*־■*־"־'־ fn Nagy Karoly ist vor einigen Tagen auf der Rückreise von Wien nach Marmaros Sziget der berühmte Szigeter Rebbe Chajm Herschel Tcitefbaum im Alter von 47 Jahren verstorben. Zur Bestattung waren mehr als 25000 Juden aus ganz Karpathorußland und den angrenzenden Ländern, sowie 64 Rabbiner eingetroffen. Der 15 jährige Sohn des Verblichenen, Salman Leib, wurde am offenen Grabe als Nachfolger des Rebbe ausgerufen. Gleichzeitig wurde er mit der Tochter eines anderen Groß• rabbiners vermählt. Der Verstorbene war Mitglied der Rabbinerkotnmission der transsvlvanischen orthodoxen Landeskanzlei. Die EleVtrtritItMvirtsckutt ii Julia — Tel*.4wiw Jerusalem, 27. Januar. (P.C) Der Dir ektori• umsbcricht der Jaffa Electric Company besagt, 4daß das zweite Geschäftsjahr mit noch besseren Resultaten abgeschlossen hat, als im Bericht für das Jahr 1923/24 angenommen wurde. Während des laufenden Jahres hat sich die Zahl der Abnehmer für Licht von 1528“ auf 3141 erhöht, für Kraft von 89 auf 185. Die Zahl der ange* schlossenen Lampen stieg von 14905 auf 31684, und der Motoren von 144 auf 382. Die Bruttoeinnahmen im letzten Jahre stiegen von £ 1838 im Oktober 1924 auf £ 4262 1m September 1925; die gesamten Jahreseinnahmen während des abgelaufenen Jahres bezifferten sich auf £E 34354,044, der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben betrug £E 15 499,952. im Jahre 1924/25 wurde die Kapazität der Kraftstation durch eine 250 HP-Maschine gesteigert, ferner ,durch eine 300 HP-Maschine, die man sich von der erst kürzlich eröffneten Ffaifaer Station infolge der unerwartet großen Anforderungen von Tel-Awiw und Jaffa borgen mußte. Aus diesem Grunde wurde bei einer englischen Firma eine neue Maschine von 1125 HP bestellt, deren Aufstellung voraussichtlich Ende April erfolgen wird. ' Im Jahre 1925 wurden 13,7 km Hochspannungsleitungen nach Sarafend gelegt und 4,7 km von dieser Leitung nach Rischon le Zion abgezweigt. Der Bedarf für Licht- und Kraftanlagen wächst ständig und die Gesellschaft sucht ihm durch entsprechende Vergrößerung der Kapazität ihrer Kraft• und Transforraatorenstationen und die Anlage von Hoch• und Tiefspannungsleitungen in den einzelnen Distrikten zu genügen. Die augenblicklich in Bearbeitung befindlichen Projekte sind: die Vergrößerung des Gebäudes der Kraft• Station, die Aufstehung eines 1125 HP-Dieselmotors, die Anläge der Hochs:)״nnungsoberleitung nach Pctach Tikwah und des Tiefspanuungssystems in dieser Kolonie, die weitere Vermehrung der Anschlüsse in Jaffa und Tel-Awiw. Das notwendige Kapital soll beschafft werden durch die Ausgäbe von 8 o/oigen Zusatzvorzügsaktieu im Betrage von £ 35 WO. Im Zusammenhang mit der Bewässerung von Petach Tikwah werden wahrscheinlich im kommenden Sommer neue Arbeiten aufgenommen werden. Man nimmt an, daß das Kapital der Gesellschaft im laufenden Jahre von £ 150000 auf £ 200000 erhöht werden wird. Die Direktoren der Jaffa Electric Company sind: Herr Pinchas Rutenberg, Vorsitzender, Jerusalem, Dr. George Halpern, London, S. Ho offen, Tel-Awiw, Dr. J. L. Magncs, Jerusalem, H. Sacher, Jerusalem. Der Waad von Talpioth hat mit der Firma Salzmann in Jerusalem einen Vertrag geschlossen auf Einführung von elektrischer Beleuchtung in den Straßen und Häusern der Siedlung. Mit den nötigen Arbeiten soll demnächst be• gönnen werden. (Ziko.) Knust nnd Literatur 2un1 ״Dybuk“. Bei der Besprechung des ״Dybuk“ im Kleinen Theater wird unseren Lesern aufgefallen sein, daß das in anderen Zeitungen sehr gelobte Bühnenbild von Joseph Budko nicht erwähnt wurde. Die Ursache dafür lag in der außerordentlichen Ausführlichkeit, mit der der Referent auf die dramatische Problematik des Stückes eingehen mußte. A11 der harmonischen üesamtgcstaltung des Abends hat der ausstattende Künstler sein volles Teil. Mit Ausnahme des roten Vorhangs im 1. Akt, der für das Beßtnedresch einer kleinen Gemeinde einen zu synagogalcn Charakter hatte und der in neutraleren Farben besser gewirkt hätte, entsprach alles andere außerordentlich glücklich dem Geist der Dichtung und dem Wesen der Bühne. Besonders die Dekoration des 2. Aktes mit Synagoge, Grab und Gasse wirkte mit sehr einfachen Mitfein stimmungtragend und überzeugend. Auf der kleinen Bühne hat Joseph Budko jedenfalls eine starke Talentprobe für Bühnendekorationen abgelegt. A. Z, Stefan Zweig sprach am 29. v. M, in einer von der Buch■ handlung J. M. Spaeth veranstalteten Feier des 60. Geburtstages von Romain Rolland. Nicht dem Dichter, nicht seinen Büchern galt Zweigs von tiefer Verehrung getragene Darstellung, sondern dem Menschen, der ״Gestatt“, von deren Lauterkeit und Hilfsbereitschaft mythische, wandelnde Kraft ausgeht. Zweig verstand es, Rollands Ent- Wicklung seit jenem bedeutungsvollen 32 Seiten langen Brief Tolstojs, der dem zwanzigjährigen Jüngling plötzlich die große Verantwortung geistiger Menschen offenbarte, bis zu Rollands hingebungsvollem Wirken im Dienste der Liebe während des Krieges und bis zu seinem heutigen Europäertum lebendig vor den Hörtrn erstehen zu lassen. Der Jude Stefan Zweig war es, der tiefes Verständnis hatte für das Prophetische in Rollands Wesen und der ein Vorkämpfer und leidenschaftlicher Propagandist Hollands in Deutschland wurde. __0~ EiageuBit •* 1. Verleger ■id Schriftsteller 111 der Zuschrift des Herrn Abraham Joseph Stybel über die hebräische Uebcrsetzung des Windelbandschcn Werkes findet sich ein Satz über die hebräischen Schriftsteller, dem ich, bei aller Hochachtung für Herrn Stybel und sein Werk, entgegentreten muß. Es ist bekannt, wie getreten, wie ge* drückt und von Verlegern mißhandelt der hebräische Schratsteiler bis zum Kriegsende war; wie er, auch wenn seine Bücher Auflagen über Auflagen erlebten, Hunger und bitterste Not litt, und nirgendwo ein Recht fand, er mochte schreien, wie er wollte. Sollte also heute ein Schriftsteller dem Verleger gegenüber nicht nach dem Buchstaben des Gesetzes handeln, so darf er nicht verdammt werden, am wenigsten von einem Verleger, am allerwenigsten von einem solchen, der als Mäzen aufgetreten ist. Berlin-Friedenau, 1. Februar 1926. Emanuel bin Gorlon. 11. ln Nr. 6 der ״Jüdischen Rundschau“ vom 22. Januar 1926 findet sich ein Feuilleton über die Repräsentanfenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde, das zum schärfsten Wider! sprach hegausfBnlert.::.,.:'Es eehL.mdit .difeVertÄWf lächerlich gemacht und abgeurteilt wird, wie es der Verfasser dieses Feuilletons tun zu dürfen glaubt. Diese Art der Be* urteilung scheint mir in keiner weise der Würde der Sache zu entsprechen, um die es hier geht, und nur geeignet, die notwendige Zusammenarbeit am Ausbau der Gemände zu hemmen und zu erschweren. Wohin sollen wir kommen, wenn wir dem jüdisch-politischen Gegner in einer so unerfreulichen Weise begegnen, wie es hier geschieht? Es erscheint mir absolut verwerflich, daß, um der Freude am spielerischen Witz willen das Niveau der ״Rundschau“, an dem uns doch etwas gelegen ist, herabgedrückt wird. Die billigen Geistreicheleien, mit denen man, um nur eine herauszugreifen, den jüdisch-liberalen Verein Nord abzutun sucht, liegen ganz entschieden unter dem Niveau, das wir für uns festzuhalten suchen. Ganz abgesehen davon, daß eine große Anzahl von Zionisten sich nach ihrer religiösen Anschauung der liberalen Richtung zurechnen, erscheint es mir überhaupt unsinnig und unser unwürdig, irgendeine ihrer Absicht nach auf die Belebung und Erhaltung des Judentums gerichtete Partei oder Bewegung nur deswegen her^bzusetzen, weil sie dies Ziel auf anderen als auf den von uns gewählten Wegen anstrebt. Auch auf die Gefahr hin nun etwa als ״Scholaumist“ oder Leisetreter ironisiert zu werden, bleibe ich dabei, daß der int vornehmsten Ton geführte politische Kampf der beste ist. Svaviter in modo, forbter in re! Dr. Jacob Jacobson- Waidmannslust. * Herr Dr. Jacobson tut mir unrecht, denn er verkennt meine Absicht: gerade weil ich die Bedeutung und die Würde der Repräsentantenversammlung der größten jüdischen Gemeinde Deutschlands unterstreichen, gehoben sehen möchte, habe ich, wohlgemerkt im Feuilleton, eine durchaus benevolente Schilderung eines Teiles der Beratungen gegeben. Ich gebe zu, daß das Niveau meiner Glossierung nicht an das in der ״J. R.“ übliche der Aufsätze über dem Strich heranreichte — aber feuilktonlstischc Glossen und prinzipielle Untersuchungen sind inkommensurabel. Entschieden muß ich der Auffassung des Einsenders widersprechen, daß meine Schilderung den religiösen Liberalismus herabsetzen wollte, sofern dieser auf ״Belebung und Erhaltung des Judentums“ ausgeht. Neben diesem ernsten religiösen Liberalismus gibt es aber auch einen blutleeren konfessionellen Liberalismus, der das Judentum weder zu beleben noch zu erhalten vermag und wenn man von bewußt-jüdischem Standpunkte dieses verwässerte •Scheinisraelitentum auch mit dem Mittel der Verspottung bloßstellt, so liegt in diesem Spaß tieftrauriger Ernst. Man muß sich nur die Mühe nehmen, dessen Schimmer zwischen den Zeilen zu suchen. M. W. Vom Zioaiitliekei Büro, Berti« Dr. Georg Landauer, der das Berliner Palästina• Amt seit Dezember 1924 geleitet hat, siedelt nach Palästina über. Die provisorische Leitung des Palästina-Amtes hat Herr Dr. Elieser Ascher übernommen. Am 28. Januar fand im Zio* nistischen Büro in Berlin eine interne Abschieds* fei er für Dr. Landauer statt, an der das Präsidium der Z.V.f. D., die Mitglieder der Palästinaamtskommission und die Beamtenschaft der vereinigten zionistischen Büros teil* nahmen. Aus den Ansprachen des Präsidenten sowie der Kol* legen und Mitarbeiter des Scheidenden ging hervor, welcher Wertschätzung Dr. Landauers Person und Tätigkeit sich er* freute. Allgemein wurde der Wunsch ausgesprochen, daß seine hier vielfach bewährten Fähigkeiten auch in Palästina die Möglichkeit einer fruchtbaren Entfaltung im Dienste des Zionismus finden mögen

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