Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 10 (5.2.1926)
- Date
- 1926-02-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 72 1UEDISCHE RUNDSCHAU Eine administrative Palästlm-Leltnag? Von M. Bcilinson <Tel-Awiw). Es Ist sehr zu begrüßen, daß die ״Jüdische Rundschau“ mit der Schönfärbc-Politik unserer außerpalästinensischen Presse gebrochen hat und daß Robert Wcltsch in seinem Aufsatze ״Streiflichter zur Lage in Palästina‘“ (Nr. 2 d. J.) eine objektive Analyse des jetzigen Standes des Aufbauwerkes zu geben versuchte. Der palästinensische Leser wird sicher mit vielem, was Weilsch sagt, sich einverstanden erklären — zumal die Probleme, die er aufrolit — die Unzulänglichkeit der sogenannten ״vierten Aiijah“, die ungenügende seelische und willensmäßige Vorbereitung der vielen Einwanderer, di« Arbeitslosigkeit — seit einigen Monaten das Tagesgespräch der Palästinenser und der palästinensischen Presse bilden. Und sicher muß der ״Jüd, Rundschau“ voll und ganz das Recht der Kritik cingcräumt werden. Robert Wcltsch verlangt, und mit Recht, daß man bei Beurteilung der Lage sachlich und konkret vorgeht. Nun iilt es fraglich, ob er selbst diesen Forderungen gerecht wurde — in den Teilen seines Aufsatzes, wo er über die Notwendigkeit der Revision der Betriebe und der Arbeitsmethoden der palästinensischen Arbeiterschaft spricht. Was Wcltsch im ersten Teil des Aufsatzes über die Ursachen der Krise sagt, ist klar und deutlich. Diese Klarheit fehlt in dem den Arbeitern gewidmeten Teile. Daß die Arbeiterschaft, wie jeder Aufbauende, Fehler begangen hat und jetzt noch begeht, ist schon a priori anzunchmen. Aber mit dieser aprioristischeu Feststellung kommen wir nicht weit — die fruchtbare Kritik muß konkret zeigen, wo die Fehler liegen, und sie muß auch sagen, wie sie beseitigt werden können, wenn sie überhaupt — bei unseren finanziellen Bedingungen, bei unserem Menschenmaterial, bei den klimatischen und wirfschaftlichen Eigenschaften unseres Landes — zu beseitigen sind. Denn; cs kann auch sein, daß das, was dem Kritiker als Fehler erscheint, in Wirklichkeit nichts anderes als organische Mängel sind, die, da wir mit Gegebenem zu tun haben, nicht ohne weiteres, auch bei bestem reformatorischem Willen, zu beseitigen wären. Gerade ein immer realistisch j denkender Schriftsteller muß wissen, daß es nicht in dar Macht der Arbeiterschaft liegt, die Keren Hajessod-Qelder reichlich und pünktlich fließend zu machen, der Arbeit ungewohnte Jungen und Mädchen während kurzer Zeitspanne ln erfahrene Arbeiter zu verwandeln, aus einem armen, verwahrlosten Lande ein ״von Milch und Honig fließendes“ zu machen. Nur einmal wird Wcltsch konkret wo er über Sieges* Stimmungen, in bezug auf den Kongreß und die letzte A.-C.- Sitzung in der Arbeiterschaft spricht. Dabei tadelt er dies* bezügliche ״törichte Aeußerungen der palästinensischen Arbeiterpresse“. Ich verfolge ziemlich fleißig die palästinensische Arbeiterpresse und kann bezeugen, daß solche Aeußerungen, wenn sie auch gefallen sind (ich erinnere mich keiner einzigen), absolut nicht typisch sind. Die Arbeiter sind vom Kongreß eher mit einem Gefühl tiefer Enttäuschung zurückgekehrt und von Siegesstimmung war nichts zu merken. Mit der Wertung der Kritik von Weltsch muß man abwarten, bis sie konkret und sachlich wird. Was aber schon Jettt überrascht, sind die Schlüsse, die Weltsch rieht.;?r. jÄt .ddr'■ Arbeitern den Rat, die Reformen ״aus freien werden. In Seinen Schlüssen empfiehlt er: ״Uebergang zu einem System strenger Oekonomie ... womöglich unter positiver Mitwirkung der Arbeiterschaft“. Das bedeutet, daß er auch die Möglichkeit solches Ueberganges ohne Mitwirkung der Arbeiterschaft vorsieht. In den nächsten Zeilen sagt er wirklich, ganz eindeutig: ״Schaffung einer starken und autoritativen Leitung des Aufbauwerkes, durch Ernennung leitender Kräfte im administrativen Wege“. Was ist geschehen? Womit werden solche Maßnahmen gerechtfertigt? Im!,ande ist eine Krise, eine empfindliche Arbeitslosigkeit (die übrigens niemand schmerzlicher empfindet als die Arbeiterschaft). Weltsch deckte zum großen Teil richtig die Ursachen dieser Krise auf. Sie haben mit der Arbeiterschaft und ihren Methoden nichts zu tun. Gerade die Arbeiterpresse hat von Beginn der ״vierten Aiijah“ an, auf ihre Schwächen und Mängel hingewiesen. Gerade die Arbeiterpresse hat immer behauptet, daß die Privatinitiative ungenügend ist, daß es ein Fehler und eine gefährliche Illusion ist, große Hoffnungen auf die sogenannte städtische Kolonisation .zu setzen, daß der Schwerpunkt des Aufbaues die Landwirtschaft bleiben muß. Gleichzeitig aber hat die Arbeiterpresse die breite Aiijah begrüßt und nichts getan — konnte und wollte auch nichts tun - - tim diese Aiijah einzudämmen. Umgekehrt, sie hat für sic eine systematische Hilfe, Anweisung, Ueberwaclmng verlangt. Diese Aiijah ist frei und unbehindert ihren Weg• gegangen, hat frei und unbehindert ihre Methoden angewandt — bis es zur Krise kam, bis; die Kassandra-Prophezeiungen de.׳ Arbeiterpresse sich erfüllt haben. Ein logischer Schluß aus dieser Sachlage sollte, so scheint mir wenigstens, folgender sein: Die Arbeiter hatten recht. Schnell muß alles getan werden, um das Uebel zu beseitigen oder wenigstens zu mildern. Die finanziellen Anstrengungen müssen verdoppelt und verdreifacht werden. Unsere Geld- Institute müssen mobilisiert werden. Die Arbeitslosigkeit muß behoben werden, damit die Panik sich nicht ausbreitet (denn nicht nur die zurückkommcndcn Vertreter der ״vierten Aiijah“, auch der hungernde Arbeiter ist eine Quelle der Panik), und wenn die temporäre Stockung überwunden ist, muß Boden gekauft oder sonstwie erworben werden, müssen Geldmittel zur Besiedlung geschafft werden (wir sind ja 4 Jahre ohne nennenswerte Kolonisation — liegt vielleicht hier die letzte Ursache der Krise?), die Chaluz- und Jugendbewegung muß moralisch und materiell gestärkt, die Hachscharah intensiviert werden. Den bemittelten und halbbemittelten Elementen muß geholfen werden, soweit sie zur Kolonisation taugen. Und von nun an, von Erfahrung belehrt, werden wir uns selbst nicht mehr betrügen, und werden wissen, daß das Land, die sogenannte kleine Industrie und kleinen Händler nur in bcschränkte® Maße aufnehmen kann, hingegen arbeitende Hände in der Masse, wie cs unsere nationalen Mittel nur erlauben werden. Und werden diese groß genug sein, dann wird man vielleicht nicht zu Achad Haam zurückzukommen und die jährliche immigrantenzahl nicht auf 20 000 zurückzuschrauben brauchen. Ungefähr alle diese Sache» sagt auch Weltsch. U11begreiflich ist es aber, auf Grund welcher Logik in diese Kette das neue System mit der Spitze gegen die Arbeiterschaft und die administrativ ernannte Leitung kommen. Nr. 10 Wie der Keren Hajessod Städte baut Es ist allgemein bekannt, daß der Keren Hajessod die landwirtschaftliche Kolonisation Palästinas ermöglicht und fördert, und zwar sowohl die Kolonisation des Mittelstandes wie der Arbeiterschaft, und daß er es ist, der das große hebräische Erziehungswerk und die vielfältige Gesundheits- und Wohlfahrtsarbeit im Lande zum großen Teile trägt, die wieder allen Juden Palästinas zugute kommen. Weniger bekannt ist es, in welch vielfältiger Weise der Keren Hajessod die Entstehung der Städte fördert, an denen ja unzweifelhaft in hervorragender Weise auch privates Kapital, das besonders im letzten Jahre reichlich ins Land geströmt ist, beteiligt ist. Einer der Wege dieser Förderung ist der Bau von Straßen. Dazu tritt die Ermög- Hchung des Häuserbaucs durch die. Kredite der Hypothekenbank des Keren Hajessod, die Zufuhr elektrischen Lichtes und elektrischer Kraft für Tel-Awiw, Haifa und Tiberias durch die Rutenberg-Gesellschaft, an der der Keren Hajessod hervorragend beteiligt ist, zahlreiche Darlehen an Gewerbetreibende und Handwerker und die Ausbildung eines geschulten Arbeiter- Standes durch die großzügige Beteiligung des Keren Hajessod am Solei Boiich und anderen Arbeiterkooperativen. So kommen auch hier die Gelder des Keren Hajessod dem ganzen Jischmv und allen seinen Klassen zugute. Aber eine der wichtigsten Voraussetzungen der Ent- Stellung der neuen jüdischen Städte ist der Bau von Straßen, Zufahrtsstraßen zu ihnen, die den Verkehr mit den übrigen Stadtteilen erleichtern und Straßen innerhalb der jüdischen Städte und Stadtviertel selbst, die neues Terrain erschließen und dessen Bebauung ermöglichen. Mit Hilfe dieser Darlehen für Straßenbau," die allein in 4 Jahren die Summe von £ 31 730 betragen haben, entstanden um Tel-Awiw, Jerusalem Haifa und Tiberias herum neue schmucke jüdische Viertel mit Häusern und Gärten und große neue Geschäftszentren, und leiclizeitig haben diese Arbeiten dazu gedient, in Zeiten er Arbeitslosigkeit produktive Beschäftigung zu geben. Diese Darlehen werden durch die Arbeitsabteilung der Zionistischen Exekutive gewährt, und zwar gewöhnlich unter der Bedingung, daß auch die Bewohner der neuen Stadtteile, die meist der etwas bemittelten Klasse angehören, ihrerseits einen Teil der Kosten der Herstellung der Straßen tragen. Gewöhnlich war es so, daß die Darlehen des Keren Hajessod die Kosten der Arbeit selbst, die Bewohner der Stadtteile dagegen die Kosten des Materials usw. deckten. So entstanden aucli die neuen Stadtteile in Jerusalem, die sich fast sämtlich südwestlich der Stadt ausdehnen, von Talpioth Im Süden der Stadt auf dem Wege nach Bethlehem über das Rechawiah-Viertel beim Kloster Ratisbonnc nach Beth linkerem im Westen der Stadt, in der Nähe der Straße nach Jaffa. Neue Stadtviertel sind bereits geplant, die Rechawiah mit Beth Hakerem verbinden sollen, so daß künftig ein Gürtel neuer Gartenstädte Jerusalem im Südwesten umgeben wird. Der Häuserbau ist in Jerusalem teurer als in Tel-Awiw, dafür gewähren die Häuser, die zum Teil aus Jerusalemer Stein gebaut sind, vielfach einen schöneren Anblick. Beth Hakerem, das vor 3 Jahren begründet wurde, wurde nur durch einen mit Hilfe des Keren Hajessod ausgeführten Straßenbau ermöglicht. Seine Fläche beträgt 300 Dunam, und es sollen dort 150 Häuser entstehen, so daß jedes Haus 2 Dunam Garten besitzt und schon heute, wo erst 02 Häuser stehen, gewahrt man die künftige Gestaltung dieser Gartenstadt die wie die meisten neuen Städte Palästinas vom Architekten Richard Kauffmann entworfen wurde. ■Seth '׳Hakerew־,erhieltvom Keren'>.HaJess04;f«ine.., AttiAe: von #':Ä9־־;'dfir-14m»’tÄ«4*''Vön Planierung der Bauplätze. Um Beth Hakerem entstehen schon jetzt zwei neue Viertel: Keren Montefiore, wo persische Juden einen Bauplatz von 100 Dunam angekauft haben, auf dem sie 100 Häuser errichten werden, und Bajith Wigan, wo auf einem Bauplatz von 500 Dunam 500 Häuser entstehen sollen. Der Bau von Straßen in dielen neuen Stadtteilen hat im letzten Jahre begonnen, und die Schchunath Montefiore hat hierzu ein Darlehen von £ 1000 erhalten. 111 einem zentralen Punkte liegt Recha wiah, ein Platz von 125 Dunam, auf dem 125 Häuser entstehen werden, von denen gegen 45 bereits gebaut sind. Zum Bau der Straßen erhielt Rechawiah ein Darlehen von £ 1700 und hat seinerseits eine gleiche Summe zu diesem Zweck bestimmt. Die Straßenarbeiten werden in diesem Winter vollständig beendet und durch seine günstige Lage in der Nähe der King George Avenue, der wichtigsten Verkehrsader Jerusalems, die vom jüdischen Viertel Sichren Mosche am Bezalel vorbei zum Bahnhof führt, wird Rechawiah eine große Zukunft haben. Zu diesen Stadtteilen treten noch im äußersten Süden Talpioth, hochgelegen mit einem herrlichen Rundblick auf das Tote Meer und die Berge Moabs und Romema im äußersten Westen, wo die Reisenden von Jaffa die ersten Häuser der Stadt begrüßen. Nordöstlich von Jerusalem auf der Straße nach Nablus ist eine Siedlung misrachistischer Bürger aus Jerusalem entstanden, Newell Jakob oder Kfar Iwri. Sie haben dort einen Boden von 1000 Dunam angekauft, wo 200 Familien siedeln werden. Ein großer Teil dieser Siedler wird sich mit Milchwirtschaft befassen. Es sind dort bereits gegen 20 Häuser gebaut und der Keren Hajessod hat ein Darlehen von £ 1000 zum Bau von Straßen gegeben. Intensiver freilich ist die Bautätigkeit um Tel-Awiw. Der große Strom der neuen Einwanderer hat sich dorthin ergossen und um Tel-Awiw herum, insbesondere auf dem Wege nach Petach Tikwah entstehen immer neue jüdische Siedlungen und Vorstädte; Tel-Awiw selbst soll sich in kurzer Zeit bis an die Audscha erstrecken. Infolge der starken Einwandejung und des Saison-Charakters der Bautätigkeit macht sich in Tel-Awiw periodisch die Arbeitslosigkeit fühlbar, und es sind gerade die Darlehen des Keren Hajessod für Straßenbau, die in dieser Beziehung helfend eingreifen. Der Keren Hajessod hat bisher Darlehen von £ 9000 für Tel-Awiw gewährt, davon £ 1500 für das neue am Meeresufer sich erstreckende Stadtviertel Tel-Nordau. Gerade in Tel-Awiw ist es auch, wo die Hypothekenbank des Keren Hajessod ihre segensreichste Tätigkeit entfaltet hat. Reger aber noch ist die Bautätigkeit des Keren Hajessod in den neuen Gartenstädten, die zwischen Tel-Awiw und Petach Tikwah liegen. In Ramath Gan, wo auf einer Fläche von 1500 Dunam 270 Häuser gebaut werden sollen, und wo der Keren Hajessod zum Bau von 2 km Straßen eine Summe von £ 1500 vorgestreckt hat, stehen heute schon 50 Häuser und 60 provisorische Baracken. In der Nähe von Ramath Gan liegt die Schchunath Borochow, gänzlich mit Hilfe der hypothekarischen Darlehen des Keren Hajessod gebaut, auf einer Fläche von 300 Dunam. Die Bewohner von Scnchunath Borochow sind Arbeiter, die in Tel-Awiw zur Arbeit gehen, die aber daneben in der Schchunath Borochow auch noch etwas Gartenwirtschaft treiben. In dieser Siedlung, die ein Darlehen von £ 2350 erhalten hat, stehen gegenwärtig bereite 70 Häuser. Ebenso wichtig ist die Erschließung der jüdischen Kolonien um Tel-Awiw herum und ihre gute Verblndung mit diesem Zentrum der jüdischen Ansiedlung. Durch die Garantie des Keren Hajessod konnte die Regierung vom Jewish Colonial Trust das notwendige Darlehen erhalten und die Straße Risclion-lc-Zion—Neß-Zionah—Rechoboth bauen, die der Beginn der großen Straße sein soll, welche über Gedera und Ber Tu wiah, Tel-Awiw mit Gaza verbinden wird, wodurch die wirtschaftliche Bedeutung Tei-Awhvs wiederum eine Steigerung erfahren wird. Die jüdische Bautätigkeit in Haifa hat gerade in den letzten Jahren einen starken Aufschwung genommen und wird durch die bevorstehende Gründung der Industriezentren in der Bucht von Haifa und den Bau des Hafens in naher Zukunft wahrscheinlich noch bedeutend verstärkt werden. Die wichtigsten neuen jüdischen Viertel um Haifa sind Hadar Hakarmel am Abhang des Karmelberges in der Nähe des jüdischen Technikums, Neweh Schaanan und Bath Galim. Hadar Hakarmei hat durch seine vorzügliche Lage im Mittel- Punkt Haifas eine große Zukunft. Dagegen gestaltet sich die, SiMtirig ftt vorHungf höch etwas iu A#ll* vom Stadtzentm» und der Bau einer guten Verbindungsstraße wäre daher von . entscheidender Bedeutung. Die Bewohner dieses Stadtteiles' erhalten daher vom Keren Hajessod eine Anleihe von £ 2800 zum Bau der notwendigen Straßen. Die Lage dieses neuen Stadtteiles wurde auch dadurch gebessert, daß in der Nähe die rumänische Achusah ״Sir Herbert Samuel“ Boden zu einer neuen Stadt gekauft hat. . Diese hat zum Bau der Straße ein Darlehen von £ 2000 vom Keren Hajessod erhalten und hat auch ihrerseits eine gleiche Summe zur Verfügung gestellt, in diesem Winter wurde auch dort zu bauen begonnen. Eine schnelle Entwicklung verspricht Bath Galim zu nehmen, das am Fuße des Karmel am Meeresstrande liegt. So sehen wir, wie auch auf diese wenig bemerkte Weise der Keren Hajessod die Entwicklung der jüdischen Stadt ־und des neuen Bürgertums in Palästina fördert. (Ziko) Das Verhältnis der zionistischen öffentlichen' Meinung zur palästinensischen Arbeiterschaft ist recht seltsam. Bei offiziellen Anlässen und bei Propaganda-Reden feiert man sie als modernes jüdisches Heldentum — und das ist nicht immer und nicht ganz richtig und nicht immer nötig. Man fühlt aber, und insbesondere fühlt man es in der letzten Zeit, daß eine sehr unfreundliche Stimmung der Arbeiterschaft gegenüber in weiten Kreisen sich sammelt — bis sie in den Vorschlägen, denen von Weltsch ähnlich, explodierte, ohne daß ihnen eine ruhige, konkrete, sachliche Kritik vorangegangen wäre. Eine Auseinandersetzung tut offenbar not — eine sicher freundliche, aber ganz klare und deutliche. Und es wäre sehr gut, wenn bei dieser Auseinandersetzung den Kritikern folgendes klar würde. Jahrzehntelang hat die zionistische Bewegung einen Stützpunkt gesucht, einen Mittelpunkt, um welchen herum sich die aufbauenden Kräfte sammeln könnten. Es scheint, als ob dieser Mittelpunkt endlich, nach vielem Mißlingen, gefunden wurde, und zwar in der palästinensischen Arbeiterbewegung. Sie hat während der letzten Jahrzehnte eine große und stille Wache im Lande gehalten. Sie hat Stürme ausgehalten. Sie hat gebaut. Und in den letzten Jahren dieser Arbeit, die der weiten Ocffentlichkeit in der Diaspora fast unbekannt geblieben ist, ist es. der Arbeiterschaft gelungen, eine Peripherie zu schaffen, eine im Judentum der letzten Jahrhunderte vielleicht unbekannte nationale Jugendbewegung hervorzurufen. Die Bewegung wird von der palästinensischen Arbeiterschaft getragen, auf diese Arbeiterschaft blickt man mit Hoffnung und Vertrauen in Polen und Litauen, in Rumänien und in Rußland. Mit dieser Bewegung ist die Zukunft des Zionismus verknüpft. Das alles wurde möglich, weil die palästinensische Arbeiter- Schaft aus freien Stücken geschaffen hat. Gibt inan ihr eine ״in administrativem Wege ernannte“ Leitung, nimmt man ihr die Möglichkeit, ihre Wege zu gehen und ihre Fehler selbst, aus eigener Erfahrung, zu korrigieren, dann ist ihre Stärke gebrochen, ihre Schaffenskraft, ihr Initiativeschwung aimindcsteus gcielm :irht, denn sic ist ihrer Anziehungskraft beraubt, denn ־.v!'׳ r׳•״;;urlil. v.as mit der großen Oaluth- Bewegung, di;׳ ־•• : ■: der palästinensischen Arbeiterschai't sieh:,!: ',1! wird. Andererseits hat man absolut keine Sicherheit für den Erfolg der ״administrativen Leitung“, denn mit einer solchen hat man ja in Palästina eine jahrzehntelange Erfahrung — den nationalen Aufbau hat sie nicht beschleunigt. Man wirft oft der Arbeiterschaft die Lust zum gefährliciien Experimentieren vor. Aber in diesem Augenblicke wäre kein Experimentieren gefährlicher als ein Angriff gegen die (übrigens gar nicht so unbeschränkte) Autonomie, die die Arbeiterschaft heute besitzt. Man hat der Arbeiterschaft auch das unvorsichtige Vorgehen dem Kapital gegenüber vorgeworfen; und wenn es richtig ist, daß mail das Kapital nicht verjagen soll, noch richtiger ist es, daß man mit einer großen Bewegung, die endlich in der jüdischen Gasse ausgelöst wurde, vorsichtig sein muß — auch sie kann zusammenbrechen, und was bleibt uns dann? Soweit ich die palästinensische Arbeiterschaft kenne, scheint mir, daß sie immer bereit ist, eine konkrete Kritik freundlich entgegenzunchmcn. Noch freundlicher wäre sic allerdings den Kräften gegenüber, die, auch revidierend und reformierend, in ihren Reihen ihre Arbeit mitmachen wollte». Der Leitung aber, die in administrativem Wege ernannt würde, ■wird sie voraussichtlich mit größter Zurückhaltung »ת(/ Skepsis gegenüberstehen. Diese Erkenntnis sollte der realistischen Kritik, die den treibenden Kräften des Aufbauwerkes Rechnung tragen will, zu Grunde liegen. Die Zionisten bei den Sowlelwahlei Aus Moskau wird gemeldet: AnläßUch der bevorstehenden Wahlen in die ukrainischen Sowjets wurde der Gruppe der Unparteiischen und den Zionisten die Erlaubnis erteilt, eine eigene Kandidatenlistc aufzustellen, wobei die Freiheit der Wahlagitation versprochen wurde. In allen Städten, wo Juden in großer Anzahl wohnen, wird bereits eine lebhafte Wahl- Kampagne, in der die Zionisten eine führende Rolle spielen, entfaltet. Die Presse der Jewsekzia (jüdische Abteilung der kommunistischen Partei) bekämpft die zionistischen Listen, wobei die Sowjetregierung auf die ״konterrevolutionären Aktionen der Zionisten“ aufmerksam gemacht wird. Die jüdischen Kommunisten versuchen die Sowjctbehördec zu veranlassen, die Wahlinstruktionen derart zu ändern, daß den Zionisten im letzten Moment die Wahlmöglichkeit entzogen wird. Nr. Anh De schau” was ge die tm gegen sagen genaue Di führun; ״Dies Worte er uati völlig eng b Form, führen, in «ng d I s c 11 wäre, und V( stritfer Rech tausen! aus ni in der Leitspi vor sei Psyche Patriar dig ge wenn Zeitun; wegen hang müsser d i e 5״ sie als W Zertun! sie di» optimii Sie ha1 Englan sehe I und in Teil n Zusam lisch cn wort c Analog politisc diese, wordei ein un nur be der im währet Englan franzö! dem מ Genen Jouven reise 1 denen daß n ausged Tatsac! stände dies is Locarn rea!־po für de man si Demo!» ״Locar Im Zcitun dcutsd Vaterli Analog zuzufü: den m Staals2 kreisen die ja Infolge basis, geistig mehr Zionist nur d Deutsc seien, gehört Zusam: ligions Pallsti bedeut selbst zogebe Ausnal Jenigei ״elnfac wahre 1 Verlas: nieder! keit“ licher auch < nens-is» ausdrü Bedenl «fielie