Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-01-29 · Heft 8 (29.1.1926) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 8 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652793--18017-2675738
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 56 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr 8 Nr. Ri-üi: anläßlich der Kongreßeröffiiung um Krimpiojckt Stetlung genome.ui und war bemüht, der Versammlung darzulegen, daß das Krimprojekt für das Judentum eine M i z w e h f r a g e , 1’ a 1 a s t i n a dagegen eine Schicksalsfrage ist Man muß sich die gewaltigen amerikanischcn Menschenmassen vor Augen halten, um zu verstehen, wie notwendig es ist, sie klar und einheitlich über eine Sache zu unten irhtrn und die richtige Einstellung finden zu lassen, um andererseits zu begreifen, welche Verwirrung die Gegenüber Stellung vor! Krim und Palästina, wie sie von verschiedenen Seiten gemacht wurde, hervorgebracht hat. Ich habe diese Angelegenheiten durch meine direkte Teilnahme am Kongreß und in vielen Versammlungen und Beratungen des näheren kcnnengelernt. Es ist mir ein Bedürfnis, die europäischen Juden dahin aufzuklärcn, daß die Kämpfe, welche sich heute in der amerikanischen Judenheit ab spielen, nicht die Vorherrschaft einzelner Gruppen und Parteien zum Ziele haben, sondern einzig׳ und allein die Vorherrschaft einer Idee. * Wie schwer wäre es, bei uns eine so mächtige Willenskundgebung der Judenschaft zustande zu bringen, wie es in Amerika der Jewish Congress ist! Nicht als ob in ihm das einheitliche amerikanische Judentum sich restlos gefunden hätte I So weit kommt es bei Juden auch in Amerika nicht. Aber der Großteil der Juden fand sicli in ihm, Die Beschlüsse werden auch von dem im Gegenlager Stehenden genau beachtet und haben auf die öffentliche Meinung Amerikas in jüdischen Fragen den tiefgehendsten Einfluß. Der amerikanische Jude ist zu :■ehr Amerikaner, um das Leben in Sorgen zu begreifen, welches bei uns jüdische Not heißt. Man kann ihm nicht begreiflich machen, daß einer arbeiten wül und nicht kann, daß er ohne Paß über die Grenze kommt und eingesperrt wird, daß er keine Konzession bekommt zur Ausübung eines Handels oder eines Handwerks. Paß und Konzession und Nichtarbeitenkönnen sind chinesische Worte in Amerika. Nun ist aber der amerikanische Jude trotz allem auch viel zu sehr Jude, um nicht das Bedürfnis zu haben, den Ost- Juden, deren Leid er nicht mehr restlos begreift, an das er mehr instinktiv glaubt, ru helfen. Dieser Glaube, der mit viel Recht ein organisches Gedächtnis, ein Instinkt genannt werden könnte, ist nicht auf Einzelheiten eingestellt. Der amerikanische Jude versteht cs nicht, wie einer verhungernd oder totkrank in einem Keller liegen kann. Dafür hat er keinen Sinn. Es ist nur noch die dumpfe Erinnerung in ihm, das Gedächtnis der Masse, der Instinkt, dem die Vergangenheit gegenwärtig ist, ohne bewußt zu sein. Die Erinnerung an das Judenleid erlöscht im Bewußtsein leicht, säe bleibt aber haften irgendwie in dem geheimnisvollen Gedächtnis der Rasse. Die Hilfsbereitschaft des amerikanischen Judentums ist eine gefühlsmäßige, keine verstandesmäßige. Der Jude in Amerika gibt nicht für einen bestimmten Fall oder eine bestimmte Sorte von Fällen. Die versteht er nicht. Er fühlt nur das große Leid drüben und sein Gefühl bewegt ihn. Deswegen vielleicht ist die Hilfe, die nach dem Krieg aus Amerika kam, so wirksam , und großaügip^jifwesei». Df? Gefühl vermag stets mehr als der ־.Ve&ttncL 9M:׳iÄrilrtä1|'"d}e «Htylp den pnd|rn■ Mitteleuropas durcS'*daV“dftjildlsche EWa!i!übe«ch#eÄtnt Werden; liegt das Schicksal des einzelnen Juden viel näher.» Der eine Weinende rührt uns mehr als das Weinen. Wir sind geneigt, den Ameri- Waner gefühllos zu nennen, weil es bei ihm nicht so äst. Und doch ist im Grunde genommen der Amerikaner viel mehr Gefühlsmensch als wir. Gerade weil sich sein Menschentum fast ganz in die Gefühlssphäre ru rückzieht. Seinen Kopf hat er nur für business. Es gelingt immer wieder, die amerikanischen Juden zu großen Opfern zu bewegen. Es gelingt aber schwerer, ihn auch für den tieferen Sinn seiner Opferwilligkcit zu interessieren. Ich bin stolz darauf, daß ich in Amerika immer wieder auf den Sinn der Hilfe, für Europa hinweisen konnte und von den aufmerkenden Massen verstanden worden bin. Ich glaube, daß die Gefahr überschätzt wird, das das Tempo der Amerikanisierung für die Juden bedeutet. Im Gefühl bleiben die amerikanischen Juden jüdisch, wenn sie auch ihre Denkweise der ihrer Umgcbung anpassen. Ohne die Einwirkung der Amerikanisierung leugnen zu wollen, glaube ich, daß ähre assimilierende Wirkung nicht großer ist als in irgendeinem westeuropäischen Lande die Assimilation. Nun wissen wir, daß die A ss i m i 1 a t i o n rückgängig gemacht wird durch das Leben. Geschichtliche Nut- Wendigkeiten lassen auch in Westeuropa die Assimilation nicht bis zur letzten Konsequenz gelangen. Der Antisemitismus, der durch das Zuströmen der wandernden Massen notwendig, wenn auch nur zeitweilig sein Haupt erhebt, sorgt dafür, daß die Bäume der Assimilation nicht in den Himmel wachsen. Dieser Antisemitismus ist — wie oben angedeutet — heute auch in Amerika nicht mehr unbekannt, wenn auch selten an der Oberfläche spürbar. Ich halte, soweit meine Erfahrungen während eines verhältnismaßig kurzen Aufenthalts reichten, das amerikanische Judentum für einen durchaus kräftigen Ast am Baume der Judenheit. Würde cb gelingen, den Einwanderungsstrom der Ostjuden wieder etwas breiter zu gestalten — wozu allerdings augenblicklich wenig Hoffnung vorhanden ist —, so wäre das jüdische Leben in Amerika auch geistig produktiver. Verkiimmern wird es auch so nicht, und die europäischen Judenheit wird in den amerikanischen Juden nach wie vor eine wertvolle Stütze haben. Die Jfldiscbe Not in Polen Schnelle Joint-Hilfe New York, 21. Januar, (J.T. A.)!0 Anbetracht der hier eingetroffenen Nachrichten über das zunehmende Elend der Juden in den osteuropäischen Ländern, insbesondere in Polen und Beßarabien, hat das Joint Distribution Committee beschlossen, sofort eine Million Dollar bei einer New Yorker Bank als Anleihe aufzunehmen und nach Europa zwecks schneller Hilfeleistung zu senden. Führende New Yorker Mitglieder des Joint Distribution Committee haben bereits eine halbe Million Dollar gezeichnet Man erwartet, daß die restliche Summe innerhalb weniger Tage aufgebracht wird. Diese Hilfeleistung steht Im Rahmender 15 Millionen Dollar-Kampagne des Joint. Warschau, 25. Januar. (J.T.A.) Angesichts der immer noch zunehmenden Not unter der polnischen Judenheit hat die Anwesenheit des europäischen Joint-Direktors Dr. Bernhard Kahn und des Herrn Dr. Schweizer in Polen in der Oeffentlichkeit großes Interesse hervorgerufen. Unzählige Abordnungen aus allen Teilen Polens haben die Vertreter des Joint besucht und um schnelle Hilfe gebeten. Gegenüber Pressevertretern äußerte sich Herr Dr. Kahn in folgender Weise über seine Mission in Polen: Wir sind hier, um uns an Ort und Stille über die Lage zu informieren und nach Amerika berichten zu können. Mao soll keine übertriebenen Hoffnungen hegen, es ist nicht so leicht, in Amerika große Summen in kurzer Zeit aufzubringen. Wir werden die rein philanthropische Arbeit nicht ganz außer acht lassen; wir müssen uns auf alle Weise bestreben, der polnischen Judenheit in der schweren ökonomischen Krisis beizustehen, es wäre aber naiv zu glauben, daß durch rein philanthropische Aktionen, wie Speiseanstalten und Teehallen, einer Krisis abgeholfen werden könne. In erster Reihe werden wir soziale In- V*” -»5'+:;:־:־•.*«-«׳;־״!?;׳-״ Warschau, 18. Januar. (J.T.A.) Der Verein der jüdischen Schriftsteller und Journalisten In Polen wandte sich mit einem Appell an das Joint Distribution Committee, in welchem auf die ungeheure Notlage der jüdischen Schrift* steiler und Journalisten hingewie3en und um Hilfe gebeten wird, Die «jüdisch-sozialistische Partei ״Bund“ ersuchte den Arbeitsminister, im jüdischen Viertel Warschaus Büros zwecks Registrierung der Arbeitslosen einzurichten und eine Aktion für die Hungernden einzuleiten. Das polnische Kriegsministerium hat angeordnet, daß den Studenten der Jerusalemer Universität gleich Studenten aller anderen Universitäten das Recht auf Aufschub ihrer Militärdienstpflicht zusteht. (Ziko.) Der populäre hebräische Schriftsteller Samuel N. Ko hanowsky, bekannt als einer der besten Schilderer des jüdischen Lebens in Warschau, ist im Alter von 71 Jahren verstorben. Von 4er llnlversitll Jerusalem Gastvorlesung Eduard Meyer. Jerusalem, 24. Januar. (J.T. A.) Architekt F. C. Mears, der gemeinsam mit Prof. Patrick Gcddes die Pläne für den Aufbau der Hebräischen Universität ausgearbeitet hat, hat soeben die Pläne für den Aufbau des Einstein-Instituts (mathematische Fakultät) der Universität, sowie die Pläne für den Bau der Nationalbibliothek beendet. Beide Gebände werden auf dem Berge Skopus Platz finden; mit dem Bau wird schon in den nächst en Wochen begonnen werden. — Der Grundstein für das Einstein-Institut wurde, wie erinnerlich, am 2. April 1925 im Rahmen der Feierlichkeiten für die Eröffnung der Hebräischen Universität gelegt. Die jüdische Nationalbibliothek ist gegenwärtig in einem unzureichenden Gebäude untergebracht. Die Verwaltung der David Wolfsohn-Siiitung beschloß deshalb, den von dem früheren Präsidenten der Zionistischen Organisation hinterlassenen Fonds für die Errichtung eines der Nationalbiblioti.ck würdigen Gebäudes tu verwenden. Der Professor und frühere Rektor der Universität Berlin, Eduard Meyer, der hervorragende Historiker, hielt vergangene Woche an der hebräischen Universität zu Jerusalem eine Gastvorlesung über die Früh-Legenden der jüdisehen Geschichte. Alfred Mond als Konservativer Die Erklärung des früheren Ministers im Kabinett Lloyd George, Sir Alfred Mond, daß er die Liberale Partei verläßt und zu den Konservativen übergeht, hat, obwohl sie nicht unerwartet kam, großes Aufsehen erregt. Wie Sir Alfred Mond in einem Briefe an Lord Oxford ausführt, bildeten die Bodenreformpläne Lloyd Georges, die letzten Endes auf eine Nationalisierung von Grund und Boden hinauslaufen, den Grund zu seinem Ausscheiden. Sir Alfred Mond sträubte sich lange Zeit gegen Lloyd Georges Forderung nach einer Radikalisierung des Parteiprogramms zum Zwecke eines späteren Bündnisses mit der Arbeiter- Partei. Der Sieg Lloyd Georges hat ihn zum Austritt veranlaßt. Lloyd George äußerte sich im höchsten Maße erbittert über das Ausscheiden Sir Alfred Monds, der zu seinen ältesten und treuesten Freunden gehörte, er soll gesagt haben, Sir Alfred Mond ginge den Weg eines allen bekannten Angehörigen seiner Rasse (Judas). Sir Alfred Mond, der bekanntlich Zionist ist, dürfte sein liberales Mandat niederlegen und sich zur Wiederwahl als konservatives Mitglied stellen; es heißt, daß er wahrscheinlich in das Kabinett eintreten wird. Die Wirisehaftslige io Palästina Das von dem Handels- und Industrie-Departement der Palästina-Regierung herausgegebene ״C 0 m ra e r c i a 1 Bulletin“ nimmt zu den Aeußerungen der palästinensischen Presse über die gegenwärtig im Lande herrschende Wirtschaftskrisis in der folgenden Weise Stellung: ״Es ist Tatsache, daß die ,Krisis‘ nichts anderes ist, als eine Knappheit an flüssigen Geldmitteln. Für die zahlreichen Einwanderer der letzten Jahre müssen an Baumaterialien Und anderen Waren im Auslande gefilmt, ד um den wachsenden Bedürfnissen im Lande entgegenzukommen. Auf diese Weise wurden in einer kurzen Zeltperiode hohe Geldsummen festgelegt, die nicht so leicht wieder flüssig gemacht werden können. Dies hat eine Geldverstpifung zur Folge, die sich auf dem Gebiete des Handel fühlbar macht und die man noch nicht als wirtschaftliche ,Krisis‘ bezeichnen kann.“ Tel-Awlws Straßennamen Jerusalem, 20. Januar. (P.C.) Die neueste Karte von Tel-Awiw zeigt, daß es 181 offizielle Straßennamen in Tel-Awiw gibt. Die Straßen sind den Helden Israels, Propheten, Gelehrten der ialmudischen Periode, Dichtern und Schriftstellern des Mittelalters, zionistischen Führern und hervorragenden jüdischen Autoren der Gegenwart sowie Städten, Kolonien, Bergen und Flüssen in Palästina nachbenannt. Anskis ״Dybok“ deutsch (fm Kleinen Theater, Berlin.) Als Gerda Müller (Lea) ihren ersten großen Schrei der Besessenheit ausstieß, war der Abend gewpnnen. Noch nie spielte ihre Kraft in solcher Gelösthe־f; ihre schauspielerische Durchseelung noch nie in so ilKichriloscr Wahrhaftigkeit. Quer durch alle Hemmun* gen -- schwere Hemmungen, wahrhaftig — stieß sie in die :c׳.:lis׳;he Mitte einer Gestalt und machte sie lebendig; so lebendig, so nahe, so unaufhörlich ergreifend, wie nur eine große Schauspielerin sich in die inneren Gesichte eines wirklichen Dichters verwandeln kann. Man muß nämlich, um dieses merkwürdige Experiment einer Darstellung recht zu empfinden, von diesem,' ihrem biutvol! pulsierenden Zentrum und Herzen ausgehen. Verhält man sich der Aufführung Berthold Viertels im Kleinen Theater gegenüber nämlich anders, begegnet man ihr mit Ansprüchen und Empfindungen, die von den Wilnaern herkommen, so wird man einer ehrlich und mit guter Intuition angestrebten und durchgeführten Bühnenarbeit nicht gerecht, die über unglaubliche Schwierigkeiten zu triumphieren hatte, und wirklich triumphierte. Man erwäge zunächst, daß Anskis Stück, aus der stimmungsgesättigten Atmosphäre etwa von Tschechows ,,Kiischgartcn“ literarisch stammend, in ein geradezu niederträchtiges Zeitungs-, ja Annoncendeutsch übertragen wurde — und auf den Gedanken, es von einem Dichter umschreiben /u lassen, kam man nicht. Statt seines geschmeidig-sonoren Russisch, statt der innigen, in allen Gelenken vibrierenden Ausdruckskraft des Jüdisch, bestand die Sprachschicht, in die man eine mystis. 11 umzitterte und durchstrahlte Dichtung cinzuzeraentieren für gut befunden, aus Sätzen wie diesen: (Lea): ״Wenn jemand vor der Zeit stirbt, kehrt seine Seele auf diese weit zurück, um hier die ihm bestimmten :e tlichen Jahre zu verbringen.“ (Reb Asriel): ״Ich hin alt und schwach, mein Körper benötigt der Ruhe.“ (Sender): ״Es ist ein Jüngling aus unserer Jeschiboth (!) welcher vor einigen Monaten im Gebethause plötzlich verschied. Er hatte sich sehr eifrig mit der praktischen Kabbalah beschäftigt und ist ein Opfer der Geister geworden.“ (Sender): ״Doch bin ich mir diesbezüglich keiner Schuld bewußt.“ So geht das ganze Stück. Daß hinter dieser Verluderting ein Regisseur überhaupt Gestalten sah, daß aus dieser Niedertracht des Inseratenjargons — ״Benötige diesbezüglich dringend Ihre restlich״ XVare. da ich dieselbe plötzlich zur praktischen Verwendung bringen kann“ — sich soviel Stimmung entbinden ließ, verdankt man lediglich der Tatsache, daß Berthold Viertel während des Krieges Gelegenheit hatte und nahm, Ostjuden für sich zu entdecken, und daß er unter den sensiblen, produktiven Regisseuren der Gegenwart in vorderer Reihe steht. Seine Chassidim sind freilich nicht die unseren. Er versuchte, das Stück in eine gehobene, unrealistische Atmosphäre zu transponieren. Manchmal gelang das; aber er übersah, daß ,,Dybuk“, der gedichtete, der russische, der jüdische, sie schon hat, wie die Welt der Chassidim sie hat; daß nämlich aus dem verlumptesten, unscheinbarsten, verschlissensten Alltag des ״Städtels“ der Weg jäh und steil immer wieder in die Seelenentrücktheit mundet, daß der Mensch in lehmbeschmierten Stiefeln, in der zerrissenen Schubeze, in einem alten verschieften Beßmedresch immer an der Grenze ״jener Welt“ entlang lebt, daß die Seelen Gestorbener so wirklich und vorhanden sind wie die bösartiglebensechten, nimmersatten Armen der Gasse. Er ließ sich von der penetranten Uebersetzung zu einer Art von Eleganz im ״Gebethaus“ verführen, mit rotem Sammet und schönen schwarzsatin’nen Kaftanen, weißen Strümpfen und gepflegten Sprechweisen, an der er unschuldig ist, die aber dennoch ziemlich schmerzhaft und nur schwer zu übersehen war. Und dennoch, dennoch, dennoch: in unerhörter Wucht spannte sich auf dieser Szene die Luft magischen geistigen Kampfes. Wo in aller Welt findet man unter atemnehmender Hingabe sich verflochten in eine Spannung so spiritueller Art, ri den Krieg des weisen, greisen, zum Binden und Lösen befähigten und zum Ordnen berufenen Alters mit der Jugend, die ihre unbelebten Jahre, ihre unerfüllten Süchte, ihr schweres Bröckchen Recht auf Glück sich erficht, aus dem Grabe zurückschnellend in den Körper, in die Person des Mädchens, das willig und sehnend den Geliebten, der anderen Welt U eberantworteten, in sich auf nimmt? Wo begegnet man in der Literatur der Gegenwart eine Dichtung, die als Wirklichkeit, als Stoff und Luft, so unerhört richtig die Magie der Triebe und des Oeistes darstellt, so voll nährender Bindungen, so transparent, so ganz den Menschen als ewiges Wesen, das Göttliche so sehr der Welt eingeboren sieht und sehen macht? Man muß zu Calderon gehen, dem gläubigen Katholiken, oder in die bezaubernde Garten- Wildnis chinesischer Novellen, um dergleichen wiederzufinden. Und nirgendwo sonst trifft man diesen *empfindlichsten Sinn für Gerechtigkeit wieder. Das Unrecht in vergessenen Ver׳ Sprechtagen und unerfüllten Verabredungen, die Kränkung von Toten durch ein unterbewußtes Unterlassen einer Frage an einen Lebenden, die innerst gehörte Stimme, die eine Wiedergutmachung solcher Leiden zur Pflicht macht, das zarteste Erfassen und gerechte Verteilen der Gewichte von Schuld, Vergehen, Verursachung des Bösen und des Leids — derart sind die Kräfte, die die Seelen der handelnden Personen und den Organismus des Dramas bewegen — in einer Volksdichtung wirklich nur für Juden möglich und bezeichnend, für eine innerlich reife und erwachsene Gcmeinschaft. Man kennt das Stück, seine Fabel, seine Weit. Inmitten des Lebens der Miropoler Chassidim steht Reb Asriel, der Miropoler, ordnend, schwer tragend, uralt — und er vermißt sich, in einen Beschluß der Oberen Welten einzugreifen. Es gaben sich nämlich einst Sender Brinitzer und sein Freund Nissan das Wort, Sohn und Tochter miteinander zu verheiraten. Als Nissans Sohn Chanan, auf der Wanderung, magisch angezogen, Lea erblickt, bestätigt sich zwischen ihnen beiden in brennender Sehnsucht das Versprechen der Väter. Aber da Sender in Chanan den Versprochenen wohl ahnt, aber statt des armen, geistig glühenden Jungen lieber einen reichen Schwiegersohn hätte, fragt er ihn nicht nach Herkunft und Vatersnamen. Chanan aber kämpft mit den Waffen geistiger Anspannung gegen die Verlobungen seiner Geliebten, an die er kaum Worte gerichtet hat, guter Geist oder böser Geist gilt ihm gleich brauchbar, weil er im Bösen, im Trieb, die göttlichen Werkzeuge zur Läuterung erkennt und verehrt. Eine Verlobung kommt dennoch zustande, er stirbt, entflammt, den Kamp? um seine angelobte Braut als geistigeres Wesen fortzusetzen. Als Dybuk, als Zweite Seele, nimm1 er Besitz von ihrem Körper, aus ihm redend, ihn, und damit sie, besessen haltend, immer anstürmend gegen die Chuppah und Weggabe seiner Braut an einen Fremden, der aber nach des Vaters Willen Leas Bräutigam ist. Da der Vater zu entscheiden hat, steht der Robbe auf Senders Seite, obwohl in einem Beth Din — ״Rabbinergericht“, man stelle sich vor, heißt das in dem Deutsch des Buches — der Vater Chanans, Nissan, der Verstorbene, um seinen ..Kaddiseh“ und seine Enkel Gebrachte, seinem Sohn zu Hilfe kommt. In ungeheurer Anspannung, mit Thora, Schofar und Minjan, überwältigt Reb Asriel den unglücklichen Dämon; aber im letzten Augenblick, da er zu Lea nicht mehr gelangen kann, durchbricht nunmehr sie den magischen Kreis, Seele findet sich zu Seele, der Wille des Rechts und der Oberen Welt triumphiert, indem er den Liebenden Recht gibt gegen die irdische Satzung. Z1 wo R in die und d in Am nur < morali Selten Europ in Fra jetzt ׳ nicht ׳ er sic! stroph Chara Ideale Jahrer sein י Mang» lerisci den \ו gegan das li zu er Franc׳ Pascal erleid! die mi Volk von ת Frank noch in Da mutig G Symp: Christ schrie Biogr; hat? Werk nomm nur tl und 1 liehen Schon geisti; Art } find«! zum Richtt ein tr wcvtij gleich was 2 kurze nicht dem Schrif wirk t ׳•Ob,׳ ein t- Weck N für d. ״Die von 1 Leser und i dacht! chassi ״Gok das f wird. die i vertei der j und ׳ Stück Mens steht das 1 und 1 Dicht und E zu st der ' Volke Statu! sind stamr treten rncins das ( gewü fertig Kritik sie gl pflich A Gebil( denen Verdr Vora! Seele werde Symp; einges Leiaei oder 1 damit legen, novrii Lea Unerg

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.