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Jüdische Rundschau · 1926-01-29 · Heft 8 (29.1.1926) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 8 (29.1.1926)
Date
1926-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Einzclnammer 0,30 Goldmmrk JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag W 15, Meinekeatrafie 10. Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Becugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Vierteljährlich 5,25 Goldmark. ^u81«ad8ah(»onea1«eU werdaa הי der W thron?! der eiasetaea Lieder berechnet Mummet 8 | Berlin, 29.1.1926 Anzeigen -Verwaltung Jüdische Rundachan G. m. b. H., Berlin W15. Meinekestr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Aazeignn pr«**2 8 gccpalLN'uipareilltzeUe 0,50 U.-M. SteÜengesuche 0.25O.-M. AnteigensehlaB: Dien stad und Freitag eaehmitt ag 4 Uhr. Telephon: Bismark 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392. Für Oesterreseh; Postsparkassenarat W1e1% Konto Nr. 154030. Für T6chgcbo4J«w akei: Postsparkasseeaad Prag, Konto Nr. 59410. Für Polen Pott8parka»senamt Warschau. Konto Nr. 190708. Redaktion!Schluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Oer Zionismus erstreb* für Oes maische Voll! die Scheffuna einer dffeotllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.'* Sir Wyndham Deedes in Berlin Eindrücke aus Amerika Von A n i 11 a Müller-Cohen, Wien. Emptangsabend der Z. V. I. D. Anläßlich der Durchreise von Sir Wyndham Deedes, dem ehemaligen Chefsekretär der palästinensischen Regierung, veranstaltete die Zionistische Vereinigung für Deuschfand am 27. Januar einen internen Empfangsabend 1m Hotel Esplanade in Berlin, zu welchem Vertreter des deutschen Auswärtigen Amtes, der Presse, sowie eine große Zahl jüdischer Persönlichkeiten, darunter Professor Einstein, erschienen waren. Der Abend wurde durch eine Ansprache des Vorsitzenden der Z. V. f. D., Herrn Kurt Blumenfeld, eröffnet, der darauf hinwies, welche Bedeutung für den Zionismus die Sympathie hervorragender Nichtjuaen hat. Er hieß Sir Wyndham Deedes als einen Freund der Idee der jüdischen Wiedergeburt willkommen und begrüßte auch den Vertreter der Londoner Exekutive, Sekretär Leo Herrmann. Herr Herrmann überbrachte darauf die Grüße der Londoner Zentrale und berichtete kurz über die Tätigkeit, die Sir Wyndham Deedes in den letzten Tagen für die jüdische Sache in der Tschechoslowakei entfaltet Tiat. ieedes Rede Sodann ergriff Sir Wyndham Deedes das Wort, um in mehr als einstündiger fesselnder Rede seine Anschauungen über die Verwaltung Palästinas, über die mit der Zukunft Palästinas verbundenen Probleme und die zionistische Bewegung darzulegen. Deedes schilderte zunächst die politische Vorgeschichte des Mandates, insbesondere die Verhandlungen von Mac Mahon mit Hussein, sowie die Entstehung der Balfour-Deklaration, die mit den den Arabern gegebenen Versprechungen in keinem Gegensatz steht, da Palästina stets bei den Verhandlungen mit Hussein ausgeschaltet worden war. Der Redner charakterisierte sodann die einzelnen Schichten der paiästinensischen Bevölkerung, die Gruppen der Mohammedaner, Christen und Juden, die keineswegs einheitlich sind, sondern verschiedcnartige Schattierungen aufweisen. Sodann berichtet er in großen Zügen über das Werk der britischen Verwaltung. Zunächst galt es, die öffentliche Sicherheit herrateilen, da zur Zeit des Kriegsendes auch Palästina von Räuberbanden nicht verschont war. Die Herstellung der Sicherheit gelang mit verhältnismäßig schwachen Polizeikräften. Auch;heute, genügt eine relativ!c|jg|dje die in drei'ver-!);fej?«SZ; JE*'־$׳ ni™ Ft|f *ifF1»״ oesfHMig/gm׳ JI##III11#1W» MRWNnwnmii. milt ■ ma die einzigen Kosten, die der englische Steuerzahler zu trage« hat, ira übrigen erhält sich das Land aus eigener Kraft. Die Finanzen wurden balanciert, und es war sogar möglich, den Zehent herabzusetzen. Der Redner schildert dann die Leistung der Verwaltung auf den Gebieten des Verkehrs und ,der öffentlichen Gesundheit und kommt dann aut das Erziefungswesen zu sprechen, wo es die Politik der Regierung war, den bisher am stärksten vernachlässigten Teil der Bevölkerung kulturell zu heben, und zwar die arabischen Dortbewohner. Die Regierung, sagt Deedes, wurde von jüdischer Seite angegriffen, weil die Juden nicht den ihnen gebührenden Anteil am Erziehungsbudget erhalten. Dies ist zweifellos verstehen, dem Gedanken werden müßten, wo das größte Bedürfnis besteht, "Und mit Rücksicht aut das große jüdische Erziehungswerk, das von den Zionisten finanziert wird, besteht bei den Juden weniger Bedürfnis nach kultureller Hebung durch die Regierung als bei den Arabern. Auf dem Gebiete der Industrie wurde eine Anzahl von kleineren und mittleren Unternehmungen geschaffen, cs wurde ein Kapital von etwa 1 200 000 £ in der Industrie investiert, wovon der ganze Betrag, mit Ausnahme von 100 (WO £, von jüdischer Seite kam. Dies «Hisse hervorgehoben werden, weil der Regierung oft vorgeworfen wird, daß sie einseitig nur die Juden stütze. Der Redner kommt dann auf den Zionismus selbst zu sprechen. Man hat über die Motive, die zur Balfour-Deklaration geführt haben, verschiedene Hypothesen aufgestelit. Man hat angenommen, daß England damit die moralische Unterstützung der Juden, insbesondere in Amerika, gewinnen will. Die Annähme, daß ein solcher Wunsch zu diesem Akte geführt hätte, ist ganz abstrus. Es war stets die Politik Großbritanniens, die kleinen Nationen in ihrem Befreiungskampf zu unterstützen. Wenn als Folge dieses Krieges eine große Zahl kleiner Nationen ihre Fraheit bekamen, so konnte aas jüdische Volk nicht übergangen werden. Die englische Regierung hat schon in früheren Jahren Interesse für den Zionismus bewiesen. Man darf auch nicht unterschätzen, wie sehr wir Engländer von der Bibel beeinflußt sind. Im übrigen wurde der Zionismus ja nicht durch die Balfour-Deklaration geschaffen, er bestand schon vorher und e8 ist eine große Genugtuung für uns Engländer, da# es uns vergönnt war, in einem historischen Moment für diese Sache cinzutreten. Die Balfour-Deklaration hat einerseits bei den Arabern Befürchtungen hervorgerufen, andererseits bei manchen Juden in Europa, die den Begriff des ״Nationalen Heims“ mißverstanden und befürchteten, daß ihre Stellung als Bürger der Länder, in denen sie leben, beeinträchtigt werden könnte. Daher war es notwendig, im Jahre 1922 eine neue Erklärung abzufassen, durch die die Deklaration eine endgültige und klare Interpretation erhielt. Dies ist das sogenannte Weißbuch, dessen Politik auch von der Zionistischen Organisation bestätigt wurde. In dieser Interpretation wird zunächst gesagt, was der Begriff ״nationales Heim“ nicht meint. Er meint nicht einen Judenstaat als solchen, mit einer rein jüdischen Verwaltung und allen Merkmalen eines nationalen Staates; denn wir machen nicht Palästina zu dem nationalen Heim, sondern ein nationales Heim i n Palästina, öepeiirt ist aber auch nicht ein bloß philanthropisches Unternehmen, die Schaffung einer Z<1f!::rh;5r>f;ittc für eine gewisse Zahl verfolgter Juden. Würde der Zionismus dies erstreben, dann wäre er eine kleine < Sache, für die ich kein Interesse hätte. Ferner ist nicht gemeint eine Art Museum, wo man Juden in verschiedenen Beschäftigungen und Typen zeigt. Sondern die Idee des nationalen Heimes meint zunächst in hohem Grade ein geistiges und ideales Zentrum, wo Juden in voller Freiheit ihrer schöpferischen Entfaltung zusammen leben; aber dies ist selbstverständlich nicht möglieh, ohne eine breite materielle Basis mit jüdischer Kultur und Zivilisation. Es soll also ein autonomes jüdisches Gemeinwesen geben, das sich völlig selbst verwaltet in seinen eigenen inneren Angelegenheiten. Diese jüdische Bevölkerung, die ihre eigenen Einrichtungen hat, wird eine jüdische Atmo- Sphäre schaffen, die man sonst nirgends in der Welt finden wird. Es wird ein großes Zentrum der Inspiration sein, das hinaus wirkt auf das Judentum der ganzen Welt. Wenn das nationale Heim nicht eine Belebung und Kräftigung des gesamten Judentums zur Folge hat, dann hätte cs seinen Zweck verfehlt. Wenn man das nationale Heim so auffaßt, dann gibt es eine Reihe von Erfordernissen, die erfüllt werden müssen. An erster Stelle steht eine kontinuierliche I mmigrati'on. Die Immigrationspolitik der Regierung wurde oft kri*isiert, aber die Regierung wollte stets ein Prinzip wahren, nämlich daß die Einwanderung im Einklang stehe mit der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes. Dies war anfangs vielleicht 200 monatlich, jetzt ist es 2—3000. Die Aufnahmefähigkeit hängt ab von dem Kapital, das ins Land strömt. Die Aufwendung von Kapital ist eine der Hauptbedingungen für die Entwicklung der materiellen Basis des ganzen Unternehntens. Man hat eingewendet, dies sei idealistisch, aber nicht raktisch. Diese Politik sei nicht durchführbar. Aus meiner rfahrung muß ich erklären, daß die hier ״ von mir beschriebene Politik durchführbar ist. Die Juden müssen nur energisch Weiterarbeiten. Das wichtigste ist die Ansiediung auf dem Lande, denn in jedem Lande sind Boden und Seele eng verbunden. Wir sehen die bisherige hoffnungsvolle Entwicklung auf allen Gebieten und ich bin überzeugt, daß es möglich ist, wirklich ein nationales Heim zu schaffe^ das den Juden alles gibt, was sie brauchen, nämlich ein spezifisches Medium ihres Ausdrucks. raschen Rechte zu sichern wie das jüdische nationale Heim aufzubauen. England hat den Muslim die Autonomie in ihren religiösen Angelegenheiten gegeben. Als Beispiel für die engfische Sorge für die arabischen Rechte sei das Gesetz angeführt, das bestimmt, daß bei Bodenkäufen die ansässige Bevölkerung nicht verdrängt werden darf oder durch gleichweftiges Land entschädigt werden muß. Der Redner schildert sodann die engfischen Versuche, eine repräsentative gesetzgebende Versammlung zustandezubringen, die bekanntlich an der arabischen Ablehnung gescheitert sind. Sodann erörtert Deedes die jüdischen Befürchtungen, die auch in England laut geworden sind, daß eine Teilnähme an der Aufbauarbeit Palästinas sie eines schlechten Patriotismus verdächtig machen könnte. Dies beruht auf einer Verwechslung der Begriffe Staat und Nation a 1 i t ä t. In dieser Beziehung besteht in Westeuropa eine andere Terminologie als in Osteuropa, diese hat das Miß- Verständnis erzeugt, weil man sich unter nationaler Heimstätte eine Art staatlicher Verbindung dachte, ln Wirklichkeit jedoch ist es für jeden Juden durchaus möglich, völlig loyal zu sein gegenüber seinem Nationalen Heim (wofern dies richtig verstanden wird) in Palästina und dabei völlig loyal zu sein gegenüber seinem eigenen Staate. Wenn man die wahre Bedeutung des Begriffes ״Nationalität“ erkannt hat, wird man verstehen, daß ein Jude, der mithilft, den potentiellen Reichtum des Judentums in materieller, moralischer, geistiger pezlehung zu entwickeln, auch ein besserer Staatsbürger sejn kann als ein Jude, dem diese seine eigenen Werte gleichgültig sind. Denn nur durch den Ausdruck seiner eigenen besten Qualitäten kann ein Mensch der Gesellschaft, in der er lebt, nützen, daher kann ein Jude nur als Jude auch ein wertvoller Staatsbürger sein. Dieser Gedanke findet bei weitblickenden Staatsmännern großes Verständnis. In den letzten Tagen habe ich erfahren, daß Männer wie Benesch und Masaryk diese Anschauungen teilen, ebenso wie bei uns in England Minner, wie Llovd George, Cecil, Balfour. Ich habe hier die Stellung der Regierung gegenüber den Arabern und den Juden charakterisiert, aber außerdem besteht nach meiner Meinung noch eine besondere, einzigartige Aufgabe in Palästina. Palästina ist das Land, das die drei großen Weltreligionen, die einander oft schwer bekämpft haben, vereinigt, denn alle drei betrachten dieses Land als ein religiöses Zentrum. Wir können durch eine gute Verwaltung und gute Politik diese drei Religionen in diesem Lande zu einer gewissen Harmonie bringen. Dadurch können wir einen entscheidend wichtigen Schritt tun zum Wiederaufbau der Welt, zu der so bitter notwendigen Annäherung der Menschen und Völker. In dieser religiösen Aufgabe fällt meines Erachtens die größte Rolle dem großen religiösen Volke zu: den Juden. (Lebhafter Beifall.) Die Rede Sir Wyndhams wurde abschnittsweise von Herrn Leo Herrmann ins Deutsche übersetzt. Aus der Mitte der Anwesenden wurden mehrere . Fragen gestellt, die der Gast beantwortete. Herr Blumenfeld schloß sodann die Ver- Sammlung mit dem Ausdruck des tiefsten Dankes an den Gast, der sich mit solcher Wärm? für unsere Sache eingesetzt hat. Herr Bhimenfek! unterstreicht besonders den Gedanken Sir Wyndhams, daß im Aufban Palästinas die Qualität def Menschen und der Leistung das entscheidende ist. Daß der Gast den einzigen Abend, den er auf der Durchreise in Berlin verbringtj dieser zionistischen Zusammenkunft gewidmet hat, wissen die deutschen Zionisten besonders zu schätzen. Die bekannte Orgauisatorin des großen jüdischen sozialen Hilfswerks in Wien, die vor kurzem aus Am» rika, wo sie am jüdischen Kongreß tcilnahm, zurückgekehrt ist, stellt uns nachstehenden Artikel über ihre Eindrücke zur Verfügung. Die Red. Während meiner vieljährigen Praxis auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge habe ich immer wieder einsehen gelernt, daß die sozialen Probleme niemals lokalen, sondern vielmehr internationalen Charakter haben. Dies gilt ganz besonders für den Komplex der jüdischen Fragen. Welche Schwierigkeiten immer einzelne Teile der Judenschaft heimsuchen: sie müssen von der jüdischen G e s a m theit gefühlt und können nur von dieser erfolgreich bekämpft werden. Amerika, als die größte wirtschaftliche Macht, hat heute auch auf sozialem Gebiete eine ganz besondere Bedeutung. Seit dem Kriegsende haben die europäischen Juden viele Beweise tatkräftiger Teilnahme aus Amerika erhalten. Die eur, pä'schen Judenfragen spielen nach .Amerika hinüber, von dessen Einfluß man sich manches verspricht. Aus diesen Gründen habe ich für den Jewish Cong r e s s in Philadelphia das allergrößte Interesse gehabt. Die herzliche und dringliche Einladung des Präsidenten des Komitees, Dr. Stephen W i s e, an diesem Kongreß teilzunehmen und die Eröffnungsrede zu halten, kam meinen Wünschen und meinem Interesse entgegen, so daß ich den — für einen Oesterreicher immerhin ein wenig schwierigen — Entschluß faßte, der Einladung Folge zu leisten. Als unser Schiff mit einer, durch Schlechtwettcr verursachten fünftägigen Verspätung in New York einlief, hatte der Kongreß in Philadelphia bereits begonnen. Ohne jeden Aufenthalt mußten wir die Weiterfahrt fortsetzen und direkt vom Zuge betrat ich das Podium. Es ist ein Gebot der Dankbarkeit, wenn ich des ungemein herzlichen Empfanges gedenke, den der Kongreß mir bereitete. Es hatte sich ein Empfangskomitee gebildet welches mit großer Liebenswürdigkeit bemüht war,• iplr;4׳Ff ׳AM}: enthalt so schön zu gestalten, wie nur irgend möglich. ich einige herausgreifen, welche in erster Linie die europaischea Juden interessieren müssen. Vor allem ist es das Einwanderungsproblem. Der Amerikanismus ist heute ungepiein stark und stellt sich in Gegensatz zu allem, was von außen kommt. Die Parole ״Amerika den Amerikanern“ gewinnt immer mehr Anhänger, und es greift die Anschauung Platz, daß die Fremden auf Amerika 50 wenig Anrecht hätten wie auf irgendein anderes Land des alten Kontinents. Diese Bewegung ist so stark, daß sie zur bekannten Beschränkung der Einwanderung geführt hat, von welcher besonders die osteuropäischen Juden aufs härteste betroffen sind. Der Jewish Congress hat ein richtiges Gefühl für diese Härten der Einwanderungsbill bewiesen. Vielleicht trat auch die Erwägung hinzu, daß auch die amerikanische Judenschaft einen Zuzug aus den glaubensstarken und traditionstreuen Ländern nicht ganz entbehren könne, wie sich denn heute auch in Amerika die Anschauung immer mehr durchringt, daß der zielbewußten Erziehung der Jugend zum Judentarn, welche bisher wohl ein wenig vernachlässigt wurde, nunmehr weit größeres Augenmerk zugewendet werden müsse. Der Kongreß faßte eine Reihe von Resolutionen, welche dahin zielen, die Härten der Einwanderungsbill zu mildern und diese vor allem dahin abzuändern, daß es den Frauen gestattet sei, ihren Männern, den Männern, ihren Frauen nach Amerika zu folgen, daß ferner auch allen anderen nächsten Angehörigen, Kindern, Eltern, Geschwistern von in Amerika lebenden Mensehen die Einwanderung freigegeben werde. Eine zweite Resolution von größter Bedeutung wendet sich gegen ein in Vorbereitung befindliches Gesetz, welches seine Wurzel im gleichen Nationalismus hat. Dieser Gesetzentwurf sieht eine Registrierung aller Nichtamerikaner vor. Unsere europäische Erfahrung lehrt uns, daß eine solche Regtstrierung• eine Teilung der Bevölkerung in Bürger und Nichtbürger nach sich zieht, und daß diese wiederum mit der Entziehung von Rechten und Freiheiten für die Landfremden einhergeht. Setzen wir für das Pseudonym ״Landfremde“ die zutreffendere Bezeichnung ,.Juden“, so haben wir den Dämon des Antisemitismus nach beslem europäischen Muster plastisch vor uns. In einem sehr ernsten und wohlbegründo.ien Beschluß wendet sich der Kongreß gegen dieses ״System polizeilicher Ueberwachung, ähnlich jenem, das unter automatischen Regierungen und im Widerspruche mit dem Geiste dev Gerechtigkeit und dem fair play, auf welchem die amerikanische Verfassung beruht, geübt werden soll". Weiter befaßte sich der Kongreß mit der Frage der Jüdischen Delegation in Paris und sprach die Hoffnung aus, daß diese ihre Tätigkeit nunmehr in verstärktem Maße ausüben werde. Einen besonders breiten Raum nahm in den Erörterungen die Frage der Zusammenarbeit mit dem Joint Distribution Commitee ein. Wie noch erinnerlich sein dürfte, wurde bei der Versendung eines Zirkulars durch das Joint Distribution Committee versehentlich der Palästina betreffende Punkt der Resolution von Philadelphia weggelassen, worin die Zionisten eben Akt der Feindseligkeit gegenüber der Palästinaarbeit erblickten. — Es ist ferner der große Fehler begangen worden, daß das Krimprojekt durch eine viel zu einseitig angelegte Propaganda den Anschein einer weitaus größeren Bedeutung und Wichtigkeit erhielt, als ihm in Wirklichkeit zukommt. Ich habe selbstverständlich bei meiner ersten großen

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