Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1926)
- Date
- 1926-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 50 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr J # bevor wir des Problems Herr werden. Viel wichtiger aber ist die zweite Erkenntnis: Wir leben in einer Ent• Wicklung, die noch nicht abgeschlossen ist, deren Ende nicht vorauszusehen ist, aber der gegenüber wir nicht an Vorkriegsvorstelkmgen starr festhalten können. Wir müssen uns in die neue Zeit einleben, die neuen Oedanken und Tendenzen zu erkennen suchen; denn unsere Sache ist nicht isoliert, sondern stets nur im Rahmen und als Teil der gesamten Weltcntwicklung zu betrachten. Dieses Bewußtsein des Zusammenhanges ist ein Grundpfeiler des politischen Zionismus. Unsere zionistische Situation ist heute eine völlig andere als vor dem Kriege. Damals galt es das ideologische Oebände zu errichte«, das eine Lösung der Judenfragc denkbar machte. Heute haben wir auf die Fragen der Wirklichkeit Antwort zu geben. Dies bedeutet eine ungeheure innere Umstellung׳. Damals kam es auf Reinheit der Gedanken, auf logische Schürfe und polemische Treffsicherheit an; damals gab die Reinheit der Gesinnung und die Höhe des Ideals den alleinigen Quell der Befriedigung. Heute stehen wir mitten im Kampfe, wir stoßen zusammen mit der harten Realität, wir müssen natürlich viele Enttäuschungen erleben, aber wir haben auch die große Genugtuung der Bewährung unserer Idee. Unsere Sache ist eine der wenigen, die in der Nachkriegszeit Schöpferisches geleistet hat. Viele Mängel müssen bei der Verwirklichung sich einstellen, die dem ״reinen“ Denken fern bleiben, aber die ganze Fülle, der ganze große ewige Wechsel von Kräften, von Schönheit und Niedrigkeit, dieses Chaos — ist wirkliches Leben, das einzige Leben in einen! Judentum, das rings um uns zerfällt und verfällt. Die Wirklichkeit des Lebens schafft Erfahrungen, die dem bloß gedachten Ideal fremd waren. Diese Erfahrenden haben wir zu verarbeiten. Wir sehen heute deutlicher als früher die Realitäten, mit denen wir zu tun haben und in deren Rahmen wir unser Ziel, die Befreiung des jüdischen Volkes aus den unerträglichen Fesseln des GaJuth und die Errichtung eines freien nationalen Lebens, durchzuführen haben. Die Wurzeln der zionistischen Ideologie sind unverändert geblieben: der Wille zur Wiederherstellung der verlorenen historisehen Kontinuität, die Bejahung der jüdischen Volksexistenz und das Bedürfnis nach nationaler Vollexistenz, Bruch mit der Assimilation, Abkehr von dem entarteten jüdischen Leben der Gegenwart, Auflehnung gegen die Nachwirkungen des Ghetto. Aber dies alles haben wir heute nicht mehr bloß zu denken, sondern zu tun. Manche Zionisten, die den Vorkriegszustand nicht überwunden haben, wachen heute streng über die Unverfctzlichkeit des gedachten Ideals, ohne dem wirklichen Leben näher zu kommen. Der Gedanke, daß die ursprttngliche zionistische Konzeption in ihrer abstrakten ׳ Jiö|® 'd'«»# .*!eile Entwicklungen Jnt.Xebieo und Denken der Völker modifiziert werden könnte, ist in vielen Kreisen unpopulär. Wenn HerzI heute gelebt hätte, so hätte er einen ganz andern ,Judenstaat“ geschrieben als in der Welt von 1896. Denn er hatte politische Phantasie und vermochte auch politische Gebilde vorauszudenken, die von dem Ueberkommenen abweichen. Wir glauben, daß nach der ersten stürmischen Entwicklungsperiode der Nachkriegszeit,, die zu Besinnung keine Zeit ließ, jetzt allmählich der Moment kommt, in welchem eine Revision der zionistischen Gedankenwelt von 1897 nottut. Es ist vielleicht auch eine Folge des Krieges, daß wir eine aktive revolutionäre neue Generation heute im Zionismus nicht haben; die heute zur Tat berufene Jugend liegt zum . großen Teile tot auf allen möglichen Schlachtfeldern, die Kette der Erziehung und Einwirkung wurde unterbrochen. Die neueste Jugend kennt nur das Chaluzideal (siehe den Bericht unseres polnischen Korrespondenten), sicherlich das größte, was der Nachkriegs-Zionistnus hervorgebracht hat, aber nicht ausreichend zur Führung, und Neubele* bung unserer Volksbewegung und zur fruchtbaren und kraftvollen Weiterentwicklung unseres Denkens. Es ist eine traurige Ironie, daß als revolutionäres Element heute bei uns nur die sogenannten Revisionisten auftreten, die ihren Namen zu Unrecht führen, denn das Wort Revisionismus bedeutet in der politischen Terminologie etwas ganz anderes als jene meinen, nämlich das gerade Gegenteil: Anpassung an Realitäten, Lernen aus .der Erfahrung׳, Verarbeitung neuer Erkenntnisse in das Parteiprogramm. Unsere Gruppe dieses Namens predigt aber die doktrinäre Rückkehr zur ersten zionistischen Konzeption, die ohne Berührung mit den Realitäten erfolgt war, als es darauf ankam, alte Tafeln zu Zerbrechen, aber von Verwirklichung noch keine Vor- Stellung vorhanden war. Die Aufgabe des heutigen Zionismus ist nicht die Proklamierung von Programmen, sondern die Schaffung von Wirklichkeit, und darum ist eine der wichtigsten Forderungen die Erziehung des wirklichkeitsentwöhnten Volkes zu einem Denken, das die Realitäten prüft und ab positive Faktoren in ihre Rechnung einstellt, ohne darum auch nur einen Gran von der zionistischen Idee oder von zionistischen Prinzipien aufzugeben. R. W. Die Palästina-Kampagne in New York N c w Y ork, 18. Januar. (J. T. A.) Gestern abend wurde in New York die Kampagne für die Aufbringung des Fünf Milliönen-Dollar-Fonds für die Palästina-Institutionen durch ein Meeting eröffnet, welches einen enthusiastischen Verlauf nahm. Bekanntlich wurde bei der Verteilung der Quote festgesetzt, daß eine Summe von 1 % Millionen Dollar allein in New York aufzubringen sei. Auf diese Summe wurden schon bei der Eröffnungsversammlung 600 000 Dollar gezeichnet. Vorsitzender der Versammlung war Dr. Stephen S. W i s e, der Präsident des Fonds-Komitees. Die Hauptredner des Abends waren: Nahum S o k o I o w, Richter Julian W. Mack, Rabbi Abba Hillel Silver, Mr. Emanuel Neumann und Herr Ben-Zwi aus Palästina, der jetzt im Zusammenhang mit der Kampagne der amerikanisch-jüdischen Arbeiter zur Aufbringung von 250000 Dollar für die palästinensischen Arbeiter-Institutionen in den Vereinigten Staaten weilt. Es wurde ein Schreiben von Dr. Wcizmanu verlesen, der erklärt, von dem Erfolg des Appells, an die amerikanische Judenheit hänge es ab, ob es gelingen wird, die Tausende Juden, die nach Palästina kommen wollen, in dem Lande einzuordnen und das gegenwärtige Tempo des Aufbaues einzuhaltcn. Wenn wir jetzt nicht Fortschritte machen, heißt es in dem Brief weiter, so würde dies einen Rückschritt bedeuten, und wahrscheinlich ernste Krisen hervorrufen. Dank der Hingebung und Unternehmungslust unserer neuen und alten Siedler macht die Entwicklung des jüdischen Nationalheims in Palästina höchst zufriedenstellende Fortschritte. Diese gnt®ickhmg kann. Jhtx.. weiden,;״wenn׳ ute dfc Juden Ja der Diaspora akht zu IJjlffe, kompett^ unddurch Beschaffung von nationalem und privatem Kapital mitwirken, daß die bereits gelegten Grundlagen ausgebaut werden. Im vorigen Jahre haben die amerikanischen Juden etwa 60 0/0 zu dem gesamten Budget beigetragen. Man hoffte, in diesem Jahre die der amerikanischen Judenheit aufgebürdete Last verringern zu können. Unglücklicherweise befindet sich gerade jetzt die polnische Judenheit in einer verzweifelten wirtschaftlichen und finanziellen Krisis, so daß alle Hoffnungen auf ihre Teilnahme am Werke des kommenden Jahres sich zerschlagen haben. Auch in den anderen mitteleuropäischen Ländern herrscht die Krisis vor. Deswegen richten sich unsere Blicke auf die Juden der Vereinigten Staaten, deren Aufgabe es nun ist, den Aufbau zu finanzieren. Jabotiisky geht ■ach Amerika Paris, 19. Januar. (J. T. A.) Gestern fand zu Ehren Wladimir Jabotinskys, der dieser Tage eine Propagandatour nach Amerika antritt, ein Abschiedsbankett statt. Ansprachen hielten Prof. A. Kulischer, W. Temkin, Dr. Oittsburger, der Redakteur des ״Rasswjet“, Berchin 11. a. in. Anwesend waren auch die Witwe und die Tochter Max Nordatis, Elisteto In Paris Paris, 20. Januar. (J.T.A.) Professor Albert Ein• stein wurde heute von der französischen Gesellschaft ״Franc* Palestine“, der bekanntlich der Premierminister Painlevd unc andere führende Staatsmänner und Politiker augehören und dessen Vorsitzender der frühere Minister Oodart ist, emp• fangen. Anwesend waren u. a. der Rektor der Sorbonne Prof Lapie, Prof, Brunshwig, Prof. Charles Gide und der So• ziallstenführer Leon Blum. Einstein hielt einen Vortrag übei den gegenwärtigen Stand, die Bedürfnisse und das Funktionieren der Jerusalemer Universität. Die genauen Angaben die Einstein machte, waren dem Verein wertvoll, da diese! ein Komitee bestimmen will, welches Hilfsmittel für die Uni■ versität, die »Bibliothek und andere Institute in Jerusalem bei den französischen Intellektuellen sammeln will. Ela bekehrter Zioilsleileiad Rom, 20. Januar. (J. T. A.) Der bekannte italienische Schriftsteller A r na Ido Cipolla publiziert gegenwärtig ft italienischen Zeitungen, s. u. a, in der Turiner Zeitung ״Stampa“, der Florentiner ״La Nazionc“, den Napoli taue! ״Mcttino“ eine Reihe Artikel unter der Ueberschrift ״Da sieghafte Zionismus“, in welchen er die Eindrücke seine! letzten Palästinareise wiedergibt, und den Sieg der jüdischer Aufbau-Idee voraussagt Cipolla hat vor zwei Jahren als Ergebnis seiner ersten Palästinareise ein Buch veröffentlicht in welchem er scharf gegen die zionistischen Ziele in Palästina ins Feld zog. Er schreibt jetzt: ״Meine letzte Palästinareise hat mich von meiner damaligen Furcht geheilt und midi zum Zionistenfreund gemacht; ein solcher müßte jeder gläubige Katholik sein, wahrscheinlich ist es de! Papst auch. Die jüdischen Pioniere verwandeln das ehemals wüste Land in ein Stück Transvaal, ein starker Einwanderer• ström dringt dahin. Was vor zwei Jahren noch als Traun: erschien, ist heute Wirklichkeit.“ Tragödie jüdischer Palislica •Wanderer Jerusalem, 22. Januar (J. T. A.) Auf dem Wege über Bagdad sind heute hier vier jüdische Einwan• derer aus Rußland eingetroffen. Sie bilden den Vortrupp einer großen jüdischen Wandergesellschaft, die schwere Er• lebnisse hinter sich hat. Vor Jahresfrist verließen etwa 50C Juden ihre Heimatsorte in Rußland, um sich überPersici! zu Fuß nach Palästina zu begeben. Bei der Ueber• schreitung der russischen Grenze wurden viele von den Sowjet• grenzbehörden verhaftet und zum Teil nach Sibirien deportiert Die restlichen Wanderer setzten ihren Weg unter größten Entbehrungen fort. Etwa 150 von ihnen sind auf der Wan• derung in Rußland, Sibirien und Persien den Strapazen und Entbehrungen erlegen. Die Apda leiert ״Siege“ Wie aus Jerusalem vom 18. d. M. gemeldet wird, hatte die Agudas Jisroel eine große Versammlung nach Tel-Awiw einberufen, um ihren ״Sieg“ vor dem Völkerbund in Genf zu feiern. Die jüdische Jugendorganisation von Tel- Awivv wollte die Abhaltung dieser Versammlung nicht dulden. zwischen beiden Parteien, äie schließlich In einer Schlägerei ausartete. Die Polizei mußte einschreiten, und es gelang ihr nach längeren Bemühungen, die Streitenden zu trennen. —- Die Agudas Jisroel hat hierauf ihre Versammlung verschoben und wandte sich an die Regierung nach Jaffa mit der Bitte, eine Abteilung Irischer Gendarmerie zum Schutze de! Veranstaltung zu entsenden. Zur Begründung wird angegeben, daß die jüdische Polizei Tel-Awiws gegen die Aguda voreingenommen sei. — (Nach unserer Meinung sollte man die Bcdeutung der Aguda und ihrer ״Feiern“ nicht künstlich durch Demonstrationen erhöhen. Wir verurteilen jede gewaltsame Störung von Versammlungen ebenso wie die Anrufung englischer Gendarmerie gegen die jüdische Polizei. — Red. ״J. R.“) Ein vom Architekten Geddes entworfener Bebauung - plan für den Nordteil von Tel-Awiw ist, nachdem er von der zentralen Baukommission der Stadtverwaltung akzeptiert worden ist, nunmehr auch von den Bezirksämtern angenommen worden, so daß nunmehr jeder Bauunternehmer verpflichtet ist, seinen Bauplan diesem Bebauungsplan anzupassen. (Ziko.) Nr. 1 Der Wir wiesen, Chiffre der Nu! dieser 1 Spalten schaftlk verweis die fan< Method cs, daß ringere über di Bald je Enthusi ist, aus gespeis aus, di finden schie wicht rech! lichk schö! Hing cozia frei kamj die i Euer darf man lasse Men! *c h bei schal reich ifl 2 wirt« sind, path: X faltig“ Wirtsci und d Bürger denken man j! die de der b! darauf rein £ habe e ״ein b mischu /. Gcf|hr 41 ׳ ך'gfceft י > seitigi! essant! ״In di und B in Pal eidleiti des Zi ihres das B widdu tritt, ג ander? zu er Nachd Pionie geht < er vo! Das < Die Gassennamen Nen-Jerusaiems Von Dr. E. M. Zweig. Jahrzehntelang dehnte und streckte sich Jerusalem, jenseits der zinnengekrönten Mauern seiner Altstadt, ohne daß die Obrigkeit es nötig fand, die neuen Gasscuzüge zu beneqnen. Nur hier und dort prägte der Volksmund einen Namen. So war die Straße, die im weiten Schwung vom Jaffator nach Nordwest in Richtung gegen den Landeshafen Jaffa streicht, naturgemäß die Jaffastraße; und jene, die auf sie vom Damaskustor her zulief, hieß, weil in ihr die meisten Konsuln wohnten, logisch die Konsulstraße. Ihre Abzweigung, die sich um die Kirche der Abessynier windet, Abessynierstraße. Der Weg, der zur Kunstgewerbeschule Bezalcl emporklimmt, Bezalclstraße. Endlieh beim Friedhof dieses Namens die M a tn i 11 a s t ra ß c. Hiermit war die Volksphantasie ziemlich erschöpft, und im übrigen mochten sich die Briefschreiber mit allerlei Hinweisen behelfen und nachher die armen Briefträger mit Umfragen und Rätseldeutungen. Da zog die neue A e r a ins Land, die auch dem kuriosen Brauch Europas, Gassen zu benennen, zum Siege verhalt, ln Tel-Awiw ließ man sich’s nicht zweimal sagen. Der Waad Hair, im stolzen Gefühl seiner Autonomie, hielt rasch unter den jüdischen Größen aller Zeiten Umschau, tat ihre Namen in ein Füllhorn und ergoß cs weithin auf die 200 Gassen und Qäßchen der aufstrebenden Gemeinde. Anders in der Hauptstadt Jerusalem. Hier sind die Juden nicht unter sich. Obgleich die starke Mehrheit der Bevölkerung, erfreuen sic sich in der Stadtverwaltung einer nur andeutungsweise!! Repräsentanz. Denn die Mandatsmacht glaubt, bei ihrer vorsichtigen Taktik den status quo hüten zu müssen. Demgemäß geht in Jerusalem alles langsam, lang- *am, oder wie es im arabischen Urtext heißt: ״Schwoje, schwoje“ vorwärts. So auch mit der ״Straßentaufe“. Für diese Aufgabe wurde, vor etlichen Jahren schon, eine eigene Street N a in 111 g Commission eingesetzt, in welcher die BcIIadie (Stadtverwaltung) vertreten ist, sowie die von Herbert Samuel mit einem Charter ausgestattete Gesellschaft ״Pro Jerusalem“. In ihr, wie in der Kommission selbst, hat nun der Distriktsgouverneur Storrs die entscheidende Stimme. Die Aufgabe der Kommission ist wahrlieh nicht leicht und verlangt bei den vielfach widerstrebenden Interessen großen Takt. Darum erfolgt denn auch die O a s s e n b c!1 c 11 n u 11 g serienweise; diese Gasse wird den Christen, jene den Juden und womöglich eine dritte den Muslims zugesprochen. Und wenn sich dann der Unwille über die letzten Zuteilungen allseits wieder gelegt hat, folgt die nächste Serie. Jetzt, da sich diese Stückarbeit zum Ganzen rundet, ist es wohl am Platz, ihren Konturen uachzufühlen. Ja, wenn Ihr Jerusalempilger aller Zungen und Riten die schmucken Gassentafeln betrachtet, die im keramischen Ofen des ״Bezalel“ buntgebrannt und in den drei Landessprachen: Englisch, Arabisch, Hebräisch beschriftet sind, und wenn Ihr dann die einzelnen Namen erwägt, müßt Ihr den Hauch der Geschichte verspüren. Zunächst und vor allem konstatiert die Mandat macht, daß sie da ist. Der Allen by-P latz im Verkehrszentrum der Stadt, mit dem Postamt und dem Uhrturm, weist auf den englischen Feldmarschail hin, der Palästina erobert hat, und die breite König Georg-Avenue, die im weiten, ostwärts geöffneten Bogen von der oberen Jaffastraße zum Bahnhof führt, meint den Herrscher, unter dessen Fahnen die Eroberer marschierten. Will man diese beiden Namen als neutral verzeichnen, so finden sich doch viele andere, die unzweifelhaft für das Christentum und seinen Anspruch auf Jerusalem demonstrieren sollen. Nicht weniger als vier Heilige geben der unteren Neustadt das Gepräge. So reicht Lord Allenby hier zur Rechten, in der nach Norden streichenden Gasse zu, St. Paulus die Hand, der ehemals ein Saulus war, und diesem folgen weiter hinaus —- der englischen Kathedrale dieses Namens zu, St Georg und beim Dominikanerkloster St. Stephan; zur Linken aber hat Allenby St. Ludwig, der unter Frankreichs Königen der IX. seines Namens war und einen der letzten Kreuzzüge recht unglücklich geleitet hat. St. Ludwig, laut der Uebersetzung in Iwrith: ״Louis hakadosch“, braucht sich deshalb nicht unbehaglich und׳ vereinsamt zu fühlen; hat er doch ringsum auf den Gassentafeln eine ganze Schar — minder heiliger, doch im Kriegshandwerk tüchtiger —Kameraden: Gottfried von Bouillon, der im ersten Kreuzzug Jerusalem den Muslims entriß, hält nunmehr die Hauptstraße des Stadtviertels Musrara besetzt und Balduin I., sein Bruder und königlicher Nachfolger, die Seitengasse, welche beim landwirtschaftlichen Museum der Zionisten abzweigt. Beider Waffengefährte Tancred aber muß sich mit einem Winkelgäßchen hinter dem ״Stadtgarten'‘ beim Hadassäh-Hauptbüro, begnügen. Und aus Galanterie offenbar wurde der Steig bei der Eveline Rothschild-Schule — einer Königin Melisande geweiht, deren zarte Spur man wohl nur in einer Spezialhistoria finden mag. Richard Loe wen herz nächst dem Archäologischen Institut — hat sich seine Ehrentäfelchen schon eher verdient. A11 den Kreuzfahrern aber aus deutschen Landen ist anscheinend selbst Locarno spurlos vorbeigegangen! Eher wurde noch Groß- Fürst Sergius, beiin Russenplatz, bedacht. — Auch die tn o h a m m e d a n i s c h e n Gegenspieler scheinen auffallend stiefmütterlich behandelt. Sultan Saladin von Aegypten bekam, kaum würdig seiner Standardsiege über die Kreuzfahrer, recht abseits die Straße zugewiesen, welche vom Herodestor am Muslim-Quartier vorbei zu den Königsgräbern fuhrt, und der Türkensultan Soliman, wohl in Erinnerung an seine Stadtbefestigung, das Stückchen Weg längs der Mauer vom Allenby-PIatz zum Damaskustor. Dann wurde noch ein arabischer Geograph Ibn Battuta in der Gasse beim Hadassaspital verewigt — und damit basta! Die Juden mußten sich noch weiter vom Stadtzentrum wegschieben lassen. Ob die Propheten, welche die vormalige Konsulstraße annektiert haben, ausschließlich dem alten Testament ziizuschreiben sind oder ob sie allen drei Konfessionen zugute kommen, l־;dbt bei dem differierenden Sin« unserer Landessprachen eine offene Frage. Fest steht hingegen die Konzession von Jcsaias, welcher der Seitengasse mit d! Zach Agr! gar 11 zu un waren arme Jaffas: Fuchs der A gefärt Quart! nach sephu! Da ist zum obglei des J1 Z Elic bole die v( einfach Und י sind daher A Zentri Talpic erst i begim dort 1 für al missic Hillel deshal