Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 7 (26.1.1926)
- Date
- 1926-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0£5 Goldmarh JÜDISCHE RUNDSCHAU Radaktion und Verlag W 15, MeinekestraSe 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Besagepreis bei der Expedition monatlich 135 Goldmark. Vierteljährlich 5.25 Goldmark. AasiaadsaboBnemenU werden m der Währung der *iiuelnen Lieder berechnet Anzeigen -V erwallung Jüdische Rnasdichna G.nub.H., Berlin W15, Meinekestr. 10 Telephon» Amt Bismarck 716S—70, Telephon: Bismark 7165—70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 11392. Für Oesterrelchi Poitroarkutwumt Wien, Konto Nr. 156030. Für T*ehecho*lowtkri׳. Po«Upulu«>naunl Pr»#, Konto Nr. 50410, Für Polen! Po*Up*rk*s«ena1nt Wtrtdura, Konto Nr. 190708. RedaktionsschluB Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 7 | Berlin, 26.I.1926 Anznig«! prei*: 8 getpnJtNonpareiUfzetJr 0,50 G.*M. Stellengesuche 0.25G.-M- Anzeigenschlußs Dienstag eod Freitag nachmittag 4 Uhr. .I xxxl Jahrg י״א שבט׳ חיפ״ו. Par zionlnmm tntwht tOr Ja» jüdlnch« Welk cHa SttiaHung alnar «flenUlch - racMUch gesicherten Halmstltta ln PalBstlna. ,•Basalar Pregramm.•• Sir Wyndham Deedes zum Grufje Der Gast, den die Berliner Zionisten in diesen Tagen zu einem wenn auch nur kurzen Besuche begrüßen, ist eine Persönlichkeit, die uns dem Namen nach seit langem sertraut ist. Als im April 1020 anläßlich der Konferenz von San Remo Herbert Samuel zum Oberkommissär von Palästina designiert wurde, berief er als seinen ersten Mitarbeiter den bereits früher in Palästina tätigen Oberst Wyndharn Deedes, dessen hohe Sachkenntnis und menschliche Qua-!(täten ihn für eine Aufgabe prädestinierten, über deren Schwierigkeit weder Samuel noch Deedes sich Illusionen machten. Während Samuel als Oberkommissär das Haupt der Regierung war, war es die Aufgabe von Deedes, die von dem Militärregime übernommene Verwaltung allmählich umzugestalten, aus den Einrichtungen des Krieges Einrichtungen einer fortschreitenden Zivilisation zu machen. Wyndham Deedes hat sich durch seinen Takt und sein Gerechtigkeits- ״cfühl, durch sein tiefes Verständnis für die komplizierte Lage und durch sein keine Mühe scheuendes Eindringen ln die Eigenart jedes {־alles, die Sympathien der Bevölkerung schnell gewonnen. Besonderer HochscJiätzung erfreute er sich von seiten des palästinensischen Judentums, mit dem er in entgegenkommendster Weise zusammenarbeitete. Deedes ist ön begeisterter Anhänger der zionistischen Idee, ln welcher er nicht nur ein Werk äußerer staatspolitischer Entwicklung sieht, sondern vor allem den Gedanken einer geistigen Wiedergeburt des jüdischen Volkes, dessen Schöpfungen den Kulturbesitz der Menschheit so entscheidend bereichert haben. Deedes gehört zu jener Gruppe idealistisch gesinnter Engländer, die den Zionismus nicht aus machtpolitischen Er- Wägungen des britischen Reiches, sondern um seiner eigenen Schönheit willen bejahen. Es wäre falsch, Wyndham Deedes einen ״Freund der Juden“ zu nennen; nicht Parteilichkeit oder besondere Zuneigung haben ihn dazu geführt, für die jüdische Wiedergeburt in Palästina tatkräftig einzutreten, sondem. der Geist der Humanität und sein hohes Gerechtigkeitsgefühf. Er sieht im Zionismus eine der wenigen politischen Bewegungen, die ״nicht durch Macht, sondern durch Recht“ . siege«׳ wollen, und er gehört zu |euen Men$e.he11, die eine זי•? Recht und ■Gerechtigkeit begründete Wc'tordnung ersehiitt, in wetcMer au«ü dein' jülselien ׳ Volte, an dem ein ungeheures Unrecht wieder gutzumachen ist, Raum zu freier schöpferischer Entfaltung gegeben werden muß. Windham Deedes ist einer, von denen, die mithelfen woUen, das viele Unrecht im Menschenleben zu beseitigen oder zu mildern. Seit seinem Rücktritt vom Amt gilt sein Hauptinteresse den Entrechteten und Enterbten, den vom Schicksal Benachteiligten und sozial Deklassierten. Er widmet sich ganz der sozialen Fürsorgetätigkeit. Sir Wyndham Deedes versah drei Jahre hindurch das Amt des Chefsekretärs der palästinensischen Regierung und hat eine große Summe Arbeit für das Land geleistet. Als sich eine Zeitlang nach dem Juni 1921 die Stimmung des Jischuw gegen die Maßnahmen Herbert Samuels wandte, wurde Deedes geradezu als der christliche Freund der zionistischen Sache dem nachgiebigen Herbert Samuel gegenübergcstellt. So war das Bedauern allgemein, als Deedes seinen Posten verließ. Allerdings hat er damals in der Person von Sir Gilbert Clayton einen Nachfolger gefunden, der seine Arbeit in dem gleichen Geiste fortführte. Die zionistische Welt schuldet Sir Wyndham Deedes für seine Arbeit in Palästina, für seine Verdienste um das Aufblühen des Landes und die Förderung der jüdischen Siedlung Dank. Wir freuen uns, anläßlich seines Besuches in Berlin Gelegenheit zu haben, ihm auch namens der deutschen Zionisten, mit unserem herzlichen Willkommcngruß, diese Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Sir Wyidham Deedes Sir Wyndham Deedes, C. M. G., D. S. O., trat seine miiitärische Laufbahn in recht früher Jugend an und hat in seinem noch nicht allzu langen Leben schon sehr viel erlebt. Er ist 1883 geboren und trat, fast noch als Knabe, mit 17 Jahren in eine Schützenbrigade ein, in der er es zum Adjutanten des General Frcnch brachte. In dieser Eigenschaft machte er den Burenkrieg mit, nach dessrti Beendigung er zum Adjutanten des Gouverneurs von Malta ernannt wurde. Einige Zeit garnisoniprte er auch mit seinem Regimente in Bermuda. Einige Zeit später führte ihn eine delikate diplomatische Mission der britischen Regierung nach Tunis. Nach seiner Rückkehr warf er sich auf das Studium der türkischen Sprache und Literatur, dem er drei Monate Tag und Nacht oblag, so daß er nach dieser Zeit eine Prüfung bestand, die sonst ein zweijähriges Studium voraussetzt. Er zog auch bald den höchsten Nutzen aus seinen Kenntnissen, als er in den türkischen Regicrungsdienst eintrat; er organisierte die Gendarmerie in Smyrna und Konstantinopel. Er machte sich bei der Hohen Pforte sehr beliebt und gewann in den wichtigsten Kreisen der türkischen Hauptstadt rasch maßgebenden Einfluß. 111 den heißen Julitagen 1914 befand sich Deedes noch in Konstantinopel, von wo er eine abenteuerliche Fahrt In die Heimat unternahm. Er wurde als britischer Spion denun/iert und verhaftet, dann wieder befreit und kam mit dem letzten Zuge vor Kriegsausbruch von Berlin nach London. Das Kriegsministerium begrüßte ihn mit Freuden und wies ihn sofort den Nachrichtendienst über den Nahen Orient zu; seine Einteilung war bei der ägyptischen Expeditionsarmee. So machte er den ganzen Palästina fetdzug mit, in dessen Verlauf er sich als tüchtiger Offizier auszekhnete, iusberendere durch einen kühnen Einbruch in Oaza, als es noch vom Feinde besetzt und von den britischen Truppen belagert war. Naturgemäß avancierte er rasch und hatte zur Zeit des Waffenstillstandes den Rang eines Brigadegenerals erreich* # Nach Beendigung der Feindseligkeiten wurde Deedes zum Militärattache in Konstantinopel ernannt, wo er im Jahre 1919 eine Zeitlang als britischer High Commissioner wirkte. Dann trat er zur ägyptischen Regierung über, wo er während der Unruhen des Jahres 1920 als britischer Ratgeber wirkte und sich außerdem als Generaldirektor der öffentlichen Sicherheit in Kairo auszeichnete. Nachdem er so eine Reihe von Jahren anstrengendste Arbeit geleistet hatte, zog er «ich aus der amtlichen Wirksamkeit zurück, doch blieb ihm nicht lange Ruhe gegönnt, da er aufgefordert wurde, als Chefsekretär der ersten britischen Z i v i 1 v c r w a 11 u 11 g in Palästina zu dienen. Er kam Mitte August 1920, sechs Wochen nach dem Dienstantritt Sir Herfaert Samuels, in Jerusalem an und ging sogleich ans Werk, um aus der bisherigen Militäradministration eine Regierung zu schaffen. Das Amt des Chefsekretärs bei der palästinensischen Regierung, des ersten Beamten nach dem High Commissioncr, entspricht etwa dem Innenminister einer europäischen Regierung. Alle Entscheidungen des High Commissioners, die nicht ausgesprochene Ressortangelegcnheiten betreffen, bedürfen der Gegenzeichnung des Chefsekretärs, der so auch gewisse Funktionen des Ministerpräsidenten einer europäischen Regierung im Verhältnisse zum Staatsoberhaupte zu erfüllen hat. Er vertritt auch den High Commissioner in allen Fällen, wo dieser (durch Krankheit, Auslandsreisen, Urlattb usw.) verhindert ist. Anläßlich der amtlichen Feier des Geburtstages des Königs in Jerusalem im Juni 1921 verkündete der High Commissioner, daß der König dem Chefsekretär Palästinas die Ritterwürde (und damit den Titel ״Sir“) verliehen hatte. Sir Wyndham war ein kluger und wohlwollender Amts- Verwalter, und als er zurücktrat, wurde das sowohl in der Gesellschaft als in amtlichen Kreisen als empfindlicher Veriust betrachtet, der nur durch die Wahl seines Nachfolgers, Sir Gilbert Claytons, gemildert wurde, eines mit den palästinensischen Verhältnissen schon damals wohlvertrauten und ebenso rechtlichen Mannes. Seit seinem Rücktritt im Sommer 1923 hat sieh Sir Windham ins Privatleben zurückgezogen und widmet sich fast ausschließlich sozialer Arbeit in London. Im politischen Leben tritt er nicht hervor, obgleich von vielen Seiten der Wunsch und die Erwartung ausgesprochen wurde, er möge sieh um . einen Parlamentssitz, bewerben. Seiner politischen ״Ififwfltgiig «ich־ der׳ Arbeitet partet nahe. Deedes 11 Prag Von Prag wird uns vom 22. d. M. berichtet; Sir Wyndham Deedes, der zur Konferenz des Keren Hajessod in die Tschechoslowakei gekommen ist, war heute Crast des eng* lischen Gesandten, Sir George R. Clerk, der ihm zu Ehren in den Räumen der Gesandtschaft einen Lunch veranstaltete, an dem Gesandter Jan Masaryk teilnahm. Zu dem Lunch war außerdem noch eine Anzahl prominenter jüdischer Persönlichkeiten geladen. Bei dem Cercle, der dem Lunch folg te, sprach Sir Wyndham Deedes über die Bedeutung des jüdischen Aufbauwerkes und die erfolgreiche Verwaltung der englischen Regierung in Palästina, Sir Wyndham Deedes basierte seine Ausführungen auf die genaue persönliche Kenntnis des Landes und der jüdischen Arbeit, die er sich im Laufe seiner Tätigkeit in der leitenden Stellung der Palästinaverwaltung erworben hat. Er unterstrich aber auch die weitreichenden Wirkungen, die die Arbeit am jüdischen Helm auf das Gesamtjudentum ausübt. Den Ausführungen von Deedes folgte eine längere Ausspräche. Unmittelbar nach Schluß dieses Cercles in den Räumen der englischen Gesandtschaft war Deedes Gast des Prager Stadtrats, Er wurde vom Primator Dr. Baxa in Anwesenheit des Präsidiums und der Stadträte im Primatorensaa! empfangen und begrüßt, worauf eine Rezeption mit Verabreichung von Erfrischungen in den Räumen des Rathaus es stattfand. Primator Dr. Baxa überreichte dem Gast ein Album der Stadt Prag. Der Empfang schloß mit einem herzlichen Dank des Gastes für die ihm gezeigte Aufmerksamkeit. Morgen wird Sir Windham Deedes von dem Präsidenten des sozialen Ausschusses der Stadt Prag, Ministerialrat Dr. Zenkl durch die sozialen Institutionen der Stadt Prag geführt. Eil Interview mit de Jraveiiei Der französische Oberkommissar für Syrien de Jouvcnd gewährte dem Vertreter der Patestine Telegraphie Agency ein Interview und sprach sich bei dieser Gelegenheit sehr lobend über die Loyalität Großbritanniens gegenüber Frankreich im syrischen Kampf aus. Allmählich kehlt die R u 11 e i n S y r i e 11 wieder ein, setzte er fort, obwohl die syrische Volkspartei den Frieden weiter sabotiert und alle meine Bemühungen um Versölinung zu durchkreuzen sucht. Ich aber bin nicht zu dem Zwecke aus dem Lande der Großen Revolution hierher gekommen, um die Interessen einiger Feudaler, die das Volk ln Elend und Hungersnot stürzen, wahrzunehmen. Ich ersuchte die Einwohner Syriens, sich unter sich selbst über eine Regierung*- form zu einigen, die dem französischen Mandat entspricht. Da aber die Differenzen zwischen den Lebanesen, den Syrern und den Maroniten 'durch direkte Besprechungen 11 iclif auszugleichen waren, so schlug ich vor, einen Schiedsspruch der Mandatarmacht anzunehmen. Das war die Methode des Friedens und des Rechtes. Allein die syrische Volkspartei durchkreuzte auch diesen Weg, und ihr ist nun die Verantwortung für die Not des Landes aufzubürden. Frankreich, schloß de Jouvenel, ist ein Freund des Jüdischen X t i o n a 111 c i m s in Palästina und des Zionismus. Ich hege die größte Bewunderung für die Leistungen der Zionisten. Wandlungen Seitdem der Krieg die große Erschütterung brachte, leben wir in einer Welt des Uebergangs. Probleme von großer Schwere liegen ungelöst vor den Völkern, und mit der aus der Vorkriegszeit übernommenen Begriffsweit kann man heute nicht mehr fertig■ werden. Viele Dinge, die vor dem Krieg völlig־ unmöglich erschienen wären, sind heute Wirklichkeit oder der Verwirklichung nahe. Weltgeschichtliche Neubildungen wie der Bolschcwismus oder das Erwachen der orientalischen Völker verändern das Angesicht der Welt; die Idee der ungezügelten Freiheit ist im Völkerleben ebenso überwunden wie im individuellen Leben und man beginnt zu verstehen, dal» Beschränkungen der Souveränität im Interesse der Gesamtheit unerläßlich sind und daß auch das einzelne Volk schließlich davon profitiert. Der Völkerbund ist ein Anfang. Aber noch andre Probleme; Wer vor dem Kriege etwa vorhergesagt hätte, daß eine konservative englische Regierung* dem Gedanken der Nationalisierung der wichtigsten Industrie, nämlich der Bergwerks- und Krafterzeugungsindustrie, näher treten wird, wäre für närrisch erklärt worden. Die Verbandhingen des Kohlen-Ausschusses, der unter dem Vorsitz von Sir Herbert Samuel wochenlang getagt hat, gehören zu dem interessantesten Material, das die heutige Lage beleuchten kann. Trotz kraftlosen Widerstandes einer von altersher privilegierten Schicht, dringt immer mehr die Erkenntnis durch, daß das heutige System der Wirtschaft Europas die Völker einfach nicht mehr ernähren kann, und daß daher zu höheren Organisationsformen fortgeschritten werden muß. In den meisten Ländern sind Wirtschafts- oder Finanzkrisen permanent. Die Ziffern der Arbeitslosen steigen in die Millionen, in England ebenso wie in Deutschland, in Polen eben» wie in Oesterreich. Inzwischen setzt die höhere Technik und Organisation der über ein ungeheures Wirt- .sehjtfisgfMet ihren Siejjes'zwg fort. In 'Ittibjpä ater Äljf «er Ära- Nationalismus in voller Blüte, jede kleinste Nation!tat ihren eigenen Staat und wacht eifersüchtig über seine ״Größe“, der vielfältige nationale Egoismus schafft Ab* grenzungen und Konflikte, Zoll- und Haßschranken, verhindert ein vernünftiges Zusammenarbeiten im Interesse der Behebung der gemeinsamen Not Verhindert? Die kleine Zeitspanne, die seit der Proklamierung der mißverstandenen Parole des ״Selbst- Bestimmungsrechtes der Völker” vergangen ist, berechtigt zu keinem Urteil. Wir fühlen, daß neue Vorstellungen im Werden sind, daß die Erfahrungen der letzten Jahre jene Teile der Völker, die noch nicht völlig zermürbt und müde sind, zu einer energischen Revision treibt. Wenn nicht die schlimmen Erfahrungen bis zum bittersten Ende durchgemacht werden sollen, dann wird sich jeder entschließen müssen, seinen schrankenlosen Egoismus und die verderbliche Prestige-Sucht abzubauen und einen Ausgleich zu suchen. Die Begriffe Nationalismus, Demokratie, Patriotismus wandeln sich. Eine rein biologistische Staatsvorstellung ist heute ebenso wenig haltbar wie eine hegelianische. Schon sehen wir, wie der Gedanke einer Trennung der nationalen und der staatlichen Funktion fortschreitet. Das nationale Leben ist der schöpferische Kulturprozeß des Volkes; der Staat hingegen ist eine Zweckmäßigkeits-Institution, die Form der Organisierung der Gesellschaft zu dem Zwecke, die Lebensmöglichkeit der Individuen zu verbürgen. Der Gedanke des Föderativ-Staatcs, vor dem Krieg mir in Amerika verwirklicht, ist heute auch im englischen Imperium und in der Sowjet-Union in verschiedener Form durchgeführt; beide bilden große Wirtschaftseinheiten. In Europa sind wir noch weit davon entfernt, aber die Idee Pan-Europa gewinnt immer mehr an Roden. 1 Gefühl, daß eine Wiedererhebung Europas, eine Lösung des Wirtschaftsproblems und eine erfolgreiche Konkurrer!.׳ gegen Amerika nur durch Vereinigung aller europäischen Nationen möglich ist, wird immer allgemeiner. V;'rum wird dies alles liier au-.;.;eführt? Aus zwei Gründen. Erstens soll darauf hiagewiesen werden, daß die Ungeheuern Schwierigkeiten und Probleme, die uns bei unserem palästinensischen Aufbauwerk entgegentreten, zwar einen ganz eigenartigen Charakter haben, aber doch nicht völlig isoliert dastehen. Andere Völker, deren Staatlichkeit und deren Wirtschaft seit Jahrhur.- derter! festgefügt sind, lieben Probleme ähnlicher Art. Wem: z. B. die wichtigste Industrie Englands mir durch ungeheure Staatszuschüsse aufrecht erhalten werden kann, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, daß die junge und zarte Pflanze der palästinensischen ■ Wirtschaft in vielen ihrer Zweige noch einer Stütze bedarf. Hier wie dort handelt es sich darum, die Industrie möglich zu machen, ohne dem Arbeiter ein menschenunwürdiges Dasein zuzumuteii. Wir werden zumindest mit derselben Geduld wie andere Völker warten und suchen müssen,