Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 6 (22.1.1926)
- Date
- 1926-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 44 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nt © :) Die Reise zo den Juden Bemerkungen zu Alfred Döblins ״Reise in Polen"*). Von Dr. Hans Bloch. I, % j'•.. I: Itrit ’11!י4דן( :' ■ c,i . 41i? ז: Die ״Reise in Polen" ist ein literarisches Ereignis. Wer Döblins künstlerisches Gesamtwerk verehrt, freut sich der neuen Gabe . wer den literarischen Bewegungen uns resonst fern stellt, findet hier einen Zugang, den er nutzen möge. Die ״Reise in Polen" ist eine Fahrt in Neuland, in jeder Hinsicht. Gewaltig ist die Fülle der Eindrücke, der Bilder, der angerührten Probleme. Die ganze komplizierte Nationalitätenfrage des polnischen Staatsgebietes wird auf* gerollt, darüber hinaus greift die Betrachtung bis zu tiefsten weltanschaulichen Dingen. Nicht all dieses unterliegt hier der Erörterung und Wiirdigung. Mit freiwilliger Beschränkung, zentriert auf ein Problem, treten wir an das künstlerische Werk heran, bewußt, dadurch vielleicht dem Geiste und Willen des Ganzen Gewalt anzutun. Uns ist für hier und diesmal das dichterische Bekenntnis eine Aeußerung zu unseren bewegenden Lebensfragen, Döblins Reise in Polen eine Reise zu den Juden. Es ist sehr wichtig für uns, daß Döblin zu den Juden gefahren ist. Denn wir haben ein großes Interesse daran, daß dieses Volk entdeckt wird — nach Chinesen, Mexikanern, Eskimos und anderen Exoten auch dieses Volk. Die Westeuropäer müssen es entdecken, wie sie nach vielen Ungeziefer- ■witzen selbst den Balkan ent deckten, und die Westiuden müssen es entdecken, trotz der großen scheuen Furcht vor dem Gespenst im Hause. Wir können mit Westlern und Westlingen schlecht über die Judenfrage reden, wenn sie die Juden nicht kennen. Wir sind Parteileute, wir sind verdächtig. Aber Döblin hat Geltung, er sieht und weiß zu sagen, was er sieht, er ist mutig und reinen Herzens. Es ist wichtig, daß er die Juden entdeckt hat und Bericht gibt. Es ist wichtig auch für uns selbst. Unsere Fachleute werden an vielem Anstoß nehmen, davon wird noch zu reden sein. Ihre Grundeinstellung ist falsch. Es kommt hier nicht auf die sachlichen Informationen an, ihre Zuverlässigkeit und wissenschaftliche Exaktheit. Das Erlebnis an sich ist das gültige und bedeutungsvolle. Döblin ist ganz, ganz fremd in allem Sachlichen, und ist doch im Wesen einer, der dazu gehört, er ist ein Reagens von tadelloser Reinheit, feinstem Ausschlag. Wie wirkt auf ihn das Ding, das Unding Jude? Wie sieht er uns, was vollzieht sich an ihm? Unsere Fragen, unsere Antworten müssen sich an 'hm bewähren. Die Bewährung ist uns ein Glück, nicht ־״eil wir Recht behalten, nicht weil wir einem Menschen, wer immer er sei, Urteilsmacht zugestehen. Aber daß die Wahrheit eine ist, daß sie Leuchtkraft hat für alle, die guten Willens sind, das müssen wir immer wieder erfahren, wenn wir mutig bleiben wollen. Und wo sich unsere Wahrheit an ihm, dem neuen, dem fremden nicht bewährt — wo ist das Recht? Wir hüten uns vor den Fachleuten, vor der Vereisung des Ideenstromes. Nicht in uns bleiben, nicht aus Schubkästen die Antworten holen! Frage, Zweifel, Angriff müssen die Idee stets neu bewegen. II. Es ist in diesem Zusammenhänge notwendig, den Dichter Döblin in wenigen Worten einem neuen Publikum vorzustellen. Zunächst muß schon seine überragende Bedeutung innerhalb der jüngeren literarischen Generation ganz allgemein beton, werden, sein wahrhaft dichterischer Rang, damit ihn nicht voreilige Widersacher als Durchschnittliteraten und ,.Intellektuellen“ g'a > he! «1 dürfen. Populär ist Döblin nicht und kann er nicht Werden, aber ebensowenig ist er eine Angelegenheit litesrltfecher Caf#^äjiürkel. Er schreibt einen mächtigen sprachschöpferischen Stil, oft übersteigert, manchmal ein wenig zur Parodie herausfordernd, aber ganz Ausdruck einer Person. —י Nachahmung ist nicht zu empfehlen. Seine bedeutendsten und reinsten Werke scheinen mir die ״Drei Sprünge des Wang-Lun" und der ״Wallenstein". Es ist fast märchenhaft, wie hier fremde, nie erschaute Welten mit sachlichster Selbstverständlichkeit, in verb’üffcndster, bis zur Mikroskopie gehender Fülle nacherschaffen werden. Dabei handelt es sich nicht etwa um historische Sammelarbeit, ein Zusammenstückeln von außen, ein imatatives Naturspiel. Ein Wesen wird erschaut, ein einmaliges Ereignis, ein Ausbruch kosmischer Gewalten — im Wesen, aber nicht in Abstraktion, sondern in konkretester Leibhaftigkeit. Das ist dichterische Erkenntnis, Intuition. Oft entsteht der Anschein des exaktesten Realismus, aber jählings sprengt die Phantasie den Rahmen, beginnt Mythos zu gestalten. Aus dem Ich schafft Döblin, und oft dringen die Quellen ans Licht, ohne geleitet, in Form gefaßt zu sein. Döblin ist modern im besten Sinn, aber ist er auch nicht frei von den Schlacken der Moderne, ihrer Krankheit, ihrer Perversion — vor Mißakladen darf der Leser nicht zurückschrecken. Gewaltige Ausmaße erreichen Vorzüge und Fehler in dem letzten Werk, den ״Berge, Meere und Giganten“. Hier wird im Ernst an Schöpfung und kosmische Grundgewalt gerührt, aber wie die Schöpfungskraft materialisiert und zur Pan- Sexualität wird, so wird die Gestaltung zur unheimlichen Wuche* rung, vergleichbar nur dem Gliedergerank bmhmanischer Götzenternpel. Dem Dichter ist dies Werk ein Heiligtum; deshalb verdient es Achtung — dem Fremden, und hier bleibe ich fremd, ist es ein Aergernis. Der Dichter Döblin hat ein Wesen von sich abgeschieden, den Publizisten Linke Poot. Der Gedanke der Abscheidung an sich ist genial, hat dem dichterischen Werk unendlich genutzt. Der Publizist, Politiker und Kämpfer Döblin hat nicht minder hohen Rang — Vergleiche mit Heine drängen sich auf. Ein tapferer Degen im Emanzipationskampf der Menschheit wie sein großer geistiger Vorfahr ist auch Döblin.' Das Ich, die gestaltende Urkraft, die Seele und ihre Macht, das Leid und die Erlösung der Menschheit, der Zusammenklang mit den Urgewalten — das sind seine Grundthemen. Sein tiefstes Streben ist religiös, sein Entwicklungsbegriff geistig. Den Fortschrittsmännern von der Zunft kann er nicht genügen, logische Widersprüche sind ihm leicht nachzuweisen — das Zentrum der Person ist eindeutig. Sein polemischer Floretts»!!, sein bissiger Witz reißen ihn leicht fort. Er kann das Ziel weit verfehlen, gewaltig danrbenhaun, sein Wille aber ist rein und sein Herz im Grunde gut; - Wj i in. Döblin ist von jüdischen Eltern geboren, und diese Tat- Sache war ihm bekannt. Was er sonst von jüdischen Dingen wußte, ist nicht zu sagen. Jedenfalls ist grundsätzliche Fremdheit und Beziehungslosigkeit die Situation, von der wir ausgehen müssen, in diesem Sonderfalle wie hier im Westen doch überhaupt. Es hat dann auch gar keinen Sinn, sich aufzuhalten oder zu belustigen über alles, was daraus folgt. Es ist riehtig, in der ״Reise in Polen" verkennt oder mißdeutet Döblin Dinge, die er in jeder liberalen Synagoge beobachten könnte — aber in einem solchen ״Tempel" hatte und hat er nichts 7,u suchen. Das Staunen des Entdeckungsreisenden verführt ihn leicht zu einer Anwendung ethnographischer Kategorien, die an sich ganz richtig sind, aber in unserem Falle nicht mehr anwendbar als nur ganz allgemein, ln vielen deutschen Bräuchen, Liedern, Vorstellungen schimmert der primitive *) Erschienen wie die anderen hier genannten Werke Döblins bei S. Rischer Verlag» Berlin. menschliche Kulturgrund hindurch, und die Sublimation, die Eingliederung in die höhere Anschauung ist gerade im Judentum besonders weitgehend vollzogen. Da hat es keinen Sinn, von Resten des Animismus, des Zauberglaubens u. dgl. viel Aufhebens zu machen — doch liegt auch kein Grund zur Entrüstung vor, wo es geschieht. Die Kabbala verliert wohl auch bei exakter historischer Deutung und Betrachtung an mystischem Reiz, so alt sind ihre Grundbücher nicht, wie Dublin glaubt — usf. usf. Ernster ist ein anderer Einwand. Döblin hat das Recht zu sehen und zu deuten, aber auch die Pflicht, zu ermessen, wo die Kraft der Impression versagt. Wer B. Partei nehmen will in dem furchtbar ernsten, tragischen Kampfe zwischen fiddiseh und Hebräisch, der muß genau alle 'Voraussetzungen kennen, muß wirklich Fachmann sein. Wir deutschen Zionisten sprechen hier wahrlich nicht als Parteileute, uns ist die jiddische Kultur teuer, vielen war sie der Weg zum Herzen des Judentums. Aber Döblin verkennt das Wesen der Entscheidung, urteilt nach zufälligen und flüchtigen Erlebnissen, faßt Vorurteile und hört auf betriebsame Einflüsterer. So geht es ihm an manchem Ort und in mancher Hinsicht — um recht frei, recht unabhängig zu sein, Büchtet er vor unseren ״Agitatoren“ und läßt sich unversehens echte agitatorische Flöhe, nur anderer Observanz, ins Ohr setzen. Wir bedauern dies um seinetwillen. IV. Döblin sah die Juden in Warschau, Wilna, Lublin, — in Lemberg und Krakau, im Naphtharevier und in Lodz. Nie ist das jüdische Volk der Gegenwart mit solcher Kraft der Impression aufgefaßt und gezeichnet worden. Döblins Werk fügt sich hier den ganz großen Reiseberichten an. Für uns, die wir mit leidenschaftlicher Liebe zur Sache mitgeben, ist diese Entdeckungsgeschichte von atemraubender Spannung, doch ist es unmöglich, aus der Fülle der Gesichte beliebige herauszugreifen. Auf die Grundwesenheiten kommt es an. Da ist der erste Satz, den Warschau schon in des Reisenden Hirn hämmert■ Die Juden — ein Volk. Banal geworden für uns, fortentwickelt bis zur Zerfaserung, und doch die Grundtatsache einst wie jetzt: die Juden — ein Volk I Was Döblin hierzu sagt, bietet uns gewiß nicht Belehrung; ob er mit uns folgert, wie weit er mit uns geht, das ist so leicht nicht zu sagen. Wir meinen, es kommt darauf nicht an. Das Volkserlebnis als einfache Tatsache ist das Wichtigste — hätten wir es stets lebendig vor Augen, es stände besser auch um uns. Da ist die zweite Grund Wesenheit: die einzigartige Geistigkeit des Judentums, entfaltet in der Religiositätln vielerlei Gestalten tritt sie Döblin entgegen, auf dem Friedhof vor dem Versöhnungsfest und in den Synagogen, in Gora Kalwarya und in Wilna, in der Gestalt des großen Gaon und des Basischem und in der wunderlichen Magie der Kabbala. Es kommt auch hier nicht auf die Einzelheiten an, sondern auf die eine große Erkenntnis: da ist echtes Leben aus eigener Machtvollkommenheit, nach eigenem Recht. Wie ein dunkler Riese tritt der lebendige Geist dem Flitterkram, dem Formel• wesen des mechanisierten entleerten Europa entgegen. Er klingt zusammen mit dem Leidens- und Erlösungskult der Jesureligion, dem Rhythmus der Maschinen, dem Sturmknattern der roten Fahnen — ein irrationaler und doch notwendiger Akkord. Jenseits bei den Entseelten stehen die Gestalten der Assitnilafion, von der lächerlichen Aefferei, dem Hosenniggertum westlicher Assimilanten bis zu den wohlgemeinten, ernst be■ dachten, vielleicht notwendigen Uebernahmen westlicher Formel* und. Begriffe. Und nun kommt der Punkt, der unsere höchste Aufmerksamkeit verdien!; auf diesep Seitp scheint dem fli|ch*, , tigen, aber scharf blickenden Beobachter auch der Zionismus zu stehen. Döblin sieht keinesfalls nur auf metaphysische und ästhetische Werte, eerkennt durchaus die entsetzliche drängende Not, die geschichtlichen und politischen Verstrickungen, die unabweisbaren Entwicklungstendenzen. So erkennt er auch die große Aufgabe des Zionismus und zweifelt nicht daran, daß dem Streben nach Heimaterde und Staatlichkeit Erfolg beschieden sein wird. Aber der Ausmaß und der Wert des Erfolges — das steht in Frage. Was bedeutet eine neue nationale Lösung gegenüber den Fragen der Menschheit und des Geistes und wie besteht «sie neben der gewaltigen geschichtlichen Form, die sie ablöst und damit doch zerstört? Wir wollen keine zweckmäßige Antwort aus dem Schubkästen holen und können das gestellte Problem sachlich im gegebenen Rahmen nicht erörtern. Nur soviel sei Döblin gesagt: es ist ein inner-zionistisches Problem, eine der wesentlichsten Triebkräfte unserer geistigen Bewegung. Wir stehen ihm nicht als Parteileute gegenüber, geben deshalb auch nicht als Partei Antwort. Aber bestimmte Voraussetzungen für unsere Stellungnahme sind uns durch die Idee gegeben. Nicht metaphysische oder ästhetische Wertungen von Gegebenheiten haben für uns den Primat, sondern die lebendige Erhaltung und Entfesselung des substanziellen Trägers aller jüdischen VVerte und Gegebenheiten, der Volksperson. Und die Lösung muß für uns selbst möglich sein, wir müssen imstande sein, wahrhaftig und innerlieh in die zu schaffende Form uns selbst einzubeziehen. Von dieser unserer Willenssetzung gehen wir aus. Wie man hier wertet, das hängt letzten Endes von der Stellung zum Staat und zur Nation in Allgemeinheit ab. Den Staat von heute beurteilt Döblin recht bitter. Er ist der Zwingherr, der natürliche Bindungen zerreißt, willkürliche Grenzen schafft und mit Tyrannenmacht verteidigt. Das wird dem Wesen des Staates nicht gerecht: die Banalirierung des Staats״edankens greift zurück auf die Zeiten der Aufklärung und des Humanismus, denen Döblin sich sonst entgegensetzt. Doch haben wir als Gruppe deshalb nicht mit ihm zu streiten — zu schattenhaft, zu fern ist unserer Generation noch der Staatsgedanke. Auch die heutige zionistische Ideologie banalisiert gern das Staatsbürgertum, zugunsten der Freiheit nationaler Bindungen. Den nationalen Gedanken hat Döblin in Polen gerechter zu würdigen gelernt, er erkennt in der Nation wenigstens eine natürliche, inneren Bedürfnissen entsprechende Gemeinschaft von Menschen, eine vernünftige Kpllektivform des Ich. Freilich nur eine — vielleicht nicht die wichtigste Gemeinschaft, und den Primat behält das Einzel-lch. Des Finzelmenschen gottgewollte Un:<M'än״:gke;t - ist der Döbünschen Weisheit letzter Schluß. Für den konsequenten Nationalisten hingegen ist das nationale Ich als Träger der geschichtlichen Bewegung der richtende Punkt, auf den zumindest praktisch die anderen Entfaltungen des Geistes bezogen werden. Es handelt sich aber auch hier um eine willensmäßige Entscheidung, nicht um einen begriffliehen zwingenden Schluß oder um blinde Borniertheit. Für den Einzelmenschen stehen die Ideale nicht in einer begriff-, liehen Hierarchie, sondern in praktischer Konkurrenz. Solange wir wertend betrachten, können wir die Fülle besitzen. Getrenntes vereinen. Wenn wir handeln und in dieser Welt gestalten wollen, so müssen wir uns entscheiden, wählen und ausschließen. Aus welcher Tiefe in jedem Einzelfalle die Entscheidung bricht, ist nicht zu sagen, Verzicht ist immer bitter, Entscheidung immer Verzicht. Das Ich setzt seinen Zielpunkt, das ist die Macht seiner Freiheit. Mit dem Zielpunkt aber setzt es den Weg, und den Weg muß es gehen — bis zum bitteren Ende, Die Palästina - Debatte in der Mandatskommission Das zionistische Zentralorgan ״H a o 1 a m“ nimmt ln seiner dieswöchentlichen Nummer zu dem jüngst veröffentlichten Protokoll der Sitzung der Manpatskommission des Völkerbundes Stellung. Wir entnehmen dem Artikel folgende interessante Abschnitte: Aus dem recht langen Protokoll lassen sich mit Lei:htigkeit manche Bemerkungen der verschiedenen Mitglieder auswählen, die einem zionistischen Ohr nicht gerade an• genehm klingen. Andererseits muß man aber feststellen, daß Aeußerungen der Kritik oder Skepris nahezu in jedem Falle eine befriedigende autoritative Replik hervorriefen ... Wenn die Verhandlungen der Kommission bewei'en, daß der Prozeß der Propaganda und Aufklärung noch nicht beendet ist,_ so zeigen sie auch andererseits, daß er in den letzten zwölf Monaten einen wecentli.'hen Fortschritt gema־ht hat. Wenn es auch noch viele Mißverständnisse gibt, die beseitigt werden müssen, so darf man nicht verkennen, daß das Protokoll Stellen enthält, die man mit ausgesprochener Befricdigung liest. Wir erwähnen die Bemerkungen des Herrn Ra p pa rd über die Immigration und seine Anerkennung für das zivil;atorische Werk, das im Ernek Jesreel von Juden vollbracht wurde (s. ״J. R.“ Nr. 3, S. 22). In einem anderen Teile_ der Verhandlungen legte Herr Rappard Zeugnis ab für die wertvollen Dienste, die von der ״Hadassah“ geleistet werden, während ein anderes Mitglied der Kommission, Frau Bugge -Wickseil, den Leistungen der jü־'i sehen Schulen, und vor allem den heroischen Bemühungen der Lehrerschaft warmen Tribut zollte. Herr Palacios sprach mit Sympathie über die führende Rolle, die die Juden in der Entwicklung der kooperativen Bewegung einnehmen. Herr d’Andrade äußerte sich über den allgemeinen Fortschritt Palästinas unter dem neuen Regime, wobei er besonders die Tatsache betonte, daß es in der Zeit einer allgemeinen Beunruhigung in der moslemischer! Welt gelungen ist, in Palästina so ruhige Vcrhältnisse zu schaffen, daß eine wesentliche Reduktion der Garnison vorgenommen werden konnte. Dies ist aber nicht alles. Von mindestens gleicher Wichtigkeit ist die Tatsache, daß der unveränderliche Charakter des Man• dates und die Unantastbarkeit der Balfour- Deklaration in den Verhandlungen der Kommr.sion einen prägnanten Ausdruck fanden, Herr Ormsby-Gore emptahf den Arabern nachdrükiichst. zu erkennen, daß ,.k e i nt britische Regierung die Balfour-Deklaration preisgeben würde“, und die Kommission lehnte es ab, zwei der arabischen Petitionen auch nur in Betracht zu ziehen, da sie durch die Forderung nach Aufhebung der Balfour- Deklaration an eines der grundlegenden Prinzipien des Maildates rührten. Diese und ähnliche Stellen können nur eine heilsame Wirkung haben, zumal wenn man sie — wie notwendig — im Zusammenhänge mit der Stelle des Berichtes liest, in welchem die Kommission ״es bedauert, daß gewisse Elemente in der Bevölkerung nicht zu begreifen scheinen, daß die wesentlichen Prinzipien des Mandates die einzige substanzielle Basis für eine wirtschaftliche und politische Entwicklung des Lande־« darstellen“. Man hat viel über die Art und Wei e gesprochen, in weleher die Kommission die Petitionen der Agudas Israel behandelte, aber man hat die wichtigen Erklärungen, die Herr Ormsby-Gore im Namen der Briischen Regierung zu diesem Punkt abgab, zu wenig beachtet. H־׳״r Ormsby- Gore wies darauf hin, daß die vom Waad Hair Haaschkeriasi vertretene Gruppe ״offenbar die Errichtung von zwei Ge* meinden anstrebte, aber im Hinblick auf die Tatsache, 14 unpraktisch und undunmftthrbar IstX ״Es &1X sägt Sr»? »,un«4s möglich, in einem Lande zwei selbständige, besonderem jüdische Gemeinden zu haben, denn dies würde zu einem'’ Chaos führen.“ Mit anderen Worten: Herr Ormsby-Gore stellte ganz klar fest, daß die Mandatarmacht die Bildung einer Agudah-Gemeinde mit öffentlichen Rechten nicht zulassen wolle, d. h. einer Gemeinde, die für sich die gleiche Position in Anspruch nimmt, wie die Gemeinschaft aller restlichen, durch den Waad Leumi vertretenen Juden Paktstinas. Er gab sich auch große Mühe, begreiflich zu machen, daß es sich hier nicht um einen Konflikt zwischen Orthodoxen und Nichtorthodoxen handelt, sondern zwischen einer überwiegenden Mehrheit der Juden aller religiösen Schaltierunge.1 auf der einen und einer verschwindenden Gruppe von Andersdenkenden auf der anderen Seite... Die Methode, derer sich die Agudah bediente, war geeignet, unter den Mitgliedern der Kommission, denen die zugrunde liegenden Tatsachen nicht vertraut sind, Konfusion anzurichten, aber die Erklärung des Herrn Ormsby-Gore läßt vermuten, daß die Mandatarmacht die Tatsachen gut kennt und nicht gewillt ist, sich bluffen zu lassen. Ein interessanter Punkt, der mit ziemlich viel Ausführlichkeit behandelt wurde, war die Anregung, daß die Kommission, oder in ihrem Aufträge ein Ausschuß, Palästina persönlich besuchen solle. Gegen diesen Vorschlag, daß die Kommission Palästina oder überhaupt eines der Mandatgebiete besuchen solle, um Beschwerden an Ort und Stelle zu prüfen, sprachen mehrere Bedenken. ״Es ist klar, daß die Mandatarmacht, ob in Palästina oder anderswo, sich in einer unhaltbaren Lage befindet, wenn man gegen jede ihrer Verwaltungsmaßnahmen Berufung einlegen kann, und die offizielle Anwesenheit der Kommission im Mandatgebiete könnte Komplikationen hervorrufen, die eine ordentliche Vervvaltung ernstlich gefährden.“ Diese und ähnii he Gründe wurden von Sir Frederik Lugard gegen diesen Vorschlag ins Treffen geführt und es wurde von ihm demgegenüber angeregt, wenn möglich, einen Vertreter der Araber in Genf vor der Kommission anzuhören. Wenn die e interessante Anregung angenommen und ein Vertreter der Araber gehört wird, dann könnte man das gleiche Reriit der Zionistischen Organisation, als der vom Mandate berufenen jewish Agency, nicht verweigern, ein Recht, welches bis nun nur akkreditierten Vertretern der Mandatarmaeht vorbehalten war. Der Vorschlag wurde nicht weiter verfolgt, und in bezug auf die angeregte Reise nach Palästina beschränkt sich die Kommi'.sion zuletzt darauf, in ihrem Bericht zu bemerken, daß sie im Hinblick auf die Zahl und die Kompliziertheit der Fragen, die in der arabuchen Petition erhoben werden, bezweifelt, ob sie ausschließlich ״auf Grund von schriftlichem Material“ geeignete Empfehlungen machen kann. Von der Jüdischen Nationalbibüothek. Herr Dr. B. Chamizer, Leipzig, spendete der Jüdischen National- und Universität־bib iotnek in Jerusalem eine Sammlung von über 703 Bänden, welche von seinem verstorbenen Vater, Herrn M. Chamizer, hinterlassen worden sind. Die Bibüo thek besteht insbesondere aus hebräischen, judais i ״hen und orientalistischen Büchern und 1 t besonders wertvoll durch eine große Anzahl von Bü hern aus dem Gebiet der syrisehen Sprache. — Die Bibliothek erhielt durch Vermittlung des Herrn Bärbel eine Sammlung von sehr wrhtigen Dokumenten, welche das politische Büro der jüdrehen Mitglieder der russischen Duma zu Beginn des Krieges gesammelt hat. Diese Dokumente betreffen die Geschichte der Juden in Jenen Jahren, insbesondere das Verhalten der russischen Militärbehörden zu den Juden. »