Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1926-01-22 · Heft 6 (22.1.1926) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 6 (22.1.1926)
Date
1926-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2652785-2652791--18002-2675721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

1 fr. 6 en de! lichkeit Jahres Mit- :triebsen. aa!re mit r und solches rer.des. beengt 1 sehr, Laufe!e von!sink iittlung HaU 10 Pa. einer 1 'r zuei der;enütcr :g aus,;c'iäf en er- 1 Bord enrafes strigen at der iten aa rsriques Plonel mitees; Board; ilhand- 1t des t ent■ l’Avig- Rose schien, itionen macht, :tungs- Anglo :s enter der 1, daß en der tereich i’Avig- Antrag nid ist Wahl es er- 1 Zelle egung religihristen n des rt und isation bereits 1 Ausseiner i nunje ist n und :sucht, . Oer eine mehr ischen!ahme Menalen.״ 1. . ״ It nur Work agoge schaft fest, h-Ein- •e die : S:1b- :ochen empor ו der Volks• .ichter!ündet :?goje benen ledner trotz ir be* abbos b die irden, e ich Urteil mir. .־lebte :nerr Oe- Oe-!1 die , verdie noch Nr. 6 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite« Zionistische Jugendbewepng in Polen (Von unserem polnischen Korrespondenten.) —g. Warschau, 16. Januar. Die zionistische Jugendbewegung in Polen zeigt in den letzten Jahren dasselbe Bild der Zerbröckelung, geistigen Armut und sinkenden Arbeitsintensität, wie in allen anderen Ländern. Dieses Land der jüdischen Massensiedlung, mit einer relativ starken zionistischen Organisation, ist an zionistischem, geistig ausgebildetem und mit starkem Idealismus beseeltem Nachwuchs sehr arm. Die alte zionistische Garde in Polen ist sich dieser traurigen Sachlage gut bewußt, führt auch darüber sehr oft Klage — tut aber sehr wenig, um hier Remedur zu schaffen. Ucbrlgens — man muß es nachdrücklichst betonen — eine Jugendbewegung kann man nicht aus der Erde stampfen. Die wichtigste Vorbedingung liierfür ist das Vorhandensein eines lebendigen geistigen• Inhalts und tat- und opferbereiten Idealismus. Nun muß man leider feststen en, daß der polnische Zionismus dieser Werte schon lange entbehrt. Seitdem insbesondere die sogenannten ״allgemeinen” Zionisten immermehr zu einer ausgesprochen rechtsbürgerlidicn Partei wurden, ist es kein Wunder, daß die Jugend sich vom Zionismus entfernt. Damit sollen gegen den allgemeinen Zionismus in Polen keinesfalls irgendwelche Vorwürfe erhoben werden, nur soll in unserem Zusammenhänge rein objektiv festgestellt werden, daß das Programm (und auch de ״Gebärden) dieses zionistischen Zentrums für die Entwicklung der zionistischen Jugendbewegung keinen Anreiz bietet. Man merkt jedoch letztens hie und da eine neue Regsamkeit in der Jugendbewegung. Die Resultate sind noch sehr spärlich. Die Verbände der zionistischen akademisehen Jugend zeigen sehr wenig Aktivität. Sogar in der großen akademischen Selbsthilfsorganisation, in der die zionistischen Studenten jetzt wahrscheinlich eine Mehrheit hfben werden (am 23. d. Mfindet in Warschau die Landeskonferenz dieser Organisation statt) läßt ihre Initiative viel zu wünschen übrig. Auf rein zionistischem Gebiete herrscht fast vollständige Stille. Krakau bekundet letztens lebhaftere Bewegung. Seit zwei Monaten erscheint dort in polnischer Sprache eine zionistische Zeitschrift ״Cofim”, herausgegeben vom dortigen zionistischen Studentenverband ״Przed’swit-Haschachar“. Diese Zeitschrift will die Nachfolgerin der bekannten, in der zionistischen Tradition Polens bestbeschriebenen Zeitschrift ״Moriah“ sein. Falls dies gefingt, wird es auch der ganzen Jugendbewegung in Polen einen neuen Stoß geben. Die Mittelschuljugend, die einst eine großverzweigte ziouistische Jugendorganisation besaß, aus deren Reihen die besten heurigen zionistischen Führer hervorgingen, bleibt gegenwärtig fast vollständig vom Zionismus unberührt. Wo eine Jugendbewegung vorhanden ist, geschieht es zwar unter bester zionistischer Flagge, aber mit stark ausgeprägten besonderen Merkmalen. Hier ist in erster Link der ״Haschomer Hazair“ zu erwähnen. Diese seit zwölf Jahren bestehende Organisation hat sich schon ein rühm- Lvolfes Blatt in der zionistischen Bewegung und insbesondere ׳'im Leben des arbeitenden Palästina erworben. Der ״HawwaL##b&.alÄ .,vor afteni eine ausgezeichnete Erziehungssfätie und ist geeignet, dem schaffenden Palästina (hingebungsvollste Pioniere zuzuführen. Die Bewegung, welche während des Krieges auch einen gewissen Einfluß auf dfe zionistische Jugendbewegung im Westen ausgeübt hat, und von dieser wieder ihrerseits befruchtet wurde, ist seit damals stark angewachsen und hat eine Entwicklung durchgemacht, die überaus interessant und charakteristisch für den Zionismus und die Stimmung unter den Besten der Jugend ist. Die ״dritte Aiijah“ umfaßte einen ganz großen Teil der polnischen ״Schomrim“, die unter unsäglichen Schwierigkeiten Haus und Schule verließen und in Palästina ein neues Leben begonnen haben, voll Opfer und Mühsal, für diese Jungen der beste und schwerste Prüfstein ihrer zionistischen Oesinnung, ihres Charakters und ihrer Willensstärke. Sie haben die Probe vorzüglich bestanden und die Kibuzim des ״Hasehomer“ zählen zu den besten im Lande. Die Aiijah entzog aber der Organisation im Galuth die besten Kräfte, die nicht zu ersetzen waren und deshalb machte sich in den folgenden Jahren ein Niedergang bemerkbar. Der Kontakt mit den Mitgliedern in Palästina war sehr schwach, die Schomrim in Palästina hatten damals die größten Schwierigkeiten und eigenen Sorgen und konnten keinen lebhaften Verkehr mit der Galutharganisation aufrechterhalten. Die Immigrationsbeschränkungen bewirkten, daß eine gewisse Zeit sehr wenige ״Schomrim” nachfoigcn konnten. Seit zwei Jahren hat sich die Situation vollständig geändert. In Beth-Alpha fand eine Zusammenkunft der pa- Iästinensischen Schomrim statt, die beschloß, ein festes Band mit dem ״Haschomer“ im Galuth hcrzustellen; die besten unter ihnen besuchten für längere Zeit Polen; die Periode der ״vierten“ Aiijah sah auch wieder viele ״Schomrim“ nach Palästina ziehen und so fand eine starke Annäherung sozusagen zwischen den beiden ״Generationen” des ״,Hasehomer” statt, eine Annäherung, die neues Leben in die Organisation brachte und sie vor neue, schöne aber schwierige Aufgaben stellte. Vom 23.-29. Dezember v. Js. fand in Warschau unter Beteiligung mehrerer Schomrim und Schomroth aus Palästina die Verbandstagung des ״Haschomcr Hazair“ statt und die dort durchgeführte Debatte, sowie die gefaßten Beschlüsse geben ein richtiges Bild von den gegenwärtigen Strömungen und Zielen des ״Haschomt r”. Die Tagung hat vor allem nochmals die bereits in Danzig (August 1924) präzisierte Stellung des ״Haschomer” innerhalb der zionistischen Bewegung bestätigt: Der ״Haschomer“ ist selbst keine Partei und die aus ihm hervorgehenden Zöglingc dürfen keiner Partei angehören. Die Mitglieder des ״Haschomer” in Palästina gehören der parteilosen ״Histadruth Haowdim“ an und der ״Haschomer“ im Galuth anerkennt für sich die Plattform der ״Histadruth“, deren Grundsätze und Aufgaben er als die scinigen betrachtet. Der ״Haschomer“ fühlt sich also nahe verwandt denjenigen zionistischen Föderationen, die das Programm des arbeitenden Palästina anerkennen und verwirklichen helfen. Die Tagung hat sich sehr ausführlich mit dem Problem •des sogenannten ״älteren” Schomer befaßt. Es handelt sich seit Jahren um die Frage, welchen persönlichen Lebensweg der 18jährige Zögling des ״Haschomer” einzuschlagen hat; darf er z. B. sich dem Universitätsstudium u. dergl. widmen? Es galt also vor allem, klar und unzweideutig festzustellen, ob der ״Haschomer” eine allgemeine Jugendbewegung ist, die eine bestimmte Zeitlang (4—6 Jahre) junge Menschen im zionistischem Sinne erzieht und sich um den Lebensweg ihrer Zöglinge, d. h. um die Frage der Verwirklichung oer ihnen eingepflanzten Ideale nicht kümmert, und es galt ferner möglichst genau diese Ideale zu umschreiben. Für manche war dieses Problem 9ehr einfach und Klar, andere erörterten es lange genug, bis endlich die letzte Tagung ein klares Wort darüber sprach. Das Ideal des ״Haschomer“ ist, im Galuth solche jungen Menschen zu erziehen, die ihr Leben nur in Palästina und nur auf Grundlage eigener, produktiver, physischer Arbeit in Gemeinschaften einrichten wollen. Daraus wurde die nötige Konsequenz gezogen und den Zöglingen des ״Haschomer” verboten, solange sie noch im Galuth sind, sich für geistige Berufe vorzubereiten. (Das bedeutet allerdings kein Verbot intellektueller Fortbildung!) Man benutzte in diesem Zusammenhänge das u. E. nicht recht glücklich gewählte Wort ״Proletarisierung“, womit man Produktivierung durch physische Arbeit meinte. Dieser Beschluß bedeutet natürlich den ernsten Ruf: ״Alle Schomrim nach Erez Israel“, um sich dort der Arbeiterfamilie einzureihen, ohne dadurch im Lande ihre Zusammengehörigkeit als Schomrim aufzugeben. Soll dieser Beschluß Ernst werden, muß natürlich der ״,Haschomer” im Galuth sich im größeren Maß als bisher der systematischen physischen ״Hachseharah“ widmen. Es wurden auch diesbezüglich wuchtige Beschlüsse gefaßt. Die bestehenden landwirtschaftlichen und hapdwerklichen Ausbildungsstätten sollen ausgebaut‘und außerdem eine zentrale landwirtschaftliche Schule in Polen ins Leben gerufen werden, die unter der Leitung von ״Schomrim“ aus Palästina stehen und im Laufe von zwei Jahren ״Schomrim” praktisch für Palästina ausbilden soll. Der ״Haschoraer” zählt heute in Polen gegen 12 003 Mitglieder und gibt zwei Zeitschriften in hebräischer Sprache heraus. In den zionistischen, insbesondere ״allgemein” zionistischen Reihen herrscht eine ziemlich kalte Beziehung zum ״Haschomer”. Man wirft ihm ״Exklusivität” vor und, ohne es zuzustehen, verübelt man es ihm, daß er seine Verwandschaft mit den zionistischen Arbeiterparteien betont. Dies ist aber ein Ausfluß des Erziehungsprogramms des ״Haschomer” und hat mit Politik nichts zu tun. Es ist zu bedauern, daß die älteren Zionisten ihre Augen verschließen und nicht verstehen, daß man an die heutige jüdische Jugend nur mit großen und greifbaren Ideale״ herantreten kann. * In vielen Städten Polens beginnt sich seit einer gewissen Zeit eine andere Jugendbewegung zu organisieren, die unter dem Namen ״Gordoniah“ auftriit und unter demselben Namen in Lemberg eine hebräische Jugendzeitschrift herausgibt. Schon der Name bezeichnet das Programm dieser Organisation. Sie will jüdische Jugendscharen den Idealen A. D. Gord o n s und des ״H a p o e 1 - H a z a i r“ in Palästina gemäß ausbiklen. Es ergeben sich natürlich Berührungspunkte mit dem ״H a s c h 0 m e r H a z a i r“, andererseits nicht unwesentliehe Unterschiede, auf die aber einzugehen diese Bewegung vorläufig kein ausreichendes Material liefert. Man kann ihr aber schon jetzt eine schöne Entwicklung Voraussagen und — wünschen. $ Ein Beweis dafür, daß die jüdische Jugend nur für starke Ideale aufnahmefähig ist und daß andererseits eine Gefahr besteht, daß starke Ideale mit stark vorgetragenen Idealen vermengt werden — bilden die letztens in mehrere*! Orten Polens entstandenen sogenannten ״Haschachar“- Gruppen, die die Lösungen Jabotinskys auf ihr — Erziehungsprogramm geschrieben haben. Ueber den Revisionismus in Polen werden wir nächstens in anderem Zusammenhange berichten. Wir müssen aber schon heute, um das Gesamtbild der gegenwärtigen zionistischen Jugendbewegung zu vervollständigen, auf diese Gruppen und deren — Schädlichkeit hinweisen. Es ist doch für einen jeden, der mit Jugendbewegung zu tun hat klar, daß das politische Programm Jabotinskys nichts mit Jugendbewegung und Jugenderziehung zu tun hat. Für die ״revisionistischen” Staats- und Wirtschaftsfragen kann eine, dem Zionismus fremde Jugend gar kein Verständnis haben. Es bleibt also nur das — allerdings Jugendseelcn stark anziehende Legi o nsideal. Wie schaut es aber in Wirklichkeit aus? Man sieht hier und da bei zionistischen Veranstaltungen Gruppen in militärischer Uniform gekleidet, mit strammer Haltung beim Singen der ״Hatikwah“, jeden Augenblick ״Hedad Jabotinsky“ rufend. Kann und soll wirklich ein solcher Militarismus das Erziehungsideal der jüdischen Jugend werden? ftnppfi gegei ״Ooar Hajom“ In Jerusalem wurde dieser Tage der erste Abschnitt des Prozesses Dr. Ruppin gegen den ״Doar Hajom“ beendet Itamar Ben A v i, der verantwortliche Redakteur des Blattes, wurde freigesprochen, weil er nachweisen konnte, daß er z. Zt. der Veröffentlichung der inkriminierten Artikel nicht in Palästina anwesend war. Es macht den Eindruck, als ob die Verleumder, die seinerzeit mit bombastischen Worten die Anklageerhebung gefordert und den Wahrheitsbeweis in Aussicht gestellt hatten, sich jetzt hinter formellen Ausflüchten verbergen. Es Ist charakterriTch, in welcher kläglichen Weise diese Affäre, die vor drei Jahren so viel Staub aulgewirbelt hat, jetzt verläuft. Wir wissen nicht, ob der Prozeß gegen andere Redakteure oder gegen den wirklichen Schreiber der Verleumdungsartikel weiter geführt werden wird. Die Öeftentlichkeit hat wohl kaum noch irgendein Interesse an dieser Angelegenheit, die nur ein trauriges Licht auf den Tiefstand eines Teiles der palästinensischen Presse geworfen hat Das Adslindergeseiz in Polen Warschau, 17. Januar. (J. T. A.) Der Sejm hat das Gesetz über die Einschränkung der Aufenthalts- und anderer Rechte der ״Ausländer“ und Staatenlosen mit 104 gegen 94 Stimmen angenommen. Dadurch werden Tausende Juden rechtlos gemacht. Pillchowskis Herzl-Büd, das von der zionistischen Exekutive nach Jerusalem geschickt wurde, ist jetzt in Jaffa angekommen und wird baldigst nach Jerusalem gebracht werden, wo es in den Büros der Palästina-Exekutive seinen Platz finden soll. absolut kein Aequivalent für die Eigenkosten der Gemeinde darstellt. Gewöhnlich fügen sich die Liberalen den Forderungen des Finanzministers der Jüdischen Gemeinde. Erstens, weil sie seine Ueberlegenheit anerkennen, zweitens, weil er eben der Finanzminister ist and in Geldsachen verläßt man sich lieber auf ihn als auf ein Programm. Im vorliegenden Falle jedoch — stehen etwa Neuwahlen vor der Tür? — erhebt sich gegen den Vorschlag des Finanzministers Widersprach. Ehrwürdige alte Männer erheben sich und erklären die Erhöhung für untragbar. Einer von ihnen bekennt sogar, daß er ״pro domo“ spreche. Für die jüngeren Mitglieder der Repräsentanten Versammlung ist die Frage des Begräbnisses eine Angelegenheit in ferner Sicht. Für die meisten jedoch sozusagen eine Angelegenheit, mit der sie sich vertraut gemacht haben, und darum der Widerstand. Es ist überhaupt auffallend, wie ängstlich und resigniert die Mehrheit im Fordern ist. Ziehen sie etwa einen Rückschluß aus den ihnen vertrauten Kreisen, wenn sie vermeinen, man dürfe von Juden für ihr Judentum nicht allzu viel verlangen? ist ihr jüdisches Gefühl nicht genügend stark? Beileibe nicht. Allesamt machen sie den Eindruck von guten, man gestatte mir den Ausdruck, bekoweden Juden. Aber sie sind resignierte, sie sind ängstliche Juden, deren Blicke nach rückwärts gekehrt sind, die offenbar in ihrer Kindheit noch Zeugen und Glieder einer lebendigen jüdischen Gemeinschafts- Wirklichkeit gewesen sind, und die nunmehr alles verfallen und erstorben sehen. Morituri te salutant . . . das ist ungefähr das Grundgefühl, von dem sie angesichts des Judentums, wie sie es kennen und verstehen, beherrscht werden. Weil sie nicht wissen und ahnen, daß neue lebendige Kräfte im Judentum erwacht sind, darum trauen sie sich nicht zu fordern. Angesichts der überwältigenden Mehrheit der resignierten Juden wirken die wenigen Vertreter des bewußten Judentums wie eine Erfrischung. Sprungbereit sitzen sie da, um überall einaihaken, wo die Möglichkeit sich ergibt, ein klein wenig Türen und Fenster zu öffnen, damit ein frischer Luftlunch lebendiger jüdischer Kraft In diese erstarrte Versammlung strömt, die, würden diese aktiveren Elemente fehlen, der Tafelrunde um Barbarossa im Kyffhäuser gleichen würde. Ich bin mir nicht klar, ob die Erhöhung der Begräbnisgebühren beschlossen wurde oder ob die Frage der Begräbnisse ln einer Kommission begraben wurde. Ich wartete das Ergebnis nicht ab. Denn ich mußte in eine Sitzung der Vertreterversammlung der B. Z. V. Für gewöhnlich hielt ich die Sitzungen der Vertreter- Versammlung der B. Z. V. für ein Gremium gesetzter Männer. Unter dem Eindruck der Erfahrungen in der Repräsentanten- Versammlung der Jüdischen Gemeinde erschien mir die Vertreterversammlung, in die ich um 10 Uhr abends kam, wie eine Beratung von jugendfrischen begeisterten Studenten im ersten Semester. M. W. Jüdisch« Kaltnrtfltigkett in Skandinavien Der Vertreter der J. T. A. hatte Gelegenheit, sich mit dem Oberrabbiner von Stockholm, Dr. M. Ehrenpreis, während seiner Durchreise aus Saloniki nach Stockholm über das geistige Leben in den jüdischen Gemeinden der skandinavischen Länder zu unterhalten. Herr Dr. Ehrenpreis erklärte, daß innerhalb der jüdischen Gemeinden des europäischen Nordens eine Intensive geistige Regsamkeit herrscht. Die in Stockholm bestehende ״Jödiska Literatur Samfundet“ (Jüdische Literaturgesellschaft) gibt unter der Redaktion von Dr. Ehrenpreis in schwedischer Sprache eine Schriftenreihe heraus, die Standard-Werke jüdischer Wissenschaft und schöner Literatur bringt. Bisher sind 7 stattliehe Bände erschienen, von denen ein Band ״Neuhebräische Lyrik“ (Gedichte von Bialik und 12 anderen hebräischen Dichtern), 2 Bände ״Geschichte der Juden In Schweden“ von Prof. Elbogen, ein grundlegendes interessantes Werk, das auch deutsch herausgegeben werden müßte, ferner Werke von B u b e r und anderen jüdischen Denkern, Dichtern und Gelehrten zu erwähnen sind. Regsam sind die Jugendverbände. Zeugnis davon gibt das in drei nordischen Sprachen in Stockholm erscheinende Organ des Skandinavisch-Jüdi'cheii Jugendverbandes ״Israeliteil“. Dieser Verband entwickelt eine rege Tätigkeit durch Veranstaltung von Vorlesungen und Kursen. Ferner besteht der Jüdisch-akademische Klub, dem jüdische Wissenschaftler, hervorragende Repräsentanten der schwedischen Gelehrtenwelt, angehören. Die Erziehungsarbeit, das religiöse und synagogale Leben entwickelt sich nicht ungünstig. Z. B. existiert in F i n n - lands Hauptstadt Helsingfors eine sechsklassige jüdische Mittelschule mit einem guten jüdischen und hebräischen Unterrichtsprogramm. Vor einiger Zeit wurde in Trondhjem (Norwegen), wo 60 jüdische Familien wohnen, eine sehr schöne Synagoge eingeweiht. Es ist dies die nördlichste jüdische Gemeinde der Welt. Die Einweihung, der Dr, Ehrenpreis als Gast beiwohnte, vollzog sich unter großer Teilnahme der norwegischen Oeffentlichkeit und der Presse. In den vier skandinavischen Ländern (Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland) leben über 2ÖC00 Juden. Eine antisemitische Bewegung ist im allgemeinen nicht bemerkbar. Die von Herrn Dr. Ehrenpreis und einem jungen jüdischen Dichter ins Schwedische übertragenen Gedichte von Bialik und den anderen hebräischen Dichtern haben auch in Akademikerkreisen die Aufmerksamkeit auf das jüdische Schaffen gelenkt und der Frage der Verleihung des Nobelreises für Literatur an einen jüdischen Dichter aktuellere edeutung gegeben. Die Schwedische Akademie geht aber bei Verleihungen nach territorialen Grundsätzen vor. Wie die Sachen heute stehen, käme die Jerusalemer Hebräische Universität dafür in Befracht, den jüdischen Kandidaten für den Literatur-Nobelpreis vorzuschlagen. Schalom AleSchem-CedeBkkier in der Hrsiie Moskau, 18. Januar. (J. T. A.) Das Voiksbildungskommissariat der Ukraine erließ eine Verordnung an alle Erziehungsanstalten in der Ukraine, am 10. Jahrestag des Ableben des jüdischen Dichters und Humoristen Schalom Alejchem Schulgcdenkfeicm abzuhalten. Der ukrainische Staatsverlag wird ein Schalom Alejchem gewidmetes Snmmelwerk erscheinen lassen und im Verlauf der nächsten drei Jahre eine Gesamtausgabe der Werke des Dichters veranstalten. Das jüdische Museum in Odessa wird ein besonderes Schalom Alejchem-Kabinett erhalten, in welchem Materialien über Leben und Arbeit des Dichters ausgestellt sein werden. 1 ״jp Mi :':<1;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.