Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 5 (19.1.1926)
- Date
- 1926-01-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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8 Nr. 8 JÜEtmCHE RUNDSCHAU SeWe 3ft idem den ihm :ulaic neu: I der : die lisher esen! enkie ׳-idernerns da, hält ־ So- :rner, .־n in wer■ 1 die hsten 1 Dr :mit:ז!(litte! e benden lin mitec einen War ol n der 3000 >eit 1 der ו für Dies katalischel t:itt,l orde-| uhenl 1 h e ,1 dngtj rden.[ treterj natorl und! der! :lungj n zu■ 1, dal it zul 5 den! :hätte! alten.! damit! sehen! hren, "aRenl . diel offen[ ubnisl ung ktion t 7.u| ungsozial- ־cheiil r die| ie im| Miß* Dber-| » und[ Ent• mteru die! Beter• an zul ektorl h der! 1 k e!1 [ Ligerl;egen I ■ festr. dener| schicve:• A־״| ente״ I 5che| tos• ize* icrenrl :1 bc-l Polen' laupt-l 1s der! nicht! Polen [ ver- Mm Tode Jrltalds bk.ulkfc brachten die Zeitungen ■die traurige Nachricht vom Ableben des hebräische« Dichters J c 11 a f e 1 <j e h 11 d a L e i b) Lew! n). Er starb, 81 Jahre ah, in Kiew in der Ukraine. Und In tiefster Armut. Eigentlich ist er schon seit 'JO Jahren tot — für die hebriische Literatur, denn seit 30 Jahren produzierte er fast nichts mehr. Nicht nur in Deutschland*, auch in RuSlaad wird wohl die junge Generation wenig von seiner Existenz gewußt haben. Es gab aber eine Zeit, wo der Name Jehalels einer der klangvollsten des hebräischen Schriftstcllcrtums war. Es war die Zeit der ״Haskalah“, der Aufklärung unter den Juden Rußlands, in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts, und der im folgenden Jahrzehnt begonnenen Epoche der ״Chibbat Zion". Er gehörte zum Kreis jener begabten und vorwärtsdrängenden Schriftsteller, die sich am Perez S111 o - lenski, den Herausgeber des ״Haschachar“, scharten. Wie er früher die Waffen gegen die starre Orthodoxie geführt, so kämpfte er nachher mit demselben Eifer gegen die aus Deutschland importierte Assimilationsidee und für die Auferstehung des jüdischen Volkes in seinem historischen Lande, und wurde einer der glänzendsten Wortführer dieser Idee. Noch in ganz jugendlichem Alter begann Jehalel zu dichten. Haben auch seine ersten Gedichte, die im Buche ״Sifse Renanot" (riUll ,fEC) vereinigt sind, mehr sprachlichen, als poetischen Wert, so lassen seine späteren Werke in ihm den wahren Dichter erkennen und zeigen manchmal Schönheiten, denen wir nur in der alten sepliardischen Poesie begegnen. ^Manche dieser Gedichte sind wirklich Perlen der hebräischen ^Dichtkunst. Sein größtes poetisches Werk ist das Poem ״Efchanan", wo das jüdische Leben der Mitte dt« vorigen Jahrhunderts geschildert wird, die das Volk umgebende Finsternis, die Herrschaft der obskuren Rabbiner und des ״Rahals“, die Widerwärtigkeiten des ״zadiklschen“ Chassidismus und des ״Jeschiwah-Lebens“, der Kampf der Väter und Söhne und der Drang der letzteren, aus dieser Finsternis zum Lichte der ״Haskalah" zu gelangen. Diese Dichtung übte seinerzeit großen Einfluß auf die jüdische Jugend aus. Jehalel ging aber noch einen eigenen Weg, der selten von hebräischen Schriftstcllern betreten wurde. Mit Liebermanii, dem Herausgeber des ״HaSmet“ (Die Wahrheit), predigte er den Sozialism u s. Ihren dichterischen Ausdruck fand diese seine Ansehauung in den berühmt gewordenen Gedichten ״Kischron Hamaasse“ (Die Kunst der Tat) und ״EwcdAwacim“ (Kt:e ht der Knechte). Es gehörte viel Mut dazu, zu jener Zeit, im Lande des Zaren und als Lehrer im Hause des allgewaltigen jüdischen Magnaten Brodsky, Gedichte mit sozialistischer Tendenz zu veröffentlichen. Jehalel war bedeutender Kenner der alten jüdischen Uteratur, des Talmuds und der Midraschim, ein Meister des hebräischen Stils, der aus dem Vollen schöpfte. Er war einer der besten hebräischen Publizisten seiner Zeit und vortrefflieber Uebersetzer. Seine Uebersctzung des Disracii’schen , ,Tanared“ war sehr populär. Mir war es vergönnt, ein Jahr lang täglich mit jehalel, der auch mein engerer Landsmann war (er war in Minsk, der jetzigen Hauptstadt Weißrußlands geboren), täglich zusammenzuireffen. Es war in den Jahren 1909/10, als ich als Vizedirektor der Brodskyschen Zuckerfabrik im podolhchen Städtchen Tomaschpol tätig war, wo der gelehrte Dichter den kleinen Posten eines Kassierers innehatte. Trotz seiner mehr als sechzig Jahre besaß er noch das Herz eines Jünglings, war voll sprudelnden Lebens und sprühenden Witzes und die Seele aller zionistischen Veranstaltungen. Er schrieb damals nicht mehr — dazu mag wohl auch die Oedc des abgelegenen sumpfigen podolisehen Städtchens beigetragen haben —, las aber sehr viel. Als letztes Aufflackern seiner dichterischen Seele erschienen von ihm zwei kleine, aber ergreifende Gedichte im ״Haschiloach“ v. Js. (Heft 6), die ein begeisterter Liebhaber hebräischer Poesie unter Lebensgefahr ans Kiew nach Jerosalem brachte. In einem dieser Gedichte klagt er über die wild gewordene Menschheit und fragt: Gott, wenn Du da bist, wo bist Du? <*א;ןה tu•' oy אלהיש) und im zweiten ״Rarkai“ (Der Morgen kommt!), findet er seinen Trost dort im Osten, wo der neue Morgen graut und das neue Leben entsteht Mit diesem ״Barkai“ hat er seine Seele ausgehaucht. Mit ihm ist der letzte Repräsentant des sogenannten ״biblischen'* Stiles ins Grab gesunken. Ein ehrenvoller Platz in der Geschichte der hebräischen Literatur ist ihm gesichert, aber auch wenn die Namen der Vorkämpfer der nationalen Wiedergeburt genannt werden, darf der Name Jehalels unter ihnen nicht fehlen. Ehre seinem Andenken! Dr. B. S u 1 e r. Der Namens daosas in Rnmlnien Bukarest, 14. Januar. (J. T. A.) Der Führer der Nationalisten und ehemalige Minister Vaida-Voevod, der sich anschickt, nach dem erwarteten Sturz der liberalen Regierung, die Regierung Rumäniens zu übernehmen, äußerte sich gegenüber Journalisten wie folgt: Der Antisemitismus der Rumänen in Siebenbürgen ist sehr erklärlich und nichts anderes als eine gegenwärtige nationale Reaktion, deren Ursache da ii zu suchen ist, daß zur Zeit der Herrschaft der Ungarn in Sit'. - ,'"rgen die Juden eine günstigere und privilegiertere Situation gegenüber den Rumänen hatten. Auf jeden Fall scheint es, daß nach dem Erfolg Klcbelsberg auch die rumäm ä n 1 s c h e Regierung einen Numerus clausus annchrnen wird, der aber in gerechter und proporüonelter Weise systematisiert s i 1 wird, auf k'inen Fall aber de!1 gegenwärtigen Numerus clausus, der verschleiert und ungerecht ist. Hierzu schreibt das Rcgicrungsorgan ״Viitorul“: Her־ Vaida ist schlecht Informiert. Gegenwärtig gibt cs ln Rum än en überhaupt keinen Numerus clausus und infolgedessen , auch keinen verschleierten. Es wird auch nicht die Einführung dieser Mrßiehme bcrbuchtigt. So sicht in Rumänien die Opposition aus, die in Herrn Vaida-Voevod ihren Führer hat. Aich Cnza im Bonde mit den Nofenülschen Czernowitz, 12. Januar. (J. T. A.) Nach einer Mitteilung der Corroct (Correspondenz Orten) ist der Führer der rumänischen Antisemiten. Prof. C. u z a, in Verbindung mit der ungarischen Notenfälscher-Affäre im Schnellzug Bukarest-Czernowijz verhaftet worden. pa״■ Am 17. Januar begann In Riga eine neue Tageszeitung in des!!«Mischer Sprache zu erscheinen. Ke Zeitung führt den a dkl en| Titel ״Frühmorgen“ Letzte Nachrichten Die erste Session der Asselath Haniwscharim fand am 14. d. M. in einer Iris א Uhr morgens dauernden Sitzung ihr Ende, ln der letzten Sitzung befaßte sich die Versammlung mit ArtoeitfiproWemen und Arbeitsmethoden. Es wunde sodann eine Reihe von Resolutionen angenoutmen, ein obligatorisches Sc! iedsgeri :ht für Streitigkeiten aus dem Arbdtsverhältnis eingerichtet und die Bildung des W a a d Lenau einem 38 gliedrigen Ausschuß übertragen. Pre&sesdiaa ln der ״Frankfurter Zeitung“ vom 14, and!6. Januar begann eine Artikelserie .,Vom neuen Paläs t i n a“ zu erscheinen, in welcher der Redakteur F. N. (Naphtali) seine Reiseeindrücke widergibt. Die Artikel, die mit großem Verständnis für das palästinensische Problem geschrieben sind, geben eine gute sachliche Einführung in dis Wesen der zionhti chen Bestrebungen und der Aufbauarbeit. Der Verfasser schildert zuerst die poetischen Grundlagen des Palästinawerkes und charakte־i iert dann das Problem dahin, daß durch Erhöhung der produktiven Kräfte des Landes Lebensspiclraum für die neuen Ein wände rer neben der alten Bevölkerung geschaffen werden muß. Kein vernünftiger Zioni t könne sich die Zukunft Palästinas anders vorstdien als in einem friedlichen Nebeneinander- und Miteinanderleben von Juden und Arabern. Der Weg hierzu bietet jedoch viele Schwierigkeiten, die der Verfasser mit Sachkenntnis und mit einem guten Birk für die Eigenart der englische« und der zionistischen Politik schildert. Im zweiten Artikel zeigt er, wie sich heute schon im praktischen Lehen Palästinas eine Annäherung der beiden Völker vollzieht und schildert ausführlrh die Stellung der Arbeiterschaft, die einerseits für den jüdischen Arbeiter alle Arbeit «־ober» will, andererseits sich der Not- Wendigkeit eines Ausg’eiches mit den Arabern am stärksten bewußt ist. Auf die Wirischaftriragen übegehend, sagt der Verfasse״, dfi landwi t־c!’art!i he Siedlung 1rü־*e das Kernstück des Aufbauwerkes sein, doch auch eine schnelle städtische Entwicklung sei notwendig. Es zeuge von unreriistischer Betrachtungsweise, ״wenn heute manche enttäuschte Literaten, die das ganze Problem der jiHhchen Massen« ־,dlung einseitig unter ästhetischen und soria!rcforme-p״hen Gcsichtsmmkten betrachten, die städtische Entwicklung in Bausch und Bogen verdammen“. Der Verfasser schildert dann die Erschließung neuer produktiver Kräfte in der Landwirtschaft, das Ringen um neue Lebensformen, die Rolle des Keren Kajeraeth und Keren Hajcssod und das Streben der Einwanderer zur Selbständigkejt. Sodann charakteriiert er die einzelnen Typen der landwirtschafflrhen Kolonien. - Die Redaktion der ,״Frankfurter Zeitung“ stellt der Artikelserie, die noch nicht abgeschlossen ist, eine Notiz voraus, worin gesagt wird, es sei interessant, aus diesen Artikeln zu entnehmen, wie sich das heutige Palästina dem Auge ׳larbietet. ״Auf die grundsätzliche Frage des Zionismus gehen diese Artikel nHrt ein; wir kommen später darauf zurück“ — sagt die Redaktion. Klefp« Nadiiiebtea Wir verlautet, wird Lord R e a d 1' n g (Sir R u f u s Isaacs), der eben;seinen Posten als Vizekönlgfvon Indien, den er seit 1921 bekleidete, verllßt, auf der Rückreise von Indien nach England Palästina besuchen. Auf einem zugunsten des Palästfna-Aufbaus von den Vereinigten Jüdischen Gewerkschaften in New York veranstaltcten Meeting sprach der in Amerika zu Gast weilende Abg. der englischen Labour Party Col. W e d g w o o d. Prof. Dr. Albert Einstein hat vor kurzem eine weitere Büchersendung nach lerusalem für die hebräische Universität abgehen lassen. Sie enthält HO Wissenschaftliehe Werke, 432 Akademieberichte, HO Universitätsreferate. Professor Joseph Sulzcr, zier berühmte Cellist und Komponist, ist ln Wien nach kur*״ Krankheit Im Alter von 76 Jahren gestoben. Er wurde im Jahre 1550 als Sohn des berühmten Reformators der Synngogenmusik, Solomon Sulzcr, geboren, erhielt seine Ausbildung auf dem Weiter Konservatorium, wurde dann Professor am' König'irhen Konservatorium in Bukarest, von wo er nach mehrjährigem Wirken nach Wien zurückkehrte. Ein bleibendes Verdienst erwarb er sich durch eine vortreffliche Neubearbeitung des von seinem verstorbenen Vater geschaffenen berühmten Synagogenmusikwerkes ״Schtr Zion“. Das Wiener Rabbinersc'minar hat, um seiner Notlage abzuhelfen, eine Anzahl seiner berühmten Handschriften an den Bibliophilen Öko aus < Cincinnati für den Preis von 16 000 Dollar verkauft. (Der richtige Platz für /die Handschriften wäre die Jerusalemer Naturalbibliothek. A. d. R.) Wie ״Jewish Times“ aus Jeru~a!em beri htet wird, soll eine Kapitalistengruppc mit der palästinensischen Regierung wegen Baues einer Eisenbahnlinie, die Haifa mit Bagdad verbindet, verhandeln. Wie Reuter meldet, ist die Sin.iigegend durch eine neue Straße mit der aiten türki chen Müitärstraße in Verblndüng gebracht worden, so daß von Jerusalem aus der Sinai im Automobil in zwei Tagen erreicht werden kann. Das Amt für staatspolitische Bildung an der Berliner Universität veranstaltet eine Vortragsreihe über das Problem der Minderheiten ln Mitteleuropa. Ans der Berliner ReprSsentantenversammiony Von unserem Berichterstatter. Ke Notlage weiter Schichten der Berliner Judenhcit hat zu einem Dringlichkeitsantrag der Fraktion der Jüdischen Volkspartei geführt, ln großzügigem Maße Unterkunfts- und BeschäftigungsmögHchkeitcn für die Erwerbslosen zu schaffen bzw. die schon vorhandenen Möglichkeiten stärker auszunutzen. Der Führer der Volkspartei Dr. Klee begründete in der Sitzung der Repräsentanten-Versammlung vom 14. Januar den Antrag der Fraktion. Der Redner erörterte im Einzelnen die Wege, die der Gemeinde zur Verfügung stehen, um den Obdachlosen und den Erwerbslosen zu neuen. Er verlangte Insbesondere die Erweiterung des Obdachs in der Wiesen- Straße, die Schaffung von Tagesheimen und die Wieder- Inbetriebsetzung der jüdischen Arbeiterkolonie. Dr. Klee betonte, daß die Angelegenheit keine Parteisache sei und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle Parteien Zusammenwirken würden, um dem Anträge zu einmütiger Annahme zu verhelfen und so eine schleunige Hilfe tierbeizuführen. Diese Hoffnung machte der Sprecher der Konservativen Arbeits- Gemeinschaft Moritz A. Loeb zunichte. Er fühlte sich bewogen, über den Antrag der Volkspartei hinauszugehen und verlangte die Bewilligung eines Kredites von 100 000 M. Daneben redete er der Einrichtung einer Brockensammlung das Wort. Derselbe Herr Loeb. der in der vergangenen Finanzdebatte die finanziellen Verhältnisse der Gemeinde nicht schwarz genug darstelien konnte, verlangte mit einem Male Mittel, von denen er selbst weiß, daß die Gemeinde sie aufzubringen nicht in der Lage ist. Ke 100 0:):) M. will Herr Loeb auf dem Wege der Anleihe beschaffen. L4er lediglich auf die Wirkung nach außen berechnete Antrag der Konservativen veranlagte den Wohlfahrts-Dezernenten zu der Erklärung, daß das Wohliahrtsamt es für überflüssig halte, einen besonderen Kredit für Zwecke der Arbeitslosenfürsorge zu schaffen. Im Sinne des volksparteilicheii Antrages habe daa Wohlfahrtsamt bereits Schritte unternommen und es werde seine Tätigkeit in dem gleichen Rahmen fortsetzen. Soweit Mittel hierzu nötig seien, wird das Wohlfahrtsamt sic bei der Gemeinde beantragen, ln erster Reihe sei cs aber nötig, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen und bei der Durch für!- rung dieser Notwendigkeiten müsse man die Mitwirkung der selbständigen jüdisch«! Handwerker fordern. Diese Ausführungen veranlassen den Redner der Volkspartei Dr. Klee zu einer nachdrücklirhcn Mahnung an die jüdischen Handvverker, in ihren Betrieben jüdische Arbeiter zu beschäftigen. Die Liberalen beantragten sowohl den Antrag des Herrn Loeb wie den der Vokspartei einer Kommission zu überweisen. Vergebens wehrte sich der Vorsitzende der Gemeinde, Kammerge.ichtsrat Wo'ff, gegen den Gedanken, die ganze Sache zu verzögern, vergeblich warnte Herr Caspary, der Wohlfahrts-Dezernent, und umsonst beschwor Herr Dr. Klee die Versammlung, die Arbeitslosen nicht mit Ratschlägen abzuspeisen und dein Wohlfahrtsamt durch die Einsetzung eines Hofkriegsrates seine Bewegungsfreiheit zu nehmen. Das Ergebnis der langen Kontroverse war,. daß der liberalkonservative Antrag auf fcommissionsberatung die Mehrheit in der Versammlung fand. Ke jüdische Volkspartei erklärte, daß sie nicht nur gegen diesen der Verschleppung dienenden Antrag stimmen würde, sondern sich auch an der Arbeit der Kommission nicht beteiligen wird. Nach der Arbeitslosen-Debatte gab es noch eine interessante Diskussion bei der Wahl eines Ratsmitgliedes in den Landesverband. Nach dem Wahlergebnis in Berlin stand der Volkspartei die Zahl von dreieinhalb Mandaten zu. Die liberale Partei hat es verstanden, das Wahlergebnis umzubiegen und die Volkspartei auf zwei Mandate zu beschränken. Aus dieser prinzipiellen Einstellung heraus, mußte die Volkspartei gegen die Wahl des Herrn Eugen Casparv in den Rat des Landesverbandes Einspruch erheben. Diesem Proteste verlieh Dr. Klee eine bei aller Schärfe würdige Form. Bei der Zusammensetzung der Versammlung wurde d e Wahl des Herrn Casparv von der Mehrheit dennoch beschlossen. Um Mißverständnissen vorzubeugen erklärte Dr. Klee, daß der Einspruch der Fraktion sich nicht gegen die Person von Eugen Caspary richte, dessen Sachverständnis und Eignung zu dem Amte durchaus anerkannt werde. Ke Volkspartei müsse gegen die Beugung des Rechts protestieren, die in der Minderung der Zahl «er ihr zustehenden Ratsmitglieder liege. Zu Beginn der Sitzung wurde das bisherige Prä sid i u m der Versammlung, bestehend aus den Herren Stern, Klee und Locb'wicdcrgewählt. b. iie Krise der jfldiscben Emigration Sonntag־, den 17. Januar, fand in Berlin eine von alten größeren jüdischen Organisationen Deutschlands einberufene Massenversammlung im Logenhaus, KteiststraSe, statt, in der über die Krise der jüdischen Emigration berichtet warft, Be*״ kanntlich hat die große amerikanisch-jüdische Hilfsgesellschaft ״H i a s“ die Absicht kundgegeben, sich von der Arbeit im Dienste der jüdischen Emigration in Europa zurückzuriehen. Die Verwirklichung dieser Absicht würde eine Lahmlegung der Emigranienfürsorgc bedeuten, was im gegenwärtigen Augenblick angesichts der schrecklichen Notlage der Juden in den osteuropäischen Lindern geradezu katastrophal wirken würde. Trotz der Schließung der Vereinigten Staaten für eine größere Massenein Wanderung, strömen alljährlich Zehntausende von Juden Osteuropas nach überseeischen Ländern. Dieser Wander-!;trom muß organisiert werden, damit die geringen Auswandt•- rungsmögUchkeiten in die einzelnen für die Auswanderung noch offen stehenden Länder durch das regellose Einströmen unerwünschter Elemente nicht zunichte gemacht werden. Den Vorsitz der Versammlung führte Dr. Oskar Cohn. Namens der Zionisten sprach Dr. Alfred Klee. Jakob Leszynski schilderte das Wesen der jüdischen Auswanderung vom Ökonomischen Standpunkte, Pani Nathan sprach für den Hilf«־ verein der deutschen Juden. Dr. Singalowsky vertrat die Organisation ״O r t“. Dr. K r e i n i n schlug der Versammlung eine Resolution zur Annahme vor, in der an die amerikanische jüdische Oeffentlichkeit appelliert wird, in ihr neu auf- . z u b c z i c h e n. Die von Dr. Oskar Cohn ins Deutsche übersetzte, jiddisch eingcbrachfe Resolution wurde einstimmig angenommen. * In die harmonisch verlaufene Versammlung trugen die deplacierten Ausführungen Dr. Paul Nathans eine Dissonanz: Dr. Paul Nathan reinigte sich zunächst von dem Verdachte, als ob er die jiddisch vorgetragene Ansprache L e s z y n s k i $ verstanden hätte. Er erklärte dann, *.‘י sei Pflicht der deutschen Juden ihre höhere Intelligenz und ihre größere Erfahrung zur Verfügung״ zu stellen. Ohne ersichtlichen Grund rechtfertigte er sein Verhalten in der Steiger-Affaire, de 11 er die große deutsche Presse verhindert habe, sich des Falles anzunehgien, damit die Polen nicht gereizt werden. (Glücklicherweise ist Herrn Dr. Nathan diese Absicht mißlungen. Die große deutsche Presse, vor allem ״Berliner Tageblatt'‘, ״Vossische Zeitung“ und ״Vorwirte“ haben sich dankenswcrtcrwePe des Falles angenommen und das öffentliche Rech sgefühl sowohl in Deutschland wie auch in der ganzen Welt wachrütteln geholfen.) Ferner iliustrierte Dr. Nathan die räumliche Unzulänglichkeit Palästinas durch die Bemerkung, daß man vom Berge Tabor, ״der so hoch sei wie der Kreuzberg in Berlin“, (Dr. Klee rief dazwischen ״!chawdil“) das ganze Land in seiner Breite überblicken könne. Schließlich setzte Dr. Nathan seinen Lieblingsplan auseinander, die Judenfrage in Osteuropa durch eine Auswanderung nach Sibirien zu lösen. Voraus- Setzung hierfür״ sei allerdings eine AenJerung des Sowjct-Regimes, wodurch auch den polnischen Juden die Möglichkeit gegeben wäre, in die russischen Gebiete zu emigrieren. Dr. Nathan sagte auch für Polen Judenpogrome voraus, die die Pogrome im Zarenrußland an Ausdchrung übertreffen werfen. Es ist wirklich unerfindlich, warum man Dr. Nathan, der sich zweifellos in seiner Vergangenheit große Verdienste um die jüdische Hilfsarbeit erworben hat, gegenwärtig bei allen Gelegenheiten noch zum Sprecher des deutschen Judentums macht. Wir nehmen nicht an, daß die Mehrheit des deutschen Judentums sich tatsächlich mit den, um milde zu sein, etwas bizarren Ansichten des Herrn Dr. Paul Nathan identifiziert. M. W.