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Jüdische Rundschau · 1926-01-15 · Heft 4 (15.1.1926) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 4 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I Nr. 4 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seife 29!utc .eh! che Die gen iten Arabien in der Politik der Gegenwart Von Joseph F r i e d f e 1 d,v) (Schluß) III. lent der rika den nde ■rag geicht 1ien dit“ 1 80 Be-!heu >otc s e. die?enten. 3bei iche rauf!och an, sei, und mdsei sind ichreu, hres rger acht hericht läge zio- :heu d i e aus fol- Abes- Beerzu für errenn wird *IIP!den :nde Pro* izei- und den. i ist des önat {e* mit rani- Den entscheidenden Kampf uni die Hegemonie auf der arabischen Halbinsel focht aber Ibu Saud nach Niederwerfung der Ihn Reschids mit dem Königreiche Hedschas aus. Das Königreich Hedschas war eine Schöpfung des Weltkrieges, [)er Scherif von ״Mekka, Hussein 11311 Ali, erklärte *ich am 3. Juni 1910 als von den Türken unabhängig und trat als Verbündeter Englands in den Weltkrieg ein. Er [!:)bin zuerst den Titel eines Sultans der Araber an, bciiügte sich aber später mit dem Titel eines Königs von Hedschas. Das Königreich Hedschas gehörte auch zu den nterzekhnern des Friedeilsvertrages und war Mitglied des Völkerbundes. Im Frühjahr 1024 nahm König Hussein den Titel Kalif an. Sein Reich, das ungefähr 90000!) Bewohiicr zahlte״ ist von Natur aus arm und meist von Beduinen bewohnt. Dennoch ist infolge des Pilgerverkehrs die Höhe seiner Einnahmen nicht gering und dürfte eine Million fand jährlich betragen haben. Die Verwaltung trug zwar gewisse Zeichen westlicher Staatsorganisation, so bestand auch ein Ministerium, aber in Wahrheit war alle ״Macht in dem völlig autokratischen und patriarchalisch herrschenden König konzentriert. König Hussein gab auch eine offiziöse Zeitung, die Kibla, heraus. Seine Pläne gingen unzweifelhaft dahin, eine Vereinigung aller arabischen Gebiete unter der Führung• von Prinzen seiner Dynastie und unter der geistigen Führung seines Khalifats zu schaffen. Seine Söhne herrschen in Irak und Transjordanien, so daß Nedschd von drei Seiten von Ländern der Sclierifidischcn Dynastie umgeben ist. Es war kiar, daß es zu einem Kampfe zwischen Hussein und Ihn Saud, die beide nach der Vorherrschaft in Arabien (strebten, kommen mußte. Der Krieg begann im Jahre 1919. Zuerst handelte es sich tim den Besitz der Oase Churma zwischen Ncdschd und Hedschas. König Husseins Heer wurde von den Wahahifeii entscheidend bei Turaba gechlageit, 4500 Soldaten der Armee Husseins getötet, aber britische Intervention bewog Ibn Saud, von einer Verfolgung seines Sieges abzustellen. Seine Aufmerksamkeit wandte sich dann nach Norden und zweimal, im August 1922 und im August 1924 kam es zu Grenzzusamnienstößen mit Iransjordanischen, hie und da auch mit meso pedantischen Truppen. Zu Beginn 1924 fand in Kuwait unter britischem Vorsitz eine ergebnislose Konferenz zwischen Ibn Saud, der am 23. August 1921, an dem gleichen Tage, da Fcisal zum Könige von Irak proklamiert worden war, den Titel Sultan angenommen hatte; und den Scherifidischen Ländern statt. Itn September 1924 begann dann Ibn Saud seinen Vorstoß gegen Hedschas. König Hussein mußte abdanken, sein Sohn Ali übernahm die Führung des Krieges und machte Dschedda am Roten Meere, den Hafen Mekkas, m seiner Hauptstadt. Am.5. Dezember 1924 zog Ibn Saud in Mekka ein und die Heilige Stadt war zum zweiten Male Im Besitz der Wahabiten, wenig mehr als hundert Jahre später als das erste י Wal Medina soll im Dezember 1925 ebenfaljs In die Hände t1pe*־'Wltiafeiten /gefallen” sein. Öas :iR:Ö11lgre!chr'?H«l*l1t8*-i8|! derzeit auf einen schmalen Küstenstrich beschränkt. Südlich von Hedschas liegt die Landschaft Aslr und an sic anschließend Jemen, weitaüs der fruchtbarste Teil Arabiens mit einer Bevölkerung von ungefähr sechs Millionen und unter der Herrschaft des Imam Jahda, dessen Dynastie bereits seit tausend Jahren im Lande herrscht. Die Hauptstadt des Landes ist Sana. Der Imam kämpfte durch mehrere Jahre mit dem Idrisi von Asir um die Vorherrschaft. Der Idrisi war dabei mit Hedschas, der Imam mit Ibn Saud verbündet. Diese Kämpfe nahmen hier denselben Verlauf wie im nördlichen Gebiete. Die Macht des Idrisi wurde fast gänzlich gebrochen und er bleibt auf die Hafenstadt Hodeida beschränkt. Der Imam befestigt im Südwesten seine Macht immer mehr und Sir Gilbert Clayton ist in den letzten Tagen nach dem Jemen abgereist, um dort einen :perj Freundschaftsvertrag zwischen Großbritannien und dem Imam u es erbeizufiihren lung Zbjkeit igrn den Zu etzt, rop Polvorjüve;teil, jadiliehe chen renz, Dr. inten hr- Hilf- und ilenzelalten nommien ftund e- Koldie afen, feit u er nden Zloty nde Rr*. IV. Die Wege der künftigen politischen Gestaltuug Arabiens lassen sich in diesem Augenblicke nicht voraussehen. Die für eine arabische Einheitsbewegung günstigste Bestrebungen war die Husseins. Hussein selbst war ein Beduinenfürst, aber zugleich auch ein Manu von seltener Belesenheit in der klassischen arabischen Literatur und er wie seine Bewegung waren erfüllt von einer nationalen Romantik. Er gehörte der Familie und dem Stamme Mohammeds an, er hatte die heiligste Stadt des Islam in seinem Besitze. Die Zeit alten Glanzes des arabischen Kalifats sollte •wieder erstehen. Die Fahne des Hedschas, die Hussein wählte, sollte Symbol der arabischen Einheit als Erbe des Khalifats sein. Sie bestand aus drei horizontalen Streifen, die schwarz, grün und gelb waren wie die Farben der Abbassiden und Omajaden, mit einem roten Dreieck Jarüber, den Farben des Scherifs. Husseins Söhne, die in Konstantinopel erzogen waren und dort gewirkt hatten, hatten bereits nähere Vorstellungen vom europäischen Leben. Feisal zeigte auch in Damaskus ein besonderes Geschick, die arabischen Städter, die von vornherein einem Beduinenprinzen weder Sympathie noch Achtung entgegen brachten, für sich zu gewinnen. Im März 1921 hatte auch Husseins Macht ihren Höhepunkt erreicht. An Husseins Sturz trägt er selbst die größte Schuld. Er war ein Autokrat, bei seinen eigenen Untertanen verhaßt, und gleichzeitig dabei ehrgeizig in einem solchen Ausmaß, daß er die realen Grundlagen seiner Macht weit überschätzte. Schon während des Krieges forderte er, daß Ibn Saud ihn *) S. Nr. 1 d. J. — Es sei darauf hingewiesen, daß eines der Hauptwerke des auch in diesem Aufsatz wiederholt zitierten Forschers J. St. H. P hi 1 b y , dessen Name unseren Lesern nicht unbekannt ist (er war bis 1923 englischer Berater des Emir Abdallah von Transjordanien), soeben in d eutschtr U e b e r s e t z u n g unter dem (dem englischen Original nicht völlig entsprechenden) Titel ״Das geh e 1 m n i s vo 1! c Arabien“ (Verlag F. A. Brockhaus, Leipzig 1925, zwei reichillustr, Bände, geh. 30 M.) erschienen ist. Dieses grundlegende Werk, auf dessen Bedeutung wir noch zurückkommen werden, gibt dem deutschen Leser und Zionisten die Möglichkeit, sich aus erster Quelle über die Zustände und die heraufdrängenden Kräfte des heute gärenden Arabien, das Philby als begeisterter Pionier und Freund durchforschte, zu unterrichten. Red. als Oberherrn über Arabien anerkenne. Dabei hatte Ibn Saud nicht nur die bei weitem stärkere militärische Macht hinter sich, sondern war auch die jüngere, kraftvollere Persönlichkeif, ein glänzender Organisator und Realist, Hussein hielt sich ihn! gegenüber nur durch den britischen Rückhalt. Als dieser im Sommer 1924 ihm entzogen wurde, brach Husseins Macht zusammen. Weder der Wahabitcnsuhan noch der Imam von Jemen, der wohl auch kaum derartige Aspirationen hat, können ohne weiteres Husseins Nachfolge antreten, Ibn Saud ist zwar im Gegensatz zu Hussein bei seinen Kriegern sehr beliebt und stützt sich auf die alt überkommene Demokratie der arabischen Stämme. Aber er ist ebenso wie der Imam ein Härctiker und die Wahabiten stehen seit ihrer Begründung den übrigen Mohammedanern, den Sunniten wie den Schiiten, mit Erbitterung gegenüber. Sie hatten Mekka und seinem Herrscher gegenüber ungefähr die gleiche Empfindtuig wie die früheren Protestanten Rom und dem Papst gegenüber. Dazu kommt, daß die Wahabiten in Jeder Beziehung noch außerordentlich primitive Menschen sind und durch eine große Kluft von den arabischen Städtern am Mittelmeergestade getrennt. Aber Ibn Saud hat seit der Einnahme von Mekka bewiesen, daß er auch hierin Realpolitiker ist Er hat die allmohammedanischen Heiligtümer und Stätten geschont und geehrt und sein Verhalten stach weit ab von jener intransigeilten Haltung, die die Wahabi vor hundertzwanzig Jahren bei der ersten Einnahme Mekkas an den Tag־ gelegt haben. Auch geht er zielbcwußt daran, von der höheren Organisation des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens, wie sie eine Stadt wie Mekka bietet, zu lernen und Gebrauch zu machen. Im November 1924 begünstigte Ibn Saud in Mekka die Gründung der ersten nicht offiziellen Zeitung ״Band el Hedschas“ und autorisierte etwas später auch die Veröffentlichung eines Wochenblattes ״Um a Quara“. Durch dieses Vorgehen hat Ibn Saud die Sympathien weiterer niohammedänischer Kreise für sich gewonnen, die Hussein sclton deswegen nicht besessen hat, weil ihm insbesondere die indischen Mohammedaner den Abfall von der Türkei während des Krieges nicht verziehen haben. Dennoch aber dürfte Ibti Saud trotz aller seiner Erfolge die bisher bewiesene Klugheit davor zurückhaltcn, sich zum Kalifen ausrufen zu lassen, wie in einigen Teilen der Presse ' vermutet wird. lieber das Verhältnis Ibn Sauds zu der Zone der Mandatsgebiete ist nichts bekannt. Es ist unwahrscheinlich, daß er daran denkt, sie anzugreifen. - Er ist viel zu sehr Realist, um nicht zu wissen, daß seine Armee gegen moderne Kriegsrüstung zu schwach ist und daß vorläufig an eine Herrschaff seinerseits über europäisierte Städte kaum zu denken ist. Er wird die nächsten Jahre wohl dem Aufbau seines Reiches, seiner Organisation und seiner Armee widmen. Sein Gebiet dürfte auch ohne die Hilfe des Imam vier Millionen Bewohner umfassen und d. 11. bei diesen Stämmen an eine Million kriegsgevvohnter .Männer, die durch den Geist der Achwanbewegung von einem ähnlichen Elan erfüllt sind wie die alten Araber. Aber vorläufig braucht •Ibn Saud Zeit und Geld. Diesen Beweggründen mag sein vor wenigen Wochen abgeschlossener Freundschaftsvertrag mit England zuzuschreiben sein, dessentwegen er in der arabischen Presse k PStBstjnjis als ־*Verräter־•an;!der׳•;;arabisch«« Sache gefädelt wurde. Ibn Saud teeiß aber, daß, so sehr er im Innern seines Reich« unangreifbar ist, so wenig er vorläufig nach außen ausrichten kann. Wenn er auf diplomatische Vertretungen im Ausland verzichtet, so liegt der Grund hierfür sehr nahe: er hat weder den Apparat noch die Menschen dazu. Selbst die primitivsten Voraussetzungen hierfür fehlen. Darum ist es besser, vorläufig ein Freundschaftsbündnis mit England zu schließen, das heute die einzige Möglichkeit ist, die für Arabien in Betracht kommt, und zugleich aus diesem Bundnis materielle Vorteile zu ziehen. Ob Ibn Saud für spätere Zeiten weiter reichende Pläne hat (und Ibn Saud dürfte noch nicht 50 Jahre alt sein), ist unbekannt. Für die Gegenwart ist an eine Ausdehnung seiner Macht- Sphäre über den Süden Arabiens oder über die Mandatsgebiete nicht zu denken. Vom Süden trennen ihn ousenlosc Wüsten. Sein Reich vom Persischen Golf bis an das Rote Meer ist vorläufig Aufgabe genug. Es hat weder Eisenbahnen noch Straßen. Ein einziger Karawancnweg führt vom Westen nach Osten. Diese Straße führt von Dschedda über Mekka und Boreida nach Sobeir bei ßasrah, eine Entfernung von 1111gefähr 1600 Kilometern. In künftigen Jahreil mag der Gegensatz zwischen Ihn Sauds Beduinen tmd den arabischen Städtern immer geringer werden. Ein Anzeichen für das mögliclie Tempo dieser Ent- Wicklung ist das Schwinden der noch vor kurzer Zeit so starken Gegensätze zwischen deen Religionen in den Mandatsgebieten. Der Gegensatz zwischen arabischen Christen und Mohamtnedanern in Palästina, der zwischen Christen, Molianimedanern und Drusen in Syrien, der zwischen Sunniten und Schiiten im Irak wird bald nicht um vieles starker sein als der religiöse Gegensatz noch in europäischen Ländern ist oder vor kurzem war. Die französische Verwaltung in Syrien bemüht sich freilich, diesen religiösen Gegensatz wieder aufflammen zu lassen und sucht ihn für ihre politischen Zwecke zu benützen. Aber sie wird kaum imstande sein, die notwendige Entwicklung auch nur für wenige Jahre aufzuhalten. Hand in Hand mit der religiösen Ausgleichung wird auch eine soziale gehen. Die Gegensätze zwischen Stadtbürger, Fellachen und Beduinen werden bestehen bleiben, werden aber an Schärfe ebenso verlieren wie etwa die Gegensätze zwischen den Industriearbeitern Norditalicus und den Bauern Siziliens. Neben den Einflüssen der europäischen Wirtschaft und der durch sie gesteigerten Lebensansprüche des Volkes wird dazu vor allen! das nationale Einheitsgefühl und die Erweckung des Selbstbewußtseins auch in den linieren Schichten beitragen, ein Prozeß, der sieh seit 1910 in immer steigender Schnclligkeit vollzieht. Alle die Staaten und Strömungen in Arabien stehen in einem Verhältnis zu England. Großbritannien hat durch den Weltkrieg eine unbestrittene Vormachtstellung auf der ganzen Halbinsel erlangt. In seiner auswärtigen Kolonialpolitik nimmt heute Arabien eine außerordentlich wichtige Stellung ein. In kurzer Zeit wird der regelmäßige Luftverkehr von England über Aegypten nach Indien eröffnet werden. Transjordanien und Irak sind darin wichtige Haltepunkte. Wichtiger aber noch ist der beabsichtigte Bau einer großen Eisenbahn, die von Haifa, dem künftigen großen Hafen Arabiens am Mittelländischen Meer ausgeht. )g| n Haifa bestellt bereits die Verbindung nach Cairo und von Haifa soll sie nach Bagdad weitergellen. Die Verhandlungen Sir Gilbert Claytons mit Iba Saud galten vor allem diesen! Zwecke. Durch die Einnähme von Dschauf im Jahre 1922 war Ibn Saud der um* mittelbare Nachbar Syriens geworden und sein Gebiet trieb einen Keil zwischen Transjordanien und Irak. Nun, nach den vorgeiiomineneii Grenzberichtigungen, schließen wieder Transjordanien und Irak unmittelbar aneinander und die Bahn* linle von Haifa nach Bagdad wird ausschließlich über britisches Gebiet gehen. Seit den Unruhen in Syrien gellt auch die Automobillinie durch die Wüste nicht mehr wie früher von Damaskus nach Bagdad, sondern ausschließlich über Gebiet unter britischem Einfluß von Jerusalem nach Mesopotamien. Das zähe Ringen Englands tim Mossul, ungeachtet der Oppo* sition des überwiegenden Teiles der englischen öffentlichen Meinung• und Presse, bewies wiederum, welchen Wert englische Politik auf die Sicherung seines Einflusses in Arabien legt. Dabei darf nicht übersehen werden, daß England nach seinen jetzigen Kolonisationsmdhodcn nicht etwa als Unterdrücker, sondern als Freund der Araber auftreten will. Seine Unterhändler. wie Sykes, Lawrence, Philby 11. a. sind unzweifelhaft ehrlich!•011 tiefer Sympathie mit den Bestrebungen der Araber erfüllt. England hat Husseins Pläne gefördert tmd hat treu für Feisal eingestanden, cs wird ebenso Ihn Sauds Pläne förder״, vorausgesetzt, daß sie nicht direkt britischen Interessen enigegenlatifen, die das englische Kabinett für lebenswichtig hält. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ein Teil der weithlicket1dereu Araber dies versteht und zwischen den Methoden der Engländer und Franzosen wohl zu scheiden weiß und sich damit begnügt, während der nächsten Jahre, unter Englands wohlwollender Leitung, Kraft tmd Erfahrung zu sammeln, die Arabien befähigen sollen, in die Reihen der modernen Nationen einzutreten. *Das OBbekannte . . . “ Man traut seinen Augen kaum. Herr Dr. Alfred Wiener, Syndikus des Central-Vereines, ist plötzlich von unstillbarem Wissensdurst befallen worden, dessen Objekt diesmal nicht das deutsche Vaterland Ist, nicht einmal das neue Juden-Kolonisationsgebiet Sowjet-Rußland, sondern . . . . , Palästina. ״Das unbekannte Palästina!” Plötzlich ließ das Interesse an Palästina Herrn Dr, Wiener nicht schlafen, er hat sich - so sollte man meinen — durch die ganze umfangreiche Literatur nicht etwa nur über Palästina,‘ sondern gar über ״den Vorderen Orient, die Türkei, Syrien, Palästina, Aegypten und die Atlasländer” hindurchgearbeitet und ist nach heißem Bemühen zu den! bekannten deprimierenden Schluß gekommen, daß wir nichts wissen können, und das yill ihm schier das Herz verbrennen. Er stimmt ein Klagelied an, daß wir trotz all den vielen Schriften noch immer kein objektives und ״abgerundetes” Buch über Palästina besitzen. Alle Informationen, die man zu lesen bekommt, sind tendenziös gefärbt, vor allem die der national* jüdischen Autoren, die Publikationen des Keren Hajessod und der zionistischen Presse. ״Was vollkommen fehlt (nämlieh Herrn Dr. Wiener) ist eine umfassende, ungeschminkte Schilderung, wie die mohammedanischen und christlichen Araber im neuen und zum neuen Palästina eingestellt sind .... Ja wir kennen auch nur sehr oberflächlich die Stintmung und die Stellung der palästinischen Judenheit. Die jüdischen i Zeitung«!. Deutschlands vermittelt! sie uns tmzureicliend,, El» Blick in die palästinische Fraise Jerusalems, Tel-Awiws und Haifas beweist es ... Wenn Dr. Wiener unter ״jüdische Zeitungen Deutschlands“ etwa die C. V.-Zeitung meint, so ist er allerdings berechtigt zu der Klage, daß man über Palästina recht unzureichend informiert wird. Von zionistischen Zeitungen nennt er ״The New Jttdaea” und ״Haolanv”, in die er offenbar ebenso oft ״einen Blick wirft“ wie in die ihm wahrseheinlich unverständliche hebräische Presse Palästinas. Die ״Jüdische Rundschau”, aus der er immerhin etwas erfahren könnte, auch über die arabische Einstellung, scheint er nicht zu kennen. .'her es wäre schade, sich bei diesem frühgeborenen Purim-Erzeugnis länger aufzuhalten. Doch hat die Sache audi eine ernste Seite ,und daher zum Schluß noch ein ernstes Wort. Gewiß ist das letzte Wort über Palästina noch nicht gesprochen, gewiß fehlt es noch an einer exakten wissenschaftiichen Darstellung aller Einzelheiten seiner geographischen und ethnographischen Struktur und seiner ökonomischen Möglichkeiten. Aber schließlich gilt dies von den meisten Ländern. Lind was die politische Seite betrifft, so sei auf das Beispiel S o w j c t - R 11 ß I a 11 d s hingewiesen, über das sich ein objektives Bild zu machen heute wirklich außerordentlich schwer fällt tmd das dennoch plötzlich vom C. V. auf den Schild gehoben wird, wobei er sielt gar nicht so sehr um Einzelfragen interessiert, obwohl dies gerade in diesem Fall außerordentlich notwendig wäre. Immerhin besitzen wir über Palästina eine relativ ganz anständige Literatur in drei oder vier Sprachen, es ist auch nicht aus der Weit, der Zutritt steht jedem offen, unzählige Leute haben das Land iri den letzten Jahren bereist und haben einen zwar natürlich nicht einheitlichen aber doch einen gewissen Eindruck von dem Lande gewonnen. Der C. V. allerdings hat sich tim alle diese Dinge nur soweit interessiert, als er daraus Material zur Bekämpfung des Zi- 0 11 Ismus zu finden hoffte. Der Vorwurf der einseitigen Darstellung der zionistischen Quellen ist völlig unbegründet, da gerade wir Zionisten nicht nur Propaganda-Interessen haben, sondern in! Gegenteil die wirklichen Grundlagen erkennen müssen, auf denen wir zu bauen haben tmd jede Selbsttäuschung ablelmen. Gerade die ״Jüdische Rundschau” versucht stets die ungeschminkte Wahrheit zu geben, liiclrt Herrn Dr. Wiener zuliebe, sondern dem Zionismus uud der jüdischen Aufbauarbeit zuliebe, die nur mit einwandfreiem Material arbeiten können. Was hat also dieser komische Klagegesang Dr. Wienere für einen Sinn? Der Zweck ist offenbar, er ist so plump hervorgekehrt, daß die ganze Tirade fast tun ihre schönste Wirkung kommt: der Zweck ist, das vom Keren Hajessod verbreitete Infortnatioiismaterial zu diskreditieren, Mißtrauen zu verbreite״, den Eindruck eines Wissenden zu erwecken, um anzudeuten, daß noch etwas ״Unbekanntes” in Palästina steckt, vor dem man sich zu hüten ha< Es ist schwer, keine Satire zu schreiben. 111 Livorno verstarb 1m Alter von 5S Jahren der bekannte jüdische Schriftsteller und Kunstkritiker Prot. Guido Menasci. Er galt als einer der besten Kenner der Weltliteratur, war ein Freund von Zola, Rovctta, D’Annunzio, Mascagni, dem er das Libretto zur Oper ״Cavalleria Rusticana“ geschrieben hat. Seit 20 Jahren lehrte er Literaturgeschickte am kön. Lyzeum und an der Militär-Akademie zu Livorno, ,

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