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Jüdische Rundschau · 1926-01-15 · Heft 4 (15.1.1926) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXI (1926)
Issue
Heft 4 (15.1.1926)
Date
1926-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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4 JÜEÜI8CHE RüNOSCHXü SeÜi מ Mr.4 riet, adt• für lictfc. (pan L׳?vu tärc die ein- Jeu. verefat :ndigen sere vird in oht. i:ht t e - i e n uns 11 cn iten iehe Ulli die bcicji, Das ■reri be* der Der den :üte» ltluß, Jen! /ollgen e i iluß den ge- Uruch eise sich ums >cht Tel- ־leb, der Ostjuden von heute und von gestern Von Harry Epstein. Der Kenner der jüdischen Geschichte weiß, daß seit den k'reuzzügen die Juden zwischen West* und Osteuropa immer hin* und herwanderten, die der Bedrückung in Deutschlind durch Auswanderung nach Polen, polnischer Drangsaiierung durch die Flucht nach Westen zu entgehen suchten. Die Wanderungen begannen von Westen nach Osten, und die Millionen polnischer Juden sind deutsche ״aschkenasische“ luden, die ihre Sprache und Namen mitgenommen und bis heute erhalten haben. Die Zahl der Juden, die im Laufe der lihrhunderte nach Deutschland zurückwaudertcn, ist nicht groß und wird gemindert um die beträchtliche Zahl derjenigen, die den umgekehrten Weg cinschlugen, s. z. B. nach der Besetzung Polens durch Preußen im Jahre 1703 bis zu den ersten russischen Pogromen in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Bedrängten in Ost und West wurden von ihren Brüdern mit offenen Armen aufgenommen, wie cs dem jü* dischen Sittengesetz entspricht. Wurde doch iti Israel nicht einmal der Nichtjude unter Minderrecht gestellt: ״Ein Recht soll unter Euch sein, dem Fremdling wie dem Einheimischen; denn ich bin der Ewige, Euer Gott.“' Der Einheitsgedanke war in Israel immer lebendig. Auch in Deutschland erlitt er noch bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts keine Erschütterung. Viele gelehrte Männer, Führer der deutschen Juden, waren aus dum Osten gekommen oder stammten von polnischen Einwanderern. Moses Mendclsohn war der Nachkomme des Krakauer Rabbiners Moses Isserls und Gabriel Rteßers Familie war aus dem slawischen Osten zugezogen. Das wurde erst anders, als die Wirkungen der Juden- Emanzipation in Deutschland zutage trat. Freigelassene vergessen schnell und wollen denen, die ihnen die Freiheit gaben, darin», sie seien nicht anders als diese. Das Licht neugewonnener Freiheit blendet. Aus Dankbarkeit werden Opfer gebracht, große Opfer: Die herrliche Idee der Einiieit des Judentums wird preisgegeben. -Sich selbst zu erhöhen, läßt man die Brüder fallen, die später hierher gekommen sind, die jüdische Inhalte, jüdische Art, jüdische Form treuer bewahrt haben und deren Aussehen an die eigenen Väter erinnert, die in Not und Gefahr voti den Vätern jener ans Herz gedrückt worden waren. Mau opfert den Bruder. Doch einen Ort gab cs, wo der Gehetzte Ruhe fand. Das war die K e 11! i I a h , die jüdische Gemeinde. Dorthin blickte ja nicht die große Welt da draußen. Hier von den östlichen Brüdern abzurücken, war ohne Nutzen. Wen kümmerten die inneren Angelegenheiten der Juden? Das preußische Judengesetz von 1817 unterschied nicht zwischen Juden und Juden in der Gemeinde, wiewohl es zu dieser Zeit nicht wenige nicht naturalisierte Juden in Preußen gab. Unterschieden die Christen nicht, so brauchte man selbst es auch nicht zu tun. Je mehr man nun sich der nichtjüdischen Umgebung mit aller Inbrunst anzuähneln bestrebt war, um so hinderlicher erschien alles, was in Haus und Gemeinde an Judentum erinnerte. Die das Judentum bewahrenden Elemente wurden Idet am- :drrtwt**?ind dauernd miF Ausweisung dnff "tfernlchtting Ihrer Existenz bedroht, so sollte ihnen auch Innerhalb der Gemeinde bewiesen werden, wer hier Hausrecht habe und wer geduldet, wer ein Deutscher und wer ein ״Fremder“ sei. Der Oracb, der Fremde, einst ein hoher Ehrentitel in Israel, wurde seiner Würde entkleidet von den eigenen Brüdern. Die Juden in Westdeutschland, am weitester! entfernt vom jüdischen Osten, vergaßen als erste der Lehren, die die blutbefleckten Seiten der Memorbücher ihrer Gemeinden füllen, ihrem Gedächtnis entschwanden die Martyrien der Väter, die liier am Rhein für ihre Brüder den Opfertod erlitten, und die gastliche Aufnahme, die ihre Feuer und Schwert entronnenen Vorfahren bei den Brüdern im Osten fanden. Die dem Judentum Entfremdeten entrechteten den ״Fremden” in der Gemeinde und nahmen ihm das einzige Recht, das der in 2ral /on lern Rechtlose hier hat und das ihm selbst die christliche Obrig- Reit niemals streitig gemacht hatte: Das Recht, gleichbcrech-;gtcs Glied zu sein der jüdischen Gemeinde. Seit dem Jahre 007 bis auf den tieutigen Tag wurden solche Versuche dauernd in Rheinland und Westfalen unternommen, so in Aachen, Bochum, Bonn, Cöln, Crefeld, Dorsten, Duisburg, Düsseldorf, Hamborn, Hamm, Lüdenscheid, Recklinghausen, Wesel. Mannigfache Mittel wurden ausgeklügelt: Alan bestritt den ״Ostjuden“ die Mitgliedschaft überhaupt, wiewohl man sie besteuerte, man raubte oder beschränkte ihnen das aktive und passive Wahlrecht, man führte das reaktionäre Dreiklassenwahlrecht nach der Steuerleistung ein oder schaffte cs nicht ab unter Hinweis auf die ״Ostjudengefahr’׳, vor allem aber'denunzierte man bei den Behörden, denselben Behörden, in deren Hand ( das Geschick der Verleumdeten lag, die nach freier Willkür sie dulden oder verjagen konnten. Ware es den christlichen Regierungsstellen zu verdenken gewesen, hätten sie die ausländischen Juden nicht liebevoller behandelt, als die eigenen Brüder cs taten, die in langen, von Führern der Gemeinden überreichten Eingaben jene heschimpften und herabwürdigten? Sie wurden denunziert als bestechliche Anhänger einer ״Chassidäersekte“, die zu den ״rechtgläubigen” Juden in Gegensatz ständen, als Elemente, ״die der europäischen Sittenwelt nicht zugezählt werden•'־ können und ״nach Gewohnheiten, Lcbensanschauungen und Lebensführung von den deutschen Juden völlig verschieden“ seien, die als ״Fremde niederer Kultur“ ״in ihren hergebrachten mittelalterlichen Sitten und Gebräuchen nicht gestört sein“ wollen. Das geht in dieser Melodie weiter bis auf den heutigen Tag, und es spricht fftn den Gerechtigkeitssinn der zu Zeiten doch durchaus reaktionären Behörden, wenn sie schutzlose Juden vor Juden geschützt und der Versuchung widerstanden haben, aus Schauder vor dem furchtbaren Zerrbild, das Juden von Juden entwarfen, vom Wege des Rechts abzuweichen. Aber diejenigen, die so den jüdischen Namen entehrten, störte es nicht, daß die Denunziationen nicht verfingen, daß ein Entrüstungsschrei hallte durch die ganze jüdische Welt, daß sie auch von manchen christlichen Kämpfern für Freiheit und Recht öffentlich gebrandmarkt wurden: Zur Freude der Judenhasser, deren Vokabelschatz man übernahm, wurde der Kampf gegen das ״Ausländertum“ ungeniert fortgesetzt. Die andern sollten merken, wie deutsch man sei. Die verfänglichen, sich dauernd übersteigenden Beteuerungen des eigenen Deutschtums übertönten die Mahnungen wahrhaft freier nichtjüdischer Geister Westeuropas wie die Bernard Shaws: ״Ich glaube, daß sich ein Jude lächerlich macht, der sich auf die Seite dieses Imperialismus schlägt, die nationale Flagge des Landes schwingt, in dem er ansässig ist, und der wie Henry Bernstein darauf Gewicht legt, französischer zu sein, als jeder Franzose, oder wie manche englischen Juden englischer als jeder Engländer.“ (Wobei bemerkt sein mag, daß die heutigen englischen und französischeu Juden sich niemals so gegen ihre jüdischen Brüder versündigt haben, wie die deutschen Juden); oder die Worte des rheinischen, bei den deutschen Juden sonst so beliebten Dichters Herbert Eulenberg, der gar nicht auf den Gedanken kommt, wie nötig es sei, diese Worte nicht nur an die christlichen Antisemiten zu richten: ״Die niedrige Verhetzung gegen die Ostjuden und Galizier, die nur ein Teil der allgemeinen Judenfeindschaft ist, die heute bei uns betrieben wird, ist leider fast schon gedankenlose Gewöhnheit in Deutschland geworden. Ohne sich jemals um die Ostihr;^w.«p,,Q»־cnzdjsd^f«ie,.,lhr?,1^irtschaf|id1.| 1׳ haben,' Menschen losgeschimpft, als ob seit je dort der Abhub der Menschheit gehaust hätte und Russisch-Polen, Litauen und Galizien eine Verbrecherkolonie wie ehemals Tasmanien gewesen wäre. — Die Liebe und Gerechtigkeit trieb mich, auch der geistigen Beweglichkeit und Tiefe dieser Leute hier rühmend zu gedenken, die im allgemeinen nicht schlechter und nicht unanständiger sind, als die ganze verfluchte menschliehe Rasse, ä qui nous appartenons, zu sein pflegt.“ Wenn der urdeutschc rheinische Dichter fast liebevoll von den ihm fremden verfolgten Ostjuden spricht, so spenden seine jüdischen Nachbarn einem jüdischen Prediger Beifall, der ihnen zu sagen wagt, jene hätten eine Atmosphäre von Unsauberkeit und Unreinlichkeit nach Deutschland hineingebracht. Dieser selbstmörderische, blindwütige Kampf gegen die eigenen Brüder wird fortgesetzt nun schon jahrelang. Die Drohungen und Denunziationen hören nicht auf, alle schlechten Erfahrungen fruchten nichts, und nicht einmal die Erkenntnis tut dem Treiben Einhalt, cs sei ״natürlich“, daß die Behörden, ״keinen Unterschied machen zwischen deutschen und nichtdeutschen Juden.“ Das sind die Führer von Verbänden, die für die Rechte der Juden eintreten, das sind Söhne des Bundes, der Bruderliebe und Eintracht predigt, das sind Leute, die das gnadenreiche Wort ״kol jisrael arewim” schänden, indem sie es zu Zeiten im Munde führen! Immerhin sei vermerkt: Nicht stets hat man verachtlieh von den ״Ostjuden“ gesprochen. Es gab Zeiten, da deutsche Juden, darunter auch prominente Rheinländer der deutschen Regierung die Ostjuden geradezu als Träger des deutschen Gedankens empfahlen. Damals wurden die verachteten Ostjuden heldenhafte Vorkämpfer deutscher Interessen, wurde ihr ״scheußliches KaudervelsW* ein mittelhochdeutscher Dialekt, dem ähnlich, der hier am Rhein zur Zeit der Kreuzzüge gesprochen wurde, wurden sie Verkünder germanischer Kultur im besetzten Osten. Im Kriege waren den jüdischen Patriotin am Rhein die Ostjuden gut genug, dem Volke, unter dem sie seit Jahrhunderten lebten, als Landesverräter denunziert, ins Eiend gestoßen zu werden, damit das Deutschtum der Denunzianten in um so hellerem Lichte erstrahlt־. Das Opfer wurde schlecht gelohnt: Es folgte die ״judeii/ahlmig“ im deutschen Heere. — Und nochmals erscholl hier Lob und Preis dem Ostjudentum aus westjüdisdren! Munde. Als nach dem Kriege den rheinischen Juden ihr eifervolles Mühen durch eine antisemitische Hoch- Hut vergolten wurde, sie sich also wieder aufs Beweisen verlegen mußten, als ihnen Unproduktivität zum Vorwurf gemacht wurde und rote Zeitlichen an den Judenhäuser״ klebten mit der Aufschrift ״Bergarbeiter, habt ihr jüdische Kumpel?“, wies man stolz auf die jüdischen Arbeiter hin, die während des Krieges hier zu gezogen waren, in der Kriegs- Industrie gearbeitet halten und auch noch einige Zeit nach dem Kriege Verwendung fanden. Die höhnische Antwort der Antisemiten: ״Das sind ja polnische Juden!“, erweckte in den rheinischen Juden atavistische Solidaritätsgcfühlc, sic ließen keine Unterscheidungen zwischen Juden und Juden mehr gelten und replizierten ihren Gegnern: ״Alle Juden stehen für einander.“ Irr der wechselvolien Geschichte der Juden hat sich, das soll zugegeben werden, ein berühmtes Analogon zu den Geschehnissen, die wir heute am Rhein erleben, ereignet. Die jüdische Gemeinde der Stadt Bordeaux, im äußersten Westen Europas am Atlantischen Ücean gelegen, bestand aus Sephardim, die den spanischen Judenverfolgungen entronnen waren. Als Kaufleute und Bankiers waren sie allmählich zu Vermögen und Besitz gelangt und hatten die Leiden ihrer Väter vergessen. Die große ,Handelsstadt übte in der Mitte des 18, Jahrhunderts eine natürliche Anziehungskraft auf westdeutsche Juden aus, denen es in ihren bisherigen Wohnstatten schlecht erging und die in Bordeaux kümmerlich durch Kleinhandel ihr Brot suchten. Die Juden aus Bordeaux unternahmen es nun, sich dieser deutschen Juden, die für sie ״Ostjuden” waren, zu entledigen. Sic denunzierten sie bei den Behörden und bczeichnetcn sie als Elemente, die ein ehrloses, betrügerisches Gewerbe trieben, als Schnorrer und Gesindel. Sie nahmen ihnen durch Aenderung der Statuten der jüdischen Gemeinde im Jahre 1760 das Recht der Gemeindenritgliedschaft und legten sich in ihrer Satzung die Befugnis zu, die zugewanderten westdeutschen ״Ostjuden“ §t® ^jejfjjtadj.brijigp jPann,,der, durch Ä1W Inlrfg«ett:.jldr,lj’eniültte, .’die, 'Genehmigung dieser- Statuten* änderung bei Ludwig XV. durchzusetzen, Rodrigues Pareira, war der vergeßliche Sohn einer ’ Mutter, die in Spanien als jüdische Ketzerin angeklagt, ein ganzes Jahr hindurch an einer Kirchentür durch die Folter der Inquisition gepeinigt worden und dann nach Bordeaux ausgewandert war. Seine Anstrengungen hatten schließlich auf allerlei Umwegen Erfolg, der König stimmte dem Statut zu, die ״fremden“ westdeutschen Juden mußten im November 1761 die jüdische Oemeinde und die Stadt Bordeaux verlassen und waren dem Elend preisgegeben. Doch bald erhoben sich christliche Stimmen, die einen Unterschied zwischen Juden und Juden nicht gelten lassen wollten: Können die deutschen Ostjuden der europäischen Sittcriwelt nicht zugerechnet werden, verbreiten sie eine Atmosphäre vor! Unsauberkeit und Unreinlichkeit, dann gilt das gleiche von den Westjuden in Bordeaux; müssen jene die Stadt verlassen, so müssen diese es auch. In ihrer Angst wandten siel! die Bordeauxer Westjuden au Isaak Pinto mit der Bitte, ihre Verteidigung zu übernehmen. In einer Schutzschrift legte er im Jahre 1762 dar, die Westand uhe fls stav teil, so ger gibt eck Geor- 10r, fste nur des der her /ergen!um .׳ortion ven die aßc Einbeide finden da draußen sich selbst und das Leben in seiner befreiten Gestalt wieder. Das klingt nun, in dieser kurzen Wiedergabe des ״guten Ausgangs“ etwas banal. Aber die beiden Menschen sind lebenswahr und liebenswert. Die Frau erscheint hier nicht als der uns in ähnlichem Fall geläufige Typus des entweder befriedigten und verwöhnten Kätzchens oder des schmollenden, unbefriedigten Weibchens. Ein Kamerad des Mannes erstellt vor uns, in den! sich die weiblichen Tugenden mit allen guten männlichen Eigenschaften, so weit dies möglich ist, verbunden haben. Freilich ist in diesem sonst gar nicht utopischen Buch!ine Voraussetzung erfüllt, die zur Bedingung wird, wenn man dieser Frau auch im Alltag begegnen will: der Mann darf nicht nur in den Augenblicken einer sentimentalen •tiuimung diesen höheren Typus einer Gefährtin herbeichnen, er muß ihn ernstlich wollen. Und darf auch weibliche Oberflächlichkeit nicht mehr als Lockung empfin- 'Jen. Ist unsere Generation so weit, daß solche wieder- ״tboruic Ehe!!iciit ein romantischer Einzclfall, sondern die Regel sein kann? Das ist die Frage, von der die?.ukunftsgcstaltung aller menschlichen Gemeinschaften abhängt. M a rt 11 a W e 11 s c 11. Zeitschrifleaschao hen Mirfter olle bat, ichiren zu tten Ein- Er ,ach »reu und Viertelfahressehrllt ״Ethos“ Unter dem Namen ״Ethos, Vierteljahrsschrift für Soziologie, Gcscliiehts- und Kulturphüosophlc“ begann vor einiger Zeit im Verlag G. Braun in Karlsruhe eine neue Zeitschrift für die Erkenntnis und Erschließung der geistigkulturellen Kräfte menschlicher Gemeinschaft zu erscheinen. Begründer und Herausgeber sind: Prof. Dr. David K o 1 g e 11 , Prof. Dr. F. Schneersohn und Oberschulrat F. Hilker. Von den Herausgebern sind einem großen Teile unseres Leserkreises zumindest die beiden Erstgenannten wohlbekannt, als jüdische Forscher, die den jüdischen Geistes- 'vi.seuscfiaflr״ vertvo'l•' Arbeiten gewidmet haben. Schon 11!׳s diesem Grunde rei/1 die neue Zeitschrift unser Interesse. Aber der gediegene Inhalt der zwei bisher erschienenen Hefte (das zweite ist vor kurzem erschienen) beweist uns, daß hier voa erstklassigen Mitarbeitern Probleme und Fragen behandelt werden, die für jeden ernsten Politiker, für jeden aktiven Mitarbeiter eines großen sozialen Prozesses, von größter Bedeutung sind. ״Die Gesamtheit der menschlichen Einstellungen, Willens- und Biklungsrithtungen, das Ethos schlechthin“ nennt Prof. Koigen in seiner Einleitung das Arbeitsfeld der neuen Zeitschrift. Sie ist nicht trocken ״wissenschaftlich“, sondern behält bei aller Tiefe des Blick- 'punktts und bei allem Ernst der Betrachtung sozialer Phänomene doch stets die Richtung auf das wirkliche, historisch gewordene und in verschiedenen Verzweigungen, suchend und kulturschöpfcrBch sich auswirkende Leben. Darum ist sie nicht nur für ״Spezialisten‘•. Eine Besprechung der Hefte ist unmöglich, da jeder Beitrag eine Würdigung und Auseinandersetzung für sich erfordern würde. Wir behalten uns vor, bei passender Gelegenheit noch auf diese oder jene Abhandlung, die unser Interesse als Zionisten besonders nahe berührt, zurück/.ukommen, und begnügen uns für heute damit, den Inhalt der beiden Hefte hier anzugeben, was für jeden der Materie Vertrauten ein Anreiz sein wird, zu der Zeitschrift selbst zu greifen. Heft I enthält: Koigen, ״Geschichte und Kultur“. Grundzüge einer Geschickt*- und Kultursoziologie. — Tönnies, ״Die Tendenzen des heutigen sozialen Lebens“, — E, Bernstein, ״Idee und Interesse in der Geschichte“. — Schneersohn, ״Zur Grundlegung einer Völker- und Massenpsychopathologie“. — Hilker, Soziale Vererbung und Sozialpädagogik“. — Dr. M. Scluvarz, ״Kultur- Morphologie“. — Dr. S. Kawcrau, ״Zur Soziologie der Jugendbewegung“. — Sodann kleinere Rubriken. Inhalt des II. Heftes: Michels, ״Uebcr einige Ursachen und Wirkungen des englischen Verfassung»- und Freiheitspatriotismus“. — Tönnies, ״Die Tendenzen des heutigen sozialen Lebens“, II. — Stein. ״Gesellschaft, Staat und Individuum“. — Schlüter, ,.Zur Soziologie der Führung“. — Koigen, ״Geschichte und Kultur“, II. Der Kulturakt und seine vierfache Wurzel. — K a r s a w i n , ״Der russische geschichtsphüosophische Gedanke“. — Böhme, ״Materialien zu einer soziologischen Untersuchung des künstlerischen Tan/־ .“«־׳ Scott N c;1 r i n g . ״Völkerbund oder Bund der indestri 11“. . Griebel, ״Die Weltkonferenz für Erziehung in Edinburgh 1925“. — Kleine Rubriken. (Abonnement ganzjährig 18 M.) * Wie uns die Monatsschrift ״H a s c h i 1 o a c 11“ (jerusalem) mitteilt, hat sich die Ausgabe des ersten Heftes des neuen Jahrgangs verzögert, 'weil in der Redaktion Veränderungen vor sich gegangen sind. Der bisherige Redakteur, Dr. Josef Klausner, konnte infolge seiner Tätigkeit an der Hebräischen Universität in Jerusalem nicht mehr allein die Redaktion leiten, und Herr Jacob Fichin a n n ist in die Redaktion eingetreten. Fichrnanr! ist ein junger hebräischer Dichter von bedeutendem Rang, auf dessen Wirk«! und Werke wir bereits wiederholt in der ״Jüdischen Rundschau“ hinzuweisen Gelegenheit hatten. Es ist zu erwarten, daß unter seiner Mitwirkung die nunmehr einzige literari u־l! vollwertige Revue in hebräischer Sprache eine wertvolle Bereicherung und Ausgestaltung erfahren wird. Das erste 11oft soll als Doppelheft unter der neuen Redaktion demnächst erscheinen. % Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums versendet soeben ihr Dezeniberlicft. ln! Oktoberlieft fiel besonders ein sehr interessanter Aufsatz des Herrn Dr. 11 e i n e in a!1 11 über das Thema ,,Messianismus und Mysteriuircligion“ auf. Ferner enthalt das Oktoberheft den ersten Teil einer Geschichte der Juden in Rumänien von Manfred Reifer, Dieser Aufsatz wird in der vorliegenden Dezembernummer zu Ende geführt. Das Dezemberheft veröfteiitlicht weiter eine IJebersic'if über die neueste Mischnaforschmig von Dr. < 11, Aiheck in Wien. Man abonniert die Monatsschrift durch Einsendung des Miigliedbcitrags von S M. an die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin-Schöncberg; Postscheckkonto: Paul Veit Simon, Berlin Nr. 7CBO. * Da.•» Januarheft der ungarisch-jüdischen Kunst/eitsehrifl .,.Mult cs jöv ö״, die seit 16 Jahren in verdienstvollster Weise für jüdische Kunst und Kultur innerhalb des ungari* sehen Judentums wirkt, ist dem Andenken E. M. Lilien« gewidmet. Neuere und älteste Zeichnungen und Radierungen Litieti» sowie Beiträfe von Z a 1! g will, Lilie 11 s W i f w e , Lotha: iS r u e 11 ׳ , Josef P a f a i. Stefan Zweig u. a, veranschaulichen das Lebenswerk des zu früh heimgegangenen ersten Künders jüdischer Kunst.

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