Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXI (1926)
- Issue
- Heft 4 (15.1.1926)
- Date
- 1926-01-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652785-2652789--17983-2675700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V Seite 28 JU EDI SU HK KUNUbLtl AL» Nr 4 Nr. 4 t; t 11 ד י: *ן H I $1! ' I ■ k ernst zu nehmende, gegen uns gerichtete Waffe ver* wandeln wird. In der Ausschaltung der nationalen Gebiete und alles dessen, was für den jüdischen Aufbau vitale Bedeutung hat, aus der Kompetenz des Council, liegt ohne Zweifel eine gewisse Beschränkung der Befugnisse des Council und seiner Macht; diese Beschränkung ist aber vollständig im Geiste der modernen Demokratie, die sich von dem Dogma der vollen und uneingeschränkten Souveränität der einzelnen Völker, auf ihrem Territorium oder in Beziehung zu anderen Völkern, losgesagt hat. Wenn man internationale Konventionen über Arbeiterschütz einführt, wenn nach dem letzten Kriege alle neugebildeten Staaten international garantierte Verpfliehtimgen in bezug auf ihre Minderheiten übernommen haben — so liegt darin ohne Zweifel eine Beschränkung der souveränen Rechte der Völker, auf ihrem Boden alles zu tun, was ihnen beliebt. Wenn der Völkerbund einen Sinn hat, st) besteht dieser in der Beschränkung des;souveränen Rechtes eines Volkes, mit seinem Nachbar das zu tun, wozu seine Lust und Kraft reicht. Jede internationale Vereinigung, angefangen von der sozialistischen und kommunistischen Internationale, hat ihren Wert darin, daß sie ihren Mitgliedern gewisse Verpflichtungen auferlegt, d. 11. ihrer Unabhängigkeit gewisse Grenzen setzt. Sollten einmal die Vereinigten Staaten Europas Wirklichkeit werden, .so wird dies auf Rechnung der Souveränität einzelner Staaten geschehen. Die moderne Demokratie, in den Beziehungen zwischen Volk und Volk, besteht in der Beschränkung der Macht eines Volkes, damit dem anderen Volke kein Unrecht geschehe. Werdet! wir eine Beschränkung der Macht und der Rechte des Councils verlangen, so handeln wir in vollem Einklänge mit dem modernen Rechtsgefühl. Palästina gehört nicht seinen heutigen Einwohnern, es gehört ihnen und dem jüdischen Volke. Wahr ist, daß die heutigen Einwohner das Recht auf Selbstbestimmung haben; aber ebenso wahr ist, daß das jüdische Volk das Recht hat, sich in Palästina zu sammeln und sich hier sein neues selbständiges Leben zu schaffen. Weder das eine noch das andere Recht darf geopfert werden, und in unserem Falle — im Falle des Councils — geschieht es am besten, indem man ein gegenseitiges Kompromiß in der Ausschaltung gewisser Gebiete aus der Council-Kompetenz sucht. Das Recht der heutigen Einwohner auf Palästina muß zugunsten des jüdischen Volkes beschränkt werden, genau so wie das Recht der Polen beschränkt wurde, die Ukrainer und die Juden der bürgerlichen Rechte zu berauben, oder für Völkerbundsmitglieder das Recht, einander zu überfallen. Unsere Stellung dem Council gegenüber muß des• halb m. E. folgende sein: Wir begrüßen den Council, wenn aus seiner Kompetenz alles das ausgeschaltet wird, was das nationale Leben der Araber und der Juden be• trifft und was vitale Bedeutung für den Aufbau des jüdischen Nationalheims hat. Wird diese Forderung nicht beachtet und der Council doch zustande kommen, so wird sich seine Arbeit — unabhängig davon, ob die Juden an ihm teilnehmen oder nicht — in einen unaufhöflichen Kampf des Völkerbundes, der Mandatarmacht, der palästinensischen Juden, der zionistischen Organisation, der Araber untereinander verwandeln. Dieser Kampf wird die ganze Kraft des Councils erschöpfen, wird ihn in seiner positiven Arbeit fortwährend stören, wird zur Quelle fortschreitender Entfremdung zwischen Juden und Arabern werden und wird dem Lande nur Schaden bringen. Wird jedoch unsere Forderung Eifäüung finden, so werden dem Council weite Gebiete für positive Arbeit bleiben (allgemeine Entwicklung des Landes, Eisenbahnen-, Post- und Telegraphenverwaltung, Arbeitsgesetze, Bodenreform, Straßenbau, Steuern, das ganze Handels- und Industrieleben des Landes usw.) und den Einwohnern, vor allem den Arabern, wird die volle MÖglichkeit gegeben »sein, ihre schöpferischen Kräfte frei zu entwickeln und i'ir Leben frei zu gestalten. Auch auf den zuletzt angeführten Gebieten »sind Gegensätze zwisehen Juden und Arabern möglich und vielleicht unvermeidlieh, immerhin hat man Grund, anzunehmen — eine vorsichtige und weise Politik des dritten Pantors, Englands, vorausgesetzt — daß die Arbeit des Councils dem Lande zum Segen wird und daß diese Arbeit vielleicht, bei ständigem arabisch-jüdischen Kontakt, auch zur Annäbenmg der beiden palästinensischen Völker beitragen wird. Noch kein Friede in Tel-Awiw Von unserem palästinensischen Korrespondenten. 6. Januar 1926. Amte als Bürger- A. ü. Jerusalem, den _ Die Demission Disengoffs von seinem meister von Tel-Awiw scheint, wie voratiszuschen war, Wirrungen und Konflikte nacti sich zu ziehen, die ernsten Charakter tragen. Von dem Momente an, wo jener — man kann wohl sagen verhängnisvolle — Brief Disengoffs im ״Doar-Uajom“ erschien, der der Unken den Kampf ansagte, war cs klar, daß es sich hier um keinen Rücktritt handelt, der mit Leichtigkeit wieder in Ordnung zu bringen sei, sondern um einen schweren Konflikt, der wohl objektive Gründe hatte, aber von gewissen Scharfmachern aufgebläht und genau zur Unrechten Stunde zum Ausbruch gebracht worden war. Es ist bezeichnend, daß Dbcngoff, wie der ״Haarcz" mitteÜt, sein Schreiben von der Redaktion des ״Doar-Hajora“ zurückvcrlaugt hat, um verschiedenes zu ändern, aber die Antwort erhielt, es sei bereits gedruckt. Mit allen Kräften scheinen die Kreise, die rechts vom ״Haarcz“ stehen, bemüht, den RIß zwischen den Parteien zu erweitern, Disengoffs Wcigerung, auf seinen Posten zurückzukehren, unabänderlich zu gestalten, und aus den Wirren, die daraus entstehen, eine Waffe und eine starke Rechtspartei zu gestalten. & Ist jetzt bald vierzehn Tage, her, seitdem die Frage der Ab- Schaffung des Schulgeldes und der Einführung der Schul- Steuer die Krisis in der Stadtverwaltung herbeiführte. Seitdem sind wir keinen Schritt weitergekommen• Im Gegenteil. Die Kampfstimmung ist gewachsen, die Gegensätze haben sich verschlimmert, es sicht immer mehr danach aus, als wollte man cs darauf ankommen lassen, wie sich die Dinge entwickeln, selbst auf die Gefahr hin, daß Neuwählen unvermeidlich werden. In der Presse 11 n.1 in den Versammlungen hat man bereits aufgehört, die Frage der Abschaffung des Schulgeldes in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Man weiß, daß dieser Punkt nur den Stein ins Rollen gebracht hat und daß es sich 11m den gesamten Komplex der Munizipalpolitik handelt, ln den Kreisen der ״Haus- und Grundbesitzer“ arbeitet man mit allen Kräften an einer Zusammenfassung der rechtsgerichteten Elemente. Man plant sogar die Herausgabe einer Wochenschrift, weil man sich mit der Unterstützung des ״Doar-Hajom“ nicht genügen läßt. In der letzten Ver- Sammlung der ״Haus- und Grundbesitzer“ ist die Absicht, Neuwahlen herbeizuführen, klar au gesprochen worden. Die Arbeiterfraktion in der Stadtverwaltung Lt dem Brief Disengofff in einem ausführlichen;^ntwlrt»j:Kreib,ttt mtgemn• getreten ׳ rt»t hat ihre .#tefltt«f־»'iei־ffatirdier Wfiialpi!• Politik klargelegt. Der ״Haarez“ bemühte ri h verschledent-!ich in größeren und kleineren Artikeln die gegensätzliehen Strömungen zu einem Ausgleich zu bewegen, bisher jedoch ohne Erfolg. Aller Voraussicht nach bieten sich die folgenden Mögliehkeiten zur Beilegung des Konflikts: Trotz aller Schwierigkeiten, die sich einer solchen Lösung in den Weg stellen, könnte eine Ver tänöigung der Gegenströmungen dcn status quo wieder herstellcn. Das bedeutet, daß Dicengoff seinen Posten als Bürgermei ter unter bestimmten Bedingungen übernimmt. Die Frage der Abschaffung des Schulgeldes wäre dabei von untergeordneter Bedeutung, wenn sie auch wohl von der oder jener Seite gewissermaßen als Prämie behandelt werden mag. Die zweite Möglichkeit wäre eine Uebernahme der Geschäfte der Stadtverwaltu ng durch die von einigen linksbürgerlichen Deputierten verstärkte Arbeiterfraktion. Dies könnte mit Zustimmung oder — was die dritte Möglichkeit wäre — ohne Zustimmung der übrigen Teile der Stadtverwaltung gerchehen. Und scli’ießlich — der vierte und wie uns scheint ungünstigste — Fall wäre die Ausschreibung von Neuwahlen. Wir haben in unserem vorigen Bericht t&reits. angedeutet, warum wir diese letzte Möglichkeit, die Auflösung der Stadt. Verwaltung und Wahlen im gegenwärtigen Augenblick für so bedrohlich halten. Nicht etwa, daß die große Oeffentlid* keit keiner gründlichen Informierung bedürfte. Aber man kann bezweifeln, daß eine WahLchfaeht im gegenwärtige!) Moment viel in diesem Sinne tun würde. Die Atmosphäre wird von vornherein erbittert und unsachlHi sein und die ökonomische Lage wird die Interessen allzu hart aufeinanderplatz.cn lassen. So muß man den drohenden Neuwählen mit Bedenken entgegensehen, die von den politisehen und wirtschaftlichen Aspekten des Landes noch verschärft werden. Wir stehen dicht vor der ersten Session der ״Assefat Hanlwcharim“. Wir hoffen, daß wir durch ihre Arbeit endlieh zu einem palästinensrchen Gcmeindegesetz gelangen werden, das uns einen genügenden Rahmen für unsere Autonomie schaffen soll. Gerade in diesem Moment wird unsere Autonomie an einem der wichtigsten Punkte, in unserem stärksten Zentrum von innen heraus bedroht. Der Konflikt in Tel-Awiw, dessen Folgen heute noch nicht abzusehen sind, kann zu so schweren Erschüttcrungen führen, daß sogar ein Eingriff von außen in den Bereich der Möglichkeit rückt. Das ist für uns durchaus unerwünscht und würde der werdenden jüdischen Autonomie nicht zum Nutzen gereichen. Es ist unnötig, an dieser Stelle noch einmal alle Daten auf/uzählcn, die beweisen, daß heute eine ungewöhnliche soziale und ökonomische Anspamtuiig notwendig ist, um die nächsten scluvcren Monate 711 überdauern. Auch die oberflächlrhe Kenntnis der heutigen Verhältnisse und bcsonders der Lage in Tel-Awiw genügt, um zu erkennen, daß der Konflikt üble Konsequenzen haben kann. Das wichtigste jüdische Zentrum darf in der heufigen schweren Lage nicht lange ohne Leitung bleiben. Ostjude Der Ke! Kreuzzügen hin- und l lind durch iierung durc Die Wände! die Millione! Juden, die heute erhalt Jahrhundert« und wird ן die den uu Besetzung I erstell russi vorigen Jali Die Be Brüden! mi dischen Sitt einmal der soll unter L dt 1111 ich bi war in Isra noch bis zu rung. Viele waren aus nischen Ein komme des Rießcrs F;u Delflners Seidcniabrik in Tel-Awiw Ein Korrespondent des Warschauer ״Moment״ berichtet über die provisorische Schließung der Seidenfabrik Delfin er in Tel-Awiw seinem Blatte: Der Geschäftsgang der Fabrik ist ausgezeichnet. Noch in den letzten Tagen hat Herr Delfincr, der in Tel-Awiw׳ weilte, aus Aegypten Aufträge in der Höhe von 6Ö0Ö £ mitgebracht. Um so erstaunlicher wirkte sein Entschluß, die Fabrik vorläufig stillzulegen. Herr Delfincr erte'lte dem Bürgermeister von Tel-Awiw, Herrn Digengoff, die Voll macht, die Fabrik, die ungefähr 35000 £ Investierungen erfordert hat, zu verkaufen, selbst 11 nj den Drittelt des tatsächlichen Wertes. Für diesen Entschluß scheinen keine in der Prosperität der Fabrik oder in den Verhältnissen Palästinas liegenden Gründe maßgebend ge■ wesen zu sein. Vielmehr dürfte es sich um private Ur• Sachen bei Herrn Delfiner handeln, der bekanntlich auch in Wien Industrie-Unternehmungen hat. Möglicherweise benötigt Herr Delfincr rasch flüssige Mitte! und mußte sich darum zu einer Verwertung seines palästinensischen Eigentums entschließen. Es ist kein Zweifel, daß sich in Anbetracht der günstigen Lage des Unternehmens in Tel- Awiw raschesten« Käufer finden werden, die den Betrieb, hoffentlich in vergrößertem Umfange, fortzusetzen in der Lage sind. Das w׳t »mauzipatioi gessen sehn ilurtun, sie gewonnener gebracht, g Judentums man die f sind, die jü! bewahrt ha erinnert, di! Herz gedrü׳ Paria, 10. Januar. (J. T. A.) Der Kongreß. 4er Arehl»• logen für den Mittleren Osten wird im April d. J. in Jeru* salem eröffnet und dann ln Beirut und Damaskus fortgesetzt werden. Die Protektion über die Veranstaltung haben Lord Plumcr und de Jouvenel übernommen. Die Teilnehtner werden die archäologisch-interessanten Orte Jeru־ salem, Tiberias, Petra, Sidon, Baalbek, Tripolis, Megiddoh und Jedda besuchen. 1)och e Das wa r d blickt«* ja den östlich« kümmerten preußische Juden und nicht wenig! schieden die nicht zu ti; Iba Santi König voa Bedschas? London, 11. Jan. (Wolff.) ״Daily Telegraph” meldet aus Dschiddah: Am Freitag hat die Oeffcntliche Versamtnlung in Dschiddah Ibn Saud zum König von Hcdschas proklamiert. Lord Plumer ist am 10. Januar aus Palästina in Kairo eingetroffen und bei dem kommandierenden Genera! der englischen Truppen, Sir R. Halling, abgestiegen. Von Kairo begibt sich Plumer nach Luxor und sodann nach dem Sudan zur Eröffnung des neuen Sennar-Stauwerkes. Je tnel: mit aller Ini erschien all erinnerte. I gjjd» in de Ss;' «ra1r־:ui rrt#ri'TlndG Existenz bt meinde bew geduldet, v Der Orach, wurde sein Die j vom jiidis die blutbc füllen. Ih Väter, die litten, und entronnene Die dem j in der Ge! Rechtlose heit nienia gtes Glic 907 bis ttieromane 1. Jakob Wassermann hat in seinem neuen Roman ״L a u d i n und die Seinen“ (S. Fischer Verlag, Berlin, 1925) unternommen, eine psychologische Studie der modernen Ehe und, damit zusammenhängend, der ganzen heutigen Gesellschaft eines sterbenden Europa zu geben. Dieses Buch ist nicht nur wegen der Person des Verfassers, eines der bedeutendsten jüdischen Dichter deutscher Zunge, und nicht nur deshalb für uns interessant, weil in Wassermanns Gestalten immer auch jüdische Züge vorhanden sind, sondern weil der Gegenstand des Birhes auch für uns ein entscheidendes Lebensproblein ist*). Doktor Laudin, Rechtsanwalt von bestem Rang und Namen, erwach^ nach viel jähriger, glücklicher Ehe mit einer makellosen, schönen, cngelsguten Frau, aus einem Dümmerzustaml, in welchen ihn Mechanik des Lebens, Gleichmäßigkeit, Ordnung, Sicherheit allmählich versetzt haben. Was bisher Vollendung schien, wird Unzulänglichkeit, Oede. Die Frau in ihrer harmonischen Gesch.o..״enheit versteht ihn nicht und hat ihn nie verstanden. Sie fühlt und weiß nichts um die Zerrissenheit und die Anfechtungen ihres Gatten, der, als Anwalt so vieler Schiffbrüchiger der Ehe, nicht mehr vermag Recht zu ve treten, wo von Recht oder Unrecht nicht die Rede sein kann. Sie empfindet nur seine Loslösung von Frau und Familie und ergibt sich — wie immer zuvor auch in dieses Schicksal. Eine Andere begegnet Laudin, eine, deren Feuer alle, die in ihre Nähe kommen in Flamme״ steckt und vernichtet. Sie hat man¬ *) Wassermann hat si.h, unter Zugrundelegung seines hier be prorirtnen Romanes, zum Problem der ״bflrgerliehen Ehe“ in einem Aufsatz, der in dem von Graf Hermann Keyserling herausgegebenen ״E h c b u e h“, einer Sammlung von 24 Aufsätzen bedeutender Zeltgenossen (Verlag Niels Kampmann, Celle) geäußert. Wir werden auf dieses Sammelbuch, das viel von sich reden macht, noch zurückkommen. Wassermann charakterisiert dort die völlige Unhaltbarkeit der heutigen bürgerlichen Ehe, deren Verhängnis darin liege, daß ״äußeres Gesetz und inneres Gesetz nicht bloß nichts mehr miteinander zu schaffen haben, sondern auch einander zerstören.“ ches Menschenleben auf ihrem Gewusen. Und auch Laudin, der Zuverlässigsten einer, erliegt diesem lockenden Dämon. An ihr entzünden sich alle seine schlummernden Leidenschäften. Er vergißt Familie, Beruf, all das, was bisher Erfüllung seiner bürgerlichen Existenz war, und lebt, ja fiebert einzig in dem Gedanken, erhört zu werden. Als die Verworfenheit dieser Frau unrbwu li 11 zutage tritt, bricht Laudin zusammen und fällt •— in die Arme der engelsguten, der verzeihenden Gattin, die ihn in die Abgeschiedenheit entführt, hoffend, daß doch alles wieder so gut werden möge, wie es einst gewesen. In diesem Buch werden Abgründe sichtbar, die einen erschauern lassen. Die ganze moderne Gesellschaftsordnung mit ihrer bis in die Orundpfeiler morsch gewordenen Moralität, mit ihrer Verlogenheit und Leere ersteht vor uns. Aber sind wir erst so weit gelangt, zu erkennen, daß eine Welt so ni ht bestehen wird, da geschieht das Sonderbare: es beginnt von neuem. Es wäre müßig, wollte man das längst Anerkannte wiederholen und viele Worte über Wassermanns Künstlertum, die Mei terschaft seiner Gestaltung und seiner Analyse, über den oft geradezu heilseherischen Blick für die Tiefen der menschlichen Seele sagen: den vorwärts Drängenden, Löיungen Suchenden, befriedigt dieses Buch trotz alledem nicht. Und schon gar nicht den jüdischen Menschen, der jene zerfallende Welt verneint, die hier gezeichnet wird und die ja in der Tat im jüdischen Bü^ertum unseres (des liberalen) ZJlalters eine besonders charakte.i ti *che Ausprägung gefunden hat. Denn nirgends Ist die Entwurzelung, die Auflösung der Bindungen, soweit fortgeschritten, wie beim modernen Juden, dessen Haltlosigkeit ja gerade Wassermann an mehreren Stellen (am Bestien im ״Literaten“) gekennzei'hnet hat. Wer aber zu schöpferischer Ge taltung des Lebens und der Gesellschaft drängt, den läßt ״Laudin und de Seinen“ ohne Hoffnung zurück: und wir fragen nur immer wieder: wozu das alles, wenn wir doch wieder in den Pfuhl zurück sollen? Hat dieser Doktor Laudin, den wir als einen um die Wahrheit Ringenden gekannt haben, verstanden, daß die Welt, in der er gelebt, dem Untergang geweiht ist: wie denn? Kehrt er dennoch zu ihr zurück? Und verschließt sieh in einer Idyllik, die er eben erst als unwahr erkannt, vor dem Ansturm des Lebe־״? Donpclter Untergang! Doch Ist dies keine Tragödie eines Menschenlebens, sondern nur die Farce. II. Aehnücher Probleme voll, aber ganz utijüdisch und darum ein seltsamer Kontrast, auch mit mehr Seelenruhe und Zukunftrgläublgkeit, ist des Engländers H. O. Wefls Roman ״Die Geschichte einer Ehe“ (Verlag Gustav Kiepenheuer, Potsdam, 1925). Ein Buch von fast 600 Seiten, das man in einem Atemzug liest, obwohl es den meist so langweiligen Gegenstand: aie Ehegeschi *hte zweier junger Leute, zum Inhalt hat. Wie geht das zu? Zunächst gibt es in diesem Buch kein unwahres Wort, das zum Zweck der künstlichen Konstruktion eines künstli h c g übeiten Gedankens gesagt wäre. Sondern ganz unmittelbar und organisch wächst eine Erkenntnis aus der anderen empor, beleuchtet mit so klarem Blick die Situation!11 ihre tiefste Problematik hinein, daß wir fühlen: hier wird nicht nur gute Unterhaltung gespendet —• der glänzende Humor des Autors ist Ausdruck tiefer Weisheit — hier gibt einer, der etwas vom Leben weiß, in unpedantischer, uttpädagogischer Weise Richtlinien zu einer wesentlichen und möglichen Verständigung zwischen den Geschlechtern. Die notwendigen Konflikte, die in fast jeder Ehe früher oder später zum Ausbruch kommen, oder die doch unterirdisch immer vorhanden sind, sie werden nicht gelöst, indem Resignation und Niederlage den einen von beiden zum passiven Partner stempeln, sondern unerbittlicher Kampf um die Wahrheit, an dem Mann und Frau in gleichem Maße beteiligt sein müssen, beschert ihnen schließlich jene Einheit, die jeder Liebe letzter Sinn bleibt. Wells stellt uns zwei junge,!ebenssprühende Menschen vor, die mit der Liebe zueinander Himmel und Erde sttirmen wollen. Aber auch hier zeigt sich nach erschöpfter Leidenschaft — daß der Mann, der seine hoffnungsvolle Gelehrtenlaufbahn um des Verdienen* willen verlassen hat, diesen Stachel nicht verwinden wird. Die Frau, im Reichtum berauscht, scheint zufrieden. Bis er nach langen Jahren unterdrückter Bitterkeit beschließt, in letzter Stunde zu retten, was von seinem zerbrochenen Leben noch zu retten ist. Er will Frau und Kinder verlassen, um in ferner Einsamkeit die Kraft der Selbstbesinnung wiederzufinden. Er sagt cs ihr. Und nun erwacht auch sie und erkennt - nach mancherlei Kämpfen — was sic auf der Jagd nach äußerem Glanz und Befriedigung leerer Eitelkeiten verlor«! hat. Sie will mit ihm ein neues Leben begiuneu und beide finden befreiten G Das klii Ausgangs“ lebenswahr als der uns befriedigten lenden, unb■ ersteht vor allen gut*« ist, vcrbunc Freilich *im* Vorau> Man dieser darf nicht!thnrming ehtien, er iceibliclie O ׳k׳n. Ist!!!:t'horuic, t die Regel Zuktinftsgcs* hängt. Unter d logie, Gesell Zeit im Vc k'hrift für kulti1rcI1(*n I Begründer 11 Prof. Dr. F. Von den t Leserkreises bekannt, al* "'Ksensch:!!( ׳'!us diesem Aber der ן Hefte (das (Hß hier voi